Der Settings – Ansatz am Beispiel Kindergarten
Zusammenfassung.
Der Settingsansatz der Gesundheitsförderung ist eine Methode der Gesundheitsför- derung, nach der sämtliche Interventionen nicht nur auf Einzelindividuen abzielen, sondern auf Individuen in Settings. Mit der Definition von einzelnen Settings wird die alleinige Fokussierung auf „die Kinder“, die Jugendlichen“, „alte Menschen“, „Rau- cher“ als Zielgruppe verlassen und ein Raum definiert, in der sich Menschen übli- cherweise aufhalten. Das können entsprechend der WHO – Konzeption Schulen, Betriebe, Städte usw. sein, aber auch kleinräumige Bereiche wie „die Familie“, „der Verein“ usw. Der Vorteil liegt dabei insbesondere darin, dass Menschen über die I- dentifikation mit den Werten ihres Settings leichter erreichbar sind, wenn bestimmte Strategien der Gesundheitsförderung in die „Philosophie“ des Settings integriert wer- den. Als gutes Mittel, Gesundheitsförderung in Settings durchzuführen, stellte sich Projektarbeit heraus.
Auch Kindertagesstätten werden auch in Deutschland zunehmend Handlungsfelder der Gesundheitsförderung. Nach dem Settingsansatz sind davon Kinder, Mitarbeiter und Eltern direkte Adressaten und im Rahmen der Netzwerkbildung im nächsten Schritt auch der Stadtteil usw. Im Rahmen dieser Arbeit wird eine theoretische Ein- führung in den Settingsansatz der Gesundheitsförderung gegeben, über die Metho- dik seiner Durchführung im Rahmen von Projekten und es werden Projekte vorge- stellt, die nach dem Settingsansatz der Gesundheitsförderung durchgeführt wurden und werden.
Der Settingsansatz
1. Der Settingansatz in der Gesundheitsförderung
1.1 Einleitung/ Begriffsbestimmung
Unter dem Begriff Setting wird ein soziales System verstanden, in dem verschiedene relevante Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe (die Mitglieder des Settings) wirken. Ergänzend beinhaltet die Betrachtung von Umwelten als Settings die Chance, Einfluss auf die relevanten Umwelten nehmen zu können, sie im Fokus Gesundheit, so zu gestalten, dass sie den Mitgliedern des Settings Gesundheit er- möglichen (Grossmann, Scala, 1999). Eine weitere Möglichkeit den Begriff des Set- ting zu definieren, leitet sich aus seiner wörtlichen Übersetzung ab. Danach ist ein Setting ein Rahmen oder Schauplatz. Gesundheitsfördernde Maßnahmen nach dem Settings – Ansatz sind danach auf Lebensbereiche, auf die Schauplätze des Zu- sammenlebens ausgerichtet, in denen Menschen die meiste Zeit verbringen und die durch ihre Struktur die Gesundheit von Menschen am meisten beeinflussen (WHO, 1997). Der Fokus des Settings – Ansatzes liegt auf den Rahmenbedingungen unter denen Menschen leben, lernen, arbeiten und konsumieren. Maßnahmen und Inter- ventionen richten sich damit nicht allein an homogene Zielgruppen („alte Menschen“, „Kinder“, „Jugendliche“) und ihre spezifischen (Gesundheits)Probleme, vielmehr wir- ken sie auf die jeweiligen Lebensräume (Settings) in denen unterschiedliche soziale Gruppen leben können.
Im Rahmen der Gesundheitsförderung wird der Begriff „Setting“ jedoch nicht allein zur räumlichen Abgrenzung gebraucht, mit ihm wird vielmehr eine soziale Einheit bezeichnet, die sich besonders gut für Interventionen eignet (Grossmann, Scala, 1994). Solche Settings sind in erster Linie Kommunen, Schulen, Betriebe und Kran- kenhäuser, also Settings in denen ein großer Querschnitt der Bevölkerung erreicht wird. Bei der Planung und Gestaltung gesundheitsfördernder Interventionen im Rah- men des Settingsansatzes, werden solche Settings stärker differenziert, so dass im Rahmen eines „Gesunde Stadt“ – Projekts weitere Settings definiert werden können. Das können z.B. Stadtteile, kommunale Einrichtungen (Eigenbetriebe, Dezernate) oder Kindergärten, in denen Maßnahmen nach dem Settings – Ansatz der Gesund- heitsförderung geplant werden können.
Der Settingsansatz
1.2 Entwicklung des Settings - Ansatzes
Methoden und Maßnahmen wie Gesundheitsförderung, Gesundheitsbildung oder Gesundheitserziehung in Settings haben bereits eine längere Tradition. So wurden Krankenhäuser, Schulen oder Betriebe schon lange als Einzugsbereiche gesehen um auf bestimmte Zielgruppen mit einem spezifischen Problembesatz einzuwirken. Im Unterschied zum Settings – Ansatz konnten hier allenfalls Verhaltensmodifikatio- nen der einzelnen Zielgruppenmitglieder erhofft werden. Jedoch waren die durch Gesundheitsbildung oder Gesundheitserziehung erreichten Änderungen des Ge- sundheitsverhaltens oft nicht weitreichend genug, zu wenig nachhaltig und es konn- ten nicht alle Mitglieder der Zielgruppe dauerhaft erreicht werden. (Baric, Conrad, 1999, Brösskamp – Stone u.a. 1998). Mit dem Konzept “Settings” als einem Organi- sationssystem ergeben sich neue Möglichkeiten gesundheitsfördernder Aktivitäten. Theoretische Grundlage dieses Konzepts bildet die Organisationsentwicklung, in de- ren Rahmen Gesundheitsförderung geplant, durchgeführt und evaluiert werden muss.
1.2.1 Einfluss von Organisationen und Organisationsentwicklung
Im Alltag der Menschen bilden Organisationen sehr relevante, einflussreiche Umwel- ten. Sämtliche Aktivitäten von Menschen finden in der heutigen Realität in komplexen Konstrukten statt. Durch unsere täglichen Aktivitäten gestalten wir unsere Lebens- welten, Verhältnisse unserer Lebenswelten beeinflussen uns, stellen Ressourcen und Gefahren dar, fördern die Gesundheit oder machen krank, verdienen unseren Schutz und können unseren Erfordernissen entsprechend verändert werden. Interak- tionen in und zwischen Staaten, Kommunen, Betrieben, Krankenhäusern, ebenso wie Familien und weiteren Anteilen unseres sozialen, personalen und gesellschaftli- chen Umfelds unterliegen einem mehr oder weniger starkem Organisationsgrad. Für die verschiedenen Problemlagen haben sich spezialisierte Organisationen heraus- gebildet, für die Lösung komplexer Probleme bilden sich Netzwerke verschiedener Organisationen. Als Organisation wird „...eine bewusst koordinierte soziale Einheit, mit relativ klar abgrenzbaren Zugehörigkeiten, die auf einer relativ kontinuierlichen Basis zur Erreichung eines order mehrerer Ziele arbeitet“ bezeichnet (Robbins, 1990). Es haben sich für die unterschiedlichen Anforderungen unserer komplexen Welt, „Leistungserbringer“ also spezielle Organisationen für die bestimmte Aufgaben
Der Settingsansatz
entwickelt. Eine Organisation ist dabei ein Gefüge sozialer Stellungen und Rollen. Organisationen nehmen entsprechend ihres Leistungsspektrums und ihrer Aufgaben einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit war. Die Realität außerhalb ihres Leis- tungsspektrums existiert grob gesagt für eine Organisation nicht (Grossmann, Scala, 1994). Für die Gesundheit von Menschen haben Organisationen insofern eine große Bedeutung, in dem sie durch ihre Struktur und interne Kommunikation den Interakti- onsrahmen von Menschen (Organisationsmitgliedern) bilden also Einfluss auf sie haben.
Eine bedeutungsvoller Aspekt, für die Intervention in Organisationen, betrifft die Kommunikation in Organisationen als soziale Systeme. Innerhalb von sozialen Sys- temen interagieren oft schwer durchschaubare soziale Strukturen, die untereinander ähnlich einem Netz verflochten sind mit den physischen Gegebenheiten der Organi- sation. Berührungspunkte sozialer Strukturen sind die Knotenpunkte dieses Netzes. Veränderungen in einem Knoten haben Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk. Verändert sich das Verhalten eines Mitglieds dieses Netzes, hat das Auswirkungen auf die gesamte Organisation, Veränderungen des natürlichen Umfeldes wirken sich auf die einzelnen Mitglieder aus. Neuere soziologische Erkenntnisse stellen heraus, dass wenn sie von Mitgliedern eines sozialen Systems reden, nicht die Menschen als solche, sondern Kommunikationsmuster die von Organisationsmitgliedern ausgehen meinen (u.a. Luhmann, 1984). Jedes System hat spezifische Muster, bestimmte Re- geln, nach denen Kommunikation stattfindet. Familien kommunizieren direkt, Face to Face, die Kommunikation in höheren Organisationsgraden findet nicht mehr unbe- dingt direkt zwischen Sender und Empfängerstatt, sondern folgt einem entsprechen- den „Dienstweg“ jedoch noch verbal. Kommunikation in der Wirtschaft erfolgt über Geldtransfers, Rechnungen, also nonverbal. Systeminterne Regeln legen fest, für welche Inputs ein System offen ist, zum Schutz und zur Sicherstellung ihrer Aufga- ben werden von solchen Regeln abweichende Inputs ignoriert (Grossmann, Scala, 1994).
Organisationen sind zwar autonome Einheiten, die relativ unabhängig voneinander agieren, gleichzeitig sind sie mit anderen durch enge sehr sensible Anschlusspunkte verknüpft (Abb. 1).
Der Settingsansatz
onen (aus Grossmann, Scala, 1994)
Ausgehend von diesen Überlegungen werden Veränderungen in Organisationen nicht nur über Verhaltensmodifikationen ihrer Mitglieder sondern in bedeutendem Maß über die Veränderung der Kommunikationsstrukturen innerhalb der Organisati- on erreicht, die natürlich Verhaltensänderungen bewirken und diese voraussetzen.
Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung – Organisationsentwicklung durch Gesundheitsförderung?
Der Einfluss von Organisationen auf ihre Mitglieder wurde in den vorangegangenen Ausführungen deutlich. Gesundheitsbezogene Interventionen in Organisationen durch Organisationsentwicklung müssen jedoch berücksichtigen, dass die meisten Organisationen Gesundheit nicht thematisieren. Gesundheit ist nicht ihr Aufgaben- gebiet, der Gesundheitszustand ihrer Mitglieder wirkt sich jedoch stark auf das Funk- tionieren einer Organisation aus. Auch über diese Erkenntnis hält Gesundheitsförde- rung Einzug in viele Organisationen. Ziel von Gesundheitsförderung durch Organisa- tionsentwicklung ist, Organisationen um die Dimension Gesundheit zu erweitern. Er- folge im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung zeigen, wie günstig sich diese Dimension auf die Organisationskultur und den Organisationserfolg auswirken. Pro- jekte im Rahmen der Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung und nach dem Settings – Ansatz der Gesundheitsförderung (z.B. Betriebliche Gesund- heitsförderung, Gesunde Städte – Projekte) sind seit Mitte der 80er Jahre Kernstra- tegien der WHO. Grundlagendokument wurde die Ottawa Charter zur Gesundheits- förderung (WHO - Euro, 1986). Die meisten Organisationen Für eine Organisation Aufbauend auf den Erfahrungen im Bereich Organisationsentwicklung, ist der Set-
Der Settingsansatz
tings – Ansatz seit 1985 eine Kernstrategie verschiedener WHO – Programme zur Gesundheitsförderung.
1.2.2 Bis zur Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung – Kerndokument für des
Settings – Ansatz der Gesundheitsförderung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich in erster Linie mit internationalen Gesundheitsfragen und der öf- fentlichen Gesundheit befasst. Über diese 1948 gegründete Organisation tauschen Vertreter der Gesundheitsberufe aus über 180 Ländern ihr Wissen und ihre Erfah- rungen aus. Ihr Bestreben zielt darauf ab, allen Menschen der Welt ein Gesundheits- niveau zu ermöglichen, das es ihnen erlaubt, ein sozial und wirtschaftlich produktives Leben zu führen (WHO-Euro, 2002).
Mit den WHO – Gesundheitskonferenzen wurden und werden Antworten auf die wachsenden Erwartungen an eine neue öffentliche Gesundheitsbewegung gesucht. Beginnend mit der Deklaration von Alma Ata (UdSSR) 1978, „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“, beschäftigen sich die in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Konferenzen vorrangig mit Erfordernissen in den Industrieländern, darüber hinaus werden Probleme aller anderen Regionen erörtert. Die Alma Ata nachfolgenden Kon- ferenzen beschäftigen sich in immer stärker werdendem Maße mit den Möglichkeiten der Gesundheitsförderung und dem Public Health – Ansatz. Die Ottawa – Charter zur Gesundheitsförderung betont die Bedeutung der Rahmenbedingungen unter denen Menschen leben, lernen und arbeiten. In diesem Zusammenhang wurde die Verlage- rung der Betonung von „medizinischen Problemen der Gesundheit“ hin zu „Men- schen mit Gesundheitsproblemen in Settings“ als künftige Praxis der Gesundheits- förderung geprägt (Bariè, Conrad, 1999, WHO – Euro, 1986).
Die in der Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung festgeschriebenen Strategien und Handlungsfelder der Gesundheitsförderung, erweitern den damals schon be- kannten Ansatz der Verhältnisprävention (Franzkowiak, Sabo, 1998, Grossmann, Scala, 1994, WHO – Euro, 1986):
1. Entwickeln einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik. Mit der Umorientie-
rung von einer öffentlichen Gesundheitspolitik zu einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik, wird die Bedeutung politischer Entscheidungen für die Gesundheit von Menschen in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Obwohl die Gesund- heit nicht Zentrale Aufgabe aller staatlichen und Regierungsgremien ist, wird mit
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Thomas Hering, 2002, Der Settings-Ansatz der Gesundheitsförderung am Beispiel Kindergarten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Kathrin
Hallo Thomas.
Hey Thomas...
Das hast Du aber toll gemacht :)
Gruß, Kathrin...
on Tuesday, April 15, 2003-