2. Die Zeit als Page
Mit etwa sieben Jahren wurden die Jungen zuerst zum Pagen, so begann der erste Teil ihrer Ausbildung zum Ritter. Das Erlernen höfischer Umgangsformen spielte selbstverständlich eine sehr große Rolle. So lernten die Pagen, lange bevor mit militärischen Übungen begonnen wurde, zuerst gehorsam und höflich zu sein und gute Manieren zu zeigen. Sie bedienten die Ritter und adeligen Damen am Hof und wurden so mit den richtigen Umgangsformen bekannt gemacht. Außerdem lernten sie schon früh, wie sie mit Pferden umzugehen hatten, da diese später eins der wichtigsten Bestandteile ihres ritterlichen Lebens darstellen würden. Die Pagen lernten, wie man die Pferde füttert, pflegt und wie man beispielsweise das Zaumzeug repariert.
3. Die Zeit als Knappe
Waren die Jungen etwa 14 Jahre alt, wurden sie zum Knappen. Sie waren mittlerweile mit der Hoflehre, dem richtigen Verhalten in der Gesellschaft, vertraut. Jedoch gehörte es trotzdem weiterhin zu ihren Pflichten, die Adeligen bei Tisch zu bedienen.
Zusätzlich waren sie nun auch als Schildknappen für die Rüstung und Pferde eines Ritters verantwortlich, standen ihm immer zur Seite und zogen gegebenenfalls auch mit ihm in den Krieg. Der Knappe half dem Ritter in seine Rüstung und in den Sattel. Soweit es nötig war, brachte er ihm beim Turnier oder im Kampf ein neues Pferd und diente somit seinem Vorbild so gut es ihm möglich war, um für seine eigene Zukunft als Ritter alles Wichtige zu lernen.
Außerdem gehörte das Erlernen der ritterlichen Reit- und Waffentechnik zu den wichtigen Inhalten der Ausbildung. Die Knappen wurden mit dem Umgang mit Waffen vertraut gemacht und lernten richtig zu reiten, damit sie im Fall eines Kampfes das Pferd unter Kontrolle halten konnten.
Aber auch die Jagd würde in ihrem späteren Leben als Ritters eine Rolle spielen, wenn auch hauptsächlich als Zeitvertreib. So musste neben dem Kriegshandwerk auch die Kunst der Jagd erlernt werden. Sie erforderte Wagemut, Ausdauer und
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genaue Kenntnis der Gewohnheiten der Tierarten, so beschreibt es Georges Duby.
Die Jungen mussten lernen, die Lager der Tiere aufzuspüren, ihre Laute zu verstehen und ihre Spur zu erkennen. Zur Jagd gehörte allerdings auch der Zusammenhalt der Mannschaft, gemeinsam zu arbeiten und sich gegenseitig vertrauen zu können. In kleinen, verstreuten Gruppen bewegte man sich in unübersichtlichem Gelände, um die Beute zu überraschen, so wie es im Krieg später auch gegenüber dem Feind der Fall sein würde.
Neben der Erziehung des Körpers gehörte selbstverständlich auch die des Geistes zur Ausbildung. Schließlich würden die Knappen später als Ritter nicht nur kämpfen müssen, sondern auch strategische Überlegungen anstellen, Pläne aufstellen und Risiken abwägen.
Der Burgherr selbst leitete oft, mit Hilfe des Priesters, diesen Teil der Ausbildung. so sollte jeder Ritter ein gewisses Maß an Bildung erhalten.
An den Höfen kam es häufig vor, dass Gelehrte vorlasen oder fahrende Sänger Verse vortrugen. Aber auch die Ritter erzählten oft Geschichten von besonderen Heldentaten, wodurch die Heranwachsenden die Moral des Rittertums und die ritterlichen Tugenden kennen lernten.
4. Die ritterlichen Tugenden
Es wurde sehr viel über das ritterliche Tugendsystem geschrieben, jedoch berichten die verschiedenen Quellen nicht alle das gleiche.
Man kann aber soviel sagen, dass die ritterlichen Tugenden von großer Bedeutung waren. Es gab ein gewisses Idealbild des Ritters, der alle Tugenden und guten Eigenschaften in sich vereinte.
So schrieb z.B. Rudolf von Ems in „Wilhelm von Orlens“ (Z. 12.550-56)
„Er war eine Blume gänzlicher Vollkommenheit, ein Felsen beständiger Tugend, ein Spiegel der Freigebigkeit und des höfischen Benehmens, er war rein und demütig, von mannhafter Güte, klug,
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auf verständige Weise gutmütig, tapfer und hochgesinnt.“ 1
In ihrer Ausbildung wurde den Jungen ein gewisser ritterlicher Ehrenkodex vermittelt. Dazu gehörten unter anderem Treue und Gehorsam gegenüber ihrem Herren, Schutz für alle Schwachen und eine höfliche, respektvolle Haltung gegenüber Frauen.
Unter den religiösen Tugenden nahm die Demut den ersten Platz ein, die eigene Tüchtigkeit vermochte nichts ohne den Segen Gottes. Der Ritter bewies diese Demut gegenüber den Menschen durch Mitleid und Barmherzigkeit. Auch das Gebot, in allen Dingen maßzuhalten und den richtigen Mittelweg zu gehen, fehlte in keiner Ritterlehre.
Treue, Tapferkeit und Besonnenheit fassen im Allgemeinen die Werte des Ritters zusammen, die der Knappe bis zum Ende seiner Lehrzeit verinnerlicht haben sollte, um ein guter Ritter zu werden.
5. Die Schwertleite
Nach etwa 14 Jahren, also im Alter von etwa 21 war die Ausbildung der Jungen zuende und sie wurden, soweit sie sich dessen würdig gezeigt hatten, zum Ritter geschlagen.
Die Zeremonie nannte man die Schwertleite. Sie war eins der wichtigsten Ereignisse im Leben eines Ritters, er erhielt seine Ausrüstung, wurde offiziell zum Ritter und war somit volljährig.
Die Zeremonie der Schwertleite wurde überall sehr unterschiedlich vollzogen, in einigen Quellen wird sie als besonders prunkvoll beschrieben, doch der historische Gehalt ist im einzelnen nicht überprüfbar.
Oft musste der Knappe die ganze Nacht vor seiner Schwertleite beten. Am Morgen war es meist so, dass das Schwert zunächst in der Kirche gesegnet
1 Er was ain blůme ganzer tugent, Stǻter trúwe ain adamas, Milte und zúhte ain spiegelglas, Kúsch
und demůte Mit manlicher gůte, Wis, beschaidenlichen gůt, Ellenthaft und hohgemůt (R. v. Ems,
Wilhelm v. Orlens 12550-56)
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wurde und dem Ritter anschließend bei der Schwertumgürtung überreicht wurde. In einem feierlichen Gelöbnis bezeugte der neue Ritter, seine Macht nicht zu missbrauchen, sich denen anzunehmen, die sich nicht selbst verteidigen können und seinen Gegner zu verschonen, wenn er um Gnade bittet. Nach der Zeremonie folgten meist eine Woche Festlichkeiten und Turniere. Im Anschluss daran kehrte der Ritter in die Burg seines Vaters zurück.
Quellenangaben:
Bumke, Joachim: Höfische Kultur – Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 2 Bde., München 1986 [8. Aufl.: 1.Bd., 1997] Duby, Georges: Die Ritter, Darmstadt 1999 [Kinderbuch] Keen, Maurice: Das Rittertum, München/Zürich1987
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Quote paper:
Nicole Streich, 2003, Die Ausbildung des Ritters im Mittelalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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