1. Einordnung des Begriffs „ Lehrerverhalten“ i. d. päd. Psychologie
In der pädagogischen Psychologie ist die Untersuchung des Lehrerverhaltens Teil des Forschungsgebiets „pädagogische Interaktion“, insbesondere der Schüler-Lehrer-Interaktion.
Interaktion meint die Gesamtheit des (kommunikativen) Verhaltens von aufeinander Bezug nehmenden Subjekten.
In der sozialen Interaktion beeinflussen sich Individuen gegenseitig und richten ihr Handeln aneinander aus. Dies führt dazu, dass Individuen ihre spezifische Identität mit und im Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Gesellschaft ausbilden und sich im Interaktionsprozess zu bewähren haben.
Folglich ist das aufeinander Bezug nehmen von Lehrern und Schülern auch ein Interaktionsprozess.
Im Fokus der Analyse dieser Schüler-Lehrer-Interaktion steht das wechselseitige Auf-einanderwirken von Schülern und Lehrern in der Schule in bezug auf das Wahrnehmen, die Kommunikation, das Beurteilen und Beeinflussen. Der Interaktionsprozess kann in drei Ebenen unterteilt werden:
Zentraler Untersuchungsgegenstand auf der
1. Verhaltensebene: das direkt beobachtbare Agieren und Reagieren 2. Inhaltsebene: das Vermitteln von Wissen nach Inhalt und Methodik 3. Beziehungsebene: das wechselseitige Wahrnehmen und Deuten des Anderen (von z.b. Motivation, Vorstellungen, Erwartungen und Emotionen)
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2. Erwartungen als ein Indikator des Lehrerverhaltens
Wie wichtig und brisant die Folgen des gegenseitigen Erlebens, Wahrnehmens sein kann, nicht nur für die aktuelle Interaktionssituation, sondern darüber hinaus auch für die langfristige Entwicklung des Interaktionspartners zeigt z.b. die Studie von Rosenthal & Jakobson (1968).
Die Studie samt Ergebnisse wird im weiteren Verlauf noch beschrieben In der Studie wird als spezieller Aspekt der Beziehung zwischen Schülern und Lehrern die Auswirkungen von Lehrererwartungen auf die Schülerleistung untersucht. Für das einheitliche Verständnis des Begriffes Erwartungen eine hier verwendete Definition.
Erwartung bezeichnet eine subjektive Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, die eine Person über das Eintreten eines Ereignisses zu einem bestimmten Zeitpunkt hat. Jeder Erwartung liegt die Erfahrung der Person oder ihr Wissen über den Gegens-tand der Erwartung zugrunde, aufgrund dessen diese Einschätzung angestellt wird. Self-fulfilling prophecy
Bereits 1948 beschrieb der Soziologe Robert Merton ein Phänomen, das er „selffulfilling prophecy“ (eine sich-selbst-erfüllende Prophezeiung) nannte. Er beschrieb damit den Bankrott einer amerikanischen Bank, der dadurch ausgelöst wurde, dass aufgebrachte Kunden all ihre Einlagen von der Bank abhoben, denn es kursierte das Gerücht, dass die Bank bereits zahlungsunfähig sei. Diese Prophezeiung entsprach zunächst nicht den Tatsachen, die Insolvenz wurde erst dadurch erreicht, dass die Kunden der Bank ihr Geld abhoben - die Prophezeiung hatte sich selbst erfüllt! Forschungsarbeiten, wie von Rosenthal & Jakobson legen nahe, dass die Erwartungen von Lehrern bezüglich des Leistungspotentials von Schülern eklatante Auswirkungen auf Schüler in bezug auf ihre Leistungen und sogar Intelligenz haben.
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2.1 Studie von Rosenthal & Jakobson
Getestet wurde, ob die Erwartung eines Lehrers bezüglich der zukünftigen Intelligenzentwicklung seiner Schüler einen Einfluss auf deren tatsächliche Entwicklung hat.
Ein solcher Einfluss wurde von ihnen„Pygmalioneffekt“ genannt, nach der griechischen Sage vom König Pygmalion, der sich eine Frauenstatue nach seinem Ideal schuf, die dann zum Leben erweckt wurde. Annahme
Ein solcher Einfluss wäre ablesbar an der Korrelation einer künstlich induzierten Lehrererwartung mit der tatsächlichen IQ-Entwicklung der Schüler. Durchführung
1. Durchführung eines Intelligenztestes bei Schülern der 1.-5. Klasse (angeblich im Rahmen einer Evaluationsstudie)
2. Mitteilung an die Lehrer, dass dieser Test u.a. Aufschluss darüber gäbe, welche Kinder sich in nächster Zeit durch einen überdurchschnittlichen Intelligenzzuwachs auszeichnen würden. (=> ungleich normaler Intelligenztest)
3. Anschließend wurden 20 Prozent der Schüler mittels Zufallsprinzips ausgewählt und den Lehrern als solche „Schnellentwickler“ bekannt gegeben.
4. Nach acht Monaten wurde wiederum ein gewöhnlicher Intelligenztest durchgeführt.
(i. d. Z. kein Kontakt zwischen Forschungsteam zu Schülern und Lehrern) Ergebnis
1. Die Ergebnisse stützten die Hypothese teilweise.
2. Zumindest in den unteren Schulklassen wiesen die angeblichen „Schnellentwickler“ in dem Untersuchungszeitraum von acht Monaten einen überdurchschnittlichen Intelligenzzuwachs auf. Interpretation
Es erfolgte folgende Generalisierung von den Wissenschaftlern „Erwarten die Lehrer von den Kindern größere intellektuelle Fortschritte, so machen sich diese auch tatsächlich bei den Kindern bemerkbar.“
Die Studie sei hier erwähnt, obwohl Methodik wie Interpretation der Ergebnisse stark kritisiert wurde. Misstrauen gegen die Gültigkeit der Befunde dieser Studie erregten z.B. 1. das überdurchschnittlich häufige Auftreten extremer IQ-Werte unter den Schülern
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2. sowie die Tatsache, dass die stark unterschiedlichen IQ-Ausgangswerte einen Vergleich der Intelligenzentwicklungen kaum zuließen, 3. zumal die Ausfallrate unter den Schülern hoch war.
Trotz aller Mängel gilt die Studie als klassischer Beitrag zur Erforschung von Erwartungseffekten im pädagogischen Rahmen.
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2.2 Erklärungsmodell von Heckhausen, 1976 (Erwartungen als self-fulfilling prophecies)
Anhand des Modells wird folgend psychologisch erklärt, durch welche Mechanismen sich die Erwartungen des Lehrers auf den Schüler übertragen.
a) Auswirkung der Lehrererwartung auf sein Verhalten
b) Auswirkung des Lehrerverhaltens auf den Schülern These Lehrererwartungen wirken wie self-fulfilling prophecies Annahme
1. Erwartung eines Lehrers bezüglich eines Schülers basiert aufgrund von Vorerfahrung, vorab Informationen und/oder Anwendung von Stereotypen.
2. Erwartung wird von diesem Lehrer in Verhalten umgesetzt. Erwartet z.b. der Lehrer von seinem Schüler, dass dieser durch Unbegabtheit und Faulheit glänzt, wird er ihm weniger freundlich begegnen, ihn weniger in den Unterricht einbeziehen und bei falschen oder unvollständigen Antworten weniger weiterführende Fragen stellen.
3. Schüler nimmt dieses Lehrerverhalten mehr oder weniger bewusst wahr und reagiert gemäß der Lehrererwartungen:
Schüler wird unaufmerksam werden und die Ablehnung des Lehrers mit negativen Emotionen und Handlungen erwidern. Dieses Verhalten wiederum bestätigt u. verstärkt die Lehrererwartung. Der Kreislauf der gegenseitigen Einflussnahme ist geschlossen und nur schwer zu durchbrechen.
Im folgenden wollen wir klären, ob sich diese Annahmen halten lassen
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3 . In te ra k tio n sm o d e ll v o n A rg y le u . K e n d o n
(1 9 6 7 )
1. Schlussfolgerung
das eigene Motiv eigenes Wahrnehmen Wahrnehmung des und der Erwartung des Anderen Anderen von einem selbst
Wahrnehmung
4. Probleme der sozialen Wahrnehmung (Die Schwierigkeit den Anderen richtig einzuschätzen)
Ziel der sozialen Wahrnehmung
Um (erfolgreich) interagieren zu können, müssen wir in der Lage sein den anderen (richtig) einzuschätzen. Vorgang der sozialen Wahrnehmung
Versuch etwas nicht fassbares, nicht gegenständliches zu erfassen. wie der Charakter oder auch nur einzelne Charaktermerkmale der Person Bezug auch auf Dinge, die nicht in materieller Form beobachtbar sind. Problem
1. Aufgrund der Masse an gebotenen Informationen => selektive Auswahl der gebote-
Stereotypisierung - Verewigung eines vereinfachten Bildes einer Kategorie von
-
3.Personen, die einem Selbst zu ähneln scheinen, werden positiver wahrgenommen = motivationsbedingte Verzerrung
4. Personen verhalten sich von Situation zu Situation keineswegs konsistent
5. Eigene Stimmung in der jeweiligen Situation kann die Wahrnehmung trüben
2. Schlussfolgerung
Das Bild von einem Anderen ist oftmals eher ein Bild von einem Selbst, da durch jeweilige subjektive Konstruktionen beeinflusst wird,
1. welche Aspekte wahrgenommen werden und
2. welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.
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5. FAZIT
Folgende vier Bedingungen sind zu erfüllen, damit die self-fulfilling prophecy wirken kann.
1. Die Erwartung des Lehrers über das Leistungspotential des Schülers muss stark von dessen tatsächlichem Potential abweichen
Das bedeutet, dass der Lehrer das Leistungspotential des Schülers deutlich über- oder unterschätzen muss.
Hiergegen ist einzuwenden, dass die Erwartung eines Lehrers über die langfristigen Leistungen seiner Schüler meistens erstaunlich genau ist.
2. Die Erwartungen müssen zeitlich stabil sein und dürfen sich nicht dem tatsächlichen Schülerverhalten anpassen.
Bedingung kann nicht als selbstverständlich erfüllt angesehen werden.
werden der Realität angepasst kann sich immunisieren
3. Ein Erwartungseffekt kann nur auftreten, wenn die Erwartung sich deutlich und konsistent auf die Handlungen des Lehrers dem Schüler gegenüber auswirkt. Vorbehalte, denn Lehrererwartung wirkt sich konsistent auf sein Verhalten aus
reaktives- proaktives- inkosistentes
trifft ein trifft nicht ein
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4. Erwartungseffekte können nur dann auftreten, wenn die Person, über welche die Erwartung angestellt wird, diese auch wahrnimmt und annimmt. Vorbehalt aufgrund
1. der schon aufgezeigten Problematik der Wahrnehmung,
2. der Frage, ob der Schüler sein Verhalten den Erwartungen überhaupt anpasst
Zusammenfassend zeigen die Befunde dass Lehrererwartungen zu einem Großteil auf angemessenen Kriterien beruhen und realistisch sind (außer die Erwartung hinsichtlich der Anstrengung)
Insgesamt schätzen die Autoren den Effekt, der sich auf den Pygmalioneffekt zurückführen lässt, sehr gering ein. Nur. 0,3 Standardabweichung der Leistungsverbesserung eines Schülers lassen sich nach Good bzw. nach Cooper (1983; nach: Hofer, 1996) mit ihm erklären.
3. Schlussfolgerung
1. Pygmalioneffekt existiert tatsächlich
2. Seine Effekte sind jedoch nicht so drastisch wie ursprünglich angenommen.
3. Für falsch ist der Schluss zu halten, dass es sich um ein vollkommen vernach-
lässigbares Phänomen handelt.
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6. Resümee für das eigene erwartungsgeprägte Verhalten
Sich bewusst machen, worauf die Erwartungshaltung einem Schüler gegenüberberuht.
Auf eigene Vorerfahrungen mit ihm? Auf Vorurteilen? Auf Übertragung von Emotionen, die eigentlich nichts mit ihm zu tun haben? Die Wahrnehmung von Schülerleistungen bewusster zu gestalten z.B. auch gezielt auf Beiträge von sonst wenig beachteten Schülern zu konzentrieren. Die Bewertung der Schülerleistung zu objektivieren, z.B. Arbeiten zu korrigieren, ohne zuvor zu schauen, von wem sie stammen. Vorsicht walten zu lassen bei der Äußerung der Attribuierung von Leistungen, z.B. bei der Formulierung von Kommentaren zu Schularbeiten (also etwa nicht schreiben „Wie zu erwarten miserabel.“; sondern anstatt nur Kritik auch positive Erwartungen äußern)
Über die obigen Maßnahmen nicht nur die Lehrererwartungen angemessener zu gestalten, sondern durch die Kommunikation dieser auch dem Schüler zu einer angemessenen Selbsteinschätzung (Selbstkonzept) zu verhelfen, die ihn so z.B. vor der Verletzung seines Selbstwertgefühls durch ständige Enttäuschung bewahren kann.
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Arbeit zitieren:
Anne Kampmann, 2003, Lehrerverhalten und Schülerleistung, München, GRIN Verlag GmbH
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