Inhalt dieser Arbeit
II
Inhalt dieser Arbeit
In dieser Arbeit wird der Managementansatz der Balanced Scorecard
beleuchtet um herauszufinden, ob dieser für die Kenngott International GmbH &
Co. KG praktikabel ist.
Im ersten Kapitel möchte ich auf das Controlling im allgemeinen, die
Unterschiede von operativer und strategischer Planung und die dabei in letzter
Zeit diskutierten neuen Entwicklungen eingehen.
Die wesentlichen theoretisch existierenden Abhandlungen zum Thema
Balanced Scorecard möchte ich im zweiten Kapitel darstellen. Für die
Verantwortlichen der Firma Kenngott soll dadurch ein Verständnis über den
Aufbau und den Zweck einer Balanced Scorecard geschaffen werden.
Die Firma Kenngott International GmbH & Co. KG 6 wird im dritten Kapitel
vorgestellt. Dabei wird die aktuelle Ist-Situation der Firma im derzeit
schwierigen Marktumfeld beleuchtet und die zur Zeit verwendeten
Managementansätze und Kennzahlen kurz erläutert.
Im 4. Kapitel möchte ich eine exemplarische Balanced Scorecard für die
Kenngott International aufbauen. Dazu werden die Chancen und Risiken, die
sich bei der Einführung einer Balanced Scorecard ergeben können ausführlich
behandelt. Speziell in diesem Kapitel werde ich Praktiker und langjährige
Unternehmensberater zu Wort kommen lassen, deren persönliche Erfahrung im
Umgang mit einem solchen Projekt von größter Wichtigkeit ist.
In der Schlussbetrachtung (5. Kapitel) wird die Praktikabilität einer Balanced
Scorecard für die Firma KENNGOTT International noch einmal in den
Mittelpunkt gestellt und ein Ausblick in die nahe Zukunft gewagt.
6 Vgl Der Kenngott S 10ff , 2 Auflage 1999
Inhaltsverzeichnis
III
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. I
Inhalt dieser Arbeit. II
Inhaltsverzeichnis. III
1. Grundlagen des Controlling. 1
1.1 Controlling - Ziele und Aufgaben. 1
1.2 Operatives und strategisches Controlling 2
1.3 Instrumente des Controlling 4
1.4 Strategische Unternehmensführung 6
1.5 Neue Entwicklungen des Controlling 6
1.5.1 Economic Value Added 8
1.5.2 DCF-Methode 10
2. Die Balanced Scorecard 11
2.1 Das Prinzip der Balanced Scorecard 12
2.1.1 Was heißt “Balanced 12
2.1.2 Was ist eine „Scorecard“? 13
2.1.3 Definition. 13
2.1.4 Entstehung und Entwicklung der BSC 14
2.2 Vom Leitbild bis zur Strategie. 15
2.2.1 Das Leitbild 15
2.2.3 Strategie 16
2.2.4 Problem der Strategieumsetzung 16
2.3 Die Perspektiven der Balanced Scorecard 18
2.3.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive 19
2.3.2 Die Kundenperspektive 20
2.3.3 Die Interne Prozessperspektive 21
2.3.4 Die Lern - und Entwicklungsperspektive 22
2.3.5 Integrationsansatz der BSC - Die 4 Perspektiven auf einen Blick 23
2.4 Kennzahlen. 23
2.5 Die Verknüpfung von BSC - Kennzahlen mit der Strategie 25
2.5.1 Ursache - Wirkungsbeziehungen 25
2.5.2 Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber 25
2.5.3 Verknüpfung mit den Finanzen. 26
2.6 Das neue Lernen durch die BSC: Echo Engineering 27
2 7 BSC und EFQM - Konkurrenz oder Ergänzung? 28
Inhaltsverzeichnis
IV
3. Die Kenngott International GmbH & Co. KG. 30
3.1 Firmenporträt 30
3.2 Organisationsstruktur. 32
3.2.1 Organigramm 32
3.2.2 Führungsprinzipien. 33
3.3 Aktuelle Gesetzliche Änderungen. 33
3.4 Vom Leitbild bis zur Strategie. 34
3.5 Kennzahlen - Führungshilfen der Geschäftsleitung 35
3.6 Fazit der IST-Situation. 36
4. Exemplarischer Aufbau einer Balanced Scorecard. 37
4.1. Phänomene aus der Praxis 37
4.2 Erfolgsfaktoren der BSC. 38
4.3. Vor der Implementierung 44
4.4 Konkreter Ablauf des Projekts. 44
4.4.1 Vom strategischen Szenario zur Strategie 45
4.4.1.1 Mission und Vision. 46
4.4.1.2 Analyse von Markt, Konkurrenz und Standort 46
4.4.1.3 SWOT-Analyse. 47
4.4.1.4 Strategie formulieren 49
4.4.2. Von der Strategie zur Aktion. 50
4.4.2.1 Strategische Ziele formulieren. 50
4.4.2.2 Selektierung 51
4.4.2.3 Vernetzung der strategischen Ziele 53
4.4.2.4 Plausibilitätskontrolle 53
4.4.2.5 Messgrößen definieren. 54
4.4.3 Umsetzung der BSC und strategisches Controlling. 55
4.4.3.1 Operationalisieren der Ziele auf Mitarbeiterebene und Kommunikation
der Balanced Scorecard 55
4.4.3.3 Anpassungsmaßnahmen 56
4.4.4 IT - Einsatz 56
4.4.5 Beispiel einer Balanced Scorecard 57
5. Schlussbetrachtung. 58
Anhang. V
Abbildungsverzeichnis. XIII
Eidesstattliche Erklärung XIV
Literaturverzeichnis XV
1. Grundlagen des Controlling Seite 1
1. Grundlagen des Controlling
1.1 Controlling - Ziele und Aufgaben
Bei näherer Definition des Begriffs »Controlling«, erscheint zunächst die Übersetzung des englischen Verbs »to control« naheliegend. 7 Die Assoziation mit den deutschen Wörtern »kontrollieren« oder »Kontrolle« trifft den Inhalt jedoch nicht in vollem Umfang. 8 Um auf die Führungsfunktion des Controlling hinzuweisen, sollte man auch im Hinblick auf den betriebswirtschaftlichen Kontext nach einer Übersetzung im Sinne von Lenkung, Steuerung oder Regelung verlangen. 9 In der relativ umfassenden Definition von Weber sind diese Gedanken wiederzufinden: „Controlling ist das Subsystem der Unternehmensführung, das teils durch Übernahme, teils durch Unterstützung von Planungs-, Steuerungs- und Kontrollprozessen eine Koordination des Führungssystems ermöglicht.“ 10
Somit soll das Controlling ,,den beteiligten Instanzen des Unternehmens (dem Management) Instrumente und Informationen an die Hand geben, damit diese ihre Rolle in dem komplexen Managementsystem zielorientiert wahrnehmen können". 11
Im Rahmen des Gesamtführungs- oder Managementsystems von Unternehmen ist das Controlling also ein wichtiges Teilsystem, welches durch seine Leistungen die Führung unterstützt. 12 Die drei Teilprozesse sollen nun noch einmal kurz einzeln betrachtet werden.
Planung ist ein Prozess zum Erstellen eines Entwurfs, welcher „Maßnahmen für das Erreichen von Zielen vorausschauend festlegt.“ 13 Die Steuerung folgt der Planung und deren Realisation, und kann als „ein geordneter, informationsverarbeitender Prozess zielführender Eingriffe
7 Vgl. Schierenbeck,H.: Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, S. 114
8 Vgl. Piontek, J.: Controlling, S. 17
9 Vgl. Ebenda, S. 17.
10 Weber, J.: Einführung in das Controlling, Stuttgart 1988 S. 25.
11 Vgl. Schierenbeck,H.: Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, S. 114
12 Vgl. Steinle, C./Bruch, H.: Controlling: Kompendium für Controller/innen und ihre Ausbildung,
S. 12ff.
13 Bea, F.X./Dichtl, E./Schweitzer, M.: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S. 23.
1. Grundlagen des Controlling Seite 2
(Anpassungsmaßnahmen) in die Planrealisation“ 14 verstanden werden. Die darauf folgende Kontrolle ist ein „geordneter, laufender,
informationsverarbeitender Prozess zur Ermittlung und Analyse von Abweichungen zwischen Plangrößen (Prognose- oder Vorgabegrößen) und Vergleichsgrößen.“ 15
Richtige und stimmige Informationen bzw. Daten sind der wichtigste Faktor zur Erfüllung dieses recht umfangreichen Aufgabengebietes. Darauf hat Heigel schon im Jahre 1978 hingewiesen, indem er „Controlling als Beschaffung, Aufbereitung und Prüfung von Informationen“ 16 definierte. Aus den jeweiligen Unternehmenszielen sind die Ziele des Controlling direkt ableitbar, welche man in: Strategie- und Steuerungsziele, leistungswirtschaftliche Z iele, sozial-personale Ziele und finanzwirtschaftliche/ wertbezogene Ziele unterteilen kann. Leider erfolgt heute noch eine zu starke Orientierung am letztgenannten Ziel. 17 Diesem Mißstand des Controllings versucht das Konzept der Balanced Scorecard entgegenzutreten bzw. ihn zu lösen.
Das Controlling kann also als eine bereichsübergreifende Funktion im Unternehmen verstanden werden, welche die Steuerung des Unternehmens unterstützt.
Die Aufgaben des Controlling „umfassen alle einzelnen Aktivitäten im Hinblick auf die Realisierung der Controllingziele.“ 18 Sie können in operative und strategische Aufgaben eingeteilt werden.
1.2 Operatives und strategisches Controlling
Die strategische Planung ist in den letzten 10 Jahren ein fester Bestandteil des Unternehmensführungsprozesses geworden. Dazu wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um die dafür erforderlichen Daten zu generieren und den strategischen Controllingprozess durchzuführen. Nahezu jede
14 Bea, F.X./Dichtl, E./Schweitzer, M.: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S. 26
15 Ebenda, S. 99.
16 Heigel, A.: Controlling - Interne Revision S. 2 zitiert nach Reichmann, T.: Controlling mit
Kennzahlen: Grundlage einer systemgestützten Controlling-Konzeption, S. 2
17 Vgl. Steinle, C./Bruch, H.: Controlling: Kompendium für Controller/innen und ihre Ausbildung,
S. 20 f
18 Horváth, P.: Controlling, S. 143 f.
1. Grundlagen des Controlling Seite 3
Unternehmensführung präsentierte stolz den Aufsichtsräten u nd oberen Führungskräften den strategischen Plan des Unternehmens. „Umso erstaunlicher ist es, dass empirische Untersuchungen festgestellt haben, dass die Zahl der umgesetzten strategischen Pläne relativ gering ist.“ 19 Die schnell aufgekommenen Ideen, doch genauso verfahren zu können wie im operativen Controlling also mit Planung, Umsetzung und Kontrolle wurden sehr früh durch die Ausführungen von Wissenschaftlern wie Steinmann und Schreyögg verworfen. Auf diese Theorien soll hier aufgrund des begrenzten Rahmens nicht näher eingegangen werden.
Das operative Controlling konzentriert sich auf quantifizierte Größen (Lohnt es sich?) als Grundlage für den Steuerungsprozess, während das strategische Controlling die qualitativen Faktoren (Lösen wir die Probleme?) in den Planungsprozess mit einbezieht. 20
Im „strategischen Controllingprozess geht es nicht nur um einen Zielvereinbarungsprozess, sondern auch um die Planung eines Durchsetzungskonzeptes und die Überwachung dieser Pläne.“ 21
Wo die Balanced Scorecard im Managementprozess anzusiedeln ist, zeigt die folgende Grafik:
22 Abb. 1: Die BSC als Instrument des strategischen Managements
19 Pohle, K.: Strategisches Controlling - Ein Instrument zur Planung und Steuerung der eigenen
Wettbewerbsstärke ? in Horváth, P.: Strategieunterstützung durch das Controlling: Revolution
im Rechnungswesen?, 1990, S. 64
20 Vgl. Mayer, E./Liessmann,K./ Freidank, C. (Hrsg.): Controlling Konzepte, 1999, S.13
22 Münster, W.: Balanced Scorecard - Erfahrungen, http://www.flexible-
unternehmen.com/kl0613.htm, 16.August 2002, 21 Uhr, S. 2
1. Grundlagen des Controlling Seite 4
1.3 Instrumente des Controlling
Kennzahlen oder Kennzahlensysteme sind die wichtigsten Instrumente des Controlling. ,,If you can´t measure it, you can´t manage it." 23 Dieser vielfach zitierte Satz beschreibt die große Relevanz von Kennzahlen eindrucksvoll. ,,Kennzahlen sind präzise - wenngleich etwas abstrakt formuliert - quantitative Daten, die als eine bewusste Verdichtung der komplexen Realität über zahlenmäßig erfassbare betriebswirtschaftliche Sachverhalte informieren sollen" 24 .
Nach Wendt 25 scheint sich der Ausdruck Kennzahl als Oberbegriff für alle Zahlen im Sinne von Richtwerten, Sollzahlen, Signalzahlen etc. eingebürgert zu haben, die irgendwie die folgenden Eigenschaften einzeln oder in Kombination haben:
Ø Kennzeichnung bestimmter Zustände oder Entwicklungen Ø Repräsentanz, z.B. für Vergleichszwecke Ø Komprimierung einer Aussage
„Ob es sich bei den ermittelten Daten um echte, d.h. informative Kennzahlen handelt, hängt sowohl von den betriebsindividuellen Gegebenheiten als auch vom Beobachter ab“ 26 .
So ist es möglich, dass für Unternehmer 1 der monatliche Bruttoumsatz eine zentrale Messgröße darstellt, wobei für Unternehmer 2 der Bruttoumsatz lediglich eine Hilfsgröße zur Ermittlung des Nettoumsatzes darstellt, da dieser aufgrund von stark schwankenden Verkaufskosten und geringen Gewinnmargen mehr Aussagekraft besitzt. Letztendlich kann für Unternehmer 3 der Nettoumsatz nicht sehr informativ sein, wenn die Margen in den verschiedenen Verkaufsgruppen derart unterschiedlich sind, dass nicht der globale Nettoumsatz, sondern primär der Nettoumsatz je Produktgruppe ausschlaggebend ist.
Dieses kleine Beispiel zeigt eindeutig auf, dass es in jedem Unternehmen andere Prioritäten für die gleichen Kennzahlen gibt. Im Umkehrschluss heißt
23 Vgl. Kaplan, R., Norton, D.: Balanced Scorecard Strategien, Stuttgart, 1997, S.20
24 Weber, J./Schäffer, U. : Balanced Scorecard und Controlling, 2000, S.2
25 Wendt, K.G.: Informationsbedarf für industrielles Management, S. 36
26 Bürkler, A.: Kennzahlensysteme als Führungsinstrument, S.7
1. Grundlagen des Controlling Seite 5
dies, jeder Unternehmer muss die für ihn wichtigen und relevanten Kennzahlen definieren und den Controller auf die Kennzahlenhierarchie hinweisen.
Als sehr bekannte Kennzahlensysteme seien hier kurz das Dupont Schema 27 und das ZVEI System 28 (ohne Abb.) erwähnt.
Umsatz
Gewinn/
Verlust
Umsatz-Gesamt-rentabilität aufwand
Umsatz ROI
Kapital-Anlage-umschlag vermögen
Kapital
korrigiert
Umlauf-vermögen
Abb. 2: Du - Pont - Kennzahlensystem
Es ist wichtig, die Arten von Kennzahlen zu unterscheiden, denn die am häufigsten verwendeten Kennzahlen sind finanzorientiert, zielen also auf die finanzielle Situation des Unternehmens ab. Grundsätzlich werden Kennzahlen in finanzielle und nichtfinanzielle Kennzahlen unterschieden. Man spricht auch von harten und weichen Kennzahlen. 29
Im Controlling dominieren nach wie vor die harten Kennzahlen, welche die Finanzperspektive des Unternehmens untersuchen, obwohl die weichen Kennzahlen schon seit langem bekannt sind und auch von Unternehmen zunehmend beachtet werden. Die Dominanz der harten Kennzahlen geht auf das Industriezeitalter zurück, da hier im Zuge der Massenproduktion die finanziellen Ergebnisse des Unternehmens im Vordergrund standen.
27 Vgl. Botta,V.: Kennzahlensysteme als Führungsinstrumente, 1997, S.1
28 Vgl. Hartwich, J.: Klassifikation von Erfolgskennzahlen, http://ba.fh-
coburg.de/fachberecih/files/kalwait/vertriebscontrolling/ws2001-02/Erfolgskennzahlenklassif.pdf,
11.Juli 2002, 19 Uhr, S. 5ff.
29 Vgl. Georg, S.: Balanced Scorecard als Controlling Instrument, Aachen, 1999, S. 14
1. Grundlagen des Controlling Seite 6
1.4 Strategische Unternehmensführung
Betrachtet man den Werdegang der strategischen Unternehmensführung, so haben sich seit 1970 vier verschiedene Entwicklungslinien herauskristallisiert, wobei sich der inhaltliche Schwerpunkt von einer Produkt (Ansoffmatrix 30 ) - über eine Kompetenz (Porter 31 ) - und Potentialorientierung hin zu einer Wertorientierung verlagerte. 32
Der Grundgedanke der wertorientierten Unternehmensführung ist eine konsequente Ausrichtung der Unternehmensführung an den vorhandenen oder noch zu schaffenden Werten 33 . Der Gesamtnutzen der Unternehmung (company value) steht dabei im Vordergrund. Dieser soll mit verschiedenen Strategien zur Erschließung von Nutzenpotentialen gesteigert werden.
1.5 Neue Entwicklungen des Controlling
Vor dem Hintergrund immer rasanter greifender Umfeldveränderungen und der Tatsache, dass Vorgabesysteme nicht mehr schnell genug reagieren können, wird das Arbeiten mit Zielvereinbarungen immer wichtiger. Wo sind in den Zielbestimmungen und Zielfixierungen, das Know-How und die Erfahrungen der Mitarbeiter? 34 . „Das zum Teil fehlende Verständnis für die Verknüpfung von Unternehmensstrategie und individueller Zielvereinbarung führt dazu, dass Vereinbarungen revidiert, überarbeitet oder ausgesetzt werden.“ 35 Dies muss früher oder später zum Scheitern des »Management by Objectives« (nach Zielvereinbarung) führen.
Zur Unternehmenssteuerung können die grundsätzlich vergangenheitsbezogenen Daten des externen Rechnungswesens nur wenig beitragen, und auch die in den Hochrechnungen des Controlling erstellten »forecasts« decken nur Teilaspekte des betrieblichen Geschehens ab. Oftmals gibt sich das
30 Vgl. O.V.: http://www.buseco.monash.edu.au/depts/mkt/mtponline/images/ansoff.gif, 18.Juli
2002, 19 Uhr
31 Vgl. Porter, M.: competitive advantage, S.1ff.
32 Vgl. Rühli, E. (1996): Unternehmenspolitik, in : Unternehmung, 50. Jg. Nr. 6, S. 392-409
33 Bruhn, M./Lusti, M./Müller, W./Schiernenbeck, H./Studer, S.: Wertorientierte
Unternehmensführung, S.148
34 Vgl.: Fratschner, F.: Balanced Scorecard. Ein Wegweiser zur strategiekonformen Ableitung
von Zielvereinbarungen - über finanzielle Ziele hinaus, in Controller Magazin 1/99, S.13
35 Ebenda, S.13
1. Grundlagen des Controlling Seite 7
Controlling mit den Daten zufrieden, die mit wenig Aufwand überzuleiten und auszuwerten sind.
In den letzten Jahren hat sich hier zunehmend das »Shareholder - Value -Konzept« durchgesetzt. Dieses Konzept geht zurück auf ein von Alfred Rappaport 36 im Jahre 1986 geschriebenes Buch mit dem Titel »Creating Shareholder Value. The new standard for business performance«. Im Mittelpunkt der Anstrengungen müssen, laut Rappaport, die Eigentümer (shareholder) stehen. Das Management hat die primäre Aufgabe den Wert des Eigenkapitals für die Eigentümer zu steigern. 37 Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Ziele der anderen Anspruchsgruppen (Stakeholder), wie z.B. zuverlässige Lieferanten, motivierte Mitarbeiter u sw. nicht vernachlässigt werden. Die Ansprüche der Stakeholder werden in der Literatur oftmals eher als eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Shareholder-Value Strategie als ein eigenes Ziel dargestellt. Die immer mehr aufkommende Shareholder und Stakeholder Value Orientierung ist die Ursache dafür, dass an moderne Unternehmen vollkommen neue Ansprüche gestellt werden. 38 Sind die bestehenden Kennzahlensysteme diesen steigenden Anforderungen an die Unternehmen gewachsen? Diese Anforderungen ,,machen den Einsatz von neuen Kennzahlen und Kennzahlensystemen als Führungs- und Controlling-Instrumente notwendiger denn je." 39 Viele Ökonomen vertreten die Ansicht, dass als grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung, neben technologischer, vertrieblicher, finanzieller und organisatorischer Anpassung, auch die Weiterentwicklung der betriebswirtschaftlichen Steuerungssysteme betrieben werden muss. 40 Besonders werden der historische Bezug und die Dominanz von finanziellen Kennzahlen im Controlling kritisiert. 41 Diese Defizite und Probleme der bisherigen Systeme versucht man, mit dem in den letzten Jahren entstandenen Managementansatz des Performance
36 Vgl. Rappaport, A.: Creating Shareholder Value, S.1ff.
37 Vgl. Rappaport A.: Shareholder Value: Ein Handbuch für Manager und Investoren, S.1-3
38 Vgl. Otto, H. J.: Das Stakeholder-Konzept, http://www.ba-
heidenheim.de/ott/bwlkurs/pages/stkh.htm, 13.Juli 2002, 18.30 Uhr
39 Botta, V.: Kennzahlensysteme als Führungsinstrumente, Vorwort
40 Mayer, E./Liessmann,K./ Freidank, C. (Hrsg.): Controlling Konzepte, 1999, S.8
41 Kaufmann, L: Balanced Scorecard, Zeitschrift für Planung, 4/1997, S.1
1. Grundlagen des Controlling Seite 8
Measurement (Management) zu lösen. 42 Unter Performance Management versteht man „ein unternehmensweites Managementsystem, das den Prozess zur Operationalisierung der Unternehmensstrategien und -ziele in ein permanentes Führungssystem überführt“. 43 „Performance-Maße spielen eine Schlüsselrolle bei allen wichtigen Führungsaufgaben, generell bei der Planung, Steuerung und Kontrolle. Zur Erreichung der Zielsetzung Unternehmenswertsteigerung führen viele Unternehmen in zunehmendem Umfang »neue« wertorientierte Erfolgsmaßstäbe ein.“ 44
Am meisten verbreitet sind das von Stern Stewart &Company entwickelte EVA-Konzept (Economic Value Added), der von der Boston Consulting Group propagierte CFROI (Cash-Flow Return on Investment) 45 und die u.a. von Mc Kinsey empfohlene DCF-Methode (Discounted Cash-Flow). Damit gibt es erneut kein einheitlich anerkanntes Konzept zur finanziellen Performance-Messung, sondern vielmehr eine ganze Reihe wertorientierter Erfolgsmaße, die miteinander konkurrieren. 46
1.5.1 Economic Value Added
Der EVA - Ansatz basiert auf der Kritik an traditionellen unternehmerischen Zielgrößen. 47 EVA ist der Gewinn, der übrig bleibt, nachdem die Kosten für das Kapital abgezogen wurden, welches investiert wurde, um diesen Gewinn zu erzeugen. Robert Goizueta, einstiger Chief Executive Officer (CEO) von Coca-Cola, der zu den frühen EVA - Anhängern gehörte, formulierte es einmal so: „Sie werden nur dann reicher, wenn Sie Geld so investieren, dass Sie dafür mehr bekommen als Sie selbst dafür bezahlen müssen.“ 48 Bei diesem Konzept handelt es sich um ein statisches Übergewinnverfahren zur periodenbezogenen Performance-Messung.
42 Horvath, P./Gleich, R.: Die Balanced Scorecard in der produzierenden Industrie, ZWF, S.563
43 Brunner, J.: Value - based Performance Management, S. 11
44 Link, E: Wertorientiertes Controlling, S. 3
45 Vgl. Lehmann, S.: Neue Wege in der Bewertung börsennotierter Akteingesellschaften: Ein
cash-Flow orientiertes Ertragswertmodell, S. 89-92
46 Pape, U.: Wertorientierte Unternehmensführung, S.132ff.
47 Vgl. Hahn, D.,/Hintze, M.: Konzepte wertorientierter Unternehmensführung. In: Perspektiven
im Strategischen Management, S.71-72
48 Stern, J./Sheily, J./Ross, I.: Wertorientierte Unternehmensführung mit E(conomic) V(value)
A(added), S. 35
1. Grundlagen des Controlling Seite 9
EVA = NOPAT - (wacc x capital)
49 Abb. 3: Formel Economic Value Added
Der Übergewinn wird auf ein periodisiertes Ergebnis (NOPAT) nach Steuern und vor Zinsen (=net operating profit after taxes) abgestellt, das zum investierten Gesamtkapital und den darauf entfallenen Gesamtkapitalkosten in Bezug gesetzt wird. 50 Im folgenden Schaubild sind die Bestimmungsfaktoren 51 des Economic Value Added aufgezeigt:
EVA = NOPAT - (wacc x capital)
Ertrag Aufwand Kapitalkostensatz Vermögen/Kapital § Marktanteil/Markt- § Faktoreinsatz § Risikoloser Zins von § Wert von Vermögens-wachstum § Produkteigen-Anlagen gegenständen
§ Kundenbeziehungen schaften § Marktvolatilität § Working Capital
§ Dienstleistungstiefe § Lieferanten- § Risikoposition § Forderungs-
und -breite beziehungen.. § Rating... management...
§ Preise/Konditionen .
§ Qualität...
Maßnahmen des Maßnahmen des Maßnahmen des Maßnahmen des Aufwand/Kosten-Finanz - und Asset-Ertrags/ Risikomanagements managements Erlösmanagements managements
Abb. 4: Bestimmungsfaktoren des Economic Value Added
49 Link, E: Wertorientiertes Controlling, S. 4
50 Vgl. Link, E: Wertorientiertes Controlling, S. 4
51 Vgl. Götze, U/Glaser,K.: Economic Value Added als Instrument einer wertorientierten
Unternehmensführung, S.35
1. Grundlagen des Controlling Seite 10
1.5.2 DCF-Methode
Die »Discounted Cash Flow Method« ist ein kapitalmarktorientierter Bewertungsansatz, in dem die Erkenntnisse der dynamischen Investitionskalküle (Vgl. Kapitalwertmethode 52 ) auf die Bewertung ganzer Unternehmen übertragen werden. 53 Dabei ist das Ziel, den monetären Unternehmenswert auf Grundlage des aus den Unternehmen erzielbaren Zahlungsstroms zu bestimmen. Der investitionstheoretische Hintergrund wird durch die kapitaltheoretische Fundierung ergänzt, indem die Bewertung der zukünftigen Zahlungsüberschüsse unter Verwendung der unternehmensspezifischen Kapitalkosten erfolgt, die aus Kapitalmarktdaten abgeleitet werden. 54 Vielfach wird die DCF-Methode mit dem Shareholder Value Ansatz gleichgesetzt. 55 Der Gesamtunternehmenswert besteht aus dem Wert der Planungsperiode (Kapitalwert der explizit geplanten Cash-Flows) und dem Wert der Restperiode (zukünftige Cash-Flows, nach der Planungsperiode). Subtrahiert man den Marktwert des Fremdkapitals von diesem Gesamtunternehmenswert, so erhält man den Shareholder Value (EK-Wert). Zur Bestimmung der Kapitalkosten möchte ich hier kurz auf den gewichteten Kapitalkostensatz (WACC = weighted average costs of capital) 56 verweisen. Die im Daimler-Chrysler-Konzern eingeführte Wertorientierung ist im Anhang auf S. XII dargestellt. Neben den wertorientierten Erfolgsmaßstäben gibt es ein in letzter Zeit sehr stark diskutiertes Konzept des Performance Measurement: die Balanced Scorecard, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit das Hauptaugenmerk liegt. 57
Die Balanced Scorecard besteht zwar ebenfalls aus Kennzahlen, soll aber durch ihre 4 -Perspektiven, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, Strategie-orientierung und den Einsatz von nichtfinanziellen Kennzahlen und Leistungstreibern, den aktuellen Anforderungen an Controlling Systeme gerecht werden.
52 Vgl. Seppelfricke, P.: Grundlagen der Investitionsrechnung, S.1ff, http://www.wi.fh-
osnabrueck.de/~seppelfricke /Folien%20Kapitel% 204.ppt, 13.Juli 2002, 16.30 Uhr oder
Eilenberger, G.: Betriebliche Finanzwirtschaft, München 1989, S.137
53 Vgl. Serfling, K./Pape, U.: Strategische Unternehmensbewertung und Discounted Cash Flow
Method, in WISU 25 Jhrg. 1996 S.57ff.
54 Vgl. Ebenda, S.58
55 Vgl. Peemöller, V./Keller, B/Rödl, M: Verfahren der strategischen Unternehmensbewertung,
in DStR, 34.Jhrg., S.74ff.
56 Vgl. Copeland, T./Koller, T./Murrin, J.: Unternehmenswert: Methoden und Strategien für eine
wertorientierte Unternehmensführung, Frankfurt/Main 1993, S.199ff.
57 Horvath, P: Controlling, 1997, S.566
2. Die Balanced Scorecard Seite 11
2. Die Balanced Scorecard
Eine Umfrage zum Stand und zur geplanten Einführung der Balanced Scorecard unter deutschen Managern brachte eine erstaunliche Praxisrelevanz dieser Methode zum Vorschein, wie das folgende Schaubild 58 unterstreicht.
Balanced Scorcard
Selbst entwickeltes System
ROI - System
Werttreibersystem
EFQM - System
Anderes System
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%
Abb. 5: Kennzahlensysteme - geplante Einführung oder Weiterentwicklung
Andererseits gibt es auch Manager, die bewusst unter den herannahenden Modewellen durchtauchen, um Ressourcen für das operative Tagesgeschäft zu schonen 59 . Diese antworten dann meistens:
Ø Brauch ich nicht Ø Wir haben doch alles im Griff usw. Ø Schon wieder so ein alter Hut in neuer Verpackung
Ist die Balanced Scorecard wirklich ein alter Hut? Um dies ergründen zu können, möchte ich zunächst auf die beiden Wörter Balanced und Scorecard näher eingehen.
58 Vgl. Sandt, J./Radtke, B.: EFQM und BSC - Konkurrenz oder Ergänzung der Management-
konzepte, in Controller Magazin 1/2002, S.44
59 Vgl. Kieser, A.: Moden & Mythen des Organisierens, S.21ff
2. Die Balanced Scorecard Seite 12
2.1 Das Prinzip der Balanced Scorecard
2.1.1 Was heißt “Balanced”
Fragt man in Unternehmen nach den vorrangigen Zielen und Steuerungsgrößen, stößt man immer wieder auf die Klassiker aus dem Finanzbereich. „Sicher kann die Produktion beispielsweise einen Beitrag zur Gewinnsteigerung leisten. So können kurzfristig die Kosten gesenkt werden, zur Freude der Unternehmensleitung, aber nicht selten zum Verdruss der Kunden, die mit einer schlechten Qualität leben müssen. In der Folge gibt es vermehrte Reklamationen und Nachbesserungsaufwand.“ 60 Dieser fast schon klassische Bumerang - Effekt hat die Automobilindustrie schon dauerhaft ins Schlingern gebracht.
Ziel des Vertriebs ist nicht der Unternehmensgewinn, sondern die optimale Beziehung zu profitablen Kunden. Den Vertrieb gilt es also an den Kunden, die Produktion an der Qualität der Produkte, die Personalabteilung an der Zufriedenheit der Mitarbeiter zu messen usw. Dieses „komplizierte, aber nicht undurchschaubare Netz von Abhängigkeiten“ 61 innerhalb eines Unternehmens gilt es innerhalb einer Balanced Scorecard zu ermitteln. Erfolgreiche Unternehmen wissen warum Sie Gewinn erzielen und zwar nicht, weil sich aus der Rechnung Einnahmen-Ausgaben ein Überschuss ergibt. Sie erkennen auch, dass eine einseitige Ausrichtung meist nur kurzfristige Erfolge bringt, langfristig aber das Gegenteil bewirkt. Man kann sagen, dass sie wissen, wann und wo sich ihr Unternehmen im Gleichgewicht befindet, es ihm sozusagen gut geht, und wann es ungesund ist.
Hier versucht die Balanced Scorecard anzusetzen. Sie versucht die in aller Regel finanzwirtschaftlich geprägten Ziele in die einzelnen Standbeine oder Erfolgsfaktoren zu übersetzen. Grundsätzlich gibt es dabei 2 Richtungen 62 :
60 Preißner, A: Balanced Scorecard in Vertrieb und Marketing, S. 6
61 Ebenda, S. 7
62 Vgl. Preißner, A: Balanced Scorecard in Vertrieb und Marketing, S. 8
Arbeit zitieren:
Dietmar Keitel, 2002, The Balanced Scorecard - Ein Mangementinstrument für die Kenngott International GmbH & Co. KG, München, GRIN Verlag GmbH
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