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Gliederung
1 Einleitung: Digital Divide allgemein, Kluft Höher- und Weniger
Gebildete. 3
2 Hauptteil: Die Sesamstraße als Ansatz zur Behebung des Digital
Divide zwischen den Klassen. 3
2.1 Wirkung des Fernsehens auf Kinder im Allgemeinen. 3
2.2 Sesamstraße
2.2.1 Entstehung der Sesamstraße: Gründe, Entwicklung. 4
2.2.2 Beschaffenheit der „Sesamstraße“: Figuren, Lehrmethoden,
Lernfaktoren. 5
2.2.3 Ergebnisse der „Sesamstraße“ 8
2.2.4 Kritik an der Sesamstraße. 8
3 Schluss: Reaktion auf Einschaltquoten, Verlagerung zum „Spaß-
Fernsehen “, Kommerz 11
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Der Begriff „Digital Divide“ beschreibt das Problem der Wissenskluft, deren Diskussion ihren Ursprung bereits 1970 an der Minnesota Universität hatte, wobei er heute die Verstärkung der Kluft durch die Neuen Medien mit einbezieht. Der Digital Divide besteht zwischen den verschiedensten Gruppen: a) Arm und Reich, vor allem zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern, b) aber auch innerhalb der einzelnen Länder zwischen den sozial besser und schlechter gestellten Schichten; c) Land und Stadt; d) Mann und Frau, da sich die Frauen lange Zeit nicht im selben Maße wie die Männer an die Neuen Medien heran wagten; e) Jung und Alt, da es jungen Menschen leichter fällt, sich auf die Neuen Medien einzulassen; und f) Gesunden und Behinderten, da letzteren oft die physischen Möglichkeiten fehlen, sich im selben Maße mit den Neuen Medien auseinander zu setzen wie gesunde Menschen.
In dieser Hausarbeit möchte ich mich jedoch vor allem mit einer bestimmten Kluft und einem Versuch, sie zu verringern beschäftigen, mit der Kluft zwischen den Höher- und weniger Gebildeten. Diese Kluft hängt eng mit der Kluft zwischen Arm und Reich zusammen: Menschen mit niedrigerer Bildung verdienen meist weniger Geld und können es sich deshalb nicht leisten, ihre Kinder auf höhere Schulen zu schicken. Sie müssen viel arbeiten, um ihr Geld zu verdienen und haben weniger Zeit, sich um ihre Kinder und deren Bildung zu kümmern. Oft sehen sie auch den Zweck einer höheren Bildung nicht ein. So entsteht ein Teufelskreis.
Diesem Kreis versuchte man zu entkommen, indem man Wissen über einen Kanal vermitteln wollte, der auch Leuten mit weniger Geld größtenteils zur Verfügung stand: dem Fernsehen.
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Die Sesame Street, Vorbild für die deutsche Sesamstraße, wurde in Amerika als Versuch entwickelt, die Kluft zwischen sozial schwächeren und stärkeren Schichten zu beheben. Wie kam man plötzlich auf das Fernsehen als Vermittler von Bildung für Kleinkinder? „Da Kindergärten und Personal fehlten, bot sich als privater und billiger Lückenbüßer einer versäumten Bildungsplanung das Fernsehen an, dessen Beliebtheit auch bei den Kleinsten nun nicht mehr verschwiegen zu werden brauchte.“ 1
Das Fernsehen musste als Bildungsmedium dienen, da die traditionellen Instanzen der Vorschulerziehung nicht fortschrittlich und erfolgreich genug waren, dem Staat für eine Reform jedoch das Geld fehlte. Das Fernsehen als Bildungsmedium eignete sich hingegen sehr gut: Es war bereits - auch bei den sozial schwächeren Schichten - weit verbreitet: Schon in den 60er Jahren hatten 96 Prozent der amerikanischen Familien ein Fernsehgerät, als intensivste Fernsehzuschauer galten die zwei- bis fünfjährigen Kinder, deren durchschnittlicher Fernsehkonsum bei ungefähr 50 Wochenstunden lag 2 . Außerdem war das Fernsehen ein relativ kostensparendes und einflussreiches Medium, das bereits sowieso genutzt wurde. Die Hemmschwelle auf der einen Seite, neue Lernprogramme ins Fernsehen einzubringen und sie - auf der anderen Seite - zu nutzen war also sehr gering.
Fernsehen hat außerdem einen sehr großen Einfluss auf Kinder. Sie setzen sich mit den Inhalten vor allem in emotionaler Betroffenheit auseinander, da ein Kleinkind noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Durch den Mangel an eigener Erfahrung betrachten Kinder das Fernsehen kritiklos und glauben an die höheren Mächte, die ihnen im Fernsehen vermittelt werden. So wurde das Fernsehen als ideales Bildungsmedium betrachtet. Dennoch steckt in dieser Tatsache auch die Gefahr, dass Kinder durch Fernsehen manipuliert werden können.
Die Idee zur Sesame Street stammt aus Amerika. Durch den Sputnik-Schock - die Tatsache, dass die Russen zuerst im Weltraum waren - hatte man in den USA das Gefühl, sich stärker für die Bildung des Landes einsetzen zu müssen. Der erste Plan für eine Bildungssendung entstand im November 1968, als man sich entschloss, eine neuartige Fernsehserie für Kleinkinder zu entwerfen, die vor allem Kindern aus sozial schwachen Schichten einen besseren Schulstart ermöglichen sollte 3 . Im März wurde der Children’s Television Workshop (CTW) gegründet. (Heute existiert der CTW unter dem Namen Sesame Workshop mit der Internetseite www.sesameworkshop.org weiter.) Innerhalb dieses Workshops fanden fünf Seminare unter der Leitung von Gerald Lesser, einem Professor an der Graduate School of Education in Harvard, statt. Beteiligt waren auch Psychologen, Psychiater, Lehrer,
1 Kübler, Hans-Dieter/Lipp, Claudia: Kinderfernsehen versus Kinder sehen fern, in Kreuzer, Helmut/Prümm, Karl
(Hrsg.): Fernsehsendungen und ihre Formen, S. 212
2 http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/geschichte.html
3 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 90
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Soziologen, Filmemacher, TV-Produzenten, Kinderbuchautoren und Werbefachleute. Man formulierte konkrete Lernziele und setzte sich mit deren Umsetzung auseinander. Aufgabe der Filmemacher und TV-Produzenten war dabei, die speziellen Produktionstechniken des Fernsehens für die Wirksamkeit der Sendung auszunutzen, wie die kurzen, wiederholten Spots der Werbung, die bei Kindern Aufmerksamkeit und Lerneffekt erzielen. Prototypen, die nach den Ergebnissen der Seminare entwickelt worden waren, mussten eine Feldstudie durchlaufen, in der sie auf ihre Tauglichkeit getestet und anschließend noch einmal überarbeitet wurden. Im November 1969 wurde die Sesame Street das erste Mal landesweit ausgestrahlt 4 .
Auch in Deutschland kam man auf die Idee, das Fernsehen als Bildungsmedium für sozial schwächere Schichten zu nutzen. Im Juli 1969 startete der Saarländische Rundfunk eine Pilotstudie, die sich damit beschäftigte, ob und in welcher Weise das Fernsehen einer Vorschulerziehung dienen könnte 5 . Einige Erkenntnisse aus dieser Studie wurden in einem Vorläufer der deutschen Sesamstraße, der Spielschule, umgesetzt 6 . Die Sesame Street lernten deutsche Fernsehmacher erst 1970 beim „Prix Jeunesse“, einem internationalen Wettbewerb für Kinder- und Jugendsendungen, in München kennen. Daraufhin begann eine Auseinandersetzung um die Rechte an der Sendung: Da der CTW ein pädagogisches Ziel verfolgte, das ZDF das Projekt aber hauptsächlich unter geschäftlichen Gesichtspunkten sah, wurden die Rechte schließlich an den NDR vergeben. Die Amerikaner forderten für die Fernsehrechte, einschließlich der Nebenrechte für die Puppen und Bücher, 450.000 Dollar für die Dauer eines Jahres. Die Bundesregierung zeigte großes Interesse an bundesweiter Vorschulerziehung, und so förderte sie das Projekt „Sesamstraße“ mit drei Millionen DM 7 . Außerdem wurde eine „Arbeitsgruppe Sesamstraße“ gegründet, da man sich einig war, dass die Sendung für die Ausstrahlung in der Bundesrepublik überarbeitet werden müsse. Die Arbeitsgruppe sollte sich mit inhaltlichen und formalen Fragen beschäftigen und eine stärkere Konzentration auf die Förderung des sozialen Lernens in den deutschen Folgen bewirken. Die erste deutsch bearbeitete Folge der Sesamstraße wurde am 8. Januar 1973 um 9.30 Uhr in den Ersten und Dritten Fernsehprogrammen ausgestrahlt 8 . 9
4 medien praktisch, Artikel von Winterhoff-Spurk, Auf dem Weg in die mediale Klassengesellschaft?, S. 19
5 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 91
6 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 92
7 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 101
8 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 103
9 Der Bayrische Rundfunk lehnte eine Ausstrahlung jedoch ab. Er war mit dem pädagogischen Konzept der
Sendung nicht einverstanden. Die Serie sei veraltet, das Auffassungsvermögen der Kinder werde überfordert und
die Lebenswelt der Kinder (Slum- und Rassenproblematik) stimme nicht überein. Ferner sei die Sesamstraße
nach den Prinzipien der Werbung - kurze Spots, viele Wiederholungen - konzipiert.
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Für die deutschen Folgen der Sesamstraße wurde ein Lernzielkatalog ausgearbeitet, der besonders das soziale Lernen in den Mittelpunkt rückte. Dabei erkannte man, dass vor allem die ökonomischen Verhältnisse wichtige Ursachen für die unterschiedlichen Sozialisationsprozesse in den USA und Deutschland waren. So waren zum Beispiel Szenen, die in amerikanischen Slums stattfanden, für eine Ausstrahlung in Deutschland nicht geeignet, da die Lebenswelt der Kinder hier eine ganz andere war. Schwerpunktziele, die die Arbeitsgruppe Sesamstraße in Bezug auf das soziale Lernen schließlich festlegte, waren Förderung der Selbstständigkeit, Erhöhung der Frustrationstoleranz, Emotionen, Bedürfnisse und Interessen der anderen respektieren, Hilfsbereitschaft fördern, Regeln des Zusammenlebens beachten, Bereitschaft zum kooperativen Handeln und die Vermittlung von Konfliktsituationen und Konfliktlösungsstrategien. Auch die Vermittlung von Medienkompetenz spielte dabei eine wichtige Rolle: Medienkompetenz sollte sich dabei nicht auf die technischen Fertigkeiten im Umgang mit Medien beschränken, sondern auch die gezielte Auswahl, kritische Bewertung und das richtige Einsetzen von Medien und Medieninhalten einschließen. Man muss also den Kindern zeigen, dass das, was sie im Fernsehen sehen, eine künstliche produzierte Realität, ein Film, ist; andernfalls besteht die Gefahr, dass die Kinder eine falsche Realitätssicht entwickeln. Auch wirkt diese Darstellung einer zu starken emotionalen Bindung an die Personen und Puppen der Sesamstraße entgegen, die die Kinder manipulieren könnte.
Das Konzept der Sesamstraße heute besteht aus Einspielfilmen, die vor allem kognitives Wissen vermitteln, beispielsweise wie eine Tasse hergestellt wird. Diese Einspielfilme sind umschlossen von einer Rahmenhandlung mit den Muppets, die vor allem das soziale Lernen fördern sollen. Dr. Jan-Uwe Rogge, der medienpädagogische Berater der Sesamstraße, sagt dazu: „Hier geht es um Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Vertrauen in die eigene Toleranz, das menschliche Miteinander, die kind- und altersgerechte Lösung von Problemen.“ 10 Zu diesem Zweck hat jede Puppe ihren eigenen Charakter und dient als Vorbild. Im Miteinander der Puppen lernen die Kinder den sozialen Umgang mit anderen Menschen. Im Folgenden möchte ich einige der Figuren vorstellen.
10 http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/rogge.html
Außerdem spielen auch ein paar menschliche Moderatoren in der Rahmenhandlung mit: Caro (Miriam Krause) und Nils (Nils Julius) sind ein Pärchen und führen einen Obst- und Gemüseladen. Nach der Aussage von Nils Julius sind sie keine „Erziehungsapostel, sondern eher Freunde für die Puppen.“ 11 Dirk Bach spielt den Zauberer Pepe, der als neuer Nachbar von Samson im Jahr 2001 in die Sesamstraße einzog. Aufgrund der Aussagen von Julius selbst kann man sagen, dass Erwachsene in der Sesamstraße nicht realitätsnah dargestellt werden.
Im Laufe der Zeit wurde der Bezug von Rahmengeschichte und Einspielfilmen verdichtet, so dass eine Sendung nun ein Thema von verschiedenen Seiten genau behandelt. Außerdem werden die Geschichten dichter und kürzer erzählt, was der heute immer mehr abnehmenden Aufmerksamkeitsspanne von Kindern entspricht.
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Dass das Konzept der Sesamstraße sehr erfolgreich ist, lässt sich kaum bestreiten; stolz berichtet das Team auf der Homepage: „Dass die Macherinnen und Macher der Kindersendungen mit ihrem Konzept auch nach 27 Jahren noch up-to-date sind, beweist ein begeistertes Stammpublikum: In ihrer Zielgruppe, den Drei- bis Sechsjährigen, hat die "Sesamstraße" in N3 einen Marktanteil von über fünfzig Prozent.“ 12
Das erfolgreiche Konzept wird auch in anderen Ländern übernommen: In einer Meldung vom 8. Juli 2003 berichtet die Neue Züricher Zeitung davon, dass nun auch in Palästina eine neue Sesamstraße entstehen soll. Für diese Fassung wurden neue, speziell auf Palästina zugeschnittene Figuren mit eigenen Charakteren geschaffen: Karim ist ein farbenfroher Hahn und Hanin ein kleines Monster in quietschendem Orange.
„Von uns Arabern heißt es immer, dass Zeit für uns keine Rolle spielt, [...] deswegen ist Karim ein Hahn, dem an Pünktlichkeit liegt. Außerdem wollten wir einen stolzen Charakter, da sich unsere Kinder unter der israelischen Besatzung mit ständigen Demütigungen und Minderwertigkeitsgefühlen plagen“, erklärt Fernsehdirektor Daoud Kuttab. 13 Hanin ist eine Ghul, ein menschenfressendes Wesen, das in vielen Märchen der Region auftaucht. Als lustiger, charismatischer Charakter soll sie den Kindern die Angst vor diesen Wesen nehmen. Außerdem gibt es da noch Battuta, einen kleinen Jungen mit Fotoapparat, der in den palästinensischen Gebieten von Ort zu Ort fliegt. So lernen die Kinder, die wegen Mobilitätseinschränkungen in den besetzen Gebieten nichts außerhalb ihres eigenen Dorfes kennen, diese Orte wenigstens über das Fernsehen kennen. Auch die vielen innergesellschaftlichen Konflikte und Vorurteile, z.B. gegen Christen, Muslime, Frauen und Behinderte, werden kindgerecht angesprochen.
12 http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/geschichte.html
13 http://www.nzz.ch/2003/07/08/fe/page-article8WF6P.html
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Selbstverständlich ist das Lernen aus dem Fernsehen, egal in welchem Land, immer abhängig von einigen Faktoren:
der Seh-Situation. Kann das Kind die Sesamstraße in seinem eigenen Zimmer oder - einemanderen ruhigen Ort anschauen, oder sitzt es im Wohnzimmer zwischen Geschwistern und Eltern, die sich unterhalten, und kann sich nicht auf die Lerninhalte konzentrieren?
der sozialen Schichten und der Unterstützung durch die Eltern. Obwohl die - Sesamstraße fürKinder aus den sozial schwächeren Schichten konzipiert wurde, spielt es dennoch eine Rolle, aus welcher Schicht sie kommen. Je nach Erziehungsstil holen Kinder aus dem Sendungsangebot offenbar ganz unterschiedliche Botschaften heraus oder interpretieren sie sogar hinein; und damit tragen sie ganz unterschiedliche Lernerfolge davon. Professor Berghaus schreibt: „’Sesamstraße’ wirkt in wünschenswerter Weise auf Kinder, deren Mütter tolerant und liebevoll sind, und auf Kinder, deren Mütter mit dem Kind besprechen, was es im Fernsehen gesehen hat; ‚Sesamstraße’ wirkt aber eher ungünstig auf Kinder, deren Mütter streng und abweisend zu ihnen sind und die über das im Fernsehen Gesehen nicht mit ihnen sprechen.“ 14 Er meint, Kinder aus sozial stärkeren Schichten gingen von einer günstigeren Rezeptionssituation aus. Diese Ansicht wird durch die Elternbefragung, die Michael Brockerhoff 1987 veröffentlichte, unterstützt: Er kam zu dem Ergebnis, dass die Sesamstraße besonders dann große Wirkung zeigt, wenn sie mit dem „Erziehungsstil [...] der Eltern übereinstimmt.“ 15 der persönlichen Befindlichkeit. Ist das Kind aufgeregt, traurig oder allgemein in - einemunausgeglichenen Zustand, beeinträchtigt dies das Lernen. der Entwicklung des Kindes, sowohl intellektuell, affektiv als auch sozial. Wie viele - Inhalteder Sesamstraße das Kind verstehen und übernehmen kann hängt davon ab, wie weit es bereits über diese Sachen Bescheid weiß.
In Amerika wurde nach der ersten Sendeperiode 1970 und 1971 vom Educational Testing Service eine summative Evaluation der Sendung durchgeführt. Rund 1000 Vorschulkinder mussten einige Tests (Buchstaben-, Zahlen-, Figuren-, Form-, Sortier-Test, Verwandte-Begriffe-Tests usw.) durchführen, um die Wirkungen der Sesamstraße aufzuzeigen. Dabei kam man auf folgende Ergebnisse 16 :
14 http://webtracking.org/skripte/berghaus/ws0203/VLWS02_K8.pdf
15 Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, S. 218, 219
16 medien praktisch, Artikel von Winterhoff-Spurk, Auf dem Weg in die mediale Klassengesellschaft?, S. 20
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Die Kinder, die die meisten Sendungen gesehen hatten, zeigten den größten - Lernfortschrittbei den durchgeführten Tests. Dies ist nicht verwunderlich, denn die Tests bezogen sich auf das Wissen, das in der Sesame Street vermittelt worden war. Die Dreijährigen profitierten am meisten, vor allem ihr Wortverständnis nahm zu. Man - untersuchtenicht weiter, woran das lag. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass vor allem die Kinder in sozial schwächeren Schichten, in denen beide Eltern berufstätig und nicht zu Hause sind, durch die Sesamstraße sehr viel mehr „verbale Zuwendung“ bekommen hatten.
Kinder aus ethnischen Minderheiten zeigten mehr Stolz auf ihre Herkunft, weiße - Kinderwaren toleranter gegenüber anderen ethnischen Gruppen. Dieser Effekt zeigt, dass das soziale Lernen an Puppen durchaus erfolgreich sein kann.
Auch in Deutschland wurden die Wirkungen der Sendung untersucht. Man kam zu gleichen Ergebnissen. Nachdem in Deutschland aber mehr Gewicht auf die Entwicklung des Sozialverhaltens gelegt worden war, konnte man hier auch entsprechend abweichende Ergebnisse feststellen: Die Kinder orientierten sich stärker an den Wünschen, Verhaltensweisen und Zielen ihrer Mitmenschen und schienen kompromissbereiter. Allgemein schienen diesen Kindern die Regeln des sozialen Zusammenlebens früher bewusst zu sein, als dies ohne die Sesamstraße der Fall gewesen wäre. 17 Die Neigung der Kinder zu unangemessenem Verhalten gegenüber ihren Eltern nahm ab, die Kinder wurden ausgeglichener. Auch das Verhalten der Kinder untereinander wurde angepasster und kooperationsbereiter. 18
Nach diesen durchwegs positiven Ergebnissen der Studien könnte man die Sesamstraße für das perfekte Bildungswerkzeug halten. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass diese Studien von den Machern der Sesamstraße veranlasst und veröffentlicht wurden, und diese dabei kaum negative Ergebnisse verbreitet hätten.
17 medien praktisch, Artikel von Winterhoff-Spurk, Auf dem Weg in die mediale Klassengesellschaft?, S. 20
18 http://userpage.fu-berlin.de/~tietjen/dateien/sesamstrasse.ppt
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Die Sesamstraße startete einst mit dem Motiv, Kindern aus sozial schwächeren Schichten ein besseres Lernen zu ermöglichen. Doch leider wurde, trotz anfänglich guten Willens, auch die Sesamstraße immer mehr kommerzialisiert. Im Jahr 2000 wurde Dirk Bach als der „Zauberer Pepe“ als Teil des „neuen Comedy-Konzept[s]“ 19 eingeführt, und vermehrt prominente Gaststars sollen für noch mehr Spaß sorgen. Die Sesamstraße wird oberflächlicher und wandelt sich zu immer mehr Unterhaltung, da man sich inzwischen hauptsächlich an den Quoten orientiert. Diese Orientierung zeigt sich auch in der Verlegung des Sendeplatzes von 18 Uhr abends zu 7.30 Uhr in der Früh, im Kinderkanal zusätzlich noch um 12 Uhr mittags. Im Vorabendprogramm brachte die Sendung nicht genug Quoten, an den neuen Sendeplätzen verfehlt sie ihren Zweck: Zu diesen Zeiten sind die Kinder entweder unterwegs in den Kindergarten oder beim Mittagessen, die Eltern - gerade um die Mittagszeit - auch beschäftigt. Somit wird den Eltern die Möglichkeit genommen, die
19 http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/chronologie.html
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Bibliographie
Kübler, Hans-Dieter/Lipp, Claudia: Kinderfernsehen versus Kinder sehen fern, in - Kreuzer,Helmut/Prümm, Karl (Hrsg.): Fernsehsendungen und ihre Formen; Stuttgart: Reclam 1979
medien praktisch, Zeitschrift für Medienpädagogik, Heft 91, Juli 1999, Hrsg.: - Gemeinschaftswerkder Evangelischen Publizistik, Artikel von Peter Winterhoff-Spurk, Auf dem Weg in die mediale Klassengesellschaft?, S. 17 - 21
Paus-Haase, Ingrid; Soziales Lernen in der Sendung „Sesamstraße“, 1986, Minerva- - PublikationSaur GmbH, München; ISBN 3-598-10260-3
Internetquellen:
http://userpage.fu-berlin.de/~tietjen/dateien/sesamstrasse.ppt - http://webtracking.org/skripte/berghaus/ws0203/VLWS02_K8.pdf,von dort Zitat eines - Auszugesaus Berghaus, Wie Massenmedien wirken. In: Rundfunk und Fernsehen 47, 1999/2, S. 181 - 199, Zitat S. 188 f. (keine Angaben zum Herausgeber)
Seiten des NDR zur Sesamstraße
http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/chronologie.html - http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/geschichte.html - http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/neue.html - http://www.ndr.de/tv/sesamstrasse/rogge.html - http://www.nzz.ch/2003/07/08/fe/page-article8WF6P.html - http://www.sesameworkshop.org -
Arbeit zitieren:
Monika Moras, 2003, Die Sesamstraße als Ansatz zur Behebung des Digital Divide zwischen den Klassen, München, GRIN Verlag GmbH
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