EINLEITUNG 3
1 DIE SITUATION DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN BERLIN-BRANDENBURG 4
1.1 GEOGRAFISCH-POLITISCH 4
1.2 GEISTLICH-RELIGIÖS 5
1.3 DIE ANTWORT DER EKIBB 6
2 DIE ZIELGRUPPEN 10
2.1 VERHÄLTNIS ZUR KIRCHE 11
2.2 VERHÄLTNIS ZU GOTT 13
2.3 DIE VORAUSSETZUNGEN FÜR GELINGENDE KOMMUNIKATION 15
2.4 WAS SIND DIE HÄUFIGSTEN EINWÄNDE GEGEN DAS CHRISTENTUM? 16
3 DIE ANGEBOTENEN KONZEPTE 16
3.1 „ALPHA-KURS“ 17
3.2 „CHRIST WERDEN - CHRIST BLEIBEN“ 19
3.3 „STUFEN DES LEBENS“ 22
3.4 „FRAGEN - GLAUBEN FEIERN“ 26
3.5 „AUFBRECHEN MIT FRED“ 28
3.6 „IMPACT“ 30
4 DIE EIGNUNG VON GLAUBENSKURSEN FÜR ZIELGRUPPEN IN DER EKIBB 31
4.1 WAS IST EIN GLAUBENSKURS? 31
4.2 KRITERIEN DER EIGNUNG FÜR VERSCHIEDENE ZIELGRUPPEN 32
4.3 DIE GEMEINDLICHEN VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE DURCHFÜHRUNG VON GLAUBENSKURSEN 33
4.4 ANALYSE DES „ALPHA-KURSES“ 33
4.5 ANALYSE DES KURSES „CHRIST WERDEN - CHRIST BLEIBEN“ 35
4.6 ANALYSE DES KURSES „STUFEN DES LEBENS“ 36
4.7 ANALYSE DES KURSES „FRAGEN - GLAUBEN FEIERN“ 37
4.8 ANALYSE DES KURSES „AUFBRECHEN MIT FRED“ 38
4.9 ANALYSE DES KURSES „IMPACT“ 39
5 DER ERTRAG 40
LITERATURVERZEICHNIS 43
ANHANG: KURZÜBERSICHT ÜBER DIE EIGNUNG DER KURSE 1
2
Einleitung
„Ich glaube an Gott! Wenn ich das meinem Mann erzähle.“ Diesen aus dem tiefsten Herzen kommenden Satz sagte eine Frau zu mir, während
sie einen Glaubenskurs besuchte. Sie erlebte eine „Intensivbegegnung“ 1 mit Gott. Das Zusammensein mit Christen, die darüber Auskunft gaben, was sie trägt, hatten zu dieser Begegnung beigetragen. Das ist ein Beispiel für Mission heute. Der Ruf nach Mission und Evangelisation erklingt überall in unserem Land und in unserer Kirche „und zwar nicht um der Rettung der Kirche willen, sondern um der
Rettung der Menschen willen“ 2 .
Ein „Signal“ 3 geht aus von der „Missionssynode“ der EKD in Leipzig 1999. Es sollen die „Herzrhythmusschäden“ 4 der Kirche angegangen werden. Der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste des Diakonischen Werkes in
der EKD (AMD) spricht von einem „Wunder“ 5 , dass Mission zum Thema in vielen Synoden, Gemeinden und Werken gemacht wird, mit der Absicht, „Menschen die
Augen zu öffnen für die Wahrheit und die Schönheit der christlichen Botschaft“ 6 . Die Evangelische Kirche in Berlin - Brandenburg (EKiBB) hat in dieser Bewegung,
mit ihrer schon 1998 erschienenen Schrift „Wachsen gegen den Trend“ 7 und den dann im Jahre 2000 beschlossenen „Leitlinien kirchlichen Handelns in missionari-
scher Situation“ 8 eine Vorreiterrolle eingenommen.
Zur Zeit befindet sich die EKiBB in einer Phase der „inhaltlichen Präzisierung des Missionsauftrages der Kirche ... (und auf der [H.K.]) Suche nach dafür geeigneten
Handlungsformen“ 9 .
Wie man die Menschen am besten erreicht, darüber kann man „trefflich streiten“ 10 . Eins jedoch steht fest: die gute Nachricht von Jesus Christus muss mit der konkre-ten Lebenssituation der Menschen verbunden werden. 11 Glaubenskurse als eine Handlungsform der Kirche spielen in der EKD bei diesem
Ziel, seit geraumer Zeit eine wichtige Rolle. 12 Auch einige Gemeinden in unserer Kirche haben mit diesem Instrument gute Erfahrungen gemacht. 13 Vielen ist aber meines Wissens nicht bekannt, welche Fülle von Glaubenskursen angeboten wird. Die vorliegende Arbeit möchte interessierten Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich in kurzer, exemplarischer Form über verschiedene Konzepte von angebotenen Glaubenskursen und ihrer Eignung für verschiedene Zielgruppen zu informieren. Die Arbeit bezieht sich auf die konkrete missionarische Situation der EKiBB (das
missionarische Subjekt 14 ).
Nach einer Darstellung der derzeitigen Lage der EKiBB wird der Frage nachgegangen, wie sie den ihr von Schrift (z.B.: Mt 28) und Bekenntnis (z.B. CA V und Bar-
1 Kruse,Martin: Distanz und Nähe, in: Freiheit verantworten, Festschrift für Wolfgang Huber, Hg.: Lütcke, Karl-Heinrich, Gütersloh 2002, S.23-35, S.42.
2 Herbst, Michael (Hg.): Emmaus - auf dem Weg des Glaubens, Neukirchen-Vluyn 2002, S.6. (Bei Mehrfachzitierung werden die unterstrichenen Worte verwendet.)
3 EKD (Hg.): Reden von Gott in der Welt, Hannover 2000, S.41.
4 A.a.O.: S.15.
5 Bärend, Hartmut: Worte „von oben“ in der Praxis vor Ort, in: Brennpunkt Gemeinde, Studienbrief A 60, Stuttgart
2000, S.2.
6 EKD: Das Evangelium unter die Leute bringen, Texte 68, Hannover 2000, S.44.
7 EKiBB (Hg.): Wachsen gegen den Trend, Berlin 1998.
8 EKiBB (Hg.): Leitlinien kirchlichen Handelns in missionarischer Situation, Berlin 2001.
9 A.a.O.: S.8.
10 Noack, Axel: Die meisten Rezepte für Mission sind in Ostdeutschland unbrauchbar, in: Protestantismus - wohin?, Hg.: Hahn, Udo, Neukirchen-Vluyn 2001, S.247-257, S.255.
11 Vgl. dazu: Leitlinien, S.6, Leitsatz Nr.3.
12 Die meisten der von mir analysiertenGlaubenskurse werden im „Lesebuch“ der EKD (Hg.): Ermutigung zur Mission, Hannover 1999, auf den Seiten 55-59, kurz erwähnt.
13 Immer wieder konnte ich Hinweise in diversen Gemeindeblättern auf Glaubenskurse finden (so z.B. im Gemeindeblatt der Ev. Matthäuskirche Berlin-Steglitz (1/2002) und der Ev. Gemeinde Schlachtensee (5/2002).
14 Nur die Kirche als „Ort der Gegenwart Jesu Christi“ kann in die Nachfolge rufen, in der es [H.K.] „immer um die Entscheidung für oder gegen Jesus Christus“ geht. (Zitiert aus: Bonhoeffer, Dietrich: Nachfolge, in: DBW 4, Hg.: Bethge, Eberhard u.a., Gütersloh 1994, S.215f.).
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men VI) her vorgegebenen Missionsauftrag 15 heute und in Zukunft erfüllen will. An zentraler Stelle soll dann gefragt werden, wen (das missionarische Objekt) die Kirche mit ihren missionarischen Bemühungen erreichen will. Ich beziehe mich dabei auf veröffentlichte Untersuchungen. Um die Fakten zu verdeutlichen, führe ich exemplarisch zur Illustration eigene Erfahrungen, Begegnungen und Erkenntnisse an.
Dann stelle ich dar, wie die Kirche Menschen missionieren kann. Gemäß meiner Aufgabenstellung beschränke ich mich auf Konzepte mit der Bezeichnung Glaubenskurs.
Nun erfolgt die Analyse der einzelnen Kurse im Blick auf ihre spezifische Leistungsfähigkeit und Eignung für die Zielgruppen der EKiBB. Dann gebe ich eine zusammenfassende Antwort auf die Frage der Eignung von Glaubenskursen für verschiedene Zielgruppen in der EKiBB. Das Ergebnis wird im Anhang in einer Vergleichstabelle dargestellt. Am Schluss möchte ich Handlungsvorschläge für den weiteren Umgang der EKiBB mit Glaubenskursen vorlegen.
1 Die Situation der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg
1.1 Geografisch-Politisch
Die EKiBB ist eine Kirche, die allein durch ihre geografische Lage (ein hauptstädtisch geprägtes Bundesland umschlossen von einem eher ländlich geprägten Flächenland) voller Spannungen und Gegensätze steckt. Da ist zum Einen der Gegensatz von Stadt und Land und zum anderen der von Ost und West. Das macht sich durch die Mitgliederzahlen pro Gemeinde und Kirchenkreis stark bemerkbar. So hat z.B. eine Kirchengemeinde in Lichtenrade (Berlin) mit knapp
20.000 Gemeindegliedern 16 mehr Mitglieder als die Kirchenkreise Finsterwalde oder Lehnin-Belzig.
Die EKiBB hat 1,3 Mill. Mitglieder. Davon leben 850.000 in Berlin und 450.000 in Brandenburg. In Berlin gibt es 271 Gemeinden mit 245 Kirchengebäuden. In Brandenburg dagegen 1.335 Gemeinden mit 1.486 Predigtstätten. Das heißt also, dass etwa ein Drittel der Gesamtmitglieder über 75 Prozent aller Kirchen zur Verfügung haben. Allein aus diesen Zahlen wird deutlich, wie sehr manche Gemeinde zeitlich und finanziell mit dem Erhalt der ererbten Gebäude belastet ist, wenn man dazu noch bedenkt, dass über 500 Gemeinden weniger als 100 Mitglieder haben. Ein weiterer Punkt ist, dass durch die reinen Verwaltungsaufgaben und Pflichten einer Gemeinde sehr viel psychische und physische Kraft gebunden wird. Wenn zu einer Gemeinde vier Friedhöfe mit je eigener Wasserrechnung, die von allen Grabstelleninhabern kassiert werden muss, gehören, sind die oft wenigen Getreuen schon fast ausreichend beschäftigt.
Der prozentuale Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung von Ber-lin-Brandenburg beträgt insgesamt 22,1%. Der Anteil in Brandenburg beträgt 20% und in Berlin 23,4%. Die Verteilung auf die Gebiete ist allerdings sehr unterschiedlich. So beträgt der Anteil der Kirchenmitglieder in bürgerlichen Bezirken im ehemaligen West-Berlin 40%. In weiter östlich gelegenen Bezirken wie Hellersdorf liegt der Anteil bei nur 7%. In Brandenburg gibt es allerdings auch Gebiete mit bis zu 30%.
15 Vgl. dazu: EKD/ Texte 68, S.17-22, (Hier wird in kurzer und treffender Weise der Missionsauftrag als grundlegend für die Kirche dargestellt. Den Ausführungen schließe ich mich an und verzichte daher auf eine eigene theologische Begründung von Mission.).
16 Ich beziehe mich hier und im Folgenden auf: Lütcke, Karl-Heinrich: Bericht aus der Region, unveröffentlichtes Manuskript, vorgetragen auf der Präsidialversammlung des DEKT in Goslar am 21.9.2001 (keine Numerierung der Seiten).
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Noch eine letzte Beobachtung zur Statistik: Der Anteil der Evangelischen in Berlin und Brandenburg an der Gesamtbevölkerung ist innerhalb von knapp 100 Jahren
von ca. 85 Prozent auf 22 Prozent zurückgegangen. 17 Der Anteil der Gottesdienstbesucher unter den Kirchenmitgliedern beträgt 2,5 Prozent. Es kommen, absolut
gerechnet, 29 Gottesdienstbesucher auf einen hauptamtlichen Pfarrer. 18 Und: in Berlin-Brandenburg kommen auf einen hauptamtlich bei der Kirche Beschäftigten
0,75 Gottesdienstbesucher. 19
Schon allein an diesem kurzen und unvollständigen Gang durch die Zahlen und Fakten ist erkennbar, dass es äußerst dringlich ist, die bisherige Arbeitsweise der
EKiBB, die als ihre „Mitte des Lebens“ 20 den Gottesdienst als Antwort auf das Tun Gottes in Christus benennt, daraufhin zu prüfen, ob sie noch weitere Elemente aufnehmen kann, die ihrer Mission dienen. Jede Form von Mission soll ja letztlich zum Glauben an Jesus Christus und damit zur Dankbarkeit gegenüber Gott führen.
1.2 Geistlich-Religiös
Die EKiBB hat eine lange Geschichte hinter sich und ist fest verwurzelt und etabliert in der Region. Nicht zuletzt deswegen hat sie durch die Gnade Gottes auch im Osten trotz Repression überlebt. Sie verfügt über eine flächendeckende Logistik (Ortsgemeinden, Pfarrer etc.) zur Ausbreitung des Evangeliums. Die EKiBB ist in der Öffentlichkeit anerkannt als Organisation, die sich gerade um die Belange der Schwachen, Kranken, Benachteiligten und am Rande der Gesellschaft Stehenden professionell und mit Erfolg bemüht. Die Beteiligung am RU zeigt, „dass auch nach einer langen Phase der Entkirchlichung ein Interesse für religiöse Fragen vorhan-
den ist“ 21 . Wenn es eine Neigung für Fragen des Glaubens und des Lebens gibt, ist die Kirche immer noch ein gefragter Ansprechpartner. Der der Kirche allgemein weiterhin gegebene Vertrauensvorschuss (im Gegensatz zu den Freikirchen und anderen religiösen Anbietern) ist ein Pfund, mit dem gerade beim Thema Mission gewuchert werden kann.
Für das Glaubensleben ist in Berlin „immer ein kritischer Geist kennzeichnend gewesen ..., kritisch auch gegenüber Religion, während in Brandenburg eher eine
unsentimentale, nüchtern-praktische Frömmigkeit herrschte“ 22 . In Brandenburg wurde die Religion und die religiöse Praxis der Menschen meist im Konsens mit
dem jeweiligen Landes- oder Gutsherrn bestimmt. 23 In dieser Tradition stehend komplizierte sich natürlich das Verhältnis zur Kirche, als die „Herren“ Nazis oder Kommunisten wurden. Kurz nach der Wende beobachtete ich eine kurze Unsicherheit bei den Menschen, wer denn wohl die „neuen Herren“ seien. Einige vermuteten, dass es die Kirche wäre. Das hat sich aber nicht bewahrheitet und so treten aus diesem Grund die Menschen nicht wieder ein.
Das Verständnis, dass Kirche normal sei und zum Leben dazugehöre, ist in den vom Sozialismus geprägten Gebieten unserer Landeskirche fast vollständig weggebrochen. Der in Hellersdorf tätige Pfarrer Alexander Garth begegnet z.B. Men-
17 Vgl.dazu die Angaben in: Henkel, Reinhard: Atlas der Kirchen und der anderen Religionsgemeinschaften in Deutschland, Berlin Köln 2001, S.88 u. 94.
18 Eigene Berechnungen, die sich auf Angaben aus dem Statistischen Jahrbuch 2001, Hg.: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2001, S.97, beziehen.
19 In der Zahl der hauptamtlich Beschäftigten sind die bei Kirche und Diakonie Beschäftigten zusammengefasst, weil beide einen Auftrag haben, „die Liebe Gottes zu seiner Welt, wie sie uns im Wirken Jesu Christi begegnet“ zu bezeugen. Die hier von mir verwendeten Zahlen und das Zitat stammen aus der Broschüre: EKiBB (Hg.): EKiBB -Entwicklungen, Aufgaben und Inhalte, Berlin 5 2001, S.19f. und S.42.
20
Evangelische Kirche der Union (Hg.): Ordnung des kirchlichen Lebens, Berlin 1999, S.23.
21 Huber, Wolfgang: Protestantisches Profil muss in der Öffentlichkeit erkennbar sein, in: Protestantismus - wohin?, Hg.: Hahn, Udo, Neukirchen-Vluyn 2001, S.148-159, S.157.
22 Lütcke/ Region.
23 So war der Kirchgang oft davon abhängig, ob der Gutsherr es seinen Arbeitern verbot, am Sonntag zu arbeiten oder nicht.
5
schen, „die erbost sind, dass jetzt die Kirche das Weihnachtsfest okkupiert, dass die Kirche den Menschen ihr Fest wegnimmt und daraus ein christliches Fest macht.“ 24
Wer in so einem Umfeld neu zur Kirche hinzukommen will, entscheidet sich oft gegen die Mehrheitsmeinung der im Wohngebiet lebenden Menschen. „Die Entscheidung für einen Kircheneintritt ist also gewissermaßen eine Entscheidung gegen den Strom des seit 40 Jahren anhaltenden und auch nach der Wende nicht gestoppten gesellschaftlichen Bedeutungsverlustes der Kirchen. Dabei verlangt der Kircheneintritt vom einzelnen in besonderem Maße, daß er sich für diesen Schritt bewußt entscheidet.“ 25
Ein Hemmnis für die Vermittlung der Kirche ist immer noch, dass Menschen die Kirche in jahrhundertelanger Tradition als „die da oben“ oder „Moralaufsicht“ verstehen. In dieser Denkweise hat das Evangelium seine „herzenwendende Kraft“ 26 verloren.
Soll die religiöse Situation der EKiBB beschrieben werden, bestimmen neben einigen „Inseln der Hoffnung“ die Schlagworte Konfessionslosigkeit und Säkularisierung die Charakteristik. „Säkularisierung meint Leben ohne Gott bzw. Leben aus menschlichen Kräften und menschlichen Einsichten.“ 27 Konfessionslosigkeit beschreibt die Menschen, die in keiner Kirche sind und auch keinen Kontakt mit ihr haben bzw. haben wollen. Sie erkennen entweder überhaupt keinen Bedarf an Religion oder befriedigen bzw. verdrängen auf anderen Wegen ihre Bedürfnisse nach Sinn und Antwort auf Lebensfragen.
In dieser Situation ist die „Tatsache prägend, dass sich in der evangelischen Kirche -nicht nur, aber natürlich auch in Berlin-Brandenburg- seit den Sechzigerjahren ein Prozess der Selbstsäkularisierung vollzogen hat“ 28 -im Westen durch praktischmaterialistische Moderne- im Osten Folge „des ideologischen Materialismus der SED-Kirchenpolitik“ 29 . Oft fehlt den Gemeindegliedern die Kraft und der Mut angesichts von leeren Kirchenbänken oder als „Opfer eines epochalen moderngesellschaftlichen Säkularisierungsprozesses, in dessen Vollzug Religion und Kirche zunehmend an Bedeutung verlieren“ 30 , nicht zu resignieren. Hinsichtlich der Gefahr zu verzagen, gibt es keine Unterschiede zwischen Ost und West, Stadt und Land. Der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen schreibt: „Hinsichtlich der Kirchenmitgliedschaft sind Ost und West gar nicht so auffällig unterschieden wie angenommen...“ und: „Wir müssen am Ende feststellen, wir sind genauso schwach und genauso menschlich, nur noch kräftig geschädigt.“ 31
1.3 Die Antwort der EKiBB
Die Situation der EKiBB ist, wenn man die vorangegangene Beschreibung ernst nimmt, klar: „Es fehlen der Kirche Menschen, die Auskunft geben können über ihren Glauben, die den Gestus des Bekenntnisses zu Jesus Christus in dieser Gesellschaft mit einem lebendigen, zeitgenössischen Zeugnis erfüllen.“ 32 Die EKiBB muss sich fragen, wie die Gemeindeglieder so auskunftsfähig werden
24 Garth, Alexander: Die missionarische Herausforderung der Großstadt, in: IDEA-Dokumentation 1/2001, S. 14-24, S.15.
25 Hartmann, Klaus: Wider den Strom - Kircheneintritte in Ostdeutschland, in: Pollack, Detlef; Pickel, Gert (Hg.): Religiöser Wandel in Ostdeutschland 1989-1999, Opladen 2000, S.276-293, S.278.
26 Krummacher, Bernd Dietrich: Kirche auf dem Pommerschen Dorf, in: Kirche ohne Zukunft?, Hg.: Schmoll, Heike, Berlin 1999, S.94-115, S.95.
27 Hempel, Johannes: Menschen werden auch in Zukunft nach einem verlässlichen Halt suchen, in: Protestantismuswohin?, Hg.: Hahn, Udo, Neukirchen-Vluyn 2001, S.95-106, S.95.
28 Huber/ Protestantismus: S.157.
29 Ebd..
30 Kretzschmar, Gerald: Distanzierte Kirchlichkeit, Neukirchen-Vluyn 2001, S.3.
31 Noack: S.249.
32 EKD/ Ermutigung: S.42.
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können, dass sie die, die noch nicht in der Gemeinde sind, erreichen und „das, was nicht mehr selbstverständlich ist, neu verständlich machen“ 33 . „Auf keinen Fall aber dürfen wir das Evangelium verdünnen, immer mehr `Rabatte´ gewähren und Gottes Geschehen, wie bei einer Geschäftsauflösung, verschleudern. Wenn wir es aller Schärfe berauben und nur zulassen, was den Menschen sowieso lieb ist und keine Entscheidungen fordert, könnte das doch nur die Antwort provozieren: Dann brauche ich mich ja nicht zu ändern. Dann bleibt eben alles beim alten, d.h. bei mir selbst.“ 34
Die „Neubesinnung auf den Inhalt des christlichen Glaubens und eine geistliche Erneuerung der Kirche sind die entscheidenden Antworten“ 35 auf die Fragen, die die derzeitige Situation der EKiBB aufwirft.
Aus diesen Erkenntnissen heraus wurde in der EKiBB ein Prozess angestoßen, der die missionarische Kompetenz entscheidend verbessern soll. Im Jahre 1998 wurde die Schrift „Wachsen gegen den Trend“ 36 als Grundlage für einen innerkirchlichen Dialog zum Thema „Mission“ den Gemeinden übergeben. Sie sollte als Anregung auch zur Auseinandersetzung innerhalb der Gemeinden dienen.
Die Schrift nähert sich unter den Fragen: „Wo kommen wir her? Was hat sich verändert? Kirche - was ist das? Was ist zu tun? Kirche - wo ist ihr Platz?“ dem Thema an.
Gleich zu Beginn (5) wird formuliert, was der Auftrag der Christen gegenüber dem Anderen ist: Dem „anderen die Kirche aufzuschließen, andere mit in die Kirche zu nehmen, anderen von der Kirche zu erzählen, wenn diese fragen: Wozu denn Kirche? oder: Was ist Euch heilig?“ Diesen Auftrag zu erfüllen ist nicht Zugabe, sondern Wesen der Kirche. Alle Dinge, die die Gemeinde tut, ist als „Mission im Normalen“ (20) zu verstehen. Es wird dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, ob wir Menschen aufsuchen, einladen und begleiten oder nicht. Einer Analyse der Gemeinde sollen Konsequenzen folgen (22), die der Sendung dienen. Eine Voraussetzung für die Gesendeten ist dabei die eigene Begeisterung. Der Begeisterung von Jesus Christus sollen die Gemeindeveranstaltungen dienen. Neben der Mission im Normalen sollte es aber auch spezielle missionarische Veranstaltungen geben (24). Es wird auf die breite Fülle der Möglichkeiten verwiesen. U.a. wird auch die Durchführung von Glaubenskursen ausdrücklich erwähnt (25). Nach gut 2 Jahren der Diskussion beschloss die Herbstsynode der EKiBB am 18.11.2000 als Ergebnis der Erörterung „Leitlinien kirchlichen Handelns in missionarischer Situation“ 37 .
Zwölf Leitsätze wurden vorgestellt, biblisch begründet, auf ihre Notwendigkeit und ihre Praktikabilität befragt.
Die Leitlinien gehen auf die Situation der EKiBB ein und stellen Mission und Evangelisation als die Hauptaufgabe der Kirche dar. Mit einer Vielzahl von ermutigenden Beispielen wollen sie Mitarbeiter neu motivieren. Mission wird dabei als ein dialogisches Prozessgeschehen verstanden (10).
Glaubenskurse werden unter dem Punkt „Die Auskunftsfähigkeit fördern“ erwähnt. Sie sollen Christen befähigen, Antwort zu geben „auf die beiden Kernfragen: Was glaubt ihr Christen eigentlich? Und warum gehört ihr - noch oder wieder - dazu?“ (13).
Wie aber entsteht christlicher Glaube, zu dem ja die ganzen „normalen“ oder „speziellen“ missionarischen Aktivitäten der EKiBB rufen?
33 Huber, Wolfgang: Kirche in der Zeitenwende, Gütersloh 1998, S.11.
34 Schönherr Albrecht: Zeugnis und Dienst an dem Ort, an den uns der Herr geführt hatte, in: Freiheit verantworten, Festschrift für Wolfgang Huber, Hg.: Lütcke, Karl-Heinrich, Gütersloh 2002, S.23-35, S.31.
35 Huber/ Protestantismus: S.157.
36 Die nachfolgenden Seitenzahlen beziehen sich auf diese Schrift.
37 Die nachfolgenden Seitenzahlen beziehen sich auf diese Schrift.
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1.3.1 Die Entstehung von Glauben
Christlicher Glaube ist eine Vertrauensbeziehung 38 zur Person Jesus Christus. Vertrauen ist dabei der Mittelpunkt. Jeder Mensch ist herausgefordert, sich der Frage zu stellen: Vertraue ich im Leben und im Sterben auf Jesus Christus? Dafür, wie dieses Vertrauen zum Ausdruck kommt, gibt es verschiedene Formen. Ob es erlebt wird wie es die blutflüssige Frau (Mt 9), der sinkende Petrus (Mt 14), Paulus und Silas im Gefängnis (Apg 16), der Vater mit dem Sohn, der einen sprachlosen Geist hatte (Mk 9) oder die ganze Wolke der Zeugen (Hebr 12) erlebt haben, ist nicht wichtig, aber irgendwann sind alle anderen Sicherheiten, Traditionen und Gewissheiten aufgebraucht. Dann stellt sich die Frage: Hat Jesus jetzt und in meiner Situation Kraft, mir beizustehen, mich zu tragen? Es muss klar werden: „Was glauben wir wirklich?, d.h. so, dass wir mit unserem Leben daran hängen?“ 39 Dass aber ein Mensch dieses Vertrauen hat, „Jesus Christus als Heiland und Herrn der Welt und seines eigenen Lebens erkennt und sich zu ihm bekehrt, lebendiges Glied der Kirche und ein Zeuge Jesu Christi wird, daß ein Mensch also, wie wir es kurz sagen, zum Glauben kommt, dieses Geschehen ist allein das Werk des Heiligen Geistes.“ 40
Das Werk des Heiligen Geistes aber ist kein magisches Geschehen. Sondern Gott wendet sich dem Menschen zu und der kann darauf reagieren, um so eine neue Wirklichkeit zu erfahren. Erkenntnis wird in der Bibel als Begegnung verstanden. „Es ist sehr aufschlussreich, dass das Alte Testament für Erkenntnis das gleiche Wort (jada) benutzt wie für `Geschlechtsverkehr´.“ 41 Gott begegnet sowohl in der Schöpfung, als auch durch Jesus und lässt seine Wahrheit durch den Heiligen Geist in uns lebendig werden. Erkenntnis über die drei Begegnungsarten Gottes (Trinität) können aus der Wissenschaft, der Bibel und der Erfahrung gewonnen werden. 42
Auf diesen drei Feldern dürfen wir Menschen mittun. Das geschieht in der Verkündigung. 43 Christen können dabei sein, durch sie kann einem Menschen Christus begegnen. Glaubende können einen Menschen, der noch nicht glaubt, auf seinem Weg begleiten und in der Jüngerschaft anleiten. 44 Die Aufgabe umfasst also glaubensweckende Verkündigung (Klaus Eickhoff beschreibt so Evangelisation 45 ) und Lebensbegleitung (Karl Nipkow beschreibt so Bildung 46 ). Durch die zusammengesetzten Worte „Glauben“ (Ziel der Evangelisation) und „Kurs“ (ein Element der Bildung) sind bei den von mir zu untersuchenden Glaubenskursen die beiden in der gegenwärtigen Praxis der EKiBB oft noch getrennten Bereiche Evangelisation und Bildung scheinbar zusammengekommen. Die Frage ergibt sich, ob sie auch eine gelungene Synthese von Elementen der Evangelisation und der Bildung zur „evangelistischen Bildung“ sind. Im Folgenden sollen wichtige Merkmale von Evangelisation und Bildung aufgeführt werden, um daran zu überprüfen, ob im Konzept der Glaubenskurse tatsächlich die beiden Bereiche zusammenkommen oder es der Name nur verspricht.
1.3.1.1 Evangelisation
Der Begriff bedeutet die Verkündigung des Evangeliums in einer Form, die den Glauben elementarisiert predigt und den Hörer ermutigt, bewusste und öffentliche Glaubensschritte zu vollziehen. In solcher Verkündigung wird deutlich „was Christ- 38 Vgl.dazu: Wachsen S.28f..
39 Bonhoeffer/ Widerstand: S.559.
40 Hahn, Horst: Wie wird jemand Christ? Wie bleibt jemand Christ?, in: Teschner, Klaus (Hg.): Die Botschaft von der freien Gnade, Neukirchen-Vluyn 1990, S.111-116, S.112.
41 Schwarz, Christian: Die dreifache Kunst Gott zu erleben, Emmelsbühl 1999, S.6.
42 Vgl. dazu: a.a.O.: S.11.
43 Vgl.: Römer 10, 14-17.
44 Vgl.: Emmaus: S.11.
45 Vgl.: Eickhoff, Klaus: Gemeinde entwickeln, Göttingen 1992, S.84.
46 Vgl.: Nipkow, Karl Ernst: Bildung als Lebensbegleitung und Erneuerung, Gütersloh 1990, S.601.
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sein heißt, und vor allem: wie man Christ werden kann“ 47 . Evangelisation geht davon aus, dass es im Leben eines jeden Menschen einen „lebensgeschichtlichen Einschnitt“ gibt, „von dem an ´einst` und ´jetzt`“ 48 in bezug auf das Vertrauensverhältnis zum Retter Jesus Christus unterschieden werden können (Gal 4,8; Eph 2,11-13).
Dabei steht der Verkündiger in der Nachfolge Jesu und kann mit ihm sagen: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden (erkennen), ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede. Wer von sich selbst redet, der sucht seine eigne Ehre; wer aber sucht die Ehre des, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an ihm“ (Joh.7,16 und 17).
Wenn wir verkündigen und Menschen uns zuhören, können sie ausprobieren, ob Jesus Christus sie trägt. Das ist das Erleben der Wahrheit des Glaubens. Dass die Menschen es hören und darauf reagieren, ist ein Geschenk Gottes, der den rechten Kairos für die Verkündigung schenkt.
Dabei beinhaltet die Verkündigung nicht nur Jesus Christus als Helfer und Stütze in Defizit-, Mangel-, Extrem-, Grenz- oder Noterfahrungen, sondern auch ganz bewusst die Herausforderung zum „Abenteuer Christsein“ im normalen Leben. Denn nur bei diesem Wagnis gibt es einen Herrn, auf den man wirklich immer zählen kann (Gott), einen Auftrag, der wichtig ist (Reich Gottes) und eine Ausrüstung, die zur Aufgabe befähigt (geistliche Gaben). 49
Sachgemäße Evangelisation verkündet die „Rettung des Menschen aus seiner Ver-lorenheit“ 50 , sie lädt ein zur Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus „damit nie-mand die Rettung verpasst“ 51 und zu einem „verbindlichen Schritt in den Glauben“ 52 .
1.3.1.2 Bildung
„Bildung ist Lebensbegleitung, ist stetige lebensbegleitende Hilfe, um mit dem, was passieren kann und passiert, vorausblickend oder zurückblickend selbstständig zu Rande zu kommen“ 53 , bringt es Karl Ernst Nipkow auf den Punkt. Der Bildungsauftrag der Kirche lautet im Konzert der Bildungsträger, die Ermöglichung des Wissens über den Glauben. Denn wie sich ein Mensch „entscheidet und im einzelnen religiös fühlt, denkt und urteilt, ist seine Sache, aber er sollte möglichst eine begründete Haltung entwickeln“ 54 .
Für die Bildung von Erwachsenen bedeutet das nun, sie „nicht nur fachtheologisch in Kenntnis (zu [H.K.]) setzen ..., sondern gleichzeitig auch Verstehen erschließen (zu lassen [H.K.]) und zu eigener, persönlicher Glaubenseinsicht“ 55 zu ermutigen. Inhaltlich ist bei der Bildung von Erwachsenen sehr genau nach den Interessen, Problemen und Lebenszusammenhängen der Teilnehmer zu schauen. 56 Im Bereich des Glaubens kann das nicht ohne die Beachtung der „Stufen des Glaubens“ 57 mit oder ohne Religion geschehen. Jeder Mensch ist in seiner Subjektivität beachtet, wenn nicht „binnentheologisch oder kirchlich Wichtiges, sondern für die Daseins- und Wertorientierung sowie die Lebensgestaltung Bedeutungsvolles“ 58
47 Wachsen: S.25.
48 Christenson, Larry: Komm Heiliger Geist, Neukirchen-Vluyn 1989, S.68.
49 Vgl.: Strobel, S.126-136.
50 EKD/ Texte 68, S.18.
51 A.a.O.: S.18f..
52 Ebd..
53 Nipkow/ Begleitung: S. 601.
54 Nipkow, Karl Ernst: Bildung in einer pluralen Welt, Bd.2 Religionsunterricht im Pluralismus, Gütersloh 1998, S.243.
55 Hungs, Franz-Josef: Handbuch der theologischen Erwachsenenbildung, München 1991, S.22.
56 Vgl.: Faulstich, Peter; Zeuner, Christine: Erwachsenenbildung, München 1999, S.47ff..
57 Vgl. dazu: Fowler, James W.: Stufen des Glaubens, Gütersloh 1991.
58 Grethlein, Christian: Gemeindepädagogik, Berlin/New York 1994, S.39.
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Thema ist.
Es muss zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung von Lehrenden und Lernenden kommen. Jede Form von Ersatzvornahme und Bevormundung ist zu vermeiden. Die Menschen haben alle ihre eigenen Lebensgeschichten. Der Rückbezug auf ihr Leben und die Deutung der Erlebnisse sollten durch „biographisches Lernen“ 59 ermöglicht werden.
Jede Bildungsaktivität ist darauf zu befragen, ob sie es dem Einzelnen ermöglicht, sich Geschichte anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen, Macht und Herrschaft zu durchschauen, Standorte zu bestimmen, Handlungsmöglichkeiten einzuschätzen, Interessen zu erkennen, Erfahrungen aufzuarbeiten, Handlungsansätze zu entwickeln, Forderungen einzubringen, Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen. 60
1.3.1.3 Evangelisation und Bildung - Bekehrung im Lebenslauf Die Quelle von vielen unproduktiven Auseinandersetzungen zum Thema „Mission“ 61 auch in unserer Kirche ist die Verwechslung von Glaubensauffassung (faith) und dem Glaubensinhalt (belief), von Glaubensstufen und soteriologischen Stufen. 62 Bei vielen Gesprächen verstehen sich die Teilnehmer nicht, weil beide Glauben sagen und die Einen Verstehen, Aneignung und Ausüben meinen und die Anderen das Geschehen der Rettung aus der Verlorenheit. Fowler hat in seinem oben genannten Buch beschrieben, dass es einen Zusammenhang zwischen religiöser Entwicklung und dem Lebensalter gibt. Von dieser Theorie her kann jedes Handeln am Menschen als Begleitung an einem bestimmten Punkt der Glaubensentwicklung, die nicht unbedingt christlich sein muss, ver-standen werden. Das ist das oben beschriebene Interesse von Bildung. Bekehrung wird in diesem System als „bedeutungsvolle Neuausrichtung der früheren oder unbewussten Wert- und Machtbilder eines Menschen und die bewusste Übernahme einer neuen Reihe von ´master stories` bei dem Entschluß, sein Leben in einer neuen Interpretations- und Handlungsgemeinschaft neu zu gestalten“ 63 , verstanden. Die Neuausrichtung ist das Ziel der Evangelisation. Untersuchungen ergaben, dass in den meisten Fällen, die Bekehrung keine Veränderung der Glaubensstufe bewirkte. Nur die Glaubensinhalte hatten sich verändert. 64
Die Unterscheidung von Glaubensinhalt und Glaubensstufe könnte eine Allianz 65 von fundierter Bildung und Evangelisation bei der Durchführung von Glaubenskursen erleichtern. Die Menschen werden in ihrer jeweiligen Situation erreicht. Gott weckt den rettenden Glauben wann er will durch das glaubensweckende Wort, das der jeweiligen Stufe des religiösen Verstehens gemäß verkündet wird.
2 Die Zielgruppen
„Zielgruppen“ beschreiben in der wissenschaftlichen Pädagogik eine Anzahl von Menschen, die gleiche „sozialstrukturelle Merkmale“ 66 besitzen. Es handelt sich um Geschlecht, Beruf, Wohnort, Sprache, Religion etc..
Meine Arbeit hat konkret die Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt in der EKiBB im Blick. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, eine Analyse aller sozialstruk- 59 Faulstich:S.167.
60 Vgl.: a.a.O., S.163.
61 Vgl. dazu: Pastoral-Theologie 4/2002 mit dem Heftthema: Mission!? - Reizwort in der praktisch-theologischen Diskussion.
62 In meiner Arbeit zum 1.Examen habe ich den Konflikt ausführlich beschrieben. „Evangelisation oder Lebensbegleitung“, Berlin 1997, unveröffentlicht, aber in der Bibliothek der EKiBB erhältlich.
63 Fowler: S.299.
64 Vgl.: a.a.O., S.302.
65 Diese Verbindung ist außerhalb des staatlichen Bildungssystems kein Problem. Die Kirche kann hier ihre Weltanschauung parteilich vertreten.
66 Faulstich: S.99.
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Helmut Kautz, 2002, Analyse von angebotenen Glaubenskursen mit Blick auf ihre Eignung für verschiedene Zielgruppen in der EKiBB, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Hans Fischer has commented on the text Analyse von angebotenen Glaubenskursen mit Blick auf ihre Eignung für verschiedene Zielgruppen in der EKiBB
Theology - Practical Theology: Analyse von angebotenen Glaubenskursen mit Blick auf ihre Eignung für verschiedene Zielgruppen in der EKiBB is now available as a printed book
Helmut Kautz has published the text Analyse von angebotenen Glaubenskursen mit Blick auf ihre Eignung für verschiedene Zielgruppen in der EKiBB
Hans Fischer
Sehr geehrter Herr Kautz! Ich habe mit Interesse Ihre Arbeit gelesen und auch mit Gewinn. Ihre theologischen Überlegungen haben mich sehr angesprochen. Ein sehr wichtiges Thema. Im Kindergottesdienst, im Kindergarten, Grundschule und allen weiteren Schularten spielt die Religion ja eine Rolle. Viel geht über den Kopf und das ist ja auch richtig so, denn der Glaube ist immer auch denkender Glaube, weil es ja keine Unmittebarkeit gibt, die wir anderen Menschen vermitteln können. Wir mit unsere Person sind die Vermittler. Ob die Kurse helfen, ich weiss nicht. Was hilft ist unser Lebensbeispiel und ein Mitleben mit den Menscehn, die uns zur Seite gestellt sind. Christen sollten dies wieder mehr in den Blick nehmen, in aller Bescheidenheit und Einfachheit und Kümmerlichkeit ihrer Existenz mit den Menschen um sie herum mit leben. Das sind meine Gedanken und wenn ich Ihre Ausführungen noch einige mal gelesen habe, schreibe ich vielleicht noch mal etwas. Bis dahin: Grüß Gott!Hans Fischer
on Tuesday, May 17, 2011-