INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT 3
FORSCHUNGSSTAND 3
DIE DIASPORA IN KLEINASIEN 4
VORÜBERLEGUNGEN 4
TOPOGRAPHIE 4
SEIT WANN GAB ES IN KLEINASIEN JUDEN? 4
WIE LEBTEN SIE DORT? 5
WIE SAH DIE RECHTLICHE STELLUNG AUS? 5
WIE KAMEN SIE MIT IHRER UMGEBUNG ZURECHT? 5
SONDERTEN SIE SICH AB UND GAB ES SCHON DAMALS ANTISEMITISMUS? 6
CHRONOLOGIE KLEINASIENS 6
FAZIT 8
ANHANG 8
LITERATURVERZEICHNIS 10
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VORWORT
Juden waren ein Volk auf Wanderschaft. Sie lebten in vielen Ländern, doch ihre Wohnorte erwiesen sich häufig als vorübergehend. Durch die Jahrhunderte hat die Juden die Sehnsucht nach dem Land begleitet, das ihnen von Gott verheißen worden war:
- EREZ ISRAEL, DAS LAND ISRAEL -
ßen als Teil des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk. Die fünf Bücher Mose, die ersten Bücher der hebräischen Bibel, berichten von dieser Verheißung: von den Anfängen des jüdischen Volkes in Mesopotamien und Ägypten, von der vierzig Jahre dauernden Wanderung durch die Wüste, ehe die Israeliten das gelobte Land erreichten.
Im Jahr 586 v. Chr. wurde Jerusalem von dem babylonischen König Nebukadnezar erobert, dabei wurde der Königspalast und der salomonische Tempel zerstört. Die Babylonier schafften die Tempelgeräte fort, darunter die Bundeslade, die seitdem verschollen ist. Da ein großer Teil der Bevölkerung nach Babylon verschleppt wurde, spricht man auch von der Zeit des „Babylonischen Exzils“. Etwa 50ig Jahre später erlaubte König Kyros von Persien den Juden, in ihre Heimat zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen und um 515 v. Chr. wurde dieser auf dem alten Tempelplatz in Jerusalem eingeweiht.
- Aber nicht alle Juden kehrten zurück und hier setzt die Jüdische Diaspora ein.-
FORSCHUNGSSTAND
Trotz vieler archiologischer Funde, Inschriften, Kleinstgegenstände und sogar gut erhaltende Münzen ist die Forschungsliteratur noch sehr uneinig. Eine große Anzahl an Kontroversen prägen die Forschungen zur jüdischen Diaspora im antiken Kleinasien.
Da stach die Arbeit von Ameling heraus. Er selbst macht bei seiner Arbeit auf Quellendefizite aufmerksam, präsentiert aber einen sehr umfangreichen und authenischen Einblick in das Leben der jüdischen Gemeinden in Kleinasien. Sehr schwierig war es, die topographischen Daten vorallem von Akmonia zu verarbeiten. Die Orte haben nicht nur moderne Namen erhalten, sondern haben schon in der Antike mehrfach ihre geographische Position verändert. Es macht eine genaue Kartierung sehr schwer.
Diese Arbeit wird sich nicht mit der inneren Struktur der Gemeinden befassen und auch die rechtliche Stellung rudimentär behandeln. Vielmehr wird hier auf die lebensnahen Fragen wie haben sie in Kleinasien gelebt und wie kamen sie dabei mit ihrer Umgebung zurecht der Schwerpunkt liegen.
3
DIE DIASPORA IN KLEINASIEN
Diaspora gilt als eine der Grundbedingungen jüdischer Existenz. Einige Wissenschaftler verstehen die jüdische Ausbreitung über alle Kontinente, als Überlebenschance, denn sonst, argumentieren diese Forscher, wären die Juden schon lange nicht mehr exsistent.
Die jüdische Diaspora in Kleinasien war eine der zentralen Voraussetzungen für die paulinische 1 , überhaupt die christliche Mission. Es existieren ganz unterschiedliche Quellen und es ist ein schwieriges, quellenkritisches Problem, ihnen Antworten auf die Fragen an die jüdische Diaspora zu entnehmen.
VORÜBERLEGUNGEN
Im traditionell religiösen Verständnis gilt man als Jude, wenn die Mutter Jüdin ist. Des weiteren kann man rechtmäßig als Proselyt 2 ins Judentum aufgenommen werden. 3
Religiöse Juden verstehen sich als eine Gruppe, die sich durch die gemeinsame Abstammung von Abraham, durch das verheißene und von Gott geschenkte Land Israel, sowie durch den gemeinsamen Glauben an die Tora, in der alle gemeinsamen Traditionen wurzeln, miteinander verbunden.
TOPOGRAPHIE
Der BEGRIFF KLEINASIEN umreißt das Gebiet jener Halbinsel, die östliches Mittelmeer und Schwarzes Meer von der Eurasischen Landmasse scheiden. Es handelt sich damit im wesentlichen um das asiatische Gebiet des heutigen Staates Türkei und ist grob mit Anatolien identisch. [ Kartenmaterial siehe Anhang ]
SEIT WANN GAB ES IN KLEINASIEN JUDEN? 4
In einigen Landschaften hat die geographische Ausdehnung der Diaspora schon im 1. Jh. v. Chr. den Stand erreicht, den sie in der Kaiserzeit hatte. Wann in Kleinasien die ersten Juden auftraten ist nicht sicher, man geht aber davon aus, das zur Zeit der Perserherrschaft im 6. Jahrhundert erste jüdische Siedlungen in Kleinasien anzutreffen sind.
So kann man davon ausgehen, das keine Stadt Judenfrei gewesen ist. 5 Eine belegte Einwanderung der Juden erfolgte z.B. zwischen 212 und 205 auf Befehl des Seleukidenkönig Antichos III., der 2000 jüdische Familien aus Mesopotamien und Babylonien in Lydien und Rygien ansiedelte, „sie sollten als Militärsiedler helfen, Aufstände in diesen Gebieten zu vermeiden“ 6 .Neben dieser Form der Umsiedlung, waren viele Juden als Sklaven aus ihren Land verschleppt worden,
1 Paulus, ein Jude, hielt in den Synagogen Prädigten, um die Menschen zum Christentum zu bekehren, verständlicherweise war diese Form der Missionierung von den Juden nicht gern gesehen. 2 Bezeichnung für Personen, die zu einer Religion übergetreten sind, in unserem Fall zum Judentum übergetreten 3 Vgl. TRE, 17, S.331
4 "Als Slaven, Söldner oder Reisende waren sie seit persischen Zeiten in Kleinasien zu treffen, doch die Einwanderung größerer Gruppen gehört erst in den Kontext der hellenistischen Bevölkerungsbewegungen." (Ameling, 1996, S. 32)
5 Vgl. Ameling, 1996, S.31; Inschriften aus Smyrna, Ankara, Antiochia; Aspendos; Caecarea; Seleukia; Tarsus; Bursa und Ephesus geben Hinweise auf jüdische Besiedlungen 6 Vgl. Ameling, 1996, S.32-33
4
aber genau so gab es auch Juden die aus eigenen Antrieb ihr Palästina verließen. Das jüdische Volk wuchs schnell und es wurde zunehmend schwieriger alle mit Nahrung zu versorgen.
Aus dieser Zeit stammt die erste Synagoge in Asia minor. Die meisten Hinweise auf jüdische Gemeinden findet man im Neuen Testament und in den Paulus Büchern.
WIE LEBTEN SIE DORT?
Die Gemeinden der Diaspora mußten als ethnisch und lokale Minorität wirken, fast wie eine soziale Gruppe. „Die meisten Juden lebten von und auf dem Lande,[...] so daß einige von ihnen ohne Synagoge, nach dem Motto, `Gemeinde und Gottesdienst waren nicht conditio sine qua nin jüdischen Lebens in Asior minor “, ihren Alltag bestreiten. 7 Religiöse Feste wurden begangen und trugen zum Gemeinschaftsgefühl bei. Sie bauten meist die Brücke zwischen den Generationen, entscheidend war dabei immer der Vollzug der heiligen Handlung. Was der einzelne Glaubte, überließ man meist ihm selbst. 8
WIE SAH DIE RECHTLICHE STELLUNG AUS?
Die Diasporasynagogen waren neben religiösen Zentren auch soziale Zentren. Heute würde man von Vereinshäusern sprechen. So standen sie rechtlich auf dem Vereinsstatus. Dabei konnte sich der private Status eines Judens vom Status der jüdischen Gemeinde unterscheiden. Einzelne Juden besaßen das Bürgerrecht 9 , eine gesamte jüdische Gemeinde meist nicht. Die Juden in der Diaspora lebten als Metöken 10 und bedürften der städtischen Genehmigung. So konnten die Rechte der Gemeinden von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein und die Titel der Gemeindefunktionäre waren meist nur ähnlich. Dennoch verschaffte den Gemeinden der Vereinsstatus eine gewisse Form von Freiheit gegenüber den städtischen Behörden.
WIE KAMEN SIE MIT IHRER UMGEBUNG ZURECHT?
"Es entspricht der idealisierenden Darstellungsweise der Apostelgeschichte, daß die von Paulus gegründeten Gemeinden 11 einschließlich der ephesischen den Eindruck einer heilen Welt erwecken.Wenn es zu Störungen kommt, sind sie von außen, meistens aus dem jüdischen Lager, an die Gemeinde herangetragen. 12 Juden übten die gleichen Tätigkeiten, wie alle anderen aus und verfügten kaum über Reichtum. Sie waren Bäcker, Schiffer ect. . Der Mythos des geldgierigen jüdischen Kaufmanns, hatte schon in der Antike bestand, war aber zumeist unbe-
7 Vgl. 8 Vgl. Demandt, 1995, S.43
9 Das Bürgerrecht ging mit der Zugehörigkeit zu einer anderen Gemeinde, hier die jüdische Gemeinde, durch die mögliche Pflichtenkollision, besonders hinsichtlich des Kriegsdienstes verloren. 10 Metöken sind Mitbewohner in griechischen Stadtstaaten. Die ansässig gewordenen Fremden, ohne Recht auf Grunderwerb und Konubium mit den Bürgern, unter dem Patronat eines Prostates [führende Mann einer Gemeinschaft, der aus den Bürgern der Gaststadt zu wählen ist] und dem Gerichtsstand des Polemarchen[ Oberfeldherr], zum Kriegsdienst und zu vermehrten öffentlichen Leistungen verpflichtet. Die Metöken mehren sich trotz der ungünstigen Position wegen der wirtschaftlichen Vorteile ständig. Da sie von politischen Rechten ausgeschlossen bleiben, entfaltet sich in ihrer Mitte ein reges Vereinswesen.
11 Missionierung von Christen; die erfolgreichste Religion war das Christentum, das aus dem Judentum erwuchs und ebenfalls dem Monotheismus praktizierte. 12 Vgl. Elliger, S. 143
5
gründet. Selbstverständlich fanden sich auch unter den Juden clevere Geschäftsleute, wie aber in jedem anderem Volk auch. Die einzelnen Gemeinden, so scheint es, waren nur durch die Zahlungen der Tempelsteuer mit ihrem Metropolis [ fernem Heimatland] verbunden.
Der jüdische Einfluß zeigte sich darin, daß jüdische Bräuche wie das Entzünden der Sabbatlichter von weiten Kreisen der nicht-jüdischen Bevölkerung übernommen wurde. 13
SONDERTEN SIE SICH AB UND GAB ES SCHON DAMALS ANTISEMITISMUS?
"Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaß die bürgerliche Ethik der hellenistischen Welt übernommen wird, während das jüdische Gesetz keine Rolle mehr spielte." 14 Dies spricht für eine enorme Anpassungsfähigkeit der Diaspora Gemeinden. Einige wenige Juden erlangten das Bürgerrecht. Dazu mußten sie zu den Stadtgründern zählen. Durch ihre Anpassung kann man annehmen, daß die Juden keinen leichten Stand hatten und von der Bevölkerung wegen der strengen Observanz ihrer Gesetze und der daraus sich ergebenden Exklusivität nicht voll anerkannt waren. Öfters muß die Bevölkerung aufgefordert werden, die Juden, ihre Rechte wahrnehmen zu lassen. 15 Dies ist unverständlich, zumal sie nicht die einzigen in Kleinasien waren, denen der Verzehr von Schweinefleisch nicht erlaubt war, und die Beschneidung auch unter ägyptischen Priestern u.a. praktiziert wurde. 16
"Schwer wog in der Auseinandersetzung der politisch-kulturell-religiöse Komplex." 17 Trivialisiert könnte man hier von Neid sprechen, da die Juden nicht nur von Cäsar mit Privilegien belohnt wurden, was vorallen dem Hellenen aufstieß. 18
CHRONOLOGIE KLEINASIENS
Neben einem sehr kurzen chronologischen Abriss der kleinasiatischen Geschichte, wird sich der Schwerpunkt in der Chronologie auf die römische Zeit bezieht, da es scheint, daß die Römer zeitweilig dem Juden sehr tolerant gegenüber auftraten, jedenfalls in den Orten die in dieser Arbeit berücksichtigt werden. 750 v. Chr.
• Die Phryger gründen zwischen dem heutigen Ankara und Eskisehir ein Reich, das sich bald bis an die ägäische Küste erstreckt. 680 v. Chr.
• Die Lyder errichten in West-Kleinasien ein reich, dessen hauptstadt Sardes ( das heutige Sart) in der nähe von Izmir liegt. 640 v. Chr.
• Der Perserkönig Kyros I. dehnt seine Herrschaft 19 über ganz Kleinasien aus. 550 v. Chr.
• Die Kimmerier zerstören das Phrygische Reich. Der letzte König, Midas, begeht Selbstmord. 546 v. Chr.
• Das Lyderreich wird vom Perserkönig Kyros II. erobert. 500 v. Chr.
13 Vgl. Bartnik, Petra C. im Neuen Lexikon des Judentums, S.263 14 Vgl. Elliger, S. 150 15 Vgl. Elliger, S. 151 16 Vgl. Yavetz, 1997, S. 38 17 Vgl. Mayer, 1991, S. 37 18 Vgl. Mayer, 1991, S. 37
19 Persische Reich war ein Vielvölkerstaat, sie Perser waren keine Seefahrer
6
•
Die ionischen Städte an der kleinasiatischen Küste erreichen ihre höchste Blüte. Unter Führung Milets schließen sich Smyrna, Ephesus, Priene u.a. zum io-
334 v. Chr.
• Alexander der Große überschreitet den Hellespont und schlägt 333 v. Chr. das persische Reichsherr bei Issos. 323 v. Chr.
• Alexander der Große stirbt und seine Feldherren Lysimachos, Antigonos und Seleukos herrschen als Diadochen in Kleinasien. 282 v. Chr.
• Philetairos macht sich mit dem Schatz des Lysimachos in Pergamon selbstständig und gründet das Pergamenische Reich. 133 v. Chr.
• Rom erbt das Pergamenische Reich und Kleinasien wird römsiche Provinz. 395 n. Chr.
• Das römische Reich wird geteilt und Kleinasien bildet nun das Kernland des Byzantinischen Reiches.
Die starke Präsenz der Römer in Kleinasien setzte 133 vor Chr. ein, als Attalos, König von Pergamon, sein Reich den Römern testamentarisch vererbte. Darauf annektierte Rom die weiteren Herrschaften, die sich auf dem Gebiet Kleinasiens befanden. Von Anfang an hatte der Reichtum viele Italiker, vor allem Kaufmänner und Steuereintreiber, nach Kleinasien getrieben. Ihre Gier führte aber auch zu grossen sozialen Differgenzien, die schliesslich im schrecklichen Aufstand des Jahres 88 vor Chr. mündeten, in dem 80'000 Menschen den Tod fanden. Kleinasien beruhigte sich erst wieder, als Kaiser Augustus an die Macht kam. Unter ihm setzte nun eine Periode des Wohlstandes und des Friedens ein, die bis ins 3. Jahrhundert anhalten sollte. Das Wohlergehen spiegelte sich in den zahlreichen grandiosen und prunkvollen Bauten wider. Ruinen aus der Zeit der Römer sind noch heute überall in Kleinasien zu finden. Und das nicht nur in Städten wie Ephesus, Pergamon, Miletus und Halicarnassus, sondern auch in kleineren Orten wie Sardis, Mylasa, Labraunda, Magnesia, Laodicea und Apamea, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Die Heiligtümer und religiösen Gemeinschaften der Einheimischen wurden von den Römern weiterhin geduldet. 20 Lediglich Roma und Augustus wurden als Gottheiten eingeführt. Literatur und Wissenschaft genossen ein hohes Ansehen in Kleinasien und so befanden sich eine der beiden wichtigsten medizinischen Fakultäten des Reiches in Ephesus.Die Haupteinnahmequelle Kleinasiens bildeten die Landwirtschaft und der Handel. Die kostbaren Güter wurden vornehmlich auf den alten Strassen der Achämeniden sowie auf zahlreichen , von den Römern angelegten Verkehrswegen, transportiert. Hohe Preise erzielte der purpurgeäderte Marmor aus den Steinbrüchen von Synnada in Phrygia sowie der rote Portasanta-Marmor aus Chios. In Blöcke geschlagen, wurde der Marmor auf spezielle Schiffe verladen, die ihn in die ganze Welt verschifften. Eine weiter Einnahmequelle war die Schafzucht und die Herstellung von Wolle und Pergament, das, zusammen mit Papyrus, das in antiker Zeit übliche Schreibmaterial darstellte. Andere Orte waren berühmt für die hervoragende Qualität ihrer Textil- und Wollwaren. Besonders teuer waren purpurfarbene Stoffe, die mit einem Farbstoff eingefärbt waren, den man aus Mollusken gewann. In
20 Ein Grundsatz der römischen Reichspolitik gebot, die Untertanen in ihren inneren Verhältnissen tunlichst sich selbst überlassen. Sie behielten, soweit möglich, ihre Selbstverwaltung und ihr heimisches Recht, und in Dingen der Religion übte Rom die Toleranz.[ Vgl. Kunkel, 2001, S. 49]
7
Hierapolis (heute Pamukkale) wusch man die Wolle in heissen Quellen, um die Farbe zu fixieren. Zu dem verfügte Kleinasien auch über reiche Erzvorkommen; vor allem Silber und Gold. Daher rührt auch die Sage um König Croesus, auf dessen Reichtum häufig in antiken Texten, wie zum Beispiel in der Ilias Homers, angespielt wurde.
Aphrodisias eine Stadt in Karia. Für sie kann der Ortsname erst im 3. Jh. v. Chr. belegt werden. Stadtcharakter erlangt sie besitzt sie erst seit dem 2./1. Jh. v. Chr. und ihre Hauptblüte hat sie während der Kaiserzeit im 1.-2. Jh. der Kaiserzeit. Die Stadt und der Aphrodite Kult wurde durch Cäsar, Antonius und die Kaiser von Augustus bis Gordianus III. gefördert. Dabei ist der Aphroditentempel schon in der Antike ein viel besuchter Pilgerort. Er wurde im 4. Jh. n. Chr. in eine christliche Basilika umgewandelt und als Bischofssitz von Karia in Stauropolis umbenannt.
Ephesos ist heute die tükische Kreisstadt Selcuk, an der Mündung des Kaystros, 80 km südlich von Izmir. "Was die Juden in Ephesos betrifft, so berichtet Flavius Josephus mehrfach von Gesandschaften an den Statthalter der Provinz Asia, wobei es immer um die Garantie der einmal den Juden gewährten Privilegien geht, also Freistellung vom Militärdienst, Einsammeln von Geldspenden für den Jerusalemer Tempel, freie Religionsausübung, Einhaltung des Sabbats. Und jedesmal erhalten die Juden die gewünschten Zusicherung, ob nun der Augustusfreund Erodes Agrippa oder der Statthalter Dolabella auf Wunsch des Hohenpriesters Hyrkanos sich brieflich an den Magistrat, Senat und Volk von Ephesos wendet." 21 Die jüdische Gemeinde in Sardis wurde eventuell schon im 5. Jh. v. Chr. von Exulanten aus Jerusalem gegründet und um 200 v. Chr. durch Ansiedlung von 2000 jüdischen Familien in Phygia und Lydia auf Befehl Antiochos III. verstärkt, Diese Gemeinde berief sich im 1. Jh. v. Chr. unter Cäsar auf ihren jahrhundertealten Bestand und erhielt durch Augustus das Privileg, die Tempelsteuer zu erheben und nach Jerusalem abzuführen. Nach 616 n. Chr. scheint jüdisches Leben in Sardeis erloschen zu sein.
FAZIT
Ohne ein eigenes Staatsgebiet, in der Diaspora lebend, waren sie in der Minderheit gegenüber Andersgläubigen. Und ohne einen Staat war die jüdische Gemeinschaft auf Toleranz und Schutzversprechen seitens der jeweiligen Mehrheit, mit der es zusammenlebte, angewiesen. Diese Sicherheit und Toleranz hat es nur selten gegeben. Dennoch ist die Leidensgeschichte nicht die ganze Geschichte der Juden. Es gab Zeiten, in denen das Verständnis, die Toleranz den jüdischen Glaubensgemeinschaften ein freieres Leben ermöglichte. Hier ist die Geschichte der Juden weniger eine Leidensgeschichte als vielmehr die Geschichte von den großen Leistungen jüdischer Gelehrter, Kaufleute, Wissenschaftler und Künstler. Die Zeit des babylonischen Exils ist für die religiöse Entwicklung der Juden wichtig, da die Messiasidee einen universalen Anspruch gewann. 22
ANHANG
21 Vgl. Elliger, 1985, S.154 22 Vgl. Demandt, 1995, S. 100
8
LITERATURVERZEICHNIS
• Alzinger, Wilhelm: Alt-Ephesos. Topographie und Architektur. In: Das Altertum, 13. Jg. (1967), H. 1, S. 20-44.
• Ameling, Walter: Die jüdischen Gemeinden im antiken Kleinasien. Aus: Jütte, Robert; Kustermann, Abraham P. (Hrsg.): Jüdische Gemeinden und Organisationsformen von der Antike bus zur Gegenwart. Köln u.a. 1996. (=Aschenkas. Beiheft. 3) S. 29-57.
• Schmidt, Michael (Hrsg.): Antisemitismus und jüdische Geschichte. Berlin 1987.
• Ginzel, Günther B. (Hrsg.): Antisemitismus. Erscheinungsformen der Judenfeindschaft gestern und heute. Bielefeld 1991.
• Schneider, Helmuth; Cancik, Hubert (Hrsg.): DNP. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart 1999. (= Iul-Lee. 6.)
• Olshausen, Eckart: Kleinasien. Aus: Schneider, Helmuth; Cancik, Hubert (Hrsg.): DNP. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart 1999. (=Iul-Lee. 6.) S. 514515.
• Elliger, Winfried: Ephesos. Geschichte einer antiken Weltstadt. Berlin u.a. 1985.
Günther, Matthias: Die Frühgeschichte des Christentums in Ephesus. Berlin 1995. (= Arbeiten zur Religion und Geschichte des Urchristentums.1) Kasher, Aryeh: Diaspora I./2. Frühjüdische und rabbinische Zeit. Aus: Müller, Gerhard (Hrsg.): TRE. Berlin 1990. (=Kirchenrechtsquellen-Kreuz.XIX) S. 712717.
• Meyer, E.: Ephesos Aus: Andresen, Carl u.a. (Hrsg.): Lexikon der Antiken Welt. Stuttgart 1965. S. 821-823.
• Bruckmüller, Ernst; Hartmann Peter Claus (Hrsg.): Putzger. Historischer Weltatlas. Berlin 2001.
• Rosen, Georg: Juden und Phönizer. Das antike Judentum als Missionsreligion und die Entstehung der jüdischen Diaspora. Tübingen 1929.
• Schuler, Christof: Ländliche Siedlungen und Gemeinden im hellenistischen und römischen Kleinasien. München 1998. (= Vestigia.50) Unnik, Willem Cornelis van (Hrsg.): Das Selbstverständnis der jüdischen Diaspora in der hellenistisch-römischen Zeit. Aus dem Nachlaß herrausggeben und bearbeitet von Pieter Willem van der Horst. Köln u.a. 1993. (= Arbeiten zur Geschichte des antiken Judentums und des Urchristentums.17)
• Wickert, Ulrich: Kleinasien. Aus: Müller, Gerhard (Hrsg.): TRE. Berlin 1990. (=Kirchenrechtsquellen-Kreuz.XIX) S. 244-265.
• Yavetz, Zvi: Judenfeindschaft in der Antike. Die Münchner Vorträge Eingeleitet von Christian Meier. München 1997. (= Bsr. 1222)
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Arbeit zitieren:
Anita Gerlach, 2002, Jüdische Gemeinden in Kleinasien - Akmonia; Aphrodisias; Ephesos; Sardeis, München, GRIN Verlag GmbH
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