Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung. 1
2. Terminologie. 3
3. Logik der Gliederung. 3
4. Methode. 4
5. Hauptfragestellung. 6
6. Die zwei Teilfragen. 7
6.1. Strukturen von Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen. 7
6.1.1. Vergleich zwischen den Strukturen von Unimix und Toxic FM. 8
6.1.2. Abgrenzungen: Was macht eine professionelle Struktur aus? 15
6.2. Beziehungsnetze. 18
6.2.1. Beziehungen zwischen Einsteiger Radios und der professionellen Radiolandschaft. 18
6.2.2. Beziehungen innerhalb der professionellen Radiolandschaft. 20
7. Berufslehre Radio-Journalist/in? 21
8. Fazit. 24
Quellen - und Literaturverzeichnis
Anhang
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1. Einleitung
In den letzten Jahren sind auch in der Schweiz mehrere Initiativen gestartet, die universitäre oder alternative Radio Stationen hervor gebracht haben. Dieses Phänomen verdient Beachtung und bedarf einer besonderen Betrachtung. Es lässt sich bei solchen neuen Organisationen besonders gut beobachten, wie sich Strukturen bilden und wie Strukturen einen Wandel durchlaufen. Das ist schon eine erste Legitimation für diese Arbeit. Die zweite ist die, dass wir an dem Gegenstand der Arbeit selbst ein grosses Interesse haben, als langjährige Mitglieder eines Vereins, der wöchentlich eine Stunde Radio auf die Beine stellt.
Die Arbeit befasst sich im weiteren Sinne mit der Frage, was diese Einsteiger Radios 1 der professionellen Radiolandschaft bringen. Über zwei Teilfragen versuchen wir, mögliche Antworten auf die Hauptfrage 2 zu finden.
Methodisch soll die Arbeit die Herangehensweise auch reflektieren. Die Arbeit genügt nicht harten wissenschaftlichen Methoden, sie stützt sich auf einen Fragebogen, unsere eigenen Erfahrungen, die wir als Mitglieder eines Einsteiger Radios sammeln durften, und drei Leitfadengespräche. So entsteht nicht der Irrtum, es handle sich um eine repräsentative Forschung. Die sicherlich subjektiv gefärbten ‚Resultate’ sollen dem Leser oder der Leserin nicht als absolute Wahrheit vorkommen. Für unsere Arbeit nehmen wir den akademischen Gedanken in Anspruch. Der Leser oder die Leserin soll durch unsere ‚Ergebnisse’ kritisch angeregt werden und seine oder ihre eigenen Schlüsse daraus zeihen. Es geht also nicht darum zu sagen: sic est (so ist es) sondern tua res agitur (deine Sache wird behandelt). Die Arbeit soll als Dialog verstanden werden und ist nicht richtig oder falsch. Im Anhang befinden sich die Leitfadengespräche, die auch über den Rand der Fragestellung hinaus schauen. Sie sollen als Teil der Arbeit betrachtet werden und ein breiteres Spektrum an Aspekten aus der Radiowelt bieten, als dies die Fragestellung der Arbeit alleine kann. Die Fakten und Meinungen aus den Befragungen und Leitfadengesprächen werden mittels Literatur, soweit zur Hand, eingeordnet. Sie dürfen nicht nur, sie sollen kritisch hinterfragt oder weitergedacht werden.
Die Arbeit will sich nicht in medienpolitische Auseinandersetzungen einmischen. Ihre Motivation gründet auf einer berufsoziologischen Betrachtungsweise.
1 Siehe 2. Terminologie.
2 Siehe 5. Die Hauptfragestellung oder Arbeitstitel.
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2. Terminologie
Die Radiolandschaft Schweiz besteht aus vielen unterschiedlichen Radios. Sie unterscheiden sich in den Grundstrukturen, wie der Anzahl der Angestellten, der Ausrichtung (kommerziell, öffentlich-rechtlich, alternativ), der Infrastruktur und in vielen anderen Kriterien. Es ist dementsprechend schwer, eine Unterscheidung zu finden.
Den Begriff Einsteiger Radios haben die Autoren eingeführt. Darunter verstehen sie Radio Stationen, bei denen es den Beruf des festangestellten Radiojournalisten oder der festangestellten Radiojournalistin nicht gibt.
Als professionelle Radiostationen werden im folgenden Text Radios bezeichnet, bei denen mindestens fünf festangestellte Radiojournalisten/innen arbeiten. Es gibt Radios, die bis fünf Festanstellungen haben, bei denen aber aufgrund der Struktur der Grossteil der Leute das Radiomachen nicht als Hauptberuf ausübt. Weiter kann man eine Trennung zwischen den beiden Begriffen über den Journalistenausweis definieren, sofern sie diesen nicht durch die Arbeit in einem anderen Medienbetrieb bekommen haben.
Für die Fragestellung der Arbeit macht es Sinn, auf der einen Seite Radio Stationen oder Radio Initiativen wie Toxic FM, Sirup, Fréquence Banane, Lora, RaBe, Unimix und Radio 3fach dem Begriff der Einsteiger Radios und auf der anderen Seite Radio Stationen wie Radio DRS, Radio Top, Radio Freiburg / Fribourg, Radio Aktuell, Radio Zürisee, Radio 24 und Radio BE1 dem Begriff der professionellen Radio Stationen zuzuordnen.
3. Logik der Gliederung
Die Arbeit untersucht die Hauptfrage: Welchen Einfluss haben die Strukturen von Einsteiger Radios auf die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen? Um die Frage beantworten zu können, wurden zwei Teilfragen gestellt. Zuerst werden die Strukturen von Einsteiger Radios und von professionellen Radio Stationen genauer betrachtet. Danach rückt die Frage nach den bestehenden Beziehungsnetzen zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen auf der einen und innerhalb der professionellen Radiolandschaft auf der anderen Seite ins Zentrum. Als letztes folgt ein Kapitel in dem die Frage behandelt wird, weshalb es bis jetzt noch keine einheitliche eidgenössische Berufslehre zum Radiojournalist oder zur Radiojournalistin gibt. Diese Frage ist für die Arbeit insofern wichtig, als dass sich eine solche einheitliche Berufslehre doch eher negativ auf die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen auswirken würde. Die Kapitel sind so gegliedert, dass anfangs aus einem soziologischen Blickwinkel auf die
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Thematik geschaut wird. Diese Betrachtungsweise nennt auch die These, nach der dann die Fallbeispiele durchgespielt werden. Danach folgen Fallbeispiele, also eine Sicht aus der Praxis. Im Fazit folgt dann die Zusammenfassung der wichtigsten Schlüsse aus den Kapiteln, sowie, entgegen den geltenden Regeln zur Verfassung von Arbeiten, auch ergänzend eine kurze Aufzählung von weiteren Aufgaben, die von Einsteiger Radios erfüllt werden können. Die Autoren wollten dafür nicht extra ein neues Kapitel eröffnen, um nicht die vom Fokus der Arbeit abzulenken. Die kursiv gedruckten Bezeichnungen sollen immer auch an die Terminologie erinnern.
4. Methode
Es macht Sinn, die befragten Radio Stationen und die übrigen Quellen, aus denen die Arbeit ihr Wissen schöpft, zu nennen, da die Radio Stationen in ihrer Struktur und in ihren Beziehungsnetzen grosse Unterschiede aufweisen. Dies ist nebenbei mit ein Grund, weshalb sich eine qualitative Herangehensweise eher empfiehlt als eine statistische Befragung. Die Leitfadengespräche wurden mit:
- Michael Rohmeder, Geschäftsführer von Toxic FM
- Simon Wälti, Redaktionsleiter bei Radio BE1
- Karl Ehrler, Programmchef bei Radio Freiburg durchgeführt.
Die Fragebögen haben wir von folgenden Radio Stationen zurück erhalten: Basilisk, BE1, Aktuell, Top, Toxic FM, LoRa, Zürisee, Grischa und 3fach. Weitere Quellen, auf die sich die Arbeit stützt, sind die beiden Bücher Hochschul-Radios von Claudia Fischer und Das Praktikum im Journalismus von Elke Ahlswede, sowie ein Zeitungsartikel über Unimix aus der Zeitung Zürcher Student/in. Daneben stützt sich die Arbeit auf persönliche Erfahrungen der beiden Autoren, die sie im Komitee von Unimix während zwei Jahren sammeln durften.
Die Fragebögen haben geholfen, die Fragestellung der Arbeit zu finden und grundsätzliche Informationen über die Beziehungen und über strukturelle Gegebenheiten von Radio Stationen zu beschaffen.
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Die Hauptfragestellung wird hauptsächlich aufgrund der Leitfadengespräche, der eigenen Erfahrungen der Autoren sowie der Literatur zu beantworten versucht. Zur Thematik der Arbeit existiert eigentlich keine Literatur. Es gibt aber Literatur, welche die Fragestellung streift. Die Fragebögen waren wenig effizient im Sinne von umfassender Information. Sie vermitteln lediglich einen ersten Eindruck. Die Leitfadengespräche dagegen erwiesen sich als äusserst aufschlussreich, was die Hauptfragestellung betrifft.
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, herrscht bei den Radios der Schweiz eine zu grosse Formenvielfalt, als dass sich eine statistische Herangehensweise empfiehlt. In der Arbeit werden daher auch Einzelfälle behandelt, mit dem Wissen, dass die Arbeit nicht der Situation aller Radios gerecht wird. Methodisch geht die Arbeit in Richtung einer Aktionsforschung, trägt aber auch Züge einer objektiven Hermeneutik, was die Sicht von oben (siehe 3. Logik der Gliederung) betrifft. Wobei nochmals betont wird, dass die Arbeit nicht einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt. Sie verweist auf den akademischen Gedanken und möchte zu neuen Sichtweisen anregen oder schon bestehende Sichtweisen schärfen. In Anbetracht des Gegenstandes macht das Sinn, denn, wie schon mehrfach erwähnt, ist die Radiolandschaft Schweiz in ihren Strukturen und Beziehungsnetzen alles andere als homogen, was uns auch die Fragebögen bestätigt haben. Eine wissenschaftliche Arbeit im normativen Sinne würde dem Gegenstand nicht gerecht. Andrerseits sind die Autoren auch Teil des Gegenstandes der Arbeit, wodurch sich eben eine Aktionsforschung im Sinne der Wiedergabe von eigenen Erfahrungswerten aufdrängt. Zu guter letzt soll die Arbeit aber auch eine berufssoziologische Sicht beinhalten, die sich auf Leitfadengespräche als Erhebungsinstrument bezieht und die im zur Arbeit gehörenden Seminar 3 ‚trainiert’ wurde. Hier geht es also in Richtung einer objektiven Hermeneutik.
Was die Autoren etwas verunsichert hat, war der Umstand, dass die Hauptfragestellung in der Praxis sozusagen keine Bedeutung hat, also nicht ein eigentliches Problem darstellt. Sie haben sie trotzdem beibehalten, da sie einen durchaus interessanten Dunstkreis zieht. Zudem sind die Leitthesen, der beiden Teilfragen ziemlich banal. Doch es liegt in der Natur von sozialwissenschaftlichen Betrachtungen, dass sie banal wirken, denn schliesslich ist das Forschungsfeld von Sozialwissenschaften ein Feld, in dem die Wissenschaft mit der Alltagserfahrung der Menschen in Konkurrenz steht. 4 Das heisst aber nicht, dass sozialwissenschaftliche Betrachtungen keinen Sinn machen, denn sie können Sichtweisen trainieren und die Blicke der Alltagserfahrung schärfen.
4 Kromrey, 2002, S.16.
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5. Die Hauptfragestellung
Die Hauptfragestellung lautet: Welchen Einfluss haben die Strukturen von Einsteiger Radios auf die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen? Die Problematik, die mit der Hauptfragestellung verknüpft ist, ist alleine schon deshalb interessant, weil Einsteiger Radios noch eine junge Entwicklung sind. Claudia Fischer schreibt im Vorwort ihres Buches: „Die Entwicklung ist noch so jung, dass kaum gesicherte und gebündelte Informationen vorliegen. In rasanter Geschwindigkeit hat sich viel Fachkompetenz und Know-How angesammelt, das aber bislang häufig noch nur in den Köpfen der Aktiven und in ‚grauer Literatur’ (Handzettel, Flugblätter, Konzeptpapiere, usw.) existiert.“ 5
Einsteiger Radios fehlt noch eine Tradition, daher werden ihre Strukturen laufend überdacht und unterliegen einem starken Wandel. Folgender Teil aus dem Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder soll dies verdeutlichen: MG: Wie beurteilst du die Struktur eines Senders im zeitlichen Wandel. Denkst du, ihr könnt in fünf Jahren noch mit der gleichen Struktur funktionieren wie heute? Michael Rohmeder: Das ist sehr interessant. Nein, und das ist auch nicht nötig. Wir haben vor zwei Jahren mit einer ganz andern Struktur funktioniert als heute. Wir haben einen interessanten Wandel hinter uns. Also, das Pilotprojekt, das wir im Oktober 1999 gestartet haben, das war auf der Ebene eines Vereins. Da waren wir sieben bis acht Leute, die fanden, das ist gut, das machen wir zusammen. Dann haben wir einfach organisiert. Es lief sehr demokratisch ab, man hat abgestimmt, was man macht und was man nicht macht und das hat für die dreissig Tage auch ziemlich gut funktioniert. Und dann haben wir uns überlegt, dass das als dauerhaftes Radio funktioniert und Kontinuität da ist, müsste man eigentlich die Struktur schon überdenken. Man kann nicht gut über eine Vereinsstruktur funktionieren, bei der man keine Garantie für Kontinuität hat. Da sagte man sich, es braucht auch gewisse Hierarchien, dass man einen Chef hat, dass man jemanden hat, der die verschiedenen Bereiche, wie den Programmbereich, koordiniert und
5 Fischer, S. 12.
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auch, dass zwischen dem Programmbereich und dem Administrativen Bereich getrennt wird. 6
Die Fragestellung ist weiter interessant, denn sie fragt nach dem Einfluss der Strukturen auf die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen. Für die Autoren, die bei einem Einsteiger Radio die Strukturen mitgeprägt haben und mitprägen, ist die Frage wichtig, denn ein Ziel von Unimix ist es, als Radioschule zu funktionieren. Hinsichtlich der Arbeitsweise orientiert man sich da auch an den Gegebenheiten im professionellen Radiojournalismus, wobei man sicher nicht den Anspruch erhebt, eine gleichwertige Struktur zu haben und dadurch in ähnlich intensiver Form Erfahrungen bereit zu stellen, wie sie Leute sammeln können, die vollberuflich bei einem Radio beschäftigt sind. Claudia Fischer hinterfragt dies: „C.F.: Können Hochschul-Radios Erfahrungen für die journalistische Praxis vermitteln?
Wickert: Aber natürlich! Die Notwendigkeiten in einem kleinen Spartenradio und den grösseren Anstalten sind die gleichen: Man will Informationen transportieren und die Leute, die das einschalten, sollen das hören wollen. Die Studierenden werden also lernen, welche Sendungen ankommen und welche nicht ankommen. Ganz abgesehen davon lernen die Studierenden viel Handwerkliches, z.B. die Technik.“ 7 Ulrich Wickert ist Moderator der Tagesthemen in der ARD.
6. Die zwei Teilfragen
Die Hauptfragestellung soll über zwei Teilfragen genauer betrachtet werden. Zum einen wird nach den bestehenden Strukturen und dem Wandel von Strukturen bei Einsteiger Radios auf der einen und professionellen Radio Stationen auf der anderen Seite gefragt. Zum anderen ist da die Frage nach bestehenden Beziehungsnetzen, da sie eine grundlegende Rolle im Hinblick auf die Mobilität spielen.
6.1. Strukturen von Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen
Die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radios hängt stark von den strukturellen Unterschieden ab. Die Arbeit geht von der These aus, dass sich ähnliche Strukturen positiver auf die Mobilität auswirken als weniger ähnliche Strukturen. Konkret lässt sich das mit einem Beispiel verdeutlichen: Lernen Leute bei einem Einseiger Radio, das
6 Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder, Februar 2002.
7 Zitiert in: Fischer, S. 20.
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von der Struktur her ähnlich beschaffen ist, wie ein professionelles Radio, das Handwerk, dann werden sie sich auch schneller bei einem professionellen Radio zurecht finden. Das Beispiel ist aber etwas überspitzt, denn eine professionelle Struktur allein genügt noch nicht, um Leute auf ein professionelles journalistisches Niveau zu heben. Zudem hängt die Mobilität auch stark mit bestehenden oder nicht bestehenden Beziehungen zusammen, die wir in der zweiten Teilfrage behandeln werden.
Es gibt mehrere Faktoren, welche die Struktur eines Radios mitbestimmen. Die wichtigsten Faktoren seien kurz aufgezählt:
- Infrastruktur (Anzahl Studios, Computer, technische Geräte, eigene Frequenz)
- Organisationsform (Verein, AG, GmbH, ....)
- Personal (Motivation, Führungsstil, Ausbildung)
- Ausbildungsstruktur
- Arbeitsstruktur
- Finanzielle Kraft
- Soziodemographisches Umfeld
6.1.1. Vergleich zwischen den Strukturen von Unimix und Toxic FM
Aus der praktischen Perspektive wird nun ein Vergleich zwischen den Strukturen bei Unimix und bei Toxic FM herangezogen. Zuerst zu den Strukturen von Radio Unimix: Radio Unimix ist als Verein an die Universität Freiburg angegliedert. Es besteht also ein mehr oder wenig reger Austausch zwischen der Universität und dem Verein Unimix. Da die Autoren der Arbeit beide im Komitee des Vereins Unimix sind, kennen sie die Strukturen und Gegebenheiten gut. Sie wissen auch, was für Bestrebungen und Änderungen im Bereich von Struktur und Beziehungen zu anderen Radio Stationen laufen.
Unimix besteht seit 1995. Das Grundkonzept von Unimix war von Anfang an, als Radioschule zu funktionieren. Dieses Konzept wurde von den Autoren bei der Lektüre eines Artikels über Unimix aus dem Jahre 1997 wiederentdeckt. Thomas Ley: „Hauptzweck dieser ,Radioschule’, wie sie sich selbst nennt, ist ein Einblick in die praktische Welt des Radiomachens. Und die Studis sollen dabei selbst Hand anlegen. Denn die eigene Messlatte liegt hoch: ,Die Herausforderung [...] ist das Produzieren von Sendungen, die eine solche inhaltliche und technische Qualität erreichen, dass sie über professionelle Radiostationen
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gesendet werden können.’“ 8 Das Konzept der ,Radioschule’ wurde unabhängig vom Artikel wieder stärker ins Auge gefasst.
Neben den Vorlesungen und Kursen der Radiopraxis sollen Studentinnen und Studenten die Möglichkeit haben, sich mit dem Radiomachen zu beschäftigen. Ausserdem wird auch Studierenden anderer Fachbereiche die Möglichkeit geboten, Radioluft schnuppern zu können.
Die Ausbildung bei Unimix stützt sich auf mehrere Pfeiler. Einmal wird jede Woche eine einstündige Sendung produziert. Neumitglieder werden dabei von älteren Mitgliedern in die Arbeit eingewiesen. Dadurch findet ein sogenanntes ‚learning by doing’ statt. Einen weiteren Pfeiler bieten die Vorlesungen und Kurse in Journalistik, welche nebst einem theoretischen Hintergrund auch praktisch schon einen Einblick bieten.
Unimix organisiert einmal jährlich einen Kurs, der von Radioprofis geleitet wird. Daneben werden demnächst interne Übungen in kleinen Gruppen der Mitglieder durchgeführt. Unimix basiert also auf internen und externen Ausbildungsebenen. Unimix ist, wie Radio Freiburg / Fribourg, in eine deutsprachige und eine französischsprachige Redaktion unterteilt. Beide produzieren je eine Stunde Radio pro Woche, welche über die entsprechende Sektion von Radio Freiburg beziehungsweise Radio Fribourg gesendet wird. Die französischsprachige Redaktion produziert Sendeelemente, welche dann zu einer Live-Sendung beitragen. Die Live-Sendung der französischsprachigen Redaktion wird jeweils von einem Techniker von Radio Fribourg begleitet. Die deutschsprachige Redaktion produziert ihre wöchentliche Stunde weiterhin vor. Zusätzlich werden die französischsprachigen Unimix Sendungen seit dem Jahr 2001 über das Quartier Radio ‚Radio Quartier d’ Alt’ und ‚Fréquence Banane’, das Radio des Polytechnischen Instituts Lausanne, ausgestrahlt.
Die deutschsprachige Redaktion ist noch nicht so weit fortgeschritten. Während die französischsprachige Redaktion um die 20 Mitglieder umfasst, sind bei der deutschsprachigen Redaktion um die 40 Mitglieder, mehr oder weniger aktiv, an der Produktion von Radiosendungen beteiligt. Das war nicht immer so. Vor allem in den letzten beiden Jahren (2001/2002) ist die Mitgliederzahl bei Unimix im Zuge der wachsenden Studierendenzahl des Departements Gesellschaftswissenschaften massiv angestiegen. Die Produktionsstruktur von
8 Ley, S. 11.
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Unimix ist aber weiterhin eher bescheiden. Unimix besitzt lediglich ein Studio für die Produktion der Sendungen, das in den letzten Jahren immer mehr zu einem Engpass wurde. Konkret heisst das, dass die deutschsprachige Redaktion erst mal die neuen Begebenheiten in den Griff bekommen muss. Zur Zeit ist der deutschsprachige Teil des gemeinsamen Komitees hauptsächlich damit beschäftigt, eine straffere Struktur und ein adäquates Sendekonzept zu entwickeln. So wird vermehrt Wert auf die effiziente und dennoch nicht oberflächliche technische, theoretische und praxisorientierte Ausbildung der Neumitglieder gelegt. Die Orientierung an professionellen Ausbildungsstrukturen steht zur Zeit eher im Hintergrund. In einfachen Worten sollen die Neumitglieder zuerst die Kompetenz erhalten, selbstständig und effizient die knappen Studioressourcen nutzen zu können. Es wird also versucht zuerst aus dem was man hat, das Beste herauszuholen, bevor man über eine Verbesserung der Infrastruktur nachdenkt. Denn mit der gestiegenen Mitgliederzahl kam auch das Problem der Oberflächlichkeit der Moderationen und Sendeelemente. Daneben wusste ein Grossteil der Neumitglieder auch noch nach einem Jahr nicht, wie wichtige Technikgeräte richtig bedient werden. Erst wenn man nicht mehr über die Technik nachdenken muss, kann man auch inhaltlich gute Sendungen produzieren.
Der nun eingeschlagene Lösungsweg, damit die deutschsprachige Redaktion von Unimix weiterhin dem Anspruch einer Radioschule gerecht wird, lässt sich mit dem Stichwort Dezentralisierung der Kompetenzen (Ausbildung, interne Qualitätskontrolle) treffend beschreiben. Weiter wird versucht, Basiswissen in Form verschiedener Leitfadenpapers für die Ausbildung bei Unimix tradierbar zu machen. So soll verhindert werden, dass, wenn ältere Mitglieder Unimix verlassen, Unimix mit ihnen auch ihr Wissen verloren geht. Kurz gesagt, soll das Wissen bei Unimix durch zunehmende Schriftlichkeit gespeichert werden. Zu den Strukturen von Toxic FM:
MG: Welche Philosophie steckt hinter Toxic FM?
Michael Rohmeder: Da könnten wir eigentlich den Stiftungszweck nehmen. Toxic wird ja von einer Stiftung getragen, die von Studierenden gegründet wurde. Der Stiftungszweck beinhaltet drei Dinge. Das eine ist, ein Programm zu machen für die junge Zielgruppe, insbesondere Jugendliche in der Stadt und Studierende der Universität St. Gallen. Der zweite Zweck ist es, ein Ausbildungsradio zu sein, das eine Einstiegsmöglichkeit in die Radiowelt bieten soll, einerseits für Leute, die in den Journalismus möchten, andererseits als Erfahrung für Leute, die Wirtschaft oder
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Recht studieren. Und der dritte Zweck ist etwas, das man dann später umsetzen kann, dass man mit der Universität zusammen auch Forschungsprojekte realisieren kann, dass man anhand eines Radios, das nahe an der Universität ist, forschen könnte. Aber das ist etwas, das im Moment noch nicht umgesetzt ist. Das dauert sicher noch ein bis zwei Jahre. Von dem her haben wir mit der Philosophie eigentlich zwei Seiten. Im Programmbereich haben wir das Ziel, ein freches Programm zu machen, das sich vor allem durch das Musikprogramm ein wenig abgrenzt von den Mainstream Sendern, die es gibt, dass wir auch unbekannte Musik spielen, in einem Mix mit ausgewähltem Mainstream. Dadurch möchten wir eigentlich der Sender für die jungen Leute und für die Studierenden sein. Dann haben wir die Macherseite, auf der es darum geht, den Leuten durch den Ausbildungslehrgang, der immer auch mit dem Praktikum kombiniert ist, eine fundierte Ausbildung im Bereich Radio zu vermitteln. MG: Was sind die Anforderungen, die man an jemanden stellt, wenn er hier hin kommt?
Michael Rohmeder: Also als Anforderung ist da, dass man allgemein für das Medium Radio geeignet ist. Jemand, der Mühe hat zu reden, sich zu artikulieren oder unter Umständen keine journalistische Qualifikationen mitbringt oder auch in einem Bereich wie Musikredaktion nichts beitragen könnte, den nehmen wir dann eigentlich nicht. Also dort gibt es einen Anforderungskatalog aufgrund dessen wir dann zuerst schriftliche Bewerbungen prüfen, dann mit den Leuten im Radiostudio Sendungen machen. Aufgrund der Aufnahmen schauen wir, ob sie die Möglichkeiten haben, auch etwas aus dem Kurs zu machen und auch ob es denkbar ist, dass die Sachen gesendet werden und aufgrund dessen wählen wir dann die Leute aus, bis maximal 15 Teilnehmer pro Lehrgang. MG: Wie läuft es formell ab, mit dem Einstellen von Leuten, was sind da strukturelle Gegebenheiten?
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Michael Rohmeder: Wir haben mit den angestellten Leuten im administrativen Bereich und auch den Ressort Leitern Arbeitsverträge mit Kündigungsfristen, wie es überall üblich ist. Bei den Leuten, die im Praktikum sind, haben wir einen Ausbildungsvertrag, der klar definiert: unsere Leistung sind die und die Ausbildungen, deine Leistung sind so und so viel Stunden in Form von Arbeitsschichten, in denen du von deinem direkten Chef entsprechend eingeteilt und angewiesen wirst. Dann gibt es da auch eine Kündigungsmöglichkeit von beiden Seiten, also das ist eigentlich wie ein Arbeitsvertrag aber mit Ausbildung statt Lohn. MG: Ist das neu, dass ihr solche Arbeitsverträge habt? Das hattet ihr vermutlich vorher noch nicht.
Michael Rohmeder: Also, im Pilotversuch hat einfach jeder mitgemacht. Man war auch einem Arbeitsbereich zugeteilt. Dort hatte man auch Leute, die nicht gut waren, aber man hat die einfach bis zum Schluss dieser fünfundzwanzig Tage Pilotversuch behalten. Dort hat man es nicht geschafft, Leute zu entlassen. Im zweiten Pilotversuch, der schon ein wenig die Form eines Dauerbetriebes annahm, weil wir auch damals die Hoffnung hatten, dass man im Verlauf vom Mai die Dauerkonzession noch bekommt, was dann nicht der Fall war, da hat man die Leute sogar auf Teilzeit angestellt und an sich eigentlich alle mit wenig Lohn in einem richtigen Teilzeit Arbeitsvertrag. Da hat man auch jemandem gekündigt im Finanzbereich. Dort lief das ansatzweise auch schon, doch die Leute, inklusive ich, wir hatten damals noch wenig Erfahrungen mit Personalproblemen. An sich wären die formellen Strukturen vorhanden gewesen, also man sagte, man muss einen Vertrag machen, in einem Vertrag sind die Kündigungsbedingungen drin, aber man hatte dann Mühe, um zum richtigen Zeitpunkt auch so unpopuläre Entscheidungen durch zu ziehen. Und das ist jetzt im Dauerbetrieb insofern anders, dass man es nun zwei mal schon gemacht hat.
MG: Also, das ist ein wenig routiniert, also noch nicht wirklich eine Struktur in dem Sinne?
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Michael Rohmeder: Nein, es ist noch nicht so eine stabile Struktur wie in einer Firma, es ist auch so ein Zwischending zwischen einer Firma und einer studentischen Organisation. Von dem her kommt es immer wieder vor, dass die Leute das Gefühl haben, man müsse solche und andere Sachen demokratisch entscheiden. Dann ist das Verständnis auch nicht da, wenn jetzt die Programmleitung, also der Geschäftsführer und die Ressortleiter, etwas entscheiden und umsetzten oder wenn der Geschäftsführer einfach mal sagt, so und nicht anders, weil man lange diskutiert hat. Das ist manchmal ein wenig schwierig aber auf der anderen Seite glaube ich, war es bis jetzt auch ein ganz grosser Vorteil, dass man eine klare Linie durchziehen konnte. MG: Ist es aus jetziger Sicht eher so, dass ihr noch mehr, noch klarere Strukturen schaffen möchtet oder eher nicht?
Michael Rohmeder: Ich glaube, wir werden schon mehr noch versuchen, die Strukturen zu professionalisieren. Ich glaube, das ist etwas, das sich mit der Zeit einspielt und das jetzt im Moment in einer Übergangsphase von demokratisch zu professionell organisiert noch ein Problem ist, das nachher dann aber zum Alltag wird. 9
Ein Unterschied in der Struktur von Unimix und Toxic FM ist, dass Unimix grundsätzlich demokratisch organisiert ist, während Toxic FM nun eine hierarchische Struktur gewählt hat. Generell ist Toxic FM viel professioneller strukturiert: Sie haben Anstellungs- und Ausbildungsverträge, sie beschränken den Zugang zu ihrem Radio-Ausbildungslehrgang auf fünfzehn Teilnehmer/innen pro Lehrgang. Die zukünftigen Mitarbeiter müssen sich bewerben. Anhand mehrerer Kriterien wird ihre Eignung bewertet. Nebst den Ressort Leitern und dem Geschäftsführer gibt Felix Mätzler Einschätzungen ab, wer sich eignen könnte und wer nicht. Das alles gibt es bei Unimix nicht. In den Statuten von Unimix ist fest gehalten, dass jede/r mitmachen kann. Dies hat seine Vor- und Nachteile. Unimix ist ja ein Radio, das in der Nähe eines Instituts für Journalistik angesiedelt ist. So können Studierende der Journalistik selbst herausfinden, ob ihnen Radio liegt oder eben nicht. Ein Nachteil ist aber, dass durch den leichten Zugang zu Unimix, die Möglichkeit fehlt, nicht geeignete Leute fern zu halten oder zu ‚entlassen’. Die einzigen Zugangsbedingungen bei Unimix sind der Mitgliederbeitrag und
9 Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder, Februar 2002.
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die Bedingung, dass die Mitglieder sich in der deutschen Sprache (auch Dialekt) oder der französischen Sprache (auch Dialekt) ausdrücken können.
Auf Seiten der Produktion ist Toxic FM ebenfalls weiter fortgeschritten als Unimix. Sie besitzen zwei Studios sowie eine eigene Konzession, die sie vom BAKOM mit der Bedingung bekommen haben, dass sie nebst der alternativen Musikrichtung als Ausbildungsradio funktionieren. Unimix steht ein kleines Studio für alle Mitglieder beider Redaktionen zur Verfügung. Unimix produziert pro Redaktion nach wie vor eine Radio-Stunde pro Woche. Die strukturellen Unterschiede sind untereinander verknüpft. Krass ausgedrückt, hat ein Einsteiger Radio, das über eine Infrastruktur wie die von Unimix verfügt, wenig Aussichten darauf, eine eigene Konzession zu erhalten. Wobei hier natürlich auch die Frage gestellt werden muss, ob es für das jeweilige Gebiet noch freie Konzessionen gibt sowie ob es für das betreffende Einsteiger Radio überhaupt wünschenswert und mit dem Konzept vereinbar ist, eine solche anzustreben. Alleine die Tatsache, dass man Aussicht auf eine Konzession hat, beeinflusst auch die Überlegungen, die Strukturen zu ändern.
Wie die Strukturen sich (im Sinne von professionell oder eben nicht professionell) auf die Ausbildung auswirken können, zeigt der folgende Ausschnitt aus dem Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Programmchef von Radio Freiburg:
MZ: Wo, denkst du, unterscheidet sich die Ausbildung bei Einsteiger Radios wie Unimix und professionellen Radios wie Radio Freiburg?
Karl Ehrler: Auf der einen Seite arbeitet man mehr. Bei professionellen Radios ist man
MZ: Und wie beurteilst du die Ausbildung bei Unimix konkret?
Karl Ehrler: Man merkt extrem, obwohl ich es jetzt nicht im Detail benennen kann, wie
MG: Was sind häufige Mankos von Leuten, die jetzt zum Beispiel von Unimix kommen?
Karl Ehrler: Das ist vor allem eine gewisse Sprechtechnik, eine gewisse Grundpräsenz.
6.1.2. Abgrenzungen: Was macht eine professionelle Struktur aus?
Im folgenden geht es um Merkmale, die eine professionelle Struktur ausmachen. Es scheint keine allgemein gebräuchliche Definition zu bestehen, was professionelles Radio ausmacht 11 , denn die Radiolandschaft ist eben zu unterschiedlich. Gemeinsame Merkmale von professionellen Radio Stationen kann man in einer Abgrenzung zu Strukturen von Einsteiger Radios finden.
Kurz seien wichtige Kriterien genannt, auf die eingegangen wird und die anhand der Leitfadengespräche, soweit verfügbar, illustriert werden:
- Radiojournalismus als vollberufliche Tätigkeit
- Prozess zur Erlangung des Journalistenausweises und zur Eintragung ins Berufsregister
- Klare Hierarchie sowie arbeitsrechtliche oder -ethische Normen (Journalistenkodex, Gesamtarbeitsvertrag GAV)
- Anstellungskriterien (Konstruktion journalistischer Kompetenz)
- Organisationsform im Sinne einer wirtschaftlichen Ausrichtung der Programmstruktur
- Eigene Frequenz
10 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
11 Zu dieser Einsicht gelangten die Autoren der Arbeit dadurch, dass die Frage weder von Stephanie Weiss vom
Forschungsdienst der SRG SSR idée suisse noch von Prof. Volker Bornschier vom Soziologischen Institut der
Universität Zürich beantwortet werden konnte, an den uns Frau Weiss freundlicherweise verwies.
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Karl Ehrler über den Prozess zur Erlangung des Journalistenausweises, der eng mit dem Ausüben des Radiojournalismus als vollberufliche Tätigkeit verknüpft ist (normative Legitimation in Form einer Bestätigung des Berufstandes):
MZ: Was sind die Anstellungskriterien für die Festanstellung, auf was wird da bei euch geachtet?
Karl Ehrler: Eben, dort muss man wieder zwischen Redaktion und Moderation
MG: Wieso Berufsabschluss?
Karl Ehrler: Rein wegen dem Alter, wir stellen niemanden an, der 16, 17 Jahre alt ist. Also
MZ: Was zeichnet denn den Radioprofi aus?
Simon Wälti: Er hat bei verschiedenen Radios gearbeitet und hat auch Erfahrung gesammelt. Dazu viel Übung beim Radio und das journalistische Handwerk muss man beherrschen und eben auch ausgeübt haben. Zur Grundvoraussetzung gehört auch eine gute Stimme und die Gabe, etwas schnell wiederzugeben. Dann gibt es sicher viele Voraussetzungen, die jemand mitbringen muss, sei das die Stimme als Kapital, sei das Belastbarkeit, Motivation, der Wille etwas zu recherchieren und Qualität zu zeigen. 13
Um wieder auf die Fallbeispiele Unimix und Toxic FM zu sprechen zu kommen: Sie unterscheiden sich in den Kriterien der Abgrenzung zu professionellen Radio Stationen. Während Toxic FM die Kriterien der Bedingungen für das Erlangen des Journalistenausweises und Berufregistereintrags auf der einen und der Organisation im Sinne einer wirtschaftlichen Programmstruktur auf der anderen Seite nicht vollends erfüllt, erfüllt Unimix keines der Kriterien aus dem oben genannten Katalog (siehe S. 15). Wie dem Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder zu entnehmen ist, ist man bei Toxic FM nicht ausschliesslich auf Sponsoring und Werbung angewiesen und nutzt daher auch einen gewissen Spielraum im Programmbereich aus. So grenzt sich Toxic FM durch ein alternatives Musikprogramm und eine Ausbildungsstruktur, die nicht auf den Kriterien zur Erlangung des Journalistenausweises basiert, von den professionellen Radio Stationen ab. Unimix ist noch viel stärker ein Kontrapunkt zur professionellen Radiolandschaft was die Struktur betrifft.
12 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
13 Leitfadengespräch mit Simon Wälti, Dezember 2002.
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6.2. Beziehungsnetze
Wie schon erwähnt sind es nicht nur die Strukturen, welche eine Auswirkung auf die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen haben. Auch die Beziehungsnetze sind wichtig. Denn was nützt es, eine ähnliche Struktur zu haben, wenn andere Radio Stationen keine Kenntnis davon haben. Als Beziehungen werden hier vor allem Austauschbeziehungen im personellen Bereich betrachtet. Hier lautet die Leitthese: Je stärker die Austauschbeziehungen, desto grösser die Mobilität. Dies gilt sowohl für die Beziehungen zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radio Stationen als auch für die Beziehungen innerhalb der professionellen Radiolandschaft.
6.2.1. Beziehungen zwischen Einsteiger Radios und der professionellen Radiolandschaft Unimix pflegt zwar Beziehungen mit Radio Freiburg, diese beschränken sich aber
hauptsächlich darauf, dass Unimix ihre vorproduzierten Sendungen bei Radio Freiburg vorbei bringt. Radio Freiburg kritisiert die Sendungen nur bei massiven technischen oder inhaltlichen Mängeln. Bei der französischsprachigen Sektion von Unimix ist die Beziehung etwas intensiver, da sie ihre Live-Sendungen zusammen mit einem Techniker von Radio Fribourg realisieren. Hier wären stärkere Beziehungen im Sinne von ausführlicherem Feedback einer Fachperson von Radio Freiburg / Fribourg wünschenswert, dies geht aber durch die mangelnde Zeit bei Radio Freiburg / Fribourg unter.
Eine indirekte Beziehung besteht aber insofern, dass sich, allein durch das Bestehen von Unimix, vermehrt Journalistikstudentinnen und -studenten bei Radio Freiburg / Fribourg bewerben.
MG: Was bringen Einsteiger Radios deiner Meinung nach der professionellen
Radiolandschaft?
Karl Ehrler: Als erstes sicher einmal Nachwuchs. [...] Ich finde das sehr wichtig. Hier in
Bei Toxic FM sind auch Beziehungen zu Radio Aktuell da. Radio Aktuell hat Toxic FM einen Teil der Studiotechnik günstig verkauft.
MG: Wie gross, denkst du, ist das Interesse der professionellen Radiolandschaft an Leuten, die bei Toxic eine Ausbildung gemacht haben?
Michael Rohmeder: [...] Ich glaube, dass das Interesse prinzipiell schon da wäre, also wir haben das gemerkt, daran, dass Radio Aktuell, der St. Galler Lokalsender uns bei der Gründung unterstützt hat, in der Hoffnung, dass wir ein spannendes Farmteam werden, von dem sie dann ausgebildete Leute rekrutieren könnten. Also, das Interesse daran bestünde, Leute mit praktischer und theoretischer Ausbildung einstellen zu können, die gezeigt haben, dass sie es können, das ist sicher da. [...]
MG: Und wie ist diese Stiftung organisiert?
Michael Rohmeder: Also, dort hat der Verwaltungsträger der Universität Einsitz, der ehemalige Präsident der Studentenschaft, zwei Studierende, die es gegründet haben und ein Vertreter von Radio Aktuell, der einen Anfangsbetrag gegeben hat. 15
Wie aus den Leitfadengesprächen hervorgegangen ist, sind zwar Beziehungen zwischen Einsteiger Radios und professionellen Radios da, diese sind aber nicht besonders weitreichend. Sie beschränken sich auf Unterstützung im Sinne von Studiotechnik oder im Falle von Unimix auf das Bereitstellen von Sendezeit. Daneben sind eben die indirekten Beziehungen da, indem Leute, die von Einsteiger Radios kommen, sich eher bei dem professionellen Partnersender bewerben und dort dann eine Arbeitsstelle finden, sofern ihnen nicht ihr Dialekt in die Quere kommt. Wie es mit der Konkurrenz der Beziehungsnetze innerhalb der professionellen Radiolandschaft aussieht, wird nun im nächsten Kapitel gefragt.
14 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
15 Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder, Februar 2002.
19
6.2.2. Beziehungen innerhalb der professionellen Radiolandschaft
Bei den Beziehungen innerhalb der professionellen Radiolandschaft kommt ein wichtiges Element neu dazu: das Element der Konkurrenz. Hier finden Abwerbungen statt. Das Konkurrenzdenken verhindert auch eine engere Zusammenarbeit. Hier zeigen sich aber die Grenzen der Mobilität
MG: Bei Leuten, die zu euch kommen, nehmt ihr da lieber Leute, die schon mal bei einem ähnlichen Sender waren oder nehmt ihr auch Leute von Einsteiger Radios? Simon Wälti: Bei uns besteht die Möglichkeit eines Volontariats. Nach einem Jahr können
Dass zuerst auf den Pool an eigenen Volontären oder Praktikanten zurückgegriffen wird, stellt auch Elke Ahlswede fest: „Doch schnell kann aus einem unverbindlichen Schnuppern auch eine inoffizielle Probezeit werden: Bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter - von Volontären über freie Mitarbeiter bis hin zu Redakteuren und Pressesprechern - greifen Chefredakteure und Personalchefs zunehmend auf den Pool bewährter Praktikanten zurück.“ 17 Es gibt zwar Verbände, namentlich den Verband Schweizer Privatradios (VSP). Dieser Verband operiert aber hauptsächlich im medienpolitischen Bereich und auch dort spürt man das Konkurrenzdenken. MG: Gibt es Institutionen in der Schweiz in Form von Verbänden, in Deutschland gibt es einen solchen Verband sogar auf der Ebene von Hochschul-Radios?
Karl Ehrler: Ja, es gibt den VSP, den Verband Schweizer Privatradios. [...]Es geht in dem
16 Leitfadengespräch mit Simon Wälti, Dezember 2002.
17 Ahlswede, S. 14.
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7. Berufslehre Radio-Journalist/in?
Für den Beruf des Journalisten oder der Journalistin besteht bis jetzt noch kein allgemein strukturierter Ausbildungslehrgang im Sinne einer Berufslehre. Hier müssen sich angehende Journalisten und Journalistinnen die Ausbildung an mehreren Orten zusammen suchen. Gäbe es einen solchen einheitlichen Lehrgang, der auf eidgenössischer Ebene anerkannt wird, dann fiele die Diskussion weg, inwieweit Einsteiger Radios auch einen Beitrag zur Ausbildung im Radiojournalismus leisten sollen. In diesem Kapitel wird gefragt, weshalb es noch nicht so weit ist oder vielleicht nicht so weit kommen wird. Dazu stützen sich die Autoren auf die Leitfadengespräche.
MZ: Wieso, denkst du, gibt es noch keine Radioberufslehre in der Form, wie es beispielsweise eine Schreinerlehre gibt?
Simon Wälti: Ja, warum gibt es das noch nicht? Also, jeder macht für sich etwas. Vielleicht hat das eben noch historische Wurzeln bei den Lokalradios. Jeder hat für sich mal angefangen und ist so ein wenig gewachsen, hat versucht, sich zu behaupten und wurde nachher je nachdem
18 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
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übernommen oder wurde von Zeitungskonzernen aufgekauft oder von anderen Konzernen, die sich daran beteiligt hatten. Vielleicht gibt es das deshalb noch nicht. Und finanziell ist niemand auf Rosen gebettet oder die meisten nicht. Im Grossraum Zürich lässt sich eher noch mehr Geld verdienen mit Privatradios. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, also, dass die Finanzen und Strukturen so ein wenig fehlen. Wenn man so einen Ausbildungslehrgang anbieten möchte, bräuchte es sicher auch Initiative, auch vom Staat her und auch von der öffentlichen Hand her; sei das durch das zur Verfügung stellen von Schulräumen oder auch von Geldern, um das finanzieren zu können. Ja, und dann könnte man wahrscheinlich mehr machen. Aber jetzt zur Zeit ist es ja auch für die Journalisten, auch die Zeitungsjournalisten so, dass sie so ein wenig MAZ-Kurse, ein wenig Kurse von TA Media und / oder bei Ringier Kurse besuchen. Je nachdem ist es auch praxisorientiert an den verschiedenen Universitäten. Man muss sich das momentan eigentlich so ein wenig zusammen suchen. 19
Karl Ehrler nennt einen finanziellen Aspekt, der mit einer Berufslehre zusammen hängen würde:
Karl Ehrler: [...] Also, auf der einen Seite profitieren Radios wie wir von solchen Stageiers,
19 Leitfadengespräch mit Simon Wälti, Dezember 2002.
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Weiter stellt Karl Ehrler auch fest, dass sich das Konkurrenzdenken unter den professionellen Radio Stationen eher negativ auf eine solche mögliche Entwicklung Richtung Berufslehre auswirkt, fände sie aber wünschenswert: MZ: Aber es wäre deiner Meinung nach wünschenswert, eine Zusammenarbeit auch in der Ausbildung?
Karl Ehrler: Ja unbedingt, unbedingt. Man muss das nachher aber auch irgendwie füllen
Als weiter hinderlich in Anbetracht einer Berufslehre zum Radiojournalisten oder zur Radiojournalistin zeigen sich die Unterschiede in den gesprochenen Dialekten. Dazu Simon Wälti:
Simon Wälti: [...] also ich denke, dass mit diesen verschiedenen Sprachregionen immer noch
20 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
21 Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
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8. Fazit
Zusammenfassend lässt sich eines mit Sicherheit festhalten: Die Mobilität zwischen Einsteiger Radios und professionellen Stationen mag so gross sein, wie sie will, strukturiert und reglementiert ist sie nicht. Das heisst, es mag zwar stimmen, dass bei Anstellungen Leute mit Vorkenntnissen anderen gegenüber bevorzugt werden, klare Vorstellungen, was jemand konkret vorher gemacht hat, bestehen aber nicht. Sei das nun innerhalb der professionellen Radiolandschaft oder zwischen professioneller Radiolandschaft und Einsteiger Radios. Daneben kommt hinzu, dass bei frei werdenden Stellen zuerst auf Praktikantinnen und Praktikanten oder Volontäre im eigenen Betrieb zurück gegriffen wird. Es gibt fast keine Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung zwischen professionellen Radio Stationen und Einsteiger Radios. Es sind zwar latent Beziehungen vorhanden, diese sind jedoch in keinem Fall klar reglementiert oder strukturiert. Meistens betreffen die Beziehungen mehr Bereiche wie den Austausch von Sendeelementen, ein gemeinsames Korrespondenznetz, Austausch von Archivmaterial oder in Form von Verbänden, wie dem Verband Schweizer Privatradios (VSP), in dem sich Radios zusammen tun, um ihre medienpolitischen Interessen durchzusetzen. Die oft genannten Gründe für eine mangelnde oder fehlende Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung sind:
- fehlende Zeit
- zu wenig wirtschaftlich, fehlende finanzielle Mittel
- zu wenig Vertrauen in die Ausbildung anderer Radiostationen
- Konkurrenzdenken
- Sprachregionale Differenzen (Dialekte)
Diese Gründe hängen zusammen. So lässt sich das mangelnde Vertrauen teilweise auch darauf zurückführen, dass keine oder nur schwache Kenntnisse von der Ausbildungsstruktur anderer Stationen vorhanden sind, weil eben Beziehungen in Form von personellem Austausch eher fehlen. Dies hängt damit zusammen, dass für eine Zusammenarbeit zu wenig Zeit zur Verfügung steht und / oder eine Zusammenarbeit als zu wenig wirtschaftlich oder sogar schädlich (Abwerbungen und Konkurrenz) betrachtet wird. Doch ist das nun ein Problem oder eine Chance für Einsteiger?
Für die Einsteiger ist das eher eine Chance, da sie nicht in direkter Konkurrenz zu professionellen Radio Stationen angesiedelt sind. Doch die Beziehungen zu professionellen
22 Leitfadengespräch mit Simon Wälti, Dezember 2002.
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Radio Stationen sind zu wenig da, als dass professionelle Radio Stationen Leute von Einsteiger Radios holen (abwerben).
Im Endeffekt führt dies dazu, dass die Mobilität vor allem von den Einsteigern ausgeht. Sie bewerben sich aktiv bei professionellen Radio Stationen. Was die Einsteiger mitbringen sind aber Vorkenntnisse und eventuell schon Beziehungen zu professionellen Radio Stationen. Mobilität und Durchlässigkeit könnten grösser sein. Dass professionelle Radio Stationen aktiv Leute bei Einsteiger Radios abwerben, ist nach der Meinung der Autoren dieser Arbeit, aber nicht nötig. Hier sollten die Einsteiger den Lernprozess einer Bewerbung ruhig aktiv durchmachen.
Aus Sicht der Autoren wäre eine stärkere Zusammenarbeit zwischen allen Radio Stationen durchaus wünschenswert, sei dies nun auf der Ebene Einsteiger-Profis oder Profis-Profis. Hiermit wird der Arbeit noch eine ideologische Komponente verliehen.
Zuletzt bleibt zu sagen, dass die Funktionen von Einsteiger Radios mehrere sind und sich keinesfalls auf die Steigerung der Chancen für einen Einstieg in den professionellen Radiojournalismus beschränken. Einige Funktionen seien noch genannt:
- Förderung der Pluralität in der Radiolandschaft Schweiz
- Innovation im Bereich neuer Sendeelemente
- Spartenprogramme (Campus Radios, Alternativ Radios, offene Kanäle)
- Repräsentanz von Minderheiten
- Wissenschaftliche Praxispools
- Ausbildung / Vorbildung
- Filterfunktion (Gefallen am Medium Radio)
- Zusammenarbeit mit einer universitären Ausbildung (MAZ, Journalistische Institute)
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Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Leitfadengespräch mit Michael Rohmeder, Februar 2002. Leitfadengespräch mit Simon Wälti, Dezember 2002. Leitfadengespräch mit Karl Ehrler, Dezember 2002.
Fragebögen von den Radios: Basilisk, BE1, Aktuell, Top, Toxic FM, LoRa, Zürisee, Grischa und 3fach.
Literatur
Ahlswede, Elke: Das Praktikum im Journalismus: Medienberufe Band 1. Verlag UVK Medien, Konstanz 2002.
Fischer, Claudia (Hrsg.): Hochschul-Radios: Initiativen - Praxis - Perspektiven. Erste Auflage, Verlag UVK Medien, Konstanz 1996.
Kromrey, Helmut: Empirische Sozialforschung: Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenauswertung. Zehnte, vollständig überarbeitete Auflage, Verlag Leske+Budrich, Opladen 2002.
Ley, Thomas: Radio überm Röstigraben. In: ZÜRCHER STUDENTiN, 74. Jahrgang, Nr. 25/26, 10. Januar 1997, S.11.
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Arbeit zitieren:
Matthias Giger, Martin Zbinden, 2002, Strukturen bei Einsteiger Radios in Hinblick auf die Mobilität, München, GRIN Verlag GmbH
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