Inhaltsverzeichnis 1
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 1
Abbildungsverzeichnis. 3
Tabellenverzeichnis. 6
1 Einleitung 7
1.1 Problemstellung 7
1.2 Themenfindung 8
2 Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 10
2.1 Begriffsbestimmungen der Koordination 10
2.2 Koordinative Leistungsvoraussetzungen. 11
2.3 Koordinationstraining 19
2.4 Koordinationstests. 28
3 Empirische Untersuchung 31
3.1 Methodik. 33
4 Ergebnisse 57
4.1 Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf
Rumpfbeweglichkeit, Rumpfmaximalkraft und auxotonische
Rumpfkoordination 57
4.2 Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf
Beweglichkeits- und Maximalkraftdysbalancen 64
4.3 Entwicklung der Haltungskontrolle der Wirbelsäule durch sechswöchiges
spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining 68
4.4 Vergleich der Effekte von speziellem rumpfspezifischem
Koordinationstraining und isometrischem Krafttraining 71
4.5 Charakteristische zeitliche Trainingseffekte durch spezielles
rumpfspezifisches Koordinationstraining und isometrisches
rumpfspezifisches Krafttraining auf die Entwicklung der
Rumpfbeweglichkeit, der Rumpfmaximalkraft, der auxotonischen
Rumpfkoordination und der Haltungskontrolle 84
4.6 Korrelation von auxotonischem Koordinationsniveau, Beweglichkeit und
Maximalkraft 90
Inhaltsverzeichnis 2
4.7 Ergebnisse der EBF-Item-Auswertung 91
5 Diskussion 93
5.1 Rumpfbeweglichkeit 93
5.2 Beweglichkeitsdysbalancen 96
5.3 Rumpfmaximalkraft 98
5.4 Maximalkraftdysbalancen. 100
5.5 Auxotonische Rumpfkoordination. 102
5.6 Haltungskontrolle 104
5.7 Korrelation von Koordinationsniveau, Beweglichkeit und Maximalkraft106
5.8 Erholungs-Belastungs-Fragebogen. 106
5.9 Kritische Betrachtung der Methodik 107
6 Zusammenfassung und Ausblick 110
7 Literaturverzeichnis 112
8 Anhang 117
8.1 Anthropometrische Daten. 117
8.2 EBF-Fragebogen. 118
8.3 Pegasus 3-D-System 122
8 4 Tabellen aller berechneten Ergebnisse 125
Abbildungsverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. Die Koordination als grundlegende motorische Grundeigenschaft 11
Abb. 2. Motorik als Rückkoppelungssystem (Neumaier/ Mechling, 1999,
42) 14
Abb. 3. Verschiedene Auffassungen zur Schulung der koordinativen
Fähigkeiten (vgl. Hirtz, 1994) 19
Abb. 4. Alter, Größe, Gewicht, Body Mass Index mit Minima, Maxima,
Mittelwerten und Standardabweichung. 33
Abb. 5. Pegasus 3-D computergestütztes Analysesystem (das Bild wurde der
folgenden Webseite entnommen:
http://www.proxomed.com/deu/html/produkte/ te 3d.htm) 35
Abb. 6. MediMouse Messsystem und Messung im aufrechten Stand (Die
Bilder wurden der folgenden Webseite entnommen:
http://www.diers.de/ger/medical/produkte/MVC/MediMouse/) 37
Abb. 7. Darstellungsweise der MediMouse Daten an einer Beispielperson (vgl.
Idiag AG MediMouse-Software 2.30, 1999) 39
Abb. 8. Positionierung eines Probanden im Pegasus 3D. 42
Abb. 9. Reihenfolge der Übungen im Pegasus 3-D Beweglichkeits- und
Koordinationstest (von oben links nach unten rechts) 44
Abb. 10. Graphische Darstellung des Ist-Bewegungsbereichs (blaue Balken), im
Vergleich zu den Sollwerten (rosa Kästchen) in den einzelnen Ebenen
(Screenshot von BioMC -Software Version 1.1.0) 45
Abb. 11. Graphische Darstellung der Ist-Maximalkraft (blaue und gelbe Balken)
im Vergleich zu Sollwerten (rosa Kästchen) in den einzelnen Ebenen
(Screenshot von BioMC -Software Version 1.1.0) 46
Abb. 12. Biofeedback auf dem Bildschirm: Sinuskurve bzw. Führungsfunktion
(weiß) und Folgefunktion, die durch die Bewegungen eines Probanden
zustande kam (gelb) (Screenshot von BioMC -Software Version
1.1. 0) 48
Abb. 13. Schematische Darstellung der Testabstände und Testreihen 48
Abb. 14. Anfangsposition der Probanden auf dem Sitzball 50
Abb. 15. Übungen auf dem Sitzball (von oben links nach unten rechts):
Ausgangsposition, Rumpfflexion und -extension, Rumpflateralflexion
links und rechts, Rumpfrotation links und rechts 52
Abb. 16. Übungsprogramm von Gruppe B. 54
Abb. 17. Mittelwerte der Rumpfbeweglichkeit in Grad in Gruppe A zum
Zeitpunkt von Test 1 und Test 4, n 11. 59
Abb. 18. Mittelwertsvergleich der Maximalkraft (Nm pro kg Körpergewicht) von
Test 1 und Test 4 in Gruppe A und C, n 11 61
Abbildungsverzeichnis 4
Abb. 19. Mittelwerte der auxotonischen Rumpfkoordination in Gruppe A von
Test 1 und Test 4 (Kreuzkorrelationsfaktor), n 11. 64
Abb. 20. Mittelwerte der Beweglichkeitsdysbalancen in Gruppe A von Test 1
und Test 4, n 11. 66
Abb. 21. Mittelwerte der Maximalkraftdysbalancen in Gruppe A von Test 1 und
Test 4, n 11. 68
Abb. 22. Annäherung des Sakrumwinkels an die Normwerte in Gruppe A, n
11. 69
Abb. 23. Annäherung des Krümmungswinkels der LWS an die Normwerte, n
11. 70
Abb. 24. Zunahme der relativen Rückenlänge innerhalb von sechs Wochen, n
11. 71
Abb. 25. Prozentuale Veränderung der Beweglichkeit innerhalb von sechs
Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 73
Abb. 26. Prozentuale Veränderung der Beweglichkeitsdysbalancen innerhalb
von sechs Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 75
Abb. 27. Prozentuale Veränderung der relativen Maximalkraft innerhalb von
sechs Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 77
Abb. 28. Prozentuale Veränderung der Maximalkraftdysbalancen innerhalb von
sechs Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 78
Abb. 29. Prozentuale Veränderung des Kreuzkorrelationsfaktors im
auxotonischen Koordinationstest innerhalb von sechs Wochen in
Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 80
Abb. 30. Prozentuale Veränderung des Sakrumwinkels innerhalb von sechs
Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 81
Abb. 31. Prozentuale Veränderung des Krümmungswinkels der BWS innerhalb
von sechs Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 82
Abb. 32. Prozentuale Veränderung des Inklinationswinkels innerhalb von sechs
Wochen in Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 83
Abb. 33. Prozentuale Veränderung der relativen Rückenlänge im Vergleich von
Gruppe A, n 11 und Gruppe B, n 7. 84
Abb. 34. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfflexion, Lateralflexion
links und Rotation links in Gruppe B, n 7. 86
Abb. 35. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfextension, Lateralflexion
rechts und Rotation rechts in Gruppe A, n 11. 86
Abb. 36. Verbesserung der Beweglichkeit in der Rumpfextension, Lateralflexion
rechts und Rotation rechts in Gruppe B, n 7. 86
Abb. 37. Veränderung des Sakrumwinkels in Grad in Gruppe A, n 11, Gruppe
B, n 7 und Gruppe C, n 3 90
Abbildungsverzeichnis
Abb. 38. Veränderung der Rückenlänge in Prozent in Gruppe A, n 11, Gruppe
B, n 7 und Gruppe C, n 3.
Abb. 39. EBF-Items im Mittel von Gruppe A, n 10.
Abb 40 EBF-Items im Mittel von Gruppe B, n 6
Tabellenverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Elementare motorische Fertigkeiten (nach Roth, 2001, S. 22)………...19 Tab. 2. Ausgewählte Items des Erholungs-Belastungs-Fragebogens………….40
Einleitung 7
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Zum Koordinationstraining wurden in der Vergangenheit, im Gegensatz zum Kraft- und Flexibilitätstraining, nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Roth (2001) bestätigt dies mit der Aussage, dass „dem hohen Stellenwert des Koordinationstrainings eine noch weitgehend unterentwickelte theoretische Grundlegung gegenüber steht. Klar ist nur, dass im Koordinationstraining die koordinativen Fähigkeiten verbessert werden sollen. Für die konkreten Inhalte von Koordinationstraining, sowie für die Frage wie viele und welche koordinativen Einzelfähigkeiten zu definieren und voneinander abzugrenzen sind, existiert bereits keine eindeutige, allgemein verbindliche Antwort mehr“ (S.16).
Dies führt dazu, dass Koordinationstraining in der Praxis häufig vernachlässigt wird (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 225).
Heitkamp fällt dazu auf, dass Krafttraining in fast allen Sport- und Fitnesstrainingsprogrammen zu finden ist, Koordinationstraining aber nur vorrangig im Techniktraining spezieller Sportarten (vgl. Heitkamp, 2000, S.1). 1
Auch in der Sporttherapie und im gesundheitsorientierten Breitensport kommt 2
Koordinationstraining nur eingeschränkt zur Anwendung. Es fehlt hier an wissenschaftlich fundierten Trainingskonzepten sowie an adäquaten Tests zur genauen Erfassung koordinativer Qualitäten und Fähigkeiten die es ermöglichen würden Koordinationstrainingsprogramme gezielter steuern und die Effekte dieser Programme exakter dokumentieren zu können.
Nur über die genaue Erforschung von Trainingseffekten kann Koordinationstraining auch in diesem Bereich eine größere Bedeutung bekommen, da nur über fundierte theoretische Grundlagen Trainer und Trainierende den Sinn von Koordinationstraining verstehen können.
1 Zum Beispiel bei der Technikschulung des Handball-Sprungwurfs
2 Gesundheitsorientierter Breitensport: sportartunspezifischer Sport mit gesundheitsorientierter Ausrich-
tung, zum Beispiel in Form von Gymnastik- und Fitnesskursen
Einleitung 8
1.2 Themenfindung
In meiner Arbeit soll untersucht werden, ob es sinnvoll wäre, Koordinationstraining verstärkt im Bereich des Präventionssports zur Vermeidung von Haltungsschwächen und Wirbelsäulenschäden einzusetzen. Da laut Denner bei Personen mit Rückenproblemen ausgeprägte koordinative Defizite bestehen (vgl. Denner, 2000, S. 1), wäre Koordinationstraining in diesem Bereich sicherlich sinnvoll.
Dies bestätigt auch eine kurze Stellungnahme von Frohberger (2002) zu einer Studie von Heitkamp et al. (2001). In dieser Studie wurde gezeigt, dass sich durch koordinativ orientiertes Balancetraining eine ähnliche Steigerung der Beinmuskelkraft wie durch Krafttraining ergibt. Außerdem zeigte sich eine stärkere Verringerung muskulärer Dysbalancen. Frohberger sagt: „Diese Ergebnisse sind richtungsweisend für das Training bei erheblicher Haltungsschwäche….sowie insbesondere nach Wirbelsäulenoperationen. Weiterhin sind diese Erkenntnisse wichtig für Rückenschul-Trainingskurse bei älteren Menschen, da ein verbessertes muskuläres Gleichgewicht vor Stürzen und erneuten Verletzungen schützt“ (Frohberger, 2002, S. 49).
Eine andere Studie von Bochdansky konnte durch Balancetraining eine Verbesserung der Muskeleffizienz und der posturalen Stabilität der Rückenmuskulatur belegen (vgl. Bochdansky et al., 2001), was für eine verbesserte Haltungskontrolle durch Koordinationstraining spricht.
Auch Müller et al. (2002) lieferten interessante Ergebnisse. Sie untersuchten ein spezielles Koordinationsgerät, den „Spacecurl“ und konnten durch regelmässi- 3
ges Training eine verbesserte Rumpfkoordination, sowie eine Abnahme der Rückenschmerzhäufigkeit feststellen.
Aufgrund all dieser Ergebnisse lässt sich feststellen, dass die Koordination, neben der Kraft und Beweglichkeit, für die Rumpfstabilisierung, Körperhaltung und Bewegung sicherlich eine grundlegende Rolle spielt. Auch Wilke & Fröböse (1998) sind von einer solch grundlegenden Funktion der Koordination überzeugt. Sie sagen, dass neben den messbaren Komponenten
3 FPZ-The Spacecurl: Ein spezielles Koordinationstrainingsgerät, das Drehbewegungen in allen Ebenen
ermöglicht und ursprünglich aus der Raumfahrt kommt, zu sehen unter http://www.fpz-3d.de.
Einleitung 9
Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer die koordinativen Fähigkeiten zur Wiederherzustellung alltäglicher Bewegungsfunktionen entscheidend sind (S. 51). Trotzdem wird Koordinationstraining in der Rehabilitation und Prävention von Rückenerkranken und -schäden eher selten eingesetzt.
Da bisher nicht ausreichend empirisch untersucht wurde mit welchen Methoden koordinative Fähigkeiten trainiert werden müssen, soll die zentrale Fragestellung meiner Arbeit sein, ob eine bewusste Veränderung rumpfbezogener Trainingsprogramme in Richtung spezieller rumpfspezifischer Koordination, unter Ausschluss von Kraft- und Flexibilitätsübungen sinnvoll wäre, um die Muskelkraft, Beweglichkeit und Haltungskontrolle zu verbessern, sowie rumpfspezifi- sche Dysbalancen zu verringern.
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 10
2 Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination
2.1 Begriffsbestimmungen der Koordination
Erst in der letzten Zeit hat die Wissenschaft ein verstärktes Interesse für das Thema Koordination entwickelt, wobei sie verschiedenste Forschungsansätze und Definitionen wählte. Eine zentrale Definition von Koordination liefert Hollmann (2000):
„Wir verstehen unter Koordination das Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs“ (S. 132).
Die Definition verdeutlicht die grundlegende Bedeutung der Koordination für die menschliche Bewegung. Einige Autoren setzen den Begriff Koordination deshalb auch mit dem Ausdruck „Bewegungskoordination“ gleich (vgl. Neumaier, 1999).
Im Allgemeinen gehört die Koordination zu den motorischen Grundeigenschaften. Sowohl Kraft- als auch Ausdauerleistungen basieren auf koordinativen Bewegungsabläufen (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 1). Insbesondere in der Trainingswissenschaft wird diese grundlegende Bedeutung der Koordination als motorische Grundeigenschaft eher vernachlässigt. Weineck (1997) stellt hierzu fest, dass „die motorischen Grundeigenschaften in vereinfachter und schematisierter Form häufig in koordinative und konditionelle Fähigkeiten unterteilt werden“ (S. 137).
Die koordinativen Fähigkeiten werden so beschrieben, dass sie überwiegend auf zentralnervösen Steuer- und Regelungsprozessen beruhen und die konditionellen Eigenschaften auf energetischen Prozessen basieren. Darauf aufbauend wird es „aus praktischen und didaktischen Gründen“ als sinnvoll erachtet mit einem „reduzierten Konditionsbegriff“ zu arbeiten, der die koordinativen Fähigkeiten außer Acht lässt (vgl. Weineck, 1997, S. 137). Es erfolgt hier somit häufig eine relativ strenge Trennung in konditionelle und koordinative Eigenschaften, die sicherlich einen Grund dafür darstellt, dass Ko- ordinationstraining in der Trainingspraxis eher seltener zum Einsatz kommt.
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 11
Dem Koordinationstraining wird scheinbar eine geringere Bedeutung zugemessen. Die vereinfachte Einteilung ist sehr kritisch zu hinterfragen. Auch Weineck (1997) sagt, dass eigentlich „keine Fähigkeit ausschließlich aus energetischen bzw. zentralnervösen Steuer- und Regelungsprozessen besteht, sondern bestenfalls ein Überwiegen vorliegt“ (S. 137). Es wäre deswegen sicher wichtig konditionelle und koordinative Eigenschaften theoretisch weniger streng zu trennen. Die Koordination sollte innerhalb der motorischen Grundeigenschaften mehr in den Vordergrund gestellt werden (siehe Abb. 1).
Abb. 1. Die Koordination als grundlegende motorische Grundeigenschaft
2.2 Koordinative Leistungsvoraussetzungen
Als „bedeutsame personale Eigenschaften“ der Koordination gelten in der Literatur die „koordinativen Leistungsvoraussetzungen“. Es gibt hier verschiedene Erklärungsansätze (vgl. Hirtz & Nieber, S. 1).
Neumaier schlägt folgende Einflussgrössen und Bestandteile vor, die den koordinativen Leistungsvoraussetzungen zugeordnet sind und die in enger Verbindung zueinander stehen (S. 96 f.):
• Funktionstüchtigkeit von ZNS, Sinnesorganen, Effektoren
• Bewegungserfahrungen, Bewegungskenntnisse
• Koordinative Fähigkeiten
• Motorische Fertigkeiten (Bewegungsfertigkeiten)
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 12
2.2.1 Funktionstüchtigkeit von ZNS, Sinnesorganen, Effektoren
Die Funktionstüchtigkeit des Zentralen Nervensystems (ZNS), der Sinnesorgane und Effektoren sind für die menschliche Bewegung (bzw. die Bewegungskoordination) elementar, da die menschliche Motorik ein sich selbst regulierendes Rückkopplungssystem darstellt. Dieses System wird auch als „neuromuskuläres System“ bezeichnet und besteht aus folgenden Elementen (vgl. Neumaier, 1999, S. 41):
2.2.1.1 Zentrales Nervensystem (ZNS ) 4
Im ZNS finden Lernprozesse statt, die Voraussetzungen für die Verbesserung der Bewegungskoordination sind. Innerhalb dieser Lernprozesse werden aufgenommene Informationen (z.B. bestimmte Bewegungsmuster) verarbeitet, bewertet und gespeichert. Gelernte Prozesse zeichnen sich dadurch aus, dass es zu einer Verlagerung von Regulationsprozessen aus kortikalen Strukturen auf subkortikale Bereiche des Gehirns kommt. Dies lässt sich daran erkennen, dass während eines Lernprozesses andere Hirnbereiche aktiv sind, als bei bereits beherrschten Bewegungen (vgl. Neumaier, 1999, S. 60). Gelernte Bewegungen können so mit einem wesentlich geringeren muskulären Kraftaufwand bzw. Energieeinsatz durchgeführt werden, was sich positiv auf die Ermüdung auswirkt und eine allgemeine Leistungssteigerung mit sich bringt (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 1).
2.2.1.2 Rezeptoren oder Sinnesorgane mit afferenten, sensorischen Nerven-
Als Voraussetzung und Bedingung für den Koordinationsprozess gilt die Nutzung von Informationen aus verschiedenen Rezeptor- oder Sinnessystemen (auch Analysatoren) über afferente Nervenbahnen. Sie werden auch als Afferenzen bezeichnet. Folgende fünf Analysatoren sind besonders bedeutsam (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 4-5; Weineck, 1997, S. 548; Neumaier, 1999, S. 53; Ehlenz et al. 1998, S. 24):
4 Das Zentrale Nervensystem besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark.
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 13
a) Der kinästhetische Analysator
Die Rezeptoren (Propriozeptoren) befinden sich in der Muskulatur, den Sehnen, Bändern und Gelenken (Muskelspindeln, Golgi-Sehnenorgane, Gelenkrezeptoren). Sie geben Auskunft über die Stellung der Extremitäten, bzw. des Rumpfes, sowie über die auf sie einwirkenden Kräfte. Sie registrieren somit Veränderung des Muskels bezüglich Länge (Dehnung) oder Spannung und geben diese unmittelbar als Information an das ZNS weiter.
b) Der taktile Analysator
Diese Rezeptoren befinden sich in der Haut und informieren über Form und Oberfläche eines berührten Gegenstandes.
c) Der Vestibularanalysator (statiko-dynamischer Analysator) Er ist im Innenohr lokalisiert und gibt zusammen mit den Augen Auskunft über Richtungs- und Beschleunigungsänderungen des Kopfes. Er ist für die Erhaltung des menschlichen Gleichgewichts zuständig.
d) Der optische (visuelle) Analysator
Das Auge gibt Auskunft über eigene und Fremdbewegungen und gilt als optische Führung des Bewegungsablaufs.
e) Der akustische Analysator
Seine Informationsinhalte sind relativ begrenzt. Er dient der Orientierung im Raum und der Aufnahme verbaler und nicht-verbaler Ton- bzw. Geräuschinformationen aus dem Hörapparat.
Ohne die Informationen aus den Analysatoren über die afferenten Nervenbahnen wären keine koordinierten, auf äußere Reize abgestimmte, Bewegungen möglich. Schon der partielle Ausfall einer Rezeptorengruppe stört die Bewegung, was zum Beispiel nach einer Verletzung der Fall ist (vgl. Froböse & Wilke, 1998, S. 61).
Aus diesem Grund sollten in der Praxis des Gesundheitssports und in der Sporttherapie eigentlich alle Analysatoren regelmäßig geschult werden, denn „die „analysatorischen Fähigkeiten bestimmen die Qualität der Koordination entscheidend mit“ (Weineck, 1997, S. 548).
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 14
Im Rahmen eines gezielten Koordinationstraining, wie zum Beispiel zur Schulung der Rumpfmuskulatur, sollte darauf geachtet werden welche Analysatoren zur Lösung konkreter Bewegungsaufgaben genutzt werden, um diese entsprechend zu sensibilisieren und schulen zu können (vgl. Neumaier, 1999, S. 53).
2.2.1.3 Efferente Nervenbahnen
Die efferenten Nervenbahnen bestehen aus den motorischen Nerven (Motoneurone) und den zugehörigen Muskeln (= motorische Einheit). Sie senden Bewegungsentwürfe als efferente Impulsmuster an die Skelettmuskulatur, die als Ausführungsorgan jeglicher Motorik die sichtbaren Bewegungen hervorruft.
Abb. 2. Motorik als Rückkoppelungssystem (Neumaier/ Mechling, 1999, S. 42).
Je reibungsloser die dargestellten „neuromuskulären Funktionen“ des motorischen Rückkoppelungssystems ablaufen (= höhere koordinative Qualität), umso genauer kann die Skelettmuskulatur als ausführendes Organ jeglicher Bewegung über das ZNS angesteuert werden und umso schneller und präziser kann ein Mensch eingehende Informationen motorisch beantworten. Die geziel-
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 15
ten Ansteuerungsvorgänge werden dabei auch als „inter- und intramuskuläre Koordination “ bezeichnet (vgl. Hollmann, 2000, S. 13-52/ 133). 5
Durch eine verbesserte inter- und intramuskuläre Koordination wird das muskuläre Zusammenspiel verbessert und die Muskeln sind zu einer feineren Kraftabstufung, sowie zur Entwicklung einer höheren Muskelkraft fähig. Aus diesem Grund kommt der Koordination eine wesentliche Rolle für die Kraftentwicklung eines Muskels zu (vgl. Ehlenz et al., 1998, S. 28-30; Neumaier, 1999, S. 45).
Im Rahmen der Verletzungsprophylaxe und Prävention von Rückenbeschwerden können die neuromuskulären Funktionen folgende entscheidende Rolle spielen: „Durch einen Verlust an Steuerleistung im sensomotorischen System sind bei unvorhergesehenen Störungen im Bewegungsablauf (z.B. ausrutschen, stolpern), Kompensationsmechanismen der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur unwirksam. Dabei auftretende Kräfte werden unkontrolliert auf das Wirbelsäulenskelett übertragen. In den meisten Fällen führt diese unkontrollierte Krafteinwirkung zu kurzzeitiger enormer Überlastung der Gelenkglieder, welche zu Verletzungen des Binde- und Stützapparates des Rückens führen kann“ (BfMC-GmbH, 2001, S. 6).
2.2.2 Bewegungserfahrungen und Bewegungskenntnisse
Wie aus den vorangehenden Erläuterungen zu erkennen, sind vielfältige Bewegungserfahrungen und Bewegungskenntnisse Voraussetzung für motorische Lernprozesse, die die Qualität der Koordination verbessern. Vielfältige Bewegungserfahrungen ermöglichen schnellere und präzisere Bewegungsreaktionen im Alltag. Dadurch verbessert sich die Bewegungsökonomie. In Bezug auf die Wirbelsäule bedeutet dies eine Verbesserung der Kompensationsmechanismen der Wirbelsäule, so dass in kritischen Situationen schneller
5 Die intramuskuläre Koordination bestimmt den zeitlichen Ablauf und die Höhe des Krafteinsatzes
innerhalb eines Muskels, über die Anzahl der in einem Kontraktionsvorgang eingesetzten (rekrutierten)
motorischen Einheiten (Rekrutierung) und die Abstufung der zeitlichen Dichte der Nervenimpulse
(Frequenzierung). Sie beschreibt also das Nerv-Muskel-Zusammenwirken innerhalb eines gezielten
Bewegungsablaufes in einem Muskel. Die intermuskuläre Koordination stellt das Zusammenwirken
verschiedener Muskeln (Synergisten, Antagonisten) bei einem gezielten Bewegungsablauf dar (vgl.
Hollmann, 2000, S. 132; Wilke & Froböse, 1998, S.68; Neumaier, 1999, S.45-46; Weineck, 1997, S.96).
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 16
mittels rückenschonender Bewegungen reagiert werden kann. Zunehmende Bewegungserfahrungen verbessern somit die neuromuskulären Funktionen der Wirbelsäule. Je mehr rumpfstabilisierende und wirbelsäulenentlastende Bewegungserfahrungen vorhanden sind, desto besser kann eine Veränderung rückenschädigender Arbeitstechniken und Haltungsformen zu rückengerechten Haltungs- und Arbeitsformen erfolgen (vgl. Wicharz, S. 44). Nach diesem Prinzip werden auch Rückenschulkurse durchgeführt. In diesen Kursen werden ökonomische und rückengerechte Arbeitsweisen vermittelt. Darüber soll laut Wicharz das „Problem der koordinativen Beherrschung von rückengerechten Bewegungsabläufen“ verringert werden (S. 50).
2.2.3 Koordinative Fähigkeiten
In Koordinationsprozessen und im Koordinationstraining wird von vielen Autoren ein besonderes Augenmerk auf die Ausprägung der koordinativen Fähigkeiten gelegt, die lange Zeit mit dem Begriff Koordination gleichgesetzt wurden (vgl. Hirtz & Nieber, S. 1, Weineck, 1997, S. 537 f., Schnabel, 1997, S. 119 f., Martin et al., 1991, S. 56 f.).
Heute werden die koordinativen Fähigkeiten als „Leistungsvoraussetzungen für die Bewältigung besonders koordinativer Anforderungen bezeichnet, die sich auf Basis zentralnervöser Funktionsmechanismen entwickeln“ (Martin et al., 1991, S. 57).
Entscheidend für die Entwicklung bzw. den qualitativen Ausprägungsgrad der koordinativen Fähigkeiten ist die Informationsaufnahme und -verarbeitung durch die Sinnesorgane (Analysatoren) (vgl. Verdonck, 1997, S. 4, Weineck, 1997, S. 546).
Folgende sieben allgemeine koordinative Fähigkeiten werden im Bemühen um eine Vereinfachung und Verdichtung von zahlreichen Autoren als besonders fundamental und leistungsbestimmend eingestuft (vgl. Schnabel et al., 1997, S. 117; Zimmermann, 1998, S. 212-223; Neumaier, 1999, S. 137; Wilke & Frobö- se, 1998, S. 65):
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 17
a) Kopplungsfähigkeit
• Fähigkeit Teilkörperbewegungen zielgerichtet und zweckmässig zu koordinieren
• z.B. Kopplung von Kopf und Rumpf
b) kinästetische Differenzierungsfähigkeit
• Fähigkeit zur Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen
• (= Bewegungsgenauigkeit und -ökonomie, Kraftdosierung und Feinabstimmung)
• Wahrnehmung von Muskelspannung, eingesetzter Gelenkkraft und Gelenkwinkelstellung (über kinästhetischen Analysator)
• beinhaltet die Fähigkeit zur muskulären Feinabstimmung, ist in den meisten Sportarten leistungsbestimmend
• steht in enger Verbindung zur Rhythmisierungsfähigkeit
c) Gleichgewichtsfähigkeit
• Fähigkeit den gesamten Körper auch bei umfangreichen Körperverlagerungen im Gleichgewichtszustand zu halten
• hat die fundamentalste Bedeutung
• ist grundlegend für jegliche Zielmotorik und Voraussetzung für alle koordinativen Bewegungsmuster im Raum
• zuständig für die aufrechte Körperhaltung, da dies eine Gleichgewichtsleistung
d) Orientierungsfähigkeit
•
Fähigkeit zur Bestimmung und Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum Raum und Zeit, bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld oder sich
• verlangt eine präzise Wahrnehmung des Bewegungsraumes in Relation zur eigenen Körperposition und zu den eigenen Bewegungsaktivitäten.
e) Rhythmisierungsfähigkeit
• Wahrnehmung eines von außen vorgegebenen Taktes (z.B. Musik) und dessen genaues Umsetzen in Bewegungen (siehe akustischer Analysator)
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 18
• dynamisch-zeitliches Gliedern und dynamisches Akzentuieren von Bewegungen (z.B. bei Sportspielen).
• eine gesicherte Gleichgewichtskontrolle ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Rhythmisierung
f) Reaktionsfähigkeit
• Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmässiger kurzzeitiger motorischer Aktionen auf ein Signal (motorische Reaktion unter Zeitdruck)
g) Umstellungsfähigkeit
• Fähigkeit während des Handlungsvollzuges ein Handlungsprogramm neuen Gegebenheiten anzupassen
• z.B. Anpassung an Gegner im Sportspiel
Darüber hinaus wird angenommen, dass sich aus der Vielzahl der koordinativen Fähigkeiten drei allgemeine koordinative Grundfähigkeiten ableiten lassen (vgl. Hirtz & Nieber, S. 5):
• Fähigkeit zur präzisen Bewegungsregulation
• (Koordination unter Präzisionsdruck)
• Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck
• Fähigkeit zur motorischen Anpassung und Umstellung
2.2.4 Motorische Fertigkeiten (Bewegungsfertigkeiten)
Die motorischen Fertigkeiten zählen ebenfalls zu den koordinativ bedingten Leistungsvoraussetzungen. Sie beziehen sich nach Schnabel (1998) im Unterschied zu den motorischen Fähigkeiten auf „verfestigte, weitgehend automatisierte, konkrete Bewegungshandlungen bzw. -teilhandlungen“ (S. 207). Die motorischen Fertigkeiten können in die elementaren und sporttechnischen Fertigkeiten unterteilt werden, wobei die sporttechnischen Fertigkeiten auf elementaren Fertigkeiten aufbauen (vgl. Hirtz, 1995, S. 1). Theoretisch sind koordinative Fähigkeiten und motorische Fertigkeiten eng miteinander verflochten (vgl. Schnabel, 1998, S.209).
„Fähigkeiten sind Voraussetzungen für Fertigkeiten, deren Realisierung sie mit- bestimmen. Bei der Ausführung von Fertigkeiten werden also Fähigkeiten be-
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 19
ansprucht, die sich ihrerseits auf diese Weise weiterentwickeln. Dadurch gelingen dann wiederum die Fertigkeiten besser. Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessern sich gewissermaßen in einem gemeinsamen Aufschaukelungsprozess“ (Neumaier, 1999, S. 96).
Tab. 1: Elementare motorische Fertigkeiten (nach Roth, 2001, S. 22)
2.3 Koordinationstraining
Koordinationstraining soll dazu dienen, die individuellen koordinativen Leistungsvoraussetzungen zu optimieren und zu stabilisieren. Es wird in direktem Zusammenhang mit der Schulung koordinativer Fähigkeiten und Fertigkeiten gesehen, worin auch das zentrale Problem des Koordinationstrainings liegt. Die Wissenschaft ist bislang noch nicht zu einer einheitlichen Aussage gelangt inwieweit die Koordination stärker fertigkeits- oder fähigkeitsspezifisch trainiert werden soll (Neumaier, 1999, S. 177 f.).
Ist es sinnvoller ein breites Grundlagentraining durchzuführen oder kann in Hinblick auf bestimmte Zielsetzungen, zugunsten eines eher technikorientierten, bewegungsspezifischen Trainings, darauf verzichtet werden? Es gibt hierzu recht unterschiedliche Auffassungen und keine einheitliche Konzeption (siehe Abb. 3) (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 225 f.).
Abb. 3. Verschiedene Auffassungen zur Schulung der koordinativen Fähigkeiten (vgl.
Hirtz, 1994).
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 20
Nach Meinung von Neumaier (1999) wäre es für eine zielgerichtete, koordinative Ausbildung optimal, wenn in allen Handlungsfeldern (des Alltags, Freizeitsports usw.) die Forderung nach einer Orientierung des Koordinationstrainings an den tatsächlichen koordinativen Anforderungen gelten würde. Es sollte somit bei bestimmten Zielsetzungen eine verstärkt technik- und bewegungsspezifische Ausrichtung des Koordinationstrainings erfolgen. Dies würde zum Beispiel für den gesundheitsorientierten Sport bedeuten, dass bei durchgeführtem Koordinationstraining viel Wert auf eine spezielle Schulung alltagsrelevanter Bewegungsmuster gelegt werden müsste. Nur so könnten die Aktiven optimal auf körperlich belastende Alltagsanforderungen, auch im Sinne einer Prophylaxe von Rückenerkrankungen, vorbereitet werden. Eine allgemeine Koordinationsschulung sollte ergänzend erfolgen, da nach Neumaier auf eine allgemeine Koordinationsschulung, unabhängig vom Leistungsniveau, nicht verzichtet werden sollte (vgl. Neumaier, 1999, S. 178 f.).
Koordinationstraining hat also zwei grundsätzliche Funktionen (vgl. Schnabel 1998, S. 226):
• Voraussetzungs- und Vorbereitungsfunktion zur Schaffung einer breiten koordinativen Basis durch intensive und vielseitige Bewegungserfahrungen
• Anwendungs- und Ergänzungsfunktion mit der Zielstellung des Techniktrainings eine erfolgreich angeeignete sportliche Technik (oder sportartunspezifische Bewegungstechnik) situationsbedingt und variabel verfügbar zu machen.
Unter sportartspezifischen Gesichtspunkten lassen sich vier Wirkungsrichtungen und Anwendungsbereiche von Koordinationstraining unterscheiden (vgl. Schnabel et al., 1998, S. 227 f.):
a) Allgemeines Koordinationstraining
Dieses wird im Grundlagentraining und im Schulsport angewendet. Die Trainingsinhalte sind durch sportartübergreifende Bewegungsvielfalt und Vielseitigkeit gekennzeichnet (Erlernen koordinativer Grundmuster). Es soll die drei koordinativen Grundfähigkeiten (Fähigkeit zur präzisen Bewegungsregulati- on, zur Koordination unter Zeitdruck und zur motorischen Anpassung und
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 21
Umstellung) und die fundamentalen koordinativen Fähigkeiten vervollkommnen.
b) Sportartgerichtetes Koordinationstraining
Dieses wird ebenfalls im Grundlagentraining eingesetzt und dient der beginnenden sportarten- und technikspezifischen Ausbildung, dem Training spezieller sportartspezifischer Fähigkeiten, sowie der Fortsetzung von allgemeinem Koordinationstraining.
c) Sportartspezifisches Koordinationstraining Es kommt im Aufbau- und Anschlusstraining zum Einsatz und vervollkommnet technikbestimmende, sportartspezifische koordinative Fähigkeiten, trainiert aber auch mit allgemeinen, sportartunspezifischen Mitteln und Übungsformen.
d) Koordinatives Spezialtraining - Training sporttechnischer Fertigkeiten Wird im Hochleistungstraining eingesetzt und dient der Vervollkommnung der sportartspezifischen koordinativen Kompetenzen zur Anwendung und Durchsetzung der sportlichen Technik in spezifischen Anforderungssituationen.
Für den sportartspezifischen Sport existiert ein recht umfangreicher Trainingsaufbau für das Koordinationstraining. Für den sportartunspezifischen, gesundheitsorientierten Sport gibt es so eine Einteilung nicht. Der trainingsmethodische Aufbau scheint hier weniger konkret und weicht dahingehend vom sportartspezifischen Bereich ab, dass in erster Linie ein allgemeines Koordinationstraining durchgeführt wird. Eigentlich werden eher selten bewegungsspezifische Aspekte in das Training integriert, außer im Bereich der Rehabilitation wenn bestimmte Bewegungsmuster (Grundfertigkeiten ) neu erlernt werden müssen. 6
Im Folgenden soll dies etwas eingehender dargestellt werden:
6 z.B. Gangmuster
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 22
2.3.1 Allgemeines Koordinationstraining (sportart- und bewegungsunspezi-
Im sportartunspezifischen Breiten- und Gesundheitssport wird allgemeines Koordinationstraining zur Schulung, Festigung oder Wiederherstellung allgemeiner koordinativer Fähigkeiten durchgeführt. Dies ist wichtig, da die Qualität dieser Fähigkeiten durch mangelnde Bewegung, einseitige Alltagsbelastungen oder Verletzungen abnehmen kann. Bei Kindern wird sie immer häufiger gar nicht erst entwickelt. Viele Menschen weisen dadurch zum Beispiel einen sehr geringen Gleichgewichtssinn oder ein mangelhaftes Körper- oder Rhythmusgefühl auf.
Bewegungen können durch diesen Mangel an Koordination wesentlich weniger zielgerichtet, zweckmäßig, kontrolliert, ökonomisch und effektiv ausgeführt werden (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 51).
Bezogen auf einen trainingsmethodischen Aufbau empfehlen Wilke & Froböse (1998) folgende Trainingsreihenfolge für ein allgemeines Koordinationstraining (S. 69 f.):
a) Schulung der Propriozeption (Eigenwahrnehmung ) 7
b) Schulung der statischen Balance (in horizontaler und vertikaler Ebene, progredient verlaufend) 8
c) Schulung der dynamischen Balance und zeitgleiche Schulung der Gleichgewichtsreaktionen
d) Schulung von Bewegungsvielfalt und -qualität
In diesem Trainingsprozess soll aufeinander aufbauend, zunächst über eine Verbesserung der Eigenwahrnehmung und danach über eine Verbesserung der statischen und dynamischen Balance und des Gleichgewichts- und Reaktionsvermögens, eine sichere Haltung, Stabilität und die Ausübung ökonomischer Bewegungsabläufe in variablen Situationen ermöglicht werden. Die sieben, als besonders fundamental und leistungsbestimmend eingestuften koordinativen
7 Unter Propriozeption wird die Eigenwahrnehmung des Körpers verstanden. Dies bedeutet, dass auch
bei geschlossen Augen ein sehr guter Eindruck von der Körperposition im Raum, sowie der Position der
Arme und Hände besteht. Dies wird möglich durch Afferenzen über Analysatoren (siehe S.10), die
Informationen über die Positionierung im Raum geben.
8 progredient = fortschreitend
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 23
Fähigkeiten werden dabei über die Grundsätze der Vielfalt, Variation, Steigerung der Anforderungen und Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen, geschult. Die Balance stellt im allgemeinen Koordinationstraining einen Schlüsselpunkt dar, weil alltägliche Bewegungshandlungen als dynamische Balanceakte gesehen werden. Die Schulung der Bewegungsvielfalt und -qualität wird zum Schluss durchgeführt, da dies am komplexesten ist (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S.67 f.).
Häufig anzutreffende Trainingsgeräte des allgemeinen Koordinationstrainings sind Kippbretter, Therapiekreisel, Mini-Trampolin, Weichboden, Geräteparcours, Seilzüge, Sequenztrainingsgeräte, Kleingeräte wie Bälle, Tücher und Luftballons. Übungsvariationen bestehen in der Ausgangsstellung, Bewegungsausführung, beidseitigem Üben, Rhythmus, Rotationen in Bewegungen integrieren, Übungskombinationen, Reizung des Gleichgewichtssinnes, Einschränkung der optischen und akustischen Wahrnehmung.
Bei der Auswahl der Trainingsmittel und -inhalte gilt, dass ständig neue Belastungssituationen, die dem Körper unbekannt sind, geschaffen werden. Dies hat den Grund, dass nur über immer neue, überschwellige Reize Anpassungserscheinungen erzielt werden können. Diese überschwelligen Reize sollten allerdings immer erst dann gesetzt werden, wenn ausreichend lange in weniger anspruchsvollen Situationen trainiert wurde (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 71; Weineck, 1997, S. 548; Schnabel et al., 1997, S. 121).
2.3.2 Spezielles Koordinationstraining (bewegungsspezifisch aber sportar-
Insbesondere in der Sporttherapie und in der Rehabilitation gibt es auch spezielle, bewegungsspezifische Formen von Koordinationstraining. Diese kommen meist zur Anwendung, wenn es darum geht die Funktionen bestimmter Körperteile wie von Sprunggelenk, Knie, oder auch Wirbelsäule wiederherzustellen, um bestimmte durch Verletzungen beinträchtige Bewegungsmuster neu zu er- lernen. Hier hat Koordinationstraining eine stärkere Voraussetzungs- und Vor-
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 24
bereitungsfunktion für spezifische Bewegungsqualitäten die im Alltag, in der Freizeit und vielleicht auch im Sport Anwendung finden.
Ein Trainingsprogramm für die Wirbelsäule könnte im Rahmen eines solchen Trainings nach Empfehlung von Wilke & Froböse zum Beispiel wie folgt aussehen (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 75 f.):
a) Schulung der Propriozeption (in horizontale/ vertikaler Ebene)
• Verbesserung der Körpersensibilität und Haltung durch zum Beispiel
• Übungen der Beckenkippung und Aufrichtung im Liegen, Stand, Sitzen
• Übungen in Rücken- und Bauchlage mit Kleingeräten
• Taktile Reize am Rücken mit Igelbällen
b) Schulung der statischen Balance
• beidbeiniger/ einbeiniger Stand auf stabilem oder instabilem Untergrund mit offenen der geschlossene Augen
• Übungen im Sitz auf stabilem/ instabilem Untergrund (z.B. Kreisel, Ball) oder
c) Schulung der dynamischen Balance
• Übungen im Sitz oder Stand auf verschiedenen Untergründen, wobei sie mit oder ohne Hilfsmittel (z.B. Seilzug, Hanteln) ausgeführt werden
• Kniebeugen und Ausfallschritte
• Gehen, Laufen, Springen auf variablen Untergründen
d) Schulung der Gleichgewichtsreaktionen/ reaktiven Fähigkeiten
•
ein Therapeut setzt in verschiedenen Positionen (Sitz/ Stand auf verschiedenen Untergründen) Impulse von außen auf die reagiert werden muss (Rumpfmusku-
e)
• rotatorische Komponenten
• Übungen am Seilzug mit weiterer Erhöhung des Schwierigkeitsgrads
• Partnerübungen
• Geräteparcours
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 25
Wie zu erkennen ist bezieht sich dieses Programm zwar verstärkt auf die Rumpfmuskulatur trainiert aber eher wenig alltagsrelevante dynamische Bewegungsmuster, wie es laut Neumaier (1999) für ein zielorientiertes Training sinnvoll wäre. Die Übungen fordern in erster Linie eine Rumpfstabilisierung. Ein ähnliches Beispiel liefern auch Rückenschulkurse: Dort werden zwar alltagsspezifische Bewegungsmuster eingeübt, diese beziehen sich aber meist nur darauf zu lernen, den Rumpf bei verschiedenen Bewegungen zu stabilisieren.
Da die Rumpfmuskulatur im Alltag und in der Freizeit aber nicht nur isometrisch, sondern auch dynamisch eingesetzt wird, wäre es sicherlich sinnvoll, das aufgeführte rumpfspezifische Training nach folgenden Gesichtspunkten zu ergänzen:
Es sollte neben den oben aufgeführten stabilisierenden Übungen auch mit dynamischen, rumpfspezifischen Bewegungen gearbeitet werden und spezielle Fähigkeiten geschult werden, die für rumpfspezifische Bewegungen relevant sind. Dies hat den Grund, dass die Wirbelsäule kein starres Gebilde ist, sondern eine Gelenkkette mit drei Freiheitsgraden bzw. anatomischen Hauptbewegungsebenen. Die Wirbelsäule kann somit Bewegungen in der Flexion, Extension, Lateralflexion und Rotation, sowie Zwischenbewegungen durchführen. Im speziellen rumpfspezifischen Koordinationstraining sollte die Rumpfmuskulatur demnach stabilisierend und dynamisch gefordert werden. Es wäre dabei von Vorteil anfänglich Bewegungen auszuschließen, die die Konzentration von der Rumpfmuskulatur ablenken, wie Arm- und Beinbewegungen mit Hanteln und Zugapparat, weil so die Körperwahrnehmung und Propriozeption des Rumpfes besser gefördert werden kann. Solche gezielt speziellen rumpfspezifischen Koordinationsübungen wären zur Förderung der Rumpfkoordination sinnvoll, da 9
die Konzentration nicht nur auf isometrische, sondern auch auf dynamische Funktionsaspekte der Rumpfmuskulatur gelenkt würde.
Folgende koordinative Fähigkeiten sollten in einem rumpfspezifischen Training berücksichtigt werden:
9 Rumpfkoordination = Rumpfsteuerung und Rumpfkontrolle/ neuromuskuläre Rumpffunktionen
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 26
a) Die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
Diese ist die Fähigkeit, die Stellung des Rumpfes im Raum zu registrieren. Sie ist für eine kontrollierte Rumpfhaltung also ebenso elementar wie für dynamisch gezielte Rumpfbewegungen. Sie kann zum Beispiel dadurch trainiert werden, dass bestimmte Rumpfbewegungen und Positionen gezielt wiederholt und ohne fremde Hilfe eigenständig reproduziert werden sollen.
b) Die Kopplungsfähigkeit
Diese ist für die Abstimmung von zum Beispiel Kopf und Rumpf zuständig (HWS, BWS, LWS, Sakrum), was für viele Alltagsbewegungen wichtig ist. Sie kann dadurch trainiert werden, dass bestimmte Bewegungen durchgeführt werden bei denen Kopf und Rumpf in aufeinander abgestimmter Reihenfolge bewegt werden sollen.
c) Gleichgewichtsfähigkeit
Die Gleichgewichtsfähigkeit ist für eine gezielte Rumpfsteuerung wichtig, da Bewegungen aus einer kontrollierten Serie von Haltungen, also von Gleichgewichtsleistungen bestehen. Des Weiteren ist sie Grundlage muskulärer Balance und guter Haltung. Nur wenn ein Mensch eine gute Gleichgewichtsfähigkeit hat ist er in der Lage seinen Rumpf auch gegen äußere, überraschende Störfaktoren zu stabilisieren und kann so zum Beispiel Wirbelsäulenschäden vorbeugen.
Sie kann durch verschiedenste Übungen trainiert werden. Besonders vorteilhaft ist im Training die Zuhilfenahme von instabilen Unterlagen, wie zum Beispiel einem Sitzball. Training im Sitzen bietet den Vorteil, dass sich der Trainierende besser auf seinen Rumpf konzentrieren kann.
d) Reaktionsfähigkeit
Die Reaktionsfähigkeit ist eine wichtige rumpfspezifische Fähigkeit, da eine gute Reaktion zum Beispiel für die Verletzungsprophylaxe rumpfspezifischer Verletzungen elementar ist.
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 27
Sie kann beispielsweise dadurch trainiert werden, dass bestimmte rumpfspezifische Bewegungen spontan auf ein Signal folgend möglichst exakt durchgeführt werden sollen.
e) Rhythmisierungsfähigkeit
Eine gute Rhythmisierungsfähigkeit fördert das Körpergefühl und die
Rumpfkoordination.
f) Umstellungsfähigkeit
Die Umstellungsfähigkeit ist u.a. für die Verletzungsprophylaxe wirbelsäulenspezifischer Verletzungen wichtig. Nur durch eine gute Umstellungsfähigkeit können wirbelsäulenspezifische Bewegungen sicher an neue Situationen angepasst werden. Sie kann dadurch trainiert werden, dass sich zum Beispiel die Beschaffenheit des Sitzes verändert (zum Beispiel ein großer, kleiner, weicher, fester Sitzball).
g) Orientierungsfähigkeit
Die Orientierungsfähigkeit kann im rumpfspezifischen Koordinationstraining trainiert werden, weil die Lage und die Bewegungen des Rumpfes/ Körpers in Raum und Zeit häufig auf bestimmte Aktionsräume oder sich bewegende Objekte abgestimmt werden müssen. Für manche Bewegungen ist dabei ein bestimmtes Timing oder eine gute Antizipationsfähigkeit wichtig.
Im Vergleich zum allgemeinen Koordinationstraining lässt sich also erkennen, dass ein spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining Bewegungsformen berücksichtigt die elementar sind, um eine alltagsgerechte, bewegungs- und situationsspezifische Anwendungsfunktion der Rumpfmuskulatur zu garantieren.
Da spezielle rumpfspezifische Formen von Koordinationstraining in der Praxis meist nur ergänzend zu Krafttraining durchgeführt werden, sollen beide Trainingsformen im Folgenden kurz verglichen werden.
2.3.3 Rumpfspezifisches, isometrisches Krafttraining
Spezielles rumpfspezifisches Koordinationstraining und rumpfspezifisches, iso- metrisches Krafttraining unterscheiden sich stark voneinander. Durch Koordina-
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 28
tionstraining soll die Wahrnehmung und Propriozeption, die Körperhaltung und Bewegungsqualität geschult werden. Durch isometrisches Krafttraining soll in erster Linie ein Muskel- und Kraftzuwachs erzielt werden, wobei koordinative Aspekte im Training eher vernachlässigt werden, was einen großen Nachteil darstellt (vgl. de Marees, 1994, S. 103).
Da die Muskulatur im isometrischen Krafttraining nur jeweils in einer Gelenkwinkelstellung trainiert wird, können sich keine Bewegungsmuster einschleifen und sich in Folge keine Bewegungsökonomisierungen ergeben. Weineck warnt deswegen auch vor einem ausschließlichen Krafttraining ohne begleitende disziplinspezifische Koordinationsschulung (Weineck, 1997, S. 247).
Durch hohe statische Anspannungen besteht bei isometrischem Krafttraining außerdem die Gefahr der Pressatmung, was z.B. bei Personen mit geschädigtem Herz-Gefäß-System zu akuten Schädigungen führen kann (vgl. de Marees, 1994, S. 103).
Im Gegensatz zum Koordinationstraining, was in seinen verschiedenen Ausprägungen bedenkenlos bei allen erdenklichen Zielgruppen eingesetzt werden kann, ist es nur begrenzt anwendbar.
2.4 Koordinationstests
Um Trainingseffekte von Koordinationstraining zu bestätigen werden entsprechende Tests benötigt. Aufgrund der Komplexität der koordinativen Fähigkeiten ergeben sich für die Praxis aber nicht unerhebliche zum Teil auch noch ungelöste Probleme der objektiven Erfassung des koordinativen Leistungszustandes (Weineck, 1997, S. 551).
Eine umfassende Testung der Koordination scheint nicht möglich zu sein, da viele Bereiche (motorischer Kortex, pyramidal-motorisches und extrapyramidalmotorisches System, Reflexbogen u.a.) in der Regel nicht für die normalen kinesiologischen Untersuchungsmethoden zugänglich sind. Außerdem sind vie- 10
le Tests durch subjektive Empfindungen und Einschätzungen des Therapeuten geprägt, weswegen es unentbehrlich ist sich auf einige reproduzierbare Bewe- 10 Kinesiologische Untersuchungsmethoden: Methoden aus der physiologischen Bewegungslehre, wie
z.B. Videoanalyse
Theoretische Grundlagen zum Thema Koordination 29
gungsmuster zu konzentrieren, die Messdaten zu objektivieren und die Messverfahren zu standardisieren (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6). Im Folgenden sollen einige Koordinationstests genannt werden, die in der Vergangenheit zur Beurteilung der allgemeinen und spezifischen Koordination entwickelt, erprobt und eingesetzt wurden:
Allgemeine Koordinationstest sind zum Beispiel die „(subjektive) Beurteilung der Alltagsaktivitäten“ (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6), der „Kasten-Bumeranglauf“ und der „Wiener Koordinationsparcours“, bei denen eine Testperson eine bestimmte Hindernisstrecke nach vorgegebenem Lösungsweg in möglichst kurzer Zeit bewältigen muss (vgl. Weineck, 1997, S. 551).
Auch der subjektiv vom Testleiter beurteilte „Einbeinstandtest“ oder der bewegungskomplexe Test „Achterspringen“ zählen eher zu allgemeinen koordinativen Testverfahren (vgl. Wilke & Froböse, 1998, S. 122). Diese Testsformen sind eher zur allgemeinen Beurteilung koordinativer Fähigkeiten geeignet. Sie hängen sehr von der Tagesform und Motivation der Versuchsperson, sowie von der Ergebnisbewertung des Testleiters ab. Spezielle Koordinationstests, wie zum Beispiel Gleichgewichtsreaktions- und Muskelfunktionstests, untersuchen einzelne koordinative Komponenten bzw. koordinative Fähigkeiten. Zur fortlaufenden Kontrolle der koordinativen Qualität im Übungsprozess eines bestimmten Bewegungsablaufs können unter anderem auch Kraftmessplatten verwendet werden. Sie gestatten qualitative und quantitative Einblicke in den Übungs- und Trainingszustand des neuromuskulären Systems (vgl. Hollmann, 2000, S. 140). Sehr genau sind auch EMG-Messungen , bei denen durch das EMG-Muster 11
Koordinationsstörungen innerhalb einer Muskelgruppe bzw. eines Muskels erkannt werden können (Einschätzung der intramuskulären Koordination). Auch Kombinationen von EMG und Kraftmessung werden verwendet (vgl. Verdonck et al., 1997, S. 6; Hollmann, 2000, S. 140).
Zur Testung der Stabilität des Vestibularapparates wurde bei einer Gruppe von Eiskunstläufern in der Vergangenheit sogar mit EEG-Ableitungen bei gleich- 12
11 Elektromyogramm: Ableitung der elektrischen Aktionsströme, die durch die Erregung der Muskelzellen
entstehen.
12 Gehirnstrom-Ableitungen
Arbeit zitieren:
Sandra Kottkamp (geb. Hoffmann), 2002, Die Effekte von speziellem rumpfspezifischem Koordinationstraining auf die neuromuskulären Funktionen des Rumpfes, München, GRIN Verlag GmbH
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