Globalisierung -
Eine Chance für die Entwicklungsländer?
EINLEITUNG 3
1 WAS IST GLOBALISIERUNG? 6
1.1 Begriffsdefinitionen 6
1.2 Geschichte der Globalisierung 7
1.3 Grundelemente der Globalisierung 8
1.4 Globalisierungskonzepte. 9
1.5 Dimensionen der Globalisierung 10
1.5.1 Ökonomische Globalisierung. 10
1.5.2 Politische Globalisierung. 11
1.5.3 Kulturelle und gesellschaftliche Globalisierung 12
1.5.4 Ökologische Globalisierung. 14
2 GEWINNER UND VERLIERER DER GLOBALISIERUNG 15
2.1 Industrieländer 15
2.2 Schwellenländer. 16
2.3 Entwicklungsländer 16
2.3.1 Entwicklungsländer-Listen. 18
2.3.2 Definitionen. 19
2.3.2.1 Definition der Vereinten Nationen 19
2.3.2.2 Definition der Weltbank 19
2.4 Wachsende weltweite Ungleichheit 19
2.5 Exkurs: Was ist Armut? 20
2.6 Lebensbedingungen in den ärmsten Ländern. 22
2.7 Anteil der Entwicklungsländer am Welthandel 22
2.8 Marginalisierung der Entwicklungsländer 23
2.8.1 Gründe der Marginalisierung 24
2.8.2 Notwendige Schritte 25
3 ENTWICKLUNGSFINANZIERUNG UND ARMUTSBEKÄMPFUNG 26
3.1 Was ist Entwicklungspolitik? 26
3.2 7 internationale Entwicklungsziele für das 21. Jh. 27
4 REGIONALKONZEPT SUBSAHARA-AFRIKA 29
4.1 Problemfelder. 29
4.2 Entwicklungskonzept Subsahara-Afrika. 32
4.3 Zukunftsperspektiven. 33
5 GLOBALISIERUNGSCHANCEN AM BEISPIEL MOSAMBIK 34
5.1 Demographische Grundlagen. 34
5.2 Politische Situation 35
5.3 Wirtschaftliche Situation, Industrie und Handel 36
5.4 Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit. 37
5.5 Bilanz. 38
6 GLOBALISIERUNG ALS CHANCE? - SCHLUSSBETRACHTUNG 40
6.1 Hauptaufgaben der Entwicklungszusammenarbeit 40
6.1.1 Vorschlag 1: Nachhaltigkeit. 41
6.1.2 Vorschlag 2: Demokratisierung 41
6.1.3 Vorschlag 3: Armutsbekämpfung 41
6.1.4 Vorschlag 4: Entschuldung 41
6.1.4.1 Kritische Aspekte der Entschuldung. 42
6.2 Forderungen der Entwicklungsländer 43
7 LETZTE WORTE. 44
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN, SCHAUBILDER UND TABELLEN. 47
LITERATURVERZEICHNIS 48
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EINLEITUNG
„Eines der besten Bilder des Planeten Erde mit aller seiner Schönheit, das jemals aufgenommen wurde, wurde im Weltraum gemacht. Es zeigt die Erde als einen winzigen, farbigen Ball, umgeben von der Dunkelheit und der Leere des Alls. Es ist ein schönes Bild, man kann es nicht in rassische Segmente aufteilen. Es ist eine Welt, der Platz, an den wir uns zu halten haben, auf dem wir die Widersprüche überwinden müssen, zwischen Liebe und Hass, Armut und Überfluss, Krieg und Frieden, Reich und Arm, Schwarz und Weiß, verschwenderischem Konsum und Hunger. Wir haben die Mittel, um aus dem, was das Bild zeigt, eine schöne, harmonische, nahezu perfekte Welt zu formen, wir brauchen nur den Willen.“
Obasanjo macht deutlich, dass die Welt einer Globalisierung bedarf, die Regeln unterliegt und die bestehenden Ungleichheiten durch friedliche Harmonisierung beseitigt. Aber was ist nun Globalisierung, wie kam es zu dieser Entwicklung, die in aller Munde und doch mit vielen Fragezeichen versehen ist? Der Begriff Globalisierung ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort geworden, das in allen Bereichen des Lebens inflationär verwendet wird. Abbildung 1 2 : Gesamtnennungen des Wortes Globalisierung in der FAZ von 1993 bis 2000
1 Tetzlaff, Rainer 2000: S. 257
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Auf der einen Seite bemerken wir den Trend zur Globalisierung der Ökonomien, zur Zivilisierung der Weltpolitik, zur Universalisierung und Säkularisierung von Kultur und Wertesystemen. An die Stelle der Staatenwelt, der Nationalökonomien und der kulturellen Identitäten tritt die Weltgesellschaft, die Weltwirtschaft, die Weltkultur. Auf der anderen Seite ist ein Prozess der Fragmentierung, der Renaissance der Nationalismen, der staatlichen Zersplitterung, der Retribalisierung, der Refundamentalisierung zu erkennen. 3
Mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Weltreiches wurde unzweifelhaft eine neue Ära der Weltpolitik eingeleitet. Die alte politische Ordnung des Kalten Krieges trat ab und eine neue Ordnung wurde geboren, die der vertrauten Welt des
20. Jahrhunderts nur wenig gleicht. Aus dem Ost-West-Konflikt, dem „Kampf der Ideologien“, ging die westliche Demokratie als alleiniger Sieger hervor und der Kapitalismus trat seinen Siegeszug um die Welt an. Das Schicksal der Menschheit wird im nächsten Jahrtausend von einer neuen Runde von Gewinnern und Verlie-
rern bestimmt. Doch wer wird gewinnen und wer verlieren?
Die Gefühle der Menschen angesichts dieses Prozesses, sind vielfältig und oft widersprüchlich. Bei den einen löst er Aufbruchstimmung aus. Für sie ist Globalisierung eine Befreiung aus engen und überholten Grenzen. Andere urteilen dagegen zurückhaltender oder empfinden gar Angstgefühle. Nur in einer Hinsicht herrscht offenbar Einigkeit: Globalisierung ist nicht etwas, das wieder aufgehalten oder nach Belieben zurückgedreht werden kann. Ihre Begleiterscheinungen können allenfalls eine zeitlang ignoriert werden, entziehen kann sich ihnen auf Dauer keiner.
Mit dieser Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit Globalisierung Chancen für die Entwicklungsländer bietet. Zunächst soll der Begriff Globalisierung mit seinen vielfältigen Dimensionen zum besseren Verständnis erklärt werden. Im folgenden werden die Gewinner und Verlierer in Kategorien unterteilt. Hierbei gilt ein besonderes Augenmerk den Entwicklungsländern, den
2 Enquete-Kommission 2001: S. 3
3 Menzel, Ulrich 1998: S. 46
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dortigen Lebensbedingungen sowie Ursachen und Behebung der Marginalisierung. In einem kurzen Exkurs wird der Begriff Armut definiert. Das 3. Kapitel stellt Maßnahmen zur Entwicklungsförderung vor und leitet über zum Regionalkonzept Subsahara-Afrika, welches im 4. Kapitel vorgestellt wird.
Am Beispiel Mosambik sollen die Entwicklungschancen im Rahmen der Globalisierung dargestellt werden, um abschließend in einer kritischen Schlussbetrachtung, die Chancen und Risiken der Globalisierung abzuwägen. Den Schluss der Arbeit bildet eine persönliche Stellungnahme.
Stützen wird sich diese Arbeit zum einen auf das in den alljährlichen Berichten der Weltbank sowie verschiedener UN-Organisationen und der Bundesministerien veröffentlichte Datenmaterial, zum anderen auf die äußerst umfangreiche Fachliteratur zu den Themen Weltgesellschaft, Entwicklung und Globalisierung und aktuelle Informationen aus dem Internet. Eine Darstellung und Diskussion der gesamten Literatur erscheint weder notwendig noch sinnvoll, so dass sich diese
Arbeit auf eine überschaubare Auswahl an Titeln beschränkt.
Der Umfang des Themengebietes und die hier formulierten Ansprüche lassen erahnen, dass im Rahmen einer Schriftlichen Prüfungsleistung nicht alle Aspekte erschöpfend behandelt werden können. Dennoch soll der Versuch unternommen werden, die wesentlichen Punkte der Problemanalyse und der Lösungsvorschläge so ausführlich wie möglich darzulegen.
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1 WAS IST GLOBALISIERUNG?
„Globalisierung ist nichts Neues, aber die heutige Ära unterscheidet sich deutlich von früheren. Sie lässt Zeit und Raum schrumpfen und Grenzen wegfallen, daher werden Verbindungen zwischen den Menschen enger, intensiver und direkter als je zuvor.” 4
1.1 Begriffsdefinitionen
Schamp 5 : Ökonomische Globalisierung als ein historischer Prozess, in dem mächtige Akteure eine weltweite Integration von Wirtschaftssektoren und Produktionssystemen bewirken, die zuvor territorial weitgehend getrennt waren. Globalisierung als neue Phase des kapitalistischen Weltsystems.
Giddens 6 : „Definieren lässt sich der Begriff (...) im Sinne einer Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse am einen Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und
Krätke 7 : Prozess der weiträumigen Ausdehnung und Verknüpfung von Aktivitäten, der in einer wachsenden, regionale und nationale Grenzen überschreitenden Bewegung von Gütern, Kapital und Menschen zum Ausdruck kommt.
Fischer 8 : Der Begriff der Globalisierung fokussiert in sich verschiedene, mehr oder weniger voneinander unabhängig verlaufende Entwicklungstrends von Wirtschaft und Gesellschaft, national wie international. Der Begriff bezieht sich vordergründig auf die wachsende Unabhängigkeit der internationalen Märkte und großer internationaler Industrie- und Dienstleistungsunternehmen allen voran der internationale Finanz- und Kapitalmarkt.
4 UNDP 1999: S. 203
5 Schamp, E.W. 1996: S. 205 - 219
6 CD-ROM „Global lernen“ 2001
7 Krätke, S. 1995: S. 207-221
8 Fischer, Joschka 1998: S. 33
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1.2 Geschichte der Globalisierung
Bei der Globalisierung handelt es sich offenkundig um einen Prozess, der bereits im 16. Jahrhundert begann, als die europäischen Seefahrer große Teile der außereuropäischen Welt für sich entdeckten und der internationale Warenhandel einen enormen Aufschwung erfuhr. In geschichtlicher Sicht stellt die Globalisierung kein neues Phänomen dar. Schon Karl Marx und Friedrich Engels beschrieben vor 150 Jahren im Kommunistischen Manifest diesen Tatbestand: „Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. (...) An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine
allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“
9
Bei einer Konferenz im amerikanischen Bretton Woods vereinbarten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Vereinigten Staaten, ihre westlichen Verbündeten und einige andere Staaten eine neue Weltfinanzordnung, die u. a. dazu beitragen sollte, Wirtschaftskrisen wie jene von 1929 zu verhindern und weltweit wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank wurden erstmals Finanzinstitutionen geschaffen, die international wirksame währungs- und finanzpolitische Regelungen treffen konnten, die für alle Mitgliedsstaaten verbindlich waren und sind.
Der wirtschaftliche Verflechtungsprozess erhielt Anfang der 70er Jahre eine besondere Dynamik, als nach dem sogenannten „Ölpreisschock” die Führer der sechs größten Industrienationen beschlossen, ihre nationalen Wirtschafts- und Währungspolitiken aufeinander abzustimmen. Wenig später begannen die Regierungen der USA und Großbritanniens in Zusammenarbeit mit transnationalen Konzernen, die Deregulierung der Weltwirtschaft voranzutreiben.
9 Woyke, Wichard 2000: S. 112
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Die ökonomische Internationalisierung wurde durch die Zollverhandlungen des GATT 10 , die Abschaffung des Systems fester Wechselkurse und den europäischen Integrationsprozess sowie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) 11 politisch auf den Weg gebracht. Erleichtert wurden die weltwirtschaftlichen Verflechtungen außerdem durch die ungehinderte Zirkulation von Kapital, die Abschaffung von Zollschranken und behördlichen Regelungen.
1.3 Grundelemente der Globalisierung
Die rasch fortschreitende Globalisierung auf technischem, ökonomischem und ökologischem Gebiet führt dazu, dass einzelne Wertesysteme der verschiedenen Kulturen miteinander kollidieren. Erleichtert und vereinfacht worden sind die weltwirtschaftlichen Verflechtungen durch Prozesse der
Liberalisierung, Dere-
Dochnicht nur Güter und Dienstleistungen werden ohne Überwindung großer Hürden in aller Welt ver- und gekauft, auch das Geld ist von nahezu allen staatlichen Fesseln und Grenzen befreit. Es findet sich überall dort ein, wo es entweder
10 Anm.: Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and
Trade): Auf der Handelskonferenz in Genf am 30. Oktober 1947 abgeschlossener Vertrag,
der von 23 Staaten unterzeichnet wurde. Kernpunkt der Vereinbarung war die Bildung
eines internationalen Forums, das sich der Ausweitung des multilateralen Handels
widmete und sich um Schlichtung und Beilegung internationaler Handelsstreitigkeiten
bemühte. vgl. Microsoft Encarta Professional 2002
11 Anm.: North American Free Trade Agreement: Wirtschaftsabkommen zum stufenweisen
Abbau von Zöllen und anderen Schranken zugunsten des Freihandels, zum Abbau von
Investitionshürden und zum Schutz des geistigen Eigentums. Das NAFTA-Abkommen
wurde von Kanada, Mexiko und den USA am 17. Dezember 1992 unterzeichnet und trat
am 1. Januar 1994 in Kraft. vgl. Microsoft Encarta Professional 2002
12 http://www.venro.org/fr_global.html vom 22.07.2002
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als Investition in ein Unternehmen oder auf den Finanzmärkten anderer Staaten eine gute Rendite verspricht. 13
Die Kehrseite der Globalisierung ist, dass sie sich in bestimmten Regionen konzentriert - eine Globalisierung der Globalisierung bleibt vorerst eine Illusion. Die Auslandsinvestitionen strömen meist von Industrieländern in Industrieländer. Die starke Konzentration der Außenhandelsbeziehungen auf europäische Nachbarländer sowie die USA und Japan zeigt, dass trotz des wachsenden Umfangs internationaler Handelsströme von einer echten Globalisierung (noch) keine Rede sein kann.
13 CD-ROM „Global Lernen“ 2001
14 http://www.kulturgeo.uni-freiburg.de/mitarb/dittrich/globali.html vom 07.06.2002
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1.5 Dimensionen der Globalisierung
In der öffentlichen Diskussion wird Globalisierung als vorwiegend ökonomischer Prozess verstanden. Vorrangig werden mit dem Begriff Inhalte verknüpft wie:
steigende Direktinvestitionen;
Verlagerung von Produktionskapazitäten über nationale Grenzen hinweg; steigende Bedeutung der Finanzmärkte und transnationaler Unternehmen; schnelleres Wachstum des Welthandels als der Weltproduktion.
Diese Sicht der Dinge übersieht allerdings andere Dimensionen dieser Entwick-
lungen
15
, die im weiteren dargestellt werden sollen.
1.5.1
In der weitgehend sich liberalisierenden Welt ist ein Warenverkehr um den ganzen Globus, in dessen Folge der weltumspannende Handel immer mehr zusammenwächst, entstanden. Der Abbau von Regulierungen im Wirtschafts- und Finanzbereich hat große Kapitalströme in Bewegung gesetzt. 16 Diese Weltwirtschaft ist jedoch noch nicht als global zu bezeichnen: Lediglich 20 % der Güter und Dienstleistungen werden international gehandelt. Zudem sind gerade 30 % der Weltbevölkerung in die Weltwirtschaft integriert. 17
Weiterhin ist eine Globalisierung an der verstärkten Abkopplung der Finanzmärkte von der realwirtschaftlichen Entwicklung festzustellen, wobei es zu verstärkten kurzfristigen Kapitalanlagen der rein spekulativen Art kommt. Die zentralen Akteure der ökonomischen Globalisierung sind dabei die transnationalen Konzerne. Diese sogenannten „Global Players“ gelten als die Motoren der Globalisierung und wickeln etwa drei Viertel des Welthandels ab. 18
15 Steger, Ulrich: 1999: S. 155
16 Pinzani, Alessandro 2000: S. 31 - 38
17 Woyke, Wichard 2000: S. 115
18 Hengsbach, Friedhelm 1999: S. 12
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Abbildung 2 19
Der wirtschaftliche Aspekt bleibt die „driving force“ der Globalisierung. Das Zeitalter des „organisierten Kapitalismus“ ist vorbei. Die Technologieentwicklung besonders auf dem Gebiet der Informations- und Medientechnik wirkt als Kataly-sator der Globalisierung. Aus Angst, den weltweiten Anschluss zu verpassen, geben die Nationalstaaten immer mehr Kontrolle zugunsten kapitalfreundlicher
Das marktwirtschaftliche System hat sich mittlerweile weltweit durchgesetzt und es wird zunehmend wichtiger, was in anderen Teilen der Welt passiert. Die Expansion des Welthandels mit Gütern und Dienstleistungen schreitet durch die immer stärkere räumliche Vernetzung und zeitliche Verdichtung der Entwicklungen mit enormem Tempo voran.
1.5.2 Politische Globalisierung
Infolge der ökonomischen Globalisierung bricht die Wirtschaft aus dem territorialen Rahmen aus, ohne dass entsprechende Institutionen ihr Zügel anlegen könnten. 20 Feststellbar ist in diesem Zusammenhang eine Verringerung nationalstaatlicher Souveränität. Zurückzuführen ist diese „Denationalisierung“ 21 laut Reinhard Rode vor allem auf die steigende Bedeutung internationaler politischer Koopera-
19 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2002: S. 44
20 Beck, Ulrich/Willms, Johannes 2000
21 Rode, Reinhard in: Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter 2000: S. 255 - 264
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tionsformen wie die Vereinten Nationen oder die Welthandelsorganisation genannt. 22
Infolge der Globalisierung schließen sich Staaten zusammen, um gemeinsam nach außen eine stärkere Stellung einzunehmen, als sie als Einzelstaaten besitzen würden. 23 Dies kann als Antwort der Nationalstaaten auf die Globalisierung gesehen werden, mit der sie einen Teil der Souveränität wiedergewinnen wollen, den sie dem Markt durch ihre Deregulationspolitik abgegeben haben.
1.5.3 Kulturelle und gesellschaftliche Globalisierung
Auf ökonomischem Gebiet lässt sich der Globalisierungsprozess genau beobachten und anhand von Indikatoren quantifizieren. Die Bedeutung der Globalisierung für die Kultur ist dagegen weder exakt zu belegen noch unumstritten.
Schlagwort einer kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung innerhalb der Globalisierung ist die „McDonaldisierung“ der Welt. Damit ist die Verbreitung und Verbilligung moderner Massenkommunikationsmittel, gestiegene Mobilität und die weltweite Anziehungskraft des westlichen Wohlstandsmodells gemeint. 24 Vielfältige Kommunikations- und Reisemöglichkeiten, das Internet und die englische Sprache sind einige Stichworte, die auf intensivere Kommunikation verweisen. Die weltweite Ausbreitung von westlich geprägten Technologien, Waren und Dienstleistungen zieht bestimmte Standards und Wertvorstellungen nach sich. 25
Es ist offensichtlich, dass diese Entwicklung die unterschiedlichen Kulturen beeinflusst und mitunter bis in alltägliche Gewohnheiten hinein verändert. Vermittelt durch das Fernsehen, Filme sowie durch Musik wird ein Lebensstil geprägt, dessen Bedeutung weit über sein Ursprungsland hinausreicht.
22 Rode, Reinhard in: Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter 2000: S. 255 - 264
23 Link, Werner 1998: S. 100
24 Woyke, Wichard 2000: S. 118
25 Brand, Ulrich 2000: S. 76f.
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Schaubild 3 26
Kolonialismus und christliche Missionsbewegung haben schon in der Vergangenheit zur weltweiten Verbreitung westlicher Lebens- und Denkformen beigetragen. Jedoch kommt es nunmehr nicht nur zu einer Verbreitung westlicher Kultur, auch Menschen verschiedener Kulturen leben verstärkt in gemeinsamen Kulturkreisen
Mit dem Vordringen zumeist westlicher Werte und Kultur in nicht-westliche Regionen sehen viele Theoretiker neue Probleme für die Weltpolitik heraufziehen. Von dem Göttinger Islamwissenschaftlicher Bassam Tibi stammt die These, dass wir es mit einer Gleichzeitigkeit von struktureller Globalisierung und kultureller Fragmentierung zu tun haben. 27 Der Rückbezug auf Kultur und vor allem auf Religion wird als einziger Ausweg gegen die Übermacht des Westens empfunden. Dabei richte sich die Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Quellen besonders gegen das Vordringen der westlich geprägten Moderne.
Tibi entwickelt den Begriff von der „halben Moderne“. Wissenschaft und Technik sowie deren Errungenschaften seien sehr wohl willkommen, während die kulturellen Einflüsse wie freiheitliche Grundwerte und westliche Kultur zurückgedrängt und bekämpft werden. Dazu werden hauptsächlich die islamischen Länder als Beispiel angeführt. Betrachtet man diese Länder im Hinblick auf ihre Wirtschaftsentwicklung und ihre internationalen ökonomischen Verflechtungen, so
26 Hauchler, Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz 2001: S. 144
27 Tibi, Bassam 1995: S. 147
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kann man feststellen, dass viele Länder, die durchaus zu den Gewinnern der Globalisierung gehören, eine starke Rekulturalisierung erfahren haben und sich von westlichen Werten abzusetzen versuchen (z.B. Malaysia).
1.5.4 Ökologische Globalisierung
Die Umweltzerstörung und der Abbau nicht erneuerbarer Ressourcen ist in den vergangenen Jahrzehnten sprunghaft angestiegen. Zu den wichtigsten Problemen globaler Relevanz gehören die Erwärmung des Klimas, die Verschmutzung der Meere, die zunehmende Wüstenbildung, die Verknappung sauberen Wassers sowie der Energie- und Mineralreserven. 28
Klima-Probleme sind grenzüberschreitend. Der Wettbewerbsdruck der Globalisierung drängt dazu, die bereits bestehenden nationalen Regulierungen abzubauen. So erlangt vordergründig der Staat Vorteile, der Umweltstandards und Auflagen niedrig ansetzt, weil damit investitionswilligen Firmen Kosten und Zeit erspart
Ohne eine Einschränkung des drastischen Ressourcen- und Energieverbrauchs in Industrieländern und die Durchsetzung nachhaltiger Entwicklungsstrategien können diese Prozesse nicht aufgehalten werden und ökologische Krisen sowie internationale Konflikte sind vorhersehbar. 30
28 Hauchler, Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz 2001: S. 15
29 Müller, Friedemann 1999: S. 51
30 Klemp, Ludgera 2000: S. 130
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2 GEWINNER UND VERLIERER DER
GLOBALISIERUNG
”Der Welthandel ist eine Quelle des Wohlstands. Wir müssen auch den Ländern der Dritten Welt das Recht einräumen, sich am weltweiten Wohlstand und
Die Gefahr des Globalisierungsprozesses besteht darin, dass sich die ohnehin schon bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Industriestaaten im Norden und vielen Entwicklungsländern im Süden vergrößern. Vor allem die Staaten, die erst am Anfang einer industriellen Entwicklung stehen und in denen noch keine oder allenfalls nur geringe marktwirtschaftliche Erfahrungen gesammelt werden konnten, haben es schwer, sich angesichts der weltweiten Konkur-
renz zu behaupten. Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass die ärmeren Länder kaum am Welt-handel beteiligt werden: Ein niedriges Bildungsniveau gehört ebenso dazu wie mangelhafte Infrastruktur, oft auch eine verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik der jeweiligen Regierungen, interne Konflikte oder eine ungünstige geografische Lage, die lange und teure Transportwege bedeutet. 32
2.1 Industrieländer
Der größte Nutzen des Globalisierungsprozesses konzentriert sich auf die Industrieländer, die am meisten von Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung profitieren. Aber auch in den Industrieländern gibt es Verlierer. Durch die Verlagerung vieler Produktionsprozesse in Billiglohnländer steigt die Arbeitslosenzahl stetig, viele Investoren wandern ins Ausland ab, kleine Unternehmen können dem steigenden Druck der mächtigen Großkonzerne nicht mehr standhalten und müssen Konkurs anmelden.
31 Steger, Ulrich 1999: S. 170
32 http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
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2.2 Schwellenländer
2.3 Entwicklungsländer
Für den Begriff „Entwicklungsländer“, der zu Beginn der 50er Jahre geprägt wurde, gibt es keine einheitliche Definition. Es handelt sich um eine sehr hetero-
33 Anm.: Unter dem Begriff „Bruttosozialprodukt“ versteht man den Wert aller Güter und
Dienstleistungen, die von Inländern innerhalb eines Jahres im In- und Ausland erstellt
wurden. Demgegenüber bezeichnet der Begriff „Bruttoinlandsprodukt“ den Wert aller
Güter, die im Inland erzeugt wurden. Das Bruttoinlandsprodukt spiegelt die gesamte
wirtschaftliche Leistung eines Landes wider. vgl. http://encarta.msn.de vom 01.08.2002
34 Nuscheler, Franz 1987: S. 41ff.
35 Nohlen, Dieter: 2000: S. 662f.
36 Microsoft Encarta Professional 2002
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gene Gruppe. Zu ihnen gehören sehr große und sehr kleine Staaten, Länder mit geringer und Länder mit hoher Bevölkerungszahl. Manche dieser Staaten verfügen über enorme Rohstoffvorräte, andere wiederum sind ausgesprochen rohstoffarm. Auch kulturell und politisch lassen sich keine gemeinsamen Nenner finden. Die Mehrzahl dieser Staaten weist jedoch auch eine Reihe gemeinsamer Merkmale auf: ungenügende Versorgung mit Nahrungsmitteln, schlechter Gesundheits-zustand, zu wenig Bildungsmöglichkeiten, Arbeitslosigkeit, niedriger Lebensstandard bei extrem ungleicher Verteilung der vorhandenen Güter und Dienstleistungen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Entwicklungsländer auch als „Dritte Welt“ bezeichnet. Für den Ursprung dieser Bezeichnung gibt es mehrere Erklärungen: Die häufigste spricht von einer Einteilung der Welt in die Erste (die westliche 37 ), die Zweite (die östliche 38 ) und die Dritte (die südliche) Welt. Diese „Dritte Welt“ setzt sich aus den Entwicklungsländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Ozeaniens zusammen. In der Terminologie dieser Arbeit wird nur den
37 Anm.: Staaten West- und Nordeuropas, Nordamerikas sowie Japan und Australien, die
„OECD-Welt“. Sie zeichnen sich durch hochentwickelte Industrie- und
Dienstleistungssektoren, funktionierende Systeme sozialer Sicherung und breit verteilten
gesellschaftlichen Wohlstand aus.
38 Anm.: Mittel- und osteuropäische Staaten und der GUS (der ehemalige Ostblock).
Geprägt von agro- und schwerindustriellen Strukturen, waren Wirtschaft und Gesellschaft
sozialistisch und staatsmonopolistisch organisiert. Die „Zweite Welt“ löste sich im
europäischen Revolutionsjahr 1989 auf. Heute werden diese Staaten aufgrund ihrer
wirtschaftlichen Umstrukturierung auch als Reformstaaten oder Transformationsländer
bezeichnet. vgl. http://www.wissen.de vom 22.07.2002
39 siehe Definition S. 19
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2.3.1 Entwicklungsländer-Listen
Es gibt keine international verbindliche Liste der Entwicklungsländer. Die Vereinten Nationen, die Weltbank und der Entwicklungshilfe-Ausschuss DAC 40 der OECD gehen zwar von ähnlichen Kriterien aus (z.B. Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung), bewerten diese jedoch unterschiedlich.
1996 gab es diesem Kriterienkatalog zufolge 140 Entwicklungsländer unterschiedlicher Einstufung. Davon befanden sich 6 in Europa, 51 in Afrika, 33 in Amerika, 41 in Asien und 9 in Ozeanien. 41 Abbildung 3 42
40 Anm.: Development Assistance Committee, Entwicklungshilfeausschuss
41 http://encarta.msn.de vom 09.08.2002
42 UNDP 1999: S. 170
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2.3.2 Definitionen
2.3.2.1 Definition der Vereinten Nationen
LDC (Less bzw. Least Developed Countries): weniger entwickelte Länder 43
MSAC (Most Seriously Affected Countries): im Gefolge des ersten Ölpreisschocks Mitte der 70er Jahre wurden die von den außenwirtschaftlichen Verwerfungen der Krise am schwersten betroffenen Länder definiert
NIC (Newly Industrialized Countries): wirtschaftlich erfolgreichste Entwicklungsländer, Schwellenländer
Tabelle 1 44 : Die am wenigsten entwickelten Länder 2001 lt. Vereinten Nationen
2.3.2.2 Definition der Weltbank
LIC (Low-Income Countries): Länder mit niedrigem Einkommen MIC (Mid-Income Countries): Länder mit mittlerem Einkommen SILIC (Severely Indepted Low-Income Countries) + SIMIC (Severely Indepted Mid-Income Countries): hoch verschuldete Entwicklungsländer 45
2.4 Wachsende weltweite Ungleichheit
Die Einkommenslücke zwischen dem reichsten Fünftel der Weltbevölkerung und dem ärmsten Fünftel lag 1997 bei 74:1.
43 Anm.: Bei den weniger entwickelten Ländern (LDCs) handelt es sich um eine von den
Vereinten Nationen künstlich geschaffene Kategorie. Es fallen derzeit 49 Länder in diese
Kategorie, in der 10,5% der Weltbevölkerung leben. Auf der Generalversammlung der
UN 1971 wurden erstmalig 25 Länder zu LDCs erklärt und standen fortan unter
besonderem Schutz der Vereinten Nationen.
44 Gareis, Sven Bernhard/Varwick, Johannes 2001: S. 202
45 List, Martin u.a. 1995: S. 197
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Die drei reichsten Menschen auf der Erde verfügen über ein Vermögen, das größer ist, als das Bruttoinlandsprodukt von 49 LDCs gemeinsam. Die Vermögenswerte der 200 reichsten Personen übersteigen das Gesamteinkommen von 41 % der Weltbevölkerung.
Von 276 Millionen Internetnutzern leben 90 % in den Industrieländern. 46
Die Grenze zwischen Arm und Reich verläuft nicht mehr allein zwischen Nord und Süd, sondern zunehmend auch zwischen Gewinnern und Verlierern des wirtschaftlichen Globalisierungsprozesses, d.h. zwischen einzelnen Entwicklungsländern, zwischen Bevölkerungsgruppen und Regionen innerhalb einzelner Länder sowie zwischen Männern und Frauen.
2.5 Exkurs: Was ist Armut?
„Armut ist Erniedrigung; das Gefühl von anderen abhängig und gezwungen zu sein, Beleidigungen und Gleichgültigkeit zu ertragen, wenn wir Hilfe suchen.“
46 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001: S. 5
47 The World Bank 2000
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Schaubild 4 48 : Teufelskreise der Armut
Armut wird von verschiedenen Institutionen unterschiedlich definiert und ist zudem eine relative Größe; Armut in Europa sieht anders aus als in Afrika. Die Weltbank spricht von „absoluter Armut” bei Menschen, die über weniger als einen Dollar Einkommen pro Tag verfügen. Die Definition „menschliche Armut” berücksichtigt nach UNDP verschiedene Indikatoren für ein menschenwürdiges Leben, wie Ernährung, Gesundheit oder Bildung. Arm sind danach z. B. Analphabeten oder Menschen, die sich nur unzureichend ernähren können oder die gesundheitlich unterversorgt sind. 49
48 Bundeszentrale für politische Bildung 1996: S. 17
49 http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
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2.6 Lebensbedingungen in den ärmsten Ländern
„Es ist eine Tatsache, dass das derzeitige Finanzsystem und seine Liberalisierung jene bevorzugt, die bereits jetzt privilegiert sind und die Weltwirtschaft dominieren. Die Kosten haben die Entwicklungsländer zu tragen, besonders die ärmsten
Die Lebensbedingungen in vielen der ärmsten Länder haben sich, wie der neueste LDC-Bericht der UNCTAD 51 belegt, in den letzten Jahren verschlechtert. 15 % der Kinder in diesen Ländern erreichen nicht das 15. Lebensjahr. Diejenigen, die überleben, haben im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern mit durchschnittlich 51 Jahren eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. Die Rate der Analphabeten und des Bevölkerungszuwachses ist in diesen Ländern am höchsten.
Etwa 4,5 Mrd. Menschen leben in Entwicklungsländern. 80 % der Menschheit sind arm. 1,3 Mrd. Menschen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen, über 800 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, weitere 800 Millionen Menschen müssen auf gesundheitliche Fürsorge verzichten, und mindestens 840 Millionen Erwachsene können weder lesen noch schreiben. 1965 war das Pro-Kopf-Einkommen in den sieben reichsten Staaten 20mal so hoch wie in den sieben ärmsten Ländern. 1995 beträgt diese Verhältnis bereits das 40fache. 52
2.7 Anteil der Entwicklungsländer am Welthandel
Handel und Globalisierung sind für LDCs (noch) keine Quelle des Wohlstands, im Gegenteil: Ende der 90er Jahre ist das Handelsbilanzdefizit der LDCs sogar auf über 13 Mrd. US-Dollar angestiegen, dem höchsten Defizit seit 1992. Das Handelsbilanzdefizit erhöht wiederum den Schuldenstand der LDCs - dem zur
50 Boxberger, Gerald/Klimenta, Harald 1998: S. 145
51 Anm.: UN-Conference on Trade and Development, UN-Konferenz für Welthandel und
Entwicklung
52 UNCTAD 2000
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Zeit sicherlich gravierendsten Problem der ärmsten Länder. Der Gesamtschul-denstand der LDCs lag Ende der 90er Jahre bei knapp 170 Mrd. US$.
1960 hatten die 46 ärmsten Länder einen Anteil am weltweiten Warenhandel von 1,4 %. Würde die Globalisierung den ärmeren Ländern zugute kommen, müsste sich deren Anteil am Handel vergrößert haben. Aber das Gegenteil ist eingetreten: Anfang der 90er Jahre lag ihr Anteil am Weltwarenhandel nur noch bei 0,6 %, und bis 1995 fiel er weiter auf zu vernachlässigende 0,4 %. 1980 betrug der Anteil der 102 ärmsten Länder am Warenaustausch 7,9 % der Weltexporte, 1990 betrug er nur noch 1,4 %.
Eine ähnliche Entwicklung zeigen die weltweiten Kapitalströme. Schon in den 80er Jahren bewegten sich über 80% der Weltkapitalströme innerhalb der USA, Westeuropas und des ostasiatischen Wirtschaftsraumes. Der afrikanische Kontinent konnte 1993 gerade 3 Mrd. US$ Investitionskapital anziehen, wobei die
Kapitalabflüsse die Kapitalzuflüsse überwogen.
53
2.8 Marginalisierung der Entwicklungsländer
Die Dynamik der Globalisierung hat den Abstand zwischen den reichen und den armen Ländern vergrößert und die meisten von ihnen in der Weltwirtschaft an den Rand gedrängt. Eine Ursache für diese Abwärtsentwicklung ist der massive Verfall der Preise für agrarische und mineralische Rohstoffe, die für viele dieser Länder Haupteinnahmequelle sind.
Global mobiles Kapital und der Warenhandel fließen an den ärmeren Ländern vorbei. Beispiele von Firmeninvestitionen in Entwicklungsländern, die der Bevölkerung Arbeit und Einkommen verschafft haben, sind meist auch Beispiele der Ausbeutung. In den Entwicklungsländern gibt es kaum Gewerkschaften oder Ar-beitnehmerorganisationen. Das nutzen transnationale Konzerne offen aus. Da in der dritten Welt Arbeitskräfte im Überfluss vorhanden sind, werden die Betriebe geschlossen, sollte die Rendite in einer anderen Region größer sein.
53 http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
- 23 -
Das neoliberale Globalisierungsprojekt vertieft in den Entwicklungsländern die Kluft zwischen Arm und Reich. Das Massenelend in den Entwicklungsländern wird so nicht beseitigt, es werden höchstens kleine Inseln des Wohlstands inmitten von Massenelend geschaffen. Solche Inseln sind eingekreist von Slums, wie das Beispiel der indischen Metropole Bangalore zeigt, in der für den Computerweltmarkt programmiert wird. 54
"LDCs are being bypassed by the process of globalization, leading to their further marginalization." 55
Eine wirksamere Beteiligung der ärmsten Länder am Welthandel bietet Chancen für ökonomische Entwicklung und Armutsbekämpfung. Insbesondere die ärmsten Entwicklungsländer haben bisher jedoch kaum ihr wirtschaftliches Potential entfalten können, um von der Globalisierung zu profitieren.
2.8.1
Folgende Gründe können als Hauptursachen der Marginalisierung von Entwicklungsländern im Welthandel angesehen werden:
eine oft seit der Kolonialzeit auf die Ausfuhr von Rohstoffen und wenigen landwirtschaftlichen Produkten ausgerichtete Wirtschaftsstruktur; hohe Zollschranken und andere Handelshemmnisse der Industrieländer, die die Absatzchancen für Produkte der ärmsten Länder einschränken; eine Welthandelsordnung und -organisation, in der wirtschaftlich schwächere Länder ihre Interessen nicht gleichberechtigt zur Geltung bringen können.
54 Boxberger, Gerald/Klimenta, Harald 1998: S. 146 - 148
55 NRO-Beiträge zur UN LDC III Konferenz/http://www.venro.org vom 29.07.2002
- 24 -
Ebenso scheinen jedoch auch „hausgemachte“ Probleme für die Marginalisierung verantwortlich zu sein:
die fachliche Inkompetenz und exekutive Schwäche der öffentlichen Institutionen zur Förderung von Entwicklung und zur Aufrechterhaltung rechtsstaatlicher Ordnung;
das hohe Bevölkerungswachstum im Verhältnis zu den Möglichkeiten der Ernährung der Bevölkerung aus eigener Produktion. „Bad governance" durch Regierung und Verwaltung: Korruption der Beamten, mangelhafte Haushaltsdisziplin, Überschuldung des Staates usw. das Fehlen einer Zivilgesellschaft (nichtstaatliche Verbände und Organisationen) als Partner und Korrektiv eines autoritären Staates; fehlende Unterordnung des Militärs unter den Primat der zivilen Gesellschaft, die politische Konflikte um Macht, Reichtum und kulturelle Identität von Minderheiten nicht mit militärischer Gewalt, sondern mittels ver-handelter Kompromisse auf Grundlage rechtsstaatlicher Ordnung löst. 56
2.8.2
Wirtschaftliche Beteiligung der Entwicklungsländer kann nur entstehen, wenn die Industrieländer:
die einseitige Marktöffnung für LDC-Exporte als verbindliches Zugeständnis festschreiben und auf das Recht zur Rücknahme verzichten; die Anpassung der Exportproduktion an die internationalen und europäischen Standards unterstützen;
ihre Unterstützung für handelspolitische Beratung der LDCs und ihre Beiträge zu deren Finanzierung substanziell erhöhen; sich der Forderung nach einer Änderung des TRIPS-Abkommens 57 anschließen, die einen besseren Schutz traditionellen Wissens vorsieht.
56 CD-ROM „Global Lernen“ 2001
57 Anm.: Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights, Abkommen
über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum. Das TRIPS regelt die
internationale Handhabung der meisten Instrumente zum Schutz geistigen Eigentums, u.
a. Urheberrechte und verwandte Schutzrechte, Marken, geographische Angaben und
Patente. vgl. http://www.wissen.de vom 22.07.2002
- 25 -
3 ENTWICKLUNGSFINANZIERUNG UND
ARMUTSBEKÄMPFUNG
3.1 Was ist Entwicklungspolitik?
Entwicklungspolitik meint die vor allem von Industrieländern betriebene öffentliche Entwicklungshilfe zugunsten der Entwicklungsländer. Entwicklungshilfe wird oft durch den umfassenderen und neutraleren, auf Partnerschaft abzielenden Begriff der „Entwicklungszusammenarbeit“ ersetzt. Die wichtigsten Instrumente sind die finanzielle, die technische und die personelle Zusammenarbeit sowie die Förderung der privatwirtschaftlichen Entwicklung. 58
„Entwicklungspolitik ist heute globale Strukturpolitik, deren Ziel es ist, die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und politischen Verhältnisse in Entwicklungsländern zu verbessern. Sie orientiert sich am Leitbild einer globalen nach-
Handelund Investitionen werden auf absehbare Zeit die Hilfe für die ärmsten Länder im Rahmen der bi- und multilateralen 60 Zusammenarbeit nicht ersetzen können. Insofern kommt der öffentlichen Entwicklungshilfe für die LDCs eine zentrale Rolle zu. Bereits auf der ersten UN LDC-Konferenz im Jahre 1981 wurde als Zielzahl festgeschrieben, dass ein Anteil von 0,15% des BSP jedes Industriestaats als Entwicklungshilfe für LDCs bereitgestellt werden soll. Nur 5 OECD-Staaten haben tatsächlich dieses Ziel erreicht. In Deutschland war der Anteil der LDC-Förderung Ende der 90er Jahre sogar auf einen Wert von 0,05% abgesunken, nachdem er Anfang des Jahrzehnts immerhin noch doppelt so hoch gelegen hatte.
58 Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter 2000: S. 482
59 Anm.: Aus der Erklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Thema
„Globalisierung gemeinsam gestalten“, 16. Juni 1999 in: Klemp, Ludgera: 2000: S. 61
60 Anm.: Bilaterale Hilfe: Hilfe, die von einem Geberland der Regierung eines
Empfängerlandes gewährt wird.
Multilaterale Hilfe: Hilfe, die von multilateralen Organisationen (z. B. der Weltbank) und
anderen internationalen Institutionen gewährt wird. Der Begriff wird auch für Beiträge
der Regierungen eines Geberlandes an solche Organisationen verwendet, die das Geld
dann im Empfängerland oder in dessen Namen verwenden. vgl. Microsoft Encarta
Professional 2002
- 26 -
Offensichtlich besteht ein enger Zusammenhang zwischen Armutsreduzierung, Wirtschaftswachstum und Handel. Handel ist der Motor für wirtschaftliches Wachstum. Um die Wirtschaftskraft der LDCs in einem Maße zu stärken, dass sie mit wettbewerbsfähigen Produkten am Welthandel erfolgreich teilnehmen können, ist ein sektorübergreifender Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit notwendig. Die LDCs müssen in die Lage versetzt werden, ein breit gefächertes Warenangebot zu produzieren, das in den Industrieländern nachgefragt wird. Hierzu zählt auch, dass die angebotenen Produkte die gesundheits- und umweltbezogenen Produktstandards erfüllen.
3.2 7 internationale Entwicklungsziele für das 21. Jh.
„Nur durch eine Kombination von Maßnahmen globaler Strukturpolitik mit Maßnahmen direkter, selbsthilfeorientierter Armutsbekämpfung kann die Armut in den LDCs wirksam bekämpft werden. Ohne die Bereitschaft der Industriestaaten hierfür zusätzliche finanzielle Mittel bereitzustellen, werden sich keine nachhalti-
Umdas vorrangige Ziel der Armutsbekämpfung nicht aus den Augen zu verlieren, ist es notwendig, dass die Handelsliberalisierung in eine umfassende nationale Entwicklungs- und Armutsminderungsstrategie integriert ist.
In dem vom DAC der OECD 1996 veröffentlichten Strategiedokument S 21 wurden deshalb die zentralen Ergebnisse der Weltkonferenzen seit 1990 zu einem umfassenden Katalog von sieben vorrangigen Entwicklungszielen gebündelt und konkretisiert:
61 NRO-Beiträge zur UN LDC III Konferenz/http://www.venro.org vom 27.07.2002
62 VENRO ist ein freiwilliger Zusammenschluss von rund 100 deutschen Nicht-
Regierungsorganisationen, von denen die meisten bundesweit tätig sind. Die VENRO-
Mitglieder sind private und kirchliche Träger der Entwicklungszusammenarbeit, der
Nothilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.
- 27 -
Halbierung des Anteils der in absoluter Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2015;
universale Grundschulbildung und Gleichberechtigung der Geschlechter im Bildungsbereich in allen Ländern bis zum Jahr 2015; nachweisliche Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Mann und Frau und zur Befähigung der Frauen zur Selbstbestimmung durch die Beseitigung des Gefälles in der Primar- und Sekundarschulbildung von Jungen und Mädchen bis zum Jahr 2005; Senkung der Sterblichkeitsraten bei Säuglingen und Kindern unter 5 Jahren um zwei Drittel;
Verringerung der Müttersterblichkeit um drei Viertel, jeweils zwischen
Zugang zur gesundheitlichen Versorgung für alle Personen so bald wie
möglich, spätestens jedoch bis zum Jahr 2015;
weitere
Umsetzung der nationalen Strategien für eine nachhaltige Entwick-
63 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001: S. XVI
4 REGIONALKONZEPT SUBSAHARA-AFRIKA
In Subsahara-Afrika leben rund 650 Mio. Menschen in 48 Staaten. Die Entwicklung dieser Staaten ist in den letzten Jahren keineswegs einheitlich verlaufen. Der weltweite Strukturwandel seit Beginn der 90er Jahre hat auch in Afrika tiefgreifende Veränderungen ausgelöst. 64 Tabelle 2 65 : Datenprofil für die Region Subsahara-Afrika
4.1 Problemfelder
Subsahara-Afrika hat große strukturelle Probleme, die nicht kurzfristig überwunden werden können. Der Anteil am Welthandel liegt unter 2 %. Die meisten sozialen Indikatoren haben sich für die Region weniger verbessert als in anderen Weltregionen. Im Bereich der politischen Strukturen kann man seit Beginn der 90er Jahre in vielen afrikanischen Staaten eine demokratische Öffnung, politische Liberalisierung und eine Erhöhung der bürgerlichen Freiheiten beobachten. Bei der Stärkung der Zivilgesellschaft stehen allerdings viele afrikanische Länder noch am Anfang eines langen Prozesses.
64 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001: S: 174
65 ebd.: S. 22
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Abbildung 5 66
Der Zugang zu natürlichen Ressourcen wie Land, Wasser und Bodenschätzen ist häufig Ursache für gewaltsame Auseinandersetzungen. Die rasche Ausbreitung von HIV/AIDS stellt eine schwere Zukunftshypothek für den gesamten Kontinent dar. In einigen Ländern des südlichen Afrika sind die Lebenserwartung der Menschen und die wirtschaftlichen Leistungen infolge AIDS binnen zehn Jahren drastisch gesunken. Abbildung 6 67
66 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001: S. 21
- 30 -
Der sehr hohe Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung ist kaum zurückgegangen, der Zugang zu Bildung hat sich sogar verschlechtert und ist äußert ungleich verteilt: Die Einschulungsrate ist verglichen mit 1980 gesunken, für arme Mädchen im ländlichen Raum beträgt sie gerade einmal 23 %. 34 % aller Erwachsenen und 47,4 % aller Frauen gelten als Analphabeten. 68
Das internationale Privatkapital macht einen weiten Bogen um den Kontinent. Weniger als 1 % der ausländischen Direktinvestitionen fließen nach Afrika. Die Rahmenbedingungen für die künftige wirtschaftliche Entwicklung verschlechtern sich, da Afrika insbesondere informations- und verkehrstechnisch immer weiter zurückfällt. Nirgendwo gibt es weniger Telefone, Computer oder Internet-Anschlüsse pro Einwohner. Südlich der Sahara sind nur 15 % aller Straßen
67 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2002: S. 34
68 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2001: S. 23
69 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2002: S. 41
70 ebd.: S. 41
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4.2 Entwicklungskonzept Subsahara-Afrika
Zu den Zielen der Entwicklungspolitik in Subsahara-Afrika zählen:
die Verbesserung der Regierungsführung, Stärkung der Demokratisierung und Dezentralisierung, Achtung der Menschenrechte; Verhinderung des Ausbruchs gewaltsamer Konflikte; „Investitionen“ in die Menschen und Förderung sozialer Grunddienste; Bekämpfung von HIV/AIDS; Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitswesens; die Stärkung der wirtschaftlichen Leistungskraft; Erhalt und nachhaltige Nutzung natürlicher Lebensgrundlagen;
Stärkung der Position von Frauen.
71
Verallgemeinernd kann Subsahara-Afrika bislang als der Verlierer der Globalisierung bezeichnet werden. Die meisten Länder waren nicht in der Lage, Produktion und Handel nennenswert zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit von Primärgü-terexporten und schwankenden Weltmarktpreisen zu beheben. Abbildung 8 72
71 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2002: S. 174ff.
72 ebd.: S. 23
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4.3 Zukunftsperspektiven
Die Entwicklungsaussichten Afrikas sind zu Beginn dieses Jahrtausends noch düsterer als vor zehn Jahren. Die Hälfte der Länder befindet sich im Bürgerkrieg, in bürgerkriegsähnlichen Zuständen, Unruhen und lokalen Konflikten. 73 Afrika ist weiterhin der Armutskontinent.
Der Globalisierungsprozess bedeutet für Afrika eine große Herausforderung, aber auf Grund struktureller Krisensymptome ist Afrika dem Anpassungsdruck kaum gewachsen.
Afrikas Entwicklung im Globalisierungsprozess ist durch vertiefte Marginalisierung gekennzeichnet. Die meisten Länder haben nur geringe Verbindung zur Weltökonomie. Da die Wahrscheinlichkeit von grundlegenden Änderungen gering ist, wird Afrika in naher Zukunft von den positiven Wirkungen der Globalisierung
Afrika hat im Globalisierungsprozess größere Probleme zu bewältigen als je zuvor in seiner Geschichte. Kolonialismus und Postkolonialismus sind geradezu harmlose Vorspiele der Probleme, denen sich Afrika heute gegenüber sieht. Insgesamt fällt das Urteil zu den Zukunftsperspektiven Afrikas sehr wenig optimistisch aus. Die Moderne hat in Afrika bislang kaum Einzug gehalten. 74
Aber es bieten sich auch Chancen, einen Teil der internationalen Entwicklungsziele zu erreichen. Positive Entwicklungen in einzelnen Staaten zeigen, dass durch eine gezielte Neuorientierung der Politik und externe Unterstützung Änderungen möglich sind. Friedliche Umbrüche und Demokratisierungsprozesse haben dazu geführt, dass 42 der 48 Staaten in den 90er Jahren Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen unter Beteiligung mehrerer Parteien abgehalten haben. Bei der Stärkung der Zivilgesellschaft stehen allerdings viele afrikanische Länder noch am Anfang eines langen Prozesses.
73 Tetzlaff, Rainer 2000: S. 202
74 ebd.: S. 250f.
- 33 -
5 GLOBALISIERUNGSCHANCEN AM BEISPIEL
MOSAMBIK
5.1 Demographische Grundlagen
Mosambik, selbständige Republik in Südostafrika, grenzt im Norden an Tansania, im Osten an den Indischen Ozean, im Süden und Südwesten an Südafrika und Swasiland und im Westen an Zimbabwe, Sambia und Malawi und gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Maputo ist Hauptstadt und zugleich die größte Stadt des Landes.
Mosambik hat etwa 19,4 Millionen Einwohner. Mit 47 % stellen die im Norden des Landes lebenden Makua-Lomwe die zahlenmäßig größte Gruppe dar; im Süden leben überwiegend Tsongas (23 %). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 24 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Küstengebieten, im Flusstal des Sambesi und im Angonia-Hochland. Der
Verstädterungsgrad liegt bei 39 %.
Die Amtssprache ist Portugiesisch. Die meisten Mosambikaner sprechen sowohl Portugiesisch als auch eine afrikanische Sprache. Rund die Hälfte der Bevölkerung sind Angehörige traditioneller Religionen; etwa 31 % sind römischkatholisch und ungefähr 13 % bekennen sich zum Islam.
In Mosambik besteht eine allgemeine Schulpflicht von 7 Jahren. Der Einrichtung von Grundschulen und weiterführenden Schulen steht der Mangel an ausgebildeten Lehrern entgegen. Nach dem rückläufigen Schulbesuch während der Bürgerkriegsjahre sind im Primarschulbereich seit 1993 wieder wachsende Schülerzahlen zu verzeichnen. Die Analphabetenrate liegt jedoch nach wie vor bei knapp 40 %. An den drei Universitäten des Landes studieren z.Zt. etwa 5800 Studenten.. 75
75 http://www.erdkunde-online.de/1141.htm vom 25.07.2002
- 34 -
Schaubild 5 76 : Demographisches Datenprofil Mosambik
Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit wurde in Mosambik der langjährige Bürgerkrieg beendet. Im Dezember 1999 fanden die zweiten freien mehrparteilichen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, bei denen Joaquím Chissano im Amt des Staatsoberhaupts bestätigt wurde. Seine Partei, die FRELIMO, erreichte bei den gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahlen erneut die absolute Mehrheit.
Schaubild 6 80 : Politisches Datenprofil Mosambik
76 Hauchler, Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz 2001: S. 474
77 Anm.: HDI (Maßstab der menschlichen Entwicklung): Er setzt sich aus den Indikatoren
Lebensdauer, Bildungsgrad und Lebensstandard zusammen. Einen HDI-Idealwert von 1
erreicht kein Staat. vgl. Hauchler, Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz 2001: S. 480
78 Zahl entnommen aus: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen 2000: S. 185
79 Anm.: GDI (geschlechtsbezogener Entwicklungsindex): eingeführt um die
unterschiedlichen Entwicklungschancen von Frauen und Männern in einem Staat messen
zu können. Zur Berechnung des GDI werden dieselben Indikatoren wie beim HDI
herangezogen, wobei die Daten nach Geschlechtern getrennt sind. vgl. Hauchler,
Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz 2001: S. 480
80 Microsoft Encarta Professional 2002 sowie http://www.erdkunde-online.de/1141.htm
vom 25.07.2002
- 35 -
Die Umsetzung des Friedensabkommens von Rom (Oktober 1992) hat zu einer tiefgreifenden Veränderung des politischen Lebens geführt. Unter den Garantien der UN-Friedensmission (ONUMOZ) konnte sich die ehemalige Rebellenbewegung RENAMO politisch emanzipieren. Gleichzeitig fand eine Auffächerung der Parteienlandschaft in rund 15 weiteren Neugründungen statt, mit denen sich in Mosambik ein demokratisch legitimiertes Mehrparteiensystem gebildet hat.
5.3 Wirtschaftliche Situation, Industrie und Handel
Gemessen am BSP war Mosambik Anfang der neunziger Jahre das ärmste Land der Welt. Bis Mitte der neunziger Jahre wurde jedoch ein deutliches Wirtschaftswachstum verzeichnet. Trotzdem hat sich die Lage der Bevölkerung bis Ende der neunziger Jahre kaum verbessert. Nach wie vor bezieht der Staat höhere Einkünfte aus der Entwicklungshilfe als aus den im Land erwirtschafteten Produkten. 81
Mosambiks Wirtschaft basiert vorwiegend auf der Landwirtschaft. Die meisten, in ausländischem Besitz befindlichen Plantagen und Industriebetriebe wurden verstaatlicht, die Wirtschaftspolitik zentral gesteuert. 1990 führte die Regierung die
freie Marktwirtschaft ein.
Schaubild 7 82 : Wirtschaftliches Datenprofil Mosambik
Die Industrie beschränkt sich vor allem auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Seit 1983 wird die Klein- und Leichtindustrie gefördert, um auch für den eigenen Markt Konsumgüter zu produzieren. Der Anteil der Erwerbstätigen in der Industrie liegt bei 8 %, im Dienstleistungssektor sind 9 %
81 http://www.erdkunde-online.de/1141.htm vom 25.07.2002
82 Microsoft Encarta Professional 2002
- 36 -
beschäftigt. Der Bürgerkrieg und der Devisenmangel lähmten lange Zeit Mosambiks Industrie.
Die Handelsbilanz des südostafrikanischen Staates ist stark negativ (1998-1999: -77,6 %). Exportiert werden vor allem Cashewnüsse, Tee, Baumwolle, Zucker und Garnelen. Maschinen, elektrische Geräte, Fahrzeuge, Eisen und Stahl werden importiert. Haupthandelspartner sind die USA, die GUS-Republiken, Südafrika, Italien, Deutschland und Japan.
5.4 Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit
Mosambik ist im südlichen Afrika Schwerpunktland internationaler Entwicklungshilfe. Dies beruht einerseits auf dem bemerkenswerten Friedens- und Demokratisierungsprozess und andererseits auf der auch im afrikanischen Vergleich überdurchschnittlich großen Armut. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf
Förderung der durch Krieg und Flut stark zerstörten Infrastruktur (Trans-port, Energie, Wasserversorgung, Häfen);
Unterstützung der ländlichen Entwicklung (rund 80 % der mosambikanischen Bevölkerung leben auf dem Land);
Bildung und Gesundheit sowie Unterstützung des Dezentralisierungsprozesses.
Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft
Daneben sollen die Querschnittsaufgaben Bekämpfung von HIV/AIDS, Gleichstellung der Geschlechter, Ressourcenschutz und Dezentralisierung berücksichtigt werden. 83
83 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2002: S. 207f.
- 37 -
5.5 Bilanz
Es ist sehr schwierig, aktuelle Informationen über das Land zu erhalten. Die Reichweite der Presse des Landes ist noch sehr bescheiden. Außerdem ist das Interesse der Weltpresse und -öffentlichkeit für das dortige Geschehen eher gering. 84
Die mosambikanische Gesellschaft steht heute vor großen Herausforderungen wie nationale Versöhnung, Stabilisierung des Friedens, Demokratisierung der Gesellschaft und nationaler Wiederaufbau.
Trotz der weitgehenden Befriedung des Landes bleibt der Bürgerkrieg weiterhin präsent: Nach Schätzung der UN hinterließ der Bürgerkrieg insbesondere in den ländlichen Gebieten Mosambiks etwa drei Millionen nicht gezündete Antipersonenminen, denen immer wieder Menschen und Tiere zum Opfer fallen.
Von der sich im Februar und März 2000 im südlichen Afrika zutragenden Hochwasserkatastrophe wurde vor allem Mosambik stark betroffen. Wochenlange Dauerregen setzten großräumige Gebiete unter Wasser. Dabei starben Hunderte Menschen, Hunderttausende wurden obdachlos, und weite Bereiche der Infrastruktur des Landes wurden zerstört. 85
Es lässt sich feststellen, dass die neoliberale Globalisierung bislang nicht zur Beteiligung Mosambiks (und der Mehrheit der Länder Subsahara-Afrikas) am Weltmarkt beitragen konnte. Nur umfangreiche wirtschaftliche und politische Veränderungen können in Zukunft den Integrationsprozess Mosambiks herbeiführen. Ohne bi- und multilaterale Zusammenarbeit, konsequente Umsetzung der genannten Entwicklungsziele sowie verstärkte Unterstützungsleistungen wird das Land in naher Zukunft aus eigener Kraft nicht zu den Gewinnern gehören.
84 http://www.dse.de/za/lis/mosambi/seite2.htm vom 25.07.2002
85 Microsoft Encarta Professional 2002
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Um die neoliberale These von der Chance, die die Globalisierung vor allem den Entwicklungsländern bietet, zu verstehen, wird diese im folgenden kurz zusammengefasst. In Anlehnung an Altvater/Mahnkopf ist festzuhalten:
Die Öffnung des eigenen Marktes und die Zurücknahme staatlicher Interventionen bewirkt eine effizientere Leistung der Akteure und zieht ausländische Firmen an, die über Investitionen für Wirtschaftswachstum, Technologietransfer und Arbeitsplätze sorgen. Der Freihandel auf dem Weltmarkt bietet weiterhin große Exportmöglichkeiten, falls man sich auf die Produkte spezialisiert, die im betreffenden Land besonders günstig hergestellt werden können. Die Mechanismen des Frei-handels sorgen so für einen Wohlstandszuwachs bei allen Beteiligten. 86
Soweit die Theorie. Angesichts der gravierenden Ungleichheit der wirtschaftlichen Macht der Akteure ist es jedoch nicht verwunderlich, dass der unvollkommene Markt sich zum Nachteil der schwächeren seiner Teilnehmer auswirkt. Unter den Bedingungen eines Weltmarkts, der weitgehend von monopolistischen Tendenzen und übermächtigen Konzernen geprägt ist, gilt dies in ganz besonderem Maße. Hinzu kommt, dass die drei mächtigsten Institutionen der Weltwirtschaft - IWF, Weltbank und WTO - nicht gerade unparteiisch sind. Ihre Struktur, ihre Regeln und ihre Vorgehensweise orientieren sich in hohem Maße an den Interessen der Regierungen und Konzerne aus den Industrieländern und sich maßgeblich von der Freihandelsideologie geprägt.
Um ihren Rückstand aufzuholen, müssten die Entwicklungsländer eine eigenständige Wirtschaftspolitik betreiben und sich gegen die Spezialisierung auf den reinen Verkauf von Rohstoffen wehren, der sie gegenüber den Industrieländern immer weiter zurückfallen lässt. Beispiele von Firmeninvestitionen in Entwicklungsländern sind meiste auch Beispiele von Ausbeutung, die sich wie folgt darstellt: Verzicht auf Einfuhr- und Ausfuhrzölle, Steuerfreiheiten, verbilligter oder freier Zugang zu Land sowie Nichtverfolgung von Verstößen gegen Sozial-und Umweltstandards.
86 Altvater, Elmar/Mahnkopf, Birgit 1996: S. 207
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6 GLOBALISIERUNG ALS CHANCE? -
SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Globalisierung hat unterschiedliche Auswirkungen auf Volkswirtschaften. Trotz positiver Globalisierungseffekte bei einzelnen Ländern und Personengruppen, konnte die Armut in vielen Teilen der Welt nicht eingedämmt werden. Insgesamt wurde das Entwicklungs- und Wohlstandsgefälle zwischen armen und reichen Ländern nicht verringert, auch wenn es einigen Entwicklungs- und Schwellenländern gelungen ist, sich in die Weltwirtschaft zu integrieren und von den positiven Effekten der Globalisierung zu profitieren.
Von zentraler Bedeutung wird in Zukunft der Zugang zu Wissen über die neuen Informations- und Kommunikationstechniken sein. Wenn es den Entwicklungsländern nicht gelingt, das bestehende Wissensgefälle zu reduzieren, verschärfen sich die weltweiten Ungleichheiten zwischen Ländern und einzelnen Personen-
Weltweit gesehen sind positive Aspekte der Globalisierung bisher nicht durchgängig zu erkennen. So ist Skepsis und Widerstand besonders in den ärmeren Ländern und unter benachteiligten Gruppen weit verbreitet. Eine der vorrangigen Aufgaben ist deshalb, dass die Globalisierungspolitik so ausgerichtet wird, dass die Probleme der benachteiligten Länder stärker berücksichtigt werden. 87
6.1 Hauptaufgaben der Entwicklungszusammenarbeit
Die Bilanz der Konzeptionen und Projekte muss ständig überprüft werden. Die Aufgaben, vor denen die Entwicklungszusammenarbeit steht, sind noch dringlicher geworden. Da nützt kein Rückzug auf die eigenen privaten und nationalen Sorgen. Folgende Vorschläge sollen noch einmal kurz die Ziele der Entwicklungszusammenarbeit aufgreifen:
87 Enquete-Kommission 2001: S. 126 + 136
- 40 -
6.1.1 Vorschlag 1: Nachhaltigkeit
Grundlage des Konzeptes ist der Gedanke, dass eine Entwicklung nachhaltig ist, wenn sie die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu gefährden. Mit diesem Ziel begann am 26. August d. J. in Johannesburg (Südafrika) der UN-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung. Bei der Konferenz wollen 40 000 Teilnehmer Vereinbarungen zur Bekämpfung von Armut und Wassermangel erarbeiten. Auch eine faire Gestaltung des Welthandels gehört zu den Kernthemen.
6.1.2 Vorschlag 2: Demokratisierung
Selbsthilfekräfte und demokratische Strukturen in Entwicklungsländern sollen gefördert werden. Letztendlich kann nur jedes Entwicklungsland für sich selbst die Ziele bestimmen, passend zu den eigenen Traditionen und dem sozialen und
6.1.3
Erforderlich ist die Orientierung von Projekten und Programmen der Entwicklungszusammenarbeit am Ziel der Armutsbekämpfung. Dazu gehört die Kontrolle der Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank im Hinblick auf Sozialverträglichkeit und Armutsbekämpfung. 89
6.1.4 Vorschlag 4: Entschuldung
Im Herbst 1996 wurde von Weltbank und IWF die Entschuldungsinitiative zugunsten der hochverschuldeten armen Staaten, den sogenannten HIPCs (Highly Indepted Poor Countries), initiiert, die auf dem Kölner G8-Gipfel im Juli 1999 ausgeweitet wurde. Das Ziel der HIPC-Initiative ist es, den Schuldenstand der Entwicklungsländer auf ein tragbares Maß zu reduzieren, so dass sie mit den entsprechenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen wieder aus eigener Kraft die Schulden abbauen können.
88 Bundeszentrale für politische Bildung 1997: S. 18
89 http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
- 41 -
Abbildung 9 90
Finanziert wird die Entschuldung über einen speziellen Fonds, der sich aus den Gewinnen von Weltbank und IWF und Beiträgen anderer internationaler Organisationen sowie der Industrieländer speist.
Die Gesamthöhe des Schuldenerlasses beläuft sich auf eine Größenordnung von 60 bis 70 Milliarden US$ und bildet damit etwa ein Drittel der Gesamtschulden von 200 Milliarden US$ der betreffenden Staaten.
6.1.4.1 Kritische Aspekte der Entschuldung
Sechs LDCs sind unter den ausgewählten HIPC-Staaten nicht vertreten und auch andere hochverschuldete Länder kommen nicht in den Genuss dieser Initiative. Nach wie vor berücksichtigen die für einen Schuldenerlass maßgeblichen Kriterien der Schuldentragfähigkeit in keinerlei Hinsicht die reale Armutssituation in den einzelnen Ländern. Die internationale Schuldenkrise wird sich nur dann lösen lassen, wenn weiterreichendere Entschuldungsmechanismen vereinbart werden,
90 http://rankings.lexas.de vom 19.07.2002
- 42 -
die dem Gebot der Fairness und Transparenz entsprechen. Entscheidend ist, dass diese Mechanismen sich nicht allein an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch an der realen Armutssituation eines Landes orientieren. 91 Ausgehend von der heutigen Situation wird nicht den notwendigen Spielraum für eine Halbierung der Armut bis 2015 schaffen. 92
6.2 Forderungen der Entwicklungsländer
Um am Globalisierungsprozess beteiligt zu werden, ist eine neue Weltwirtschafts-ordnung vonnöten. Welche konkreten Forderungen stellen nun die Entwicklungsländer? Das nachfolgende Schaubild ermöglicht einen Überblick:
91 http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
92 Cassen, Bernard/George, Susan/Richter, Horst-Eberhard u.a. 2002: S. 96
93 in Anlehnung an: Bundeszentrale für politische Bildung 1999: S. 36
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7 LETZTE WORTE
„Es geht um nichts weniger, als unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.“ 94 Bernard Cassen, französischer Attac-Präsident 95
Die Welt zu einem gerechteren und lebenswerteren Ort zu machen, dazu bedarf es, wie in dieser Arbeit deutlich geworden ist, tiefgreifender Veränderungen. Ein Bewusstseinswandel kann jedoch nur dann zustande kommen, wenn die Menschen anfangen nachzudenken und zu diskutieren über die Auswirkungen des Globalisierungsmodells, über Problemzusammenhänge und Machtverhältnisse in der komplexen modernen Welt, über Entwicklungsmythos und Marktreligion, über die moralischen Implikationen des Kapitalismus, und besonders auch über
die Möglichkeit sozialer Veränderungen.
Globalisierung kann durch gemeinsames Handeln verändert werden, sie ist nicht das Produkt unbeeinflussbarer Naturgewalten, die als gegeben hinzunehmen sind.
Geschichte wird letztlich von Menschen gemacht.
Der Erfolg von Armutsbekämpfungsprogrammen hängt sicherlich vom Engagement der afrikanischen Regierungen und von ihrer Bereitschaft, die Partizipation der Zivilgesellschaft zu gewährleisten, ab. Ohne größere Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft wird Afrika seine derzeitige Krise jedoch nicht überwinden können. 96
Die Lage Subsahara-Afrikas könnte sich in einer Generation entscheidend verbessern, wenn die Ressourcen für Bildung und Gesundheit erhöht und die verfügba-
94 Grefe, Christiane/Greffrath, Mathias/Schumann, Harald 2002: S. 17
95 Anm.: Attac (Association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux
citoyens), Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger.
Attac ist ein internationales Netzwerk von Globalisierungskritikern, welches auf einem
Treffen am 11./12. Dezember 1998 in Paris ins Leben gerufen wurde. Hauptziele von
Attac sind die Einführung einer Devisenumsatzsteuer (Tobin-Steuer), die Entschuldung
der Entwicklungsländer sowie allgemein der Kampf gegen die negativen Folgen einer
neoliberalen Weltwirtschaftspolitik. Unter dem Dach von Attac haben sich weltweit
zahlreiche globalisierungskritische Gruppen und Institutionen zusammengeschlossen.
Mitte 2002 gehörten dem Netzwerk über 80 000 Mitglieder in 30 Ländern an. vgl. Grefe,
Christiane/Greffrath, Mathias/Schumann, Harald 2002: S. 15f.
96 Cassen, Bernard u.a. 2002: S. 96
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ren Mittel im Bereich von Grundbildung und Basisgesundheitsdiensten wirksamer eingesetzt und die Diskriminierung von Frauen und Mädchen abgebaut würde. Wie schon verschiedentlich erwähnt stellt gerade in Afrika die Ausbreitung von HIV/AIDS eine schwere Zukunftshypothek dar. Auch wenn in einigen Ländern aufgrund von Aufklärungskampagnen die Ausbreitungsrate gesunken ist, sind Politik und Gesellschaft in allen Ländern gefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen, das Tabu, mit dem in vielen afrikanischen Gesellschaften AIDS noch immer belegt ist, zu brechen und mit internationaler Unterstützung wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/AIDS zu ergreifen.
Eine Dezentralisierung der staatlichen Dienstleistungen weg von schwachen zentralistischen Institutionen hin zu eigenverantwortlichen, lokalen Institutionen ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhöhung der Wirksamkeit der Bildungs- und
Es wäre falsch, kurzsichtig und gefährlich, die Entwicklungsländer als eine zu vernachlässigende Größe zu betrachten. Bereits im ersten Bericht der Nord-Süd-Kommission von 1980 hatte deren Vorsitzender Willy Brand gemahnt, die Bemühungen um den Ausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländer als „eine neue, geschichtliche Dimension für die aktive Sicherung des Friedens“ zu begreifen; denn: „Wo Hunger herrscht, kann Friede nicht Bestand haben. Wer den Krieg ächten will, muss auch die Massenarmut bannen.“ 97
Weitblick und Weltblick sind nötig, sowie eine Entwicklungspolitik, die die globalen Probleme aufgreift und im Rahmen einer gemeinsamen Partnerschaft von Industrie- und Entwicklungsländern Lösungsansätze entwirft.
Die Entwicklungspolitik muss sich neu orientieren: am Leitbild einer menschenwürdigen, die Grundbedürfnisse befriedigenden, nachhaltigen und auf globale Sicherheit zielenden Entwicklung. 98
97 Nord-Süd-Kommission (Brand-Bericht) 1980: S. 21ff.
98 Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter 2000: S. 496
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Wenn sich Probleme globalisieren, muss sich auch die Politik globalisieren. Wenn Globalisierung Entgrenzung und Fragmentierung bewirkt, dann bedeutet globale Politik Grenzen ziehen, Regeln setzen und Zusammenhalt organisieren. Global governance 99 oder global public policy heißt das Motto 100 für einen neuen Globalisierungsansatz und eine neue globale Ethik.
Vier globale Verträge stehen im Zentrum der gemeinsamen Anstrengungen. Die Förderung menschlicher und sozialer Entwicklung auf globaler Ebene verlangt die
Befriedigung von grundlegenden Bedürfnissen und Wünschen; wechselseitige Anerkennung und den fruchtbaren Austausch zwischen
Schaffung von Instrumenten zur globalen Steuerung;
Bewahrung
ökologischer Ressourcen.
101
Die Länder der Dritten Welt müssen am Globalisierungsprozess beteiligt werden, um die anhaltende Marginalisierung und daraus resultierende Konflikte zu vermeiden. Mensch und Ökologie müssen im Mittelpunkt des neuen Denkens stehen.
99 Anm.: Im Unterschied zum Regieren des Nationalstaats verweist global governance nicht
auf einen definierten Handlungsträger, sondern auf verschiedene staatliche und
nichtstaatliche Akteure, die oberhalb der nationalstaatlichen Ebene im Interesse globaler
Zukunftssicherung handeln. vgl. Klemp, Ludgera 2000: S. 191
100 Tetzlaff, Rainer 2000: S. 365ff.
101 CD-ROM „Global Lernen“ 2001
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VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN, SCHAUBILDER
UND TABELLEN
Seite
Abbildung 1 Die Karriere des Wortes Globalisierung 3
Abbildung 2 Volumen weltweiter Devisentransaktionen 11
Abbildung 3 Die zehn ärmsten Länder der Welt 18
Abbildung 4 Verteilung der weltweiten Armut 20
Abbildung 5 Anteil Subsahara-Afrikas am Welthandel 30
Abbildung 6 HIV/AIDS-Infektionen bei Erwachsenen und Kindern 30
Abbildung 8
Abbildung 9 Die zehn höchstverschuldeten Länder 42
Schaubild 1 Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung 8
Schaubild 2 Globalisierungskonzepte 9
Schaubild 4 Teufelskreise der Armut 21
Schaubild 5 Demographisches Datenprofil Mosambik 35
Schaubild 6 Politisches Datenprofil Mosambik 35
Schaubild 7 Wirtschaftliches Datenprofil Mosambik 36
Schaubild 8 Forderungen der Entwicklungsländer 43
Tabelle 1 Die am wenigsten entwickelten Länder 2001 19
Tabelle 2 Datenprofil für die Region Subsahara-Afrika 29
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LITERATURVERZEICHNIS
Verwendete und zitierte Literatur
(1) Altvater, Elmar/Mahnkopf, Birgit (1996): Grenzen der Globalisierung.
Ökonomie und Politik in der Weltgesellschaft. Münster: Westfälisches
Dampfboot
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Frankfurt/Main Suhrkamp Verlag
(3) Boxberger, Gerald/Klimenta, Harald (1998): Die 10
Globalisierungslügen. Alternativen zur Allmacht des Marktes. München:
Deutscher Taschenbuch Verlag
(4) Brand, Ulrich (2000): Global Governance. Alternative zur neoliberalen
Globalisierung? Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot
(5) Cassen, Bernard (2002): Eine andere Welt ist möglich! Hamburg: VSA-
Verlag
(6) Fischer, Joschka (1998): Für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Eine
politische Antwort auf die globale Revolution. Köln: Verlag Kiepenheuer &
Witsch
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(8) Grefe, Christiane; Greffrath, Mathias; Schumann, Harald (2002): attac
- Was wollen die Globalisierungskritiker? Berlin: Rowohlt Verlag
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Globale Trends 2002 - Fakten, Analysen, Prognosen. Frankfurt/Main:
Fischer Taschenbuch Verlag
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internationale Entwicklung (DSE)
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globaler Politik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. München: Verlag
C.H. Beck
(13) List, Martin u.a. (1995): Internationale Politik - Probleme und
Grundbegriffe. Opladen: Leske + Budrich
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(14) Martin, Hans-Peter/Schumann, Harald (1996): Die Globalisierungsfalle
- Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand. Reinbek: Rowohlt Verlag
(15) Menzel, Ulrich (1998): Globalisierung versus Fragmentierung
Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag
(16) Nohlen, Dieter (Hrsg.) (1993): Lexikon Dritte Welt. Reinbek: Rowohlt
Verlag
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Verlag C.H. Beck
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Bonn: Verlag Neue Gesellschaft
(20) Nuscheler, Franz (Hrsg.) (2000): Entwicklung und Frieden im Zeichen der
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(22) Tetzlaff, Rainer (Hrsg.) (2000): Weltkulturen unter Globalisierungsdruck -
Erfahrungen und Antworten aus den Kontinenten. Bonn: Dietz Verlag
(23) Tibi, Bassam (1995): Krieg der Zivilisationen. Hamburg: Hoffmann und
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(24) Woyke, Wichard (Hrsg.) (2000): Handwörterbuch Internationale Politik.
Opladen: Leske + Budrich
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Entwicklung (1995): Soziokulturelle Fragen in der Entwicklungspolitik II.
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(3) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
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(5) Bundeszentrale für politische Bildung (1997): Eine Welt - Zeitlupe 34.
München: Franzis’ print & media
(6) Bundeszentrale für politische Bildung (1999): Afrika I. Heft 264.
München: Franzis’ print & media
(7) Bundeszentrale für politische Bildung (1999): Globalisierung. Heft 263.
München: Franzis’ print & media
(8) Bundeszentrale für politische Bildung (1999): Nord und Süd - Eine Welt?
Arbeitsheft 14. München: Franzis’ print & media
(9) Bundeszentrale für politische Bildung (2000): Aus Politik und
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(10) Bundeszentrale für politische Bildung (2002): Aus Politik und
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(11) Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (2000): Human
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Bonn: Uno-Verlag
(12) Enquete-Kommission (2001): Globalisierung der Weltwirtschaft.
Herausforderungen und Antworten, Drucksache 14/6910. Bonn
(13) Microsoft (2002): Encarta Professional
(14) Nord-Süd-Kommission (Brand-Bericht) (1980): Das Überleben sichern.
Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer. Köln:
(15) The World Bank (2000): Weltentwicklungsbericht 1999/2000.
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Zeitung, Verlagsbereich Buch
(16) UNCTAD (2000): The Least Developed Countries Report. New York und
Genf
(17) Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (2001): CD-ROM “Global
Lernen”
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Zeitschriftenaufsätze
(1) Hengsbach, Friedhelm: Globalisierung - eine wirtschaftliche Reflexion,
aus: Aus Politik und Zeitgeschichte B23/99
(2) Krätke, S.: Globalisierung und Regionalismus, aus: Geographische
Zeitschrift, Jahrgang 83
(3) Pinzani, Alessandro: Demokratisierung als Aufgabe. Lässt sich die
Globalisierung demokratisch gestalten? aus: Aus Politik und Zeitgeschichte
B33-34/2000
(4) Schamp, E.W.: Globalisierung von Produktionsnetzen und
Standortsystemen, aus: Geographische Zeitschrift, Jahrgang 84
Internetquellen:
(1) http://encarta.msn.de vom 01.08.2002
(2) http://encarta.msn.de vom 09.08.2002
(3) http://rankings.lexas.de vom 19.07.2002
(4) http://www.dse.de/za/lis/mosambi/seite2.htm vom 25.07.2002
(5) http://www.erdkunde-online.de/1141.htm vom 25.07.2002
(6) http://www.kulturgeo.uni-freiburg.de/mitarb/dittrich/globali.html vom
07.06.2002
(7) http://www.venro.org vom 29.07.2002
(8) http://www.venro.org/fr_akt.html vom 26.07.2002
(9) http://www.venro.org/fr_global.html vom 22.07.2002
(10) http://www.wissen.de vom 22.07.2002
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Arbeit zitieren:
Marlis Moritz, 2002, Globalisierung - Eine Chance für die Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag GmbH
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