Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Theorien der Familienforschung. 1
2.1 Austauschtheorie. 2
2.2 Ökonomische Theorie der Familie (new home economics) 2
2.3 Theorie der rationalen Wahl (rational choice, R)C 3
3 Gründe für erneutes Heiraten nach Scheidung. 4
3.1 Alter bei Scheidung. 4
3.2 Ausbildungsniveau. 4
3.3 Berufsstellungen. 5
3.4 Größe des Herkunftsortes. 5
3.5 räumliche Mobilität. 6
3.6 Kinder aus erster Ehe. 6
4 Gründe für Scheidungen von Folgeehen. 7
4.1 Heiratsalter. 7
4.2 Ausbildungsniveau. 7
4.3 Berufsstellung. 8
4.4 Größe des Wohnortes. 8
4.5 räumliche Mobilität. 8
4.6 Kinder aus erster Ehe. 8
5 Fazit. 9
6 Literatur 11
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1 Einleitung
Die Mehrzahl der Geschiedenen in Deutschland gehen nach einer Scheidung erneut eine Ehe ein (Hill/Kopp 2002: 265). Anscheinend ist die Ehe also für viele immer noch die gewünschte Form der Lebensgestaltung - und dass, obwohl ihre Erwartungen an eine Ehe bereits einmal enttäuscht wurden. Was macht eine erneute Heirat also so attraktiv? Und weshalb lassen sich gerade die Personen, die sich bewusst für eine weitere Ehe entscheiden, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch wieder scheiden? Daher soll hier der Frage nachgegangen werden, ob genau die Gründe, die die Wahrscheinlichkeit einer Wiederheirat erhöhen, gleichzeitig auch zur erhöhten Instabilität dieser Ehen beitragen.
Leider sind mir nur wenige empirische Studien über Folgeehen bekannt. Die folgende Analyse stützt sich hauptsächlich auf die Arbeiten von Klein, der 1990 das Wiederheiratsverhalten und 1992 die Scheidungen von Folgeehen untersucht hat, sowie auf die Studie von Booth und Edwards, die 1992 Folgeehen als unvollständige Institution, die Bereitschaft der Partner zur Scheidung, Selektionseffekte, den sozioökonomischen Status der Partner und den Einfluss des Wiederheiratsmarktes auf die Ehequalität untersuchten. Insgesamt ist die Datenlage allerdings unbefriedigend, über einige Faktoren können daher keine Aussagen getroffen werden. Nach der Vorstellung der wichtigsten Theorien der Familienforschung (2), aus denen auch Vorhersagen über das Scheidungs- und Wiederheiratsverhalten abgeleitet werden können, werden in (3) die Gründe dargestellt, weshalb Menschen nach einer Scheidung ein weiteres Mal heiraten. Im Anschluss wird der Frage nachgegangen, weshalb auch diese Folgeehen wieder geschieden werden (4), um abschließend zu vergleichen, ob gerade die Gründe, die zu einer Wiederheirat führen, auch zur Instabilität dieser Ehen beitragen (5).
2 Theorien der Familienforschung
Im Folgenden sollen zwei der derzeit einflussreichsten soziologischen
Familientheorien vorgestellt werden, die Austauschtheorie und die ökonomische Theorie der Familie. Beide bieten Erklärungsansätze zu Partnerwahl, Heirat und Scheidung und sind deshalb für die vorliegende Arbeit von Bedeutung. Diese beiden haben Theorien, trotz einiger bedeutender Unterschiede, viele Gemeinsamkeiten, die in der Theorie der rationalen Wahl zusammengefasst wurden (vgl. zu den folgenden Ausführungen Hill/Kopp 2002: 101-145).
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2.1 Austauschtheorie
Die Austauschtheorie wurde bereits Ende der 1950er von den Sozialpsychologen Thibaut und Kelley entwickelt und seitdem vielfältig ergänzt und erweitert. Diese Theorie betrachtet den Tausch sozialer Güter wie z.B. Liebe, soziale Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Fürsorge. Im Gegensatz zum ökonomischen Tausch, bei dem die zu erbringenden Leistungen genau spezifiziert sind und der in der Regel unmittelbar statt findet, können soziale Tauschgüter kaum quantifiziert werden. Zudem findet der Austausch nicht sofort, sondern über einen längeren Zeitraum statt. Die Tauschbarkeit von Ressourcen unterliegt dabei Einschränkungen. So ist es unüblich, materielle Ressourcen wie Geld gegen immaterielle wie Liebe zu tauschen. Die Austauschtheorie geht von subjektiv rationalen Akteuren aus, die bestrebt sind, ihre begrenzten Ressourcen möglichst gewinnbringend anzulegen. Dazu verrechnen sie die Kosten einer Handlung mit dem erwarteten Gewinn, was das Vergleichsniveau (comparison level, CL) dieser Handlung darstellt. Welche Handlung letztlich aber ausgeführt wird hängt auch vom Vergleichsniveau der Handlungsalternativen (Clalt) ab. So lässt sich beispielsweise erklären, dass eine unbefriedigende Ehe fortgeführt wird, wenn die wahrgenommenen Handlungsalternativen subjektiv noch schlechter bewertet werden. Andererseits kann auch eine zufriedenstellende Partnerschaft beendet werden, wenn eine Alternative als noch attraktiver bewertet wird. Ein Rückschluss von der Qualität einer Ehe auf deren Stabilität ist also nur bedingt möglich (siehe auch Hill/Kopp 2002: 270).
Zusätzlich berücksichtigt die Austauschtheorie die Investitionen in eine Partnerschaft (z.B. Zeit, Gefühle), deren Anwachsen eine Barriere gegen die Trennung darstellt. Daneben existieren noch eine Reihe weiterer psychischer und sozialer Barrieren (z.B. gesellschaftliche Normen, Rechtsvorschriften), die eine Trennung unwahrscheinlicher werden lassen.
Eine „Ehe ist nach der Austauschtheorie um so stabiler, je befriedigender das eheliche Austauschverhältnis …, je geringer die Alternativen und je höher die Barrieren gegen eine Trennung“ (Klein 1992: 222). Dabei bleibt die Theorie nicht auf Ehen beschränkt, sondern kann auch auf alternative Partnerschaftsformen angewendet werden.
2.2 Ökonomische Theorie der Familie (new home economics)
Wie es der Name sagt hat diese Theorie ihre Wurzeln in der Ökonomie. Sie wurde in
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den 1970er Jahren von Becker und Schultz auf familiales Verhalten übertragen. Partnerschaften werden hierbei als Produktionssysteme gesehen, in denen sich bestimmte Güter (sog. commodities) besser oder, wie im Fall von Kindern, überhaupt erst produzieren lassen.
Auch die ökonomische Theorie der Familie geht davon aus, dass die Akteure ihre knappen Ressourcen nutzenmaximierend einsetzen. Die Akteure werden „als Produzenten einfacher und grundlegender, von allen Personen gleichermaßen angestrebter commodities“ (Hill/Kopp 2002: 115) gesehen. Ein Pooling der Ressourcen bringt den Akteuren Vorteile, da sich durch Arbeitsteilung oder die gestiegene Produktionsmenge in der Partnerschaft die commodities effizienter produzieren lassen. Die für die Produktion der commodities aufzuwendenden Kosten, meistens Zeit, werden als Schattenpreis bezeichnet. Die individuelle Höhe dieses Schattenpreises variiert mit dem verfügbaren Humankapital. So ist der Schattenpreis von Hausarbeit für eine Frau mit geringem Bildungsniveau niedriger als für eine Frau mit hohem Bildungsniveau, da letztere vermutlich auf dem Arbeitsmarkt einen höheren Gewinn erzielt, wodurch sie dort mehr Zeit investiert. „Somit sind Erklärungen veränderter Rollenstrukturen und Arbeitsmuster zwischen den Geschlechtern möglich, ohne auf einen allgemeinen Wertewandel, individuelle Präferenzen oder individuelle Einstellungsmodifikationen zu rekurrieren“ (Hill/Kopp 2002: 120f). Auf einem optimalen Heiratsmarkt wäre es nun kein Problem, den jeweiligen Partner zu finden, mit dem eine gegenseitige Nutzenmaximierung erreicht werden kann. Da jedoch nur unvollständige Informationen über die potentiellen Partner vorliegen sind Fehlwahlen möglich. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer bestimmten Person eine Partnerschaft einzugehen, hängt zudem von den erwarteten Suchkosten ab, die aufgewendet werden müssen, um ein besseres Angebot zu finden, sowie von der erwarteten Gewinnsteigerung durch dieses. Je höher die Suchkosten sind, desto eher wird auch eine suboptimale Partnerschaft eingegangen (zum genauen Verhältnis dieser Variablen siehe Hill/Kopp 2002: 275). Die Höhe der erwarteten Suchkosten hat natürlich auch auf das Scheidungsverhalten Auswirkungen.
2.3 Theorie der rationalen Wahl (rational choice, RC)
In der Theorie der rationalen Wahl wurden die Gemeinsamkeiten der beiden oben vorgestellten Theorien in ein theoretisches Handlungsmodell integriert. Auch hier steht der subjektiv rational handelnde Akteur im Mittelpunkt, der gemäß seinen individuellen Präferenzen bemüht ist, seinen Nutzen in sozialen Situationen zu
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maximieren. Wichtig ist hierbei, dass jeder Akteur seine eigenen Präferenzen und seine eigene, subjektive Interpretation der Handlungssituationen hat, die sich mit denen anderer Akteure nicht decken müssen. Gemäß dieser individuellen Interpretation werden alle verfügbaren Handlungsalternativen nach deren Kosten und Nutzen gewichtet. „Gewählt wird die Handlungsalternative, die den höchsten Netto-Nutzen, der als Differenz zwischen den subjektiv angenommenen Kosten und Nutzen definiert ist, verspricht (Hill/Kopp 2002: 127 1 ).
Die Theorie der rationalen Wahl ist vielfältig erweitert worden, z.B. um Schemata (automatische Bewertung der Handlungsoptionen), Emotionen und Framing (Veränderung der subjektiven Interpretation). Da diese jedoch für die vorliegende Arbeit keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn versprechen, soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden.
3 Gründe für erneutes Heiraten nach Scheidung
Die hier zu betrachtende Population der Geschiedenen unterscheidet sich von der der Ledigen (z.B. höheres Alter), was auch ihre Möglichkeiten auf dem Heiratsmarkt beeinflusst. Im Folgenden werden nur die Aspekte behandelt, die auch bei Klein (1990) empirisch untersucht wurden, da nur für diese später ein Vergleich mit den Scheidungsursachen möglich ist - obwohl auch hierfür nur unzureichende Daten zur Verfügung stehen.
Bemerkenswert ist, dass im Durchschnitt 75% der geschiedenen Männer erneut heiraten, jedoch nur 58% der Frauen (Klein 1990: 78). Dies verschärft die ohnehin schon schlechtere Situation der Männer auf dem Heiratsmarkt noch weiter. Ob die Personen, die nicht wieder heiraten, nach der gescheiterten Ehe dauerhaft alleine bleiben oder nun eine andere Partnerschaftsform vorziehen, wurde leider noch nicht untersucht.
3.1 Alter bei Scheidung
Nach Klein (1990: 78) ist die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederheirat umso höher, je jünger die Person bei der Scheidung der vorigen Ehe ist. Dies ist zum einen durch den Heiratsmarkt zu erklären, der für Jüngere ein größeres Angebot bereitstellt als für Ältere (vgl. Klein 1992: 224). Zum anderen ist der erzielbare Nutzen aus einer Ehe für Jüngere potentiell höher, insbesondere wenn ein noch unerfüllter Wunsch nach
1 Die hier zu Grunde liegenden Payoffmatrizen wurden von Thibaut und Kelley bereits in der Austauschtheorie eingeführt (Herkner 1991: 396ff).
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Kindern besteht. Weitere denkbare Gründe sind das Erwerbseinkommen, das mit zunehmendem Alter durch Berufsaufstiege steigen kann und daher für Ältere ein Ressourcenpooling weniger wichtig werden lässt, sowie einer Verlagerung der individuellen Präferenzen mit zunehmendem Alter weg von emotionaler Nähe und hin zu mehr Unabhängigkeit.
3.2 Ausbildungsniveau
Hier ist bei Frauen ein umgekehrter Effekt wie bei Männern zu beobachten (Klein 1990: 78). Während Männer mit steigendem Ausbildungsniveau einer höhere Wiederheiratswahrscheinlichkeit unterliegen, sinkt diese bei Frauen tendenziell, je höher ihr Ausbildungsniveau ist. Allerdings wirkt sich erst eine Hochschulausbildung signifikant aus.
Für beide Geschlechter bedeutet eine höhere Ausbildung eine bessere Chance auf ein höheres Einkommen am Arbeitsmarkt. Bei einer traditionellen Rollenverteilung in einer Partnerschaft, bei der sich hauptsächlich die Frau um die Haushaltsführung kümmert, sind aber gerade für die besser ausgebildeten Frauen die Opportunitätskosten hoch. Denn sie müssten entweder auf den Gewinn aus ihrem erworbenen Humankapital verzichten oder die Doppelbelastung von Haushalt und Arbeit ertragen. Erst eine Rollenverteilung, die den Frauen auch die Nutzung ihrer Ausbildung ermöglicht, lässt eine erneute Bindung wahrscheinlicher werden. Frauen mit geringem Einkommen ziehen wiederum einen höheren Nutzen aus dem mit einer Partnerschaft verbundenen Ressourcenpooling.
Die Männer wiederum profitieren von einem durch eine bessere Ausbildung erhöhten Einkommen, da sie hierdurch einen hohen Nutzen aus einer neuen Partnerschaft mit traditioneller Arbeitsteilung ziehen. Männer mit geringem Einkommen hingegen können die Rolle des Alleinversorgers schlechter übernehmen, was auf eine geringere Wiederheiratswahrscheinlichkeit schließen lässt. Dem stehen jedoch die empirischen Ergebnisse gegenüber (Klein 1990: 78), nach denen Männer ohne Ausbildung keine wesentlich geringere Wiederheiratswahrscheinlichkeit haben als Männer mit einem Hochschulabschluss. Klein (1990: 74) führt dies darauf zurück, dass die geringen Arbeitseinkommen durch das Sozialeinkommen ergänzt werden, wodurch die Einkommenseffekte in diesem Bereich verschwinden.
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3.3 Berufsstellungen
Auch hier muss nach den Geschlechtern differenziert werden. Nach Klein (1990: 78) heiraten von den männlichen Angestellten und Arbeitern rund 75% ein weiteres Mal, von den Beamten nur rund 58% und von den Selbständigen 86%. Von den weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen heiraten um die 50% wieder, was ungefähr dem Gesamtverhältnis von jemals wiederheiratenden Männern und Frauen entspricht. Beamtinnen und selbständige Frauen haben mit 100% bzw 90% jedoch eine stark überdurchschnittliche Wiederheiratswahrscheinlichkeit. Dies widerspricht dem oben angeführten Trend, nach dem bei den besser ausgebildeten Frauen die Wiederheiratswahrscheinlichkeit geringer ist. Dieser Widerspruch kann nicht zufrieden stellend geklärt werden.
3.4 Größe des Herkunftsortes
Für Frauen ist die Wiederheiratswahrscheinlichkeit am geringsten, wenn sie in einer Kleinstadt aufgewachsen sind, bei dörflichen und mittelgroßen Herkunftsorten liegt sie etwas höher, am größten ist sie bei Frauen, die aus einer Großstadt stammen (Klein 1990: 78). Es ist zu vermuten, dass die unterschiedliche Sozialisation in diesen Milieus zu unterschiedlichen Einstellungen gegenüber einer erneuten Heirat führt (Klein 1990: 77). Das erklärt jedoch nicht, weshalb die Wiederheiratswahrscheinlichkeit von in dörflichen Milieus aufgewachsenen Frauen höher ist als die von Frauen aus Kleinstädten. Vielleicht spielen hier auch die Möglichkeiten, einen neuen Partner kennen zu lernen, eine Rolle, wozu jedoch die Größe des aktuellen Wohnortes in Betracht gezogen werden müsste.
Bei Männern beeinflusst die Größe des Herkunftsortes die Wiederheiratswahrscheinlichkeit nicht.
3.5 räumliche Mobilität
Hier ist der umgekehrte Fall wie bei der Größe des Herkunftsortes zu finden. Bei Frauen hat die Mobilität keinen Einfluss auf die Wiederheiratswahrscheinlichkeit, bei Männern erhöht sie sie (Klein 1990: 78). Diese erhöhte
Wiederheiratswahrscheinlichkeit bei Männern führt Klein (1990: 74) auf den verstärkten Wunsch nach sozialer Integration zurück. Ergänzend kommt hinzu, dass durch die räumliche Mobilität auch die Kontaktchancen und damit die Möglichkeit, eine passende Partnerin zu finden, steigen.
Andererseits hängt dieser Punkt unter Umständen auch mit dem Ausbildungsniveau
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zusammen. Ein Umzug in eine andere Stadt ist nicht selten durch einen beruflichen Wechsel bedingt. Die Vermutung liegt nahe, dass besser ausgebildete Personen, die einen relativ hohen Gewinn auf dem Arbeitsmarkt erzielen, eher bereit sind, einen solchen Wechsel zur Verbesserung ihrer Berufsmöglichkeiten zu vollziehen als schlechter ausgebildete Personen, deren Gewinnzuwachs nicht so hoch ist.
3.6 Kinder aus erster Ehe
Da Kinder nach einer Trennung meistens bei der Frau bleiben, wird hier nur auf den Einfluss von Kindern auf die Wiederheiratswahrscheinlichkeit von Frauen eingegangen. Es zeigt sich, dass das Vorhandensein von Kindern die Wiederheiratswahrscheinlichkeit stark vergrößert, während die Anzahl nur einen geringen Effekt hat (Klein 1990: 78). Frauen mit einem Kind heiraten also deutlich wahrscheinlich wieder als Frauen ohne Kinder, der Anstieg zwischen Frauen mit zwei und Frauen mit einem Kind fällt aber nur noch gering aus.
Dies ist durch die oben angeführten Theorien gut zu erklären, denn Frauen mit Kindern ziehen einen größeren Nutzen aus der ehelichen Arbeitsteilung als Frauen ohne Kinder. So können sie die Doppelbelastung der materiellen und psychischen Versorgung der Kinder zumindest abschwächen.
4 Gründe für Scheidungen von Folgeehen
Leider gibt es hierzu nur sehr wenig empirische Daten, zumal sich Klein (1992) nur auf Frauen bezieht. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Population von Erst- und Folgeehen ist zudem fraglich, inwiefern die Erkenntnisse über Erstehen auch hier Anwendung finden können. Sicher ist, dass in Folgeehen weniger investiert wird als in Erstehen (vgl. Kapitel 2.1), so dass die Barrieren für eine Trennung nicht so hoch sind (Hill/Kopp 2002: 290f).
4.1 Heiratsalter
Wie auch bei Erstehen sind Nachfolgeehen umso stabiler, je älter die Partner bei der Heirat sind (Klein 1992: 229; Nave-Herz et al. 1990: 23). Die Verlagerung des Heiratszeitpunktes in ein höheres Lebensalter wiegt also stärker als der kalenderzeitliche Effekt, nach dem „jeder nachfolgende Heiratsjahrgang .. derzeit höhere Scheidungsraten als vorangehende Jahrgänge“ (Klein 1992: 223) hat. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit bei wiederverheirateten Paaren größer, eine altersheterogene
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Partnerschaft (in der der Mann mehr als zwei Jahre jünger oder mehr als sechs Jahre älter ist als die Frau) einzugehen (Booth/Edwards 1992: 187), was sich durch die Einschränkungen auf dem Heiratsmarkt erklären lässt. Demnach unterliegen gerade die Jüngeren, die mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut heiraten, auch einem erhöhten Wiederscheidungsrisiko.
4.2 Ausbildungsniveau
Zumindest das Ausbildungsniveau der Frauen hat kaum einen Einfluss auf die Scheidungswahrscheinlichkeit. „Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass dem selektiven Scheidungsprozess eine umgekehrte Selektion beim Wiederverheiratungsprozess entgegenwirkt“ (Klein 1992: 299). Die wenigen gut ausgebildeten Frauen, die wieder heiraten, beeinflussen die Wiederscheidungsstatistik also kaum. Bei den Männern ist zu vermuten, dass die Männer ohne Ausbildung auch das höchste Scheidungsrisiko haben. Zum einen ist das Scheidungsrisiko höher, wenn die Frau in einer Partnerschaft über das höhere Bildungsniveau verfügt als der Mann (Nave-Herz et al. 1990: 108), was bei Männer ohne Ausbildung augenscheinlich am wahrscheinlichsten ist. Zum anderen liegt die Vermutung nahe, dass die Frau durch das geringe Einkommen des Mannes auch eher der Doppelbelastung von Haushalt und eigener Arbeitstätigkeit ausgesetzt ist 2 . Das wird von den Daten von Booth und Edwards bestätigt, nach denen ein geringer sozioökonomischer Status der Ehepartner die Stabilität einer Folgeehe negativ beeinflusst (1992: 181f).
4.3 Berufsstellung
Hierzu liegen keine Daten vor, so dass dieser Bereich aus der Analyse ausgeschlossen werden muss. Aufgrund der oben erwähnten Widersprüchlichkeiten (siehe 3.3) ist ohnehin fraglich, ob die Stellung im Beruf einen nennenswerten Einfluss hat, oder oder ob die dort festgestellten Unterschiede nicht auf andere Ursachen zurückgeführt werden können.
4.4 Größe des Wohnortes
Leider liegen keine Daten über den Zusammenhang zwischen der Größe des Herkunftsortes und der Wahrscheinlichkeit der Scheidung einer Folgeehe vor, so dass an dieser Stelle nur Aussagen über die Größe des Wohnortes getroffen werden können, die natürlich mit der räumlichen Mobilität konfundiert sind. Doch auch hier finden sich nur Daten für alle Ehen. Demnach wächst das Scheidungsrisiko mit der Größe des 2 Vgl. zum Einfluss dieser Doppelbelastung Klein/Stauder: Der Einfluss ehelicher Arbeitsteilung auf die Ehestabilität. In: Klein/Kopp (1999), S. 159-177
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Wohnortes, wobei in Großstädten 50% aller Ehen durch Scheidung beendet werden (Jost 1995). Es ist anzunehmen, dass diese Tendenz auch bei Folgeehen zu finden ist. Da jedoch die Wohnortgröße bei der Wiederheiratswahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt wurde, kann auch dieser Punkt nicht in die Analyse einfließen.
4.5 räumliche Mobilität
Nach Nave-Herz et al. steigt das Scheidungsrisiko, je höhere Anforderungen an die Strukturflexibilität, also die berufliche und räumliche Mobilität, einer Ehe gestellt werden (1990: 106). Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Booth und Edwards, nach denen eine niedrige soziale Integration der Ehepartner die
Scheidungswahrscheinlichkeit erhöht. Dies ist bei Folgeehen häufiger als bei Erstehen der Fall (1992: 180f).
Zum einen sind für diese Paare die sozialen Barrieren gegen eine Ehescheidung geringer, da Verwandte und Freunde in geringerem Maße auf eine Fortführung der Ehe drängen können. Zum anderen kann vermutet werden, dass Ehekrisen hier häufiger zu einer Scheidung führen, da alternative Bewältigungsstrategien, wie z.B. ein Gespräch mit Freunden, weniger zur Verfügung stehen.
4.6 Kinder aus erster Ehe
Kinder aus erster Ehe wirken zumindest in Stiefvaterfamilien nicht signifikant destabilisierend. Indirekt haben sie allerdings einen Einfluss, da in Stieffamilien weniger eheliche Kinder des neuen Paares geboren werden, und dadurch ein stabilisierender Faktor weg fällt (Klein 1992: 224f, 233).
Anders ist die Situation in Stiefmutterfamilien. Da bei einer traditionellen Rollenverteilung hauptsächlich die Frau für die Kindererziehung zuständig ist, muss diese sich als Stiefmutter intensiv mit den fremden Kindern auseinander setzen. Dies erhöht die Beziehungskosten für die Frau, ohne dass sich der Nutzen in gleichem Maß steigert, da die emotionale Bindung in aller Regel zum leiblichen Elternteil stärker bleibt als zum Stiefelternteil.
5 Fazit
Bisher wurden die Gründe für eine erneute Heirat nach einer Scheidung sowie die Gründe für die Trennung dieser Folgeehen dargestellt werden. Nun soll gegenübergestellt werden, inwieweit die Gründe für eine Wiederheirat bereits die
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Scheidung wahrscheinlicher werden lassen.
Einzig beim Alter kann hier ein klarer Zusammenhang festgestellt werden. Diejenigen, deren Erstehe in jungen Jahren geschieden wird, heiraten überdurchschnittlich oft ein weiteres Mal. Doch genau diese Ehen unterliegen auch einem höheren Wiederscheidungsrisiko. Das ist um so erstaunlicher, da der Heiratsmarkt für diese Gruppe noch relativ groß ist, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Partner zu finden. Vielleicht spielt aber auch eine Rolle, dass diese Personen hoffen, nach der erneuten Scheidung noch einen neuen Partner finden zu können. So zieht es sich fort: jung geheiratet, jung geschieden, jung wiedergeheiratet, und abermals geschieden.
Das Ausbildungsniveau hat, zumindest bei Männern, genau den umgekehrten Effekt. Eine gute Ausbildung wirkt sich eher positiv auf die Wiederheiratswahrscheinlichkeit aus, und diese Folgeehen sind tendenziell auch stabiler. Für Frauen können aufgrund der Datenlage keine Aussagen getroffen werden. Ebenso verhält es sich mit den Berufsstellungen und der Größe des Herkunftsortes.
Ein schwacher Zusammenhang kann zwischen der räumlichen Mobilität von Männern und der Wiederheirats- und Wiederscheidungswahrscheinlichkeit festgestellt werden. Räumlich mobile Männer haben eine gesteigerte Wiederheiratswahrscheinlichkeit, gleichzeitig unterliegen Ehen, in denen die Partner häufig umziehen, auch einem höheren Scheidungsrisiko. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass auch während der Folgeehe Umzüge statt finden müssen. Sollte sich das Paar dauerhaft niederlassen ist kein Folgeeffekt der Mobilität zu erwarten.
Kinder, die aus einer vorangehenden Ehe eingebracht werden, beeinflussen nur das Wiederheiratsverhalten der Frauen, nicht jedoch das Scheidungsrisiko der Folgeehe.
Von den sozialstrukturellen Faktoren haben also nur das Alter bei der Scheidung sowie, in geringerem Ausmaß, die räumliche Mobilität der Männer einen Einfluss. Hinzu kommen zweifellos persönliche Faktoren. Mit Nave-Herz et al. (1990) ist davon auszugehen, dass gerade die Personen, die einen hohen idealisierten, affektivemotionalen Anspruch an ihren Partner und die Ehe stellen, diese auch eher lösen, wenn diese Ansprüche nicht erfüllt werden. Gleichzeitig werden sie auch eher versuchen, ihr Ideal in einer Folgeehe zu verwirklichen. Dass sie bereit sind, diese bei einer erneuten Enttäuschung wieder zu trennen, braucht kaum erwähnt zu werden. Eine Scheidung ist für sie - und das unterscheidet sie von Personen in Erstehen - ein legitimer Weg, eine unbefriedigende Ehe zu beenden (Booth/Edward 1992: 192).
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Personen, für die eine Scheidung aus religiösen Gründen oder aufgrund anderer Einschränkungen keine Option ist, werden nie in die Population der Geschiedenen übergehen (Booth/Edwards 1992: 181). Allein durch diese Selektionseffekte unterliegt die Population der mindestens einmal Geschiedenen also einem höheren Scheidungsrisiko (Klein 1992: 223).
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6 Literatur
Booth, Alan; Edwards, John N., 1992: Starting Over. Why remarriages are more unstable. Journal of Family Issues 13, S. 179-194
Herkner, Werner, 1991: Lehrbuch Sozialpsychologie. Bern, Stuttgart, Toronto: Huber
Hill, Paul B.; Kopp, Johannes, 2002: Familiensoziologie. Grundlagen und theoretische Perspektiven. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag
Jost, Ingrid, 1995: Ehe als Lebensentscheidung im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen und persönlicher Entwicklung. In: Schneider, Theodor (Hg.): Geschieden, wiederverheiratet, abgewiesen? Freiburg im Breisgau, Basel, Wien: Herder, S. 143-153
Klein, Thomas, 1990: Wiederheirat nach Scheidung in der Bundesrepublik. Eine empirische Überprüfung bislang vorliegender Theorieansätze aus der Perspektive des Lebensverlaufs. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, S. 60-80
Klein, Thomas, 1992: Die Stabilität der zweiten Ehe. Besondere Risikopotentiale, Selektionseffekte und systematische Unterschiede. In: Zeitschrift für Familienforschung 4, S. 221-237
Klein, Thomas; Kopp, Johannes (Hgg.), 1999: Scheidungsursachen aus soziologischer Sicht. Würzburg: Ergon-Verlag
Klein, Thomas, 1999: Partnerschaft im Wandel? In: Busch, Friedrich W. et al. (Hgg.): Aktuelle Forschungsfelder der Familienwissenschaft. Würzburg: Ergon-Verlag, S. 103-118
Nave-Herz, Rosemarie; Daum-Jaballah, Marita; Hauser, Sylvia; Matthias, Heike; Scheller, Gitta, 1990: Scheidungsursachen im Wandel. Eine zeitgeschichtliche Analyse des Anstiegs der Ehescheidungen in der Bundesrepublik Deutschland. Bielefeld: Kleine Verlag
Schneider, Norbert; Schuhrke, Bettina, 1994: Scheidung, Partnerschaftskonflikte und Trennungsursachen im gesellschaftlichen Wandel. In: Erwachsenenbildung 40, S. 19-23
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Stefan Hoba, 2003, Bestimmung der Gründe von Wiederheirat und der Scheidung dieser Folgeehen, München, GRIN Verlag GmbH
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