Andrea Wieseke
Germanistik/Amerikanistik/Kommunikationswissenschaft 5. Semester
Datum: 28.06. 2000
Hauptseminar: Wissensvermittlung im Mittealter Sommersemester 2000
Wörterbücher und Gesprächsbücher . Thema:
Inhalt
1. Einleitung
2. Geschichte der Lexikographie
3. Wörterbücher
3.1. Makrostruktur von Wörterbüchern
3.2. Mikrostruktur von Wörterbüchern
3.3. Gerhard van der Schueren: Teuthonista
3.4. Wörterbuchartikel imVergleich
3.5. Wörterbücher - eine Auswahl
4. Gesprächsbücher
4.1. Einführung in die Entstehungsgeschichte
4.2. Aufbau von Gesprächsbücher
4.3. Tönnies Fenne - ein Russisch-deutsches Gesprächsbuch
5. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Am Anfang meiner Ausarbeitung hinsichtlich von Wörter- und Gesprächsbüchern möchte ich den Oberbegriff dieses Themas, Lexikographie, klären. Nach dem Lexikon der Sprachwissenschaft ist Lexikographie abgeleitet vom griechischen Begriff ‚lexikographos’ - ein Wörterbuch schreibend. Es bezeichnet den Vorgang, das Ergebnis und die Methode der Anfertigung von Wörterbüchern. Man unterscheidet verschiedene Darstellungsformen, die davon abhängig sind, ob es sich um ein- oder mehrsprachige Lexika handelt, ob es eine diachrone oder synchrone Bestandsaufnahme eines spezifischen Wortschatzes ist oder ob zum Beispiel deskriptive oder präskriptive Absichten verfolgt werden. Auch die Ordnung innerhalb eines Wörterbuches kann unterschiedlich sein. Neben der häufigsten Form, der alphabethischen Anordnung steht die begriffliche Ordnung, die das Material nach inhaltlichen Kriterien zusammenstellt Es gibt aber auch zum Beispiel rückläufige Wörterbücher, die sich an den Reimwörterbüchern des Mittelalters orientieren. Die alphabetische Reihenfolge geht hierbei von den Endbuchstaben aus; der Nutzen dieses Verfahrens liegt in einer gewissen Durchsichtigkeit von Wortbildungszusammenhängen. Stilwörterbücher hingegen kodifizieren das sprachliche Material nicht nach paradigmatischen, sondern nach syntagmatischen Aspekten. Syntaktisch orientiert sind auch die sogenannten Valenzwörterbücher, die das Inventar der Verben hinsichtlich ihrer Valenz zusammenstellen (Lexikon der Sprachwissenschaft). Hinzuzufügen ist auch, dass Sprachen im allgemeinen und deren Wortschatz im besonderen sozial, regional, zeitlich und funktional differenziert und zudem unterschiedlichen Benutzerinteressen unterworfen sind. Dadurch werden die bereits vorhandenen Typen weiter spezifiziert und differenziert.
Auch wenn das Thema Wörterbücher und Gesprächsbücher lautet, möchte ich meinen Schwerpunkt auf die Wörterbücher legen. In meiner Ausarbeitung werde ich auf die geschichtliche Entwicklung von Wörterbücher eingehen und darauf,
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warum sie geschrieben wurden. Im weiteren gehe ich dann auf die Makro- und Mikrostruktur ein, werde sie am Beispiel des Teuthonista veranschaulichen und am Anschluss zwei Wörterbuchartikel miteinander vergleichen. Im zweiten Teil meiner Arbeit befasse ich mich dann mit Gesprächsbüchern und werde eine kurze Einführung hinsichtlich der Entstehungsgründe sowie des Aufbaus geben und dann genauer am Tönnies Fenne erklären.
Bevor ich näher auf die Geschichte von Wörterbüchern eingehe, möchte ich zwei Definitionen nennen:
Lexikon kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wörterbuch. Zusammenstellung der Wörter einer Sprache (bzw. eines regionalen, soziolektalen oder sprachspezifischen Ausschnitts) in alphabetischer oder begrifflicher Ordnung zum Zwecke des Nachschlagens. (Bußmann, H.: Lexikon der Sprachwissenschaft)
Wörterbuch ist ein Nachschlagewerk, das den Wortschatz einer Sprache nach bestimmten Gesichtspunkten auswählt, anordnet und erklärt. Das Wörterbuch gibt Sprachinformationen, während das Lexikon Sach-informationen bietet. (Brock Haus)
Diese Definitionen geben Auskunft darüber, was man heute unter einem Wörterbuch versteht. Wenn man dieses mit den ersten Wörterbüchern vergleicht, stellt man fest, dass es über die Jahrhunderte eine starke Veränderung hinsichtlich der Struktur als auch der Funktion gegeben hat. Dienten sie am Anfang als Übersetzungshilfe für biblische und Gelehrtentexte vom Lateinischen in die Volkssprache, so sind Wörterbücher heute fast in jedem Haushalt und in jeder Sprache zu finden; ein Gebrauchsgegenstand für jedermann.
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„Wörterbücher sind keine Bücher, die für den Tag geschrieben werden: Sie sind Kulturdokumente, die Menschen, Völker, Zeiten, Länder, Landschaften und Lebenswelten in einer bestimmten historischen Situation sprachlich spiegeln“(S. P. Szlek 1999, S. 13).
2. Geschichte der Lexikographie
Die ersten deutschen Wörterbücher entstanden aus dem Geist der alten Glossen. Ihre Vorarbeit reicht weit bis in die althochdeutsche Zeit zurück. Mit der Glossierungstechnik wurden lateinische Texte auch volkssprachlich aufbereitet. Sie ist ein unabdingbares Hilfsinstrument der Gelehrtentätigkeit und des Schulbetriebs. Glossen dienten als Quelle des lateinischen Vokabulars und zur Erhellung der im Unterricht gelesenen Texte.
Am Anfang stehen die Bibelglossare. Sie bilden auch den größten Teil und dienten der Bibelexegese. Des Weiteren gibt es reiche Überlieferungen aus karolingischen Schulen des 9. Jahrhunderts im Hinblick auf vielgelesene Schulautoren sowie Sachglossare (z.B. Körperteilglossar). Die meisten Glossierungen werden aber dem Lehrbetrieb in den mittelalterlichen Dom- und Klosterschulen zugeschrieben. Sie sind aus heutiger Sicht eine Wiedergabe des damaligen Wissens und erlauben Rückschlüsse auf die Schul- und Unterrichtspraxis jener Zeit. Die ersten lexikographischen Erklärungen sind am Rand, zwischen den Zeilen oder im Text zu finden und werden danach Marginal-, Interlinear- oder Kontextglosse genannt. Aus den in die Texthandschriften integrierten Glossen entwickeln sich Glossenhandschriften. Die ersten außertextlichen Glossen sind nach der Abfolge der Wörter im Bezugstext geordnet, dann nach systematischen oder nach alphabetischen Anordnungsprinzipien zusammengestellt bzw. treten in kombinierter Form auf. Auch die älteste Sammlung von Glossen, also das erste Lateinisch-althochdeutsche Wörterbuch, ist noch unmittelbares Ergebnis von Kontext-
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glossierung. Es ist nach seinem ersten lateinischen Stichwort, im weiteren auch Lemma genannt, benannt: ‚abograns’, das der Schreiber mit ‚dheomodi’ neuhochdeutsch ‚demütig’ übersetzt hat. Es ist an der Wende vom 8. zum 9. Jahr-hundert geschrieben worden. Diesem Abograns liegt ein alphabetisch geordnetes lateinisches Verzeichnis seltener, durch Synonyma erläuterte Wörter zugrunde, das als Wegweiser zu gewähltem Stil gedacht war. Die althochdeutsche Sprache tritt hier nur in glossierender, also erklärender bzw. übersetzender Funktion auf. Die weitere Entwicklung des Abograns zeigt die generelle Entwicklungsrichtung an. Das lateinische Lemma mit der entsprechenden Interpretamente werden ins Alphabet eingeordnet und aus dem Stilwörterbuch wird eine alphabetische lateinisch-deutsche Vokabelsammlung (ca.8./9. Jahrhundert). Neben den alphabetischen treten auch, wie schon erwähnt, sachlich geordnete Wörterbücher auf. Der früheste Zeuge dafür ist der Vocabularis Sancti Galli. Trotz der Verwendung gelehrter Quellen kristallisiert er sich als Sonderfall eines auf praktische Zwecke gerichteten Sprachführers heraus. Aber auch bei zweisprachigen Sachglossaren sind literarischer Ursprung und gelehrter Zweck die Regel. Das Deutsch der Glossen diente in erster Linie das Latein zu erobern, auf dem die christliche und schriftliche Bildung beruhte. Des weiteren dienten sie der corectio (Verbesserung) der Texte, der Lektüre der kanonischen Schriftsteller des Altertums und der Christenheit. Sie waren Verständnishilfen bei der Lektüre und standen ganz im Zweck der Bildung, also der Schule und den fortgeschrittenen Interessen der Lehrer und Gelehrten.
Der schulische Charakter wird auch durch zusätzliche Erläuterungen, wie grammatische Informationen über Genus, Flexion und Derivation aber auch durch erste Versuche von Etymologien, Synonyma oder Aequivoca bestätigt.
Eine glossographische Neuerung des 11. Jahrhundrets sind die so genannten Derivationes. Hier werden im Anschluss abgeleitete Wörter an ein Grundwort ohne weitere Erklärung gereiht.
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Arbeit zitieren:
Andrea Wieseke, 2000, Wörterbücher und Gesprächsbücher. Geschichtliche Entwicklung und Beschreibung der Textsorten., München, GRIN Verlag GmbH
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Zu: Daniel Bell, Wissen in der nachindustriellen Gesellschaft
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