Marlene Felbinger - Referat zum Thema: Versorgung mit Gesundheitsdiensten im Fach Public Health
Gesundheitswesen, was ist das?
Gesundheitswesen ist ein Teil der Sozialpolitik
Gesundheitswesen (öffentl. Gesundheitswesen), Gesamtheit der staatl. Einrichtungen zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung sowie zur Vorbeugung und Bekämpfung von Krankheiten oder Seuchen. Dem Bund kommen auf dem Gebiet des G. fast ausschließlich Gesetzgebungsaufgaben (Gesundheitsrecht) zu (z.)B. Bundesseuchengesetz, Bundesärzteordnung, Arzneimittelgesetz, Betäubungsmittelgesetz, Lebensmittelgesetze). Unter die Ländergesetzgebung fallen u.)a. die Organisation des öffentl. Gesundheitsdienstes, die Struktur des Krankenwesens (Krankenhausbedarfsplanung). 1
Hier will ich das Gesetzeswerk des SGB herausgreifen:
Das Recht des Sozialgesetzbuches soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer und erzieherischer Hilfen gestalten. Es soll dazu beitragen, • ein menschenwürdiges Dasein zu sichern,
• gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere auch für junge Menschen, zu schaffen, • die Familie zu schützen und zu fördern,
• den Erwerb des Lebensunterhaltes durch frei gewählte Tätigkeit zu ermöglichen
1 (c) Meyers Lexikonverlag.
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• besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe, abzuwenden oder auszugleichen.
Das Recht des Sozialgesetzbuches soll auch dazu beitragen, dass die zur Erfüllung der in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderlichen sozialen Dienste und Einrichtungen rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen.
Dadurch wird die Absicherung von Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit, Alter, Erwerbsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, beruflich bedingte Gesundheitsschäden, Arbeitslosigkeit gewährleistet werden (SGB, allgemeiner Teil). Die soziale Kranken- und Pflegeversicherung ist Teil einer umfassenden sozialen Sicherung und erfüllt damit, neben gesundheits- und sozialpolitischen Funktionen, gesellschafts- und wirtschaftspolitische Aufgaben.
Aufgabenstellung und Funktionsweise der GKV
Das System der GKV hat eine gesundheitlich, ordnungspolitisch und ökonomisch definierbare Dienstleistungsaufgabe für die Gesamtgesellschaft zu erbringen.
Gesundheitliches Ziel:
Bedarfsgerechte, erreichbare und dauerhafte Versorgung mit den medizinisch und gesundheitlich als notwendig und ausreichend erachteten Leistungen für die gesamte Bevölkerung.
Ordnungspolitisches Ziel:
Beitrag zur gesellschaftlichen Kohärenz durch Gewährleistung der gesundheitlichen Versorgung ohne ökonomische und soziale Diskriminierung.
Wirtschaftliches Ziel:
Finanzierung, Steuerung und Strukturentwicklung der größten Wirtschaftsbranche nach den Kriterien Bedarf und Kostenminimierung.
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An dieser Stelle möchte ich nun zuerst auf den Begriff Gesundheit etwas näher eingehen.
Gesundheitsbegriffe
King: (Interaktionsmodell)
King definiert Gesundheit als „dynamische Lebenserfahrung eines Menschen“. Diese Definition impliziert die kontinuierliche Anpassung an Stressoren des inneren und externen Milieus, wobei optimal von Hilfsmitteln Gebrauch gemacht wird, um ein maximal zu erreichendes Niveau des täglichen Funktionierens zu erreichen (King 1981). Sie definiert Gesundheit weiterhin als „Fähigkeit, in sozialen Rahmen zu funktionieren“. Die letzte Aussage wird auch als ihre wichtigste Stellungnahme zum Begriff Gesundheit angesehen (Fawcett, 1989). Kranksein (illness) definiert sie als eine Abweichung vom Normalen, worunter sie ein gestörtes Gleichgewicht der biologischen Struktur einer Person versteht. Krankheit (disease) ist eine Art von Kranksein (illness). King geht nicht weiter darauf ein, ob Wohlbefinden (wellness) und Kranksein (illness) als Kontinuum oder Dichotomie betrachtet werden müssen (Fawcett, 1989).
Orem: (Bedürfnismodell)
Gesundheit und Wohlbefinden sind in Orem´s Theorie zwei unterschiedliche Begriffe. Gesundheit wird definiert als „state that is characterized by soundness or wholeness of developed human structures and of bodily and mental functioning“ (Ein Zustand, der charakterisiert ist durch „Ganzheit“ oder als Einheit entwickelter menschlicher Strukturen sowie des körperlichen und geistigen Funktionierens). Gesund sein bedeutet also, dass man strukturell und funktionell eine Einheit bildet, „ganz“ ist. Darüber hinaus umfasst Gesundheit die Abwesenheit genetischer Defekte und die Entwicklung in Richtung auf ein höheres Integrationsniveau. Gesundheit impliziert physische und soziale Aspekte. Wohlbefinden hingegen ist die von einem Individuum wahrgenommene Lebensqualität, ist also subjektiv, und kann bei Gesunden und Kranken in mehr oder weniger großem Maße vorhanden sein.
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Roy: (Ergebnismodell)
Roy (1984) definiert Gesundheit als „Zustand und Prozeß des Wachsens zu einer integrierten und ganzen Persönlichkeit“. „A hole person“ ist jemand, der sein menschliches Potential maximal ausgeschöpft hat. Ein Mangel an Integrität bedeutet einen Mangel an Gesundheit (Andrews und Roy, 1986). Da Anpassung ein Prozess der Förderung von Integrität ist, ist Gesundheit das Feedback der Anpassung. Gesundheit ist für Roy nicht das Gegenteil von Krankheit. Integriert werden oder integriert sein kann in jeder Phase des Lebens stattfinden, selbst wenn man krank ist oder kurz vor dem Tode steht.
WHO
Seit 1948 gilt die umfassende Definition der Gesundheit der WHO :
Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten
Die Menschen sollen ihre physischen, geistigen und emotionalen Fähigkeiten voll zum Einsatz bringen können, ihr Gesundheitspotential entwickeln und ausnutzen, um ein gesellschaftlich und wirtschaftlich erfülltes Leben zu führen.
Gesundheitsförderung - Begriffsbestimmung und Abgrenzung
Maßnahmen der Gesundheitsförderung waren früher vorwiegend vom medizinischen Denken geprägt, am Risikofaktorenmodell orientiert.
Bei Gesundheitsförderungsmaßnahmen denen ein umfassender Gesundheitsbegriff zugrunde liegt, rücken auch Lebens-, Arbeits-, und Umweltbedingungen in den Mittelpunkt. Es kann zwischen verhaltens- und verhältnisbezogenen Maßnahmen unterschieden werden. Während verhaltensbezogene Maßnahmen individuenzentriert in erster Linie an personenbezogenen Faktoren ansetzen und Konditionen, Emotionen oder das Verhalten einer Person verändern, so beziehen sich verhältnisbezogene Maßnahmen auf externe Faktoren im Lebensumfeld der Personen.
Die Aktivitäten der Gesundheitsförderung können in unterschiedlichen Bereichen erfolgen (medizinisch, kulturell, hygienisch, psychisch, sozial, ökologisch etc.) und verhaltensbezogen,
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aber auch verhältnisbezogen sein. Neben der Gesunderhaltung, d.h. dem Schutz vor Risiken und Krankheiten, zielt Gesundheitsförderung auch auf die Verbesserung und Steigerung von Gesundheit ab. Letzteres sind Aspekte, die es insbesondere bei Kranken und chronisch Kranken zu beachten gilt.
Gesundheitsförderung, wie sie von der WHO in der Ottawa-Charta (World Health Organisation, 1986) festgelegt wurde, ist als sozial-ökologisches Gesundheits- und Präventivmodell zu sehen, in dem Gesundheit nicht als Ziel anzusehen ist, sondern als Mittel, Menschen zu befähigen, ihr Leben positiv zu gestalten.
Dementsprechend sollte Gesundheitsförderung unter der aktiven Beteiligung der jeweiligen Zielperson unter Berücksichtigung ihrer Lebensumstände erfolgen. Gesundheitsförderung wird hier als Prozeß verstanden, der den Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglichen soll.
Die Maßnahmen, die dem Ideal einer umfassenden Gesundheitsförderung entsprechen, zeichnen sich durch eine Gesundheits- statt einer Krankheitsorientierung, durch einen Lebens-und auch Umweltbezug, durch eine Handlungsorientierung sowie durch eine Gemeinwesenorientierung aus, indem sie sich auf Populationen und nicht auf Individuen beziehen.
Eine umfassende Gesundheitsförderung sollte Bereiche wie Umwelt und Wohnen, Arbeit und Einkommenssicherung, soziale Verhältnisse und auch Ernährung mit einbeziehen. Diese aus der Ottawa-Charta abgeleiteten Forderungen entsprechen vielmehr einem Ideal, als dass sie die Realität widerspiegeln.
Mit dem Begriff Gesundheitsförderung sind alle Strategien und Bemühungen zur Verbesserung und Unterstützung der Gesundheit zu verstehen.
• Unter kommunaler Gesundheitsförderung sind alle Aktivitäten zu verstehen, die zwischen der Ebene der Individuen bzw. der primären Lebensgemeinschaften und der Ebene der staatlichen und parastaatlichen Gesundheitsversorgung ansetzen und darauf abzielen, im
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alltäglichen Lebenszusammenhang der Menschen vorbeugende und die Gesundheit unterstützende Maßnahmen und Handlungen zu ermöglichen.
• Public Health, d.h. öffentliche Gesundheitsförderung, zeichnet sich durch einen bevölkerungsbezogenen, gemeindenahen und politischen Ansatz aus. Berücksichtigt werden sowohl ökonomische als auch ökologische und politische Aspekte. Public Health läßt sich durch den Einsatz von indirekten verhältnisbezogenen gesundheitsfördernden Maßnahmen charakterisieren, die weniger an Individuen und Gruppen sondern vielmehr auf der institutionellen, organisatorischen und politischen Ebene ansetzen. • Gesundheitserziehung und Gesundheitsberatung sind die Schaffung von Lernmöglichkeiten, in deren Rahmen Verhaltensweisen, die als Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten zu sehen sind bzw. denen eine präventive Funktion zukommt, verändert werden sollen. Diese Aktivitäten finden in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, aber auch in der Familie statt.
• Gesundheitsberatung und Gesundheitsaufklärung hat das Ziel, Wissen zu vermitteln, um zu einer Einstellungs- und Verhaltensänderung zu motivieren. Gesundheitsberatung findet prinzipiell in allen Institutionen statt, deren Aufgabe es ist, Gesundheit zu erhalten und zu fördern.
Zur WHO
Seit 1948 gilt die umfassende Definition der Gesundheit durch die WHO (siehe oben). Die Programmatik und die Politik der WHO war von 1948 bis Anfang der 70er Jahre von der Entwicklung und dem Export naturwissenschaftlich-technischer Medizin in die Entwicklungsländer geprägt. So wurde faktisch die medizinische Kultur der hochentwickelten Industriestaaten auf die Entwicklungsländer übertragen.
Ein Strategiewechsel konnte 1978 auf der Internationalen Konferenz zum Thema Primäre Gesundheitsförderung in Alma-Ata in der damaligen UDSSR vollzogen werden. Es wurde beschlossen, dass die soziale Hauptzielsetzung der Regierungen und der WHO sein soll, für alle Menschen auf dieser Welt bis zum Jahr 2000 einen Gesundheitsstatus zu erreichen, der ihnen ermöglicht, ein sozial und ökonomisch produktives Leben zu führen. Das neue Konzept wurde von allen Mitgliedstaaten verbindlich anerkannt. Diese globale Strategie sollte nicht nur eine Summierung von nationalen und regionalen Strategien darstellen, sondern dies sollte
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es jeder Region ermöglichen, die globale Strategie als Basis für Verbesserungen der regionalen Strategie heranzuziehen, wobei jede einzelne Region die besonderen Bedürfnisse der Länder in dieser Region berücksichtigen kann.
Dieses Konzept der primären Gesundheitssicherung brachte implizit eine neue Definition von Gesundheit mit sich: Gesundheit vermehrt die menschlichen Fähigkeiten und bietet die Garantie, ein sozial und wirtschaftlich befriedigendes, eigenverantwortliches Leben führen zu können.
Das Konzept der primären Gesundheitssicherung wurde von den Industriestaaten meist nur für Entwicklungsländer als relevant angesehen. Dem Begriff “Öffentliche Gesundheit” haftet immer noch der historische Zusammenhang zur Arbeiter- und Armenpolitik als kommunale Aufgabe an. Um ihre gesundheitspolitische Programmatik in dieser Hinsicht zu präzisieren und besser zu operationalisieren, entwickelte die WHO das Konzept der Health Promotion, der Gesundheitsförderung.
Die neue Konzeption, die auf einen Prozeß abzielt, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Lebensumstände und ihre Umwelt zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen, wurde im November 1986 als Ottawa Charter for Health Promotion im kanadischen Ontario verabschiedet.
Der Generalsekretär der WHO verdeutlichte in seiner Schlußansprache auf der Ottawa-Konferenz den Stellenwert des Dokuments mit dem Satz:” Die Ottawa-Charta ist die Alma-Ata-Deklaration für die entwickelten Industriestaaten” und wies damit auf dessen Charakter als eine Grundsatzerklärung und Zielbestimmung für die zukünftige Arbeit der WHO hin. In der Charta wird die Bedeutung der grundlegenden Lebensbedingungen und Ressourcen als Voraussetzungen für Gesundheit betont. Friede, Behausung, Erziehung, Nahrung und Einkommen werden für die Gesundheit als unentbehrlich erkannt. Damit wird Gesundheitsförderung zu einem zentralen Handlungsfeld einer New Public Health, den sich neu entwickelnden Gesundheitswissenschaften, die an die Tradition der öffentlichen Gesundheitspflege (Public Health) anknüpfen. Die Ottawa-Charta war auch das erste WHO Dokument, das ein stabiles Ökosytem als Grundlage der menschlichen Gesundheit formuliert hat.
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Nehmen wir das Sozialsystem Gesundheitswesen als übergeordnetes System, sozusagen als Umwelt für die verschiedenen Elemente oder Subsysteme innerhalb des Gesundheitswesens an.
Unter dieser systematischen Perspektive wirken sich Werteveränderungen im Gesundheitswesen ganz unmittelbar auf alle Teilsysteme aus. Innerhalb einer Vielfalt von Elementen oder Subsystemen mit ganz unterschiedlichen Funktionen, die in zirkulär vernetzten Rückkoppelungsschlaufen das turbulente Spannungsfeld “Gesundheitssystem” ausbilden, gilt es, die gewünschten übergeordneten Ziele der WHO durch eine “Globalstrategie für Gesundheit für alle bis zum Jahr 200” zu implementieren und umzusetzen. Dabei sollte es nicht nur um normative Leitlinien, Empfehlungen, oder um den öffentlichen Auftrag der Versorgung der Bevölkerung durch das Gesundheitssystem gehen, sondern um eine sozialwissenschaftlich-ökologisch-fundierte Konzeption von Gesundheitsförderung.
Umweltpolitik
Grundgesetz
Der Staat ist nach Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes zum Schutz der Menschenwürde und nach Artikel 2 Absatz 2 verpflichtet, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu gewährleisten. Gesetzgeber ist in der BRD in erster Linie der Staat der eine Konkretisierung und Ergänzung auf Länderebene zuläßt.
Das Umweltprogramm der Bundesregierung 1971 räumte dem Schutz der Umwelt erstmalig den gleichen Rang ein wie der sozialen Sicherheit und der Bildungspolitik. Als umweltpolitische Ziele wurden genannt:
• Die Sicherung der Umwelt zur Ermöglichung eines gesunden und menschenwürdigen Daseins,
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• der Schutz von Boden, Wasser und Luft, der Pflanzen und Tierwelt vor nachteiligen menschlichen Eingriffen und
• vorrausschauende Schadensabwehr und Beseitigung bereits eingetretener Schäden durch Umwelteingriffe.
Das Staatsziel Umweltschutz, der Schutz der natürlichen Grundlagen des Lebens durch den Staat, wurde erst im Jahre 1994 ins Grundgesetz aufgenommen.
Das Prinzip der Primärprävention, die Vermeidung aus Vorsorge, auch im medizinischen Sinne, tritt derzeit noch hinter ökonomischen Gesichtspunkten wie Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplatzsicherung zurück. Umweltpolitische Maßnahmen orientieren sich weitgehend am Ende und nicht am Anfang des Produktions- und Konsumprozesses (z. B. Bau von Kläranlagen oder Mülldeponien).
Das Bundesumweltministerium
spricht 1999 von einer “Nachhaltigen Entwicklung”, wenn es um einen schonenderen Umgang mit der natürlichen Umwelt und die weltweit gerechtere Verteilung des Wohlstandes geht. Die “Nachhaltige Entwicklung” umfasse sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Aspekte. Kennzeichen einer nachhaltigen Entwicklung sei es, dass sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
Die Enquete-Kommission “Schutz des Menschen und der Umwelt” des Deutschen Bundestages leitet aus diesem Ziel heraus folgende vier Handlungsgrundsätze ab: 1. Die Nutzung einer Ressource darf auf Dauer nicht größer sein als ihre Rate der Erneuerung oder die Rate des Ersatzes all ihrer Funktionen.
2. Die Freisetzung von Stoffen darf auf Dauer nicht größer sein als die Tragfähigkeit bzw. Aufnahmefähigkeit der Umwelt.
3. Gefahren und unvertretbare Risiken für Menschen und Umwelt sind zu vermeiden.
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4. Das Zeitmaß menschlicher Eingriffe in die Umwelt muß in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Zeit stehen, die die Umwelt zur Selbststabilisierung benötigt.
Umweltmedizin
Umweltbedingte Einflüsse auf die Gesundheit sind bei Allergien und Krebserkrankungen inzwischen wissenschaftlich belegt. Darüber hinaus werden im Zusammenhang mit Umwelterkrankungen auch neue Krankheitsbilder diskutiert, die in den letzten Jahren vor allem in den USA beschrieben wurden.
Umweltmedizinische Diagnostik und Therapie ist nicht nur kostenaufwendig, sondern wird von den gesetzlichen KK nur in Ausnahmefällen erstattet. Als präventive Empfehlungen werden Appelle an gesunde Lebensführung und Schadstoffsanierung auf eigene Kosten ausgegeben.
Schlussbemerkungen:Die Thematisierung von Gesundheitsfragen muss in allen Politikbereichen stattfinden. Die Entwicklung von
Gesundheitsförderung ist stark von deren Finanzierbarkeit abhängig.
Die Förderung von Gesundheit verursacht dem Staat, den Städten, den Organisationen zusätzliche Kosten da zunächst nur das bezahlt wird, was in deren Zuständigkeit fällt. Das Thema Gesundheit liegt aber quer zu allen Funktionen und Zuständigkeiten und schafft damit immer ein Finanzierungsproblem.
Bei der Bezahlbarkeit einer umfassenden Gesundheitsförderung der sollte Mut zur Entwicklung von Phantasien gestärkt werden.
Durch Ausbeutung und Vermarktung von natürlichen Umweltressourcen und deren verarbeiteten Produkten ebenso wie durch den Einsatz umweltschädigender Stoffe und Anlagen auf Kosten einer gesunden Lebenswelt wurde und wird nicht nur der sogenannte Fortschritt erreicht, sondern auch sehr viel Geld verdient.
Teile dieser Gelder könnten nun in Form von Investitionen in Gesundheit verwendet werden, um dem sozial-ökologischen Entwurf der WHO nachzukommen und weiterzuentwickeln.
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Ethische Aspekte:
Die WHO ist im Laufe ihres 50 jährigen Bestehens in ihrer Programmatik vom Paradigma der individuellen Krankheitsvermeidung zur öffentlichen Gesndheitsvorsorge in Form einer Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände übergegangen. Um das Spannungsfeld zu verdeutlichen, wie schwierig Entscheidungen zu Gunsten des Gemeinwohles sein können, möchte ich hier nach Rupert Lay ein Beispiel anführen:
Beispiel eines Gefangenen-Dilemmas, eines der bekanntesten spieltheoretischen Paradigmen:
Max und Moritz haben einen betrunkenen Bauern
überfallen, der zu einer genauen Identifizierung der
Täter nicht mehr in der Lage ist. Wohl aber führen
sie Waffen mit sich, als sie von der Polizei in der
Nähe des Tatortes aufgegriffen werden. Sie sitzen
nun in getrennten Zellen und warten auf den
Untersuchungsrichter. Beiden sind folgende
Möglichkeiten bekannt: Verweigern beide die
Aussage kann die Staatsanwaltschaft nur verbotenen
Waffenbesitz nachweisen. Beide erhalten dann 3
Monate Gefängnis. Gestehen beide drohen ihnen
Gefängnisstrafen von etwa 3 Jahren. Gesteht einer
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und belastet seinen nicht geständigen Komplizen,
kann er als Kronzeuge straffrei bleiben, während der
nicht geständigen Mittäter 5 Jahre Gefängnis
bevorstehen.
• egoistisch-rationale Entscheidung: Max gesteht und erhält in diesem Fall höchstens 3 Jahre Gefängnis oder aber er bleibt straffrei. Das individuelle Wohl wäre optimiert. • sozial-rationale Entscheidung: Max leugnet und beide zusammen erlitten den kleinstmöglichen Schaden (6 Monate Gefängnis). Das Gemeinwohl würde optimiert. Es kann also einen Widerspruch geben zwischen einer individuellen Rationalität, die den individuellen Schaden minimieren (bzw. das Eigenwohl optimieren) will, und einer Art kollektiver Rationalität, die den gemeinsamen Schaden minimieren (bzw. das Gemeinwohl optimieren) will.
Aufgabe der Ethik ist:
Die Ethik hat Regeln zu entwickeln, die, wenn sie von der Mehrheit der Menschen innerhalb eines sozialen Systems befolgt werden, das Gemeinwohl zugunsten der Menschen, die in diesem System (als dessen innere Umwelt) leben, optimiert. (Lay, Rupert.(1991). Ethik für Manager, Econ Verlag)
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Literatur:
• Amman, G., Wipplinger, R.: Gesundheitsförderung. Ein multidimensionales Tätigkeitsfeld. dgvt Verlag, Tübingen 1998.
• Borsi, G., Schröck, R.: Pflegemanagement im Wandel. Springer Verlag, Berlin 1995. • Bundesministeruim für Arbeit und Sozialordnung.: Sozialgesetzbuch. Stand: 15.02.1998. • Bundesumweltministerium (Hrsg.): Erneuerbare Energien und Nachhaltige Entwicklung. Bonn, 1999.
• Evers, G.: Theorien und Prinzipien der Pflegekunde, dt. Ausgabe. Ullstein Mosby Verlag, Berlin/Wiesbaden 1997.
• Kayser, B., Schwelfing,B.: Managed Care und HMO´s.Hans Huber Verlag, Bern 1998. • Kerres, A., Falk, J., Seeberger, B.: Lehrbuch Pflegemanagement. Springer Verlag, Berlin 1999.
• Knoche, M., Hungeling, G.(Hrsg.): Soziale und ökologische Gesundheitspolitik. Mabuse Verlag, Frankfurt a. M. 1998.
• Statistisches Bundesamt.: Gesundheitsbericht für Deutschland. Metzler Poeschel Verlag, Stuttgart 1998.
• Stenberg, A.: Umweltmedizin.Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996.
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Arbeit zitieren:
Marlene Felbinger, 2000, Grundlagenwerte der Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag GmbH
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