1. Selbstreflexion und Fallbeispiel
Es war nicht wirklich leicht, ein Thema auszuwählen. Alles, was ich vorschlug, war entweder zu weitgehend, zu behavioristisch oder zu psychologisch. Nach langem Suchen jedoch stieß ich auf den Autismus und fand, in besonderem Betracht der pädagogischen Aspekte, ein sehr interessantes
Thema. Welche Ausmaße es mit sich bringen würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. In einem immensen Haufen von Informationen galt es nun, die Stecknadel zu finden. Dazu kam das Problem, dass ich kein Buch hatte, in dem ich Thema für Thema, Überschrift für Überschrift abklappern konnte, so wie es meine Kurskameraden tun. Was ich mir unter Autismus vor meinen Nachforschungen vorstellen konnte, war nicht mehr, als ein apathisches Kind, das ständig die gleiche Handlung wiederholt. Dann jedoch entdeckte ich die Hintergründe, Besonderheiten und Differenzierungen innerhalb des weiten Feldes mit dem Oberbegriff „Autismus“. Jedes Kind ist ein besonderer Individualfall in seinem Autismus, so dass es einen klassischen Autisten gar nicht gibt. Durch eine Bekannte, die im sonderschulpädagogischen Bereich tätig ist, bekam ich Kontakt zu einem autistischen Kind, mit der Unterform des Asperger Syndroms, das ich im Laufe des Referates auch noch näher belichten werde, und seinen Eltern. Das Kind ist neun Jahre alt und es bereitete mir starke
Schwierigkeiten, seine Sprache zu verstehen, da es viele eigenentwickelte Worte benutzte. Laut den Eltern hatte es das Sprechen überhaupt erst spät erlernt. Aber während meiner Beobachtungen zeigte es doch vermehrt Interesse, sich mitzuteilen, wenn auch auf eine für mich recht seltsame Weise. Mit seinen neun Jahren spielt es bereits hervorragend Klavier, allerdings nur Selbsterlerntes. Immer, wenn ich es nicht verstand, trat es an das Klavier und spielte eine von vier selbst komponierten Melodien auf dem Klavier vor. Die Eltern erzählen mir, dass sich das Kind auf diese Weise auszudrücken versuche. Wenn es kommuniziere, auf welche Weise auch immer, berichte es aus seinem Innenleben, auf die Wirkung von Umwelteinflüssen auf es selbst. Auf konkrete Fragen oder Antworten zu reagieren hinge von seiner Stimmung ab. Die Eltern betonten, dass die Intelligenz des Kindes nicht vermindert sei, es würde nur die Welt anders wahrnehmen, als wir es tun. Ich empfand das Zusammentreffen als höchst
interessant. Insbesondere, als ich mich, mit dem Gedanken an das Kind, mit dem Thema Wahrnehmung erneut auseinandersetze. In wiefern kann ich das beurteilen, was ich dort draußen sehe? Wie kann ich sicher sein, dass ein anderer Mensch mich kennt? Immer weiter und weiter geht des menschliche Geist, um den herum wir uns alles doch irgendwie eine eigene kleine Welt aufgebaut haben. Doch wie hoch ist die Mauer um diese kleine Welt in unseren Köpfen? Ist es überhaupt für einen anderen Menschen möglich, über in die Welt eines anderen einzudringen? An dieser Stelle könnte ich in eine philosophische Diskussion verfallen. Doch zurück zum Thema. Leider, wie ich erfahren musste, gibt es
viele Menschen mit autistischen Symptomen, die aber nicht als solche erkannt und behandelt werden. Daher würde ich einen allgemeinen Test im Kindesalter, auf jeden Fall vor dem fünften Lebensjahr, befürworten, damit das Syndrom rechtzeitig erkannt, bzw. ausgeschlossen werden kann. Ich bin mir bewusst, dass nur zwei bis vier von 10.000 Kindern betroffen sind, allerdings wäre ein solcher Test auch eine Chance, andere psychische Auffälligkeiten zu erkennen. Ebenfalls fand ich die verschiedenen Therapie-methoden höchst interessant, besonders mit dem Hintergrund, dass viele Therapien eine sehr differenzierte Sichtweise über die Ursachen von
Autismus und seine Unterformen hat.
Am Schluss möchte ich noch anmerken, dass ich letzten Endes froh war, kein Pädagogik-Buch in der Hand gehalten zu haben, sondern ganz auf mich selbst gestellt war. Das machte die Nachforschungen um einiges spannender und ich meine kognitiven Fähigkeiten wurden durch diese Arbeit besser
gefördert. Außerdem bin ich durch meine Nachforschungen auf ein Buch gestoßen, „Buntschatten und Fledermäuse“, was von einem Autisten selbst geschrieben wurde, was mich zusätzlich noch in die Thematik vertiefte und mir noch mehr Motivation gab, dieses Referat zu schreiben.
2. Grundbegriffe
Adäquat - angemessen, entsprechend
Echolalisch - nachhallend
Interdisziplinär - mehrfache (fachliche, wissenschaftliche) Disziplinen umfassend
Neuroleptika - zu den Psychopharmaka gehörende, dämpfend-entspannende Arzneimittel
Neuromotorik - vom Gehirn aus gesteuerte Nervenaktivität
Pathologie - die Lehre von den Krankheiten
Pharmakologisch - mit Arzneimitteln bewirkend
Psychogen - Eigenschaft, die aus der Psyche herrührt
Somatogen - Eigenschaft, die vom Körper neu erworben und nicht erblich ist
Stereotyp - eine dem Vorurteil ähnliche, vorgefasste, schablonenhafte Meinung einer Gruppe von sich selbst (Autostereotyp) oder für andere Gruppen (Heterostereotyp)
Validieren - sich als gültig erweisen
Die Wahrnehmung ist der Prozess der Informationsgewinnung und -verarbeitung.
Autismus - Was ist das?
Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die sich durch starke Selbstbezogenheit und Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der Kommunikation auszeichnet.
Unterformen des Autismus
Es sind vier Unterformen des Autismus bekannt, die von verschiedenen Ursachen herrühren. Gemeinsamkeit aller Formen des Autismus ist das gestörte
zwischenmenschliche Verhalten und Kommunikation.
Früherkennung und -förderung
Je früher autistische Verhaltensweisen in der kindlichen Entwicklung erkannt werden, desto früher können gezielte Hilfen eingesetzt werden, und zwar bereits in der Entwicklungsphase, in der noch kein hohes Maß an Einflussmöglichkeiten gegeben ist.
Ursachen von Autismus
Die Ergebnisse der Forschung ergeben, dass es keine Einzelursache gibt, die allein für die Entstehung einer autistischen Störung verantwortlich ist. Es gibt verschiedene Ansätze aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, die den Autismus in seinem Ursprung zu erklären versuchen.
Anwendung von Medikamenten
Die Anwendung von Medikamenten bei Autisten ist unabdingbar, wenn sie aggressives Verhalten aufweisen, das zur Selbstverletzung führen kann. Sie können ebenfalls einen positiven Effekt auf den Denkprozess und die Motorik haben.
Therapieformen
Es existieren Therapieansätze in so vielen unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen,
eine einzelne, eindeutig einschlagende Therapie wurde allerdings noch nicht entdeckt. Fast immer werden Mischformen von Therapien angewandt, um ein möglichst breites Spektrum der Weiterentwicklung zu gewährleisten.
Gestützte Kommunikation (FC)
Bei der gestützten Kommunikation (FC) handelt es sich um eine nonverbale Kommunikationsmethode für Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen.
Festhaltetherapie (Forced holding)
Das Kind hat in der frühesten Kindheit extreme Vernachlässigung erfahren, was zum Autismus geführt
hat. Dieser kann durch nachträgliche, unnachgiebige mütterliche Nähe ausgeglichen werden.
Erklärungsansatz
4.1 Wahrnehmung
Zum Verständnis der psychischen Krankheit Autismus ist es unumgehbar, einige Kenntnisse über den Wahrnehmungsprozess zu haben, da dieser der Teil ist, der beim Autismus das eigentliche Kernproblem darstellt. Dazu zunächst ein Schaubild, das den Prozess verdeutlichen soll:
Bei autistischen Menschen ist zu beobachten, dass sie nicht fähig sind, ihre Umwelt selbst zu organisieren und ein normal zwischenmenschliches Verhalten an den Tag zu legen. Sie erleben die
Umwelt anders, als Menschen ohne autistische
Störungen es tun. Das liegt daran, dass Autisten eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit haben.
Die Wahrnehmung ist der Prozess und das Ergebnis der Informationsgewinnung und Verarbeitung. Reize dringen aus der Umwelt über die Sinnesorgane ins Gehirn und in das Nervensystem. Sie lösen dort Reaktionen aus, die als Empfindungen bezeichnet werden. Da die Umwelt jedoch sehr komplex ist und der Mensch, besonders in der heutigen Zeit, ständig in einer Reizüberflutung leben würde, wenn er alle Reize aufnehmen würde, werden nur selektierte Reize überhaupt aufgenommen. Die Auswahl der Reize hängt von der Aufmerksamkeit des Menschen ab. Wenn mehrere Sinne von den Reizen angesprochen werden, ist die Informationsaufnahme leichter und vollständiger. Dabei werden die Empfindungen an Erfahrungen gekoppelt. Durch diese werden die
Empfindungen im Gehirn bewertet. Ebenso ist die Wahrnehmung durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Diese „gespeicherten Programme“ beinhalten individuelle, sowie soziale Faktoren. Zu den individuellen zählen persönliche Erfahrungen, subjektive Bedürfnisse und Triebe, Gefühle und Stimmungen, eigene Interessen und Werte, sowie eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zu den sozialen Faktoren zählen die Werte und Normen einer Gruppe, Vorurteile, Stereotypen, die von der Gesellschaft auferlegt werden, sowie der Einfluss anderer
Personen und Gruppen. Diese Faktoren lösen bestimmt Erwartungen aus und die Reize werden den Erwartungen angepasst. Außerdem wird die Wahrnehmung durch Gestaltgesetze strukturiert und durch Kon- stanzphänomene strukturiert. Fehler und Beein-
trächtigungen können die Wahrnehmung täuschen. Wahrnehmungsfehler werden unterschieden in verschiedenen Kategorien:
Das Verhalten wir auf Grund eines inneren Bildes interpretiert
Der soziale Zusammenhang und die soziale Rolle bestimmen die Wahrnehmung
Logische Fehler treten auf
Projektion
Primacy effect
Halo-Effekt
Die Wahrnehmungsbeeinträchtigung muss unterschieden werden in langfristige oder kurzfristige Beeinträchtigung, ob die Sinnesorgane normal funktionieren oder ob es sich um Halluzinationen oder Wahnvorstellungen handelt. Die Folgen von Wahrnehmungsbeeinträchtigungen sind Leistungsmängel im kognitiven, emotionalen und sozialen Bereich, sowie Orientierungsschwierigkeiten.
Nach der Verarbeitung der Empfindungen in
anbetracht der Beeinträchtigung der Wahrnehmung, wird eine Reaktion des Individuums durch Sprache, Motorik und Mimik wieder an die Umwelt abgegeben, was als „Feedback“ zu bezeichnen ist. Die Beeinträchtigung des Wahrnehmung beim Autisten ist schon daran zu erkennen, dass sie kein, bzw. ein ungewöhnliches Feedback an die Umwelt abgeben. Die Eindrücke, die über die Sinnesorgane aufgenommen werden, scheinen im Hirn anders ver- arbeitet zu werden. So reagieren sie teilweise gar
nicht, oder übersensibel auf eintreffende Reize. Allerdings haben Autisten eine geschärfte Wahrnehmung für Veränderungen und bemerken sofort Fehler in linearen Mustern.
4.2 Autismus - Was ist das?
Das Wort „Autismus“ selbst stammt vom Griechischen „autos“ (= „selbst“) ab. Der Begriff wurde 1911 von dem Schweizer Psychiater Bleuer geprägt, der die Symptomatik als Loslösung von der Wirklichkeit, zusammen mit dem relativen oder absoluten Überwiegen des Innenlebens bezeichnete. Resultiert ist die Erkenntnis aus der Forschung mit Schizophrenen; als „autistisch“ wurden diejenigen bezeichnet, die besonders starke Selbstbezogenheit und mangelnde soziale Integration aufwiesen. Autismus galt damals als eine Unterform der Schizophrenie und wurde erst 1943 durch den Psychiater Kanner genauer beschrieben. Dieser unterschied den Autismus von der Schizophrenie, in dem er erkannte, dass Autismus bereits, im Gegensatz zur Schizophrenie, bereits in der Kindheit beginnt. Erst in den achtziger Jahren wurde der Autismus als eine eigene diagnostische Kategorie anerkannt.
Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die sich durch starke Selbstbezogenheit und Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der Kommunikation auszeichnet. Spätestens bis zum dritten Lebensjahr treten die ersten Anzeichen auf. Dabei bemerken die Symptome als erstes die Bezugsperson Mutter oder Vater, zu denen das Kind nicht fähig ist, ein normal-kindliches Verhalten herzustellen. Die Kinder erwidern kein Lächeln, keine Geste und scheinen kein Wort zu verstehen. Veränderungen in ihrer Umwelt erregt sie sehr, sie reagieren darauf
mit großem Unbehagen. Ihre Phantasie und Interessen sind stark limitiert, so fällt auf, dass sie ein Spielzeug immer wieder in der gleichen Art und Weise benutzen, häufig in einer zweckentfremdeten Form. Sie sind nicht bereit, eigene „Spieltechniken“ zu entwickeln. Oft resultieren daraus jedoch selbststimulierende Verhaltensweisen, die teilweise bis zur Selbstverletzung reichen können. Auffällig ist auch die Sprache: Die Stimmmelodie, ungewohnte Betonungen, Geschwindigkeit und Töne unterscheiden sich von normal sprechenden Kindern. Ebenfalls wiederholen autistische Kinder immer wieder bestimmte Worte oder Sätze und erfinden selbst eigene Worte. Dadurch ist die Kommunikationsfähigkeit stark eingeschränkt. Die Intelligenz von autistischen Kindern ist sehr unterschiedlich. Oft können die erstaunliche Teildisziplinen erzielen, wie z.B. in der Musik, im Rechnen oder in technischen Aufgaben. Geistige Behinderungen sind allerdings auch zu beobachten. Nur zwei bis vier von 10.000 Kindern sind
autistisch, wobei Jungen drei- bis viermal häufiger als Mädchen betroffen sind. Autistische Störungen werden in vier Gruppen unterteilt, die in den folgenden Unterpunkten auch dargestellt werden. Gemeinsamkeit aller Formen des Autismus ist allerdings das gestörte zwischenmenschliche
Verhalten und Kommunikation. Dieses bereitet den Eltern große Schwierigkeiten, mit dem Kind in Kontakt zu treten, es und seine Welt zu verstehen.
4.3 Unterformen des Autismus
Der psychogene Autismus
Die Ursache für diese Unterform scheint starke Vernachlässigung des Kindes durch die Eltern zu sein. Daraus resultieren schwerwiegende Anzeichen emotionaler Gleichgültigkeit, fehlende Initiative von Seiten des Kindes und eine starke Störung in seiner Kommunikationsfähigkeit. Diese Form des Autismus kann jedoch meist durch starke Zuwendung und emotionalen Einschränkungen wieder ausgeglichen werden.
Der somatogene Autismus Der somatogene Autismus wird verursacht durch starke Schädigungen des Gehirns. Dazu kann z.B. durch mangelnde Sauerstoffaufnahme bei der
Geburt oder durch Hirnhautentzündungen, wie sie vor der Erfindung des Antibiotikums häufig auftrat, kommen. Kinder mit dieser Form des Autismus isolieren sich noch stärker von der Umwelt und sind nicht fähig, mit anderen in Kontakt zu treten. Die wenigsten Autisten dieser Art erlernen überhaupt das Sprechen.
Das Asperger Syndrom
Die ersten Symptome beim Asperger Syndrom treten erst zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auf. Das auffälligste an dieser Unterform des Autismus ist die gestörte Kontaktfähigkeit, die aber erst ab dem Vorschulalter bemerkbar wird.
Ebenso haben sie zwar Störungen in zwischenmenschlichen Beziehungen, die aber nicht so tiefgreifend wie beim Kanner-Syndrom sind. Bei autistischen Kindern mit dieser Unterform setzt die Sprachentwicklung zwar spät ein, es ist den Kindern dennoch möglich eine weitgehend perfekte Sprache zu erlernen. Allerdings zeichnet sich ihre Sprache ebenfalls durch eine ungewöhnliche Sprachmelodie aus. Ebenfalls neigen sie zu
Selbstgesprächen und gehen in einer Konversation wenig auf ihren Gegenüber ein. Trotz ihrer meist überdurchschnittlichen Intelligenz haben sie oft Lernschwierigkeiten, wofür mangelnde Konzentrationsfähigkeit und eigene, zu Ablenkungen führende, spontane Ideen verantwortlich sind. Die Kinder haben oft sehr eigene Interessen, die sie teilweise mit einer Humor- und Rücksichtslosigkeit auszuführen versuchen, dass sie die Geduld ihrer Edukanten oft auf die Probe stellen. Wenn die Kinder allerdings mit Regeln konfrontiert werden, reagieren sie darauf mit Aggressivität und sind ebenfalls den meisten, an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen. Im Erwachsenenalter ist es den meisten Autisten mit Asperger-Syndrom jedoch möglich, ein relativ normales, wenn auch isoliertes, Leben zu führen.
Das Kanner Syndrom
Die Syndrome bei dieser Unterform treten bereits in den ersten Lebensmonaten auf. Sie reagieren abneigend auf die Präsenz und die Zuneigung der Eltern. Das zwischenmenschliche Verhalten ist die größte Auffälligkeit beim Kanner Syndrom. Die Mitmenschen werde nicht nur als störend empfunden, das Kind nimmt sie gar nicht zur
Kenntnis. Ebenso sind Kommunikationsschwierigkeiten zu beobachten. Die meisten erlernen nie eine vollständige Sprache, wissen sich nicht auszudrücken und äußern Leid anhand von Schreien und lassen sich dann auch nur schwer beruhigen. Wenn sie denn eine Sprache erlernen, scheint es ihnen unmöglich zu sein, sich in die wenigen Bezugspersonen einzufühlen, Dinge von einer anderen Perspektive aus zu betrachten. Der kindliche Egozentrismus scheint das ganze Leben lang bestehen zu bleiben. Wenn sie sprechen, sind ihre Konversationen monoton, sie gehen nicht auf ihr Gegenüber ein und sprechen auch nur von sich selbst. Ein Kind mit dem Kanner-Syndrom schließt sich beim Spielen selbst aus; es beschäftigt sich mit Objekten, ohne ein gemeinsames Spielen mit anderen Kindern überhaupt in Betracht zu ziehen. Wie bereits erwähnt, es scheint sie überhaupt nicht wahrzunehmen. Die meisten beschäftigen sich außerdem nur mit Dingen linearem Aufbaus, wie z.B. Mustern, Fahr- und Stadtplänen. Besonders bei dieser Unterform des Autismus treten oft selbststimulierende Handlungen auf, die auch zu Selbstverletzungen kommen können. Ebenfalls wiederholen sie immer wieder gleiche Bewegungen und Handlungen. Die Intelligenz dieser Kinder ist stark vermindert, oft reicht es bis in den Bereich einer geistigen Behinderung.
4.4 Früherkennung und -förderung
Je früher autistische Verhaltensweisen in der kindlichen Entwicklung erkannt werden, desto früher können gezielte Hilfen eingesetzt werden, und zwar bereits in der Entwicklungsphase, in der noch kein hohes Maß an Einflussmöglichkeiten gegeben ist. Die Frühförderung autistischer Kinder, zu der die Bereiche Früherkennung, Frühbehandlung und Früherziehung zu rechnen sind, ist eine Aufgabe, die nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit geleistet werden kann. Medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen sind als Teile eines ganzheitlichen Konzepts, in dessen Mittelpunkt das autistische Kind und sein soziales Umfeld stehen, zu sehen. Ziele einer Frühförderung
autistischer Kinder sind eine rechtzeitige, differenzierte Diagnostik, die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung, Selbständigkeit und soziale
Integration. Erste Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes bemerken als erstes der nahestehende
Edukant. Dazu sind einige Merkmale zu beachten:
Bereich Wahrnehmung
Bereich Sprachverhalten
-
Bildet am Ende des 3. Monats noch keine
Bereich Sozialverhalten
-
Lacht bei Anblick der Mutter nicht
keiten
Bereich Motorik
-
Schlaffe, kraftlose Körperhaltung
Weitere Auffälligkeiten
4.5 Ursachen von Autismus
Autismus ist, wie zuvor beschrieben, in vier Untergruppen gegliedert, die alle von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen. Die Ergebnisse der Forschung ergeben, dass es keine Einzelursache gibt, die allein für die Entstehung einer autistischen Störung verantwortlich ist. Es gibt verschiedene Ansätze aus verschiedenen
Bereichen der Wissenschaft, die den Autismus in seinem Ursprung zu erklären versuchen. Die vier wichtigsten dieser Erklärungsversuche möchte ich hier darstellen.
Psychologische Aspekte
Lange Zeit hielt man den psychoanalytischen
4.6 Anwendung von Medikamenten
Zur Behandlung von Autismus werden verschiedene Medikamente eingesetzt, so z.B. Präparate, die auch bei der Therapie Schizophrener angewendet werden oder Mittel, die den Serotoninspiegel senken. Bei einigen Kindern kann dadurch eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten und des Verhaltens erreicht werden, es treten aber auch unerwünschte
Nebenwirkungen wie z.B. Reizbarkeit auf. Die medikamentöse Therapie ist unverzichtbar bei aggressiven Autisten, die auch zur Selbstverletzung neigen. In dem Fall werden Betablocker gegeben, die die Ausschüttung von Nervenbotenstoffen hemmen sollen. Durch Neuroleptika lassen sich auch
gestörte Denkprozesse und motorische Bewegungen positiv beeinflussen. Neuroleptika werden ebenfalls bei Patienten angewandt, die unter Schizophrenie leiden. Es gibt ein hohes Risiko für Nebenwirkungen, wie z.B. Muskelkrämpfe, Zittern, Sitz und Bewegungsunruhen sowie Antriebsschwäche. Es ist zu bemerken, dass Medikamente therapeutische Maßnahmen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen können. Um positive Ergebnisse in der Entwicklung von Autisten zu erzielen, ist eine pädagogische Therapie unumgänglich.
5.1 Therapieformen
Es gibt unglaublich viele Therapieformen, um eine Besserung des Autismus herbeizuführen, dem Autisten eine Lebenshilfe und eine Verbesserung der Lebensqualität darzubieten. Es existieren Therapieansätze in so vielen unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, eine einzelne, eindeutig einschlagende Therapie wurde allerdings noch nicht entdeckt. Fast immer werden Mischformen von Therapien angewandt, um ein möglichst breites Spektrum der Weiterentwicklung zu gewährleisten. Viele Therapien sind sehr umstritten, besonders im pharmakologischen Bereich, wenn man sich mit Betroffenen unterhält, auch im psychoanalytischen Bereich. Als Grundsatz jeder Therapie sollte folgendes gelten: In jeder Förderung sollte das Akzeptieren des Autisten als eine einmalige Persönlichkeit
fundiert sein, ebenso wie ein Wissen um die entwicklungspsychologischen und entwicklungspathologischen Zusammenhänge und ein therapeutisches und pädagogisches Gesamtkonzept.
Im folgenden möchte ich zwei Formen der
pädagogischen Anwendung vorstellen, die zwar,
wie jede Therapieform umstritten sind, sich aber in vielen Fällen ebenfalls bewährt haben und außerdem weit verbreitet sind.
5.2 Gestützte Kommunikation (FC)
Der zwischenmenschliche Austausch über die
Sprache, mitzuteilen, was man möchte und was nicht, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Menschen, die über Sprache verfügen, sind sich über die große Bedeutung von Kommunikation vermutlich nicht immer bewusst. Rosemary Crossley entwickelte Mitte der 70er Jahre eine Methode der gestützten Kommunikation (engl.:
Facilitated Communication, Abk.: „FC“) mit Anne McDonald, einer schwerst körperbehinderten Frau, um ihr die Fähigkeit zu geben, sich mitzuteilen. 1994 gab Crossley folgendes Statement ab: „Kommunikation fällt in die gleiche Kategorie wie Essen, Trinken und Schutz - sie ist lebenswichtig. Ohne sie ist Leben wertlos.“ Die Kommunikation stellt die Grundlage jeden Kontaktes, jeder Beziehung und Interaktion dar. Viele Personen mit Autismus verfügen nicht über effektive Kommunikationsmöglichkeiten. Die Bezeichnung „schwere Kommunikationsstörung“ bedeutet allerdings nicht, dass diese Menschen nicht sprechen können. Ihre Sprache ist sehr unterschiedlich; reicht von echolalisch bzw. stereotyp bis zu einer, für die Umwelt, un- verständliche Sprache. Diese Menschen benötigen
eine intensive und individuelle Förderung ihrer kommunikativen Kompetenzen. Autisten können
insbesondere von der gestützten Kommunikation profitieren. Bei der gestützten Kommunikation (FC) handelt es sich um eine nonverbale
Kommunikationsmethode für Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen. FC hat das Ziel,
größtmögliche Unabhängigkeit in der Benutzung von Kommunikationshilfen zu schaffen. FC ermöglicht schwer behinderten Menschen, auf Objekte, Bilder, Symbole und Wörter zu zeigen und sich so mitzuteilen. Folglich geht es primär um die Ermöglichung des gezielten Zeigens, worauf gezeigt wird, ist zweitrangig. So wird den Menschen, die weder Schreiben, Lesen oder Sprechen können, ermöglicht, zu „zeigen“, was sie verlangen oder bewegt. Viele Autisten haben jedoch auch bereits Kenntnisse im Lesen und Schreiben, konnten jedoch nie ihre Fähigkeiten zeigen.
Bei der gestützten Kommunikation gibt es einen Kommunikationspartner, den „Stützer“, der dem Gestützten „FC-Schreiber“ physische, verbale und emotionale Unterstützung gibt. Der Stützer führt hierbei nicht, sondern gibt Gegendruck und gibt dem Impuls des FC-Schreibers nach. In der physischen Unterstützung kann Hand, Unterarm, Oberarm oder Schulter gestützt werden, damit es einen erleichterten Einstieg ins Zeigen oder auch Schreiben gewährleistet. „Ausblenden“ wird als Prozess des Reduzierens der physischen Stütze bezeichnet, jedoch ist auch zu beachten, dass es auch FC-Schreiber gibt, bei denen die Stütze auf Grund emotionaler und neuromotorischer Beeinträchtigungen nie ganz
ausgeblendet werden kann. Die physische Stütze bietet dem FC-Schreiber eine individuelle
Hilfestellung zur motorischen Kontrolle und gezielten Hilfeleistung. Das geschieht durch folgendes:
Halten
der Hand des FC-Schreibers in einer für die Zielbewegung günstigen Ausgangsposition Hilfen
zur Zeigefingerisolierung
Bessere Orientierung durch das Spüren der Berührung durch den Stützer
Erleichterung des Bewegungsbeginns
Zeitweilige Normalisierung bei zu niedriger oder zu hoher Muskelspannung Bremsen
von überschießenden Bewegungen
Hochziehen der Hand des FC-Schreibers durch Stützperson zur Verhinderung von ständigen
Ermöglichen eines rhythmischen Bewegungsablaufes
Autisten haben außerdem noch Probleme mit der Aufmerksamkeitslenkung. Dazu gibt der Stützer
zusätzlich verbale Hilfen zur Aufrechterhaltung der Konzentration und Fokussierung auf das Kommunikationsgerät. Es ist außerdem wichtig, anfangs Aufgaben zu wählen, die Leicht zu bewältigen sind, um Fehler vorzubeugen, da Autisten eine geringe Frustrationstoleranz haben. Eine reizarme Umgebung, verbale Ermutigungen und positives Feedback dienen ebenfalls zur Konzentrations- und Leistungsverbesserung. Kritiker zweifeln die Fortschritte durch FC an, da die davon ausgehen, dass der FC-Schreiber durch die Stützperson beeinflusst ist und die Ergebnisse der gestützten Kommunikation eher von
Stützer als vom FC-Schreiber stammen. Allerdings ist Einfluss in jeder Kommunikation vorhanden, so eben auch bei der gestützten Kommunikation.
Allerdings ist die Gefahr der Manipulation durch den Stützer durchaus, besonders durch den engen physischen Kontakt, gegeben. Darüber sollte sich der Stützer im Klaren sein. Zur Überprüfung der Validität von FC werden Beweisführungsstudien durchgeführt, bei denen man methodisch primär zwischen qualitativen und quantitativ-experimentellen Studien unterscheidet. Die quantitativen Studien arbeiten dabei mit dem „message passing“, d.h. sie überprüfen die Fähigkeit des FC-Schreibers, ihren Stützern mittels FC unbekannte,
verifizierbare Informationen zu übermitteln. Bis 1994 schienen alle Überprüfungen das Ergebnis zu haben, dass sich FC nicht bewährt hat, die FC-Schreiber bestanden nicht. Mit dem Ändern der Testbedingungen änderten sich jedoch auch die Ergenisse; fortan ließ man die beteiligten FC-Schreiber unter kontrollierten Bedingungen ihre Kommunikation validieren. Laut dem Verband „Hilfe für das autistische Kind“ ist eine generelle Aussage über die Validität von FC nicht möglich. Man betont, dass sich das Kind in einem ständigen Lernprozess und Testfähigkeiten wie „messagepassing“ durch Übung zu erwerbende Fertigkeiten darstellt, die nicht von vorn herein vorausgesetzt werden können.
Durch die gestützte Kommunikation verändert sich allerdings nicht nur die Mitteilungsfähigkeit, sondern es wurden auch andere Veränderungen im Leben der betroffenen Autisten beobachtet:
Positive Verhaltensänderung (z.B. Zunahme der Selbststeuerung)
Erweiterung der Freizeitangebote und Ermöglichung einer größeren Anteilnahme am
Familienleben
Zunahme an Selbstbewusstsein
Ermöglichung von Brieffreundschaften
Neue Perspektiven hinsichtlich Bildung ind Schule Neben den genannten positiven Effekten gibt es jedoch auch Probleme, die sich daraus ergeben:
Zukunftsgestaltung Äußerung unbequemer Fragen Fixierung des FC-Schreibers auf einen bestimmten Stützer
FC-Schreiber arbeiten nicht mit allen Stützern gleich gut
Schwankungen in der Mitteilungsfähigkeit
Zum Schluss muss man auch bei dieser Methode bemerken, dass eine Verbesserung der autistischen Syndrome durch FC sehr unterschiedlich ist, und die Therapie individuell gestaltet werden muss, um überhaupt Erfolge zu erzielen. Eine Heilung vom Autismus kann es natürlich nicht geben. Allerdings sind in vielen Fällen sehr positive Verhaltensänderungen beobachtet worden. Manche Autisten
reagieren auch gar nicht auf FC, so dass für diese eine alternative, adäquate Kommunikationsmöglichkeit gefunden werden sollte. Wenn sich allerdings Veränderungen einstellen, so ist das eine Chance, die Zukunft des Autisten anders auszurichten. Diese Herausforderung gilt es anzunehmen mit gemeinsam mit allen Beteiligten zu überlegen, wie der Autist
in seiner Gesamtpersönlichkeit am adäquatesten gefördert und respektiert werden kann.
5.3 Festhaltetherapie (Forced holding)
In den 70er Jahren entwickelte die Kinder-
den niederländisch-britischen Verhaltensforschern Niko und Elisabeth A. Tinbergen die Festhaltetherapie (engl. „Forced holding“). 1973 wurde die Therapie auch durch den Nobelpreisträger Niko Tinbergen und seine Frau nach Deutschland gebracht. Die Tinbergens waren der Auffassung, dass genetische Disposition und organische Grundlagen bei der Entstehung von Autismus beteiligt sein könnten, der Ursprung allerdings liege im psychischen
Bereich. Die Grundannahmen für die Festhaltetherapie sind folgende:
Autistische Störungen sind Störungen des
Um
das gestörte Gleichgewicht wieder herzu-
aktiv an der Therapie beteiligt. Der Therapeut zielt darauf aus, eine intakte Verbindung zwischen Mutter und Kind wieder herzustellen. Praktiziert wird die Festhaltetherapie auf einer weichen Unterlage, auf dem die Mutter das Kidn auf dem Schoß halten muss; so, dass das Kind der Mutter direkt in die Augen blicken kann. Der Vater soll sich neben die Mutter setzen und einen Arm um ihren Nacken legen. Die Mutter legt die Arme des Kindes um ihren eigenen Körper und hält diese unter ihren eigenen Armen fest. So kann sie den Kopf des Kindes halten, um Blickkontakt zu gewährleisten. Die Mutter muss das Kind konstant festhalten, auch, wenn es sich wehrt. Sie darf es keinesfalls zu früh loslassen. Ein Loslassen ist erst erlaubt, wenn das Kind den Widerstand aufgibt und sich an den Körper der Mutter schmiegt. Die Übung kann sich über mehrere stunden hinziehen und es wird geraten, sie täglich anzuwenden, auch wenn das Kind dabei einen unglücklichen Eindruck macht. Die Fortschritte in der Therapie spüren sowohl Kind als auch die Eltern. Es geht bei der Festhaltetherapie nicht ausschließlich um das Kind, sondern auch um die Gefühle der Mutter, sowie um das Verhältnis
zwischen den beiden Elternteilen. Der Therapeut hat dabei viele Aufgaben, die es abzuschätzen und auszuführen gilt. Dabei ist es wichtig, dass er die Mutter dazu antreibt, das Kind trotz Widerstand zu halten, auch wenn sie davor Hemmungen hat.
Ebenfalls muss er Zeichen erkennen, die Mutter und Kind einander geben, eventuell jedoch missverstanden werden, um sie dann zu übersetzen. So können Schwierigkeiten zwischen Mutter und Kind, aber auch zwischen der Mutter und anderen
Familienmitgliedern ausgeräumt werden, die auf Missverständnissen beruhen. Der Therapeut muss auch Wut und Frustration von Mutter und Kind über sich ergehen lassen und mit seiner Gelassenheit ein gutes Beispiel für die Mutter geben. Außerdem muss er die Hilfe des Vaters gewinnen, die wichtig ist, dass Mutter und Vater sich halten können, wenn die Mutter das Kind hält. Auch der Vater muss lernen, das Kind zu halten. Er muss die anderen Kinder an sich halten, während die Mutter das autistische Kind hält. Der Therapeut hat außerdem die Aufgabe, die Fragen, die die Mutter bezüglich der Beziehung zu anderen Menschen, insbesondere innerhalb der Familie hat, durcharbeiten und analysieren. Die Festhaltetherapie hat schnelle und gute Erfolge zu verzeichnen. Besonders praktisch ist sie, weil sie ambulant durchgeführt werden kann. Anfangs ist der Therapeut als Leiter und Begleitperson dabei, später kann die Therapie auch zu Hause weitergeführt werden. Die Therapie lässt sich auf das „Im Arm halten“ zurückführen, mit dem Kleinkinder von den Eltern getröstet werden. Sie soll also das autistische Abschotten des Kindes unterbrechen und einen Bezug zu den Eltern herstellen. Es ist wichtig, mit der Festhaltetherapie so früh wie
möglich zu beginnen, d.h., in einem Stadium, in dem die Eltern dem Kind auf jeden Fall noch körperlich überlegen sind. Ist das Kind zu groß und zu schwer zu halten, muss auf eine andere Therapie auswichen werden.
Trotz der zu verzeichnenden Erfolge der Therapie gibt es viele Kritiken zur Festhaltetherapie. Zum einen führt die Therapie auf das klassische Konditionieren zurück, was heißt, dass sich das Kind ein bestimmtes Verhalten aneignet, das durch ein bestimmtes Signal ausgelöst wird. Daraus lässt sich ableiten, dass das Kind erlernt, sich in den Armen der Mutter ruhig zu verhalten, um so schnell wie möglich wieder losgelassen zu werden. Ebenso können aggressive Verhaltensweisen auftreten, die die Distanz zwischen Kind und Eltern noch
vergrößern. Die Therapie ist, wie der Name „Forced holding“ schon ausdrückt, ein „erzwungenes Halten“; wenn es also erzwungen wird, so stellt sich die Frage, in wie weit die Persönlichkeit des Autisten bei dieser Therapie respektiert wird. Für den Autisten ist die Therapie eine Traktur des Zwanges ohne beziehungsmäßige Entsprechung. Da das Kind die Berührung der Eltern als äußerst unangenehm empfindet, stehen Sinn und Handlung für das Kind im Widerspruch zueinander. Ebenfalls kann die Festhaltetherapie als Machausübung gegen Schutzbefohlene angesehen werden. Dabei ist das Kind dem Elternteil sowohl im kognitiven, als auch im körperlichen Bereich unterlegen und steht dazu in einem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern. Die Eltern nutzen dabei die Angst des Kindes vor engem Kontakt als Angriffsfläche für ihr Handeln. Zu beachten ist ebenfalls, dass das Kind „bei Erfolg der Therapie“ aufgegeben hat, d.h. man
hat den Willen des Kindes gebrochen, was wiederum Auswirkungen auf sein späteres Verhalten haben kann. Die Festhaltetherapie hat besonders viele Kritiken, da die Persönlichkeit des Kindes nicht respektiert wird. Dennoch hat die Festhaltetherapie auch besonders gute Nebeneffekte, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. So dient sie nebenbei auch noch als Familientherapie, da sich der Therapeut, wie oben schon angesprochen, auch mit der intrafamiliären Interaktion beschäftigt, diese analysiert und auch dort Probleme beheben kann. Außerdem wird die Beziehung zwischen den beiden Elternteilen verstärkt, da beide Eltern eisern für ein gemeinsames Ziel stehen und sich in der Erreichung dessen gegenseitig unterstützen. Ebenfalls durch Konditionierung erlernt das Kind aber auch, dass die Arme der Mutter Schutz vor anderen unangenehmen Situationen bedeuten können. Dieses ist die Kehrseite der oben angesprochenen Auswirkung von klassischem Konditionierung in der Festhaltetherapie.
Wie in jeder Therapie gilt es, den Ist-Wert mit dem Soll-Wert zu vergleichen und mögliche Abweichungen vom Soll-Wert abzuschätzen. Wie bereits erwähnt gibt es gegen Autismus kein Patent-Rezept und auch keine Therapie, immer zuverlässig wirkt, ohne dass Misserfolge zu verzeichnen sind.
6. Fragen zum Thema „Psychische
1. Nennen Sie die vier Unterformen von Autismus! 2. Nennen Sie sechs Auffälligkeiten, die bei einem Kind auf Autismus hinweisen können! 3. Nennen Sie vier Aufgaben, die der Stützer bei der Gestützten Kommunikation hat!
Beschreiben:
1. Beschreiben Sie zwei mögliche Ursachen von Autismus!
2. Beschreiben Sie die Wirkung von Medikamenten auf den Autisten!
3. Beschreiben Sie die biochemischen Einflüsse, die als Ursache für Autismus gelten!
1. Erklären Sie die Wichtigkeit der Früherkennung und -förderung von autistischen Kindern! 2. Erklären Sie, was Autismus ist! 3. Erklären Sie den Unterschied zwischen dem Asperger und dem Kanner Syndrom!
Diskutieren:
1. Diskutieren Sie die Validität von gestützter Kommunikation!
2. Diskutieren Sie die Durchführung der Festhaltetherapie!
3. Diskutieren Sie den Einbezug der Eltern in den Therapieverlauf!
Michel, Novak
Weiß,
Michaela „Autismus-Therapien im Vergleich“
2002,
Bundesverband HAK
Bundesverband HAK, Wissenschaftlicher Beirat
http://www.autismus.de
http://www.thz-autismus.de
http://www.medicine-worldwide.de
http://www.autismus-online.de
http://www.autismus-nordbaden.de
http://www.uni-bamberg.de
http://www.autism.org
http://www.autismus-muenchen.de
http://www.dialogische-fachdidaktik.de
http://www.spicken.de
http://info.uibk.ac.at
Arbeit zitieren:
Julia Philippi, 2002, Psychische Krankheit - Autismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
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manu
Autismus.
Hallo Julia!
Ich habe ein FSJ in einer Therapieambulanz für autistische Kinder und Jugendliche gemacht. Ich muß sagen, deine Hausarbeit ist super ausführlich und gut zu verstehen. Habe auch eine Hausarbeit über Autismus geschrieben, allerdings kürzer. Find´s auf jeden Fall sehr gut und auch schön, dass du dich dafür interessierst.
am Tuesday, January 07, 2003-