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INHALTSVERZEICHNIS
THESENBLATT II
1 EINLEITUNG 1
2 HISTORISCHE ENTWICKLUNG 2
2.1 Geschlechterforschung der Frühmoderne 2
2.2 1st Wave 5
2.3 2nd Wave 9
2.4 3rd Wave 10
3 DIE THEORETISCHEN KONZEPTE 11
3.1 Exkurs Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp,
Geschlechterrolle 12
Geschlechteridentifikation 12
Geschlechtsstereotyp 14
Geschlechterrolle 16
3.2 Frauenforschung 18
3.3 Geschlechterforschung 20
3.4 Die Dekonstruktion von Geschlecht 21
4 LITERATURVERZEICHNIS 25
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2 Historische Entwicklung
2.1 Geschlechterforschung der Frühmoderne
Nach der Französischen Revolution 1789 Entwicklung der Geschlechtscharaktere
Ein Kompendium der ökonomischen Gedanken des 18. Jahrhunderts. Leitet die moderne Ökonomie ein. Teilung des Oikos in Marktwirtschaft und Hauswirtschaft.
Lorenz von Stein: 1886 „Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie“
Beide Geschlechter bilden den Sozialkörper. Der Mann formt das Äußere, die Frau das Innere. Der Mann ist für Produktion, die Frau für Konsumtion und beide für die Reproduktion zuständig. Wenn die Frau arbeitet wird sie zu einer weiblichen Form des Mannes. Frauenarbeit basiert auf Liebe: Dh. das Haus ist eine Sphäre des Genusses; Dh. Frauenarbeit bleibt ohne Lohn.
2.2 1 st Wave
Elisabeth Cady Staton: 1848 „Decleration of Sentiments“
Beinhaltet 16 Punkte zur spezifischen Unterdrückung der Frau betreffend Ehe, Kindererziehung, Politik, Arbeit, Lohn, Bildung und Religion. Zentrale Forderung der Suffragettenbewegung ist das Frauenwahlrecht.
John Stuart Mill, Harriet Taylor Mill, Helen Taylor: 1869 „Die Hörigkeit der Frau“ Der Unterschied der Geschlechter ist konstruiert. Die Frau kann nur indirekt Macht ausüben. Die Ehe ist eine Konstruktion, die das Geschlechterverhältnis institutionalisiert. Die Frau ist die Favoritin des Mannes.
Simone de Beauvoir: 1949 „Das andere Geschlecht“ „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“
Als Begründerin des feministischen Existentialismus transformiert sie die männlich orientierte philosophische Position zu einem In-der-Welt-Sein der Frau. Analyse der Diskurse, die der Frau die Rolle des minderwertigen, schwachen, anderen Geschlechts zuweisen.
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2.3 2 nd Wave
Blickverschiebung von Frauenunterdrückung zu weiblicher Produktivität. Trennung zwischen Sex und Gender. Die Differenz zwischen Frauen und Männern soll positiv umgewertet werden. Differenzansatz: Theorie - Suche nach den verschütteten Wurzeln der
2.4 3 rd Wave
Ausdifferenzierung von sex und gender. Entdeckung der Geschichtlichkeit sexueller Identität. Perspektivenwechsel von der Ereignis- und Politikgeschichte zur Mentaltäts, Alltags- und Kulturgeschichte. Die Differenzen zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren werden wahrgenommen.
3 Die theoretischen Konzepte
3.1 Exkurs Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp, Geschlechterrolle
Geschlechtsrollenidentifikation: Übernahme von maskulin bzw. feminin geltenden Symbolen, Interessen und Rollen
Geschlechtstypische Verhaltensweise: Kommen bei beiden Geschlechtern vor, aber verschieden häufig.
Geschlechtsspezifische Verhaltensweise: Sind auf ein Geschlecht beschränkt. Geschlechtscharakter: männlicher GC -aktiv und rational weiblicher GC - passiv und Emotional
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3.2 Frauenforschung
3.3 Geschlechterforschung
3.4 Die Dekonstruktion von Geschlecht
Literatur
Alfermann, Dorothea: Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten. Stuttgart, Berlin, Köln 1996; Axeli Knapp, Gudrun; Wetterer Angelika: Achsen der Differenz: Gesellschaftstheorie und feministische Kritik II. Forum Frauenforschung Bd. 16. Münster 2003; Beauvoir, Simone de: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek 1968; Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001; Benhabib, Seyla; Butler, Judith; Cornell, Drucilla; Fracer , Nancy (Hrsg.): Der Streit um Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt am Main 1993; Birbaumer, Nils; Schmidt, Robert: Biologische Psychologie. Berlin,
Heidelberg 1999; Bublitz, Hannelore: Judith Butler zur Einführung. Hamburg 2002; Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main 1991; Cordes, Mechthild: Die ungelöste Frauenfrage. Frankfurt am Main 1995; Derrida, Jaques: Die Schrift und die Differenz. Frankfurt am Main 1977; Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. 4. Auflage. München, Zürich 1997; Faulstich-Wieland, Hannelore: Geschlecht und Erziehung. Darmstadt 1995;
Hausen, Karin: Die Polarisierung der Geschlechtscharaktere - Eine Spiegelung der Dissozialisation von Erwerbs- und Familienleben. In: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976; Jahoda, Marie: Freud and the Dilemmas of Psychology . London 1977; Klinger, Cornelia: Eine Fallstudie zum Thema postmoderne Philosophie der Weiblichkeit: Jaques Derrida, Sporen: Die Stile Nietzsches. In: Amstutz, Nathalie; Kuoni, Martina (Hrsg.): Theorie, Geschlecht, Fiktion. Frankfurt am Main 1994; Mill, John Stuart;Taylor Mill, Harriet; Taylor, Hellen (1869): Die Hörigkeit der Frau. Frankfurt am Main, 1991; Mühlen Sachs, Gitta: Geschlecht bewusst gemacht. Körpersprachliche Inszenierungen. Ein Bilder und Arbeitsbuch. München 1998; Schwarzer, Alice: Ein Turm für Frauen allein. In:
Schwarzer, Alice (Hrsg.): Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMedia-Turm. Köln 1994; Smith, Adam (1776): Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München 1990; Stein, Lorenz von: Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie. In:
Ute Gerhard: Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahr-hundert. Dokument Nr. 11. 6. Auflage. Stuttgart 1978; Ursula Beer: Objektivität und Parteilichkeit - ein Widerspruch in feministischer Forschung? Zur Erkenntnisproblematik von Gesellschaftsstruktur. In: Ursula
Beer (Hrsg.).: Klasse Geschlecht, Feministische Gesellschaftsanalyse und Wissenschaftskritik. Bielfeld 1987;
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Wickler, Wolfgang; Seibt, Ute: Männlich Weiblich. München 1983; Women's Rights Convention: Declaration of Sentiments. Women's Rights Convention in the United States, held in Seneca Falls, New York, the
nineteenth and twentieth of July, 1848. 24/03/1998, http://www.rochester.edu/SBA/declare.html
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Einleitung Einleitung
1 EINLEITUNG
Die historischen Grundbedingungen des so genannten 1 st Wave, 2 nd Wave und 3 rd Wave sollen nachfolgend bearbeitet werden. Bemerkenswert in der nun seit 155 Jahren dauernden historischen Entwicklung ist das immer wieder kehrende Verschütten von Erkenntnissen. Alice Schwarzer fasst diesen Umstand folgend zusammen:
„Jahrhundertelang wurde [...] Männergeschichte gemacht, konnten Männer auf dem aufbauen, was andere Männer vor ihnen gedacht, gesagt und getan haben. Männer stehen auf den Schultern von Riesen. Frauen fangen immer wieder von vorne an. Sie sind geschichtslos.“ 1
Diese Erkenntnis ist natürlich nicht ach so neu. 1895 forderte Maria Lischnewska in der Zeitschrift Die Frauenbewegung bereits ein Archiv der Frauengeschichte, welches sogar zustande kam. Die Nazizeit haben freilich nur wenige Bestände überlebt.
Folglich wähnten sich die Frauenbewegten den 1970er Jahre an der Stunde Null. Bekannt waren eventuell vereinzelte Vorkämpferinnen. Doch weit gefehlt, zu allen Zeiten gab es Frauen, die aus ihren Kemenaten ausbrachen: „Da waren die Denkerinnen der Antike, einem Sokrates oder Platon durchaus ebenbürtig; da waren die religiösen Frauenbewegungen oder Beginen, die in Weisheit und Tüchtigkeit der männlichen Geistlichkeit in nicht nachstanden, da waren die Vordenkerinnen der Renaissance, denen sogar die Männer lauschten; da waren die Handwerkerinnen, Geschäftsfrauen oder Kriegerinnen, sie selbständig ihren Mann standen; da waren Pionierinnen wie Christine de Pisan (1365-1429), Mary Wollstonecraft (1759-1797) oder Olympe de Gouges (1748-1793).“ 2
Die historische Entwicklung der Frauen- und Geschlechterforschung möchte ich mit der Frühmoderne starten und an hand zweier Begründer der heute modernen Ökonomie ihr Forschungsansätze nachzeichnen. Denn nicht zu letzt prägen Begriffe, die Adam Smith und Lorenz von Stein erstmals verwendeten das heutige Verständnis von Geschlechtlichkeit, wie auch die von ihnen vorgeschlagenen Entwürfe zu Männlichkeit und Weiblichkeit.
1 Schwarzer, Alice: Ein Turm für Frauen allein. In: Schwarzer, Alice (Hrsg.): Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMediaTurm. Köln 1994. S. 55 2 Schwarzer, Alice: Ein Turm für Frauen allein. In: Schwarzer, Alice (Hrsg.): Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMediaTurm. Köln 1994. S. 57
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Einleitung Einleitung
Historisch prominente Figuren der ersten Frauenbewegung sind nicht zuletzt Elisabeth Cady Staton und John Stuart Mill, Harriet Taylor Mill und Helen Taylor. Besonders Elisabeth Cady Staton als Gründerin der Suffragettenbewegung nimmt hier am aktionistischen Feld eine bedeutende Rolle ein. Mill, Taylor Mill und Taylor legten hingen auf theoretischer Ebene die ersten Konzepte zum Gleichheitsdiskurs bei, der von Simone de Beauvoir schließlich ausdifferenziert wurde.
Anschließend folgt die historische Betrachtung der 2. und aktuellen 3. Welle der Frauen- und Geschlechterforschung inklusive ihren aktionistischen Elementen.
Da die Frauen- und Geschlechterforschung ein höchst amöbes und heterogenes Feld bildet, habe ich mich zu eine Reduktion entschlossen und nur drei der meist diskutiertesten Diskurse und ihre AutorInnen näher zu behandeln. Bevor jedoch Frauenforschung, Geschlechterforschung der dekonstruktivistische Feminismus zueinander in Relation gestellt werden, erschien es mir sinnvoll, zuvor die Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie vorzuschieben, um so Grundlagen der heutigen Auseinandersetzung offen zu legen.
Mit der französischen Revolution 1789 bildete sich die Idee der Geschlechtscharaktere heraus und wurde im 19. Jahrhundert allgemein dazu verwandt, die mit den physiologischen korrespondierend gedachten psychologischen Geschlechtsmerkmale zu bezeichnen. Ihrem Anspruch nach sollten Aussagen über die Geschlechtscharaktere die Natur bzw. das Wesen von Frau und Mann erfassen. Es handelt sich hier um ein Gemisch aus Biologie, Bestimmung und Wesen und zielt darauf ab, die "naturgegebenen" Gattungsmerkmale der Geschlechter, die durch Erziehung und Bildung vervollkommnet werden sollen, festzulegen. Frau und Mann sind in diesem Kontrastprogramm als entgegengesetzt gedacht und wie Lorenz von Stein 3 betonte nicht unabhängig von einander ausgeglichen lebensfähig.
3 Nach: Stein, Lorenz von: Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie. In: Ute Gerhard: Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahrhundert. Dokument Nr. 11. 6. Auflage. Stuttgart 1978, S. 311-324
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Das weibliche Stereotyp wird als prinzipiell anders vom Mann gedacht. Von Natur her ist so der Mann für das öffentliche, die Frau für das häusliche Leben prädestiniert. Bestimmung, wie zugleich Fähigkeit des Mannes verweist auf gesellschaftliche Produktion, die Frau auf private Reproduktion. Als immer wieder kehrendes soziales Merkmal wird beim Mann die Aktivität und Rationalität betont. Bei der Frau wird Emotionalität und Passivität hervorgehoben. Das Begriffspaar aktiv-passiv leitet sich nach Karin Hausen vom Geschlechtsakt, Rationalität und Emotionalität vom sozialen Tätigkeitsfeld her. Unterkategorien dieser Hauptmerkmale sind ein Kompendium aus traditionellen, modernen, physiologischen, psychologischen und sozialen Eigenschaften des menschlichen Wesens, die auf Frauen und Männern aufgeteilt wurden. 4
Derart gelebte gesellschaftliche Realitäten, die mehr einer Lebensphilosophie, wie den Religionen gleichen, als diskutierbare Lebensverhältnisannahmen, bleiben natürlich nicht ohne Auswirkung auf wissenschaftliche Arbeiten, selbst wenn es ein offiziell neutrales Feld wie die Ökonomie betrifft. Bereits Marx erkannte diese Komponente der Wissenschaft:
"Allein auch wenn ich wissenschaftlich etc. tätig bin, eine Tätigkeit, die ich selber in unmittelbarer Gemeinschaft mit anderen ausführen kann, so bin ich gesellschaftlich, weil als Mensch tätig. Nicht nur das Material meiner Tätigkeit ist mir - wie selbst die Sprache, in der der Denker tätig ist - als gesellschaftliches Produkt gegeben, mein eigenes Denken ist gesellschaftliche Tätigkeit." 5
Marx legt hier auf eindrucksvolle Weise dar, dass keine Tätigkeit völlig unparteiisch erfolgen kann. Als gesellschaftliches Wesen ist jede Person im Rahmen des eigenen Umfelds tätig. Geschlechtsstereotype werden demnach ständig und immer produziert, selbst in einer wissenschaftlichen Disziplin, wie der Ökonomie.
Adam Smith veröffentliche 1756 seine Theorie of Moral Sentiments. In ihr behandelt er die Natur des Menschen und fragt nach deren Tugendvorstellungen. In seinem folgenden 1776 veröffentlichten Werk Der Wohlstand der Nationen. Eine
4 Nach: Hausen, Karin: Die Polarisierung der "Geschlechtscharaktere" - Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben, in: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas: neue Folgen. o.A. 1976, S. 363-393 5 Marx, Karl (1944): Die Frühschriften. Stuttgart, 1971. Aus: Ursula Beer: Objektivität und Parteilichkeit - ein Widerspruch in feministischer Forschung? Zur Erkenntnisproblematik von Gesellschaftsstruktur, in: Ursula Beer, Hrsg.: Klasse Geschlecht, Feministische Gesellschaftsanalyse und Wissenschaftskritik. Bielfeld 1987, S. 142
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Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen 6 folgt er diesen Gedanken nur noch bedingt und stützt sich viel mehr auf die Idee eines Geschlechtscharakters. Begriffe wie aktiv und passiv, ökonomisch und emotional werden den Geschlechtern bipolar zugeschrieben. Dem Mensch (Mann) ist jede Empathie aberkannt. Und so ist es in der smithschen Ökonomieauffassung auch nur der Mann, der sich aktiv und ökonomisch denkend der Welt zuwenden kann. Die Frau hingegen reduziert er auf das lokale Umfeld des Hauses. Mit diesem Werk wird die moderne Ökonomie eingeleitet und bildet ein Kompendium der ökonomischen Gedanken des 18. Jahr-hunderts. Begriffe die Smith hier mit Bedeutungen versah, werden heute noch analog verwendet. Ein Beispiel hierfür ist die smithsche Trennung von Marktwirtschaft und Hauswirtschaft. Das seit Jahren geltende Drängen vieler Frauen auf Anerkennung der Hausarbeit, der Wunsch nach Anrechnung der Familienarbeit für den Pensionsbezug, all dies wurde erst schwerfälliges Thema und Problem durch die Trennung des Oikos in zwei Teile.
Ein weiterer noch heute viel zitierter Ökonomie des 19. Jahrhunderts war Lorenz von Stein. In seinem Werk Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie 7 aus dem Jahr 1886 ist auch Stein der Idee der Geschlechtscharaktere zugetan. Hier wird die Frau als grundsätzlich different vom Mann gedacht. So sind ihr die häuslichen, zivilen, passiven Eigenschaften zugeschrieben, dem Mann die öffentlichen, kriegerischen/wirtschaftlichen und aktiven.
Das Ideal leitet sich aus dem Geschlechtscharakter der Frau und deren Nicht-Arbeit ab, ihre Tätigkeit ist vielmehr Ausdruck ihrer Liebe zum Mann. Beide Geschlechter können am besten im Gemeinsamen existieren und fügen sich in der Partnerschaft zum Sozialkörper zusammen. Der Sozialkörper wird vom Mann bestimmt (das Äußere), die Frau löst sich in diesem auf (das Innere). Die Frau veredelt mit ihrer Empfindsamkeit den Sozialkörper, sie ist jedoch auf keinem Fall aktiv. Stein gesteht ein, dass die Frau prinzipiell alles kann, was der Mann kann. Zur Arbeit muss sie entweder durch äußerliche Gegebenheiten bzw. durch ihre Individualität gezwungen werden, denn jene ist für die Frau nicht natürlich. Bei Arbeit denkt Stein an außerhäusliche Tätigkeiten; Haus-, Reproduktions- und Sozialarbeit werden nicht als Arbeit gewertet. Wenn sich die Frau der außerhäuslichen Arbeit widmet verliert sie nach Lorenz von Stein ihren Idealstatus als Frau und wird so zu einer weiblichen
6 Nach: Smith, Adam (1776): Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München 1990
7 Nach: Stein, Lorenz von: Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie. In: Ute Gerhard: Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahrhundert. Dokument Nr. 11. 6. Auflage. Stuttgart 1978, S. 311-324
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Form eines Mannes. Weiter wird die Frau durch Arbeit zu einer Nebenbuhlerin und Konkurrentin des Mannes. Idealerweise ist sie jedoch seine Gemahlin und Genossin. Die Männer sind für die Produktion zuständig. Die Frauen für die Konsumtion und gemeinsam betreiben sie die Reproduktion. Stein zieht die Grenze zwischen Frauen- und Männerwelt an der Türschwelle. Dadurch dass die Frauen in den Bereich der Konsumtion, sprich die Frau als reine Verbraucherin, die selbst nichts schafft, gedacht wird, gilt das Haus als weiblich konodierter Ort, als Sphäre des Genusses. Demnach kann Arbeit im Haus auch nicht als wirkliche Arbeit angesehen werden, da sie nicht mit den Mühen und der Plackerei der Männerarbeit verbunden ist. Frauentätigkeit ist Arbeit, die aus Liebe gemacht wird und kann dementsprechend natürlich auch nie bezahlt werden. Der Mann der aktiv in der außerhäuslichen Welt arbeitet, produziert in erster Linie für den Markt und nicht wie die Frau direkt für die Familie. Für die Produktion des Mannes gibt es als Gegenleistung den Lohn, der durch die Umwandlung der Frau in Produkte bzw. Leistungen erst wieder Eingang in das Haus findet.
2.2 1 ST WAVE
Gegenstimmen zu diesem Bild von Frau und Mann mehrten sich schließlich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Suffragettenbewegung startete im Nordosten der USA und war eng mit der Friedens-, Anti-Sklaverei und Anti-Alkohol- Bewegung verquickt. Viele Frauen, darunter Sarah und Angelika Glimke, Abby Kelly, Lucretia Mott und Lucy Stone, begannen von ihren Rechten zu sprechen, als sie innerhalb der sozialen Bewegungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts merkten, dass den Frauen zum Teil weniger Rechte als männlichen Sklaven zustanden. Dies erschütterte viele, da sie sich aufgrund der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1786 als freie Bürgerinnen in einem freien Land begriffen hatten. Diese ersten Frauenrechtlerinnen wollten weiterreichende Veränderungen auf sozialen, moralischen, bildungspolitischen, ökonomischen Ebenen. Das Recht auf politische Partizipation war jedoch nur eines von vielen Forderungen.
1840 begleitete Elizabeth Cady Stanton ihren Ehemann Henry zur World's Anti-Slavery Convention in London. Als die Briten die weiblichen US-Delegierten ausschlossen, unter ihnen Stanton und Lucretia Mott, beschlossen diese zurück in den USA eine Frauenrechtskonferenz abzuhalten.
Elizabeth Cady Stanton wurde 1815 geboren und hatte das Glück nicht nur in jungen Jahren Altgriechisch zu lernen, sondern sich auch im Anwaltsbüro des Vaters mit Juristerei zu beschäftigen. Als am 19. und 20. Juli 1848 die Konferenz in Seneca
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Falls tagte, verlas Stanton die von ihr und anderen verfasste Decleration of Sentiments, deren Form und Wortwahl der Unabhängigkeitserklärung nachempfunden war:
„Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich; dass alle Männer und Frauen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, dass unter diesen das Recht auf Leben, Freiheit und der Glaube an Glück sind; dass Regierungen eingerichtet wurden, um diese Rechte zu schützen, welche ihre Macht vom Einverständnis der Regierten ableiten. “ 8
Weiter im Text stellen die Unterzeichnenden fest:
„Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von wiederholtem Unrecht und Unterdrückung von Männern gegenüber Frauen, die zum direkten Ziel eine Institution der absoluten Tyrannei über sie hat.“ 9
Anschließend werden 16 Punkte angeführt, welche die spezifische Unterdrückung der Frau betreffend Ehe, Kindererziehung, Politik, Arbeit, Lohn, Bildung und Religion aufzählen. Die Decleration of Sentiments endet mit der klaren Forderung nach einem Wahlrecht der Frauen, welches ihnen wie alle Rechte und Privilegien als Bürgerinnen der Vereinigten Staaten zustünden. Unterzeichnet wurde die Decleration of Sentiments von 68 Frauen und 32 Männern und wurde für die Frauenbewegung des zwanzigsten Jahrhunderts richtungsweisend.
Wegweisend für die Frauen- und Geschlechterforschung des 20. Jahrhunderts sollte ebenfalls das Werk Die Hörigkeit der Frau 10 von John Stuart Mill, Harriet Taylor Mill und Hellen Taylor im Jahr 1869 sein. Mill, Taylor Mill und Taylor gehen von der
8 Women's Rights Convention: Declaration of Sentiments. Women's Rights Convention in the United States, held in Seneca Falls, New York, the nineteenth and twentieth of July, 1848. 24/03/1998, http://www.rochester.edu/SBA/declare.html
„We hold these truths to be self evident; that all men and women are created equal; that they are endowed by their creator with certain inalienable rights; that among these are life, liberty, and the pursuit of happiness; that to secure these rights governments are instituted, deriving their just powers from the consent of the governed.“
9 Women's Rights Convention: Declaration of Sentiments. Women's Rights Convention in the United States, held in Seneca Falls, New York, the nineteenth and twentieth of July, 1848. 24/03/1998, http://www.rochester.edu/SBA/declare.html
„The history of mankind is a history of repeated injuries and usurpations on the part of man toward woman, having in direct object the establishment of an absolute tyranny over her.“ 10 Nach: Mill, John Stuart;Taylor Mill, Harriet; Taylor, Hellen (1869): Die Hörigkeit der Frau. Frankfurt am Main 1991, S. 5-81, 130-166
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Annahme aus, dass es zwischen Frauen und Männern keinen angeboren Unterschied in ihrer Arbeitsleistung gibt. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern sei gesellschaftlich konstruiert. Eine korrekte Überprüfung des Unterschiedes der Geschlechter kann nur erfolgen, wenn Kulturen miteinander verglichen werden würden, die a) nur aus Frauen, b) unter der Führung von Frauen, oder c) in Egalität bestünden. Da dies jedoch nicht möglich sei, wird von der Gleichwertigkeit von Frauen und Männern ausgegangen.
Die gesellschaftliche Ungleichwertigkeit von Frauen und Männern wird nach Mill, Taylor Mill und Taylor durch verschiedene Erziehung, verschiedene Traditionen, ökonomische Differenz, Ungleichheit der Chancen, einseitige politische Vertretung, mangelnde Artikulationsmöglichkeiten der Frauen und die historische Tradition erreicht. Diese Faktoren wirken auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen zusammen.
Frauen können nur bedingt und indirekt Macht ausüben. Als Mittel zählen Mill, Taylor Mill und Taylor hierzu die weiblichen Reize, Sex, das gemeinschaftliche Interesse an den Kindern und das Bereiten des männlichen Behagens und dessen Annehmlichkeiten im Haus. Durch diese Mittel erlangt die Frau zuweilen Einfluss auf den Mann und kann sich so bestimmend auf sein Verhalten einwirken. Durch diese Form der Machtausübung erlangt sie jedoch nicht ihre Selbstbestimmtheit, ihre eigenen Rechte werden dadurch nicht gesichert.
Die allgemeinen Bedingungen der Gesellschaft schreiben sich nach Mill, Taylor Mill und Taylor besonders in den Ehekontrakt von Mann und Frau ein. Dem Mann obliegt bereits durch sein höheres Alter eine mächtigere Position in der Ehe, des weiteren beschafft er die Existenzmittel, was die Frau in völlige Abhängigkeit von ihm verweist, durch die höhere Bildung gelangt er in vielen Überlegungen zu alleinigen Entscheidungen. Die Frau kann für den Mann so nur eine Favoritin sein, denn das persönliche Verhältnis ist eines von Machtloser und Mächtigem. Da dieses Verhältnis durch die Tradition aufrechterhalten wird, erscheint es als natürlich. Die Frau wird von früher Jugend an so erzogen, dass sie glaubt, ihr Charakter müsse geradewegs das Gegenteil des Mannes sein. Die Frau ist die freiwillige Sklavin des Mannes, der von ihr nicht nur Gehorsam, sondern auch Zuneigung erwartet.
Der Wunsch nach Gleichheit von Männern und Frauen war starker Motor der Frauenbewegung. Dass Frauenwahlrecht - formal in den meisten Staaten der USA und Europas in den 1910ern und 20ern erreicht - war der erste wesentliche Schritt und fand in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung nach den Weltkriegen wieder vermehrt Einzug. Die Idee einer aufgehobenen Geschlechterdifferenz ist so in Arbeiten von Klara Zetkin bis Simone de Beauvoir, Sulamith Firestone oder Alice
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Schwarzer auffindbar. Die Idee einer Differenz der Geschlechter kann im s.g. Gleichheitsdiskurs allerdings nur als hierarchische Differenz gelesen werden. Hannelore Faulstich-Wieland analysierte 1995 rückblickend:
„Weil Verschiedenheit von Mann und Frau nur in Form von Über- und Unterordnung gedacht wird, wird die Emanzipation der Frau in dieser Denkweise mit der Aufhebung der Geschlechterdifferenz gleichgesetzt. Da, wo die Geschlechterdifferenz noch nicht aufgehoben ist, erscheint ihre Aufhebung unmittelbar möglich, sie werde lediglich behindert von anachronischen Rudimenten aus historisch überholten Epochen oder ökonomischen Macht- und Profitinteressen. [...] Die Frage nach einer Möglichkeit der Verschiedenheit von Mann und Frau, die weder hierarchisch noch biologisch determiniert ist, sondern sich gesellschaftlich historisch entwickelt als Beziehung zwischen gleichberechtigten Verschiedenen wird nicht gestellt.“ 11
Zentraler Aspekt in der theoretischen Auseinandersetzung war die prinzipielle Gleichheit von Frauen und Männern. Dieser Diskurs, der heute als Gleiheitsansatz in der Frauen- und Geschlechterforschung gehandelt wird, war bis in die 1960er dominierend.
Simone de Beauvoir prägte in ihrem 1949 erschienenen Werk Das andere Geschlecht als Erklärung für die Unterschiede zwischen Frau und Mann die Formel: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ 12 Gemäß diesem Leitsatz gehen die Gleichheitstheorien von zwei Stufen der geschlechtsspezifischen Sozialisation aus. A) Die typischen weiblichen und männlichen Eigenarten werden in der frühen Kindheit anerzogen. B) Im Laufe des Lebens verfestigen sich diese Geschlechtsstereotype als Reaktion auf konkrete Lebenserfahrungen. 13 Ziel des Gleichheitansatzes ist eine Patriachalkritik auf theoretischer Ebene und ein praktisch-politischer Kampf um die angemessene Teilhabe von Frauen an der Macht. Hauptkritik am Gleichheitsansatz ist, dass Frauen als Mängelwesen gesehen werden, die sich dem männlichen Massstab anzugleichen haben.
11 Faulstich-Wieland, Hannelore: Geschlecht und Erziehung. Darmstadt 1995, S. 71 12 Beauvoir, Simone de: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek 1968, S. 265
13 Nach: Cordes, Mechthild: Die ungelöste Frauenfrage. Frankfurt 1995, S. 34-37
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2.3 2 ND WAVE
Eine Reaktion der Frauen- und Geschlechterforschung auf diese Erkenntnis war die Auseinandersetzung nicht mehr nur mit weiblichen Lebenserfahrungen hinsichtlich ihrer Benachteiligung, sondern auch hinsichtlich ihrer spezifischen Produktivität. Ins Auge rücken weibliche leibliche, emotionale und intellektuelle historisch überwiegende und zugleich veränderliche Erfahrungs- und Verhaltensweisen, wie weibliches Arbeitsvermögen. Gebärfähigkeit, weibliche Weisheit, weibliche Sinnlichkeit etc. Dieser Diskurs wird als Differenzansatz gehandelt und fand seine Ursprünge in der 2. Frauenbewegung in den 1970ern. Die so genannte Differenztheorie geht dabei von einem angenommenen Doppelcharakter von Geschlecht aus und beschreibt die Geschlechtsidentität sowohl als gesellschaftlich bedingten sozialen Sachverhalt (englisch Gender) wie auch als natürlich gegebenes biologisches Faktum (englisch Sex).
Als zentrales Jahr für die 2. Welle der Frauenbewegung gilt 1972. Ausgelöst durch die Diskussion um das Recht auf Abtreibung - und dem damit verbundenen Recht auf auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper - entwickelte sich erneut eine aktionistische Frauenbewegung. Beeinflusst durch die StudentInnenprodeste, der s.g. Sexuellen Revolution und nicht zuletzt wieder durch ihre Affinität zur Friedensbewegung, entwickelte sich ihr zentraler Aspekt: die Differenz von Frauen und Männern. Dieser Diskurs - der keineswegs den Gleichheitsansatz auf- oder gar ablöste - wird in der Frauen- und Geschlechterforschung als Differenzansatz gehandelt.
Ihre Vertreter und Vertreterinnen wenden sich gegen eine männliche Definition von Weiblichkeit, wobei die Frau immer als das Andere gedacht wird. Die Differenz von Frauen und Männern gilt es positiv zu formulieren und zu behaupten. Für einen grundsätzlichen Wesensunterschied sprechen zwei Gründe. A) Der Mensch ist biologisch zweigeteilt, eine Differenz demnach natürlich. B) Die biologischen Differenz (Gebärfähigkeit der Frau etc.) ist nicht ohne Auswirkung auf dass Wesen des Menschen. 14 Ziel des Differenzansatzes ist die Suche nach den verschütteten weiblichen Wurzeln auf theoretischer Ebene und der Kampf um Raum zur Selbstverwirklichung und Entfaltung selbstdefinierter Weiblichkeit. Hauptkritik am Differenzansatz ist, der eines neuen Biologismus. Die Gefahr, die Frau als den besseren Menschen zu theoretisieren, ist immanent.
14 Nach: Cordes, Mechthild: Die ungelöste Frauenfrage. Frankfurt 1995, S. 34-37
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Historische Entwicklung 3rd Wave
2.4 3 RD WAVE
Ende der 1980er wurde die Frauen- und Geschlechterforschung mit einem neuen Phänomen konfrontiert: dem s.g. Backlash. Die Erkenntnis, dass die gesamte gesellschaftspolitische Diskussion eurozentrisch und „bürgerlich“ dominiert war, veranlasste auch andere wissenschaftliche Gattungen zu einem radikalen Umdenken. Lebenssituationen und Strategien der breiten „ArbeiterInnen“-Schicht, mit Frauen lebenden Frauen, von Migrantinnen etc. waren bis dato negiert worden. Es entwickelte sich die 3. Welle der Frauenbewegung, die von Anhängerinnen und Anhängern des Gleichheits- und Differenzansatzes auch als akademische Welle, weil nicht mehr primär aktionistisch geprägt, bezeichnet wird. De facto verschob sich das öffentliche Feld weg von der Straße hin zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Geschlechtlichkeit, wie auch hin zu einer nunmehr Professionalisierung und institutionalisierten Bekämpfung hierarchisierender Strukturen. Zentraler Aspekt ist die Differenz zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren. Anders als die Women's-Studies, die sich aus dem Gleichheits- bzw. Differnzansatz ableiten, postulieren die Gender-Studies keine Gemeinsamkeiten von Frauen, die auf ihre spezifische Körperlichkeit bzw. die männliche Reaktion auf diese Körperlichkeit zurückzuführen wären. So ist die die zentrale Analysekategorie der Gender-Studies nicht die Frau oder Weiblichkeit, sondern Geschlechtlichkeit als Genus, d.h. als historisch wandelbares, gesellschaftlich-kulturelles Phänomen. Hinzu kam ein offener Diskurs um die Begriffe Sex und Gender 15 und die Erkenntnis um die Veränderlichkeit geschlechtszugeschriebener Eigenschaften und des Körpers selbst. Für den aus dem Englischen stammenden Begriff Gender gibt es im Deutschen bislang keine allgemein gültige Entsprechung; ursprünglich nur auf das grammatische Geschlecht des Substantive bezogen, verweist der Begriff darauf, dass Geschlechtsidentität nicht angeboren, sondern soziokulturell erworben wird. Der Begriff Gender ist somit Ausdruck der Einsicht, dass Weiblichkeit und Männlichkeit historisch zeitgebundene Konstanten sind.
Der wissenschaftliche Diskus wurde zusätzlich um einen neuen, den historischen Aspekt erweitert. Die Entdeckung der Geschichtlichkeit sexueller Identität gehört zu den wichtigsten Ergebnissen des noch relativ jungen Genderansatzes, dessen Genese wiederum Teil des Perspektivenwechsels von der Ereignis- und Politikgeschichte zur Mentalitäts-, Alltags- und Kulturgeschichte ist. Grundannahme dabei ist, dass sich Funktionen, Rollen und Eigenschaften, die Männlichkeit bzw. Weiblichkeit konstituieren, nicht kausal aus biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau ergeben, sondern gesellschaftliche Konstrukte und damit veränderbar sind.
15 Sex = das biologische Geschlecht; Gender = das soziale/kulturelle Geschlecht
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Historische Entwicklung 3rd Wave
Der Perspektivenwechsel von der Erforschung von Frauenleben hin zur Geschlechtergeschichte ist mit einer Reihe von methodischen Neuerungen verbunden. Wurde in den Anfängen der Frauenforschung versucht, literarischen Überlieferungen Informationen über das Leben der Frauen zu entnehmen, so wird unter dem Einfluss der Debatten um Gender und Sex diese Art der Forschung zum Problem. Da es nicht mehr um die realen Lebensbedingungen tatsächlich lebender Frauen, sondern um die Vorstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit geht, werden Texte/Filme nicht mehr als Überlieferungsträger sozialgeschichtlicher Artefakte gelesen, sondern mit Hilfe diskursanalytischer Verfahren auf die in ihnen verhandelten Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit befragt.
Bedingen der Gleichheits- und der Differenzansatz eigenständige Forschungsgebiete wie etwa Women, Men oder Queer Studies, verlangt der Genderansatz nach einer radikalen Interdisziplinarität. Fragen nach geschlechtsgebundenem Handelns oder Forschens werden zusehends als eingeschrieben und zu dekonstruierende Themen in allen Disziplinen wahrgenommen. Neueste Diskursentwicklungen plädieren über die Eigengesetzlichkeiten der Kategorien Klasse, Rasse und Geschlecht hinaus für ein Zusammendenken, ohne die Unterschiede zwischen diesen Achsen sozialer Differenzierung zu verdecken. 16
3 DIE THEORETISCHEN KONZEPTE
Wie in dem kurzen historischen Abriss bereits einführend herausgearbeitet wurde, ist es unmöglich von einer einheitlichen feministischen Theorie zu sprechen. Gemein ist allen Diskursen ein gemeinschaftliches Band: „Das wissenschaftlich-politische Interesse an der Verfasstheit von Geschlechterverhältnissen und die Kritik an allen Formen von Macht und Herrschaft, die Frauen diskriminieren und deklassieren.“ 17
16 Vgl.: Axeli Knapp, Gudrun; Wetterer Angelika: Achsen der Differenz: Gesellschaftstheorie und feministische Kritik II. Forum Frauenforschung Bd. 16. Münster 2003. 17 Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 7
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Die theoretischen Konzepte Die theoretischen Konzepte
Die Geschichte der Frauen- und Geschlechterforschung beginnt nach heutigen Verständnis mit den 1960er Jahren. Zwar haben Elizabeth Cady Stanton 1848 bzw. John Stuart Mill, Harriet Taylor Mill und Hellen Taylor 1869 bereits wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse und die darin eingeschriebenen Machtverhältnisse gewonnen, ihre Arbeiten befinden sich jedoch in keinem wissenschaftlichen Diskus ihrer Zeit und bilden somit eher Grundlagen und erste Ansätze, die erst im 20. Jahrhundert neu aufgegriffen wurden.
3.1 EXKURS GESCHLECHTERIDENTIFIKATION,
GESCHLECHTSSTEREOTYP, GESCHLECHTERROLLE
Um einen Einblick in die Entwicklung der Diskurse um Geschlecht und Geschlechtlichkeit starten zu können, möchte ich einen kurzen Exkurs zu den Begriffen Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp und Geschlechterrolle vorlagern. Eine Differenzierung dieser drei Begriffe erscheint mir notwendig, um zu späteren Zeitpunkt genauer auf Theorien und didaktische Feinheiten wesentlicher Forscher und Forscherinnen des Gender- bzw. Dekonstruktionsdiskurses eingehen zu können.
GESCHLECHTERIDENTIFIKATION
Unter Geschlechtsidentität 18 bzw. Geschlechtsidentifikation wird die Selbstidentifizierung eines Menschen mit seinem ’biologischen Geschlecht als männlich bzw. weiblich verstanden. Sie erfolgt den äußeren Geschlechtsorganen gemäß etwa innerhalb der ersten drei Lebensjahre und festigt sich dann weiter. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahren findet die endgültige Übernahme des Geschlechtes statt. In dieser Zeit stellt sich die Erkenntnis ein, dass die Geschlechtsidentität unveränderlich und in der Zeit konstant ist.
Neben der Geschlechtsidentität entwickeln Kinder auch eine Geschlechterrollen-Identität. Sie besteht in der Übernahme von als maskulin bzw. feminin geltenden Symbole, Interessen und Rollen. Die Ausbildung und Stabilisierung der Geschlechtsidentität ist jedoch die Voraussetzung für die Übernahme von Geschlechterrollen in
18 Nach: Wickler, Wolfgang; Seibt, Ute: Männlich Weiblich. München 1983. Birbaumer, Nils; Schmidt, Robert: Biologische Psychologie. Berlin, Heidelberg 1999. Alfermann, Dorothea: Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten. Stuttgart, Berlin, Köln 1996
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das eigene Selbstkonzept. Wird eine Geschlechterrolle ins Selbstkonzept eingebaut, ergibt sich dir Geschlechterrollen-Identität.
Die Geschlechterrollen-Identität ist demnach nicht gleichbedeutend mit der Geschlechtsidentität. Eine Person kann eine eindeutige, stabile Geschlechtsidentität entwickelt haben - z.B. eine feminine - aber in ihrer Geschlechterrollen-Identität kann sie maskuline Elemente aufnehmen - zB. der Berufswunsch Mechanikerin zu werden. Dieses freie Agieren innerhalb der Geschlechterrollen-Identität zeigt, wie variabel sie gegenüber der Geschlechtsidentität ist. Die Geschlechtsidentität hat ihr fixes Kriterium im biologischen Geschlecht. Die Geschlechterrollen-Identität hingegen hängt von kulturellen Standarts, Erwartungen und auch dem kulturellen Wandel ab.
Das somatische bzw. biologische Geschlecht besteht in mehreren Stufen. Durch die ’Geschlechtschromosomen X und Y wird bereits bei der Befruchtung das chromosomale Geschlecht des Kindes festgelegt: XX bedeutet weiblich, XY männlich und dient der eigentlichen Geschlechtsbestimmung. Der Embryo entwickelt sich in die männliche Richtung, wenn ein Y-Chromosom vorhanden ist, andernfalls wird er weiblich. Wenn sich aus der Urkeimdrüse dann Hoden beziehungsweise Eierstöcke gebildet haben, wird vom gonadalen bzw. Keimdrüsengeschlecht als nächster Stufe gesprochen. Durch die Geschlechtshormone der jeweiligen Keimdrüsen bilden sich schließlich die übrigen Geschlechtsorgane aus, was schließlich als genitales Geschlecht bezeichnet wird.
Die Erforschung dieser verschiedenen Geschlechtsebenen haben gezeigt, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt. Beispielsweise entwickeln sich ohne ausreichende Androgen-Produktion, welche notwendig ist, um das männliche Keimdrüsengeschlecht hervorzubringen, äußerlich weibliche Geschlechtsorgane. Eine weitere Form der Intersexualität ist das Androgenitale Syndrom, aufgrund eines erblichen Enzymeffekts: Die Nebennieren-Rinde schüttet zu wenig oder kein Cortison aus. Die Folge ist eine Überproduktion von männlichen Hormonen, da das Cortison als Repressor wegfällt. Dies hat für Mädchen folgenreiche Auswirkungen. Sie besitzen zwar innen weibliche, außen aber mehr oder minder stark ausgeprägte männliche Genitalien. Echter Hermaphroditismus ist eine sehr seltene Form, bei der gleichzeitig eine oder zwei männliche und weibliche Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke) oder wenigstens Gewebeteile von ihnen vorhanden sind, die aber keine reifen Keimzellen produzieren. Das chromosomale Geschlecht kann ein Mosaik von XX und XY, aber auch normal XX oder XY sein und in vielen anderen Möglichkeiten von Chromosomenaberrationen vorliegen. Die inneren und äußeren Geschlechtsor-
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Die theoretischen Konzepte Exkurs Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp, Geschlechterrolle
gane können relativ eindeutig einem Geschlecht angehören, aber auch sehr verschieden kombiniert sein, und sie sind meist unvollständig. Echte Hermaphroditen sind immer unfruchtbar.
Der Hermaphroditismus ist streng zu unterscheiden von der Transsexualität und dem Transvestismus, in diesen Fällen handelt es sich um im biologischen Sinne echte Männer und Frauen.
GESCHLECHTSSTEREOTYP
Stereotyp setzt sich aus den altgriechischen Wörtern stereos - fest, hart, beständig, räumlich und typos - die Form, Figur, Gestalt, Prägung zusammen. Erstmals wurde Stereotyp von Lippmann 1922 für Vorurteil bzw. vorgefasste Meinung verwandt. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Stereotyp eine vorgefasste Meinung oder Sehweise über bestimmte Gruppen. Dem Stereotyp eng verwandt ist das Vorurteil, ein Urteil, dass in der Realität nicht auf seine Richtigkeit überprüft worden ist. Das Stereotyp ist eine Unterkategorie des Vorurteils und wird als solches als syntheti-sches-apriorisches Vorurteil definiert. Die österreichische Soziologin Marie Jahoda führte den Begriff der Stereotypie in die Soziologie und Sozialforschung ein und definierte ein Stereotyp als:
„Vorgefasste schablonenartige Beurteilung von Klassen, Individuen oder Gruppen, die nicht aus neuerer Beurteilung jedes einzelnen Phänomens stammt. [...] Eine größere Anzahl von Individuen einer Gruppe beurteilen alle, oder die meisten Individuen einer anderen Gruppe.“ 19
Die Wahrheit oder Falschheit von stereotypen Vorurteilen ist zunächst offen, solange kein empirisches Wissen über Merkmale einer Gruppe vorhanden ist. Stereotype wie: „Frauen sind mathematisch weniger begabt als Männer“ können nur durch präzise, wiederholte, empirische Untersuchungen über beide Gruppen und über einen längere Zeiträume hinweg widerlegt oder bestätigt werden. Wenn Geschlecht einmal als System etabliert ist, kann diese Funktion nicht mehr beeinträchtigt werden, auch wenn einzelne Individuen von den herrschenden Stereotypen abweichen. 20
Stereotype sind meist nicht rein kognitive Einstellungen - sie haben fast immer praktische und wertende Komponenten. Das bedeutet, dass die Meinung und das
19 Jahoda, Marie: Freud and the Dilemmas of Psychology. London 1977, S. 8ff 20 Nach: Mühlen Sachs, Gitta: Geschlecht bewusst gemacht. Körpersprachliche Inszenierungen. Ein Bilder und Arbeitsbuch. München 1998
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Die theoretischen Konzepte Exkurs Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp, Geschlechterrolle
damit verbundene Verhalten der einen Gruppe das Verhalten einer anderen Gruppe beeinflusst. Daraus resultiert, dass Stereotype einen Selbsterfüllungs-Charakter besitzen - auch selffulfilling-prophecy-effect genannt. Ein Beispiel:
„Frauen sind mathematisch geringer Begabt als Männer“ Die Eltern eines Mädchens glauben dieses Stereotyp und schicken ihre Tochter daher auf eine Schule mit weniger Mathematikstunden - zB. ein humanistisches Gymnasium; ihren Sohn hingegen schicken sie in eine Schule mit mehr Mathe-stunden - zB. in eine HTL. Der Effekt ist, dass die Tochter gewisse Matheaufgaben, die der Bruder problemlos beherrscht, nicht lösen kann. Das Stereotyp der Eltern wird scheinbar bestätigt und die Tochter/der Bruder beginnen es eventuell selbst zu glauben. Dies hat den weiteren Effekt, dass die Tochter noch weniger in Mathematik investieren wird, „weil ich ein Mädchen bin, für mich hat Mathe keinen Sinn!“
Solche Selbsterfüllungs-Effekte haben also nicht nur Konsequenzen auf die Bewertung von Gruppen, sondern auch auf die Selbstbewertung. Die Wert-Urteile haben wiederum Handlungs- und Verhaltenskonsequenzen, die das Stereotyp stabilisieren. Die implizierten Wert-Urteile in den Stereotyp-Strukturen führen häufig zu einer Dominanz einer Gruppe über die andere. Diese Dominanzen verstärken die Wertungs-Differenzen.
Das Bedeutet, dass die dominante Gruppe die Definitions-, Wertungs- und Kategorisierungsmacht übernimmt.
Zusammengefasst ist unter Stereotypie 1. eine Menge von erfahrungsunabhängigen Annahmen über etwas bzw. Gruppen zu verstehen. 2. Beziehen sich diese Annahmen auf die Eigenschaften dieser Gruppen. 3. Diese Meinungen stellen interpretierte Erfahrungen, sofern solche gemacht wurden dar. In der Soziologie wird hier auch von der kognitiven Komponente der Stereotypie gesprochen. 4. Die interpretierten Erfahrungen legen in einer dar, dass die Annahme bestätigt und gefestigt wird, eine Selbstbestätigungstendenz wird festgestellt. 5. Die Annahme bewirkt ein bestimmtes Verhalten gegenüber der Gruppe. Dies wiederum evoziert ein Verhalten und Eigenschaften der stereotypisierten Gruppe, was scheinbar die Annahme bestätigt. Die Soziologie spricht hier von der pragmatischen Komponente der Stereotypie. 6. Die Annahmen beinhalten häufig implizite oder explizite Werturteil, was in der Soziologie als evaluative Komponente bezeichnet wird. 7. Die Annahme wird von einer größeren Gruppe vertreten. 8. Die Annahme stabilisiert Rangordnung und Werte. Die Soziologie spricht hier von der funktionalen Komponente.
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GESCHLECHTERROLLE
Der Unterschied zwischen Geschlechtsstereotypen und Geschlechterrollen vollzieht sich in ihren unterschiedlichen Charakteren. Stereotype sind charakterisiert durch deskriptive und implizit wertende Komponenten. Rollen haben präskriptive und somit normative Komponenten. Die Geschlechterrolle schreibt den Geschlechtern implizit oder explizit bestimmte typische Verhaltensweisen oder Tätigkeiten vor. Geschlechterrollen sind des weiteren mit Erwartungen verbunden, nämlich dass die implizite bzw. explizite Vorschrift - die Rollennorm - erfüllt wird. Irenäus Eibl-Eibesfeld definiert Geschlechterrolle als, „das für das männliche und weibliche Geschlecht kulturell als angemessen betrachtete (erwartete und vorgeschriebene) Verhalten der Geschlechter.“ 21
In jeder Gesellschaft gibt es bestimmte Normen und Erwartungen, an denen sich die Mitglieder je nach ihrer Geschlechtszugehörigkeit orientieren oder zumindest nach allgemeiner Vorstellung orientieren sollen. Unterschiedliche Geschlechterrollen werden häufig auf vermeintlich »natürliche« Unterschiede zwischen Mann und Frau zurückgeführt und auch entsprechend gerechtfertigt. Sicherlich gibt es biologische Wurzeln geschlechtstypischen Verhaltens, aber es spricht einiges dafür, dass viele als natürlich angesehene Verschiedenheiten im Erleben und Verhalten der Geschlechter im Verlauf der Sozialisation erlernt werden. Tatsache ist, dass sowohl bei Männern als auch bei Frauen Wünsche und Fähigkeiten oft über die engen Grenzen der traditionellen Geschlechterrollen hinausgehen. Nach Eibl-Eibesfeld werden innerhalb des geschlechtsrollenspezifischen Verhaltens geschlechtstypische und geschlechtsspezifische Verhaltensweisen unterschieden. „Geschlechtstypisch sind Verhaltensweisen, die zwar in beiden Geschlechtern vorkommen, aber verschieden häufig.“ 22 Beispielsweise zeigen so Männer wie Frauen aggressives Verhalten, Männer gelten jedoch bei weiten als aggressiver. „Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen sind dagegen auf ein Geschlecht beschränkt.“ 23
Der heute kaum mehr verwendete Begriff „Geschlechtscharakter“ bildete sich im 18. und 19. Jahrhundert heraus und wurde dazu verwandt die vom Körper abhän-
21Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. 4. Auflage. München, Zürich 1997, S. 372
22 Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. 4. Auflage. München, Zürich 1997, S. 372
23 Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. 4. Auflage. München, Zürich 1997, S. 372
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gigen psychologischen Geschlechtsmerkmale zu bezeichnen. Ihrem Anspruch nach sollten die Geschlechtscharaktere die wesentlichen Merkmale und Unterschiede von Frauen und Männern erfassen. In Meyer's großem Konversationslexikon hieß es 1904 unter dem Stichwort Geschlechtseigentümlichkeiten nach Anführung der anatomischen und physiologischen Unterschiede:
„Auch psychische Geschlechtseigentylichkeiten finden sich vor; beim Weib behaupten Gefühl und Gemüt, beim Manne Intelligenz und Denken die Oberhand; die Phantasie des Weibes ist lebhafter als die des Mannes, erreicht aber seltener die Höhe und Kühnheit wie bei letzterem.“ 24
Die oft variationsreichen Aussagen über Geschlechtscharaktere erwiesen sich als eine Mischung aus Biologie, Bestimmung, und Wesen und zielten darauf ab, die so genannten naturgegebenen - wenn auch durch Bildung und Erziehung zu vervollkommnende - Gattungsmerkmale von Frau und Mann festzulegen. Als immer wiederkehrende zentrale Merkmale werden beim Mann die Aktivität und Rationalität, bei der Frau die Passivität und Emotionalität hervorgehoben. Nach Karin Hausen 25 hat das Begriffspaar aktiv-passiv seinen Ursprung in der Sexualität: die Frau wird als passiv empfangende, der Mann als aktiv befruchtender gedeutet. Das Begriffspaar emotional-rational leite sich von dem sozialen Betätigunsfeld ab.
24 Meyer's großes Konversationslexikon, Bd. 7. 6. Aufl. Wien, Leipzig 1904. Zitiert in: Hausen, Karin: Die Polarisierung der Geschlechtscharaktere - Eine Spiegelung der Dissozialisation von Erwerbs- und Familienleben. In: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976
25 Hausen, Karin: Die Polarisierung der Geschlechtscharaktere - Eine Spiegelung der Dissozialisation von Erwerbs- und Familienleben. In: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976
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Die theoretischen Konzepte Exkurs Geschlechteridentifikation, Geschlechtsstereotyp, Geschlechterrolle
3.2 FRAUENFORSCHUNG
Die Naturalisierung der Kategorie Geschlecht ist ein immer wiederkehrendes Phänomen in der Geschlechtergeschichte. Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp bemerken hierzu: „Obwohl sich krude Formen der Biologisierung und Ontologisierung im Laufe der Zeit abgeschliffen haben, wird die Differenz zwischen Frauen und Männern immer aufs Neue inszeniert.“ 26 Es scheint daher nicht verwunderlich, dass sich die Geschlechterforschung der 1970er und 1980er auf empiri-
26Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 29
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Die theoretischen Konzepte Frauenforschung
scher und theoretischer Ebene intensiv mit der Frage auseinander setzte, in welchem Grade sich die Geschlechter nun nachweislich unterscheiden würden.
Helga Bilden widmete sich Jürgen Habermas und seinem sozialisationstheoretischen Ansatz. Habermas schrieb darin Mädchen so genannte „weibliche Sekundärtugenden“ 27 zu.
Carol Hagemann-White untersuchte die Geschlechterrollen und wie weit diese konstruiert bzw. natürlich fundiert sind. Lediglich im Bereich der Aggressivität konnte sie merkliche geschäftsspezifische Unterschiede feststellen. 1977 veröffentliche Ursula Scheu das Buch Wir werden nicht als Mädchen geboren - wir werden dazu gemacht, ein Zitat von Simone de Beauvoir. Ursula Scheu entfachte damit im deutschsprachigen Raum die Diskussion, dass Geschlecht kein Schicksal, sondern das Resultat aus Erziehung und kulturellen Einflussnahmen ist. Noch wog hier jedoch der Gedanke an Frauen als Nur-Opfer und nicht auch als Täterinnen vor.
1975 erschien in den USA Another Voice herausgegeben von Rosabeth Kanter und Marcia Millman. Es rückte die gesellschaftliche Unterdrückung der weiblichen Genus-Gruppe in den Mittelpunkt. Diese Einsicht erweiterte das Feld der gesellschaftlichen Ungleichheit: zu Machtgefällen aufgrund von Klasse und Rasse gesellte sich die Kategorie Geschlecht.
Die genannten Thesen wurzelten nicht nur im wissenschaftlichen Feld. Im starken Maße waren sie mit den praxisorientierten Fragestellungen der Frauenbewegung verbunden. Dieser Motor bewirkte zusätzlich ein Interesse an der Geschichte und der Idee einer Herstory. Die Beschäftigung mit der weiblichen aktiven Rolle in der Gesellschaftentwicklung schloss nach Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp mit ein, „den eigenen Anteil an patriarchaler Unterdrückung - durch Allianzen, durch Duldung - zu reflektieren und sich der Mitverantwortung für historische Katastrophen wie den Faschismus zu stellen.“ 28
3.3 GESCHLECHTERFORSCHUNG
Mitte der 1980er Jahre bezeichnetet Ursula Beer Geschlecht als eine Strukturkate-gorie. Gemeint ist das Rollenrepertoire, das Frauen und Männeren zugeschrieben
27 Nach: Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 30
28 Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 34
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wird und in sich Machtstrukturen festigt und naturalisiert. Des weiteren betont Ursula Beer, dass alle kulturellen Handlungen und Äußerungen auf der Strukturkategorie Geschlecht beruhen.
Diese Erkenntnis führte nach Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp zu einer Reihe methodischer und theoretischer Verschiebungen: „Die soziale Bezogenheit der Geschlechter wird relevant, und zwar im Kontext von sozialgeschichtlich situierten Gesellschaften.“ 29 Das theoretische Themenfeld setzte wesentliche Interessensakzente: Frauenforschung, Geschlechterforschung und Geschlechterverhält-nisforschung verbinden zwar nach wie vor gemeinsame Grunderkenntnisse, Die Interessen sind jedoch divergent.
Frauenforschung konzentriert sich auf die weibliche Genus-Gruppe. Die männliche Genus-Gruppe fungiert hier als Kontrast. Die Frauenforschung versucht einerseits der Bedeutung und den Erfahrungen von Frauen gerecht zu werden. Zum anderen will sie die Diskriminierungen, die Frauen zugemutet werden auf zu decken. Berücksichtigt werden inzwischen auch die Differenzen von Frauen, die auf soziale Herkunft, ethnischen Abstammung oder die Hautfarbe zurück zu führen sind. Die Geschlechterforschung hingegen nimmt eine vergleichende Perspektive ein und will nicht als Alternative zur Frauenforschung gesehen werden. Vielmehr hängt es von der Fragestellung ab, welche Zugänge zu wählen sind. Kritik ist freilich an beiden Forschungsrichtungen laut geworden. Nach Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp kann die Frauenforschung in Gefahr geraten, „in Bindestrich-Soziologien wie 'Frauen und Arbeit', 'Frauen und Bildung', 'Frauen und Kultur', 'Frauen und Macht' stecken bleiben. Aus der soziologischen Analyse fällt dann heraus, wie geschlechtliche Ungleichbehandlung, die wir in 'einem' gesellschaftlichen Bereich vorfinden, sich mit Nachrangigkeit in 'anderen' verbindet.“ 30 Ebenso werden hierarchisierende Muster - z.B. Männerprivilegiennicht transparent und dekonstruierbar.
Der Geschlechterforschung wiederum wird zugeschrieben, dass sie ihre feministische Position zur Frauenbewegung verliert. Die Ursache dieser Kritik wurzelt in der Tatsache, dass Geschlechterforschung die männliche Genus-Gruppe als vorrangigen Referenzpunkt von Aussagen über geschlechtliche Ungleichheiten wertet. Daher ist es möglich, dass von der Frauenfrage abgelenkt werden kann. Ebenso können die sozialen Disparitäten zwischen Frauen durch die vergleichende Sichtweise in Bezug auf Frauen und Männer verdeckt werden.
29 Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 36
30 Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001. S. 37
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Die theoretischen Konzepte Die Dekonstruktion von Geschlecht
3.4 DIE DEKONSTRUKTION VON GESCHLECHT
Jenseits der sozialwissenschaftlich-historischen Forschung zum Geschlechterverhältnis ist es in der feministischen Theorie zu einem folgenreichen Paradigmenwechsel gekommen. Nicht mehr die Folgen des chromosomalen Unterschiedes, sondern die Bedingungen rückten in das Auge des Interesses. Einerseits wurde die Diskussion durch die vielfältigen Stimmen innerhalb der Frauen- und Geschlechter-forschung ausgelöst. Sie wiesen darauf hin, dass die bloße Zugehörigkeit zur Genus-Gruppe Frauen weder mit identischen Erfahrungen noch mit identischen Problemen verbunden sein muss. Andererseits entfachte die Diskussion Theoretikerinnen und Theoretiker, die sich mit Dekonstruktion auseinander setzen. Gemeint sind hier theoretische Strömungen, die sämtliche Identitätskonstruktionen, einschließlich die der Geschlechterrollen, daraufhin befragen, auf welchen Voraussetzungen, Ausschlüssen und Verwerfungen sie beruhen.
Der dekonstruktive Feminismus entwickelte sich Ende der 1980er Jahre mit der Rezeption von Jaques Derrida in Frankreich, von Paul de Man und den so genannten Yale Critics in den USA praktizierenden Lektüreverfahren der Dekonstruktion. Innerhalb der feministischen Theoriebildung wurde der dekonstruktivistische Ansatz als Weiterentwicklung früherer Positionen Begriffen, da er die Frage nach dem Weiblichen durch die symbolischen Relation der Geschlechter und nach den kulturellen Strategien der Ontologisierung und Naturalisierung der Geschlechterdifferenz ersetzt. Damit konnte die zunehmend als unproduktiv empfundene Alternative, entweder eine prinzipielle Verschiedenheit von Mann und Frau oder ihre potentielle Gleichheit anzunehmen, zu Gunsten einer Analyse von Symbolisierungspraktiken überwunden werden, die Identität und Differenz herstellen und befestigen. Dir bereits von Simone de Beauvoir formulierte Einsicht, Weiblichkeit sei kein biologisches Faktum, sondern eine soziokulturelle Konstruktion, wird nun radikalisiert, da nicht mehr nur der Klassifikation des Weiblichen als das andere Geschlecht, sondern auch der Möglichkeit, ihm durch Bezugnahme auf universale, menschliche Werte zu gleicher Anerkennung zu verhelfen, mit Skepsis begegnet wird. Der dekonstruktivistische Ansatz demonstriert, dass sich universale Bezugskategorien wie Humanität und Identität, die den aufklärerischen Emanzipationsdiskurs geprägt haben, gegenüber der Kategorie Geschlecht nur scheinbar neutral verhalten 31 . Die in seinem Umfeld entstandenen kritischen Lektüren literarischer, philosophischer, juris-
31Vgl. Engelmann, Peter (Hrsg.): Jean-François Lyotard. Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. 4. Auflage. Wien, 1999
Lyotard behandelt hier das Ende der Metaerzählungen, die in der Moderne verwendet werden, um Wissen und die Wissenspraxis zu legitimieren.
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tischer oder medizinischer Texte erweisen vielmehr, dass Festschreibungen des Weiblichen auf das Andere des Logos, auf Natürlichkeit, Körperlichkeit oder Rätselhaftigkeit die logische Kehrseite von Universalitätsbehauptungen sind, die das Menschliche mit dem Männlichen kurzschließen.
Indem Subjektautonomie und schöpferisches Begehren als die Geschlechter transzendierende Universalien erschienen, werde der zur Aufrichtung dieser Kategorien konstitutive Ausschluss der Frauen geleugnet. Dabei lehnt es der dekonstruktive Ansatz ab, dieses Ausgeschlossene im Sinne eines frauenzentrieten Feminismus als authentische weibliche Erfahrung eindeutig zu bestimmen. Versuche, den kulturellen Kanon um weibliche Anteile zu ergänzen oder gar das ehemals marginalisierte Weibliche nach dem Muster des Männlichen zentral zu setzen, bleiben, ihm zufolge, in einer Identitätslogik befangen, die unweigerlich Ausgrenzungen produziert und verleugnet.
In einer Art radikalisierter Ideologiekritik, in der Konstruktion und Dekonstruktion eher Momente eines Lektüreverfahrens als Instrumente der Mythenzertrümmerung sind, wird vermieden, Autorenschaft, Sinnverstehen und Subjektivität dem textuellen Geschehen und damit auch der eigenen theoretischen Praxis vorauszusetzen. Dennoch ist das Weibliche häufig Ausgangspunkt eines dekonstruktiv verfahrenden Feminismus, insofern es in seiner Funktion als privilegiertes Zeichen innerhalb einer männlichen dominierten symbolischen Ordnung analysiert wird: in seiner Fixierung als ideales Objekt des Begehrens oder natürlicher Ursprung der Repräsentationen stützte es die Illusion männlicher Selbstpräsenz und Identität. Aus der feministischen Filmwissenschaft stammt der Begriff des screens, mit dem der ambivalente Ort der Frau als Projektionsfläche männlicher Selbstbilder und zugleich als Trennwand bezeichnet wird, die nicht Repräsentierbares und Unbestimmtes verbirgt. In dem Moment, in dem die Bilder sich zur Identifikation anbieten, machen sie ihren Konstruktionscharakter vergessen. Dekonstruktive Lektüren beschreiben das Zustandekommen solcher Fixierungen als rhetorische Effekte, die Ambivalenz leugnen, ohne sie jedoch ganz verbannen zu können. Auch wo das Weibliche wie in der Psychoanalyse gegenüber dem Männlichen als mangelhaft bzw. kastriert gedacht wird, dient es, wie feministische-dekonstruktive Relektüren von Siegmund Freud gezeigt haben, dazu, die männliche Position vor Ambivalenz und Instabilität zu schützen. Die Differenz der Geschlechter hält so Differenzen, die die Einheit des Subjekts bedrohen, auf Distanz. Kritisch wurden dekonstruktive Ansätze innerhalb feministischer Debatten mit dem Argument bewertet, sie gäben die für jedes Emanzipationsprojekt unerlässliche Kategorie des weiblichen Subjekts preis. 32 In der Kontroverse um eine Nietzsche-
32Benhabib, Seyla; Butler, Judith; Cornell, Drucilla; Fracer, Nancy (Hrsg.): Der Streit um
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Die theoretischen Konzepte Die Dekonstruktion von Geschlecht
Lektüre 33 von Derrida, in der dieser Weiblichkeit Unbestimmbarkeit des Signifikantenspiels der différance 34 gleichgesetzt, wird der Konflikt zwischen Positionen des dekonstruktiven Feminismus, die hierhin eine für den Feminismus produktive Abkehr von ontologisierenden Weiblichkeitsbildern in der Philosophie sehen, und solchen deutlich, die ihm eine erneute Festschreibung des Weiblichen und die Fortsetzung von Traditionen der Ausgrenzung vorwerfen.
Der dekonstruktive Feminismus ist vor allem in der Literaturwissenschaft, Wilmwissenschaft, Kunstgeschichte und gelegentlich in der Theologie, feministischen Soziologie, Politik- und Rechtswissenschaft rezipiert worden. Die Betonung der kulturellen Performanz 35 der Geschlechter durch Judith Butler, die die Rhetorik der Geschlechter mit der Frage nach weiblicher Repräsentation und Selbst-Darstellung verknüpft, stellt eine Weiterentwicklung des dekonstruktiven Feminismus, indem sie politischen und ethischen Dimensionen der Kategorie Geschlecht wieder mehr Raum gibt.
Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt am Main 1993. 33 Klinger, Cornelia: Eine Fallstudie zum Thema postmoderne Philosophie der Weiblichkeit: Jaques Derrida, Sporen: Die Stile Nietzsches. In: Amstutz, Nathalie; Kuoni, Martina (Hrsg.): Theorie, Geschlecht, Fiktion. Frankfurt am Main 1994 34 Vgl. das différance-Konzept von Jaques Derrida: Die Schrift und die Differenz. Frankfurt am Main 1977.
Derrida greift Ferdinand Saussures Diktum vom differentiellen Charakter sprachlicher Zeichen auf und radikalisiert es. Bildeten bei Saussure die sprachlichen Differenzen ein stabiles System, in dem Signifikanten und Signifikate fest miteinander verbunden sind, enthält der Begriff der différance eine Dynamisierung. Signifikate und Signifikante bilden sich in einem unabschließbaren Prozess des Aufeinander-Verweisens und Sich-Unterscheidendes heraus. Für die Konzeption der Geschlechterdifferenz ist der Begriff insofern bedeutsam, als er impliziert, dass Identitäten und Unterschiede nicht a priori gegeben, sondern differentiell bestimmte, sprachliche konstituierte Signifikate sind. 35 Vgl. das Performanz-Konzept von Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main 1991.
Ausführliche Rezeption in: Bublitz, Hannelore: Judith Butler zur Einführung. Hamburg 2002. Judith Butler versteht die Performanz als einen Modus der Erzeugung von Gender (das soziale Geschlecht), der als Set wiederholter Akte funktioniert. Die Performativität des Geschlechtes impliziert, dass dieses immer ein Tun ist, das die substantielle Identität erst konstruiert und als Drag lesbar ist.
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Literaturverzeichnis Literaturverzeichnis
4 LITERATURVERZEICHNIS
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Beauvoir, Simone de: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek 1968.
Becker-Schmidt, Regina; Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien zur Einführung. 2. Auflage. Hamburg 2001.
Benhabib, Seyla; Butler, Judith; Cornell, Drucilla; Fracer, Nancy (Hrsg.): Der Streit um Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt am Main 1993.
Birbaumer, Nils; Schmidt, Robert: Biologische Psychologie. Berlin, Heidelberg 1999.
Bublitz, Hannelore: Judith Butler zur Einführung. Hamburg 2002
Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main 1991.
Cordes, Mechthild: Die ungelöste Frauenfrage. Frankfurt am Main 1995.
Derrida, Jaques: Die Schrift und die Differenz. Frankfurt am Main 1977.
Eibl-Eibesfeld, Irenäus: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. 4. Auflage. München, Zürich 1997.
Engelmann, Peter (Hrsg.): Jean-François Lyotard. Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. 4. Auflage. Wien, 1999.
Faulstich-Wieland, Hannelore: Geschlecht und Erziehung. Darmstadt 1995.
Hausen, Karin: Die Polarisierung der Geschlechtscharaktere - Eine Spiegelung der Dissozialisation von Erwerbs- und Familienleben. In: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976.
Jahoda, Marie: Freud and the Dilemmas of Psychology. London 1977.
Klinger, Cornelia: Eine Fallstudie zum Thema postmoderne Philosophie der Weiblichkeit: Jaques Derrida, Sporen: Die Stile Nietzsches. In: Amstutz, Nathalie; Kuoni, Martina (Hrsg.): Theorie, Geschlecht, Fiktion. Frankfurt am Main 1994
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Literaturverzeichnis Literaturverzeichnis
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Mühlen Sachs, Gitta: Geschlecht bewusst gemacht. Körpersprachliche Inszenierungen. Ein Bilder und Arbeitsbuch. München 1998
Schwarzer, Alice: Ein Turm für Frauen allein. In: Schwarzer, Alice (Hrsg.): Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMediaTurm. Köln 1994.
Smith, Adam (1776): Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München 1990.
Stein, Lorenz von: Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie. In: Ute Gerhard: Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahrhundert. Dokument Nr. 11. 6. Auflage. Stuttgart 1978.
Ursula Beer: Objektivität und Parteilichkeit - ein Widerspruch in feministischer Forschung? Zur Erkenntnisproblematik von Gesellschaftsstruktur. In: Ursula Beer (Hrsg.).: Klasse Geschlecht, Feministische Gesellschaftsanalyse und Wissenschaftskritik. Bielfeld 1987.
Wickler, Wolfgang; Seibt, Ute: Männlich Weiblich. München 1983.
Women's Rights Convention: Declaration of Sentiments. Women's Rights Convention in the United States, held in Seneca Falls, New York, the nineteenth and twentieth of July, 1848. 24/03/1998, http://www.rochester.edu/SBA/declare.html
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