Inhaltsübersicht
1. EINLEITUNG. 4
2. DER DROGENKONSUM DES INDIVIDUUMS 4
2.1 Definition von Drogen 4
2.2 Einordnung des Drogenkonsums in die Nutzentheorie. 5
3. DROGENMÄRKTE 8
3.1 Die Nachfrage 8
3.2 Das Angebot 10
3.3 Der Drogenmarkt als Monopolmarkt. 11
4. MÖGLICHKEITEN STAATLICHER DROGENPOLITIK. 14
4.1 Ziele der Drogenpolitik. 15
4.2 Handlungsmöglichkeiten des Staats 18
4.2.1 repressive Drogenpolitik 18
4.2.2 Liberalisierung der Drogenmärkte 21
4.2.3 Beeinflussung der Nachfragerseite. 22
5. FAZIT 23
6. LITERATURVERZEICHNIS 24
7. ANHANG. 26
3
1. Einleitung
Der Konsum von Drogen ist ein weit verbreitetes Phänomen in unserer Gesellschaft. Frey 1) geht davon aus, dass in Deutschland ca. 17 % der Bevölkerung im Verlauf ihres Lebens illegale Drogen konsumiert haben. Die Hessische Landesstelle gegen Suchtgefahren 2) schätzte im Juli 2001 allein die Zahl der Cannabiskonsumenten in Deutschland auf 2,1 Millionen. Die Anzahl von Abhängigen sogenannter „harter“ Drogen b elief sich im selben Jahr auf ca. 250.000 - 300.000 Konsumenten. Drogenkonsum an sich ist daher nicht nur das Problem einer Randgruppe, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.
Durch die suchtfördernden Wirkungen des Guts „Droge“ und durch die prohibitive Drogenpolitik ergeben sich bei Betrachtung des Marktes Besonderheiten, die diesen Markt aus ökonomischer Sicht von herkömmlichen Märkten unterscheiden und betrachtenswert machen. Die suchtfördernden Wirkstoffe ergeben bei regelmäßigem Konsum ein Abhängigkeitspotential der Nachfrager, welches sich auf den Konsum zukünftiger Perioden auswirkt, wohingegen durch die prohibitive Drogenpolitik sowohl das Angebot als auch die Nachfrage beeinflusst werden. Unter Berücksichtigung dieser Effekte stellt sich die Frage, ob die repressive Politik ihre wie auch immer gearteten Ziele erreicht, oder ob andere Umgangsformen mit dem Phänomen „Droge nsucht“ denkbar wären. Auf diese Fragen soll hier eingegangen werden.
Eine allgemein gültige Definition des Begriffes „Drogen“ zu finden fällt nicht leicht. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization WHO 1981) definiert
Drogen als „Stoffe, Mittel und Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Natur Strukturen oder Formen im lebenden Organismus verändern, wobei sich diese Veränderung insbesondere in den Sinnesempfindungen, in der Stimmungslage, im Bewusstsein oder in anderen psychischen Bereichen oder im Verhalten bemerkbar machen“ 3) .
Im Folgenden soll von dieser Definition weiter beschränkt werden, da Güter wie zum Beispiel Alkohol oder nikotinhaltige Produkte, welche diesen Kriterien genügen, legal gehandelt werden. Hier sollen ausschließlich illegal gehandelte Güter, die den Kriterien der WHO genügen, unter dem Begriff „Drogen“ subsumiert werden, da sich hier die relevanten Effekte zeigen.
Beispiele finden sich in landwirtschaftlich erzeugten Produkten, wie beispielsweise Cannabisprodukte, Heroin, Kokain oder in chemischer Produkten, wie etwa LSD oder Ecstacy.
2.2 Einordnung des Drogenkonsums in die Nutzentheorie
Fraglich ist nun, ob der Drogenmarkt und die Drogenproblematik in der Gesellschaft überhaupt mit wirtschaftswissenschaftlichen Methoden untersucht werden können. Dabei sei zunächst ein Markt mit einem Gut c betrachtet. c sei eine illegal gehandelte Droge, deren vermehrter Konsum abhängig macht. Ferner sei y ein Güterbündel, bestehend aus allen anderen Gütern, ausgenommen der Droge. Bei unterstellter u = Nutze nmaximierung als Ziel besitzt ein Individuum die Nutzenfunktion ) , ( c y u .
t t t
Der Grenznutzen des Konsums beider Güter in t sei positiv. Hierbei bezeichnet t die aktuelle Periode.
Der heutige Drogenkonsum ist jedoch gerade wegen des Abhängigkeitspotentials der Droge vom Konsum der Vergangenheit abhängig. Je höher der Drogenkonsum in den vergangenen Perioden war, desto höher wird die Bereitschaft zum Drogenkonsum in
der aktuellen Periode sein. Dieser Sachverhalt wird durch die „Theory of Rational Adiction“ von Becker und Murphy 4) dargestellt:
u = ) , , ( S c y u
t t t t
S stellt die aufsummierte und konsumierte Menge an Gut c in den Vorperioden dar.
t
Die konsumierte Menge an Drogen t c ist vom vergangenen Konsum t S positiv
abhängig. Je mehr Erfahrungen das Individuum in der Vergangenheit mit Drogen gemacht hat, desto höher ist der Grad der Abhängigkeit und desto höher ist die Bereitschaft Drogen zu konsumieren. Aus einem hohen t S folgt daher auch eine hohe > ∂ ∂ Bereitschaft zum erneuten Drogenkonsum. Es gilt 0 S c . Die Größe t S wird in
t t
der Literatur (Niskanen 5) , Becker und Murphy) auch als „stock of adictive capital“ oder als Prozess des „learning by doing“ beschrieben und kann als Erfahrungskurveneffekt i nterpretiert werden. Ein hohes t S steht für hohen oder
häufigen Drogenkonsum in der Vergangenheit und wirkt sich auf den heutigen Konsum von t c aus, da die erwünschte berauschende Wirkung des Drogenkonsums abgeschwächt wird. Der menschliche Körper gewöhnt sich an die Rauschzustände. Dies verdeutlicht die potentielle Gefahr der Drogensucht, welche den aktuellen Drogenkonsum vom Konsum der vergangenen Perioden abhängig macht. t S ist daher
ein Indikator für den Grad der Abhängigkeit des Individuums von der Droge. Je größer S ist, desto mehr wird das Individuum bereit sein, den Drogenkonsum dem Konsum
t
sonstiger Güter vorzuziehen und desto weniger ist das Individuum in der Lage, auf den Konsum der Droge zu verzichten.
Der Konsum von Drogen im Zeitpunkt t wird sich jedoch auch auf den zukünftigen Konsum von Drogen auswirken, da der Grad der Abhängigkeit mit steigendem t S
ebenfalls ansteigt. Ein Individuum mit hohem Drogenkonsum in der Vergangenheit wird daher auch in Zukunft tendenziell häufiger zu Drogen greifen als ein Individuum,
welches nie Drogen konsumiert hat. Der Drogenkonsum wird sich aufgrund zune hmender Abhängigkeit, gefolgt von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und aufgrund eingeschränkter Arbeitsleistungen, negativ auf den zukünftig erzielbaren Nutzen auswirken. Maximiert das Individuum nun seinen Nutzen unter Berücksichtigung aller Nutzen der Folgeperioden, werden sich diese negativen Folgewirkungen des Droge nkonsums auf den gesamten erzielbaren Nutzen auswirken. In den Folgeperioden ist das Individuum nicht mehr in der Lage, ein identisch hohes Nutzenniveau zu erreichen, da die Leistungsfähigkeit durch den Drogenkonsum eingeschränkt wird. Bei Betrachtung aller im Verlauf des Lebens erzielbarer Nutzenniveaus müssen die Nutzen der Folgeperioden daher mit einem vom heutigen Drogenkonsum abhängigen Diskontfaktor abgezinst werden:
+ + + = L * )) ( ( * )) ( ( ) , , ( U S c d U S c d S c y U U
+ 2 1 t t t t t t T
Einerseits ist der Diskontfaktor d vom vergangenen Drogenkonsum abhängig. Je stärker ein Individuum von der Droge abhängig ist, desto eher ist es bereit, die zukünftigen negativen Folgen auszublenden. So ist es für einen Schwerstabhängigen nicht wichtig, ob die in t durch illegale Aktivitäten erworbene Menge an Drogen t c in
der Folgeperiode sein Nutzenniveau empfindlich einschränkt, weil er beispielsweise wegen Drogendelikten inhaftiert wurde. Die negativen Folgen werden ausgeblendet bzw. um d verzerrt bewertet. Daher kann nun in drei Konsumentengruppen differenziert werden:
Konsumenten, die nie zu Drogen greifen, erreichen entweder durch den Konsum sonstiger Güter ein höheres Nutzenniveau als durch den Drogenkonsum, oder für sie hat der zukünftige Nutzen schon heute einen hohen Stellenwert. Demzufolge nimmt d einen sehr hohen Wert oder auch den Wert 1 an.
Dann gibt es Konsumenten, die trotz Drogenkonsum nicht süchtig werden. Hier wird d geringfügig diskontiert. Dies ist typisch für Gelegenheitskonsumenten und für Konsumenten weicher Drogen, wie z. B. Cannabisprodukte.
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Die dritte Gruppe sind Abhängige und Schwerstabhängige. Hier werden zukünftige Nutzen kaum noch wahrgenommen, nur der jetzige Konsum der Droge ist wichtig, d ist sehr gering oder auch 0.
Andererseits ist d auch ein Indikator für den Grad der Droge. Häufig findet man eine Unterscheidung von „harten“ und „weichen“ Drogen. „Harte“ und somit schnell abhängig machende Drogen, wie zum Beispiel Heroin, werden daher einen geringen Diskontfaktor zukünftiger Nutzenniveaus aufweisen, da die Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeit zu entwickeln extrem hoch ist und somit auch die negativen Folgewirkungen auf das Nutzenniveau zukünftiger Perioden sehr hoch sind. Bei „weichen“ Drogen ist der Diskontfaktor nur sehr niedrig, hier ist das Abhängigkeitspotential nur gering. Ein Beispiel hierfür sind Cannabisprodukte, bei denen die suchtfördernde und gesundheitsschädliche Wirkungen umstritten sind. Folglich ist nur mit geringen oder auch keinen negativen Folgen zu rechnen.
3. Drogenmärkte
Die einzelnen Nachfrager werden nun mit einem Markt mit gewissen Besonderheiten konfrontiert. Fraglich ist, wie sich diese Besonderheiten auf das Angebot und die Gesamtnachfrage auswirken.
3.1 Die Nachfrage
Bei Betrachtung der Nachfrageseite ist nun zwischen verschiedenen Konsumentent ypen zu unterscheiden, deren Nachfrageverhalten voneinander abweicht. Blair/Vogel 6) gehen von vier Konsumententypen aus, welche sich wiederum zu zwei großen Nachfragegruppen, deren Verhalten signifikant voneinander abweicht, zusammenfassen lassen. Zum einen gibt es die Nachfragegruppen der „experimenter“ und der „ice cream habit“. Hier werden Drogen nur gelegentlich ähnlich anderer, meist superiorer, Genussmittel, wie z. B. Zigarren, teure Weine oder Lachs konsumiert. Abhängigkeitsve rhältnisse bilden sich nicht heraus. Ein auf diese Weise handelndes
Individuum kalk uliert die negativen Effekte des Drogenkonsums daher ein. Hier
( ) ( )
S c d nimmt der Diskontfaktor einen hohen Wert an, da Drogen nur gelegentlich
konsumiert werden. A nders sieht das beim „experimenter“ aus, hier steht der experimentelle Charakter, das Neue und Unbekannte am Drogenkonsum im Vordergrund. Befriedigung von Neugier ist ein weiterer Grund des Konsums. Beim „experimenter“ kann auch gerade das Verbotene Motiv des Konsums werden, wenn Risikofreude unterstellt wird. Der Konsum verbotener Güter wirkt in diesem speziellen Fall nutzensteigernd. Die Folgen des Drogenkonsums sind jedoch nicht absehbar. Der „experimenter“ besitzt sowohl das Potential eine Abhängigkeit zu
( ) ( )
S c d entwickeln. Es kann aber auch beim einmaligen Konsum bleiben. ist daher
unbestimmt und kann einen beliebigen Wert zwischen 0 und 1 annehmen.
Preis p
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
addicts“, welche sich nur durch den längeren Grad der Abhängigkeit von den „hard addicts“ unterscheiden. Charakteristikum für diese Gruppe sind Entzugserscheinungen bei ausbleibendem Konsum. Für diese Konsumentengruppe ergibt sich eine andere Struktur der Nachfrage: aufgrund der Entzugserscheinungen bei ausbleibendem Konsum sind Abhängige nur in geringem Maß in der Lage, bei Preissteigerungen auf andere Produkte auszuweichen. Dies ist kurzfristig, z. B. durch die Einnahme von Schmerzmitteln oder anderer Drogen, möglich; langfristig sind Abhängige jedoch auf den Konsum des eigentlichen Guts angewiesen. Daraus ergibt sich eine herkömmliche < ∂ ∂ p 0 c Nachfragekurve mit für niedrige Preise. Auch Abhängige reagieren auf
Preissteigerungen mit vermindertem Konsum. Es existiert jedoch ein Punkt auf der
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Preis p
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Konsumentengruppen, ergibt sich für Erstkonsumenten genauso wie für den „ice cream habit“ und den „experimenter“ eine in jedem Punkt auf der Kurve elastischere Nachfrage als beim Abhängigen. Es gilt daher
∂ e a mit c p c p
= a von Abhängigen nachgefragte Menge c = e von Erst- und Gelegenheitskonsumenten nachgefragte Menge c
3.2 Das Angebot
Prinzipiell gilt für die Anbieter von Drogen, dass die angebotene Menge vom Preis der gehandelten Ware abhängig ist. Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen Gut ergibt sich aus der Prohibition des Marktes. Das Anbieten von Waren birgt immer das Risiko staatlicher Verfolgung in Form von Geldstrafen oder Inhaftierung 7) . Folglich sind Anbieter nur noch dann bereit Waren zu verkaufen, wenn ihnen für dieses Risiko eine Prämie gezahlt wird. Das Angebot ist folglich vom Risiko, ausgedrückt durch den Grad der Repression r, abhängig. Je größer der staatliche Druck auf die Anbieter ist,
desto größer wird r und desto größer wird der Risikoaufschlag der Anbieter auf den Preis sein, bei dem sie noch bereit sind, das Gut anzubieten und somit das Risiko der Bestrafung auf sich zu nehmen. Gilt r = 0, so liegen liberale Verhältnisse vor, es bestünde kein Risiko während bei r = 1 totale Prohibition des Marktes besteht.
∂ P d d 0 P ) , ( r c mit 0 <= r <= 1 und 0 c P bzw.
Aufgrund des von den Anbietern eingegangenen Risikos und aufgrund unterstellter Endvermögensmaximierung als Zielsetzung der Anbieter (ein Vorliegen von altruistischen Verhaltensmustern seitens der Anbieter wird nicht angenommen) kann ferner unterstellt werden, dass das Interesse besteht, Abnehmer langfristig zu binden. Daraus ergibt sich eine Preisdifferenzierungsstrategie der Anbieter, welche darauf abzielt, Neukunden das Produkt zu sehr geringen Preisen oder auch unentgeltlich, in der Hoffnung, diese Kundenkreise in die Abhängigkeit zu führen, zu überlassen. Abhängige oder regelmäßige Kunden sehen sich dann mit weitaus höheren Preisen konfrontiert.
3.3 Der Drogenmarkt als Monopolmarkt
Drogen, die aus landwirtschaftlichen Produkten gewonnen werden, wie z. B. das aus der Cocapflanze gewonnene Kokain, werden meist in unterentwickelten Ländern Asiens und Südamerikas produziert. Zwischen den dort gezahlten Einkaufspreisen der Händler und den in westlichen Ländern üblichen Marktpreisen bestehen enorme Differenzen, welche auf exorbitant hohe Margen schließen lassen. So geht Prinz 8) davon aus, dass die Verkaufspreise in der Bundesrepublik die Einkaufspreise in den 1980er Jahren zum Teil um das 20-fache überstiegen. Aktuellere Quellen, zum Beispiel Pies 9) , gehen von einem Preisverfall aus, der etwa in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einsetzte. Dieser Preisverfall liegt gemäß Pies bei ca. 50% im Vergleich zum Referenzpreis aus dem Jahr 1975. Ein Grund für diesen Preisverfall könnte der Niedergang des Warschauer Paktes sein. Durch die Öffnung der osteuropäischen
Märkte konnten neue Anbieter aus Osteuropa, durch die noch immer sehr hohen Gewinnmargen angelockt, auf dem amerikanischen und speziell dem westeuropäischen Markt auftreten. Dieser Preisverfall hat sich vermutlich auch auf die Produzenten ausgewirkt. Hardinghaus 10) spricht von einem mittleren Coca-Hektar-Ertrag von 6000 - 7000 $, welcher auf 3000 - 4000 $ gesunken ist. Ein weiterer Grund für diesen Preisverfall kann auch im z unehmendem Konsum chemischer Drogen, vor allem der Modedroge Ecstacy, gesehen werden, welche in substitutiver Beziehung zu Drogen aus landwirtschaftlicher Produktion, wie z. B. Heroin oder Kokain, stehen. Trotz dieser rückläufigen Entwicklungen stellt das Drogengeschäft noch immer ein extrem lukratives Geschäft dar.
In Verbindung mit der prohibitiven Drogenpolitik der westlichen und westlich orie ntierten Staaten kann unterstellt werden, dass auf dem Drogenmarkt monopolistische Strukturen vorliegen. Da hier keinerlei staatliche Kontrollorgane mehr greifen, ist d avon auszugehen, dass sich Händler zu mehr oder weniger mächtigen Kartellen z usammengeschlossen haben, welche über die für den Drogenschmuggel und Droge nvertrieb notwendigen Fertigkeiten und Ressourcen verfügen und die Märkte regional aufgeteilt haben. Gerade die Probleme des Drogenschmuggels und des Vertriebs stellen enorme logistische Aufgaben dar, welche nur noch von sehr gut organisierten „Unternehmen“ geleistet werden können. Zusätzlich bringt die Komplexität dieser Aufgaben in Verbindung mit der Illegalität des Marktes die Möglichkeit, Konkurrenz der Polizei auszuliefern und auf diese Weise Markteintrittsbarrieren zu schaffen. Folglich ist von einem regional monopolisierten Markt auszugehen.
Bei Prinz 11 findet sich zur Begründung der monopolistischen Struktur zusätzlich das Argument des Risikos, welches Käufer und Verkäufer aneinander bindet. Geschäfte mit unbekannten Partnern bringen für beide Seiten das erhöhte Risiko der Aufdeckung der Geschäfte durch die Polizei mit sich. Ferner ist die Qualität der Ware ein Risiko des Käufers, welches bei unbekannten Geschäftspartnern um so größer wird, da es in der Drogenszene üblich ist, vorhandene Substanzen durch Zugabe anderer Mittel zu „strecken“. Diese anderen Zusätze stellen ihrerseits jedoch ein gesundheitliches Risiko
für den Konsumenten dar. Es ist daher für beide Seiten vorteilhaft, die geschäftlichen Beziehungen langfristig aufrecht zu halten.
Die Anbieter der Drogen werden sich folglich an der Preispolitik eines Monopolisten orientieren. Im mikroökonomischen Standardmodell ist der Monopolpreis von der Absatzmenge abhängig. Diese Annahme trifft auch hier zu, muss aber aufgrund der staatlichen Repression konkretisiert werden. Das Risiko, durch polizeiliche Kräfte beim Vertrieb gestört zu werden, wirkt sich vor allem auf die Kostenseite aus. Der Anbieter muss immer davon ausgehen, dass ein Teil der Ware beim Schmuggel oder beim Vertrieb durch die Polizei sichergestellt wird. Folglich sind nicht nur die produzierte Menge C und deren Herstellungskosten q zu berücksichtigen. Bei unterstelltem linearem Kostenverlauf der Herstellungskosten lautet die Kostenfunktion der Anbieter daher
µ λ + + = . C q C K ) ( ) (
λ stellt die variablen Kosten dar, die durch das Verbot des Handels entstehen (z.B.
Aufwand beim Schmuggel durch aufwändige Verstecke der Waren). µ ist die fixe Komponente dieser Kosten, z. B. Bestechungsgelder, welche das Schmuggeln der Drogen ermöglichen.
Aufgrund der Preisdifferenzierung für Erst- und Folgekonsumenten sind bei Betrachtung der Ertragsseite zwei Marktpreise e p für Erstkonsumenten und a p für
Abhängige und Gelegenheitskonsumenten zu berücksichtigen. Der Repressionsgrad r ist durch den Staat definiert. Es soll unterstellt werden, dass Anbieter keinen Einfluss auf die staatliche Drogenpolitik haben. r ist somit eine exogen vorgegebene Größe. Da im Monopol der Preis eine Funktion der Absatzmenge ist, ergibt sich die Ertragsfunktion
+ = a a e e c r c p c r c p E ) , ( ) , (
a e
Es soll davon ausgegangen werden, dass alle angebotenen Güter auch verkauft oder von der Polizei sichergestellt werden. Daher gilt die Markträumungsbedingung
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+ + = s a e c c c C
s c ist die Menge, die durch staatliche Intervention sichergestellt und nicht verkauft werden kann. s c ist somit kosten- aber nicht erfolgswirksam. Es soll davon ausgegangen werden, dass s c nicht mehr dem Markt zugeführt, sondern vernichtet wird.
Formal ergeben sich die gewinnmaximalen Preise daher mit
= p
e
Der Term q + λ stellt dabei die Grenzkosten des Angebots dar. Die Nenner stellen die
jeweiligen Preis-Absatz-Funktionen dar. Da die Preiselastizität der Nachfrage für p < Erstkonsumenten immer größer ist als jene der Abhängigen, wird immer p
a e
ge lten.
Der rational handelnde Drogenhändler wird daher zwei Preise setzen um auf diese Weise den Gewinn zu maximieren. Dieser Preis ermittelt sich immer aus dem Verhältnis von Grenzkosten zum Grenzerlös.
1. Normalisierung 2. Schadensbegrenzung 3. Selbstpaternalismus, Jugendschutz 4. Schutz vor Beschaffungskriminalität 5. Bekämpfung des organisierten Verbrechens 6. wirtschaftliche Entwicklung der Anbauländer
Y
2 1
1 = + = 0 c mit c c C
2 1
Im Optimum ist das Grenznutzenverhältnis beider Konsumenten identisch:
Die repressive Drogenpolitik des Staats zielt auf das totale Verbot von Konsum und Handel mit Drogen ab und stellt beides unter Strafe. Ziel dieser Drogenpolitik ist es, Anreize im Sinne von Hemmschwellen zu schaffen. Aus Sicht der Konsumenten werden die negativen Folgen des Drogenkonsums, drohende Abhängigkeit und die Gefahr gesundheitlicher Folgeschäden, ergänzt um staatliche Bestrafung durch Geldbußen oder Freiheitsentzug. Daraus folgt, dass Konsumenten nicht mehr bereit sind, hohe Preise für Drogen zu zahlen. Die zu identischem Preis nachgefragte Menge sinkt, da potentielle Käufer durch das staatliche Verbot nicht bereit sind, das zusätzliche Risiko einer möglichen Geld- oder Gefängnisstrafe wegen Drogenbesitzes auf sich zu ne hmen. Folge ist eine Verschiebung der Nachfragekurve nach unten. Auf Seiten der Händler wird durch Bestrafung bei Aufdeckung des Angebots darauf abgezielt, die Kosten des Angebots zu erhöhen. Steigen die Kosten der Drogenhändler, so sind diese gezwungen auch die Preise zu erhöhen. Im Diagramm ist dieser Sachverhalt für einen Markt mit mehreren Anbietern dargestellt. Dies ist plausibel, da es sich hier um eine
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Preis p
sich unter dem repressiven Einfluss die Angebotskurve nach oben, die Nachfragekurve nach unten verschiebt.
Da trotz langjähriger Drogenprohibition der Konsum Phänomen unserer Gesellschaft ist, und da die Anzahl polizeilich erfasster Rauschgiftdelikte gemäß dem Rauschgiftjahresbericht des BKA 14) in den vergangenen fünfzehn Jahren permanent gestiegen ist, erreicht die repressive Politik offensichtlich nicht ihre gewünschte Wirkung. Anstatt sämtliches Marktgeschehen zu verhindern, entfalten die unter dem
Gelegenheitskonsumenten mit geringem Suchtpotential sehen sich mit höheren Marktpreisen konfrontiert. Ihr Konsumverha lten wird kaum beeinträchtigt und ist von der Preiselastizität der Nachfrage der Gelegenheitskonsumenten abhängig. Abhängige hingegen sind gezwungen, selbst bei erhöhten Preisen Drogen nachzufragen, da sie ihren Konsum nicht unter ein bestimmtes Mindestmaß senken können. Daraus folgt ein steigender Bedarf an Zahlungsmitteln, welcher meist nur durch verstärkte Beschaffungskriminalität gedeckt werden kann. Auf die steigende Zahl krimineller Delikte reagiert der Staat wiederum durch verstärkte Repression.
Die gestiegenen Preise ihrerseits werden andere Anbieter zum Markteintritt animieren. Gründe hierfür können Armut oder die fehlende Alternative der Einkunftserzielung sein. Vor allem für bereits Abhängige stellt der Wiederverkauf von Drogen eine
Einkommensquelle dar. Dies wirkt sich positiv auf die angebotene Menge und somit negativ auf den Preis aus, der Ursprungseffekt wird daher gedämpft.
Im Endeffekt führt die staatliche Repression daher zu steigenden Drogenpreisen. Dieser Effekt wird durch zunehmende Beschaffungskriminalität und dadurch erneut steigenden staatlichen Druck verstärkt und durch die steigende angebotene Menge und dadurch wieder sinkende Preise gedämpft.
Im Hinblick auf die Ziele der Drogenpolitik werden diese durch das staatliche Handelsverbot nur bedingt erreicht. Der Druck auf Abhängige nimmt durch die Illegalität zu. Folglich kann hier nicht von einer Normalisierung der Situation oder von Schadensbegrenzung gesprochen werden; die soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung steigt, die Kluft zwischen der Randgruppe „Drogenabhängige“ oder der Drogenszene im Allgemeinen und der Gesellschaft wird verstärkt. Da jegliche staatliche Kontrollen, z. B. der Produktqualität, entfallen steigt auch das Risiko der Folgeschäden durch I nfektionskrankheiten oder unbeabsichtigte Überdosierungen. Folglich kann nicht von Schadensbegrenzung, sondern eher von Schadensausweitung für Abhängige gesprochen werden.
Die Nachfrage bleibt trotz restriktiver Politik bestehen, es werden lediglich die (gestiegenen) Kosten des Konsums durch die steigende Kriminalität anders verteilt. Es kann daher auch nicht vom wirksamen Schutz vor Beschaffungskriminalität gesprochen werden, da die Notwendigkeit illegaler Zahlungsmittelbeschaffung für Abhängige verstärkt wird.
Da der Effekt auf die Zahl der Drogenkonsumenten nicht ohne Kenntnis der Nachfr agefunktionen ermittelbar ist, kann auch im Hinblick auf die den selbstpaternalistischen Gedanken der Drogenpolitik keine Aussage getroffen werden. Ob durch das Verbot des Drogenkonsums abgeschreckt oder gar zum Konsum animiert werden ist nicht bestimmbar. Bei Betrachtung einzelner Individuen sind sowohl zunehmender, als auch abnehmender Drogenkonsum denkbar.
Im Bezug auf die Bekämpfung der organisierten Kriminalität stellen prohibitive Maßnahmen in Verbindung mit der einschlägigen Gesetzgebung regional sicher ein
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geeignetes Instrument dar. Den Anbietern ist die legale Geschäftsgrundlage entzogen, der Exekutivgewalt ist somit ein Instrument zur Bekämpfung des Angebots gegeben. Im Hinblick auf international operierende Drogenkartelle greift eine nationale Drogenpolitik jedoch zu kurz, da Anbieter über staatliche Grenzen hinaus operieren.
Formal betrachtet ist es daher durch prohibitive Maßnahmen nicht möglich, die externen Effekte des Drogenkonsums und die selbstschädigenden Wirkungen zu mindern.
4.2.2 Liberalisierung der Drogenmärkte
Wenn man diese Erkenntnisse nun auf eine Gesellschaft mit liberalisierten Droge nmärkten überträgt, in der weder Angebot noch Nachfrage staatlich untersagt sind, so ergibt sich als erste Erkenntnis eine Senkung der Kosten der Anbieter. Diese sind nicht mehr gezwungen, die Waren auf illegale und somit kostspielige Weise zu importieren. Die gesunkenen Kosten wirken sich kurzfristig auf die Gewinnsituation der Anbieter aus. Langfristig wird die Anzahl der Anbieter jedoch zunehmen, da die wichtigste Markteintrittsbarriere, die Illegalität des Angebots, entfällt. Folglich wird die Aussicht auf Gewinne zusätzliche Anbieter anlocken und der ehemalige Monopolmarkt wandelt sich zum Wettbewerbsmarkt.
Da der Preis des Wettbewerbsmarkts in der Regel 16) unter dem Monopolpreis liegt, wird der Drogenpreis langfristig sinken.
Folge dieser sinkenden Preise wird der vermehrte Konsum von Drogen sein. Für Abhängige ist diese Entwicklung durchaus positiv. Sie sind weitaus weniger von einze lnen monopolistisch agierenden Händlern abhängig und müssen einen geringeren Teil ihres verfügbaren Einkommens für Drogen ausgeben. Auch die Notwendigkeit der B eschaffungskriminalität wäre, wenn überhaupt, nur noch eingeschränkt vorhanden, da der Bedarf der Abhängigen an Zahlungsmitteln sinken würde.
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Weitere Folge der sinkenden Preise wären jedoch auch steigende Konsumentenzahlen. Die Zahl der Neueinsteiger und Gelegenheitskonsumenten würde steigen, da der Grenznutzen des Drogenkonsums in Relation zu anderen Gütern steigen würde. Grund für die ausbleibende Liberalisierung ist daher das Selbstschutzbedürfnis der Bürger 17) . Das gesetzliche Verbot entfaltet eine Schutzwirkung, welche den Bürger vor den eigenen Präferenzen bei der Frage, ob er nun zu Drogen greifen soll, schützt.
4.2.3 Beeinflussung der Nachfragerseite
Eine alternative Vorgehensweise zur Begegnung des Phänomens „Drogenkonsum“ stellt der seit Beginn der 80er Jahre aufkommende „medizinische“ Ansatz dar. Grundgedanke ist die Abkehr von der Betrachtung Drogenabhängiger als Kriminelle, sondern als Suchtkranke 18) . Ausdruck dieses Wandels stellen z. B. Methadonprogramme oder der Züricher Modellversuch dar. In den 1990er Jahren nahm die Züricher Drogenszene trotz staatlicher Prohibition immer größere Ausmaße an. Dem begegnete man mit dem Versuch, Schwerstabhängigen zu staatlich kontrollierten Preisen, die noch unter Einkaufspreisen lagen, Drogen zu verkaufen.
Der primäre Effekt dieser Maßnahmen auf den Gesamtmarkt ist eindeutig bestimmt, da dem illegalen Markt Nachfrage entzogen wird. Diese sinkende Nachfrage hat, ceteris paribus, ebenfalls sinkende Preise zur Folge, da der Effekt eine Verschiebung der Nachfragekurve nach links gleichkommt. Abhängige treten weniger häufig oder gar nicht mehr am illegalen Markt auf, sondern bedienen sich staatlicher Hilfsprogramme. Da sich fallende Preise negativ auf die Gewinnsituation auswirken, wird der Markt für kriminelle Anbieter zunehmend unattraktiver.
Bei Betrachtung der Nachfrager haben empirische Studien gezeigt, dass sich im Fall des Züricher Projekts sowohl die Wohn- als auch die Arbeits- und
Einkommenssituation der Teilnehmer signifikant verbessert haben. So sank die Zahl der Obdachlosen von 12% zu Beginn des Projekts auf 1% nach einjähriger Laufzeit. Die Zahl der Teilnehmer, die ein legales Einkommen beziehen, stieg von 30 auf über 80 %. 19) Dies hat einen positiven Effekt auf die gesellschaftliche Wohlfahrt, da ein höheres Bruttosozialprodukt erreicht wird. Ob auf diese Weise die Kosten staatlicher Hilfsprogramme kompensiert werden, ist ungewiss. Die positiven Wirkungen auf die Wohn- und Arbeitssituation Abhängiger sind jedoch von Pies erwiesen und verringern sowohl die staatlichen Kosten für soziale Programme, als auch die externen Effekte des Droge nkonsums.
5. Fazit
Bei formaler Betrachtung dieser Vorgehensweise, der Kombination von staatlicher Verfolgung illegaler Anbieter mit Unterstützung Abhängiger ist kein gesellschaftliches Optimum erreichbar, da es nicht gelingt, die externen Effekte direkt den Verursachern zuzuordnen oder ganz zu unterbinden. Hilfsprogramme sind immer mit realem Aufwand verbunden, welcher nicht von Drogenabhängigen, sondern von der Gesellschaft getragen werden muss. Wenn man diesem Aufwand jedoch den Aufwand für die Durchsetzung der restriktiven Drogenpolitik entgegensetzt und zusätzlich in Betracht zieht, dass jene Abhängige, welchen durch Methadonprogramme oder durch staatlich kontrollierte Abgabe von Drogen geholfen wird, sich langfristig 20) wieder in die G esellschaft integrieren, so ist durch Hilfsprogramme in Kombination mit staatlicher Verfolgung illegaler Anbieter ein höheres gesellschaftliches Wohlfahrtsniveau erreichbar.
Der Versuch, externe Effekte des Drogenkonsums durch ein Verbot zu bekämpfen, wird folglich ersetzt durch die Minimierung der negativen Folgen. Dies kann jedoch durch eine auf Angebots- und Nachfrageseite abgestimmte Drogenpolitik in besserem Maße erreicht werden als durch die Gleichbehandlung der verschiedenen Marktakteure, welche durch restriktive Prohibition von Drogen oder durch totale Liberalisierung gegeben wäre.
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Arbeit zitieren:
Ulrich Heinz, 2002, Drogenmärkte - ökonomische Analyse und wirtschaftspolitische Implikationen, München, GRIN Verlag GmbH
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Geld als Transaktionsmittel - Der Suchtheoretische Ansatz
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