Gliederung:
1. Einleitung Seite 3
2. Begriffserklärung: Abweichendes Verhalten Seite 3-4
3. Abweichendes Verhalten Jugendlicher
3.1. Entstehung abweichenden Verhaltens Seite 4-5
3.1.1. Jugendkriminalität Seite 5-6
3.1.2. Ursachen der Jugendkriminalität Seite 6-8
4. Was ist Prävention Seite 8-11
5. Schluss Seite 11
6. Literaturangaben Seite 12
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1. Einleitung:
Jugendliche stehen einer Reihe von Entwicklungsaufgaben gegenüber, die sie bewältigen müssen, um ein befriedigendes Leben als Erwachsener zu führen. Diese Bewältigung des Erwachsenwerdens scheint für die jungen Menschen nicht immer so einfach. Automatisch ergeben sich Probleme, die durch bloßes Nachahmen der Erwachsenen nicht zu bewältigen sind. Die Kluft zwischen Jung und Alt scheint oft schon zu groß zu sein. Eltern verstehen ihre Kinder nicht mehr und andersherum scheint es auch nicht so zu sein. Die Jugendlichen versuchen ihr Leben individuell zu gestalten und bilden sich ihre eigenen Werte und Normen. Diese sind oft nicht konform mit denen der Gesell- schaft. Meist wird konventionelles Verhalten der Erwachsenen als unerträglicher Zwang empfun- den, woraus sich Abweichungen der Jugendlichen ergeben können. Nicht selten werden hierbei ge- sellschaftliche Normen verletzt. Und wer die gesellschaftlichen Normen verletzt, zieht die Aufmerk- samkeit anderer auf sich. Dabei scheint es auf den ersten Blick egal zu sein, ob diese Abweichungen von der Norm beabsichtigt sind oder nicht.
Im folgenden wird nun auf eine der wichtigsten und häufigsten Erscheinungsformen abweichenden Verhaltens Jugendlicher der heutigen Zeit eingegangen. Ebenfalls wird erklärt, wie diese Abwei- chungen entstehen können und wie man präventiv dagegen wirken kann.
2. Begriffserklärung: Abweichenden Verhaltens Abweichendes Verhalten wird auch als deviantes Verhalten bezeichnet. „Unter abweichendem Ver- halten sind all diejenigen Verhaltensweisen, Handlungen und Einstellungen zu verstehen, die nicht übereinstimmen mit den als konform angesehenen Erwartungen anderer Personen, Gruppen, Institutionen und schließlich der Gesellschaft.“ 1 Allerdings sollte dabei beachtet werden, dass nicht alles was die Masse der Gesellschaft für konform oder abweichend hält auch wirklich dem zugeordnet werden kann. Jeder Mensch hat seine eigenen Normvorstellungen, die nicht immer auf die ganze Gesellschaft projiziert werden können. Früher ist abweichendes Verhalten als Verstoß gegen geltende Normen definiert worden. Später wird eine Verhaltensweise nur dann als abweichend gesehen, wenn sie als solche von anderen bezeichnet und sanktioniert wird. Kurz und knapp lässt sich das Ganze mit den vier „Definitionen abweichenden Verhaltens“ von Helge Peters zusammenfassen 2 :
1 B. Schäfers 1995, S.203
2 H. Peters 1995, S.20
3
• Abweichendes Verhalten ist Normbruch
• Abweichendes Verhalten ist registrierter und dem Selbstverständnis des Abweichlers nach Normbruch.
• Abweichendes Verhalten ist dem Selbstverständnis des Abweichlers nach Normbruch, ohne registriert sein zu müssen.
• Abweichendes Verhalten ist Verhalten, das als Normbruch „registriert“ worden ist.
3. Abweichendes Verhalten Jugendlicher
3.1 Entstehung abweichenden Verhaltens
Für die Entstehung abweichenden Verhaltens scheinen die sozialen Bedingungen einen maßgebli- chen Anteil an der Entwicklung des Jugendlichen zu haben. Vor allem in den Herkunftsfamilien, in deren Umfeld der Sozialisationsprozess eines jeden Menschen beginnt. Entstammen die Jugendli- chen jedoch aus einer instabilen und gestörten Familienbeziehung kann dies ein Risiko für dieselben darstellen. 3 Ausschlaggebend für die Problembewältigung sind verschiedene personale (Ge- schlechtszugehörigkeit, psychophysische Konstitution, kognitive und motivahle Disposition) und soziale (finanzielle und soziokulturelle Lage der Familie) Ausgangsbedingungen. 4 Probleme können sich daraus ergeben, wenn wegen personaler und sozialer Bedingungen unange- messene bzw. unzureichende Kompetenzen erworben und Erwartungen der sozialen Umwelt nicht erfüllt werden. Jugendliche entwickeln feste Muster der Problembewältigung mit unterschiedlicher Ausprägung, die im günstigen Fall eine gut strukturierte, flexible und eigenaktive Wahrnehmung der sozialen Realität beinhaltet. Daraus können sich ebenfalls ungünstige Ausgangsbedingungen wie ausweichende, vermeidende und passive Strategien entwickeln. 5 Von vielen Formen abweichenden Verhaltens bei Jugendlichen gibt es natürlich auch „klassische“ Erscheinungsformen, die in der Kriminalitätsstatistik erfasst werden. 6 Die wichtigsten sind zum Beispiel Drogenkonsum, Alkoho- lismus und Kriminalität, ebenfalls erwähnenswert scheinen die Jugendsekten, Selbstmord und Pros- titution.
Der folgende Teil konzentriert sich auf die Jugendkriminalität und wie wir sie vermeiden könne..
3 K. Hurrelmann: Lebensphase Jugend, München 1997, S.193
4 K. Hurrelmann, 1997, S.193-194
5 K. Hurrelmann, 1997, S.195
6 B. Schäfers, 1998, S.192
4
3.1.1 Jugendkriminalität
Unter Jugendkriminalität versteht man diejenigen „Abweichungen“ der jungen Menschen, die nach gesetzlichen Festlegungen strafbar sind. Darunter fallen zum Beispiel Diebstahl, Körperverletzung und illegaler Drogenmissbrauch. Kriminalität ist die verbreitetste Form von Devianz. 7 Gewalttätiges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen entsteht durch viele miteinander verknüpfte Faktoren und ist in alle Lebensbereiche der Kinder und Jugendlichen verstrickt. Gewalt ohne Kon- text und Ursache gibt es nicht.
Aggressive und gewalttätige Kinder werden nicht als solche geboren sondern im Laufe ihrer Le- bensgeschichte und ihrer Sozialisation zu solchen gemacht.
Neben dem eigenen gewalttätigen Handeln machen sie auch selbst zahlreiche Gewalterfahrungen: in der Familie, in der Schule, in den Medien, in der Öffentlichkeit, im Sport und dessen Umfeld, durch Straßengangs und in der Freizeit.
Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit der Kinder und Jugendlichen entstehen aus allen Einflüssen ihrer Lebenssphären heraus. Gründe können Frustration, Enttäuschungen, Versagen und Überforde- rung sein ebenso wie Familienprobleme, Mangel an Zuwendung und Haltsuche in Cliquen, Wert- neutralismus und Orientierungslosigkeit oder exzessiver Medienkonsum und die Diskrepanz zwi- schen materiellen Wünschen und der materiellen Lage.
Der Verarbeitung dieser Stressfaktoren kann unterschiedlich erfolgen, entweder durch nach innen oder nach außen gerichtete Verarbeitungsformen, die beide sehr problematisch sein können:
•
nach innen: Hierbei ist die eigene Person Objekt der Schädigung, die emotional, psychisch und/oder physisch erfolgen kann. Dies kann die eigene Weiterentwicklung enorm behindern.
•
nach außen: Das Objekt der Schädigung kann sowohl die eigene Person als auch fremde Per- sonen oder Gegenstände sein.
Sie kann sich in körperlicher, psychischer, verbaler, sozialer und/oder sexueller Form äußern. Elter- liche Gewalt gegen ihre Kinder ist auch eine solche nach außen gerichtete Form der subjektiven Regulierung von Belastungen. 8
Die Kriminalitätsstatistiken der Polizei zeigen seit 1960 ein Steigen der registrierten Kriminalität bei allen Altersgruppen, sowie eine überdurchschnittlich hohe Steigerung bei Jugendlichen. Vor allem Jugendliche unter 21 Jahren werden straffällig, laut der Statistik von 1990 sind 4% durch die Polizei
7 K. Hurrelmann, 1997, S.198
8 K. Hurrelmann, 1997, S.199
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als tatverdächtig registriert worden. In der Altersgruppe der bis zu 13jährigen sind 6%, bei den 14- 20jährigen 14% und bei den 21-24jährigen 13% an der Kriminalität beteiligt. Damit sind fast die Hälfte aller von der Polizei registrierten Tatverdächtigen aus der Altersgruppe der Unter- 25jährigen. 9 Bei der Überprüfung, welche Delikte bei diesen Altersgruppen im Vordergrund stehen, zeigt sich, dass Diebstahl und Unterschlagung mit Abstand am häufigsten registriert werden. Relativ hoch sind bei den Jugendlichen auch Delikte wie Körperverletzung, Raub, Erpressung, sowie Sach- beschädigung und Urkundenfälschung, was wohl kaum als Kavaliersdelikt oder als „kleine Jugend- sünde“ angesehen werden kann. 10 Ebenfalls zeigt die Kriminalitätsstatistik eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Delikthäufigkeit bei Mädchen und Jungen auf. Verglichen mit der Zahl der männlichen Täter ist der Anteil der Mäd- chen und Frauen sehr gering. 11 Als kriminell definiert sind nur die Handlungen, die gegen die bestehende Rechtsordnung verstoßen und strafrechtliche Sanktionen mit sich bringen.
3.1.2 Ursachen der Jugendkriminalität
Die Kinder und Jugendlichen von heute sind nicht von vornherein böser oder gewalttätiger als jene der Generationen vor ihnen. Früher hielt man viele Probleme von Kindern fern, heute jedoch werden sie geradezu überhäuft mit negativen Meldungen aus den Medien, sie werden mit pessimistischen Voraussagen konfrontiert. Zudem wird ihnen nur in seltenen Fällen die Möglichkeit geboten, ihre Gedanken mit anderen zu teilen und über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen, weil sie weitgehend sich selbst überlassen sind. Für diesen Prozess sind das Auseinanderfallen von Familien, das Fehlen von Geschwistern und die zunehmende Individualisierung mitverantwortlich.
Problematisches Verhalten ist vielmals ein Zeichen für fehlende Anerkennung und Zuwendung. Viele Kinder fühlen sich vernachlässigt, und das nicht nur von ihren Eltern, und erhalten erst durch ihre auffällige Verhaltensweise Beachtung. Anerkennung wird in vielen Fällen auch erst dann aus- gesprochen, wenn es einer negativen Handlungsweise folgt.
Viele der Heranwachsende die mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sind ungünstigen Sozialisati- onsbedingungen ausgesetzt. Sie entstammen einem problematischen Familienumfeld, haben Schul- probleme, eine schlechte oder fehlende Berufsausbildung und sind ohne Arbeit. Jugendliche aus sozial gestörten Familienverhältnissen sind bei kriminellen Verhaltensweisen überrepräsentiert.
9 K. Hurrelmann, 1997, S.200
10 K. Hurrelmann, 1997, S.200
11 B. Schäfers, 1998, S.217
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Kriminelles Verhalten ist also oftmals als Reaktion auf die Mangellagen zu sehen, was fatale Folgen für die weitere Persönlichkeitsentwicklung des Jugendlichen darstellen kann. 12 Gerade die schlechte Ausgangslage für die Sozialisation der jungen Menschen dürfte eine der we- sentlichen Ursachen für deren häufig festgestellten schlechten Leistungen in der Schule und im be- ruflichen Bereich sein. Die Jugendlichen versuchen durch abweichendes, kriminelles Verhalten ihre Probleme zu verarbeiten. Diese Art der Verarbeitung ist typisch für die Lebensphase in der sie ste- cken und spiegelt in besonderer Weise die sozialen Integrationsprobleme wieder.
Den Jugendlichen gelingt keine soziale Form der Leistungserbringung. Durch kriminelle Taten ver- suchen sie dann andere, und sich selber davon zu überzeugen, dass sie doch etwas leisten können. Sie sehnen sich nach gesellschaftlich anerkannten Werten wie Erfolg, Status und Prestige. Sie wol- len genauso anerkannt sein, schaffen dies jedoch nicht in einem legalem Rahmen. Um diese Aner- kennung kämpfen sie ebenfalls in ihren peer-groups, bei denen es um die soziale Integration in der Gruppe oder im Freundeskreis geht. Anfangs sind es vielleicht noch kleine Mutproben, was sich aber schnell ändern kann, denn die Anerkennung hat auch ihren Preis. Vor allem heutzutage sind die jungen Menschen der Freizeit- und Konsumkultur ausgesetzt. Markenkleidung, Handys, schöne Au- tos usw., all diese Dinge werden scheinbar benötigt, um auch richtig zur Gruppe zu gehören. Es scheint, dass junge Menschen heute immer weniger in der Lage sind, ihr Leben in souveräner Aus- einandersetzung mit den verschiedensten Einflüssen, wie etwa dem Kommerz, den Medien oder dem Schönheits- und Wellnesskult, wirklich selbstbestimmt zu führen. Wer den Vorgaben nicht genügt oder nicht über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügt, um sich diese Güter auf legalem Wege zu besorgen, wird radikal ausrangiert. Dieses Defizit wird oft von den betroffenen Kindern und Jugendlichen durch Ersatzbefriedigungen wie zum Beispiel Drogenkonsum oder durch physi- sche und/oder psychische Erkrankungen, abweichendes Verhalten, Aggressivität und steigende Ge- waltbereitschaft kompensiert. 13 Die meisten Jugendlichen geraten schon früh mit dem Gesetz in Konflikt, in einer Zeit in der die Weichen für das spätere Leben gestellt werden und in der durch eine „Dummheit“ viel zerstört wer- den kann. Diese erschreckende Tatsache lässt es notwendig erscheinen, dass gezielte soziale Kon- trolle und erzieherische Maßnahmen durch Jugendhilfe und Jugendstrafrecht angewandt werden, um kriminell abgestempelte jugendliche Straftäter eine spätere Einbindung in unsere Gesellschaft zu gewähren.
12 K. Hurrelmann, 1997, S.202
13 Gottfried / Zöpfl 1997, S. 107f.
7
Wer es sich zum Ziel setzt, Gewalt einzudämmen, muss zuerst die Ursachen von Gewalt ergründen. Erst nach dieser Auseinandersetzung ist es möglich, Maßnahmen für eine wirksame Prävention aus- zuarbeiten.
4. Was ist Prävention Prävention sieht vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung oder Früherkennung von Krankheiten vor durch Ausschaltung schädlicher Faktoren („primäre Prävention“) oder durch die möglichst frühzei- tige Behandlung einer Erkrankung („sekundäre Prävention“). 14 Das heißt im Falle der Gewaltprävention, dass sie ansetzt, bevor Aggressivität in die Tat umgesetzt wird. Eine wichtige Aufgabe der Prävention ist es, die Ursachenfelder ins Auge zu fassen. Sie muss ihre Aufmerksamkeit auf alle Gewaltarten richten. Nicht nur auf die körperliche, auch auf den Um- gang der Kinder und Jugendlichen untereinander oder das Schwinden von Respekt und Vertrauen Erwachsenen gegenüber. Dabei sind eine sensible Individualisierung der Maßnahmen und fallspezi- fische Diagnosen nötig, denn ein Gießkannenprinzip kann zu keiner nachhaltigen Lösung führen. 15 Prävention bedeutet auch Abschreckung künftiger Verbrecher durch Maßnahmen der Strafe, Siche- rung und Besserung. 16 Die Nachhaltigkeit dieser Methode wird, wie ich im Folgenden aufzeigen werde, sehr umstritten.
Die UN-Konvention enthält Prinzipien über die Rechte der Kinder. Diesen zufolge hat jedes Kind das Recht auf Erziehung und Ausbildung in einer geschützten und sicheren Umgebung. Diese Prinzipien müssen Grundlage für jede Politik sein, die sich mit Gewaltprävention befasst. Prävention ist richtig investierte Energie und Zeit, wenngleich die (positiven) Ergebnisse meist nicht unmittelbar ablesbar sind und kontrolliert werden können. Sämtliche Modelle für Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen betrachten die Thematik jeweils aus einem speziellen Blickwinkel und kommen gegebenenfalls zu unterschiedlichen Konsequenzen. In der Praxis kann ein einzelnes Modell auch gar nicht „die Lösung“ darstellen; vielmehr geht es darum auszuwählen, welche Maß- nahmen für die bestehende Problematik am besten geeignet sind.
Während Präventionsmaßnahmen für Erziehung und Schule vergleichsweise unkompliziert durchzu- führen sind, ist es bei der Frage, wie man Ursachen in der Gesellschaft bekämpfen kann, entspre- chend diffiziler. Jegliche pädagogischen Überlegungen zur Gewaltthematik können nur dann aus- sichtsreich sein, wenn sie in den übergreifenden gesellschaftlichen Rahmen eingegliedert werden.
14 LexiROM 1995
15 Gratzer, Sonderheft 4/1997, S. 58
16 LexiROM 1995
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Aber wie kann dies erfolgen? Kann es überhaupt alles übergreifende „Gesamtmaßnahmen“ geben? Durch Einzelmaßnahmen kann die Gesellschaft nicht verändert werden. Aber vielleicht sind es ge- nau diese Einzelmaßnahmen, die individuell zum Ziel führen. Vermutlich ist es ein engmaschiges Netz von vielen kleinen Aktionen, das die „Gesamtmaßnahmen“ ausmacht. Je dichter dieses Netz ist – und die bereits präsentierten Modelle für Familie, Schule und Freizeit sind bereits ein Teil davon – desto besser bzw. erfolgreicher wird es sein. Folgende Maßnahmen können ein Auszug aus einem umfassenden Modell sein:
Strukturpolitische Maßnahmen
Dazu zählt die Schaffung von mehr Kindergartenplätzen, mehr Möglichkeiten der Teilzeitbeschäfti- gung von Frauen, bessere Wohnbedingungen für sozial schwache Familien usw. 17 Besonders bei solchen Eltern ist eine Unterstützung wichtig, deren finanzielle, psychische und pädagogische Kräfte erschöpft sind, denn diese Familien sind stark aggressionsgefährdet. Aber die Frage nach der Ursa- che gewalttätigen Handelns kann nie dort enden, wo ungünstige strukturelle Rahmenbedingungen beseitigt oder verbessert werden.
Soziale Erziehung und Motivation
Es ist nicht die Rückkehr zu den alten, vermeintlich verloren gegangenen Werten. Wie hier bereits an mehreren Stellen plädiert, ist eine soziale Erziehung vonnöten. Laut Hohlmeier sollten jungen Menschen
Grenzen aufgezeigt und Orientierung gegeben werden. Sie sollten dazu ermutigt werden, sich Ziele zu setzen und diese Schritt für Schritt zu erreichen. Die unentbehrlichen Voraussetzungen für ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft müssen „soziale Tugenden“ sein, wie unter anderem Rücksicht, Hilfsbereitschaft und der tolerante Umgang mit seinen Mitmenschen und seiner Um- welt. 18
17 Hohlmeier 1997, S. 15
18 Hohlmeier 1997, S. 8f.
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Menschenwürde und Achtung des Mitmenschen sind tragende Ideen, und diese müssen von allen (Mit-) Erziehern gelehrt werden – mit der Voraussetzung, dass sie ihrerseits klare Wertpositionen haben. 19 Bei der Vermittlung dieser Grundwerte spielt die Kirche auch eine sehr wichtige Rolle. Die Erzieher oder Pädagogen haben auch die Aufgabe, das Vertrauen der Jugendlichen in die Lös- barkeit ihrer Probleme aufzubauen und ihnen alternative Lebenswege aufzuzeigen. 20 Persönliche Freiheit bedeutet nicht nur das Einfordern von Rechten, sondern enthält auch gleicher- maßen Pflichten und Verantwortung. 21
Beteiligung aller „Miterzieher“
Nur ein Gesamtkonzept von Politikern, Kirche, Wissenschaftlern, Lehrern, Eltern, Jugendarbeitern, Sporttrainern, Verwandten, Freunden und Nachbarn kann Gewalt unter Kindern und Jugendlichen vorbeugen. Hier sind alle Erwachsenen betroffen, die mit Kindern zu tun haben bzw. denen welche anvertraut sind, und auch alle, die in der Öffentlichkeit stehen. Sie sind gewollt oder ungewollt ein Vorbild und erfüllen eine Beispielsfunktion. Sie müssen sich selbst einer kritischen Selbstbeobach- tung unterziehen. Grundbedürfnisse erforschen statt Strafen verstärken. Oft werden Forderungen laut, strafrechtliche Normen zu verschärfen, zum Beispiel durch die Herabsetzung der Strafmündig- keit Minderjähriger oder Strafverschärfung für Waffenhändler und Eltern, wenn sie Kindern fahrläs- sig Zugang zu Waffen verschaffen. Aber Strafe allein kann keine Lösung sein. Niemand kann zu Gewaltverzicht gezwungen werden, und Strafen können zu keinem Umdenken führen, da sie nicht an den Wurzeln der Gewalt ansetzen.
Es gilt also, Kinder und Jugendliche zu motivieren, freiwillig auf Gewalt zu verzichten und andere Wege zur Konfliktlösung einzuüben. Was wirklich von Bedeutung ist, ist eine grundlegende Rück- besinnung auf die wirklichen Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Zum Beispiel werden Strafen und Therapien bei den Tätern nur dann Erfolg haben können, wenn sie mit echter Zuwendung verbunden sind.
5. Schluss:
Wie an den oben erwähnten Aspekten zu sehen ist, rufen Probleme in den Sozialisationsprozessen unserer Gesellschaft abweichendes Verhalten von Jugendlichen hervor. Jedoch darf es sich die Ge- sellschaft nicht zu einfach machen und sich bei der Jugendkriminalität empören; sie muss sich vor
19 Hohlmeier 1997, S. 8f
20 LKA-Bausteine, Sonderheft 4/1997 S. 125
21 Singhammer, Sonderheft 4/1997 S. 102
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allem auch auf die Kriminalität in der Familie, in den Medien usw. konzentrieren. Auf diesem Ge- biet kann eventuell schon einiges durch eine Vorbildfunktion der Erwachsenen erreicht werden. Und dass vor allem die Phase der Pubertät stets eine von Problemen jedweder Art dominierter Zeitab- schnitt sein wird, steht nicht zur Debatte. Schließlich dient diese zur Selbstfindung und es wird ne- ben dem körperlichen Reifungsprozess auch ein geistiger bewältigt. Jedoch ist die Situation der heu- tigen Gesellschaft für Heranwachsende besonders schwer und es bedarf großer Anstrengungen sei- tens der Politik und der Familie, damit Kinder und Jugendliche „nicht vom richtigen Wege“ ab- kommen.
6. Literaturangaben:
GRATZER, W.: Gewaltprävention – aus der Sicht eines Schulleiters, in: Politische Studien,
Sonderheft 4/1997: Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Was tun wir für den friedlichen Umgang miteinander?, Atwerb-Verlag HOHLMEIER, M.: Gewaltprävention in der Schule, in: Politische Studien, Sonderheft 4/1997: Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Atwerb-Verlag Hurrelmann, K.: (1997) Lebensphase Jugend, München Lamnek, S.: (1996) Theorien abweichenden Verhaltens, München LexiROM © 1995 Microsoft Corporation und Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus
LKA-Bausteine, Bayerisches Landeskriminalamt, Sachgebiet 133, in: Politische Studien, Son- derheft 4/1997: Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Was tun wir für den friedli- chen Umgang miteinander?; Dokomentationsteil, Atwerb-Verlag Peters, H.: (1995) Devianz und soziale Kontrolle, München Schäfers, B.: (1998) Soziologie des Jugendalters, Opladen SINGHAMMER, J.: Familie als prägende Kraft hat Vorbildfunktion! , in: Politische Studien, Sonderheft 4/1997: Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Was tun wir für den friedlichen Umgang miteinander?, Atwerb-Verlag Wiswede, G.: (1979) Soziologie abweichenden Verhaltens, Stuttgart
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Quote paper:
Rebecca Diezmann, 2003, Abweichendes Verhalten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Gratuliere !!!
Eine sehr interessante Aufstellung von Fakten.
Nur Jungendliche die Liebe erfahren, können auch Liebe weitergeben ", in diesem Sinne...weiter so.
on Saturday, October 11, 2008-