I Inhaltsverzeichnis
II Abkürzungsverzeichnis……………………………………………………………. III III Abbildungsverzeichnis……………………………………………………………. IV 1 Einleitung…………………………………………………………………………. 1 2 Definition von Wohlfahrt………………………………………………………… 2 3 Das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator……………………………………… 2 3.1 Berechnung des Sozialproduktes……………………………………………... 2 3.2 Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator…………………………….. 3 4 Alternative empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung………………………… 4 4.1 Soziale Indikatoren…………………………………………………………… 4 4.2 Satellitensysteme……………………………………………………………… 5 4.2.1 Aufbau eines Satellitensystems……………………………………….. 6 4.2.2 Bewertungsmethoden…………………………………………………. 7 4.2.3 Satellitensystem zur Haushaltsproduktion……………………………. 8 4.3 Folgekostenrechnung…………………………………………………………. 9 4.4 Das Ökosozialprodukt………………………………………………………… 10 4.4.1 Nachhaltigkeit im neoklassischen Sinne……………………………… 11 4.4.2 Nachhaltigkeit(i.e.S.) als konstanter Kapitalstock……………………. 12 4.4.3 Nachhaltigkeit als periodenbezogene Neutralität……………………... 13 4.5 Das Nettowohlfahrtsprodukt………………………………………………….. 14 5 Schlussbetrachtung………………………………………………………………... 15 IV Quellenverzeichnis………………………………………………………………… V V Anhang……………………………………………………………………………... IX
I I
II Abkürzungsverzeichnis
bzw. : beziehungsweise BIP : Bruttoinlandsprodukt BSP : Bruttosozialprodukt d.h. : das heißt GDP : Gross Domestic Product i.e.S. : im engeren Sinne NIP : Nettoinlandsprodukt NSP : Nettosozialprodukt ÖSP : Ökosozialprodukt vgl. : vergleiche VGR : Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung VK : Grenzvermeidungskosten
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III Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 (S.6) : Aufbau eines Satellitensystems (eigene Darstellung)
Abbildung 2 (S.13) : Bewertung der nicht nachhaltigen Umweltnutzung (In Anlehnung
1 Einleitung
Die Problematik der Wohlfahrtsmessung basiert auf der Komplexität des Begriffes Wohlfahrt oder Wohlstand. Als Keynes in den wirtschaftlichen Krisenzeiten Ende der 20er Jahre die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung entwickelte, hatte der Begriff Wohlfahrt eine andere Bedeutung als Heute.
In Krisenzeiten stehen objektivere Faktoren, wie das Einkommen, in Vordergrund während in Blütezeiten der Wirtschaft subjektive Faktoren, wie das individuelle Wohlbefinden stärker gewichtet werden. In dieser Arbeit wird daher zunächst einmal der Wohlfahrtsbegriff näher erläutert.
Besonders die Messung und Erfassung von subjektiven Faktoren oder nicht-monetären Grö- ßen stellendabei große statistische und konzeptionelle Herausforderungen dar. Eine Erörterung der verschiedenen Lösungsansätze wird daher im Rahmen des Satellitensystems stattfinden.
Die VGR ist unser derzeit wichtigster Indikator für die Wohlfahrt. Aber seit Mitte der 60er Jahre wird die Kritik an dem Bruttosozialprodukt als Wohlfahrtsindikator zunehmend lauter. In der folgenden Ausführung wird auf diese Kritikpunkte näher eingegangen, denn diese sind die Ursache und der Ursprung für die alternativen Ansätze zur Wohlfahrtmessung. Die wichtigsten empirischen Ansätze, die in dieser Arbeit vorgestellt werden sind die Bewegung der Sozialindikatoren, die Satellitensysteme für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Folgekostenrechnung, verschiedene Ansätze für ein Ökosozialprodukt und das Konzept für ein Nettowohlfahrtsprodukt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei die unterschiedlichen Ansätze des Ökosozialprodukts und ihr jeweiliges Nachhaltigkeitskriterium.
Bei der Betrachtung der einzelnen Ansätze liegt ein besonderes Gewicht in der Kritik der Konzepte und Methoden, die in der Literatur besonders auffallen, und der Kompatibilität zur derzeitigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
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2 Definition von Wohlfahrt
Der Begriff der Wohlfahrt wird durch den Gegensatz zwischen der objektiven und subjektiven Wohlfahrt geprägt. Daraus wird Wohlfahrt als eine Summe oder Konstellation von objektiven Lebensbedingungen und subjektiven Wohlbefinden abgeleitet (vgl. Schupp/Habich/Zapf 1996, S.11).
Die objektiven Lebensbedingungen werden durch die von außen beobachtbare Bedürfnisbefriedigung des Menschen dargestellt. Diese können durch Versorgungs- und Verteilungsindi-katoren gemessen werden. Demgegenüber steht das subjektiv wahrgenommene Wohlbefinden eines jeden Individuums, wie Glück und Einsamkeit, Zufriedenheit und Unzufriedenheit oder Ängste und Sorgen. Das subjektive Wohlbefinden kann grundsätzlich nur durch Befragungen gemessen werden (vgl. Zapf 1977 S.247; Cambell 1972 S.442).
3 Das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator
Es gibt weltweit kein zweites ökonomisches Aktivitätsmaß, das so häufig als Wohlstandsindi-kator interpretiert wird, wie das Sozialprodukt. Doch schon von Anfang an entbrannte eine intensive Diskussion unter den Wirtschaftswissenschaftlern ob, und - wenn ja - wie das Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator zu interpretieren sei (vgl. Scholz 1991, S.17; Lützel 1983, S.262).
Im folgenden Abschnitt wird daher auf die Entstehung und die Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsmaß eingegangen.
3.1 Berechnung des Sozialproduktes
Im Rahmen der volkwirtschaftlichen Gesamtrechnung(VGR) wird der Wert der wirtschaftlichen Leistung der inländischen Wirtschaftseinheiten in der Berichtsperiode mittels des Sozialproduktes ausgedrückt (vgl. www-zr.statistik-bund.de). „Das Bruttosozialprodukt definiert sich als die Summe aller produzierten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft während eines Jahres.“(Woll 1981, S.16)
Auf der Basis eines geschlossenen Wirtschaftskreislaufsmodells kann das Sozialprodukt auf drei Arten ausgerechnet werden. Die Entstehungsrechnung gibt darüber Auskunft aus welchen Wirtschaftsbereichen die Wertschöpfung kommt. Die Verteilungsrechnung beschäftigt sich mit dem Zufluss des entstandenen Einkommens zu den Wirtschaftssubjekten einer
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Volkswirtschaft. Die Verwendungsrechnung erfasst dann schließlich die Verwendung der Einkommen durch die Wirtschaftssubjekte (vgl. Haslinger 1995, S.68). Bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unterscheidet man unter anderem zwischen Bruttosozial-(BSP), Bruttoninlands-(BIP), Nettosozial-(NSP), und Nettoinlandsprodukt(NIP). Der Unterschied zwischen dem Sozial- und Inlandsprodukt liegt im Inländerkonzept. Beide Produkte beinhalten das Inlandseinkommen von Innländern, aber während zum Bruttosozialprodukt noch das Auslandseinkommen der Innländer hinzugezählt wird, wird dem Bruttoin-landsprodukt das Inlandseinkommen der Ausländer hinzuaddiert(vgl. www-zr.statistik-
bund.de). 1
Das Nettoprodukt unterscheidet sich vom Bruttoprodukt dahingehend, dass die Abschreibungen vom Bruttoprodukt abgezogen werden (vgl. Haslinger 1995, S.47). 2
3.2 Kritik am Sozialprodukt als Wohlfahrtsindikator
Die seit Mitte der 60er Jahre entfachte Kritik am Sozialprodukt kann man in zwei Kategorien einteilen. Einerseits werden bestimmte wohlfahrtsrelevante Vorgänge im Sozialprodukt vernachlässigt und andererseits werden bestimmte Transaktionen zwar erfasst, jedoch in einer der Logik und Systematik der VGR unzureichenden oder nicht angemessenen Weise (vgl. Haslinger 1995, S.221).
In die erste Gruppe von Kritikpunkten fallen insbesondere:
• Die Vernachlässigung der Eigenleistung der privaten Haushalte, wie z.B. Zubereitung
von Mahlzeiten, Kindererziehung oder Reinigung der Wohnung (vgl. Scholz 1991, S.18).
• Die Nichterfassung von schattenwirtschaftlichen Aktivitäten wie z.B. Lieferung ohne
Rechnung, Beschäftigung ohne formelles Arbeitsverhältnis. Der Anteil dieser Aktivitäten spielt besonders bei weniger entwickelten Ländern eine gewichtige Rolle (vgl. Scholz 1991, S.18).
• Die fehlende Berücksichtigung der Einkommensverteilung. Die Einkommensverteilung
wird nur indirekt über die Preis- und Mengenstrukturen erfasst. Es ist allerdings nicht möglich Aussagen über die Wohlfahrtsentwicklung hinsichtlich der Einkommensverteilung zu machen, wenn sich im Zeitverlauf das Sozialprodukt erhöht (vgl. Haslinger 1995, S.222).
1 Das Inländerkonzept wird mit Hilfe der Abbildung 1-A im Anhang veranschaulicht.
2 Für genauere Informationen zur Berechnung des BSP, BIP, NIP und NSP siehe Anhang Tabelle 1-A
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• Die Nichterfassung von negativen und positiven externen Effekten. Der Begriff der ex-ternen Effekte umfasst im weitesten Sinne alle nicht entgoltenen Vorteile (positive externe Effekte) und alle nicht entschädigten Nachteile (negative externe Effekte). Unter die negativen externen Effekte fallen die Beeinträchtigung des Menschen am Arbeitsplatz durch Gifte, Lärm oder Hitze, die Luft- und Gewässerverunreinigung oder die Plünderung und Vernichtung der Fauna und Flora (Woll 1981, S.41ff.). Zur zweiten Gruppe von Kritikpunkten gehören insbesondere:
• Die positive Bewertung von „Antibads“ zum Sozialprodukt. Viele Güter und Dienste
z.B. Umweltschutzleistungen („Antibads“) haben nur einen Kompensationscharakter um die „bads“ anderer Produktionen auszugleichen, tragen aber trotzdem zu einer Erhöhung des Sozialproduktes bei (vgl. Scholz 1991, S.18).
• Die Bewertung staatlicher Leistungen zu Herstellungskosten, lässt keinen Schluss auf die
wahre Marktbewertung zu. So lässt sich keine wahre Aussage über den Wert der Bildung oder des Rechtssystems machen, weil nur eine Inputbewertung und keine Outputbewertung erfolgt. (vgl. Haslinger 1995, S.223)
• Die Nichtidentität von Preis und Wert eines Gutes, wie z.B. bei der Monopolpreisbildung
hat einen Zuwachs des Sozialproduktes ohne eine Steigerung der Wohlfahrt zufolge (Woll 1981, S.29ff.).
4 Alternative empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung
Aus der Kritik des Sozialproduktes als Wohlfahrtsindikator entwickelten sich eine Reihe von Ansätzen zur Ergänzung oder Korrektur des Sozialproduktes. Zu den wichtigsten Forschungsrichtungen gehören die Sozial-Indikatorenbewegung und die Satellitensysteme, die Folgekostenrechnung, das Ökosozialprodukt(ÖSP) und das Nettowohlfahrtsprodukt. Diese werden im Folgenden näher erläutert.
4.1 Soziale Indikatoren
Während das Sozialprodukt vorwiegend als ein Indikator für die gesellschaftliche Wohlfahrt verwendet wurde, steht bei den sozialen Indikatoren auch die Messung der individuellen Wohlfahrt im Vordergrund (vgl. www.gesis.org).
Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende allgemein akzeptierte Minimalanforderungen für ein brauchbares Sozialindikatorensystem.
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Soziale Indikatoren sollten sowohl monetäre als auch nichtmonetäre Messgrößen, die essentielle Informationen über die Qualität des Lebens beinhalten, erfassen. Diese sollten in zeitlich regelmäßigen Abständen ermittelt werden. Weiterhin sollten die Indikatorensysteme so aufgebaut sein, dass intertemporale und internationale Wohlstandsvergleiche ohne größeren Aufwand durchgeführt werden können (vgl. Haslinger 1995, S.240). Dagegen ist die Zusammenstellung und Darstellung der Indikatoren noch sehr umstritten. Durch eine aggregierte Darstellung wird zwar Einfachheit und Vergleichbarkeit gewährleistet, doch wird dabei nur zu oft die Korrelation zwischen den Indikatoren vernachlässigt oder unvereinbare Größen miteinander addiert, wie z.B. physische(Kalorienverbrauch) und monetäre Größen(Sozialausgaben)(vgl. Lippe 1995, S.82).
Subjektive Indikatoren haben gegenüber objektiven Indikatoren den Vorteil, dass sie eine unmittelbare Einschätzung über das individuelle Wohlbefinden enthalten. Demgegenüber stehen Nachteile betreffend der Erhebung, der Zuverlässigkeit und der Vergleichbarkeit entgegen (vgl. Haslinger 1995, S.240).
Als allgemeine Kritik an den sozialen Indikatoren wird der Theoriedefizit aufgeführt. Angesichts der Fülle und Beliebigkeit der bisherigen Indikatorsysteme verliert man den Blick für das Wesentliche. Indikatoren werden nicht gültig durch die Festlegung von Experten, sondern nur aufgrund wohlfundierter theoretischer Überlegungen über den Zusammenhang zwischen Indikator und Indikandum (vgl. Haslinger 1995, S.243ff.).
Als Beispiel für ein Indikatorsystem wäre das System sozialer Indikatoren in Deutschland zu nennen. Um die subjektive Lebensqualität der Bürger Deutschlands zu messen, wird ein Indi-katorsystem aus knapp 400 Indikatoren und über 3000 Zeitreihen aus 14 Lebens- und Politikbereichen, vom Einkommen und seiner Verteilung über Umwelt bis zu allgemeinen Wohlfahrtsmaßen, verwendet. Im Bereich der Einkommensverteilung werden Indikatoren wie Konzentration des Nettoeinkommens oder im Bereich der Umwelt, der Anteil der geschädigten Waldflächen aufgezählt (vgl. www.gesis.org).
4.2 Satellitensysteme
Nach der Definition der Wohlfahrt sollten sowohl die individuelle als auch die kollektive Wohlfahrt Berücksichtigung finden. Während sich das Sozialprodukt wenn überhaupt nur zur Messung der kollektiven Wohlfahrt eignet und die Sozialindikatoren sich mehr auf das individuelle Wohl konzentrieren, versucht das Konzept der Satellitensysteme beides zu erfassen. Satellitensysteme stellen Ergänzungen zur VGR dar, in denen Angaben zu einem bestimmten, gesellschaftlich wichtigen Informationsfeld zusammengestellt werden. Dabei werden Prob-
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lembereiche wie Umwelt, Gesundheitswesen, Bildungswesen und Forschungsaktivitäten, der Arbeitsmarkt oder die Haushaltsproduktion untersucht. Dazu werden monetäre Größen aus der VGR verwendet und mit Nicht-Monetären Größen aus anderen Quellen verknüpft (vgl. Stahmer 1988, S.11ff.).
Im Folgenden wird die Struktur von Satellitensystemen dargestellt und anschließend die statistischen Probleme und deren Umsetzungen am Beispiel der Haushaltsproduktion näher erläutert.
4.2.1 Aufbau eines Satellitensystems
Das charakteristische Merkmal eines Satellitensystems ist die Darstellung der Verflechtungen zwischen Produktion, Verwendung und Finanzierung von sektorenübergreifenden Dienstleistungen für das betreffende Untersuchungsfeld. Die folgende Abbildung soll diese Beziehung ausführlicher verdeutlichen:
Abbildung 1: Aufbau eines Satellitensystems (Quelle : Eigene Darstellung)
Bei der Erstellung eines Satellitensystems unterscheidet man bei der Produktion von Dienstleistungen zwischen firmeninterner Herstellung als Hilfstätigkeit und Produktion von Leistungen für Dritte. Neben den monetären Größen werden noch Nicht-Monetäre Angaben zu den Produktionsfaktoren, Input- und Ouputmengen, Indikatoren oder Daten über Kuppelprodukte hinzuaddiert (vgl. Stahmer 1988, S.14f.).
Für die Darstellung der Produktaktivitäten und der Güterverwendung werden zunächst Teilsysteme der VGR, wie Angaben aus der Input-Output-Rechnung verwendet. Hinzukommen noch Daten von außerhalb der traditionellen VGR, wie z.B. Bewertung der Hausarbeit. Zur Auswertung von Satellitensystemen besteht dann die Möglichkeit der Ermittlung eines Ge-samtinidikators für die monetären Ströme. (vgl. Stahmer 1988, S.16ff.).
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4.2.2 Bewertungsmethoden
Eine Anforderung eines Satellitensystems ist es auch nicht-marktmäßig erfasste Leistungen zu erfassen. Für die Bewältigung dieser statistischen Herausforderung stehen Input oder Output-orientierte Bewertungsmethoden zur Verfügung. Diese sollen an dem Beispiel der Haushaltsproduktion deutlich werden (vgl. Becker 1995, S.95).
Inputorientierte Ansätze
Bei der inputorientierten Erfassung stehen zunächst die bewerteten Arbeitszeiten als Inputs im Vordergrund. Aus dieser aufsummierten Aufwendung wird der Produktionswert unter Berücksichtigung der Vorleistungen und Abschreibungen berechnet (vgl. Müße 1992, S. 265). Die aufgewendeten Arbeitszeiten werden bei diesem Verfahren mit Marktlohnsätzen bewertet. Dabei erfolgt eine Unterteilung nach dem Generalisten-, Spezialisten sowie den Opportunitätskostenansatz (vgl. Chadeau 1985, S. 316).
Beim Generalistenansatz wird der Arbeitseinsatz im Haushalt als entgangene Ausgabe betrachtet und mit Bezahlungsalternativen aus dem Erwerbsbereich der Hauswirtschafter(innen) bewertet. (Becker 1995, S. 102)
Die Substitutionsüberlegungen durch Hauswirtschafter(innen) sind auf der Mikroebene betrachtet sehr realistisch und positiv zu betrachten (vgl. Glodschmidt-Clermont, L. 1993, S. 423). Kritisch ist jedoch anzumerken, dass ein Hauswirtschafter(in) wohl kaum alle anfallenden Aufgaben eines Haushaltes leisten kann, wie z.B. Erziehungsleistungen oder bestimmte handwerkliche Tätigkeiten (vgl. Becker 1995, S. 103).
Beim Spezialistenansatz wird der Arbeitseinsatz ebenfalls als eine entgangene Ausgabe angesehen. Man geht jedoch von der Annahme aus, dass jede produktive Tätigkeit von einem entsprechenden Spezialisten erledigt werden müsste. Für die Realisierung wird die Haushaltsproduktion in verschiedenen Arbeitszeitbereiche unterteilt und mit einem korrespondierenden Spezialistenlohnsatz bewertet wird (vgl. Schäfer 1988, 317).
Makroökonomisch betrachtet, entspricht die Zuordnung von Fachkräften dem Bewertungsansatz in der VGR und erhöht somit die Vergleichbarkeit. Problematisch ist jedoch die Übertra- gungder Produktivität, die mit den Spezialistenlöhnen verbunden sind, auf die Haushaltsproduktion. Die höhere Produktivität der Fachkräfte ergibt sich nämlich z.T. erst durch Rationalisierungs- und Skalenertragseffekte, die im Haushalt nicht auftreten können (vgl. Schäfer 1988, 317).
Beim Opportunitätskostenansatz wird der Arbeitseinsatz im Haushalt als entgangener Lohn angesehen. Die Bewertung der Aktivitäten richtet sich damit nach den Verdienstmöglichkei-
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ten der einzelnen Individuen. Dieses Verfahren unterstellt eine beliebige Vermehrbarkeit des Einkommens, und dass die Produktivitäten im Haushalt und Beruf identisch sind, was als sehr kritisch angesehen wird. Das paradoxe dabei ist, dass die gleiche Tätigkeit unterschiedlich bewertet wird, je nach dem ob z.B. ein Arbeitloser oder ein Arzt sie erledigt (vgl. Becker 1995, S.104f.).
Outputorientierter Ansatz
Der outputorientierte Ansatz geht von einer Substitution von Marktgütern durch Haushaltsproduktion aus und bewertet das Ergebnis der Produktionstätigkeit daher mit Marktpreisen. Die hohen statistischen Anforderungen bei der Ermittlung der Qualität der Substitute, für eine faire Marktbewertung wurden jedoch nur in Fallbeispielen realisiert. Trotzdem gewährleistet dieser Ansatz eine Berücksichtigung der Produktivität und eine hohe Kompatibilität zur VGR (vgl. Becker 1995, S.128ff.).
4.2.3 Satellitensystem zur Haushaltsproduktion
Entsprechend dem zuvor beschrieben Aufbau setzt sich das Satellitensystem zur Haushaltsproduktion aus einen Mengenbaustein und einen Wertbaustein zusammen. Die Grundlage des Nicht-Monetären Mengenbausteins bildet eine Zeitbudgeterhebung durch das statistische Bundesamt 1992. Dabei wurde mittels einer empirischen Untersuchung die Zeiteinteilung der privaten Haushalte ermittelt, in der Absicht die Entstehung und die Verwendung der Haushaltsproduktion zu erfassen. Die Erhebung enthüllte, dass 60% (77Mrd. Stunden im Jahr) der Arbeitszeit unbezahlt ist (vgl. Schäfer/ Schwarz 1994, S.603). Der Vorteil des Mengenbausteins liegt in seiner niedrigen Belastung durch Fehlerspielräume, die beim Wertungsbaustein entstehen. (vgl. Becker 1995, S. 79)
Beim monetären Wertbaustein konzentriert man sich auf die Produktion und die Verwendung. Im Produktionskonto wird der Produktionswert der Haushalte, analog zu dem des Staates, nach der Inputmethode ausgerechnet. Dabei geht man vom entstanden Einkommen aus der Haushaltsproduktion nach einer der bereits vorgestellten Bewertungsansätzen aus. Die Auswahl der Methode kann eine Differenz von bis zu 44% ausmachen.
Tabelle 1: Wert der unbezahlten Arbeit 1992 (Schäfer/ Schwarz 1994, S.607)
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Zusammen mit den gezahlten Löhnen für Hilfskräfte im Haushalt, Produktionssteuern wie Steuern auf den verwendeten Strom, der Abschreibung auf die dauerhaften Gebrauchsgüter und deren Vorleistung, erhält man den Produktionswert. (Schäfer/Schwarz 1994, S.609) Bei einer Bewertung nach dem Generalistenansatz würde sich das BIP um 37% von 2,7 Bill.
auf 3,7 Bill. erhöhen. 3
Auf der Verwendungsseite wird der erweiterte Endverbrauch der privaten Haushalte errechnet. Dazu werden vom privaten Verbrauch der Privathaushalte aus der VGR die Käufe von Vorleistungen und dauerhaften Gebrauchsgütern abgezogen und der Produktionswert der Haushaltsproduktion hinzu addiert. Der erweiterte Endverbrauch war mit 2,3 Bill um 60% höher als der in der VGR ausgewiesene private Verbrauch(1,5Bill.) (vgl. Schäfer/Schwarz 1994, S.609).
4.3 Folgekostenrechnung
Die Folgekostenrechnung versucht nicht mehr direkt die Wohlfahrt zu messen, sondern geht von einem Opportunitätskostenansatz aus. Man versucht die Kosten oder den Nutzenverzicht zu ermitteln, der durch die gewählte Ressourcennutzung in Kauf genommen wird (vgl. Pearce 1987, S.256).
Ökologische und soziale Folgekosten definieren sich als „… sämtliche (zusätzlichen) Verluste und/oder Belastungen, die von der Gesellschaft im Gefolge eines spezifischen - monetäre ökonomische Werte verabsolutierenden und naturdegradierenden - Entwicklungsstils getragen werden (müssen).“(Leipert 1989, S.87)
Die Folgekosten unseres industriegesellschaftlichen Entwicklungsstils setzen sich nach Leipert aus zwei bedeutenden Komponenten zusammen. Zum einen aus den negativen externen Effekten, weil die Unternehmen in der vorgegeben Konkurrenzsituation eine maximale Externalisierung der Kostenelemente auf Dritte oder auf die Gesamtgesellschaft anvisieren. Zum anderen aus der sozialen Konfiguration unter der sich die Effekte vieler Einzelentscheidungen, wie z.B. ein umweltbelastendes Freizeit und Urlaubsverhalten oder Arbeitsbedingungen in der Erwerbswirtschaft, aggregieren (vgl. Leipert 1989, S.87ff.). Daraus ergibt sich für die Kostenrechnung die Erfassung folgender Bestandteile: die direkten einzelwirtschaftlichen Kosten, die Zukunfts- oder Nutzungskosten („user costs“) und die negativen externen Effekte (vgl. Pearce 1987, S.256ff.).
3 Für die Zahlen der Komponenten der Haushaltsproduktion siehe Tabelle 2-A und 3-A im Anhang.
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Bei der Ermittlung der ersten Kategorie stößt man auf große Schwierigkeiten aufgrund von Informationsdefiziten über unsere Zukunftspräferenzen oder technologischen Entwicklungen. Auch bei den externen Effekten ergeben sich gravierende Erkenntnisprobleme aufgrund der Komplexität der ökologischen Zusammenhänge und den langfristigen, teilweise noch unbekannten negativen Auswirkungen aus der heutigen Übernutzung der Umwelt (vgl. Leipert 1989, S.96ff.).
Um zumindest „die Spitze des Eisbergs“ der Folgekosten aufzeigen zu können, verwendet Leipert die defensiven oder kompensatorischen Ausgaben aus der VGR. Die defensiven Kosten beinhalten sowohl die Vermeidung-, Schutz- und Umstellungskosten, als auch einen Teil der Schadenskosten nichtvermiedener Umweltbelastung. Zu dieser Gattung zählen z.B. Kosten zur Verminderung von Umweltbelastungen oder defensive Staatsausgaben zur Kriminalitätsbekämpfung. Damit bleiben Produktions-, Einkommens-, Vermögens- und Wohlfahrtsverluste gänzlich außen vor (vgl. Leipert 1989, S.118ff.).
Eine Studie von Leipert zeigt, dass sich die defensiven Ausgaben innerhalb eines Zeitraums von 18 Jahre Zeitraums sich fast verdreifacht haben, von 79Mrd. 4 1970 auf 196Mrd. im Jahre 1988. Damit nehmen die Kosten einen Anteil von 11,6% am BSP ein und machen 21% unseres jährlichen Wachstums aus (vgl. Leipert 1989, S.133ff.).
4.4 Das Ökosozialprodukt (ÖSP)
Die Folgekostenrechnung stellt auch einen Ansatzpunkt für die Entwicklung des Ökosozialprodukts dar. Beim Ökosozialprodukt sollten die umweltbezogenen Defensivausgaben in die VGR eingebaut und weiter ausgebaut werden (vgl. Dieren 1995, S.204ff.). Ausgangspunkt für die Ermittlung des ÖSP ist das NSP. Beim NSP werden Abschreibungen resultierend aus den produktionsbedingten Kapitalverschleiß, vom BSP abgezogen. Analog zum Verschleiß von Maschinen, Anlagen, Strassen und Brücken, entsteht auch am natürlichen Kapitalstock ein Verschleiß. Das ÖSP ist also ein, um die Nutzung bzw. Übernutzung von Umwelt und Natur, korrigiertes NSP. Das Konzept des ÖSP versucht den Abbau von fossilen Energiequellen, mineralischen Rohstoffen, sowie die Überausbeutung von erneuerbaren Ressourcen zu erfassen und zu bewerten. Hinzu kommt noch die Verschmutzungs- und Abfallproblematik (vgl. Leipert 1996, 331f.).
Inwieweit diese Forderungen erfüllt werden, hängt von dem zugrunde liegenden Nachhaltigkeitskonzept ab. Im Folgenden werden die wichtigsten Nachhaltigkeitskonzepte vorgestellt.
4 Für eine detaillierte Aufstellung der Defensivausgaben siehe Tabelle 4-A im Anhang.
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4.4.1 Nachhaltigkeit im neoklassischen Sinne
Die neoklassische Vorstellung sieht in der Nachhaltigkeit ein nicht sinkendes Nutzenniveau des vorhandenen Kapitalbestandes. Ausgangspunkt ist das Hickssche Einkommensverständnis. Demnach darf in einer Periode nur diejenige Gütermenge als Einkommen verstanden werden, die pro Periode konsumiert werden kann, ohne dass das Vermögen angegriffen wird. Echtes Einkommen muss Zinseinkommen sein (vgl. Hicks 1946, S.172). Unser Vermögen setzt sich aus dem künstlichen und dem natürlichen Kapital zusammen. Demzufolge würde ein Konsumniveau über das Zinseinkommen hinaus bedeuten, dass die Gesellschaft von ihrer Substanz gelebt hat, und daraus zwangsläufig die laufenden Nutzenniveaus der Zukunft absinken werden. Ein Absinken des Nutzenniveaus würde in der Zukunft Opportunitätskosten verursachen, da ein Teil des Kapitalbestandes nicht mehr zur Verfügung stehen wird (vgl. Solow 1974, S.29f.). Nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit im Neoklassischen Sinne müssen diese Opportunitätskosten(„User Costs“) bereits in der aktuellen Periode berücksichtigt werden. Das NSP müsste um die User Costs, als zusätzliche Abschreibungen, korrigiert werden. Bei den nicht erneuerbaren Ressourcen führt jeder Verbrauch zu solchen Opportunitätskosten, wenn nicht kompensierende Ersatzinvestitionen im künstlichen Kapital getätigt werden. Erneuerbare Ressourcen unterliegen einer intertemporalen Nutzungsrivalität mit den zukünftigen Generationen. Es wird daher eine Nutzung nahe gelegt, die die natürliche Regenrationsrate nicht übersteigt. Sollte man sich nicht auf einem intertemporalen Optimalitätspfad befinden, so fallen zusätzliche intertemporale Kosten an (vgl. Richter 1994, S.54ff.). Die Kritik an diesem Nachhaltigkeitskonzept richtet sich hauptsächlich gegen die Optimalitätsbedingung und die perfekte Substitutionsmöglichkeit von künstlichem und natürlichem Kapital (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.234).
Die Berechnung der Opportunitätskosten bezieht sich immer auf die Abweichung der Situation in der Berichtsperiode von der optimalen Situation. Die optimale Situation ist jedoch nicht bekannt, und daraus folgt dass die Abweichungen davon ebenso wenig quantifiziert werden können (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.234).
Die unterstellte perfekte Substitutionsmöglichkeit von natürlichem durch künstliches Kapital ist in der Realität auch nur begrenzt gegeben. Der langfristige Extremfall, dass man Einkommen und Nutzen nur auf Basis von künstlichem Kapital, wie z.B. Maschinen und Anlagen, ohne natürliche Ressourcen generieren kann, erscheint aufgrund des ersten Gesetzes der Thermodynamik absurd (vgl. Pearce/Turner 1990, S.49).
Aus diesen Gründen erscheint die Realisierung eines solchen Ansatzes relativ realitätsfremd und unwahrscheinlich (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.234).
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4.4.2 Nachhaltigkeit(i.e.S.) als konstanter Kapitalstock
Eine Gegenposition zur Neoklassik nehmen die Anhänger des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung (i.e.S.) ein. „Unter Nachhaltigkeit verstehen sie, dass zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse mindestens in gleicher Weise befriedigen können wie die heutigen Generationen.“(Cansier/ Richter 1995, S.235) Daraus entsteht die Forderung, dass unser Umweltkapitalstock von Jahr zu Jahr konstant bleiben soll.
Für die Ermittlung der Nachhaltigkeit werden Normen festgelegt, zum einen über die zu erhaltenden Bestände an Umweltkapital und zum anderen über Nutzungsgrenzen (vgl. Richter 1994, S.139ff.). Diese exogenen Nachhaltigkeitsstandards stoßen jedoch auf Kritik, denn eindeutige Schadensgrenzen für alle Menschen existieren nicht und Unschädlichkeitsschwellen, die nur minimale Restrisiken zulassen, sind nicht realistisch (vgl. Cansier 1994, S.642ff.). Bei den Normen für erneuerbare Ressourcen wird empfohlen, sich an den Beständen aus der vorindustriellen Zeit zu orientieren und die Nutzungsgrenzen auf Basis der natürlichen Regenrationsfähigkeit zu ermitteln (vgl. Hampicke 1992, S.310ff.)
Für die nichterneuerbaren Ressourcen ist jede Nutzung auch mit einer Bestandsverminderung verbunden. Die Normen sollen sich daher am Konzept der Erhaltung des Funktionspotentials für einen begrenzten Zeitraum orientieren. Bei diesem Konzept wird versucht ein konstantes Funktionspotential zu erhalten, indem man die Erschließung von neuen Lagerstätten, die Rationalisierung des Verbrauchs, sowie die Erforschung von Substitutionsmöglichkeiten, mitberücksichtigt (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.239).
Für das ÖSP wird die Differenz zwischen der tatsächlichen erfolgten und der unter Nachhaltigkeitsaspekten wünschenswerten Umweltnutzung bewertet. Der Bewertung liegt der Vermeidungskostenansatz zugrunde, also die Kosten, die hypothetisch aufzuwenden gewesen wären, um diese Normverletzung zu vermeiden (vgl. United Nations 1993, S.105ff.).
Grenzvermeidungskosten
Abbildung 2: Bewertung der nicht nachhaltigen Umweltnutzung (In Anlehnung an: Cansier/ Richter 1995, S.240)
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Wie man aus Abbildung 2 entnehmen kann, müssten nach dem Grenzkostenansatz für die Erreichung der Nachhaltigkeitsnormen Vermeidungskosten in Höhe der Fläche E*E’CA berücksichtigt werden (vgl. Richter 1994, S.192).
In Analogie zur Ermittlung des statistischen NSP aus dem BSP, sollte das NSP um den Umweltkapitalverschleiß, bestehend aus der Summe aller hypothetischen Vermeidungskosten, korrigiert werden. Diese „Öko-Marge“ entspricht den Kosten, die aufzuwenden wären um die Nachhaltigkeitsnormen einzuhalten (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.245). Die Kritik an diesem Nachhaltigkeitsprinzip wendet sich hauptsächlich gegen die hypothetischen Vermeidungskosten.
Bei der Ermittlung der Vermeidungskosten findet für jede Ressource oder Emission eine Aggregation von mikroökonomischen Partialanalysen statt. Die einzelnen Partialanalysen entstehen jedoch unter einer Ceteris Paribus Klausel. Eine Aggregation ist daher sehr problematisch, weil Verflechtungen und Umstrukturierungsprozesse ignoriert werden. Ein weiterer Kritikpunkt wäre, dass ein solches ÖSP keine Rückschlüsse zulässt, inwieweit die Normen verletzt wurden. Dies entsteht aufgrund der monetären Bewertung der „Öko-Marge“. Die Vermeidungskostenkurven und damit auch die „Öko-Marge“, werden durch Inflation und technischen Fortschritt sehr stark beeinflusst. Daher kann man vom Sinken der „Öko-Marge“ nicht auf eine Verringerung der Zielabweichung von der Nachhaltigkeitsnorm schließen (vgl. Cansier/ Richter 1995, S.247ff.).
4.4.3 Nachhaltigkeit als periodenbezogene Neutralität
Das Problem der Optimalitätsbedingung in der Neoklassik und der normativen Überfrachtung wird hier dadurch überwunden oder umgangen, indem man die derzeitige Situation für effizient betrachtet und von dieser die Quantifizierung der Abweichungen vornimmt. Es herrschen keine fixe Nachhaltigkeitsnormen, sondern der jeweilige Periodenanfangsbestand wird als Zielgröße gewählt. Dieses Nachhaltigkeitskonzept versteht Nachhaltigkeit im Sinne der periodenbezogenen Neutralität.
Unter strategisch-politischen Gesichtspunkten erscheint dieses Konzept realisierbarer und eignet sich zumindest als erster Schritt für eine echte Nachhaltigkeitspolitik. Auch entspricht dieses Verfahren mehr dem Verständnis der Abschreibungen in der VGR, weil nur die periodenbezogenen hypothetischen Vermeidungskosten und nicht die Sockeleffekte der Vergangenheit, berücksichtigt werden.
Ansonsten bleiben immer noch alle früheren Kritikpunkte wie beim Nachhaltigkeitsprinzip (i.e.S.), bezüglich der hypothetischen Vermeidungskosten bestehen (vgl. Cansier/ Richter
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1995, S.252ff.)
Als eine Alternative dazu, wird von vielen Autoren, ein ökonometrischer Ansatz, der auf Basis eines Modells alle dynamischen Effekte berücksichtigt, angesehen (vgl. Aaheim und Ny-borg 1993, S.10ff.; Harrison/Lorents/Jorgensen 1993, S.75)
4.5 Das Nettwohlfahrtsprodukt
Über die methodische Kritik am ÖSP, werden von der Literatur noch grundsätzlichere Aspekte angegriffen. Das Ökosozialprodukt stellt keine neue gesamtwirtschaftliche Erfassung dar, sondern nur die aktuelle VGR um einen einseitigen Aspekt, der Umwelt, erweitert (vgl. Zimmermann 1995, S.262f.).
Ein Wohlfahrtsindikator dürfte nicht nur die im Umweltbereich auftretende Effekte und die die damit verbundene Wertminderung des Umweltkapitals beinhalten, sondern auch andere Bereiche, die in der VGR nicht hinreichend erfasst sind.
Zu diesen Bereichen gehören beispielsweise die im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung bewirkten Zu- und Abnahmen beim Bildungsvermögen (steigendes Ausbildungsniveau, aber auch Qualifikationsverluste), beim Gesundheitsvermögen (steigende oder sinkende Lebenserwartung bzw. Krankheitshäufigkeit) usw. (vgl. Zimmermann 1995, S.265f.). 5 Das Nettowohlfahrtsprodukt sollte alle positiven und negativen externen Effekte erfassen, die in den internen Wirtschaftsrechnungen nicht vorkommen. Hinzu kommen noch die Querverbindungen zwischen den zu berücksichtigen Bereichen, wie z.B. negative Umwelteffekte auf die Gesundheit. Die bereits vorgestellten Satellitensysteme zu Bildung, Umwelt und Gesundheit usw. liefern die Vorarbeiten zur Ermittlung eines Nettowohlfahrtsproduktes. Trotzdem bleiben sehr viele methodische und statistische Probleme bei der Bewertung und Ermittelbarkeit des Wohlfahrtsprodukts, wie schon beim ÖSP erläutert, ungelöst. In den USA gab es schon seit den 60er Jahren Bemühungen, das Nettowohlfahrtsprodukt zu berechnen (vgl. Eisner 1988, 1610ff.). Das „Full gross domestic product“ nach Jorgenson und Fraumeni für das Jahr 1982 betrug unter Einbeziehung von Bildung und Haushaltsproduktion über 15,3 Bill. und damit mehr als das 5fache des eigentlichen GDP. Kendrik bezifferte das Full Personal Income 1984 auf 8,5 Bill unter Berücksichtigung der Freizeit. Eisner selbst berechnete das Total Capital Stock der USA für das Jahr 1981 auf 23,7 Bill (vgl. Eisner 1988, S. 1666). Auch wenn die Verfahren sehr unterschiedlich sind, zeigt die hohe Bandbreite der Ergebnisse, dass sehr große methodische Probleme bei der Bewertung vorherrschen.
5 Für das bessere Verständnis des Zusammenhangs zwischen VGR, Bildungs-, Umwelt-, Gesundheitseffekte siehe Abbildung 2-A im Anhang
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5 Schlussbetrachtung
Die hier aufgeführten empirischen Ansätze zur Wohlfahrtsmessung hinterlassen einen negativen Eindruck. Keiner der Ansätze eignet sich als wirklicher Wohlfahrtsindikator. Die schwerwiegendsten Probleme, die bei den Ansätzen auftreten, sind Probleme verbunden mit der Komplexität, der monetären Bewertung und dem Aggregationsgrad. Das Problem der Komplexität beginnt schon beim Begriff der Wohlfahrt, der sich oberflächlich und theoretisch durch subjektive und objektive Gesichtspunkte leicht beschreiben lässt, aber wenn es darum geht zu messen, was alles positiv und negativ zur Wohlfahrt beiträgt, gerät man bereits beim Alltäglichen (z.B. Alkohol) ins stocken. Die Anzahl und Auswahl von Indikatoren kann nur allzu oft unendlich erweitert werden und wirkt daher leicht willkürlich. Eine reine Auswahl von objektiven Indikatoren führt dazu, dass das subjektive Wohlbefinden vernachlässigt wird, während subjektive Elemente das Ergebnis verwischen. Die Komplexität spielt zudem noch eine Rolle bei der Ermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge zwischen bestimmten Effekten, z.B. Auswirkungen von Umweltschäden.
Bei der Bildung eines Indikators kommt noch das Problem der Aggregation hinzu. Ein niedriger Aggregationsgrad führt wie bei den Sozialindikatoren oder den Satellitensystemen zu soliden Ergebnissen. Diese können aber nur von Experten ausgewertet werden und damit auch manipulativ verwendet werden. Damit geht auch das politische Ziel des Indikators verloren. Aggregiert man stattdessen einen Indikator zu nur einer Dimension, so gewinnt der Indikator an Transparenz und Einfachheit. Die Wohlfahrt ist aber aufgrund ihrer Komplexität nicht einfach eindimensional und jeder Versuch führt aufgrund methodischer Schwierigkeiten zu einem Indikator mit nur geringer oder gar keiner Aussagekraft über das Indikandum. Einer der methodischen Fehler liegt in der monetären Bewertung. Der Versuch, die Eindimensionalität des Indikators durch die monetäre Bewertung aller Einflüsse zu erreichen, ist keine Lösung. Die VGR steht in einen Begriffs- und Rechnungszusammenhang, der durch die Kreislauftheorie erzwungen wird, eingebetet. An diesem fundierten Modell kann man nicht einfach etwas addieren oder subtrahieren. Das Sozialprodukt beschränkt sich auf tatsächlich beobachtbare Vorgänge und betrachtet sie von unterschiedlichen Seiten. Der Versuch fehlerhafte Ausnahmen in der VGR, wie z.B. externe Effekte, zu korrigieren führte nur zu mehr Ausnahmen und schwerwiegenderen Bewertungsfehlern.
Aus diesem Grunde kann ich nur die Satellitensysteme, mit ihrer Einbettung in die VGR-Logik als sinnvolle Systeme zur Ergänzung des Bruttosozial- und Nettosozialproduktes empfehlen, auch wenn es sich dabei nicht um wahre Wohlfahrtsindikatoren handelt.
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VII
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V Anhang
Abbildung 1-A: Das Innländerkonzept (Quelle: Eigene Darstellung)
Abbildung 2-A: Ermittlung des Nettowohlfahrtsproduktes(Quelle: Zimmerann 1995, S.265)
I X
Tabelle 1-A: Berechnung des Bruttosozial-, Bruttoinlands-, Nettosozial- und Nettoinlandsproduktes (Quelle: www-zr.statisik-bund.de)
X
1) Einschließlich Fahrdiensten für Erwerbstätigkeit. 2) Bewertet mit Nettolohnsätzen von Hauswirtschafterinnen. 3) Produktionssteuern abzüglich Subventionen.
4) Abschreibungen auf dauerhafte Gebrauchsgüter und eigengenutztes Wohnungsvermögen.
Tabelle 2-A: Komponenten der Haushaltsproduktion 1992 nach Aktivitätsbereichen (Schäfer/ Schwarz 1994, S.609)
Tabelle 3-A: BIP und Bruttowertschöpfung bei der Haushaltsproduktion 1992 (in Anlehnung: Schäfer/ Schwarz 1994, S.610)
X I
Arbeit zitieren:
Mihai Paunescu, 2002, Empirische Ansätze zur Wohlfahrtsmessung, München, GRIN Verlag GmbH
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