Inhaltverzeichnis:
1. Einleitung
2. Der Weg nach Kiev
3. Ein heidnisches Leben - die Vielweiberei
4. Ein heidnisches Leben - Der Götzendienst
5. Versuche der Bekehrung
6. Die Taufe des Heiden - der Grund
7. Die Folgen
8. Die Nestorchronik als Legende
Volodymyr 1 - Der Heilige 2 auf dem Weg
1. Einleitung
Die Christianisierung der Kiever Rus' wird in jeglicher
Literatur mir dem Namen Volodymyr in Verbindung gesetzt. Er gilt als der Herrscher, welcher „das russische Land durch die heilige Taufe erleuchtete“ 3 . Jedoch führte V. 4 vor der so genannten Taufe der Kiever Rus im Jahre 988 5 ein heidnisches Leben. In der hier vorliegenden Arbeit soll sein Weg zur Taufe und damit sein Weg zum Christen kritisch betrachtet werden.
2. Der Weg nach Kiev
1 Name bedeutet: der friedlich Herrschende (russisch).
2 Gedenktag katholisch und orthodox: 15. Juli. 3 A.Poppe, Vladimir als Christ.in: ÖOstH 35/1993,553-575. 4 Im weiteren für Volodymyr verwandt.
5 Vergleiche: Bibliographisches Kirchenlexikon (2000), Band XVII, Spalten 1506-1507. 6 Die sog. Kiever Rus', wurde als Zusammenschluss ostslavischer Stämme um 960 unter maßgeblichem Einfluss der nordischen Wikinger ("Varäger") gegründet. 7 Kiev.
8 Vergleiche: Bibliographisches Kirchenlexikon (2000), Band XVII, Spalten 1506-1507.
Fürsten Svjatoslav 9 und der „Schlüsselbewahrerin“ der Fürstin Ol’ga 10 . Über sein Leben vor seinem Regierungsantritt 970 n. Chr. 11 ist uns nichts bekannt. Die Aufzeichnungen zu Volodymyr in der Nestorchronik beginnen im Jahr 980 n. Chr., nachdem es in den Jahren 975 bis 977 zur Feindschaft zwischen den drei Brüdern Oleg, Jaropolk und Volodymyr kam. Jaropolk zog gegen Oleg, der im Kampf starb. Im Jahr 980 fürchtete V. dasselbe und floh zu den Warägern 12 , mit denen verbündet er, gegen seinen Bruder Joropolk zog. Mit einer List gelingt es Volodymyr, seinen Bruder zu besiegen und sich als Alleinherrscher in Kiev niederzulassen 13 . Sein Sieg und sein Regierungsantritt als Großfürst von Kiew bedeuteten gleichzeitig einen Sieg des Heidentums gegenüber dem neu eingesickerten christlichen Glauben 14 .
3. Ein heidnisches Leben - die Vielweiberei
Wie aus der Nestorchronik hervorgeht, liebte V. die Weiber 15 . So beschlief er die Frau seines ermordeten Bruders, die Griechin 16 . Aus dieser Unzucht, denn er Schlief nicht als ihr Ehemann bei ihr, war ihm Sswjatopolk geboren. Volodymyr sei beherrscht gewesen von der Begierde nach dem Weibe. Er hatte mehrere Frauen von denen er, wie berichtet wird, 12 Söhne und 2 Töchter hatte 17 . Beischläferinnen soll er, wie überliefert, 800 18 an der Zahl
9 Regierte wahrscheinlich um 960 - Frühling 972; nach A. Poppe in: G. Podskalsky: Christentum und theologische Literatur in der Kiever Rus' (998-1237). München 1982, S. 302-304. 10 Olga Maluêa Ljucanka, um 945 - um 960; nach A. Poppe in: G. Podskalsky: Christentum und theologische Literatur in der Kiever Rus' (998-1237). München 1982, S. 302-304. 11 In dieser Zeit noch als Herrscher von Nowgorod. 12 Den Schweden.
13 Vergleiche: L. Müller, Helden und Heilige aus russischer Frühzeit, München 1984, S. 29 ff. 14 Als offizielles Datum des Beginns der russischen Orthodoxie gilt die Massentaufe der Kiever Bevölkerung im Jahr 988. Es gilt aber als sicher, dass die Christianisierung der Kiever Rus' durch Byzanz lange vor diesem Datum begonnen hat, und zwar bald nach der Belagerung Konstantinopels durch Askold und Dir im Jahr 860. Neben einem Militärbündnis mit den Chazaren versprach sich Kaiser Michael aus dieser Maßnahme eine Entschärfung der ernstzunehmenden Bedrohung durch die "Russen", unter denen hier die aus der Kiever Rus' kommenden Waräger zu verstehen sind. In der Enzyklika des byzantinischen Patriarchen Photius an die östlichen Patriarchate aus dem Jahr 867 heißt es, dass die Bekehrung der Rus' abgeschlossen sei. Auch andere Quellen belegen das Entstehen erster christlicher Gemeinden in der Rus' ab dem Beginn der 860er Jahre, doch scheinen sich diese Gemeinden, u.a. wegen der hereinbrechenden Welle heidnischer Waräger, bald wieder aufgelöst zu haben, ohne Spuren in der Erinnerung der Russen zu hinterlassen zu haben. 15 Das Wort Weib wird hier als historischer Begriff verwendet.
16 In der Nestorchronik wird im Jahr 977 berichtet: „Jaropolk hatte eine Griechin zum Weibe, und sie war Nonne gewesen...“ Er hatte sie, von seinem Vater herbeigeführt, wegen ihrem schönen Gesicht zur Frau genommen. 17 Vergleiche: L. Müller, Helden und Heilige aus russischer Frühzeit, München 1984, S. 29 ff. sowie R. Trautmann, Die Nestorchronik, Leipzig 1931, S. 86.
18 Sicherlich handelt es sich bei dieser Zahl um eine Aussmückung des Chronisten.
gehabt haben. Volodymyr war wie Salomo 19 so berichtet der Schreiber der Nestorchronik: „Und er ward nicht satt der Hurerei, nahm sich Weiber anderer Männer zu sich und schändete Jungfrauen“ 20 . Aber nicht nur den Weibern war V. verfallen, so hatte er sich verschiedenen Göttern verschrieben.
4. Ein heidnisches Leben - Der Götzendienst
Kaum nach seinem Regierungsantritt ließ Volodymyr auf einem Hügel in der Stadt, außerhalb des Palasthofes verschiedene Götzenbildnisse aufstellen. So, einen Perun 21 aus Holz und verschiedene andere Götzen aus edlen und teuren Materialien. Die Menschen brachten ihre Kinder und opferten sie diesen Göttern. Volodymyr setzte in Nowrogod seinen Oheim 22 Dobryna ein, welcher auch dort ein Götzenbildnis errichtete, dem die Menschen opferten. Sicher wird auch hier, wie bei der Beschreibung Volodymyr’s Weiberlust, vom Chronikschreiber übertrieben, um dann umso mehr das Leben V.’s nach der Taufe zur Geltung kommen zu lassen. Sicherlich stimmen die Zahlen seiner Liebschaften nicht. Jedoch sind dies, also die Vielweiberei und die Förderung des Götzendienstes, Tatsachen, die unter anderem auch von Volodymyr’s deutschem Zeitgenossen, dem Bischof Thietmar 23 bezeugt werden.
5. Versuche der Bekehrung
In der Chronik wird von verschiedenen Versuchen berichtet, Volodymyr zu bekehren. So kamen im Jahre 968 und den darauf folgenden, Abgesandte der katholischen Kirche aus Rom sowie des Judentums und des Islams, die versuchten den russischen Heiden für ihren Glauben zu gewinnen, wobei der Jude und der Moslem wegen der Erwähnung von Beschneidung,
19 Vergleiche: 1. Kön. 11.3., „ Er hatte siebenhundert Hauptfrauen und dreihundert Nebenfrauen, und seine Frauen verführten ihn“. Der bemerkenswerte Unterschied: Salomo ging zu Grunde, jedoch fand Volodymyr das Heil.
20 Vergleiche: R. Trautmann, Die Nestorchronik, Leipzig 1931, S. 55.
21
Eines der von V. errichteten Götzenbildnisse, über die jedoch wenig bekannt ist. Der Schreiber der Chronik nennt sie „Dämonen“.
22
'Oheim, 'O·heim
23 Thietmar war ein Adliger aus dem Hause der Grafen von Walbeck. Er war Bischof von Merseburg und Chronist der mittelalterlichen Reichsgeschichte. * 25.07.975 Walbeck bei Haldensleben; † 01.12.1018 Merseburg; Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XI (1996) Spalten 1212-1213.
Schweinefleisch- und Alkoholverbot des Landes verwiesen wurden. Nicht anders erging es dem Vertreter aus Rom nach seinem Hinweis, dass den Gläubigen Fastenzeiten auferlegt würden.
987 n. Chr. entsendet Volodymyr, nach einer Versammlung seiner Bojaren 24 und Ältesten, zehn Männer um die verschiedenen Religionen zu erkunden. Sie kamen von allen erkundeten Religionen zurück und waren entsetzt. Nur in Zargrad 25 wussten sie nicht wo sie waren „Wir wissen nicht, waren wir im Himmel oder auf der Erde“. Sie schwärmten von dem was sie gesehen hatten: „Wir aber können jene Schönheit nicht vergessen, denn jeder Mensch, wenn er von Süßem gekostet hat, nimmt danach Bitteres nicht an...“ 26 . Als V. dies hörte und man sich der Großmutter Volodymyr’s, Olga, erinnerte, „die ja weiser war als alle Menschen“, wollte man die Taufe empfangen.
Wahrscheinlich ist hier die Annahme verschiedener Wissenschaftlicher Arbeiten, die dieser Erzählung eher legendären Charakter zusprechen und besagen, dass das hier vom Chronisten beschriebene eher teilweise auf eine ältere Chronik über die Missionierung eines heidnischen russischen Fürsten durch griechische Missionare zurückgreift. Richtig ist jedoch in dieser Chronik, dass das damalige Russland von verschiedenen Hochreligionen umgeben war und es auch in der Rus’ Bemühungen gab, sich einer dieser anzuschließen. Der Chronikschreiber versteht die politischen
Zusammenhänge, die zur Taufe geführt haben, nicht in ihrem Zusammenhang; jedoch das die verwandtschaftliche Bindung mit dem byzantinischen Kaiserhaus dabei eine wahrscheinlich wichtige Rolle spielte.
6. Die Taufe des Heiden - der Grund 27
Im auf die Entscheidung zur Taufe folgendem Jahr, 988 28 n. Chr., zog V. gegen Kôrssun 29 . Den sich in der Stadt verschanzenden Griechen begegnete er, indem er die Stadt belagerte. Die Chronik berichtet, dass Volodymyr die
24 Titel des hohen Adels in Russland. In Russland hervorgegangen aus der Gefolgschaftsaristokratie der Fürsten, die den Bojarenrat bildete. 25 Konstantinopel.
26 Vergleiche: L. Müller, Helden und Heilige aus russischer Frühzeit, München 1984, S. 38. 27 Dies ist der Grund wie er in der Chronik überliefert wird, über die heute wissenschaftlich bekannten Hintergründe wird später berichtet. 28 Tatsächlich fand der Feldzug 989 n.Chr. statt. 29 Kôrsun, griech. Chêrson, auf der Krim.
Stadt durch die Unterbrechung der Wasserzufuhr 30 einnehmen konnte. Als dies geschehen war, schickte zu den Zaren Basilius und Konstantin 31 . Er ließ diesen mit der Eroberung Zargrad’s drohen, wenn er nicht die
Schwester der Zaren zur Frau bekäme. Da diese aber Christin war, ließen die Zaren ausrichten, er möge sich taufen lassen, wenn er diesem Wusch erfüllt haben möchte. Volodymyr, der das Gesetz 32 der Griechen schon erforscht hatte und Gefallen an diesem fand, willigte er ein: „die mit eurer Schwester kommen, sollen mich taufen“ 33 .
Hier spricht die Nestorchronik von dem Unwillen der Griechin Anna, den russische Fürsten zu ehelichen: „Wie in die Gefangenschaft“ 34 . Die Brüder aber wiesen sie darauf hin, dass eine Heirat mit V. das russische Reich: “zur Buße bekehrt“ und das Unheil, wie es über Kôrssun gekommen war, abhalten würde. Volodymyr, unterdessen, war an Blindheit erkrankt und man riet ihm sich schnellstens taufen zu lassen, wenn er sich dieses Leidens entledigen wolle. „Wenn das wahrhaft so geschehen wird, dann ist wahrhaft groß der Gott der Christen“ 35 . Nachdem er nun getauft wurde, konnte er alsbald wieder sehen und er rühmte Gott 36 : “Jetzt erst habe ich den waren Gott erkannt“. Im Anschluss, so berichtet die Chronik, wurde vermählt.
7. Die Folgen
Er führte nun die byzantinische Kultur in Russland ein: er ließ Kirchen bauen, so unter anderem die „Zehntkirche“ in Kiev, die Kirche der heiligen Gottesmutter 37 . Des weiteren ließ V. jetzt das Volk taufen 38 , verbot das Heidentum und nahm eine Reihe sozialer Reformen in Angriff. Gleichwohl
30 Volodymyr hatte anscheinend Verbündete oder ihm Wohlgesonnene in Kôrssun. Er erhielt einen Pfeil mit dem Hinweis, die Wasserzufuhr zu unterbrechen. Er soll Nastâs geheißen haben.
31 Die Brüder Basilius II. ( 976 - 1025 ) und Konstantin VIII. ( - 1028 ) regierten nominell gemeinsam; in Wirklichkeit regierte aber Basilius allein. 32 Meint hier den Glauben und die damit verbundenen Gesetze/Gebote. 33 Vergleiche: L. Müller, Helden und Heilige aus russischer Frühzeit, München 1984, S. 40. 34 Ebd. 35 Ebd.
36 Anscheinend wird hier eine Wundererzählung verwandt um der Taufe an Wichtigkeit zuzugeben. 37 Erbaut in den Jahren 988-996 als Hauptkirche der Stadt Kiev. Sie hieß „Zehntkirche“, weil Volodymyr ihr den Zehnten Teil seiner Einkünfte übereignet hat. 1240 n. Chr. ist sie bei der Eroberung durch die Tataren zerstört worden. Ihre Grundmauern sind aber heute noch vor dem Historischen Museum in Kiev zu erkennen. Volodymyr wurde in der „Zehntkirche“ bestattet.
38 Am Weihnachtstag (6. Januar) 988 fand die Zwangstaufe von Kyïv und Novgorod Velikij nach örtlichem Widerstand (der massiv unterdrückt wurde) statt.
zeigte er sich nach wie vor offen für westliche Einflüsse, u.a. in seiner Gesetzgebung. Mit Hilfe des christlichen Glaubens konnte er sein Reich immer mehr festigen. Man kann Wladimir deshalb den „Konstantin“ des Ostens" nennen. In Russland wird Wladimir seit dem 13. Jahrhundert als "Apostelgleicher" verehrt 39 .
8. Die Nestorchronik als Legende 40
Im Anschluss soll nun auf die, durch die Wissenschaft bewiesenen Fakten bezüglich der Taufe Volodymyr’s eingegangen werden. Der die Chronik verfassende Schreiber wusste wahrscheinlich, dass die Taufe des Fürsten politische Hintergründe hatte, jedoch kannte er nicht, die uns bekannten Fakten aus einem Bericht von dem arabischen Historiker Jachja von Antiochien 41 . So hatte sich gegen die beiden Brüder 42 ein Thronprätendent 43 erhoben, welcher schon fast gesamt Kleinasien in seiner Macht hatte. Voller Not, wandte man sich an Volodymyr und bat um Hilfe. Dieser forderte als Gegenleistung Anna, die Schwester der Zaren, zur Frau. Sie gingen unter der Forderung nach Volodymyr’s Taufe darauf ein und er entsandte im Jahr 988 sechstausend Krieger nach Byzanz. Beim Feldzug gegen Kôrssun galt Volodymyr nicht als Gegner, sondern als Verbündeter der Kaiser. Es könnte sein, dass die Stadt auf der Seite des Usurpators 44 stand 45 . Die Schreibung der Nestorchronik in Bezug auf Volodymyr ist stark hagiographisch 46 geprägt. Die Geschichte wird nach dem Leitmotiv des Neuen Testament formuliert: „Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden“ 47 . Die literarische Form der Erzählung von der Religionswahl ist einzigartig, jedoch für die Rekonstruktion der tatsächlichen
39 http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?BiographienW/Wladimir_von_Kiew.html. 40 Heute sind Fakten bekannt, die belegen, das das was in der Nestorchronik steht nicht den Tatsachen entsprechen kann und sich der Schreiber wohl, sich nach der Taufe, gebildete Legenden verwendet hat. 41 Gestorben 1066.
42 Für sie hatte Johannes Tzimiskes bis zu ihrer Mündigkeit die Kaiserherrschaft nach dem Tod Kaisers Romanos geführt.
43 [der; lateinisch], jemand, der auf etwas Anspruch erhebt; besonders ein regierender, abgesetzter oder im Exil lebender Herrscher, der für sich Ansprüche auf eine Krone oder ein Land erhebt (Thronprätendent). 44 [lateinisch], der unter Verletzung bisher geltender Legitimitätsvorstellungen, insbesondere durch Revolution oder Putsch (Usurpation) zur Herrschaft gelangte Machthaber.
45 Vergleiche: A.Poppe, The Political Backround to the Baptism of Rus’, in: The Rise of Christian Russia, London 1982.
46 Hagiographie, die Lebensbeschreibung der Heiligen, einschließlich der Geschichte ihrer Verehrung. 47 Röm. 5.20. Vergleiche: A.Poppe, Vladimir als Christ.in: ÖOstH 35/1993,553-575.
Vorkommnisse wenig brauchbar. Vielmehr bringen Berichte von Zeitgenossen, so unter anderem des Bischofs Thietmar, welcher feindselig gegen Volodymyr eingestellt war 48 , Aufschluss. Dieser hatte in seinem Werk 49 , Volodymyr für den Tod seines Freundes Kolberg verantwortlich gemacht und seiner Empörung mit den Worten des Apostels Paulus: „adulateros iudicat Deus“ 50 , Ausdruck verliehen. Obwohl Thietmar durch den Hass auf Volodymyr schreibt, ist seine Chronik für die wissenschaftliche Behandlung Volodymyr’s unerlässlich. So kann nicht behauptet werden, dass sich V.’s Leben nach der Taufe und der Heirat mit der
purpurgeborenen Anna radikal verändert habe. Wie parteiisch Thietmar gegenüber Volodymyr war, spiegelt seine Beziehung zu dem König von Frankreich, Robert, wieder. Ihn bezeichnete Thietmar als: “friedlebenden und äußerst ehrfurchtgebietend“ 51 , muss er doch gewusst haben, dass dieser König der zweimaligen Blutschande und der Trigamie angeklagt war. 52 Trotzdem Thietmar feindselig gegenüber V. eingestellt war, hat er auch wichtige Details, die Volodymyr als einen recht sozialen Herrscher kennzeichnen, nicht verschwiegen. Diese belegen wiederum die Glaubwürdigkeit anderer Berichte, so etwa des Missionsbischofs Brun, der V. persönlich kannte und mehr als zwei Monate an dessen Hof verbrachte oder die durchaus positive Beschreibung Volodymyr’s durch Hilarion.
48 Das wahrscheinlich aus der Tatsache heraus, dass Volodymyr, in den Kapiteln 73 und 73 seines VII. Buches Thietmars, beschuldigt wird, für den Tod des Landmannes Bischof Reinberg von Kolberg verantwortlich zu sein. Dieser hatte begleitete die Tochter Boleslaws des Kühnen in die Rus’, in der sie Svjatopolk, einen Sohn V.’s heiratete. Alle drei wurden im Jahr 1013 festgenommen, weil sie sich gegen V. verschworen hatten. Vergleiche: A. Poppe, Die Kämpfe um die Thronfolge in Kiev nach 1015, in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte50 (1994 ) 1-24. 49 Thietmari Chronicon. 50 „Gott richtet die Ehebrecher“, Hebr. 13,4. 51 Vergleiche: Thietmari Chronicon, lib. VII, 46. 52 A.Poppe, Vladimir als Christ.in: ÖOstH 35/1993,553-575.
Literatur:
L. Müller, Helden und Heilige aus russischer Frühzeit, München 1984.
Trautmann, Die Nestorchronik, Leipzig 1931
A.Poppe, Vladimir als Christ.in: ÖOstH 35/1993,553-575.
Poppe, Die Kämpfe um die Thronfolge in Kiev nach 1015, in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte, 50 (1994 ) 1-24.
A.Poppe, The Political Backround to the Baptism of Rus’, in: The Rise of Christian Russia, London 1982.
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Markus Teige, 2003, Der Heilige Volodymyr auf dem Weg, München, GRIN Verlag GmbH
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Volodymyr.
eine interessante Arbeit, die uns Einblicke in die Christianisierung der Rus gibt. Finde ich sehr gut !
am Monday, May 05, 2003-