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dem von ihm geprägten Begriff der „Kulturfeindschaft“ 4 aus. Kultur an sich entsteht nach Freud durch den Wunsch, den „Naturzustand“ 5 aufzuheben. Der freudsche Naturzustand
definiert sich durch eine völlige Freiheit, in der man seinen Trieben ungestört nachgeben und -gehen kann, das heißt „man darf also jetzt zum Sexualobjekt jedes Weib wählen, darf seinen Rivalen...ohne Bedenken erschlagen, kann dem anderen auch irgendeines seiner Güter wegnehmen.“ 6 Dabei stellen sich aber zwei Probleme: Erstens hat jeder diese Freiheit(was ja schon beim ähnlichen Naturzustand nach Hobbes ein Problem war), zweitens beschränkt uns die Natur selbst auf ihre ganz eigene, grausame Weise: „...sie bringt uns um, kalt, grausam, rücksichtslos...“. 7 Gerade dieser zweite Punkt ist der Grund für die Schaffung von Kultur, sie ist Schutz gegen die Natur. Aber die Kultur schafft auch eine Entbehrung auf die Freiheiten, die uns im Naturzustand noch gegeben sind. Hinzu kommen die Leiden, die Mitmenschen uns trotz der
Kulturvorschriften oder gar als Folge ihrer Unvollkommenheit zufügen. Das läßt den Menschen „Kulturfeindschaft“ empfinden. Hinzukommt, das die Kultur auch nicht die gesamte Natur bezwingen kann, beispielsweise in Form von Naturkatastrophen oder Krankheiten. Laut Freud ist es diese unbezwungene Natur, was man gemeinhin als „Schicksal“ 8 bezeichnet. Was tut die Kultur hier? Sie entwickelt die Religion, die mehrere Aufgaben hat.
1: Der Natur ihren Schrecken zu nehmen 2: Mit dem grausamen Schicksal auszusöhnen 3: Für die durch die Kultur entstandenen Nachteile zu entschädigen.
4 S. 159
5 S. 158
6 ebd.
7 ebd
8 S. 159
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Nun entwickelt Freud quasi eine Entwicklungsgeschichte der Religion, die besonderen Wert auf die Akzentverschiebungen innerhalb der drei oben genannten Aufgabengebiete legt. Zunächst ist die erste Aufgabe die wichtigste. Diese wird gelöst indem man die „unpersönliche“ 9 Natur vermenschlicht. Denn „...wenn in den Elementen Leidenschaften toben wie in der eigenen Seele, wenn selbst der Tod nichts Spontanes ist, sondern die Gewalttat eines bösen Willens, wenn man überall in der Natur Wesen um sich hat, wie man sie aus der eigenen Gesellschaft kennt...“ 10 verliert der Mensch sein Gefühl des Ausgeliefertseins. Er kann sich der Natur wie seinen Artgenossen gegenüber verhalten, also „...kann versuchen zu beschwören, beschwichtigen, betteln...“ 11 und sich so seinen Ängsten stellen. Mit der Entdeckung von Naturgesetzen verschwindet das menschliche Wesen der Natur wieder, sie wird als von den Göttern als so funktionierend geschaffen angesehen und der Akzent innerhalb der Aufgaben verschiebt sich. Die Versöhnung mit dem Schicksal ist allerdings nicht so einfach, weshalb man, wenn man den Göttern die Schaffung des Schicksals zuspricht, „...ihren Ratschluß unerforschlich heißen muß“. 12 In der griechischen Mythologie wies man dem Schicksal, der Moira, gar eine eigene Sphäre zu, die über der der Götter stand. Deshalb wird nun die Lösung der dritten Aufgabe zum religiösen Hauptzweck. Dieser beinhaltet „die Mängel und Schäden der auszugleichen“ 13 , Kultur die durch das menschliche Zusammenleben entstehenden Leiden zu strafen und die
Einhaltung der Gesetze, denen nun selbst „göttlicher Ursprung zugesprochen“ 14 wird, zu überwachen. Es entsteht eine Vielzahl religiöser Vorstellungen, deren Quintessenz letztendlich folgendermaßen lautet: „das Leben in dieser Welt dient einem
9 ebd.
10 ebd.
11 ebd.
12 S.160
13 ebd.
14 ebd.
4
höheren Zweck, der zwar nicht leicht zu erraten ist, aber gewiß eine Vervollkommnung des menschlichen Wesens
bedeutet...Wahrscheinlich soll die Seele...das Objekt dieser Erhöhung sein.“ Die Erkenntnis und der Lohn der Leiden wird auf die Existenz nach dem Tode verschoben, was dem Menschen das irdische Leben erträglich macht.
II
Im zweiten Auszug ordnet Freud nun die Religion unter verschiedenen „Hilfskonstruktionen“ 15 ein, die alle die Funktion haben, die Bürde des Lebens zu erleichtern. Er differenziert zwischen drei qualitativ unterschiedlichen Formen dieser „Linderungsmittel“.
1. „Mächtige Ablenkungen, die uns unser Elend geringschätzen lassen.“ 16
2. „Ersatzbefriedigungen, die es(das Elend) verringern.“ 17 3. „Rauschstoffe, die uns für dasselbe unempfindlich machen“ 18
Um den Standort der Religion innerhalb dieser 3 Faktoren zu finden, sieht Freud sich gezwungen weiter auszuholen. Er setzt bei der Frage nach dem Sinn des Lebens an, die uns intellektuell zufriedenstellend nur die Religion beantworten kann. Aber am menschlichen Verhalten kann Freud durchaus einen Lebenszweck erkennen: Das Glücklichsein und -bleiben.
Um dieses Ziel zu erreichen gibt es zwei Wege: Das Vermeiden Unlust“ 19 von „Schmerz und und „das Erleben starker
Lustgefühle“ 20 , wobei zweites landläufig unter Glück verstanden wird. Der Lebenszweck wird also angeborenerweise vom „Programm
15 ebd.
16 ebd.
17 ebd.
18 ebd.
19 S.162
20 ebd.
Arbeit zitieren:
Mario Fesler, 1999, Sigmund Freud - Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen, München, GRIN Verlag GmbH
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