Inhaltsverzeichnis
Nummer Titel Seite
Einleitung 1
Analyse 2
1. Wandel im Titel der Konferenzen 2
2. Das Recht auf die eigenen Ressourcen 3
3. Variierende Akteurstypen 4
4. Wachsende Berücksichtigung von Minderheiten 7
5. Die Bewertung von Unterdrückung und Krieg 8
Ausleitung 10
Einleitung
Die weltweite Umweltschutzzusammenarbeit hat in den letzten drei Dekaden vielfältige Veränderungen durchlebt. Von einer ehemals hauptsächlich staatlich geprägten Anstrengung zur Zeit des Kalten Krieges wandelte sie sich mehr und mehr zum Instrument kleinerer Akteure, die aktiv den durch die mäßigen Erfolge der Nationalstaaten entstandenen Freiraum deutlich erweiterten und ausfüllten. Gerade einmal vier funktionsfähige Umweltschutzregimes sind in den zwanzig Jahren zwischen der ersten Weltumweltkonferenz in Stockholm 1972, die zur Gründung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen geführt hat, und der Folgekonferenz 1992 in Rio in Kraft getreten. Dies sind das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES 1 ), das Baseler „Sondermüll-Übereinkommen“ 2 , das Wiener Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht 3 und das Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung 4 . In diesem Zeitraum hat gleichzeitig eine große Anzahl nichtstaatlicher Akteure versucht, Erfolge wie diese auch auf anderen Bereichen zu wiederholen oder bestehende Verträge zu verbessern - beziehungsweise deren Einhaltung zu überwachen. Vor allem regional konnten die netzwerkartig agierenden Vereine wirksam werden. Dadurch hat sich eine Praxis nachhaltigerer Politik ergeben, die von der Vielfalt des Themenkomplexes mehr und mehr profitiert.
Um diese Entwicklung nachzuvollziehen, werden in dieser Arbeit die Abschlusserklärungen der drei größten Weltumweltkonferenzen untersucht. Die erste Konferenz fand 1972 in Stockholm statt, die United Nations Conference on the Human Environment. 5 Zwanzig Jahre später wurde in Rio de Janeiro die United Nations Conference on Environment and Development 6 abgehalten. Die jüngste Konferenz war 2002 in Johannesburg der World Summit on Sustainable Development. 7
Die Abschlusserklärungen der drei Konferenzen sind selten im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung, da sie rechtlich unverbindliche Dokumente sind, die zumeist Absichtserklärungen beinhalten und grobe Ziele vordefinieren. Die Implementierungspläne und völkerrechtlichen Verträge, die ebenfalls im Rahmen der Konferenzen entstehen können, ernten verständlicherweise den Großteil der Aufmerksamkeit. Sie sollen bewusst außen vor
1 www.cites.org
2 BGBl. 1994 II S. 2704.
3 BGBl. 1988 II S. 902.
4 BGBl. 1982 II S. 374.
5 http://www.unep.org/Documents/Default.asp?DocumentID=97&ArticleID=1503 , nachfolgend „1972“.
6 http://www.unep.org/Documents/Default.asp?DocumentID=78&ArticleID=1163 , nachfolgend „1992“.
7 http://www.un.org/esa/sustdev/documents/WSSD_POI_PD/English/POI_PD.htm , nachfolgend „2002“.
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gelassen werden, um gerade die rechtlich unverbindlichen und damit mutmaßlich freieren und von Stimmungen beeinflussbareren Dokumente nach Hinweisen abzusuchen. Eine entscheidende Einbeziehung von neuen Akteuren sollte sich in den Erklärungen wiederfinden lassen. Denn die relative Freiheit der Form dieser Erklärungen erlaubt es ihnen wahrscheinlich, flexibler auf neue Einflüsse zu reagieren und sie entsprechend auszudrücken. Bei einer veränderten Mentalität im Bereich der Umweltschutzarbeit wird sich dies in der Sprache der Deklarationen ausdrücken, und auch ein gestiegener Einfluss neuer Akteure müsste sich in Wortwahl und Aufbau wiederfinden lassen. Ebenfalls sollte sich ein verändertes Verständnis einzelner Aspekte aufzeigen lassen, beispielsweise die Erkenntnis über den Zusammenhang von Armut und Umweltzerstörung oder die Notwendigkeit, die Bevölkerung an der Ausarbeitung und Ausführung von Plänen zur Entwicklungshilfe und zum Umweltschutz einzubeziehen. Gleichfalls werden auch unveränderte Sichtweisen aufzeigbar sein, und gerade an ihnen werden die Feinheiten des Fortschritts in der Analyse der weltweiten Umwelt- und Entwicklungsprobleme deutlich werden.
In den einzelnen Abschnitten dieser Analyse wird in chronologischer Reihenfolge die Entwicklung der drei Konferenzen aufgezeigt, zunächst die Stockholmer Konferenz, von ihr weitergehend - oft wortwörtlich in der Mitte stehend - die Rio-Konferenz, und zuletzt steht exemplarisch für die heutige Herangehensweise an das Problemfeld der nachhaltigen Entwicklung die Weltversammlung in Johannesburg.
Analyse
1. Wandel im Titel der Konferenzen
Der Titel der Konferenzen stellt einen guten Überblick über die Entwicklung der Begriffsdefinitionen dar. 1972 ist die Conference on the Human Environment. Die Umwelt ist im Mittelpunkt der Betrachtung, Interdependenzen sind nicht zu erkennen. Es gibt geradlinige Probleme, für die simple, technisch machbare Lösungen propagiert werden. In Rio ist bereits von der Conference on Environment and Development die Rede. Die Verknüpfung zwischen Armut und Umweltzerstörung ist hergestellt. Auch die Lösungsvorschläge werden differenzierter, die Komplexität der Probleme wie der Lösungsmöglichkeiten erfordert eine genauere (auch theoretische) Auseinandersetzung mit dem Thema. 2002 in Johannesburg ist
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diese Entwicklung zu einem vorläufigen Ende gekommen mit der Einbeziehung des Begriffs der Nachhaltigkeit, beim World Summit on Sustainable Development. Die Nachhaltigkeit stellt aber nicht einfach die logische Verknüpfung von Entwicklungshilfe und Umweltschutz dar, sondern beinhaltet eine ganzheitlichere Herangehensweise, indem sie die zukünftig mögliche Nutzung von Naturgütern sicherstellen soll, so dass zukünftige Generationen mindestens dieselben und ebensoviele Ressourcen zur Verfügung haben wie die aktuelle.
2. Das Recht auf die eigenen Ressourcen
Der großen Sorge der unabhängigen Nationalstaaten, dass Umweltgesetzgebung sie in ihrer Souveränität oder ihrem Wirtschaftswachstum einschränken könnte, wurde mit einem eigenen Prinzip in der Abschlusserklärung von Stockholm (und Rio) Rechnung getragen. Der entsprechende Passus lautet 1972: „Principle 21
States have, in accordance with the charter of the United Nations and the principles of international law, the sovereign right to exploit their own resources pursuant to their own environmental policies, and the responsibility to ensure that activities within their jurisdiction or control do not cause damage to the environment of other states or of areas beyond the limits of national jurisdiction.“ 8
Das bei der Stockholmer Konferenz verwendete Prinzip taucht um einen einzigen Begriff ergänzt zwanzig Jahre später als Prinzip 2 wieder auf. In der Rio-Deklaration heißt es: „States have [...] the sovereign right to exploit their own resources pursuant to their own environmental and developmental policies [...].“ 9 Die Verknüpfung von Umwelt- und Entwicklungspolitik trägt dem gewandelten Verständnis von Nachhaltigkeit Rechnung, das vor allem durch den Brundtland-Report von 1987 geprägt wurde. Der Report stellte vor allem die erste allgemeine Definition von Nachhaltigkeit vor. Nachaltige Wirtschaftsweise sollte die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigen können, ohne die
Wirtschaftsfähigkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. 10 Unterentwicklung und Umweltzerstörung sind interdependent und können nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden, ein Verständnis, das sich vorher schon angedeutet, aber so noch nicht durchgesetzt hatte. Dies ist ein erster Hinweis auf die Durchlässigkeit der Abschlusserklärungen für theoretische wie praktische Veränderungen von Entwicklungs- und Umweltschutzpolitik.
8 1972, Prinzip 21.
9 1992, Prinzip 2.
10 http://www.uno.de/umwelt/entwicklung/rio5/brundtland/A_42_427.pdf
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In der Johannesburg Declaration on Sustainable Development fehlt jeder Bezug auf das Recht zur Ausbeutung von Ressourcen. Das vorher zweimal benötigte Prinzip taucht nicht einmal abewandelt oder abgeschwächt auf, es fehlt zur Gänze. Die Perspektive der Umweltschutzarbeit hat sich verändert. Die Staaten als große, schwerfällige Souveräne, die per Richtlinien- und Grenzwerterlaß Umweltpolitik betreiben, werden unwichtiger. Das Potential der gesamten Bevölkerung wird mobilisiert, und die vielfältigen Ressourcen von Instituten, NGOs, der Wirtschaft und Einzelpersonen vervielfältigen die bisherigen Möglichkeiten, entlasten die Ministerien und Behörden und bieten gleichzeitig für jedes Problem eine Mehrzahl an Lösungen. Finanziell gut ausgestattete NGOs wie Greenpeace (ca. 100 Millionen Euro Jahresbudget 11 ) oder der WWF (ca. 60 Millionen Euro 12 ) lassen anspruchsvolle Studien fertigen und arbeiten professionell zu ihren Themen. Sie waren auf dem Gipfel in Johannesburg mit eigenen Vertretern engagiert, ebenso wie zahlreiche weitere Organisationen, und sie bestimmen mit ihren Schlussfolgerungen stark die Debatten in den Medien. Schließlich ist nicht länger die Sicherung von Ressourcen und deren Verbrauch die Hauptsorge der Umweltpolitik der Staaten, sondern stehen eher Prävention und Schadensbegrenzung im Vordergrund.
Ein Beispiel für die gesteigerte Transparenz und die Informationsweitergabe an die Bürger ist die Einrichtung des Global Environmental Facility der Weltbank und die mehr und mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Kriterien für die Kreditvergabe dieser Institution. 13 Die nachvollziehbaren Kriterien für die Projektbezuschussung lassen sich online auf der Homepage der Weltbank einsehen, 14 monatlich aktualisierte Zusammenfassungen (monthly operational summary) laufender Projekte bieten die Möglichkeit der Einbeziehung einer bisher ausgeschlossenen Öffentlichkeit. 15 Diese und vergleichbare Entwicklungen sind Voraussetzung für die Akzeptanz von anvisierten Projekten, und die engere Bindung an die entsprechenden Entscheidungsprozesse ist wünschenswert.
3. Variierende Akteurstypen
11 Le Monde Diplomatique, Atlas der Globalisierung, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, 1. Auflage, Berlin, März 2003, S 44.
12 Ebenda.
13 http://www.epo.de/serie/iwf_wb.html .
14 http://www.worldbank.org .
15 http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/PROJECTS/PROCUREMENT/0,,contentMDK:50004501 %7EmenuPK:63001537%7EpagePK:84269%7EpiPK:60001558%7EtheSitePK:84266,00.html.
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In den ersten beiden Abschlussberichten werden zumeist Staaten aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen oder zusammenzuarbeiten. In der Entwicklung über drei Jahrzehnte fällt allerdings eine Veränderung des Typs der angesprochenen Akteure auf.
In Stockholm sind Staaten die ausschließlichen Adressaten für Handlungsempfehlungen. So lautet der Beginn des Prinzips 7: „States shall take all possible steps to prevent pollution of the seas“. 16 Weiter Prinzip 10: „For the developing countries, stability of prices and adequate earnings for primary commodities and raw materials are essential to environmental management“. 17 Die Preisstabilität ist Aufgabe der Nationalbanken oder internationaler Finanzinstitutionen, also: staatlicher Einrichtungen, auch wenn diese oft ohne direkte Kontrolle der Regierungen langfristig agieren. Prinzip 11 verlangt: „The environmental policies of all states should enhance and not adversely affect the present or future development potential of developing countries“. 18 Insgesamt werden im Stockholmer Abschlussdokument Staaten 13 Mal direkt als Handlungsträger vermerkt, hingegen ist kein einziges Mal von Einzelpersonen die Rede, höchstens in folgender Form: „To achieve this environmental goal will demand the acceptance of responsibility by citizens and communities and by enterprises and institutions at every level“. 19 Diese sehr allgemeine Wortwahl schließt, wenn überhaupt, gleich alle Menschen weltweit ein und verlangt von ihnen in der Regel nicht mehr, als die Beschlüsse der Regierungen mitzutragen. Denn einige Zeilen darunter heißt es weiter: „Local and national governments will bear the greatest burden for large scale environmental policy and action within their jurisdictions.“ 20
In Rio kommt es dann zu ersten Veränderungen in der Wahl der angesprochenen Elemente. Einerseits ist der Staat immer noch der dominante Akteur, doch tauchen jetzt konkrete Maßnahmen zur Einbeziehung der Zivilbevölkerung auf. Prinzip 10 fordert: „At the national level, each individual shall have appropriate access to information concerning the environment that ist held by public authorities, including information on hazardous materials and activities in their communities, and the opportunity to participate in decision-making processes.“ 21 Diese sehr klare und konkrete Forderung bringt erstmals die Zivilgesellschaft als Element des Umweltschutzes in die Debatte. Natürlicherweise haben Menschen in ihrem eigenen Lebensumfeld ein großes Interesse an intakter Umwelt, und es ist zu erwarten dass sie sich zu ihrem Schutz besonders engagieren. Die Möglichkeiten einer aktiven öffentlichen Meinung
16 1972, Prinzip 7.
17 1972, Prinzip 10.
18 1972, Prinzip 11.
19 1972, Punkt 7.
20 1972, Punkt 7.
21 1992, Prinzip 10.
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werden bewusst gefordert, indem allen Interessenten der Zugang zu umweltrelevanten Informationen ermöglicht werden soll. Dies erschließt das Potential, bisher nicht genügend wahrgenommene Gefährdungen zu erkennen und alternative Lösungsmöglichkeiten durchzusetzen. Weiterhin beinhaltet der Passus die indirekte Forderung nach demokratischen Entscheidungswegen. Trotzdem wird die Staatszentriertheit weiter sichtbar, wenn auch zum Teil eingeschränkt. Prinzip 5 erwartet: „All States and all people shall cooperate in the essential task of eradicating poverty“. 22 Prinzip 7 schlägt vor: „States shall cooperate in a spirit of global partnership to conserve, protect and restore the health and integrity of the Earth´s ecosystem.“ 23 Insgesamt nehmen 14 Artikel ausdrücklichen Bezug auf den Staat. Die Erklärung von Johannesburg verzichtet gänzlich auf die Floskel „States shall...“ und ersetzt sie durch „We shall...“. Die Begrüßung lautet nicht, wie 1972 und 1992 „The United Nations Conference on [...], having met [...]“ 24 , sondern „We, the representatives of the peoples of the world, assembled [...] in Johannesburg“. 25 Die Exklusivität der staatlichen Arbeit im Umweltschutz und der Entwicklungshilfe ist gebrochen, und auch der Wortlaut der Abschlusserklärung nimmt darauf Rücksicht. Desweiteren werden zunächst die „Prinzipien“ verworfen, es gibt keine formale Einleitung mehr, und der einzige nichteingereihte Teil ist der Schluss, ein Dankwort: „We express our deepest gratitude to the people and the government of South Africa for their generous hospitality and excellent arrangements made for the World Summit on Sustainable Development.“ 26 Beide vorhergehenden Erklärungen verzichteten auf eine vergleichbare Aufmerksamkeit. Alles weitere in der Johannesburg-Deklaration ist numerisch aufgezählt und Abschnittsweise mit einer groben Überschrift versehen („From our Origins to the Future“, „Multilateralism is the Future“) 27 , so dass keine abgestufte Reihenfolge zwischen „Proklamationen“ und „Prinzipien“ mehr auftaucht. Der Text wird flüssiger und angenehmer zu lesen, was der erweiterten Leserschaft, dem erweiterten Rahmen insgesamt entspricht.
Auch weitere Akteure werden beachtet, die regionalen Zusammenschlüsse. Punkt 23 begrüßt: „We welcome and support the emergence of stronger regional groupings and alliances, such as the New Partnership for Africa´s Development (NEPAD), to promote regional cooperation, improved international co-operation and promote sustainable development.“ 28 Diese Vermischung kleinerer und größerer Akteure in der Johannesburger Erklärung bedeutet die
22 1992, Prinzip 5.
23 1992, Prinzip 7.
24 1972, 1992.
25 2002, Punkt 1.
26 2002, Schluss.
27 2002.
28 2002, Punkt 23.
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Wahrnehmung und Unterstützung der Vielzahl aktiver Organisationen und Gruppierungen und damit einer Aktuersdiversität, wie sie als Vielfalt der Lebensformen, der Biodiversität, bereits für wertvoll und erhaltenswert erachtet wird. Punkt 10 bemerkt zufrieden: „At the Johannesburg Summit, we achieved much in bringing together a rich tapestry of peoples and views in a constructive search for a common path“. 29
4. Wachsende Berücksichtigung von Minderheiten
Der Bericht von Stockholm geht nicht auf Minderheiten ein, dafür ist sein Bezugsrahmen zu grob. Die Menschheit wird mit der Vokabel „man“ angesprochen beziehungsweise „mankind“, eine unemanzipierte Einschränkung. Feststellung 1 verdeutlicht dies: „Man ist both creature and moulder of his environment“ 30 Der Bericht ist diesbezüglich sehr unpersönlich gehalten, so dass sich kein Mensch in ihm wiederfinden kann, dies erschwert auch die Akzeptanz der Vorgehensweise der Staatengemeinschaft.
Die Rio Declaration on Environment and Development ist hier weiter. Prinzip 20 stellt fest: „Women have a vital role in environmental management and development. Their full participation is therefore essential to achieve sustainable development.“ 31 Die besondere Rolle der Frauen als „Minderheit“, die ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung stellt, soll normalisiert werden. Gleichzeitig achtet der Bericht die genaue Gleichstellung in seiner Forderung, er verlangt nicht mehr als die Partizipationsmöglichkeiten, die den Männern bereits zustehen. Die nächste Minderheit findet Beachtung im Prinzip 21: „The creativity, ideals and courage of the youth of the world should be mobilized to forge a global partnership in order to achieve sustainable development and ensure a better future for all.“ 32 Und zuletzt taucht eine von Globalisierung besonders bedrohte Enklave auf im Prinzip 22: „Indigenous people and their communities, and other local communities, have a vital role in environmental management and development because of their knowledge and traditional practices.“ 33 Die Aufnahme dieser politisch Benachteiligten bedeutet eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt- und Entwicklungsprobleme. Die Dimension der betrachteten Einheiten verringert sich und offenbart einen tieferen Einblick in die Welt, an deren Erhalt gearbeitet wird. Keine Staatsführung soll
30 1972, Punkt 1.
31 1992, Prinzip 20.
32 1992, Prinzip 21.
33 1992, Prinzip 22.
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mehr mit ihrem Umweltprogramm nach bekannten Regeln Probleme einer einheitlichen Welt technisch lösen, sondern die betroffenen und Rat anbietenden Elemente einer größeren Gesamtheit sind persönlich involviert und integriert. In Stockholm war noch die Rede von täglich verbeserbaren Bedingungen: „Along with social progress and the advace of production, science and technology, the capability of man to improve the environment increases with each passing day.“ 34 Zusätzlich spricht das Rio-Dokument von „human beings“ 35 als den Menschen, in emanzipatorischer Sicht eine Verbesserung zu 1972.
Die Johannesburger Erklärung ist diejenige mit der am weitesten fortgeschrittenen Beachtung von Minderheiten. Bereits Punkt 3 berichtet: „At the beginning of this Summit, the children of the world spoke to us in a simple yet clear voice that the future belongs to them“. 36 In der Erklärung taucht ausschließlich der Begriff „humankind“ für die Menschheit auf. Punkt 7: „Recognizing that humankind is at a crossroad [...]“. 37 Punkt 20 fordert ein: „We are committed to ensure that women´s empowerment and emancipation, and gender equality are integrated in all activities encompassed within Agenda 21, the Millennium Development Goals and the Johannesburg Plan of Implementation.“ 38 Und Punkt 25 bildet den Rückbezug auf Rio: „We reaffirm the vital role of the indigenous peoples in sustainable development.“ 39 Mit dieser fortgesetzten Implementierung von kleineren Einheiten behaupten die Verfasser des Dokuments seinen ganzheitlichen Anspruch, den sie im Punkt 1 erheben, wenn sie von sich als den „representatives of the peoples of the world“ 40 reden. Der Schutz von Minderheiten und Erhalt auch kleiner, lokaler Ökosysteme sind eng miteinander verwoben. Die Kompetenz der jahrhundertealten Wirtschaftsweisen soll zumindest deklaratorisch berücksichtigt werden.
5. Die Bewertung von Unterdrückung und Krieg
Keine nachvollziehbar neue Entwicklung gibt es im Verurteilen menschenrechtsverachtender Regierungen. Der erste Bericht von 1972 fordert grundlegende Rechte ein und verurteilt scharf alle Formen von Unterdrückung: „[...] policies promoting or perpetuating apartheid, racial segregation, discrimination, colonial and other forms of oppression and foreign domination
35 1992, Prinzip 1.
36 2002, Punkt 3.
37 2002, Punkt 7.
38 2002, Punkt 20.
39 2002, Punkt 25.
40 2002, Punkt 1.
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stand condemned and must be eliminated.“ 41 Dem Rüstungswettlauf begegnet die Abschlusserklärung mit der strikten Ablehnung von Atomwaffen: „Man and his environment must be spared the effects of nuclear weapons and all other means of mass destruction. States must strive to reach prompt agreement, in the relevant international organs, on the elimination and complete destruction of such weapons.“ 42 An diesem Artikel wird gleichzeitig deutlich, wie die Forderungen der Erklärungen zum Teil wirkungslos verpuffen und reinem Wunschdenken entsprechen. Die Großmächte USA und Sowjetunion hatten keineswegs die Absicht, ihre Arsenale aufgrund der Umweltkonferenz nennenswert zu verkleinern, sondern wollten das den Kalten Krieg prägende Gleichgewicht des Schreckens erhalten. Die Rio-Erklärung verzichtet auf eine gesonderte und erneute Betonung der Mißstände und fordert lediglich: „The environment and natural resources of people under oppression, domination and occupation shall be protected.“ 43 Damit wird nicht direkt die Beseitigung der Unterdrückung gefordert, aber die Rechte der Betroffenen über die Zeit ihres Bestehens hinaus sicherzustellen gefordert. Desweiteren wird nicht länger die illusorische Abrüstung von Atomwaffen gefordert, sondern eine humanere Kriegsführung: „Warfare is inherently destructive of sustainable development. States shall therefore respect international law providing protection for the environment in times of armed conflict and cooperate in its further development, as necessary.“ 44 Zwar gilt hiermit: „Peace, development and environmental protection are interdependent and indivisble.“ 45 Aber die klare Ablehnung des Krieges ergibt sich hieraus nicht.
Die ausführlichste Auflistung aller aktuellen und zukünftigen Herausforderungen liefert die Johannesburg-Erklärung:
„We reaffirm our pledge to place particular focus on, and give priority attention to, the fight against the worldwide conditions that pose severe threats to the sustainable development of our people. Among these conditions are: chronic hunger; malnutrition; foreign occupation; armed conflicts; illicit drug problems; organized crime; corruption; natural disasters; illicit arms trafficking; trafficking in persons; terrorism; intolerance and incitement to racial, ethnic, relogious and other hatreds; xenophobia; and endemic, communicable and chronic diseases, in particular HIV/AIDS, malaria and tuerculosis.“ 46
Diese Zusammenstellung bietet ein detailliertes Spektrum an Problemen und Konflikten.
41 1972, Prinzip 1.
42 1972, Prinzip 26.
43 1992, Prinzip 23.
44 1992, Prinzip 24.
45 1992, Prinzip 25.
46 2002, Punkt 19.
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Mehrere Programme versuchen beispielsweise die immense Bedrohung durch Kleinwaffen zunächst zu evaluieren und dann einzudämmen. Das United Nations Development Programme stellt fest: „Inexpensive to purchase, available in abundance and requiring little training, small arms were the weapon of choice in 46 of the 49 major conflicts since 1990. [...] The victims of these weapons were mainly civilians, with women and children accounting for over 80% of firearm-related deaths. For every single casualty, more than five people were directly or indirectly affected through displacement. [...] As a fallout of earlier procurement, an estimated two million weapons are still circulating in Central America, seven million in West Africa and ten million in Afghanistan.“ 47
Auch in diesem Fall stellt die Johannesburg-Deklaration das bisher weitestgehende Dokument dar, welches eine Vielzahl an Informationen aus sehr unterschiedlichen Bereichen beinhaltet und klar formuliert.
Ausleitung
Mit all den Veränderungen und zum Teil festgestellten Fortschritten ist zwar außer auf dem Papier zunächst wenig gewonnen, doch läßt sich ein erkenntnistheoretisch gewachsener Umgang mit den zu bearbeitenden Problemen erkennen. Die Abschlusserklärungen lassen in ihrer Entwicklung die Tendenz zum ausführlicheren Fragen nach den Ursachen von Umwelt-und Entwicklungsproblemen erkennen. Die Handschrift der zahlreichen beteiligten Nichtregierungsorganisationen in Johannesburg 2002 ist deutlich ablesbar. Auch die Lösungsansätze werden detaillierter und offenbaren eine intensivere, seriösere Beschäftigung mit dem Thema. Die offenkundig angestrebte Mehrakzeptanz bei einer wachsenden Zahl von Lesern spiegelt sich in Form und Inhalt über die 30 betrachteten Jahre wieder. Die zwingende gegenseitige Abhängigkeit von Armut und Umweltzerstörung ist aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Die Verknüpfung von Umweltschutz und Entwicklungshilfe ist mittlerweile untrennbar.
Über tatsächlich zu treffende Maßnahmen kann diese Betrachtung kaum eine Aussage treffen, doch läßt die gestiegene theoretische Versiertheit der Verfasser solche für die Zukunft wahrscheinlicher erscheinen. Es ist, bei der zuletzt erkennbaren Dynamik im Bereich des öffentlichen Umweltschutzes, mit weiteren und tiefergehenden Veränderungen der Aufgabenverteilung zu rechnen, die mit einer Analyse der Abschlusserklärungen zukünftiger
47 http://www.undp.org/erd/archives/brochures/small_arms/ .
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Weltkonferenzen nachzeichenbar sein werden. Eine solche Analyse kann nicht die ordentliche, auch reale Fortschritte berücksichtigende Fachliteratur ersetzen, aber durchaus ergänzen. Denn gerade die Harmlosigkeit der Dokumente und die damit verbundene Durchlässigkeit für neue Erkenntnisse macht sie zu einem guten Erkennungsmerkmal noch nicht wie auch bereits erfolgter Entwicklungen.
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Nils Harder, 2003, Nachhaltige Entwicklung - Umweltpolitik im Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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