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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Die Entwicklung des Peiniger-Opfer Verhältnisses
in der Gattungsentwicklung 3
A. Der archetypische Schurke 5
B. Das reversible Peiniger-Opfer Verhältnis 6
III. Das Peiniger-Opfer Verhältnis von Frankenstein
und seiner Kreatur 7
A. Victor Frankenstein 8
B. Frankensteins Kreatur 11
C. Das Doppelgängermotiv bei Frankenstein
und seiner Kreatur 15
IV. Schlußzusammenfassung 19
V. Literatur 20
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I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt das Peiniger-Opfer-Verhältnis in Mary Shelleys Frankenstein. Der Roman erschien erstmals 1818 in London und kam 1831 in einer von der Autorin überarbeiteten Neuauflage erneut auf den Markt. Die hier verwendete Ausgabe ist eine Neuauflage der Edition von 1831 1 . Aus der benutzten Sekundär-Literatur sind insbesondere die Arbeiten von Inge-borg Weber hervorzuheben 2 , die die Thematik ausführlich behandeln. Als weitere Informationsquellen dienten die Vorlesung „Der englische Schauerroman“ sowie das Hauptseminar „Frankenstein: Text und Film“ von Frau Prof. Dr. Ingeborg Weber im Sommersemester 2001 an der Ruhr-Universität-Bochum.
Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über die Entwicklung des Peiniger-Opfer-Verhältnisses im englischen Schauerroman gegeben werden. Danach sollen die Charaktere von Victor Frankenstein und dem Monster daraufhin untersucht werden, inwiefern ihre Rollen dem Schema des Peinigers bzw. des Opfers entsprechen. Schließlich wird ihre wechselseitige Beziehung zueinander unter Berücksichtigung des ,Doppelgängermotivs' untersucht.
II. Die Entwicklung des Peiniger-Opfer-Verhältnisses in der Gattungsentwicklung
Der erste Schurke des gotischen Romans begegnet dem Leser in Horace Walpoles Roman Castle of Otranto, der 1764 das Genre des Schauerromans einleitete.
Im Allgemeinen wird die Gattung der Gothic novel in zwei Phasen unterteilt, die Phase der sogenannten “Terror School“ und die der “Horror School“.
1 Mary Shelley, Frankenstein; or The Modern Prometheus; edited by Maurice Hindle (Penguin
1 Books, 1992; 1818).
2 Ingeborg Weber, Der englische Schauerroman. Eine Einführung (München und Zürich,
1983). --, „Leser und Schurke: Überlegungen zur Gothic Novel“, Trierer Studien zur Literatur. Bd. 7 (Bern und Frankfurt a.M., 1983), S. 241-252. --, „,Doch einem anderen mag es gelingen‘: Unvergeßlicher, unverbesserlicher Frankenstein“, Mary Shelleys „Frankenstein“. Text, Kontext, Wirkung, Günther Blaicher (Hg.), Studien zur englischen Romantik, Bd. 8 (Essen, 1994), S. 12-24.
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Die “Terror School“ nimmt mit Walpoles o.g. Roman 1764 ihren Anfang und reicht bis 1796. Weitere populäre Vertreter dieser Periode sind Clara Reeves The Old English Baron von 1778, William Beckfords 1786 entstandener Roman Vathek sowie Ann Radcliffes The Mysteries of Udolpho von 1794. Folgende Charakteristika zeichnen diese erste Phase der Gothic novel aus: Zum einen wird das weibliche Opfer von seiner Unschuld davor geschützt, ernsthaft von dem Schurken bedroht zu werden. So bleibt das von seinem Peiniger verfolgte Opfer unversehrt und kommt meist mit dem Schrecken davon. Zum anderen wird ganz klar zwischen Gut und Böse unterschieden, es herrscht eine „Schwarz-Weiß-Moral“ 3 , die eindeutig definiert, wer Täter und wer Opfer ist. Dieses geradlinige Peiniger-Opfer-Verhältnis bleibt vom Anfang bis zum Ende des Romans der ersten Phase so bestehen.
Des Weiteren hielt das von der Aufklärung beeinflußte Weltbild den Glauben an göttliche beziehungsweise übernatürliche ordnende Kräfte aufrecht. Der Glaube an das Gute im Menschen führte dazu, daß das Gute schließlich auch siegte. Deshalb konnte der Schurke letztendlich seiner gerechten Strafe nicht entgehen, während das Opfer zur glücklichen Heldin des Romans wurde. In Walpoles Roman haben Opfer und Peiniger noch gleichen Anteil am Geschehen, die Rolle des Opfers wird jedoch schon bald zu Gunsten des Schurken zurückgedrängt.
1796 beginnt mit Matthew Gregory Lewis' The Monk die zweite Phase, die “Horror School“. Hierzu gehören, laut Weber, unter anderem The Italian von Ann Radcliffe (1797) und Mary Shelleys 1818 veröffentlichter Roman Frankenstein. Den Abschluß der Gattung der Gothic novel bildet 1820 Charles Maturins Melmoth the Wanderer, der ebenfalls zur “Horror School“ gehört. In der zweiten Phase des englischen Schauerromans bekommt die Figur des Peinigers wie die des Opfers eine andere Gestalt. Das nun romantische Weltbild der Autoren wird generell von Ambivalenz bestimmt. Insbesondere die Ambivalenz von Gut und Böse spielt in der Gothic novel eine entscheidende Rolle. In dem Traum des positiven Charakters des Lorenzo in M. G. Lewis' The Monk wird deutlich, daß es in jedem guten Menschen auch böse Anlagen gibt 4 . Die eindeutigen Definitionen der Aufklärung gelten in der Romantik nicht mehr, da
3 Weber, „Frankenstein“, S. 17.
4 Weber, Der englische Schauerroman, S. 79.
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Carmen Trappenberg, 2001, Das Peiniger-Opfer-Verhältnis in Mary Shelleys Frankenstein, Munich, GRIN Publishing GmbH
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