Zufriedenheit auf erden verlangt. Mephisto geht auf die Wette ein und versucht nun fortan,
genau diesen Augenblick zu beschaffen. Zuvor schlüpft er allerdings noch in die Rolle von
Faust und veralbert einen Schüler auf dessen Kosten. In „Auerbachs Keller“ trägt Faust an
einem Verbrechen indirekt Schuld, weil er Mephisto nicht abgehalten hat durch seine Magie
anderen Menschen zu schaden. In der „Hexenküche“ wird Faust verjüngt und er sieht
zukünftig in jeder Frau das Gesicht der schönen Helena. Mit „Straße 1“ beginnt die
Gretchentragödie.
In der „Nacht“ hält Faust einen Monolog über sein bisheriges wissenschaftliches Leben und
über die verlorene Freude am Leben.
Faust befindet sich „in einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer“ in dem er über alle
seine Wissenschaften („Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie!“
(V.354ff.), die er ihm Leben studiert hat, nachdenkt und sich trotzdem nicht klug vorkommt
(V.359). Er sieht ein, dass der Mensch nicht alles wissen kann und gerade diese Gewissheit
schmerzt ihn und stürzt ihn in eine tiefe Depression (V.364-370). Doch Faust hegt die
Hoffnung, dass er durch die Magie dieses Tief überwinden kann, indem sie ihm ermöglicht
neue Dinge zu lernen und dadurch sein Wissen vervollständigt ( V.377ff. ; „Dass ich erkenne,
was die Welt im Innersten zusammenhält“ (V.382f.)). Da dies für Faust nicht realistisch
erscheint, schwelgt er lieber in Erinnerungen über seine unnütze Mühe, die er in seine Arbeit
investiert hatte und möchte seinen Schmerz bekämpfen bzw. los werden, in dem er sich das
Leben nimmt (V. 386-397). Faust empfindet sein Zimmer als einen Kerker (V.398) in dem er
gefangen ist und fühlt sich von den Büchern, die sich überall befinden, eingeengt (V.402).
Hierbei handelt es sich aber um die wahre Welt von Faust, was er mit höhnischen Worten von
sich gibt („Das ist deine Welt!“(V409)).
Allein der Ort, indem sich diese Szene abspielt, lässt einiges über Fausts Gemütszustand
aussagen. Das hochgewölbte Zimmer steht für Fausts Streben nach oben und die Enge des
Zimmers steht für das Gefühl des Eingeengtseins, das Faust empfindet. Faust bemitleidet sich
selbst über die verschwendeten Jahre, die er der Wissenschaft geopfert hat, und trotzdem nicht
klüger geworden ist (V.359f.). Er erkennt zusätzlich, dass bloßer Wissensdrang nicht
ausreicht um alles Wissenswerte zu erfahren (V.364), trotzdem sieht er sich als gescheiter an
als die restlichen Bürger (V.366f.). Faust hat die Angst und seine Zweifel überwunden, doch
die Lebensfreude ist nicht zurückgekommen (V.368-370). Faust ist sich bewußt, dass er,
obwohl er alle mögliche Wissenschaften studiert hat, den Menschen nichts beibringen kann
und dadurch erneut erkennen muss, dass sein Wissen nicht ausreicht (V.371-373). Über diese
unüberwindbare Barriere ärgert er sich („saurem Schweiß“ /V.380)).Für Faust besteht der
Sinn des Lebens darin, dass er erkennt „was die Welt im innersten zusammenhält“(V.381f.),
da dies für einen Sterblichen nicht möglich ist, läßt sich daraus schließen, dass Faust so sein
möchte wie Gott. In den Versen 392 und 397 ist die Einwirkung des Sturms und Drangs auf
den Fauststoff sehr deutlich zu sehen. Faust erscheint mit einer, für die Sturm-und-Zeit
üblichen Naturverbundenheit ( „Bergeshöhn“(V.392); „Bergeshöhle“(V.394); „Wiesen“
(V.395); „Tau“ (V.397)). Faust träumt davon in einer Welt ohne „Wissensqualm“ (V.396) zu
leben, fernab von der zivilen Welt , abgeschotten in der Einöde („Bergeshöhn“(V.392)). Faust
ist durch sein ständiges Streben nach neuem Wissen in seinem Zimmer wie eingesperrt und
kann nicht einmal durch Gott, der versucht in diesen „Kerker“(V.398) einzubrechen, gerettet
werden („liebe Himmelslicht“=Gott (V.398)). Durch die verstaubten Bücher, den Würmern,
die sich in dem Zimmer befinden, und den unzähligen Büchern, die den Platz begrenzen, wird
deutlich, dass Faust sich in sein Zimmer oft zurückgezogen hat und völlig abgeschieden von
der Rest der Welt, dem Lernen nach Neuem nachgegangen ist (V.402-405). In dem letzten
Satz aus diesem Auszug fasst Faust für sich ein persönliches Resumé:“ Das ist deine Welt!
Das heißt eine Welt!“(V.409). Durch diesen Satz führt Faust sich selber vor, als würde er den
Finger auf sich zeigen und sagen: „Bist ja selber Schuld, dass es soweit gekommen ist!“. Mit
dem zweiten Satzteil macht Faust deutlich, dass es nicht nur ihm so geht, sondern allen
Menschen. Doch durch den Erkenntnisdrang, der in Faust steckt, ist er verwundbar und lässt
sich später durch Mephisto manipulieren.
Der Monolog von Faust ist hauptsächlich in Knittelversen geschrieben, dabei handelt es sich
um Vierheber mit unregelmäßiger Taktfüllung, die ein Kreuzreimschem aufweisen. Durch
diese Unregelmäßigkeit entsteht ein unruhiger Rhythmus, der die Heftigkeit und
Unausgeglichenheit Fausts widerspiegelt. Generell ist bei der Sprache von Faut abzulesen, in
welchem Gemütszustand er sich befindet. Bei Vierhebern mit regelmäßiger Taktfüllung
entsteht ein ruhiger Rhythmus, der einen ruhigen und nachdenklichen Faust widerspiegelt. In
den Sätzen von Faust werden häufig am Ende Ausrufezeichen gesetzt („Da steh ich nun ich
armer Tor! (V.358); „Und sehe, dass wir nichts wissen können!“ (V.364); „Es möchte kein
Hund so länger leben! (V.376).
Für Faust bedeutet die Forschung alles und er würde alles dafür geben um neues Wissen zu
erlangen. Dieser Drang ist so stark, dass er einen Pakt mit dem Teufel schließt
(„Studierzimmer“ V.1527-1867). Im alltäglichen Leben verbirgt Faust sein Wissen nicht, das
heißt, er fühlt sich den restlichen Bürgern deutlich überlegen und auch die Bürger sehen zu
ihrem Faust hoch, dies wird vor allem in der Szene „Vor dem Tor“ deutlich. Faust ist ein
Einzelforscher. Er liebt es den Dingen auf den Grund zu gehen und alles genau zu wissen. Da
sich aber Faust für etwas besseres hält und sehr egoistisch ist, bleibt die Frage offen, ob er
überhaupt genießen und auskosten könnte, wenn er eine Entdeckung nicht alleine machen
würde. Da er alleine forscht und sich niemanden anpassen muss, kann er sein egoistisches
Wesen vollkommen ausbreiten und muss sich nicht gegen etwaige Auseinandersetzungen zur
Wehr setzen, wie die unterschiedlichen Auffassungen von der Wissenschaft zwischen ihm
und Wagner („Vor dem Tor“ (V.1011-1177). Für Faust ist es nicht wichtig mit der
Wissenschaft Geld zu verdienen. Er sieht seinen Vater, der die Wissenschaft dafür
missbraucht hat, als schlechtes Vorbild und möchte nie so werden wie er („Mein Vater war
ein dunkler Ehrenmann“(V.1034); (V.1035-1055)). Faust ist ein Universalgenie, das heißt, er
ist in allen Bereichen ein Genie und lässt dies seine Mitmenschen spüren.
Galileo Galilei sieht die Wissenschaft als Mittel zum Zweck an, die Wissenschaft ist solange
alles für ihn, bis er sich für sie einsetzen muss und dadurch womöglich sein eigenes Leben
aufs Spiel setzt oder wenn er für seine erforschte Wissenschaft nicht genug Geld bekommt.
Durch seine Forschungen vernachlässigt er seine Tochter und durch seinen Starrsinn, was
seine Forschung betrifft, verlässt der Verlobte seine Tochter. Galilei arbeitet in einer
Forschergruppe, in der er vor allem von dem jungen Andrea angehimmelt wird, da dieser in
ihm die Vaterfigur findet. Bei seinen Entdeckungen wurde Galilei von der Kirche behindert
und musste öffentlich seine Theorien über Kopernikus zurücknehmen. Dies tat er auch um
dich selbst zu schützen und weiterhin im Luxus leben zu können.
Möbius verbirgt sein Wissen als Schutz vor der Menschheit, da durch seine Entdeckungen,
die Menschen gefährdet werden könnten, wenn sie in die falschen Hände gelangen würden.
Um dies zu verhindern befindet er sich in einer Irrenanstalt und spielt einen Verrückten. Um
die Sicherheit der Menschheit weiter zu garantieren, begeht Möbius einen Mord. Er bringt
eine Krankenschwester, seine heimliche Geliebte, um, weil sie mit ihm fliehen wollte und
dadurch die Menschheit wieder in Gefahr gebracht worden wäre. Die Ausübung der
Wissenschaft ist für Möbius so wichtig, dass er sich in eine Irrenanstalt sperren lässt und seine
Frau und seine Kinder im Stich lässt.
Faust, Galilei und Möbius haben eine unterschiedliche Auffassung der Wissenschaft. Für
Faust geht die Wissenschaft über alles, Galilei findet die Wissenschaft gut, solange er Geld
dafür bekommt und nicht in Gefahr ist und Möbius sieht die Wissenschaft als Gefahr für die
Menschheit an und kapselt sich deshalb vollständig von der Außenwelt ab. Sowohl Galilei als
auch Faust leiden unter Größenwahn, dies kommt vor allem beim Umgang mit anderen
Menschen zum Ausdruck. Galilei und Möbius vernachlässigen beide ihre Familien und Faust
ist, bevor er Gretchen kennenlernt, so einsam, dass er sich Gedanken macht, sich selbst zu
töten. Sowohl Faust als auch Möbius sind Einzelforscher, obwohl Faust sein Wissen nicht
verbirgt und andere daran teilhaben lässt. Möbius behält sein Wissen für sich um die
Menschen zu schützen.
Wie schon der Herr im Prolog des Himmels sagte, „Es irrt der Mensch, solange er strebt.“
(V.317). Faust bemerkt immer zu spät wenn er etwas falsch gemacht hat. Er kann aus diesen
Fehlern nicht lernen, solange er seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat.
Quelle: Der Tragödie Erster Teil, Faust Der Tragödie Erster Teil , Reclam, Ausgabe 2000
Arbeit zitieren:
Simone Müller, 2003, Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Der Tragödie Erster Teil, München, GRIN Verlag GmbH
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felix *******
also erstmal danke für's uploaden ;)
beim ersten durchlesen sind mir allerdings einige sachen aufgefallen...
faust bezeichnet seinen vater als "dunklen ehrenmann", damit wertet er aber nicht. ein dunkler ehrenmann ist eine bezeichnung für "alchimst". ein alchimist ist schlicht ein mittelalterlicher chemiker.
faust will sich nicht aus einsamkeit das leben nehmen, sondern weil er hofft dadurch den "erkenntniskick" zu bekommen..
aber sonst echt gut :)
thx
am Tuesday, January 05, 2010-