Ausdruck gebracht. Trotz dieser Aufgewühltheit gibt es auch einen kleinen
Hoffnungsschimmer, durch die Verwendung des Wortes „Faden“. Fäden
sind meist dünner natur, die leicht reißen können, die gilt besonders,
wenn sie eine so gewaltige Energiequelle wie die Sonnen umgeben.
Dadurch wird gezeigt, dass das Licht, die Hoffnung, dabei ist, die alte
negative Vergangenheit und die schlimmen Erlebnisse des zweiten
Weltkrieges hinter sich zu lassen und in eine friedvolle Zukunft steuert.
Über ein Enjambement ist die erste Verszeile mit der zweiten verbunden.
Aufgrund dessen werden erneute Kontraste aufgezeigt. Einerseits der
Gegensatz zwischen „Sonnen“ und der „grauschwarzen Ödnis“ (V.2) und
andererseits der Kontrast zwischen „oben“ und 2unten“. Durch diese
Kontrastpunkte wird meiner Meinung nach auf die innere Gefangenschaft
des Lyrischen Ichs hingewiesen. Es befindet sich in einer schlechten Lage,
aus der es allerdings entrinnen möchte. Außerdem wird deutlich, dass sich
das Lyrische ich außerhalb der gegenwärtigen zeitgeschichtlichen Situation
befindet. Aus diesem Grund hat es einen klaren Blick auf das, was war
(seine eigenen negativen Schicksalsschläge) und auf das, was kommen
mag. Besonders deutlich wird dies, wenn man die nächsten drei Verszeilen
betrachtet, welche wiederum durch Enjambements miteinander verbunden
sind. In diesen Verszeilen erhebt sich „Ein baumhoher Gedanke“ (V. 3-4),
der nach einem „Lichtton greift“ (V.5). Dadurch wird zum einen ein Bezug
zur ersten Verszeile hergestellt, denn erneut wird die Metaphorik des
Lichts aufgegriffen. Zum anderen wird ein erneuter Kontrastpunkt
erkennbar. Trotz der „Ödnis“ gibt es noch „Licht“ und die damit
verbundene Hoffnung auf Besserung. Dieses Licht ist mittlerweile zu
einem Ton geworden, dadurch kommt es zu einer Verstärkung der
positiven Stimmung. Denn Töne sind die Bausteine für Lieder und Lieder
helfen den Menschen ihre Gefühle zu offenbaren und ihre Seelen zu
öffnen. Somit stellen sie für den Menschen wichtige Hoffnungsträger dar.
Eine weitere Verstärkung dieser positiven Stimmung wird durch die
Trennung des Worts „Baumho[ch]) erreicht.
Dies kommt besonders in den letzten beiden Verszeilen zum tragen, denn
„Es gibt noch Lieder zu singen“(V.5-6), wenn auch nur „jenseits der
Menschen“. (V.6-7). Durch dir Trennung der Verszeilen fünf und sechs
mit Hilfe eines Doppelpunktes wird gezeigt, dass dieser Gedanke noch am
Anfang steht. Die Menschen sind noch nicht bereit ihren Gedanken Taten
folgen zulassen und selbst nach dem Licht zugreifen, um ein neues Leben
zu beginnen und die schatten der Vergangenheit endgültig hinter sich zu
lassen.
Gleichzeitig ist zu sagen, dass es dem Autor gelungen ist einen erneuten
Bezug zu dem Licht herzustellen. Dies geschah zum einen durch den
Neologismus „Lichtton“, welcher eine Bezug zu den „Fadensonnen“
herstellt, und zum anderen durch die Verbindung „Ton“ und „Lieder“ und
dadurch indirekt zum Licht, Ich denke, dass durch diese geschickten
Wortspiele eine Verstärkung des Positiven erreicht werden soll. Denn
„Lieder“ werden von fröhlichen, sich öffnenden Menschen gesungen, die
sozusagen im „Licht“ stehen.
Trotz dieser hoffnungsvollen Grundstimmung vermittelen diese letzten
beiden Verszeilen auch eine gewisse Bedrücktheit, die zum Nachdenken
abregt. Gewiss gibt es noch „Lieder zu singen“, aber nicht in dem durch
den Krieg zerstörten Deutschland, denn dort existiert kein Leben mehr.
Denn bis die schreckliche Vergangenheit vollständig verarbeitet ist und die
Spuren und Narben, die der Krieg in den Seelen und Herzen der Menschen
hinterlassen hat, verheilt sind, wird noch einige Zeit vergehen müssen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht die Menschen zum
Loslassen ermutigen soll. Sie sollen sich aufmachen und ihrer Zukunft eine
Chance geben, die können sie aber nur, wenn sie die Vergangenheit
endlich ruhen lassen und wieder hoffnungsvoll dem Leben entgentreten.
Arbeit zitieren:
Anne Bergholz, 2003, Celan, Paul - Fadensonnen - Gedichtsanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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