2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kriterien der Phraseologie 06
1.1 Idiomatizität 06
1.1.1 Idiomatizitätsgrad 06
1.1.2 Arten der Idiomatizität 07
1.1.3 Idiomatizität und Konnotation 08
1.1.4 Zentrale Idiomatisierungsstrukturen des Deutschen 09
1.1.5 Historische und kulturelle Dimension 10
1.2 Stabilität 10
1.2.1 Unikale Komponente 10
1.2.2 Territoriale Dubletten 11
1.2.3 Syntaktische Anomalien 11
1.2.4 Nichtidiomatische Konstruktionen 12
1.3 Lexikalisierung/ Reproduzierbarkeit 14
2. Klassifikation der Phraseologismen 16
2.1 Klassifikationen nach semantischen Aspekt 16
2.1.1 Synonymie 16
2.1.2 Antonymie 16
2.1.3 Ambiquität 16
2.1.4 Phraseologische Reihe 17
2.2 Klassifikationen nach der inneren Struktur 17
2.2.1 Phraseologismen mit besonderen Gruppen von Komponenten 17
2.2.2 Phraseologismen mit besonderen syntaktischen Strukturen 18
3
2.3 Klassifikationen nach der morphologisch - syntaktischen Strukturen…………….. 19 2.3.1 Substantivische Phraseologismen……………………………………………… 19 2.3.2 Adjektivische Phraseologismen………………………………………………...19 2.3.3 Adverbiale Phraseologismen…………………………………………………... 20 2.3.4 Verbale Phraseologismen……………………………………………………….20 3. Interlingualer Vergleich und Textorten………………………………………….22 3.1 Interlingualer Vergleich von Phraseologismen……………………………………..22 3.1.1 Kontrastive phraseologische Betrachtung zwischen Deutsch und Griechisch… 22 3.2 Vorkommen der Phraseologismen in bestimmten Textorten……………………….23 4. Auswa hl und Klassifikation einiger Phraseologismen von einer bestimmten Textorte……………………………………………………………………………..24
4.1 Idiomatizitätsgrad der ausgewählten Phraseologismen……………………………. 24 4.2 Bedeutung der Praseologismen…………………………………………………….. 24 4.3 Klassifikation der ausgewählten Phraseologismen nach ihrer morphosyntaktischen Struktur…………………………………………………………………………….. 24 5. Zusammenfassung…………………………………………………………………..26 6. Literaturverzeichnis……………………………………………………………... 27 Anhang…………………………………………………………...............................28
4
Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Phraseologie des Deutschen“, das im Sommersemester 2004 stattgefunden hat, werde ich mich in dieser Seminararbeit mit dem Thema „ der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung“ beschäftigen. Unter Phraseologie versteht man die Lehre und Wissenschaft von eigentümlichen Redewendungen einer Sprache. 1 „Sprachliche Phänomene wie ‚ins Gras beißen’, ‚einen Bock schießen’, ‚jemanden auf die Palme bringen’, ‚den Löffel abgeben’, ‚jemandem einen Bären aufbinden’ oder „jemanden ein Schnippchen schlagen“ werden im Volksmund Redewendungen genannt - im Bereich der Linguistik werden sie auch als Phraseologismen bzw. Idiome bezeichnet “. 2
Phraseologismen sind sprachliche verschiedene kombinatorische Beschränkungen aufweisende Ausdrücke: Sie erlauben häufig nicht, dass man mit ihnen bestimmte syntaktische Operationen ( Umstellung, Einfügung usw.) durchführt und sie setzen oft semantische Prinzipien außer Kraft. Die Bedeutung eines Phraseologismus lässt sich nicht immer aus der Bedeutung der Wörter, die er enthält, ableiten. Sie stehen also in gewisser Weise außerhalb des geregelten Teils der Grammatik. 3 Aufgrund dieser Kategorisierung haben Phraseologismen die Möglichkeit zur Entwicklung und zur Verbreitung des Wortschatzes, wie auch die Möglichkeit zur Benennung und zur Verarbeitung der Welt. 4 Damit werfen sie auch für eine grammatische Fundierung der Orthographie einige schwierige Probleme auf. 5
„Sie unterscheiden sich von einfachen Wörtern dadurch, daß sie aus mehreren Elementen bestehen, weisen aber - einfachen Wörtern ähnlich - als Komplex eine Gesamtbedeutung auf, die sich von der Bedeutung der einzelnen Wörter, aus denen die Redewendung zusammengesetzt ist, unterscheidet. So ist die Bedeutung ‚ins Gras beißen’, die mit ‚sterben’ umschrieben werden kann, unabhängig von der Bedeutung der Wörter ‚ins’, ‚Gras’ und ‚beißen’. Solche phraseologischen Mehrworteinheiten zeichnen sich durch eine Reihe
1 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 1
2 Weingarten, Rüdiger (2001): Beschreibung des Seminars “Phraseologie des Deutschen”. In: Url:
(http://www.cl-ki.uni-osnabrueck.de/cl-ki/seminare/som97/phraslex/phraseologie/) [Stand 25. März 2003]
3 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 1f.
4 Ebd.,
5 Ebd.,
5
weiterer spezifischer Eigenschaften aus, die bei nicht-phraseologischen Wortverbindungen nicht vorkommen. So treten beispielsweise in Phraseologismen oft Wörter auf, die außerhalb von Redewendungen nicht verwendet werden wie ‚Laufpaß’, ‚Schnippchen’, ‚Kerbholz’, ‚Mißkredit’ usw. Darüber hinaus unterliegen einzelne Redewendungen verschiedenen Modifikations- und Umformungsbeschränkungen, die nicht-phraseologische sprachliche Mehrworteinheiten ohne Probleme zulassen“. 6
Als Gegenstand der Phraseologie werden Phraseolexeme, Wortgruppenlexeme, Idiome und feste Wendungen bestimmt, die einigen Kriterien, wie Idiomatizität, Stabilität und Reproduzierbarkeit übereinstimmen sollen. 7 Dazu gehören auch: Sprichwörter 8 und Antisprichwörter Ein Unglück kommt selten allein.(Sprichwort) 9 Ein Zwilling kommt selten allein. (Antisprichwort) 10 Sagwörter oder Wellerismen
Viele Kinder, viele Segen, sagte derKüster, als er den Taufschilling in die Tasche steckte. 11 Lehnsprichwörter
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper (Deutsch) 12 ???? ????? e? s?µat? ???? (Griechisch) 13 Geflügelte Worte Carpe diem! Nutze den Tag! (Horaz, Oden) 14
6 Weingarten, Rüdiger (2001): Beschreibung des Seminars “Phraseologie des Deutschen”. In: Url:
(http://www.cl-ki.uni-osnabrueck.de/cl-ki/seminare/som97/phraslex/phraseologie/) [Stand 25. März 2003]
7 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 2f.
8 Die Wissenschaft, die sich mit Sprichwörtern beschäftigt, heißt Parömiologie. Siehe auch Palm, 1997, S. 3f.
9 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 4f.
10 Ebd., S. 4
11 Ebd., S. 4
12 Ebd., S. 4
13 Ebd., S. 4f.
14 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 5f. Auch in Köster, Rudolf: DUDEN - Redensarten Herkunft und Bedeutung
6
1. Kriterien der Phraseologie
1.1 Idiomatizität
Unter dem Begriff Idiomatizität kann die Gesamtheit der Spracheigentümlichkeiten eines Landes und der Eigentümlichkeiten einer Mundart und eines Standes bestimmt werden. Es handelt sich hier um ein wic htiges Kriterium der Phraseologie, das die Komponenten im Phrasem umdeutet und dadurch bedeutet das Phrasem etwas anderes als seine Komponenten. 15
“Die idiomatische Bedeutung wird durch ein Bild vermittelt, das allerdings keine zwingende Motivation herstellt.” 16
Da kein eindeutiger Zusammenhang zwischen wörtlicher und phraseologischer Lesart existiert, sollen und können die Phraseologismen interpretiert werden. 17 Gustav hat bei seinem Vater ein Auto in der Garage. Gustav hat bei seinem Vater einen Stein im Brett.
Mit Hilfe dieses Beispieles ist das Kriterium der Idiomatizität besser zu verstehe n. Während im ersten Satz ein reguläres Verhältnis zwischen den Komponenten besteht, entsteht zwischen den Komponenten des zweiten Satzes ein irreguläres Verhältnis.
Wenn der Satz bei jmdm. einen Stein im Brett haben, bei jmdm sehr beliebt sein, bedeutet, dann lässt sich in diesem Fall hoher Idiomatizitätsgrad erscheinen und dieser Satz kann als feste Wendung bzw Phraseologismus charakterisiert werden.
1.1.1 Idiomatizitätsgrad
Obwohl das Kriterium der Idiomatizität eines der wichtigsten Kriterien der Phraseologie ist, betrifft es nicht immer alle Komponente eines Phrasems. Aufgrund dieser Differenzierung wird es von drei Idiomatizitätrgraden gesprochen:
15 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 9.
16 Fleischer, 1997, S. 36.
17 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 10.
7
I. Vollidiomatische Phraseme
In diesem Fall sind alle Lexeme idiomatisch betroffen. „Nahe am Wasser gebaut haben“ (leicht in Tränen ausbrechen) 18
II. Teilidiomatische Phraseme
Bei teilidiomatischen Phrasemen behalten einige Lexeme eines Phrasems ihre freie Bedeutung.
„fein heraussein“ (nach Überwindung einer Schwierigkeit in einer glücklichen Lage sein) 19
III. Nichtidiomatische Phraseme
Als nichtidiomatisch werden die Phraseme bezeichnet, deren Lexeme nicht semantisch transformiert sind.
„sich auf etwas gefasst machen können“ (von jmdm auf etwas Unangenehmes vorbereitet werden, sich darauf seelisch einstellen) 20
1.1.2 Arten der Idiomatizität I. Durchsichtige Metaphorisierung
Wenn die Idiomatizität eines Phrasems durch Metaphorisierung erkennbar ist, dann spricht man von durchsichtiger Metaphorisierung. „auf dem Teppich bleiben“ 21 II. Undurchsichtige Metaphorisierung
18 Duden - Redewendungen und sprichwörtlichen Redensarten, 2000, S. 783 (Duden Band 11), Auch in: Köster,
Rudolf: DUDEN - Redensarten Herkunft und Bedeutung
19 Ebd., S. 197
20 Ebd., S. 239
21 Ebd., S. 717
8
In diesem Fall ist die Bedeutung eines Phrasems undurchsichtig und deshalb sollte ein Lexikon nachgeschlagt werden. „auf den Holzweg sein” 22
III. Spezialisierungen
Zu den Spezialisierungen werden Phraseme untergeordnet, die nur oder vorzugsweise aus Funktionswörtern bestehen. „etwas an sich haben“ 23
1.1.3 Idiomatizität und Konnotation
“Das Resultat der semantischen Analyse eines Phrasems bleibt immer etwas offen, vage und enthält ein stark konnotatives Element, das in seiner allgemeinsten Fassung als Nachdruck/Wertung bezeichnet werden könnte“ 24
a) Die emotionalen Bedingungen des Phrasemgebrauchs
b) Die kommunikative Ebene des Phrasemgebrauchs
c) Die Funktionsbereiche des Phrasemgebrauchs
22 Duden - Redewendungen und sprichwörtlichen Redensarten, 2000, S. 348 (Duden Band 11)
23 Ebd., S. 36
24 Palm, 1997, S. 16
d) Die soziale Geltung des Phrasemgebrauchs
e) Die Regionalität des Phrasemgebrauchs
f) Die Zeitgebundenheit des Phrasemgebrauchs
1.1.4 Zentrale Idiomatisierungsstrukturen des Deutschen
1.1.5 Historische und kulturelle Dimension
Die historische Dimension der Phraseologie ist nicht zu unterschätzen, da viele der deutschen Phraseologismen von der griechischen und römischen Antike, der Bibel, dem katholischen Mittelalter und der Reformation beeinflusst worden sind. 25
1.2 Stabilität
Das Kriterium der Stabilität bestimmt die Reihenfolge und hindert die Kommutation der Komponenten eines Phrasems. 26
Die lexikalisch-semantische Stabilität zeigt sich in den folgenden Kategorien:
1.2.1 Unikale Komponente
Veraltete und seltene Wörter oder Wortgruppen, die nicht mehr frei allein stehen können, sondern im Zusammenhang mit anderen Lexemen, werden vom Kriterium der Festigkeit stark betroffen. 27
25 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 37
26 Vgl: dazu Fleischer, 1997, S. 41
27 Vgl: dazu Palm, 1997, S.30
1.2.2 Territoriale Dubletten
Unter territorialen Dubletten werden Wörter bezeichnet, die etwa synonym sind aber in unterschiedlichen Regionen gebraucht werden.
1.2.3 Syntaktische Anomalien
Anomalien in der syntaktischen Struktur der Komponenten und transformationelle Defektivität werden als stabile Phraseologismen gekennzeichnet.
a) Anomalien in der syntaktischen Struktur der Komponenten Diese Anomalien entstehen aus älteren Konstruktionsmöglichkeiten und solche sind:
b) Transformationelle Defektivität
In diesem Fall werden Phraseologismen von Transformation, Expansion und Reduktion beschränkt.
1.2.4 Nichtidiomaitsche Konstruktionen
Wichtiges Charakteristikum der bereits genannten Konstruktionen war die Idiomatizität. Es gibt aber auch Wortverbindungen, die man auch als Nominationsstereotype bezeichnen kann, deren Gesamtsemantik durch die Semantik ihrer Komponenten gegeben ist. Es handelt sich hier also um eine Kategorie der Phraseologismen, die nichts mit Idiomatizität zu tun hat. Damit wird aber nicht gemeint, dass man diese Konstruktionen aus dem Bereich der Phraseologismen ausschliessen darf. Man kann nicht über starke Stabilität sprechen, sondern über Determinierung der Komponenten einander. Das was sicher stabil ist, ist meistens die Reihenfolge der Komponenten.
Die nichtidiomatischen Konstruktionen dienen am meisten den Massenmedien dem dienstlichen, beruflichen und literarischen Wortgebrauch. Andere Namen für diese Konstruktionen sind Formeln des alltäglichen Umgangs, stilistische Formeln oder Formeln der papiermässig-schriftlichen Ausdrucksweise. Die nichtidiomatischen Stereotype unterteilen sich in 6 Kategorien:
13
a) Nichtidiomatisierte Wortpaare
Die Komponenten dieser Wortpaare verbinden sich mit und miteinander und die Reihenfolge ist stabil.
b) Nominale und verbale Klischees der Massenmedien
c) Alltägliche Klischees der mündlichen Kommunikation
d) Stehende Epitheta
Das sind Attribut plus Substantiv Kombinationen, in denen das Attribut nur eine unterstreichende und nachdrücklich- verstärkende Funktion hat.
e) Terminologische Benennungsstereotype
Es handelt sich hier um definierte Benennungseinheiten aus den verschiedensten Fachgebieten und unterteilen sich in 2 Unterkategorien.
f) Politische Schlagwörter
14
Diese Schlagwörter verdanken ihren stabilen Charakter der zeitlichen Funktion. Es gibt politische Phrasen, die im 19en Jh entstanden sind, wie z.B:
1.3 Lexikalisierung/ Reproduzierbarkeit
Bis jetzt sind man 2 Kriterien der Phraseologismen erwähnt worden: Die Idiomatizität und die Stabilität. Da bleibt aber noch ein drittes Kriterium die Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit der Phraseologismen unerwähnt.
Unter Lexikalisierung eines Wortes versteht man, dass ein Wort im Lexikon gespeichert ist und unter Lexikalisierung einer syntaktischen Konstruktion d.h. Phraseologismus, versteht man, dass sie nicht mehr nach einem syntaktischen Strukturmodell in der Äußerung produziert, sondern, dass sie als fertige lexikalische Einheit reproduziert wird. Die Phraseologismen benehmen sich wie die kleinsten selbständigen, potentiell isolierbaren Bedeutungsträger der Sprache dh., wie die Wörter. Andere Namen für Phraseologismen, die benutzen werden sind Wortgruppenlexeme, Paralexeme oder Phraseolexeme. Man darf die Lexikalisierung nicht mit dem häufigen Gebrauch identifizieren. Wenn man also die okkasionelle Konstruktionen aus dem Bereich der Phraseologismen ausschliesst, dann zieht man eine Trennwand zwischen Langue und Parole. Es g ibt Konstruktionen, die man okkasionelle Konstruktionen nennt, die man auch selten benutzt. 28 Solche sind: Variationen vorhandener Phraseologismen wie z .B. böhmische Dörfer zu
spanische/ägyptische Dörfer und damit werden die unverständliche Dinge gemeint. Charakteristisches phraseologisierbares Strukturmodell d.h., Wortpaare,
Vergleichskonstruktionen wie z.B. eine tote Maus unterm Vertiko zu einen toten Vogel in der Tasche haben.Man kann beide Sätze benutzen, wenn man sagen möchte, dass es unangenehm riecht. 29
Autophraseologismen sind die Phraseologismen innerhalb eines künstlerischen Werkes, die nur an das Werk gebunden sind:
28 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 36
29 Ebd., S. 36ff.
15
- E.M.Remarques hat einen Roman mit dem Titel Der schwarze Obelisk geschrieben. Nur wenn man diesen Roman liest, versteht man, dass der Autor mit den schwarzen Obelisk das Prunkstück einer Grabsteinfirma bezeichnet.
-In einem anderen Roman wurde eine Prostituirte als eisernes Pferd bezeichnet.
Unter Reprodurzierbarkeit der Phraseologismen versteht man, dass Wortgruppen-Konstruktionen nic ht jedesmal neu und originell gebildet werden, sondern als komplexe lexikalische Einheiten übernommen d.h. reproduziert werden. Es wird gemeint, dass Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit die entscheidensten Kriterien für die Zuordnung einer Wortverbindung zu den Phraseologismen sind. Man sollte aber wissen, dass auch vorgeformte Satzstücke, Sätze und Satzkomplexe wie auch Sprichwörter bei einer Äusserung reproduziert werden können. Also Reproduzierbarkeit ist nicht Eigenschaft nur der Phraseologismen. Auc h Wortbildungskonstruktionen, wie Komposita, Präfixbildungen oder Derivateme können als lexikalische Einheiten reproduziert werden. 30
30 Ebd., S. 37f.
16
2. Klassifikation der Phraseologismen
2.1 Klassifikationen nach semantischen Aspekt
In einem Phraseolexikon lässt sich das Verhältnis der Phraseologismen mit anderen phraseologischen Einheiten als synonym, antonym, polysem und homonym bezeichnen.
2.1.1 Synonymie
Phraseologische Einheiten, die Verhaltensweisen und Situtationen negativ bewerten, haben im Phraseolexikon sehr viele Synonyme. 31 sich bei jm lieb Kind machen - jm Honig um den Mund schmieren
2.1.2 Antonymie
Hier handelt es sich um eine Relation zwischen semantisch entgegengesetzten Phrasemen. Durch den Austausch nur einer Komponente kann man von phraseologischer Antonymie sprechen.
mit dem Strom schwimmen - gegen den Strom schwimmen
2.1.3 Ambiguität
In diesem Fall ist es möglich, dass Phraseologismen mehrdeutig sind.
a) Homonymie
Bei homonymen Phraseologismen haben die Sememe keine semantische Beziehung untereinander.
b) Polysemie
Phraseologische Einheiten können ausser einer idiomatisierten Bedeutung auch eine wörtliche haben. Im Deutschen gibt es Phraseolexeme mit zwei, drei oder auch vier Sememen. 32
31 Vgl: dazu Palm, 1997, S. 49
32 Ebd., S. 53
2.1.4 Phraseologische Reihe
Phraseologismen, deren Lexeme Körperteile und Kleidungsstücke nennen, können phraseologisch bildungsfreudig bezeichnet werden. 33
2.2 Klassifikationen nach der inneren Struktur
Bestandteile eines Phraseologismus können einerseits Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien und Numeralia sein, die Synsematika genannt werden und andererseits Pronomen, Präpositionen, Konjunktionen und Artikel, die Autosemantika heissen. 34
2.2.1 Phraseologismen mit besonderen Gruppen von Komponenten a) Pronominale Komponenten
33 Ebd., S. 60
34 Ebd., S. 42
18
b) Numeralia als obligatorische Komponenten die Stunde Null, die böse Sieben, ewig und drei Tage dauern
c) Negate als obligatorische Komponenten nicht von schlechten Eltern sein, da spielt sich nichts ab
d) Eigennamen als obligatorische Komponenten
2.2.2 Phraseologismen mit besonderen syntaktischen Strukturen
a) Phraseologisierte Teilsätze
Phraseologismen, die Nebensätze sind, können von ein Verb eines Hauptsatzes abhängig sein. wissen, wie der Hase läuft
b) Komparative Phraseologismen
Komparative Phraseologismen sind die phraseologischen Einheiten, die einen Vergleich deuten.
c) Phraseologische Wortpaare
Unter dem Begriff Phraseologische Wortpaare wird die synonymische oder antonymische Beziehung der Komponenten eines Phraseologismus verstanden. Konjunktionen und Präpositionen sind die Funktionswörter, die die Komponenten verbinden.
2.3 Klassifikationen nach der morphologisch - syntaktischen Strukturen Obwohl mit Klassifikation nach morphologisch-syntaktischen Struktur die Phraseologismen mit der Wortart der Komponenten nicht identisch eingeordnet werden, kann ein Phraseologismus, in dessen Basiselementen kein Adjektiv vorkommt, nicht als adjektivischer Phraseologismus fungieren. 35 Phraseologismen können nach ihrer morphologischsyntaktischen Struktur in vier Kategorien untergeordnet werden.
2.3.1 Substantivische Phraseologismen
1. Syntaktische Struktur
2. Semantische Gruppierung
2.3.2 Adjektivische Phraseologismen
Adjektivische Wortpaare - fix und fertig, erstunkene und erlogene Geschichte
35 Vgl: Fleischer, 1997, S. 139
20
2.3.3 Adverbiale Phraseologismen
a) Syntaktische Struktur
b) Semantische Gruppierung
2.3.4 Verbale Phraseologismen
a) Substantivische Basiskomponente
22
3. Interlingualer Vergleich und Textorten
1.1. Interlingualer Vergleich und Phraseologismen
“Seit Anfang der 80er Jahre finden internationale Tagungen zur Phraseologie statt, deren Hauptgewicht auf der germanistischen Phraseologieforschung liegt. […] Auf der Tagung in Nitra 1992 wurde beschlossen, stufenweise eine aktive mehrsprachige Enzuklopädie von Phrasemen zu erstellen. […] Während der letzten zehn Jahre sind die Sprachen Russisch, Polnisch, Französisch, Ungarisch und Finnisch am häufigsten mit dem Deutschen kontrastiert worden, wie überhaupt nichtgermanische Sprachen.” 36 Die Herausgabe kontrastiver Phraseolexika kann als Gegenstand der interlingualen kontrastiven Phraseologie dienen. In solchen kontrastiven phraseologischen Wörterbüchern wird die Semantik, Pragmatik und die morphosyntaktische Beschreibung lexikalischer Einheiten, wie auch ihre syntagmatischen und paradigmatischen Relationen analysiert. Ziel solcher Wörterbücher ist die Volläquivalenz zwischen zwei Sprachen.
3.1.1 Kontrastive praseologische Betrachtung zwischen Griechisch und Deutsch Ein oberflächiger Vergleich zwischen Griechisch und Deutsch kann als Ergebnis einige Ähnlichkeiten geben. Kle idungsstücke, Körperteile, Farben und Tiere werden bemühungslos vergleicht. Kleidungsstücke er wechselt die Frauen wie Hemde a????e? t?? ???a??e? sa? ta p????µ?sa Körperteile er steckt die Nase in alles hinein ???e? t? µ?t? t?? se ??a Farben durch eine rosa Brille sehen ta ß??pe? ??a ??d??a Tiere schlau wie Fuchs p?????? sa? a?ep??
In dieser kontrastiven phraseologischen Betrachtung spricht man von:
36 Palm, 1997, S. 113ff.
23
• Morphosyntaktische und lexikalisch semantische Identität in Quellen- und Zielsprache
• Kleinere formale Unterschiede in den Phraseologismen von Quellen- und Zielsprache das A und O - t? ? ?a? t? O
• Unterschiedlich konstruirte Phraseologismen in Quellen- und Zielsprache d.h. unterschiedliche Bilder bie Bedeutungsidentität Schlange stehen - pe??µ??? st?? ????
• Fehlen einer phraseologischen Äquivalenz in der Zielsprache s???se ta ????a - (augebehn?)
1.2. Vorkommen der Phraseologismen in bestimmten Textorten
Aurgrund der Wichtigkeit, Nützlichkeit und ästhetischer Funktion werden Phraseologismen mehrmals in bestimmten Textsorten benutzt. Werbungen und Anekdoten, die als kreativkünstlerische Texte b ezeichnet werden, sind am meisten voller Phraseologismen. Phraseologische Einheiten treten auch im Fernsehen bei Werbespots und in den Zeitungen bei Sport, Horoskop, politischen Karikaturen und Bulevardzeitungen auf. Die Wichtigkeit der Phraseologismen wird in Fachtexten und ihre ästhetische Funktion in der Literatur und den Kinderbüchern bewiesen.
4. Auswahl und Klassifikation einiger Phraseologismen von einer bestimmten Textorte
24
Die Phraseologismen, die in diesem Kapitel klassifiziert werden, wurden von dem Protokoll 37 der 242. Sitzung des Deutschen Bundestages 38 (13.06.2002) ausgewählt.
4.1 Idiomatizitätsgrad der ausgewählten Phraseologismen von einer bestimmten Textorte
a) die Axt an das Solidarsystem
• Vollidiomatischer Phraseologismus
b) kopflos werden
• Vollidiomatischer Phraseologismus
c) in die Welt setzen
• Teilidiomatischer Phraseologismus
d) da beißt die Maus keinen Faden ab
• Nichtidiomatischer Phraseologismus
e) über den Kopf gewachsen
• Nichtidiomatischer Phraseologismus
4.2 Bedeutung der Phraseologismen
a) die Axt an das Solidarsystem à Gefähr des Bestandes des Solidarsystems
b) kopflos werden à Verlust des Kopfes der Bundesgesundheitsministerin
c) in die Welt setzen à Jemanden gebären
d) da beißt die Maus keinen Faden ab à Dagegen ist nichts zu machen
e) über den Kopf gewachsen à Von jemandem nicht mehr bewältigt werden können
4.3 Klassifikation der ausgewählten Phraseologismen nach ihrer morphosyntaktischen Struktur
a) die Axt an das Solidarsystem à Substantivischer Phraseologismus
37 Siehe Anhang, S. 28
38 Suche nach diesem Protokoll durch Copernic Agent 6.0 (http://www.copernic.com/ )
25
Substantiv + präpositionales Attribut
b) kopflos werden à Verbaler Phraseologismus Adjektivisch adverbiale Basiskomponente
c) in die Welt setzen à Verbaler Phraseologismus
Erweiterung des Substantivs durch attributive Präposition
d) da beißt die Maus keinen Faden ab à Verbaler Phraseologismus substantivisches Wortpaar
e) über den Kopf gewachsen à Verbaler Phraseologismus Substantiv mit Präposition
5. Zusammenfassung
26
Mit dieser Seminararbeit betrachteten wir die Bedeutung der „ Phraseologie“ und die verschiedene Verwendungen der Phraseologismen der deutschen Sprache unter sowohl dem Aspekt ihrer Klassifikationen nach der morphologischen und syntaktischen Struktur, als auch unter ihrer Klassifikation in Gruppen, die mit Idiomatizität, Stabilität, und Lexikalisierung zu tun haben.
Das Phänomen der phraseologischen Ausdrücken innerhalb einer Sprache (bzw. der deutschen Sprache) ist bemerkenswert, da man dadurch eine Sprache in ihrem natürlichen Gebrauch betrachten kann, weil man also durch die so genannte „ Umgangssprache“ die „Sprache“ erfahren kann.
Alle solche Phraseologismen, die man im alltäglichen Umgang gebraucht, enthalten Elemente der Geschichte, der Tradition, und häufig können das soziale Schicht eines Menschen zeigen. Die wichtigste Bedeutung ist aber mit der Meinung von Wolf Friedrich verbunden, dass „sie nicht das bedeuten, was sich aus den Bedeutungen der Einzelwörter zu ergeben scheint “ 39 .
39 Köster, Rudolf: DUDEN - Redensarten, Vorwort
27
6. Literaturverzeichnis
Textgrundlage:
Fleischer, Wolfgang (1997): Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. 2., durchges. u. ergänzte Aufl. Niemeyer, Leipzig; Tübingen
Palm, Christine (1997): Phraseologie.Eine Einführung. 2., durchgesehene Aufl. Tübingen: Narr Studienbücher
Lexika/ Wörterbücher:
DUDEN - Redewendungen und sprichtwörtliche Redensarten. Hg. v. Dudenredaktion. 6., neu bearbeitete Aufl. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2000 (Duden Band 11) Köster, Rudolf: DUDEN - Redensarten Herkunft und Bedeutung. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 1999 (Duden Taschenbücher Band 29)
Wahrig - Deutsches Wörterbuch Hg. v. Burnfeind - Wahrig, Renate. 7., vollständig neue bearbeitete und aktualisierte Aufl. 2000. Gütersloh, München: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH
Internetquellen:
Weingarten, Rüdiger (2001): Beschreibung des Seminars „Phraseologie des Deutschen“ URL: ( http://www.cl-ki.uni-osnabrueck.de/cl-ki/seminare/som97/phraslex/phraseologie/) [Stand 25. Marz 2003]
Andere Hilfsmitteln:
Duden Korrektor Plus 2.0 (Das nützliche Grammatiküberprüfungs-und
Rechtschreibungsprogramm für Microsoft Word XP) Metasuchmaschine Copernic Agent 6 (http://www.copernic.com/)
28
Anhang
Das Plenarprotokoll der 242. Sitzung des Deutschen Bundestages (13.06.2002):
Gudrun Schaich-Walch, Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Gesundheit: ...Im Augenblick beschäftigen wir uns im Bundestag damit, was mit den Mütterkuren und in
den Kurorten passiert ist. Wir sind doch gerade dabei, all dies zu reparieren. Dies schließt
auch die Streichungen beim Krankengeld ein... (Zwischenruf: Dr. Irmgard Schwaetzer [FDP]: Was bieten Sie denn?)
…Sie bieten Wahltarife und Selbstbehalte an und legen damit letztendlich die Axt an das
Solidarsystem… Dr. Wolf Bauer (CDU/CSU):
…So wundert es nicht, dass sich Nervosität im Regierungslager breit macht. Dass allerdings
allein schon das Ende der krankheitsbedingten Abwesenheit von Horst Seehofer ausreicht, die
Bundesgesundheitsministerin kopflos werden zu lassen, ist bemerkenswert… Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
…Die Äußerungen, die Horst Seehofer nicht allein in die Welt gesetzt hat, sondern auch
Friedrich Merz und andere, sind Anlass dieser Debatte. Es geht dabei nicht um Kopflosigkeit
unsererseits… Dr. Irmgard Schwaetzer (FDP):
…Dabei sind gerade in den letzten Monaten Ihrer Regierungszeit die durch-schnittlichen
Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung von 13,5 auf 14 Prozent gestiegen. Sie
versuchen, die Wählerinnen und Wähler über Ihre Absichten zu täuschen, indem Sie einfach
Schlagworte in die Welt setzen und dies als ein Konzept verkaufen. Sie sagen aber nicht
konkret, was Sie tun wollen… Dr. Ruth Fuchs (PDS):
…Da können Sie, lieber Kollege Bauer, das Gegenteil behaupten. In der Praxis ist es so. Ich
nenne Ihnen noch ein Beispiel dafür, dass Sie das Solidarsystem infrage stellen. Mit dem
Ansinnen, Versicherten ein Wahlrecht zwischen Sachleistungs- und Kostenerstattungsprinzip
einzuräumen, zerstören Sie - da beißt die Maus keinen Faden ab; das ist so - die
Solidargemeinschaft… Johannes Singhammer (CDU/CSU):
…Tatsache ist: Nach vier Jahren ist Rot-Grün auch im Hinblick auf die Renten-versicherung
am Ende. Die Probleme sind Ihnen über den Kopf gewachsen. Sie sind ausgebrannt; Sie sind
ideen- und konzeptionslos. Deshalb sollten Sie zuhören, wenn die Opposition spricht und
Vorschläge macht. Sie sollten sie aber auch richtig verstehen…
Arbeit zitieren:
Ioannis Argyros, 2003, Der Phraseologismus als sprachliche Erscheinung, München, GRIN Verlag GmbH
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Phraseologie im DaF-Unterricht: Stolpersteine oder Chance? Eine Analys...
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Derivation von Substantiven im Deutschen
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