Beziehung zu Elisabeth als eine Entschuldigung oder einen Grund für seinen Platz an dem
Hofe nennt.
Ab Zeile 2938 beginnt er schließlich, sich zu verteidigen und die Königin einzuwickeln,
wie er es Burleigh vorwirft (Z. 2916/17: "Beschwatzen konnte dich der Plauderer, ich
aber will zu deinem Herzen reden!"), indem er behauptet, er habe Maria durch den
Kontakt lediglich kennenlernen und verstehen wollen, um sie schließlich zu vernichten. Er
baut seine Geschichte noch weiter aus, erklärt und entschuldigt Aktionen und macht
Königin Elisabeth die Ausrede schließlich sehr glaubhaft. Ausserordentlich wichtig sind die
Textstellen Z. 2942-2944; 2948-2950; 2953-2955, in denen er er sein Vorhaben als
"Kühne Tat" bezeichnet, die nur jemand mit seiner Position wagen könnte. Hinterher geht
Leicester sogar so weit, sich als wahrer Retter Elisabeths aufzuspielen, der sie vor
Mortimer bewahrte, was Graf Burleigh nicht schaffte. Er klagt Burleigh an, seine
Wachsamkeit nicht auf die richtigen Personen gerichtet, und somit nicht wirklich
mitbekommen zu haben, was um die Königin herum passiert. Dies erklärt er in einem
sehr langen Textteil von Zeile 2971 bis 2985 und 3011-3014. Am Ende des Auftrittes will
er noch stärker überzeugen, indem er sich für die Hinrichtung von Maria ausspricht, sie
für unaufhaltsam hält.
Graf Burleigh hat im Gespräch eine eher ruhige, zurückhaltende Stellung eingenommen
und vertritt nur ab und zu seine scharfe Einstellung, Leicester wäre schuldig, genauso wie
Maria. So versucht er auch immer wieder, Leicester aus seinem Lügen-Konzept zu
bringen, hakt nach und wirft Aspekte ein (wie z.B. in Z. 2941: "Wie, Mylord? Ihr glaubt-Warum, wenn's eine gute Sache war, verschwiegt ihr?") Er glaubt dem Geliebten der
Königin nicht und versucht ihn in seiner Ausrede zu stoppen, indem er fragt, warum
Leicester sie nicht eingeweiht hätte. Er weiss, dass Graf Leicester ein falsches Spiel treibt
und auch, dass die Antwort, die er auf diese Frage bekommen wird, wahrscheinlich
ebenso wenig der Wahrheit entspicht, wie die vorherigen Ausflüchte. Als Leicester
beginnt, ihn für seine Unachtsamkeit zu beschuldigen, wehrt er sich, ist zunächst
sprachlos und fragt nach
(Z. 2972/73: "Wie gelanget ihr gazu?"). Er hatte es wirklich nicht bemerkt und fragt sich,
wie Leicester darauf gekommen ist. Dies tut er auch in den Sätzen aus Zeile 2987/88:
"Und jetzt geschah das? Jetzt, nachdem ich euch verlassen!" Schließlich macht Burleigh
den Vorschlag, Leicester solle den Auftrag zur Vollstreckung des Urteils übernehmen, um
ihn in eine missliche Lage zu bringen. Denn er weiss, dass Leicester nicht in der Lage
sein würde, maria zu töten und ihn so zum Geständnis zwingt. Dies alles geschieht in den
Zeilen 3030-3033: "Da es Mylord so treu und ernstlich meint, so trag ich darauf an, dass
die Vollstreckung des Richterspruchs ihm übertragen werde." Die Wörter "treu" und
"ernstlich" stecken voller Ironie und zeigen dadurch wiederrum Burleighs Überzeugung,
Leicester lüge, an.
Graf Burleigh ist ein Mensch, der feste Prinzipien und eine genauso feste Meinung hat. So
hasst er Maria und alle ihre Verbündeten, wir in diesem Fall Leicester, so sehr wie keinen
anderen Menschen. Er versucht seinen eigentlichen Kollegen zur wahren Aussage zu
bringen, die Ausrede zu beenden und aufzuklären. Normalerweise vertritt er seine
Meinung sehr offen, in dieser Unterhaltung allerdings kommt er meiner Meinung nach ein
wenig zu kurz.
Elisabeth ist in diesem Gespräch hin- und hergerissen. Ihr engster Vertrauter und
Verbündeter soll sie mit ihrer Erzfeindin betrogen haben. Fragen, wie ob sie ihn töten
solle und ob sie dies überhaupt fertig brächte, beschäftigen sie. Zunächst ist sie sich
sicher, dass sie eine Entscheidung getroffen hat, und will ihn nicht einmal sehen
(Z. 2890: "Aus meinem Angesicht, Nichtswürdiger!"). Sie besteht darauf, dass Burleigh
den Raum nicht verlässt (Z. 2901) und sit der Meinung, Leicester könne sie nicht bereden
und bearbeiten, sodass sie ihre Meinung ändere (Z. 2895/96, 2915). Erst als Leicester
beginnt, von Mortimers Vorhaben zu berichten, fängt sie an, ihm zu glauben. Denn da sie
wirklich nichts davon wusste, wird seine Rede immer überzeugender für sie. Empört
reagiert die Königin auf Paulets Neffen, wie in Zeile 2979 und 2987 ff., der sie unerhört
betrogen habe. Letzten Endes ist sie von Leicesters Aussage völlig überzeugt,
überwältigt, aber auch verwirrt (Z. 3010: "Welcher Abgrund von Abscheulichkeiten!";
Z. 3017: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich glaub' Euch und glaub' Euch nicht.").
Auch eine sonst so starke Königin wie Elisabeth ist durch die Vorfälle in der letzten Zeit
völlig durcheinander. Sie schiebt alle Schuld auf Maria, da alles angefangen hat, seitdem
und weil sie da ist. Am Ende des Auftritts willigt sie ein, Leicester die Vollstreckung zu
überlassen.
Aufgabe 2:
Dieser Abschnitt steht für die "Endgültigkeit". Die Reden Leicesters und Burleighs tragen
dazu bei, dass Elisabeth letztendlich das Todesurteil unterschreibt. Außerdem bekommen
die zwei Männer des Staatsrats in diesem Teilo den Auftrag zur Vollstreckung des Urteils,
was Burleigh später dazu bringt, Davison das Todesurteil zu entreißen und es zu
vollstrecken. Zudem ist dieser Teil ein Wendepunkt. Nicht nur, dass die Geschichte durch
das Urteil einen anderen Lauf nimmt als erwartet, wir lernen bei jeder Person einen ganz
gegensätzlichen Charakter kennen. Leicester fordert Marias Untergang, Maria, die Frau,
die er liebt, für die er die Königin von Englang sitzenlassen wollte. Burleigh verschlägt es
mehr oder weniger die Sprache, ihm, der in früheren Teilen des Dramas bei
Wortgefechten mit Maria, Elisabeth und anderen die Kunst der Sprache benutzte, die er
wunderbar beherrschte, um im Endeffekt die Oberhand zu gewinnen. Und Elisabeth, die
sonst so starke Persönlichkeit, die ihre eigenen Interessen, Wünsche und Träume
zurücksteckte, um ein Land zufriedenzustellen und gut zu regieren, sie verliert ihr
Gesicht, wird schwach und vertraut dem, der sie am schlimmsten hinterging.
Kommentar des Lehrers:
Zu 1: Die Figur des Leicester hast du sehr gut und vollständig heraus gearbeitet. Gleiches
gilt für Elisabeth und Burleigh.
Zu 2: Die Bedeutung der Szene ist gut erfasst!
Note: 13 Punkte
Arbeit zitieren:
Dorothea Baston, 2000, Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Gespräch Elisabeth - Burleigh - Leicester (4. Aufzug, 6. Auftritt), München, GRIN Verlag GmbH
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