Inhalt
1. Einführung
1.1 Enstehung und Gegenstand der Sprachtranskription S 1
1.2 Lautliche Phänomene gesprochener Sprache S 4
2. Transkriptionssysteme zur Übertragung von Laut und Gespräch
in Schrift Entstehung und Verwendung
2.1 Transkriptionssysteme für lautliche Authentizität S 5
2.1.1 Literarische Transkription (LT) S 5
2.1.2 Phonetische Transkription (IPA) S 6
2.1.3 Speech Assessment Methods Phonetic Alphabet (SAMPA) S 7
2.1.4 Die Heidelberger Umschrift
oder Pidgin-Deutsch-Lautschrift (PDL) S 7
2.2 Transkriptionssysteme für pragmatische Authentizität S 7
2.2.1 Formale Konversationsanalyse (KA) S 8
2.2.2 Halbinterpretative Arbeitstranskriptionen (HIAT) S 9
2.2.3 Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT) S 10
3. Abschließende Betrachtung und Ausblick
S 11 NA
Literaturverzeichnis NA
S 13 NA
Transkriptionssysteme im Vergleich
1. Einführung
1.1 Enstehung und Gegenstand der Sprachtranskription
„Eine wirkliche Zerlegung des Wortes in seine Elemente ist nicht bloß sehr schwierig, sie ist geradezu unmöglich. Das Wort ist nicht eine Aneinanderreihung einer bestimmten Anzahl selbständiger Laute, von denen jeder durch ein Zeichen des Alphabets ausgedrückt werden könnte, sondern es ist im Grunde immer eine kontinuierliche Reihe von unendlich vielen Lauten, und durch die Buchstaben werden immer nur einzelne charakteristische Punkte dieser Reihe in unvollkommener Weise angedeutet.“ (Hermann Paul: Prinzipien der Sprachgeschichte 1880)
Der Terminus „Transkription“ (lat. transcribere – (hin)überschreiben, umschreiben, schriftlich übertragen) 1 bezieht sich auf die Wiedergabe eines gesprochenen Diskurses in einem situativen Kontext mit Hilfe alphabetischer Schriftsätze und anderer, auf kommunikatives Verhalten verweisender Symbole. 2 „Aufgrund der altbekannten Tatsache verba volant, scripta manent besteht die bleibende Verdauerung der flüchtigen Rede in ihrer schriftlichen Repräsentation.“ 3
Man kann den Übergang von der Oralität zur Literalität als einen entscheidendern Entwicklungsschritt in der Kulturgeschichte des Menschen betrachten, insofern als Erfahrungen, Wissen, Traditionen und auch Dichtungen nun raum- und zeitunabhängig konserviert und zur ständigen Verfügung gehalten werden konnten. 4 Für die mit Sprache befasste Gesellschaftswissenschaft ist eine Theorie sozialen Handelns unter Einschluss sämtlicher hierfür nutzbarer Zeichensysteme der kommunikativen Kompetenz ein zentrales theoretisches und empirisches Anliegen. 5 Transkriptionen sind die Voraussetzung jeglicher wissenschaftlicher Untersuchung mündlicher Kommunikationsprozesse. Sie stellen die auf dem Medium Papier fixierte bzw. heutzutage auch binär im PC dauerhaft gespeicherte Dokumentation gesprochener Sprache in ihren vielfachen Existenzformen dar. Unsere Alphabetschrift entspricht nicht – und noch weniger Bilder-, Wort- oder
1
Pertsch 1991: S.1206
2
Dittmar 2002: S.52
3
Ehlich nach Dittmar 2002: S. 50
4
Hengartner/Niederhauser 1993: S.60
5
Dittmar 2002: S.51
1
Transkriptionssysteme im Vergleich
Silbenschriften – einer direkten Verschriftung der Kommunikation 6 und Konversation. Vielmehr sind Verschriftungssysteme wie die Alphabetschriften – so auch das deutsche System – zwar in der Lage, mit einem kleinen Inventar graphischer Zeichen sämtliche Wörter der Sprache darzustellen, dennoch sind sie keine phonetischen Umschriften der Sprache, sondern phonemisch orientiert. Die gleichen Grapheme repräsentieren nicht immer den gleichen phonetischen Wert, es herrscht keine eindeutige Relation. Je nach Interesse am authentisch Geäußerten genügt diese Form der Transkription, z. B. bei starkem Interesse an der Inhaltsseite des Gesprochenen, etwa für Speicherung von Wissen oder als materielle Grundlage des Erinnerns. Auch für das Protokoll als Erinnerungsform des öffentlichen Rechts genügt die uneindeutige Repräsentation des Phonems durch das Graphem.
Will jedoch beispielsweise die naturimitierende Literatur evozierte Personen lebendig darstellen, kann eine starre und konventionalisierte Verschriftung die Lebendigkeit und den Farbklang der Stimmen nicht ausreichend wiedergeben. Jedoch ist die Stimme ist die Erkennungsmarke für den sozialen Status, die athmosphärische Stimmungslage und so für die unverwechselbare Identität einer Person. 7 Autoren versuchten daher, durch graphische Abweichungen von der Standardorthographie das Geschriebene dem Gesprochenen anzunähern. „Literarische Transkription“ oder „Literarische Umschrift“ nennt man diese graphische Wiedergabe mündlicher/umgangssprachlicher Stimmen. Frühe Beispiele solcher soziokultureller Vielstimmigkeit in der Literatur liefern etwa Gerhart Hauptmann oder auch Alfred Döblin. Auch in der wissenschaftlichen Praxis kommt es daher in der Anwendung meist zu Mischformen bei der Transkription: wissenschaftliche Transliteration, volkstümliche und mehr oder weniger wissenschaftliche phonetisch-orthographische Transkriptionen werden gemischt.
Sprechen als Ausdruck menschlicher Fähigkeit zum Gebrauch der Sprache ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung etwa auf den Gebieten der Psychologie,
6
In der Literatur finden sich zwei Termini, die scheinbar auf denselben Inhalt verweisen: „Verschriftung“ und „Verschriftlichung“; ich konnte keinen Bedeutungsunterschied ausmachen. Ich bevorzuge in dieser Arbeit den Ausdruck „Verschriftung“ und werde ihn durchgängig benutzen.
7 Dittmar 2002: S.26
2
Transkriptionssysteme im Vergleich
der Pädagogik, der Neurologie oder der Soziologie. Seit dem Beginn der modernen Gesprächsanalyse in den 60iger und 70iger Jahren ist die Transkription von Konversation in natürlichen Situationskontexten eine ihrer grundlegenden Voraussetzungen. 8 Sowohl in der Linguistik selbst als auch in den anderen Disziplinen wurde bald deutlich, dass sprachliche Interaktion nicht hinreichend mit dem Standard-Schriftsystem erfasst werden kann, sondern ein eigenes Transkriptionssystem erfordern würde. Da es für die neuen Forschungsaufgaben keine bewährten Vorbilder und praktischen Richtlinien gab, wurden in den
unterschiedlichen Forschungszusammenhängen Transkriptionskonventionen entwickelt, die im Laufe der praktischen Arbeit verfeinert und immer besser auf die jeweiligen Forschungsziele zugeschnitten wurden. Vor diesem Hintergrund haben sich im deutschsprachigen Raum und anderswo eine ganze Reihe z. T. ähnlicher, aber im Detail doch unterschiedlicher Transkriptionsverfahren entwickelt.
9
Für fundierte wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der gesprochenen Sprache benötigt man entsprechend normierte Aufzeichnungs- und Fixierungsverfahren. Empirische Untersuchungen von Konversation wurden durch die Entwicklung von Tonbandgeräten erst ermöglicht und ständig dadurch vereinfacht, dass die Geräte immer kleiner und portabel wurden. So können Gespräche reproduzierbar festgehalten werden, um sie so eingehend und so authentisch wie möglich zu analysieren. Im Bereich der Linguistik wird Sprache aus unterschiedlichen Intentionen transkribiert: zu phonologischen, phonetischen, dialektologischen oder diskursanalytischen Untersuchungen. Daher ist eine Transkription immer von den konkreten und sich gegebenenfalls verändernden Analyse- und Darstellungsinteressen abhängig.
In dieser Arbeit möchte ich mich neben den Systemen, bei denen die lautliche Authentizität im Vordergrund steht, im Schwerpunkt – auch mit Beispielen – jedoch mit den diskursanalytischen Verschriftungssystemen befassen. Dabei werde ich vorhandene Systeme skizzieren und versuchen, insbesondere die Entstehung
8
Schlobinski 2002: gat/index.htm
9
Schlobinski 2002: gat/index.htm
3
Quote paper:
Magistra Artium Katharina Kirsch, 2003, Transkriptionssysteme: Entstehung und Verwendung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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