Private Equity als Instrument zur Unternehmensfinanzierung
1. Einleitung und Problemstellung
2. Definition und Abgrenzung des Begriffs „Private Equity“
3. Was ist eine Private Equity-Gesellschaft?
4. Selbstbestimmbare Risikofaktoren
4.1 Personelle Faktoren
4.1.1 Fachkompetenz des Managements
4.1.2 Branchenkenntnisse
4.2 Sachbezogene Faktoren
4.2.1 Selektion eines Beteiligungsunternehmens
4.2.2 Investitionshöhe
4.2.3 Strategie
4.2.4 Organisation des Private Equity-Unternehmens
5. Fremdbestimmte Risikofaktoren
5.1 Beeinflußbarkeit des geförderten Unternehmens
5.2 Auswirkung der Börsenentwicklung
5.3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
6. Schlußbemerkung und Fazit
1. Einleitung und Problemstellung
Über den Aufstieg oder Niedergang einer Firma entscheidet oft eine ausreichende Kapitalausstattung. Denn ein finanzielles Polster ist notwendig, um vorhandenes Potential voll zu nutzen, seien es anstehende Expansionen oder die Entwicklung vielversprechender Ideen bspw. im Technologiebereich. Firmen, die keinen Zugang zum organisierten Kapitalmarkt „Börse“ haben (Einzelunternehmen, OHG, KG, GmbH), sind auf andere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung angewiesen. Gerade mittelständische Unternehmen mit diesen Rechtsformen stehen vor dem Problem, daß sie ihren Kapitalbedarf nur zu einem Teil aus eigenen Mitteln decken können. Sie sind daher auf die Unterstützung von außen angewiesen, wie zum Beispiel auf die Hilfe von Kreditinstituten. Aufgrund der schwer vorhersagbaren Unternehmensentwicklung und ungenügender werthaltiger Sicherheiten wie ausreichendes Eigenkapital oder Grundstücke, auf die eine Hypothek eingetragen werden kann, befürchten Banken oft den Verlust des eingesetzten Kapitals und tun sich mit der Kreditvergabe schwer. 1 Sie stehen daher häufig nicht in ausreichendem Umfang als Finanzierungsquelle zur Verfügung. In dieser Marktnische haben sich Private Equity-Gesellschaften angesiedelt, die genau dieses Bedürfnis der Eigenkapitalausstattung der Unternehmen befriedigen. In den entscheidenden, risikobehafteten Phasen einer Unternehmensentwicklung beteiligen sie sich an Firmen und haben überdurchschnittliche Ertragschancen im Visier. In dieser Hausarbeit zu dem Thema „Private Equity als Instrument zur Unternehmensfinanzierung“ möchte ich die praktische Tauglichkeit von Private Equity-Gesellschaften bei der Förderung von nicht börsennotierten Unternehmen in Frage stellen. Die finanzielle und managementtechnische Unterstützung eines Unternehmens durch Private Equity-Firmen soll vor diesem Hintergrund kritisch beleuchtet werden. Risikofaktoren und Fehlerquellen, die dabei von den Private Equity-Häusern selbst zu vertreten sind, möchte ich im vierten Kapitel darlegen. Aber auch Faktoren und Risiken, die nicht dem Einfluß dieser Kapitalgeber unterliegen, sollen angesprochen werden (fünftes Kapitel). Zuvor jedoch wird im dritten Kapitel erklärt, wie eine Private Equity-Gesellschaft aufgebaut ist, welche Ziele sie verfolgt und wie sie vorgeht.
1 Vgl. Rey, M. W. / Röver, J.-H., Private Equity ergänzt die globale Projektfinanzierung, in: Die
Bank, Nr. 09/2001, S. 626
2. Definition und Abgrenzung des Begriffs „Private Equity“
Wie schon angedeutet, wird Private Equity zur finanziellen Unterstützung von Unternehmen verwendet, die keinen oder nur beschränkten Zugang zu Finanzmärkten und Banken haben. Es ist eine Form von Beteiligungskapital, das von Kapitalbeteiligungsgesellschaften, in diesem Fall den Private Equity-Gesellschaften, bereitgestellt wird 2 und sich nicht auf spezielle Finanzierungsanlässe beschränkt. Das Kapital kann also während der Gründungs- und Wachstumsphase oder auch zu Restrukturierungssowie Sanierungszwecken zugegeben werden. Private Equity wird kapitalsuchenden Unternehmen also für zukünftige Erfolge in Form von Eigenkapital bereitgestellt. Der Erwerb einer Beteiligung durch Private Equity-Gesellschaften erfolgt aus Kapitalanlagezwecken.
Zur weiteren Abgrenzung des Begriffs möchte ich ergänzend die Definition von Hanspeter Bader zitieren: „Private Equity ist eine Finanzierungsart, bei welcher nicht kotierten [börsennotierten] Unternehmen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung, ohne ausreichende Sicherheiten, mittel- bis langfristig Kapital und, bei Bedarf, Managementunterstützung zur Verfügung gestellt wird. Zur Realisierung eines dem Risiko entsprechenden Gewinnes besteht von vornherein die Absicht, die Beteiligung wieder zu veräußern.“ 3
In dieser Definition wird darauf hingewiesen, daß die Unterstützung seitens der Private Equity-Firmen nicht nur finanzieller Natur ist, sondern auch den Managementbereich betrifft. Da das Ertragswachstum des Beteiligungsunternehmens im Interesse der Geldgeber liegt, versorgen sie, falls erforderlich, besonders das Management des geförderten Unternehmens mit Know-how. Mit der Rendite soll dem Risiko des ungewissen Ausgangs einer Beteiligung Rechnung getragen werden.
Mit den Worten „Unternehmen“, „Firmen“ oder „Beteiligungsunternehmen“ werden in dieser Arbeit diejenigen bezeichnet, die nicht auf der Geldgeberseite stehen. Mit anderen Worten also die, die auf der Geldnehmerseite stehen und von den Private Equity-Gesellschaften gefördert werden.
2 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 155
3 Bader, H., Private Equity als Anlagekategorie, 1996, S.10
3. Was ist eine Private Equity-Gesellschaft?
Den Schwerpunkt im Private Equity-Segment bilden die in der Regel selbständigen Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Auch Industrieunternehmen sind als Private Equi-ty-Investoren tätig, doch sind ihre Beteiligungsfinanzierungen meist von operativen und strategischen Überlegungen dominiert (Corporate Venturing). Demgegenüber stehen bei den Kapitalbeteiligungsgesellschaften Renditeüberlegungen im Mittelpunkt des Interesses. Sie sollen auch den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Die Private Equity-Häuser bilden praktisch die Schnittstelle zwischen den Geldgebern und den Kapitalnehmern. 4 Vereinfacht gesehen werden die von ihnen empfangenen Finanzmittel an kapitalsuchende Unternehmen weitergeleitet. Als Kapitalgeber treten hauptsächlich institutionelle Investoren auf, wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken, gelegentlich auch private Investoren oder Industrieunternehmen. 5 Das eingeworbene Kapital sammelt sich sozusagen bei der Private Equity-Gesellschaft, die es in Form eines Fonds verwaltet. Aus diesem Fonds finanziert sie die Beteiligungskäufe. 6
Die Kapitalbindungsdauer beträgt bei einer Beteiligung drei bis zehn Jahre und ist abhängig von der Branche und dem Finanzierungszweck. Man kann verallgemeinernd sagen: „Je älter resp. je weiter entwickelt die Unternehmung, desto kürzer ist in der Regel der Zeithorizont“ 7 der Kapitalanlage. Aufgrund der Kapitalbindung über eine längere Zeitspanne können in Private Equity-Gesellschaften erst nach mehreren Jahren Gewinne ausgewiesen werden. 8 Nach Ablauf der Förderungszeit wird die Unternehmensbeteiligung aufgrund der Wertsteigerung zu einem höheren Preis veräußert. Aus der Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Veräußerungspreis ergibt sich der Gewinn (Rendite) für den Beteiligungsgeber. Zum Zweck der Wertsteigerung eines Beteiligungsunternehmens investieren Private Equity-Firmen daher nicht nur Kapital in Unternehmen, sondern auch Fachwissen, Erfahrung, Kontakte, Managementunterstützung und -motivation. 9 Falls der Wert des Unternehmens nicht steigt, ist ein Verkauf der Beteiligung kaum sinnvoll, da keine Gewinne realisiert würden. Die Renditeerwartungen sind zwar unterschiedlich hoch,
4 Vgl. Kraft, V., Private Equity-Investitionen in Turnarounds und Restrukturierungen, 2001, S. 39
5 Vgl. Kraft, V., Private Equity-Investitionen in Turnarounds und Restrukturierungen, 2001,
S. 34 - 37
6 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 30
7 Bader, H., Private Equity als Anlagekategorie, 1996, S. 14
8 Vgl. Bader, H., Private Equity als Anlagekategorie, 1996, S. 116
9 Vgl. Schmidt, G.,Venture Capital Investments und Markttrends, Vortag für die ebs Finanzakade-
mie, 09.08. 2002
bewegen sich aber meist im Bereich von etwa 20%. Verläßliche Ertragszahlen sind leider kaum vorhanden, doch liegen die erzielten Renditen bei durchschnittlich 15%, wobei es hier natürlich auch Ausreißer nach unten und oben gibt. 10 Kapitalbeteiligungen werden in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft getätigt, wie etwa im Technologie- und Konsumgüterbereich, New Economy, Telekommunikation, Energieindustrie oder auch beim Flughafenbau. Inzwischen hat sich bei einer Reihe Private Equity-Firmen eine Konzentration auf bestimmte Finanzierungsschwerpunkte herausgestellt: einige haben sich auf Regionen spezialisiert wie bspw. die VentureCapitalSüdpfalz 11 , andere auf bestimmte Branchen oder festgelegte Phasen im Unternehmenszyklus wie bspw. die Gründungsfinanzierung. Die Private Equity-Firmen existieren in verschiedenen Rechtsformen, häufig als Kommanditgesellschaft oder Stille Gesellschaft. Die Private Equity-Manager stellen in diesem System die Komplementäre dar, die Investoren (Banken, Versicherungen etc.) treten als Kommanditisten auf. 12
Bei den Beteiligungskäufen übernehmen die Private Equity-Firmen nicht die Geschäftsführungsfunktion, sondern werden Mitunternehmer 13 und stehen in einer partnerschaftlichen Beziehung zum Beteiligungsunternehmen. Wie die Auswahl und der Einstieg in ein solches erfolgt, wird in Kapitel vier ausführlicher erläutert. Zum Ausstieg aus der Beteiligung (Exit) bieten sich fünf verschiedene Möglichkeiten: die Publikumsöffnung durch einen Gang an die Börse, der Verkauf an ein anderes Unternehmen oder an andere finanzielle Investoren, der Rückkauf von Beteiligungsanteilen durch das Unternehmen bzw. das Management selbst oder die Liquidation. 14 Die Planung des Exits erfolgt bereits am Anfang der Kapitalbeteiligung.
4. Selbstbestimmbare Risikofaktoren
Bei den Vertragsverhandlungen zwischen Beteiligungsgeber und -nehmer wird es wahrscheinlich nie zu einem perfekten Abschluß kommen. Um diese Nachteile auszugleichen und vorhandene Risiken zu mindern, können verschiedene Mittel eingesetzt und Maßnahmen ergriffen werden, die in den folgenden Kapiteln besprochen werden sollen. Zunächst werden die selbstbestimmbaren Elemente untersucht, die
10 Vgl. Bachmann, B., Private Equity - Ein Thema für Schweizer Privatanleger?, 1999, S. 26 - 27
11 Vgl. Thiesler, E., Weiterentwicklung statt Neugestaltung, in: Bankmagazin, Nr. 11/2001, S. 52
12 Vgl. Kraft, V., Private Equity-Investitionen in Turnarounds und Restrukturierungen, 2001,
S. 39 - 40
13 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 30
14 Vgl. Bachmann, B., Private Equity - Ein Thema für Schweizer Privatanleger?, 1999, S. 14
zum Erfolg oder Mißerfolg einer Beteiligungsinvestition beitragen können. Diese Risikofaktoren, die der direkten Kontrolle der Investoren unterliegen, sollten folglich entsprechend gewissenhaft beobachtet, geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Meist gibt nicht eine der selbstbestimmbaren Komponenten allein den Ausschlag, wenn der Erfolg ausbleibt, sondern eine Kombination mehrerer Elemente. Es kann bspw. eine sorgfältig erarbeitete Strategie verfolgt werden, die jedoch nicht mit dem Entwicklungsstand des Unternehmens korrespondiert und unqualifizierte Entscheidungen des Managements weitere Mißerfolge verursachen.
4.1 Personelle Faktoren
Von großer Bedeutung für die erfolgreiche Handhabung von Private Equity-Investitionen sind die Fachkompetenz sowie Fachkenntnisse des Managements, da bei Beteiligungsinvestitionen auch „das aktive Bewirtschaften von Beteiligungen“ 15 , also die Übernahme von Managementfunktionen beabsichtigt wird.
4.1.1 Fachkompetenz des Managements
In den meisten Fällen sind Managementfehler in Jungunternehmen die Ursache für Rückschläge. Umgekehrt ausgedrückt: Zum Unternehmenserfolg trägt das Management zu etwa 80% bis 90% bei. 16 Daher muß auch die Auswahl der Leistungsträger mit größter Sorgfalt vorgenommen werden. „Je nach Finanzierungsstadium sind dabei unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen [des Managements] gefordert. Bei jungen Unternehmen, deren Organisationsstrukturen einem raschen Wandel unterliegen, ist [bspw.] hohe Kreativität und Flexibilität gefordert.“ 17 Falls Firmen diese Entwicklungsphasen schneller durchlaufen als es die Anpassungsfähigkeit des Managements eigentlich gestattet, sollte sich die Unternehmensführung entsprechenden Beistand hinzuziehen oder sogar sich selbst ablösen lassen, um den Unternehmenserfolg nicht aufs Spiel zu setzen. Hier kann die Kapitalbeteiligungsgesellschaft aktiv eingreifen und bei Bedarf Personal auswechseln.
Bei einem Beteiligungserwerb der Private Equity-Gesellschaft Industri Kapital bspw. mangelte es an der fachlichen Kompetenz der Leistungsträgern. Das skandinavische Investitions-Haus übernahm im Jahr 1997 von Siemens die Konzernabteilung I-Center, einen Elektrogroßhandel. Es wurden verschiedene Rationalisierungsmaß-
15 Haux,J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 1
16 Vgl. Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S. 91
17 Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S.33
nahmen durchgeführt wie Stellenabbau und Schließung diverser Niederlassungen, was jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führte. Nachdem sich I-Center bereits in der Verlustzone befand, wurden die Führungskräfte des Elektrogroßhandels ersetzt und nach einem geeigneten Käufer gesucht, der jedoch nicht gefunden wurde. Im Oktober 2001 mußte I-Center daraufhin einen Insolvenzantrag stellen. 18 In diesem Fall war das Management der Private Equity-Firma nicht in der Lage, den Aufwand fachgemäß zu beurteilen, der für die Reorganisation der ehemaligen Konzernabteilung notwendig war.
4.1.2 Branchenkenntnisse
Gerade detaillierte Fachkenntnisse sind bei der Investition in neue Beteiligungsunternehmen wichtig, „da der Anlageerfolg von Private Equity-Fonds wesentlich auf den Branchenkenntnissen und -kontakten der Fondsmanager beruht“ 19 . Das Management der Private Equity-Firmen verfügt teilweise nicht über genügend branchenspezifische Informationen, um strategische Entscheidungen allein treffen zu können. Zum Füllen dieser Wissenslücke werden Fachleute der entsprechenden Branchen herangezogen, welche die Private Equity-Häuser mit den nötigen Informationen, Details und Kontakten versorgen. 20
Der Mißerfolg der oben beschriebenen Kapitalbeteiligung von Industri Kapital an dem Elektrogroßhandel I-Center ist unter anderem auf ein derartiges Informationsdefizit zurückzuführen. Noch plastischer wird die Bedeutung der Branchenkenntnisse anhand eines anderen Beispiels: Da die Frankfurter Private Equity-Firma Triton nicht über genügend Wissen auf dem Fenster- und Türenmarkt verfügte, überließ sie die Bewertung der Firma Weru, die sie zu übernehmen beabsichtigte, den Spezialisten von Arthur Andersen. Ermittelt wurden Absatzprognosen, die Triton als ungünstig beurteilte und sich 1999 trotzdem zu einer Beteiligungsinvestition entschloß. Der Umsatz von Weru sank im ersten Halbjahr 2001 fast 10% und näherte sich dem Verlust. 21 Die Konsequenz hieraus ist, daß der kalkulierte Veräußerungspreis zur Zeit nicht erzielt werden kann, da der Wert des Unternehmens eher gefallen als gestiegen ist.
18 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 114 - 117
19 Rey, M. W. / Röver, J.-H., Private Equity ergänzt die globale Projektfinanzierung, in: Die Bank,
Nr. 09/2001, S. 630
20 Vgl. Rey, M. W. / Röver, J.-H., Private Equity ergänzt die globale Projektfinanzierung, in: Die
Bank, Nr. 09/2001, S. 627
21 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 112 - 114
Bei der Konzentration des gesamten Beteiligungsgeschäfts auf eine bestimmte Branche kann dem Effekt des Informationsdefizits bedingt vorgebeugt werden. Die European Webgroup AG handhabt es bspw. so: Sie hat sich auf Finanzierungen in frühen Entwicklungsphasen im europäischen Softwarebereich spezialisiert. Allerdings macht sich diese Schweizer Private Equity-Gesellschaft auf diese Weise von der speziellen wirtschaftlichen Entwicklung der Branche abhängig.
4.2 Sachbezogene Faktoren
Diese selbstbestimmbaren Risikofaktoren lassen sich in eine weitere Untergruppe gliedern: Neben den oben besprochenen personellen Faktoren, die von der Gesamtheit der Beschäftigten beeinflußt werden gibt es die personenunabhängigen Faktoren, die ebenso zum den Erfolg einer Beteiligungsfinanzierung beitragen.
4.2.1 Selektion eines Beteiligungsunternehmens
Die Erträge, die sich aus der laufenden Beteiligung ergeben, stehen in keinerlei Verhältnis zu dem bei der Beteiligungsinvestition eingegangenen Risiko. Daher kommt dem realisierbaren Verkaufswert eines Unternehmens am Ende der Beteiligungslaufzeit, dem sog. Exit-Value, erhebliche Bedeutung zu. „Die weitreichende finanzanalytische Durchdringung sämtlicher Beteiligungsobjekte [ist] von großer Bedeutung. Die zukünftige Entwicklung läßt sich dadurch zwar nicht bestimmen, es wird jedoch deutlich, welche operativen und unternehmerischen Anstrengungen notwendig sind, um einen anhaltenden und nicht auf zufälligen Ereignissen basierenden Erfolg zu erzielen.“ 22
Hierzu muß das Potential eines Unternehmens vor der Beteiligungsinvestition an-hand verschiedener Kriterien in einem mehrstufigen Auswahlprozeß genau untersucht werden. Nach dieser Untersuchung werden verschiedene Investitionsvorhaben in eine engere Wahl gezogen und erneut detailliert geprüft, untersucht und monetär bewertet (Due Diligence). 23 Dies kann durch den Einblick in die Geschäftsbücher erfolgen sowie anhand der Markt-, Branchen- und Fachkenntnis des Private Equity-Managements. Die Entscheidung für oder gegen eine Beteiligungsinvestition erfolgt auf dieser Grundlage. 24 Im Rahmen eines solchen Ermittlungsverfahrens werden unter vielen hundert Beteiligungsmöglichkeiten zwei bis drei als einträglich befun-
22 Druecker,S., Beteiligungserwerb, Vortag für die ebs Finanzakademie, 09.06.2001 S. 7
23 Vgl. Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S. 128
24 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 149
den. 25 Arthur Andersen nahm bspw. eine derartige Prüfung des Fenster- und Türenherstellers Weru für das oben genannte Private Equity-Haus Triton vor.
4.2.2 Investitionshöhe
Der Einstiegspreis für Beteiligungsinvestitionen richtet sich nach dem voraussichtlich realisierbaren Preis bei der Veräußerung der Beteiligung. Die Differenz zwischen Einstiegs- und Verkaufpreis bildet die Rendite der Private Equity-Gesellschaft. Wenn nun ein Börsengang als Exit geplant ist, ist die Preisfindung beim Beteiligungserwerb auch von der Börsenentwicklung abhängig. Im Falle eines sehr positiven Börsenklimas können hohe Veräußerungsbeträge erwartet werden. Folglich ist die Spanne zwischen dem Preis, der aufgrund hoher Gewinnerwartungen bezahlt werden kann, und dem Wert, dem das Unternehmen betriebswirtschaftlich gesehen tatsächlich entspricht, relativ groß. Der starke Aufwärtstrend der Börse führte während der vergangenen Jahre aufgrund der steigenden Renditemöglichkeiten zu übertrieben hohen Beteiligungspreisen. Seit die Aktienkurse jedoch fallen, offenbaren sich diese Vergehen von allein: die geplanten Verkaufpreise werden beim Börsengang nicht mehr erzielt und somit die kalkulierten Renditen nicht erreicht. Einige Finanzmanager ließen sich tatsächlich zu unverhältnismäßig hohen Investitionspreisen verleiten, ohne auf das tatsächliche Potential des Beteiligungsunternehmens zu achten. Das renommierte amerikanische Private Equity-Haus Kohlberg Kravis Roberts (KKR) ging während der Hochpreisphase sinnvollerweise auf eine zurückhaltende Beteiligungspolitik über. 26 Basierend auf diesen negativen Erfahrungen der letzten Monate sanken die Einstiegspreise bei Beteiligungsinvestitionen wieder auf ein betriebswirtschaftlich gerechtfertigtes Niveau zurück. 27 Die deutsche Firma Apax Partners jedoch ließ sich im Jahr 2000 zur einer Beteiligung an der staatlichen Bundesdruckerei hinreißen. Der Einstiegspreis bezifferte sich auf eine Milliarde Euro und betrug mehr als das Zweifache, das ein Wettbewerber der Branche auszugeben bereit war. Die Bundesdruckerei ist bereits in die Verlustzone gerutscht. 28 Auch Morgan Grenfell Private Equity (MGPE) ließ sich zu einer hohen Investition verleiten. Die Londoner Deutsche Bank-Tochter beteiligte sich für 1,6 Milliarden Pfund im Jahre 2001 an dem englischen Freizeitkonzern Whitbread.
25 Vgl. Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S. 28
26 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 114
27 Vgl. Guthoff, M., Private Equity m Einfluß des Börsenklimas, in: Die Bank, Nr. 4/2002, S. 245 -
246
28 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 112
Mitbieter halten diesen Preis für eindeutig überhöht und auch MGPE selbst räumt ein, „eine kleine Prämie von rund 25 Millionen Pfund draufgelegt zu haben, um überhaupt ins Geschäft zu kommen.“ 29 Es bleibt nun abzuwarten, wie sich das Beteiligungsunternehmen entwickelt.
4.2.3 Strategie
Wie bereits erwähnt, stehen beim Beteiligungserwerb Renditeüberlegungen im Vor-dergrund. Um die gewünschte Beteiligungsrendite zu gewährleisten oder sogar zu steigern, müssen u. a. geeignete Strategien geplant werden. Es stehen den Private Equity-Firmen hierbei drei Hauptstrategien zur Verfügung, die in jedem Beteiligungsunternehmen unabhängig von der Branche angewendet werden können. 30 Eine ist die Neustrukturierung des Unternehmens, bei welcher der Unternehmenskern gestärkt wird, indem eine „Beschränkung auf wenige Kernaktivitäten“ 31 vorgenommen wird. Ebenso wird das Unternehmertum aktiviert und eine strategische Öffnung nach außen vorgenommen, bspw. durch Verbundkonzepte mit anderen Unternehmen. 32 Eine andere Strategie ist die Internationalisierung, die eine „Erschließung und Sicherung von ausländischen Märkten“ 33 beinhaltet. Diese Methode beschränkt sich nicht nur auf den Export, sondern umfaßt um die globale Ausrichtung eines Unternehmens. Die dritte Strategie ist die Diversifizierung, die das Stammgeschäft unter anderem vor konjunkturelle Einflüsse schützen soll 34 , bspw. durch die Erweiterung Produktpalette oder den Einstieg in neue Betätigungsbereiche. Natürlich ergänzen sich die einzelnen Strategien und sind nicht unbedingt bei jedem Unternehmen aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen anwendbar. Bei der Wahl der Strategie sollte aber stets bedacht werden, daß die Wertentwicklung einer Kapitalbeteiligung durch diese maßgeblich beeinflußt wird. Anhand eines späteren Beispiels der Firma Clayton, Dubilier & Rice im Kapitel 5.1 soll dies verdeutlicht werden.
29 Zöttl, I., Zurück an die Leine, in: Wirtschaftswoche, Nr. 16/2001, S. 84
30 Vgl. Haux, J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 2
31 Haux, J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 6
32 Vgl. Haux, J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 9
33 Haux, J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 17
34 Vg. Haux, J. F., Handbuch Beteiligungsmanagement, 2001, S. 26
4.2.4 Organisation des Private Equity-Unternehmens
In Deutschland befinden sich Private Equity-Häuser häufig im Besitz einer überge-ordneten Finanzinstitution, wie bspw. Banken. 35 Die sich daraus ergebende Verbundenheit zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft birgt allerdings auch Konfliktpotential, vor allem wenn die Muttergesellschaft bspw. eine andere Investitionspolitik verfolgt als die Tochtergesellschaft. Eine größere Unabhängigkeit der Private Equity-Sektionen innerhalb des Konzerns bietet mehr Freiheit bezüglich der Handhabung der Beteiligungsvorhaben. So können auch aus Sichtweise der Kunden Interessenkonflikte umgangen werden. 36 Jedoch kann eine enge Bindung an die Muttergesellschaft von Vorteil sein, wenn dort eine ausgeprägtere Fach- oder Branchenkompetenz vorhanden ist. Diese kann unterstützend im Geschäftsprozeß mitwirken, wie bspw auch bei MGPE, das nach einigen Mißerfolgen nun wieder stärker von der Deutschen Bank, der Muttergesellschaft, kontrolliert wird. 37
5. Fremdbestimmte Risikofaktoren
Die in diesem Kapitel behandelten Einflußfaktoren weisen im Gegensatz zu den oben besprochenen keinen dispositiven Charakter auf und liegen nicht im Einflußbereich des Managements einer Private Equity-Gesellschaft. Es ist hervorzuheben, daß die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, in welchen sich die Kapitalbeteiligungsgesellschaften bewegen, nicht ausschließlich negativer Beschaffenheit sind, sondern sich auch positiv auswirken können, wie bspw. ein Börsenaufschwung eine unerwartet hohe Rendite bewirken kann. Natürlich ist auch der umgekehrte Fall möglich, und ein unvorhergesehen niedriger Veräußerungsgewinn wird erzielt. Im schlimmsten Fall führt die negative Beeinflussung durch externe Risikofaktoren zum Totalverlust einer Kapitalbeteiligung. Aus der Tatsache heraus, daß die Unternehmensentwicklung durch wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht vorherbestimmt werden kann, ergibt sich ein Informationsdefizit für die Beteiligungsgeber, das neben glücklichen Zufällen vor allem Risiken birgt. Einige dieser fremdbestimmten Einflußfak-toren sollen nun in diesem Kapitel diskutiert werden.
35 Vgl. Kraft, V., Private Equity-Investitionen in Turnarounds und Restrukturierungen, 2001, S. 39
36 Vgl. Zöttl, I., Zurück an die Leine, in: Wirtschaftswoche, Nr. 16/2001, S. 84
37 Vgl. Zöttl, I., Zurück an die Leine, in: Wirtschaftswoche, Nr. 16/2001, S. 84
5.1 Beeinflußbarkeit des geförderten Unternehmens
Strategien, wie sie in Kapitel vier beschrieben wurden, können allerdings auch trotz detaillierter Planung und Vorbereitung mißlingen. Ein Grund für das Scheitern kann in der Fehleinschätzung der Einflußnahmemöglichkeiten auf das Beteiligungsunternehmen liegen. In der Principal-Agent-Theorie kommt dies zum Ausdruck: Die Interessen der Investoren (Principal) weichen in bestimmten Bereichen von denen des Beteiligungsunternehmens (Agent) ab. Die persönlichen Präferenzen der Agents können die Wertentwicklung des Beteiligungsobjekts gefährden, die wiederum das Hauptinteresse der Investoren ist. Durch die Schaffung von Anreizen für ein Verhalten im Sinne der Principals werden bei den Agents Reaktionen ausgelöst, die zur Wahrung der Principal-Interessen führen. In der Regel sind dies Erfolgsbeteiligungen in Form von Unternehmensanteilen. 38
Hier ein Paradebeispiel, in dem nicht genügend Einfluß genommen wird: Im Jahr 1998 übernahmen die Allianz Capital Partners (ACP) die staatlichen Autobahntankstellen Tank & Rast. Geplant ist, die Organisation der ungefähr 300 Raststätten effizienter zu gestalten und den Exit durch einen Börsengang zu realisieren. Die Zentralisierung des Einkauf der Verkaufswaren zwecks der Erzielung von Einsparungen ist Teil der Strategie ist. Dieser Entscheidung widersetzen sich schätzungsweise 70% der Tankstellenpächter, die sich stärker auf den individuellen Gewinn als auf den der gesamten Gruppe konzentrieren. Sie beziehen ihre Waren weiterhin von Lieferanten vor Ort zu niedrigen Preisen, wodurch sie teilweise größere Einsparungen erzielen als durch die Zentralisierung. Die Durchsetzung der persönlichen Präferenzen hat u. a. auch zum Verfall des Unternehmenswertes von Tank & Rast geführt. 39 Der Gang an die Börse zur Veräußerung der Beteiligung kann daher vorerst nicht durchgeführt werden.
Auch die Unkenntnis fremder Unternehmenskulturen oder Mentalitäten kann die Einflußnahme erheblich mindern. Daran scheiterte 1998 das Vorhaben des amerikanischen Private Equity-Hauses Clayton, Dubilier & Rice (CDR), sich im deutschen Markt zu etablieren. Sie erwarben den Bauzulieferer Schulte Bautechnik von der Thyssen Handelsunion mit dem Ziel, dessen Organisation zu optimieren. In der Absicht, sich zum Marktführer emporzuarbeiten, sollten Mitbewerber der Branche übernommen werden. Aufgrund der Verkaufsverweigerung der Mitbewerber konnte bisher keine bedeutende Übernahme getätigt und somit die Marktposition weder er-
38 Vgl. Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S. 31
weitert noch gesichert werden. Die Wettbewerber drückten durch die Verkaufsverweigerung ihren Protest gegen das „undeutsche“ Vorhaben von CDR aus. 40 Der geplante Börsengang als Exit ist bisher ausgeschlossen. Die Strategie wäre in den USA sicher die richtige gewesen, jedoch nicht in Deutschland.
5.2 Auswirkung der Börsenentwicklung
Wie bereits erwähnt, stellt der Börsengang eine Möglichkeit zum Ausstieg aus einer Beteiligungsfinanzierung dar, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewann. Vor allem die Venture Capital-Investoren (Finanzierung der Unternehmensgründungsphase durch Private Equity) gingen diesen Weg der Publikumsöffnung, auch als IPO (Initial Public Offering) bezeichnet, als sich der Neue Markt in großen Schritten entwickelte. Der Venture Capital-Bereich bewies zudem während der letzten Jahren das größte Wachstumspotential.
Im Jahre 1997 lösten sich 11 Venture Capital-Geber durch einen Börsengang an den Neuen Markt aus ihrer Beteiligung. Ein Jahr später waren es bereits 40 und in den folgenden beiden Jahren 1999 und 2000 verdreifachte sich die Zahl der IPOs auf jeweils mehr als 130 und erreichte damit ihren vorläufigen Höchstwert. Im Verlauf des Jahres 2000 flaute der Aufwärtstrend des Aktienmarktes ab und die Kurse entwickelten sich rückläufig. Die Zahl der Exits am Neuen Markt sank im nachfolgenden Jahr (2001) auf 11. 41 Der außerordentliche Bösenaufschwung erklärt teilweise das große Wachstum im Private Equity-Geschäft im vergangenen Jahrzehnt. Seit sich das Börsenklima gewendet hat und die Aktienkurse nachlassen, sinkt die Bereitschaft der Anleger, Geld in Aktien zu investieren. Die Exit-Variante Börsengang erweist sich vorübergehend als nicht sinnvoll: die Differenz zwischen dem Einstiegs-und Veräußerungspreis würde zu gering oder gar negativ ausfallen und die geplante Rendite könnte nicht erreicht werden.
Mit diesem Problem sieht sich auch die Morgan Grenfell Private Equity (MGPE) konfrontiert. Sie erwarb 1998 den drittgrößten britischen Buchmacher Coral für 390 Millionen Pfund und plante den Exit durch einen IPO. „Der Verfall der Aktienbörse aber vereitelte den geplanten Börsengang, der über eine Milliarde Pfund in die Kassen spülen sollte. MGPE erwägt angeblich nun den Verkauf des Unternehmens“ 42
39 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 117 - 119
40 Vgl. Döhle, P. / Papendick, U., Teure Lektion, in: manager magazin, Nr. 02/2002, S. 117
41 Vgl. Guthoff, M., Private Equity m Einfluß des Börsenklimas, in: Die Bank, Nr. 4/2002, S. 245
42 Zöttl, I., Zurück an die Leine, in: Wirtschaftswoche, Nr. 16/2001, S. 84
anstelle der Publikumsöffnung. Die Beteiligung muß also weiter gehalten werden, bis sich ein günstiger Zeitpunkt für einen Börsengang bietet oder ein Käufer gefunden wird. Die Überbrückung wird jedoch weitere Kosten verursachen und das Renditeziel zeitlich verschieben. Nach der Stabilisierung der Börse wird der Börsengang als Exit-Variante jedoch wieder an Bedeutung gewinnen. Abschließend kann man feststellen, daß die allgemeine Aktienentwicklung Einfluß auf die Investitionsentwicklung am Private Equity-Markt hat und daß die Börse nicht vorbehaltlos zu Exitzwecken zur Verfügung steht. Das Problem, mit dem sich die Private Equity-Häuser konfrontiert sehen, liegt in eindeutig in der Schwierigkeit der Entwicklungsprognose. Wie oben angesprochen, kann die rückläufige Börsenentwicklung gerade bei jungen Unternehmen, die noch keine Gewinne erwirtschaften, zur Geschäftsaufgabe führen. 43 Dennoch wird der Börsengang sowohl von den Beteiligungserwerbern als auch von den Beteiligungsunternehmen als idealtypisch angesehen, auch wenn die Publikumsöffnung einer intensiven Planung und Vorbereitung bedarf als andere Exitvarianten. 44
5.3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Auch die Entwicklung der gesamten Wirtschaft beeinflußt das Investitionsverhalten der Kapitalbeteiligungsgesellschaften und vor allem den erfolgreichen Abschluß einer Beteiligungsförderung. Es wurde in Untersuchungen ermittelt, daß die Zunahme von Private Equity-Investitionen am höchsten ist, wenn das Börsenklima sehr optimistisch ist. 45 Da die Investitionen über den Zeitraum von mehreren Jahren angelegt werden, entsteht aus dem beschriebenen Investitionsverhalten die Gefahr, daß am Ende einer solchen Hochphase Beteiligungen eingegangen werden. Eine Gefahr deshalb, weil dem wirtschaftlichen Aufschwung ein Konjunkturrückgang folgt, in dem auch Unternehmen mit großem Potential zum Teil nicht mehr gewinnbringend veräußert werden können. Im Verlauf des Jahres 2000 fand ein derartiger Einbruch der Börsenkurse statt, dem ein Jahr später tatsächlich ein Rückgang der Beteiligungsinvestitionen folgte (siehe Grafik „Entwicklung von Bruttoinvestitionen am Beteiligungsmarkt und Börsenkapitalisierung“ in ‚Die Bank’, Nr. 04/2002, S. 245, Hrsg. Bundesverband deutscher Banken, Berlin).
43 Vgl. Guthoff, M., Private Equity m Einfluß des Börsenklimas, in: Die Bank, Nr. 4/2002, S. 247
44 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 108
45 Vgl. Bachmann, B., Private Equity - Ein Thema für Schweizer Privatanleger?, 1999, S. 42
Falls Unternehmen während ihrer Gründungsphase mit Private Equity finanziert werden, kann sich die Börsenflaute besonders heftig auswirken. In der frühen Entwicklungsphase werden häufig noch keine Gewinne erwirtschaftet, und die schwache Konjunktur kann dazu führen, daß keine Festigung der Marktposition stattfindet. Die Konsequenz ist die Geschäftsaufgabe der jungen Unternehmung und bedeutet einen Totalverlust für die Private Equity-Gesellschaft. Daraus kann jedoch nicht eindeutig der Schluß gezogen werden, daß in konjunkturellen Endphasen keine Beteiligungen eingegangen werden sollten. Die Investition sollte dann eher nicht getätigt werden, wenn sie für einen kurzen Anlagezeitraum geplant ist. Da sich viele Kapitalbeteiligungen aber auch über längere Zeitspannen erstrecken, kann es sogar ratsam sein, während oder auch gegen Ende einer Rezession Beteiligungsfinanzierungen zu tätigen. Der Zeitpunkt der Beteiligungsveräußerung fiele mehrere Jahre später in eine konjunkturelle Hochphase. Dazu ist zu bemerken, daß verschiedene Autoren hinsichtlich der Frage, ob antizyklisch investiert werden soll, keine Bedenken haben. Begründet wird dies durch den stabilen Marktwert von Private Equity, der nach dem Börsencrash im Jahre 1987 weniger einbrach als der Wert des Aktien. 46
6. Schlußbemerkung und Fazit
Die Motivation der Private Equity-Firmen, kapitalsuchende Unternehmen zu fördern, entspringt der Aussicht auf signifikante Gewinne für die Investoren. Die Risiken für Beteiligungsgeber sollten bei einem solchen Geschäft trotz allem nicht unterschätzt werden. Zwar unterliegen die selbstbestimmbaren Faktoren dem Einfluß des Managements direkt, doch durch die Interdependez mit den fremdbestimmten Faktoren lassen sich Mißerfolge zum Teil trotzdem nicht verhindern. Wie bereits erwähnt, spielt bei ausbleibendem Erfolg häufig eine Kombination von Faktoren eine Rolle. Den großen Erfolgen der Kapitalbeteiligungsgesellschaften folgten daher nun einige Rückschläge, und die nicht realisierten Gewinne werden sicherlich dazu beigetragen haben, aus Fehlern zu lernen.
Zur Zeit bestehen in Deutschland etwa 6000 Beteiligungen durch Kapitalbeteiligungsgesellschaften. 47 In der Literatur wird häufig betont, daß das Private Equity-Geschäft in Deutschland noch in den Anfängen stecke und auch das große Wachstumspotential des Segments wird fast in jeder Schrift hervorgehoben. Die seit Jahr-
46 Vgl.Bachmann, B., Private Equity - Ein Thema für Schweizer Privatanleger?, 1999, S. 43
47 Vgl. Guthoff, M., Private Equity m Einfluß des Börsenklimas, in: Die Bank, Nr. 4/2002, S. 244
zehnten sinkenden Eigenkapitalquoten 48 lassen die Notwendigkeit von Private Equity-Investitionen erkennen. Auch wegen der Einführung der strengeren Rating-Kriterien bei der Kreditvergabe durch das Basel II-Abkommen wird Private Equity eine wichtige Finanzierungsquelle bleiben. Zudem existiert in Deutschland bei Banken keine Tradition, finanzielle Mittel für Unternehmensgründungen zur Verfügung zu stellen. 49
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Private Equity-Geschäfts soll noch kurz her-vorgehoben werden: Durch Beteiligungsinvestitionen wird die Innovationstätigkeit des Beteiligungsnehmers gefördert und somit Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Bekannte Unternehmen gingen aus solchen Beteiligungen hervor wie bspw. Microsoft, Intel, Oracle, FedEx, Apple und Lotus. 50 Ebenso werden durch Private Equity Expansionen ermöglicht und Unternehmen unterstützt, ihr Potential voll zu entfalten oder sich neu zu organisieren. Abgesehen von den in der Arbeit aufgeführten Mißerfolgen der Private Equity-Häuser scheint diese Art der Unternehmensförderung auch zu funktionieren. Es ist zu betonen, daß die aufgeführten Fehlschläge der Private Equity-Unternehmen eine kleine Auswahl darstellen und vor allem nicht die breite Masse der Kapitalbeteiligungsgesellschaften repräsentieren. Industri Kapital bspw. hielt im Jahre 1999 insgesamt 36 Beteiligungen, MGPE betreute im gleichen Jahr 45 Beteiligungsnehmer und Apax Capital Partners sogar 75 bei einer Fondsgröße von 2,1 Mrd. US$. Demgegenüber steht CDR mit nur zwei Beteiligungen, wovon eine Schulte Bautechnik ist. Auch KKR bewirtschaftet nur 4 Beteiligungsobjekte, jedoch mit einem Fonds in Höhe von 2,8 Mrd US$. 51
In einer gesamtheitlichen Betrachtung ist abschließend festzustellen, daß das Private Equity-Segment eine Form der Unternehmensfinanzierung ist, die in Deutschland noch nicht voll ausgebildet ist, aber schon jetzt eine wichtige Rolle spielt. Die begangenen Investitions- und Managementfehler werden mit Sicherheit wertvolle Erfahrungen die für die Leistungsträger der Private Equity-Firmen darstellen und zum erfolgreichen Abschluß weiterer Förderungen beitragen.
48 Vgl. Albach/Hunsdiek/Kokalj, Finanzierung mit Risikokapital, 1986, S. 18
49 Vgl. Lompe/Kehlbeck/Schirmacher/Warnecke, Existenzgründungen, Risikokapital und Region,
1998, S, 13
50 Vgl. Grünbichler/Gruber/Graf, Private Equity und Hedge Funds, 2001, S. 45
51 Vgl. Becker, R., Buy-outs in Deutschland, 2000, S. 134 - 144
Quellenverzeichnis
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Bachmann, Bruno, Private Equity - Ein Thema für Schweizer Privatanleger?, Verlag Paul Haupt, Bern 1999
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Thiesler, Ekkehard, Weiterentwicklung statt Neugestaltung, in: Bankmagazin, Nr. 11/2001, S. 52 - 54, Hrsg. Bankwirtschaftlicher Verlag, Wiesbaden
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Arbeit zitieren:
Ursina Diehl, 2002, Private Equity als Instrument der Unternehmensfinanzierung, München, GRIN Verlag GmbH
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