Gewaltpr äventive und bedürfnisorientierte sozialpädagogische Förderung
aggressiver Hauptschüler aus dem sozialen Brennpunkt
Inhalt
Einleitung 4
A -Teil: Theoretische Überlegungen 4
1. Definition, Äußerungsformen und Erklärungsmodelle von Aggressionen 4
1.1 Definition und Äußerungsformen der Aggression. 4
1.2 Erklärungsmodelle für (jugendliche) Aggressionen 6
1.3 Psychologische/sozialisatorische Hintergründe und Motivationen aggressiven Ver-
haltens. 8
1.4 Pädagogische Konsequenzen und Rolle des (Sozial)pädagogen. 9
B -Teil: Konzeptionelle Überlegungen 12
2. Bedingungsanalyse 12
2.1 Rahmenbedingungen: Ressourcen (Erstes didaktisches Element) 12
2.1.1 interne Ressourcen 12
2.1.2 externe Ressourcen. 12
2.2 Zielgruppenanalyse: Voraussetzungen (Zweites didaktisches Element) 14
2.2.1 Individuelle/anthropogene Voraussetzungen. 14
2.2.2 Soziokulturelle Voraussetzungen. 16
2
2.3 Aspekte der Lehr-Lern-Situation (Drittes didaktisches Element) 17
2.3.1 Lernen. 17
2.3.2 Prozess 17
2.3.3 Gefälle 18
2.3.4 Verhältnis. 19
2.3.5 Beziehung 20
2.3.6 Situation. 21
3. Didaktisch/methodische Überlegungen: Ziel - Ebenen (Viertes und fünftes didaktisches
Element. 22
3.1 Richtziel-Ebene. 22
3.2 Grobziel-Ebene 23
3.3 Feinziel-Ebene 25
3.3.1 Orientierungsphase. 25
3.3.2 Einstiegsphase. 26
3.3.3 Hauptphase. 28
3.3.4 Abschlussphase 30
C -Teil: Überlegungen zur Auswertung (Selbstevaluation) 32
4. Nonverbale Auswertung 32
Literatur. 34
Anhang 35
3
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit präsentiere ich theoretische und konzeptionelle Überlegungen zur aggressionspräventiven Schulsozialarbeit. Während meiner Arbeit in einer Hausaufgaben-und Freizeitbetreuung von Hauptschülern der 5. und 6. Klasse (Sekundarstufe I) ist mir dieses Thema oft begegnet, und auch durch die Massenmedien verbreitete Schreckensmeldungen (wie der Extremfall Erfurt vor einiger Zeit) spiegeln das Vorhandensein großer Aggressions-und Gewaltpotentiale bei anscheinend immer mehr Jugendlichen wider. In theoretischen Überlegungen werde ich zuerst den Begriff der Aggression definieren und Äußerungsformen aggressiven Verhaltens beschreiben, um ein Arbeitsverständnis zu bekommen (Kapitel 1.1). Anschließend stelle ich Erklärungsmodelle für Aggression vor, um damit im B-Teil (konzeptionelle Überlegungen) adäquat auf das Verhalten der oben genannten Jugendlichen eingehen und sinnvolle Lernziele entwickeln zu können (Kapitel 1.2). Die Entstehung von Aggressivität ist immer auch im Zusammenhang zu sehen mit psychologischen Faktoren und den sozia-lisatorischen Hintergründen im Alltag und in der Schule (Kapitel 1.3). Dabei ist es sinnvoll und wichtig für die sozialpädagogische Arbeit, anstatt monokausaler Erklärungsansätze ein Geflecht von Ursachen und Verstärkern anzunehmen und herauszufinden. Aus den vorangegangenen Überlegungen leite ich dann pädagogische Konsequenzen für die Arbeit mit aggressiven Jugendlichen ab und erläutere dabei auch die Wichtigkeit der Rolle des Pädagogen (Kapitel 1.4).
Diese theoretischen Überlegungen versuche ich dann ansatzweise im konzeptionellen B-Teil anzuwenden, da klar ist, dass Gewaltprävention ein langandauernder Prozess ist, der Faktor Zeit also eine wichtige Rolle spielt.
A-Teil: Theoretische Überlegungen
1. Definition, Äußerungsformen und Erklärungsmodelle von Aggressionen
1.1 Definition und Äußerungsformen der Aggression
Der Begriff der Aggression lässt sich ableiten vom Lateinischen „ad-gredi“ gleich „herangehen“, „auf jemanden“ oder „auf etwas zugehen“ (im weiteren Sinne), „auf jemanden“ oder „auf etwas losgehen“, „jemanden“ oder „etwas angreifen“ (im engeren Sinne). Er symbolisiert also
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sowohl die bloße Annäherung als auch den (feindseligen) Angriff (vgl. Heinelt 1978, S. 20.). Eine für die sozialpädagogische Arbeit mir sinnvolle Arbeitsdefinition der Aggression ist die von Ullmann: „Aggression ist ein Verhalten, das darauf abzielt, bewusst oder unbewusst je-mand anderem Schaden zuzufügen, ihn zu kränken oder zu verletzen oder eine Sache zu zerstören“ (Ullmann 1974, S. 111.).
* Körperliche Aggression lässt sich als direkte, körperliche, gewalttätige Auseinandersetzung beschreiben, die sowohl körperlichen als auch psychischen Schaden zufügen kann, angefangen bei leichten Prügeleien bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen und sogar Tötungen, wie das Beispiel Erfurt zeigte. Ein Machterleben durch ihre schnelle Wirkung kann durchaus positive Auswirkungen auf das Selbst(wert)gefühl des Angreifers haben, hat also eine Verstärkungseffekt durch die aktivierende Wirkung selbst als auch durch die gewonnene Aufmerksamkeit der sozialen Umwelt.
* Verbale Aggression äußert sich in kränkenden, verletzenden, entwertenden Beschimpfungen und Bemerkungen über andere Personen. Oftmals scheinen sie den Alltag zu prägen. Heinelt bezieht sich auf Watzlawick, Beavin und Jackson (1974), wenn er sagt, dass verbale Aggression „ [...] in unserem menschlichen Alltag eine bedeutende Rolle (spielt), da unser Verhalten im wesentlichen von verbaler Kommunikation bestimmt ist, die unterstrichen wird durch Elemente der Mimik, der Stimme und der Gestik“ (Heinelt 1978, S. 25.). Sie gilt als „legitimes Mittel der Durchsetzung“ eigener Interessen (Heinelt 1978, S. 26.). Jedoch drohe sie auch, das soziale Klima (der Schulklasse) zu vergiften, Affekte hochzupeitschen, die Aggression eskalieren zu lassen (in körperliche Aggressionen). Wortwahl und stimmlicher Kraftaufwand stünden oft in keinem Verhältnis zum gegebenen Anlass. Schon eine Rücknahme der Lautstärke könne eine Entspannung zur Folge haben. Besonders betroffen seien Schüler, die (mittels Mechanismen der sozialen Ausgrenzung und Etikettierung, Anm. d. Autors) zur Zielscheibe des Spottes gemacht werden und mit Prestigeverlust rechnen müssen (vgl. Heinelt 1978, S. 26.).
* Expressive Aggression zeigt sich in Mimik, Gestik, Sprechstimme und Gebärden, die die verbalen Äußerungen begleiten und betonen. Verbale und expressive Aussage müssen dabei aber nicht übereinstimmen (z.B. aus Angst Kritik zu äußern). Expressive Aggression entsteht aus Affekten wie Hochmut und Verachtung, Wut und Zorn, Ablehnung und Hass. Äußerungs-formen sind z.B. Ausspucken, Zunge-Herausstrecken, Vogelzeigen und Drohgesten (z.B. Fäusteballen). Außenseiter in einer Schulklasse scheinen wenig sensibel zu sein, diese expressiven Signale in ihren Abstufungen zu interpretieren und zwischen feindlich und freundlichsolidarisch gesinnten Mitschülern zu unterscheiden (vgl. Heinelt 1978.).
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* Selbstaggression richtet sich sowohl verbal, z.B. in Selbstbeschimpfungen, als auch physisch, z.B. im Nägelkauen, übermäßigen Kratzen oder Ritzen, gegen die eigene Person. Im Extremfall führt die Selbstaggression zum Suizid. Es scheint plausibel, dass v.a. ängstliche Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl selbst-aggressiv sind, die es nicht schaffen, ihren Frustrationen und durchaus neurotisch-aggressiven Verhaltensweisen konstruktive, angemessene Denk- und Handlunsansätze entgegenzusetzen
* Aggressionsphantasien fügen keinen reellen physischen oder psychischen Schaden zu und sind somit streng genommen keine echte Aggression. Jedoch hängen Aggressionsphantasien möglicherweise mit manifestem aggressivem Verhalten zusammen (vgl. Heinelt 1978, S. 30.). Aggressionsphantasien können sowohl kathartisch als auch aggressionssteigernd wirken. Letztere Wirkung wird sicherlich mitunter durch die gewaltsamen, faszinierenden Vorbilder in den Medien wie Fernsehen oder Computerspielen gefördert und stellt eine Gefahr für die Person selbst und andere Personen dar, besonders wenn keine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, also eine Abgrenzung des aggressiven Vorbilds zur Realität, gelernt wurde. Jedoch stellen „aggressive Phantasien [...] eine Möglichkeit dar, (auch nicht-körperlichaggressiv, Anm. d. Autors) auf Frustration zu reagieren“ (Heinelt 1978, S. 30.).
1.2 Erklärungsmodelle für (jugendliche) Aggressionen
Folgende Theorien zeigen mögliche Entstehungshintergründe aggressiven Verhaltens. a.) Das Trieb-Instinkt-Modell nimmt einen biologischen, angeborenen Mechanismus für aggressives Verhalten in Form eines eigenständigen, spezifischen (Todes)Triebes (S. Freud, Psychoanalyse) bzw. Instinkts (K. Lorenz, Verhaltensforschung) an. Allein durch die Sozialisationsbedingungen ergeben sich die Äußerungsformen des Aggressionsverhaltens, für das es nur begrenzte Möglichkeiten zur Aggressionsbewältigung gibt (vgl. Heinelt 1978.). Nach dem Trieb-Modell Freuds entstehen neurotische Störungen und extrem destruktive Verhaltensweisen durch starke Unterdrückung aggressiver Triebbedürfnisse durch das Über-Ich oder die kulturellen, gesellschaftlichen Normen. Diese können höchstens in soziale, konstruktive Verhaltensweisen wie "Arbeitseifer, Engagement, Zivilcourage, Selbstverteidigung, Einsatz für Ideale" umgewandelt werden (Heinelt 1978, S. 34.).
Auch das Instinkt-Modell von K. Lorenz (wegen seiner Relevanz für die Menschen unter Wissenschaftlern umstritten) geht von einem eigenständigen, spontanen und biologisch veranker-
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Arbeit zitieren:
Michael Felbert, 2003, Gewaltpräventive und bedürfnisorientierte sozialpädagogische Förderung aggressiver Hauptschüler aus dem sozialen Brennpunkt, München, GRIN Verlag GmbH
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