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Inhalt
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1. Einleitung. 3
2. Begriffsdefinitionen. 3
2.1 „Computer“ 3
2.2 „Bildung“ 3
2.3 „Schulerfolg“ 3
2.4 Zusammenhänge. 3/4
3. Statistik. 4
3.1 IT Ausstattung der Schulen in Deutschland. 4/5
4. Konzepte. 5
4.1 Bewahrpädagogische Ansätze. 5/6
4.2 Kritische Ansätze. 6
4.3 Kompetenzorientierte Ansätze. 6/7
4.4 Kindzentrierte Ansätze. 7
5. Lernen mit dem Computer. 8
5.1 Lerntypen. 8/9
5.2 Lernmethoden. 9
5.3 Software-Lösungen. 9
6. Kritik. 10
6.1 Gefahren. 10
6.2 Kosten und Effizienz. 11
6.3 Die Sinnfrage. 11
7. Versuch eines Fazits 12
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1. Einleitung
Jährlich werden viele Millionen Euro in die Anschaffung und Instandhaltung großer Computernetze in Schulen und Universitäten investiert. „Medienkompetenz“ ist ein vielgebrauchtes Wort in den Schlagzeilen, und der Computer scheint das Wundermittel zum schnellen und unkomplizierten Lernen für Kinder und Jugendliche zu sein. Das Internet wird als riesige Informationsquelle hoch gelobt.
Da stellt sich die Frage, ob diese Annahmen wirklich der Realität entsprechen und ob sich diese riesigen Investitionen auszahlen. Was genau bringt der Computer im Hinblick auf Bildung und Schulerfolg der Kinder? Diese Frage soll in den folgenden Abschnitten pädagogisch untersucht werden.
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Computer(engl. to compute: „(be-)rechnen“ aus lat computare: „(zusammen-)rechnen“): Universell einsetzbares elektronisches Gerät zur automatischen Verarbeitung von Daten (nach bestimmten Programmen bzw. Programmablaufplänen) 1
2.2 Bildung ist das geistige Verknüpfen und in Relationsetzen von Faktizitäten durch Logik, Erfahrungen, Dialektik etc.
2.3 Schulerfolg: Allgemein wird Schulerfolg als das Erreichen „guter Noten“ bzw. das Erreichen des Klassenziels, welches durch Richtlinien und Lehrpläne vorgeschrieben ist, definiert.
2.4 Zusammenhänge
Der Computer ist laut Definition ein Gerät, das lediglich Daten, also kleinste Informationseinheiten verarbeiten kann. Nun hat ein Datum an sich keinerlei Wert, wenn aus ihm nicht eine Information gebildet wird. Viele Daten können also eine Information bilden. Eine Information wird als Nachricht oder Auskunft definiert 1 . Der Computer kann also lediglich Daten, ggf. auch Informationen liefern. Nur müssen aus den einzelnen Informationen Faktizitäten gebildet werden. Eine Faktizität (ein Fakt) besteht aus
einzelnen, gebündelten Informationen. Nun bringt der Computer aber lediglich Informationen, die jedes Subjekt, das mit dem Computer arbeitet, jedoch noch selektieren und durch den Vergleich mit weiteren Informationen (die auch der Computer liefern kann) überprüfen muss. Durch diese Selektierung und Bündelung von
1 „Computer“, in: Meyers Taschen Lexikon (Weltbild Sonderausgabe), Bd.2, Augsburg 1999, S.632
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Informationen entstehen Faktizitäten.
Bildung bedeutet nun, dass diese Faktizitäten in Relation gesetzt und verknüpft werden. Diese Fähigkeit ist für einen Rechner allerdings unmöglich. Was bedeuten diese Feststellungen für den Schulerfolg?
Wie oben erläutert, ist die Aufgabe des Lernenden, ihm gegebene Informationen zu Faktizitäten zu bündeln. In der Schule werden einem Schüler eben diese Informationen und unter Umständen auch Faktizitäten gegeben. Auch wenn ein Schüler Lernmethoden gelehrt bekommt, liegt es nach wie vor an seinem Vermögen, diese für sich selbst umzusetzen - also die Informationen und Faktizitäten so zu verarbeiten, dass er sie nutzen kann. Daraus folgt, dass, unabhängig davon wie der Schüler die Informationen übermittelt bekommt, es am Subjekt selbst liegt, diese zu seinem Nutzen und Verständnis zu verarbeiten.
So bleibt noch die Frage, welchen Vorteil der Computer beim Vermitteln von Informationen gegenüber anderen Lehrmitteln oder auch Lehrpersonen haben kann.
3. Statistik
3.1 IT Ausstattung der Schulen Deutschland
2 Bundesministerium f. Forschung u. Bildung „IT Ausstattung der allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen in Deutschland“, auf:
http://www.bmbf.de/pub/it-ausstattung_der_schulen.pdf , 26.02.2001, 16:14
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Des weiteren stellte sich heraus, dass bei der Benutzung der Geräte an den allgemeinbildenden Schulen am häufigsten Vokabel- und Grammatiktrainer, sowie Nachschlagewerke, und an den berufsbildenden Schulen Programme mit Werkzeugcharakter und Software zum Erstellen von Multimedia-Anwendungen genutzt werden.
Um diese Studie auf diese Untersuchung zu beziehen, ist festzuhalten, dass ein Großteil aller Schulen Computer benutzen. Dabei wird versucht, den Schülern das Lernen zu vereinfachen (Vokabeltrainer, etc.). Der Computer dient hier also als Werkzeug, um dem Lernenden Fakten zu vermitteln, nicht, ihn zu bilden.
4. Konzepte
Für die Arbeit mit Kindern im Umgang mit Medien sind umfangreiche Konzepte notwendig. Alle Konzepte zentrieren sich auf gemeinsames „Medienerleben“, und die Aufarbeitung der Erfahrungen der Kinder spielt eine große Rolle bei der Medienerziehung. Die wichtigsten Ansätze sollen hier erläutert werden.
4.1 Bewahrpädagogische Ansätze
„Kinder sollen vor den negativen Einflüssen der Medien bewahrt werden. Daher sollten
der Kindergarten und die Grundschule frei von elektronischen Medien wie Fernsehen,
Video oder Computer gehalten werden.“ 3
Beim Bewahrpädagogischen Konzept wird von folgenden Grundannahmen ausgegangen:
· Medien haben direkten Einfluss auf den Rezipienten
· Medien können für Kinder und Heranwachsende ein großes Gefahrenpotential in Form von Sucht, Verführung und Manipulation bergen.
· Kinder und Jugendliche verfügen weder über die nötige kognitive, moralische noch die soziale Kompetenz, um Medienerfahrung richtig verarbeiten und einordnen zu können.
· Kinder sind der Reizüberflutung der „Massenmedien“ schutzlos ausgeliefert.
Daraus ergeben sich grundsätzliche Ziele für das Bewahrpädagogische Konzept:
3 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte zur Medienerziehung“ auf:
http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1.htm, 01.03.2002, 14:05
6
Kinder und Jugendliche müssen vor den Medien bewahrt und geschützt werden, und schädlichem Umgang mit Medien muss vorgebeugt werden.
Es muss ein Heranführen der Kinder an pädagogisch sinnvolle Medien(-produkte) erfolgen. In der Praxis bedeutet dies eine globale Gesetzgebung zum Schutz der Kinder vor Medien, die negativen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern haben können. Jüngere Kinder sollen gänzlich von elektronischen Medien ferngehalten werden und der Medienkonsum von Heranwachsenden muss streng kontrolliert werden.
In der Alltagsgestaltung müssen alternative Beschäftigungs- und Lernmethoden bereitgestellt sein. Der Computer spielt hier also eine völlig untergeordnete Rolle in der Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen und Medien werden generell nur eingesetzt, um Kindern die Gefahren und Risiken eben dieser Medien deutlich zu machen.
4.2 Kritische Ansätze
„Um Kindern zur nötigen Skepsis gegenüber dem vielfältigen Medienangebot zu
verhelfen und sie gegen die Manipulationsabsichten der Medienmacher immun zu
machen, sollen sie anhand von Beispielen über diese Sachverhalte aufgeklärt werden.“ 4
Das Kritische Konzept der Medienerziehung beruht auf der Grundannahme, dass Medien in einer kapitalistischen Gesellschaft eine „herrschafts- und damit gesellschaftsstabilisierende Funktion“ 4 haben. Daraus ergeben sich die Ziele, den Rezipienten zu einem kritischen Mediennutzer und -konsumenten zu erziehen, ihm die für die kritische Analyse nötigen technischen Kenntnisse zu vermitteln und ihn zu befähigen, die Medienkritik als Teil einer Gesellschaftskritik betrachten zu können.
Dazu gehört auch die Fähigkeit, Einfluss auf die medienrelevanten Institutionen nehmen zu können und die selbstkritische Betrachtung des eigenen Medienkonsums. Praktisch bedeutet dies ein gemeinsames „Kennenlernen“ mit dem Kind und einer vertrauten Bezugsperson, Kritisieren und Analysieren von verschiedenen Medien und eine mit der Kritik verbundenen „Gegenöffentlichkeit durch handelnden Umgang mit Medien“ 4 , als dem Eingreifen ins „Mediengeschehen“. Hier wird dem Kind der Umgang z.B. mit dem Computer unter Berücksichtigung seiner wichtigen gesellschaftliche Rolle nahe gebracht. Dabei geht es nicht darum, dass der Computer den Rezipienten informieren oder gar bilden soll, sondern dass sich der Rezipient über den Computer und die Möglichkeiten, die ihm mit dessen Hilfe eröffnet werden können informieren soll.
4 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte der Medienerziehung - Kritische Ansätze“, auf http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1_2.htm 01.03.2002, 15:36
7
4.3 Kompetenzorientierte Ansätze
„Kindern sollen bestimmte Kompetenzen zum aktiven Umgang mit Medien vermittelt
werden. Dadurch sollen unabhängig von individuellen Bedürfnissen oder auch
Äußerungen von der Kinder in die Lage versetzt werden, Fernsehsendungen sinnvoll
auszuwählen.“ 5
Beim Kompetenzorientieren Konzept der Medienerziehung geht man davon aus, dass Medien ein elementarer Bestandteil des Konsum- und Kulturlebens darstellen, und Kinder Medienkompetenzen für ihr gesellschaftliches Leben erlangen müssen. Außerdem muss das Kind zu einer differenzierten Betrachtungsweise von Medien und deren Wirkung durch Analysen unter verschiedenen Gesichtspunkten in der Lage sein. Ein Bewusstsein der Nutzungsweisen, Wirkung und eventueller Überforderung muss geschaffen werden, was zu einem effizienten Umgang mit den (elektronischen) Medien führen soll. Eigene Medienproduktion, also aktive Teilhabe an den Medien, soll zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der „Massenkultur“ und zur Förderung der sozialen Kompetenzen führen. Dazu ist sowohl aktive Medienarbeit, als auch die Aufarbeitung von Medienerfahrungen notwendig.
4.4 Kindzentrierte Ansätze
Bei den Kindzentrierten Ansätzen der Medienpädagogik wird davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche Medien nutzen, um lebenszentrale Themen zu verarbeiten. Dabei identifizieren sie sich mit „Medienfiguren“. Bei diesem Konzept muss nun eine Aufarbeitung von Alltagssituationen und Problemen erfolgen, welche den Jugendlichen zu einem sozial- und sich selbst gerecht werdenden Umgang mit den Medien verhelfen soll. Praktisch bedeutet dies sowohl aktive und produktive Medienarbeit mit den Kindern, Aufarbeitung von Medienerlebnissen und -Erfahrungen, als auch Entwickeln von Handlungsstrategien zusammen mit den Eltern.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass besonders die Aufarbeitung der Erlebnisse und Erfahrungen der Kinder eine große Rolle spielt. Medien können ein großes Gefahrenpotential in sich bergen, und dies ist nur durch aufmerksames und bewusstes Einsetzen von Medien bei der Arbeit und Erziehung mit Kindern in einem vertretbaren Maße zu halten.
5 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte der Medienerziehung - Kompetenzorientierte Ansätze“ auf http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1_3.htm 01.03.2002, 15:38
8
5. Lernen mit dem Computer
5.1 Lerntypen
Jeder Mensch kann Informationen unterschiedlich gut und auf verschiedene Weisen aufnehmen. Allein das Wort „Multimedia“ deutet darauf hin, dass es mit dem Computer möglich ist verschiedene Medien zu vereinen. 8 Da es unterschiedliche Lerntypen gibt, die Informationen über bestimmte Medien besser aufnehmen können, das Lernen mit dem Computer einen enormen Vorteil zu bieten. Dies wird in dem folgenden Kapitel untersucht. Da es nicht möglich ist, alle Lerntypen zu erfassen, werden hier nur einige wenige behandelt. Dazu ist zu sagen, dass Lerntypen nicht rein auftreten müssen, sondern durchaus auch als Mischtypen. Der Lerntyp sei nach Frederic Vesters „Netzwerk des Lernens“ 6 angeboren, und es ist davon auszugehen, dass er sich im Laufe des Lebens auch nur im geringen Maße verändert. Als „Überkategorien“ der Lerntypen sind etwa fünf Lerntypen zu nennen:
· Der visuelle Lerntyp (Lernen durch Sehen)
· Der auditive Lerntyp (Lernen durch Hören)
· Der audio-visuelle Lerntyp (Lernen durch Sehen und Hören)
· Der abstrakt-verbale Lerntyp (Lernen durch/mit Worten und Definitionen)
· Der kontakt- bzw. personenorientierte Lerntyp (Lernen mit Beziehungen/Personen)
Mit diesen Überkategorien kann man so zunächst noch keine genaue Untersuchung im Hinblick auf das Lernen mit dem Computer machen. Daher werden hier einige weiter Lerntypen der Überkategorien berücksichtigt:
Der lesende Einzelgänger (visueller Lerntyp, nicht kontaktorientiert) Der lehrerfixierte „Mitarbeiter“ (kontaktorientierter Lerntyp) Der diskutierende „Gesprächstyp“ (auditiv- und kontaktorientierter Lerntyp) Der gespannte Zuhörer (auditiver Lerntyp) 6
Betrachtet man sich diese Lerntypen genauer und versucht, dies auf die Arbeit mit dem Computer zu beziehen, bemerkt man bald, dass nicht alle dieser Lerntypen für die Arbeit mit Computern „geeignet“ sind. So werden Kinder des „kontaktorientierten“ Lerntyps mit der Arbeit weniger Erfolge erzielen können, wie die des „audio-visuellen“ Typs.
6 Vester, Frederic: Denken, Lernen, Vergessen, dtv, München, 2001 28
7 Wolfgang Pohl, “Biologische und psychologische Grundlagen des Lernens“ auf http://www.ni.schule.de/~pohl/lernen/kurs/lern-02.htm, 05.03.2002, 16:21 8 Technik und Medien GmbH, „Konzepte - Lernen - Multimedia“ auf http://www.tm-online.de/profil/script_index.htm?konzept.htm
9
Für den lesenden Einzelgänger oder den gespannten Zuhörer kann also die Arbeit mit dem Computer das Lernen durchaus vereinfachen, wohingegen der lehrerfixierte Mitarbeiter oder der diskutierende Gesprächstyp mit dem Computer wenig anzufangen weiß.
5.2 Lernmethoden
Die Lernmethoden müssen auf dem jeweiligen Lerntyp aufbauen.
Für ein Kind mit dem Lerntyp des audio-visuellen Lernens können wohl kaum dieselben Lernmethoden sinnvoll sein wie für ein Kind mit dem Lerntyp des kontaktorientierten Lernens. Das bedeutet, dass eine Software, die das Lernen für Kinder vereinfachen soll, überaus flexibel sein und sich an die Bedürfnisse des Benutzers anpassen können muss. Die Wahl der Lernmethode muss darüber hinaus auch noch an dem zu vermittelnden Stoff, sowie an dem Alter des Kindes orientiert sein.
5.3 Software - Lösungen
Es sind etliche Programme erhältlich, die behaupten, „schulen“, „lehren“ oder gar „bilden“ zu können. Dabei wird in Produktbeschreibungen oft angepriesen, wie einfach Kinder „auf spielerische Weise“ 9 dies und jenes erlernen könnten. Dabei wird aber in nahezu jeder Software lediglich der Lerntyp des audio-visuellen Lernens mit den „interaktiven“, „animierten“ Lernprogrammen angesprochen. Lerntypen wie der abstrakt-verbale oder der kontaktorientierte Typ werden dabei meist vollkommen vernachlässigt.
Man kann nicht sagen, dass es revolutionäre Neuheiten oder gravierende Unterschiede der verschiedenen Programme gibt. Bei den Funktionsweisen der verschiedenen Programme muss zwischen Lernprogrammen und Trainern unterschieden werden.
Während bei Trainern (z.B. Vokabel- oder Formeltrainer) lediglich versucht bereits vorhandenes Wissen geprüft und wiederholt wird, wird bei Lernprogrammen neuen Stoff zu vermitteln. Bei Lernprogrammen wird meist versucht, den zu vermittelnden Stoff in Ton und Bild spielerisch darzustellen und zu übermitteln.
Auffallend ist, dass die meisten Programme auf dem Markt Trainer sind. Wirkliche Lernsoftware ist leider kaum kostenlos erhältlich, und Testberichte sind oft zu subjektiv und beziehen sich meist nur auf die Benutzerfreundlichkeit und nicht auf den eigentlichen Lernerfolg und die Lernmethoden. 10
10 Punkt Logibyte Marketing Service GmbH, “Löwenzahn 2 (Testbericht)” auf
http://www.lernsoftware.com/lscgi/db.exe?Produktid=665, 05.03.2002, 17:45
10
6. Kritik
6.1 Gefahren
Einige medienpädagogische Konzepte gehen davon aus, dass für Kinder der Umgang von Kindern mit Medien Gefahren und Risiken mit sich bringt. Welche Gefahren kann die Arbeit mit dem Computer für Kinder haben? Neben den gesundheitlichen Risiken durch übermäßige Strahlung der Monitore und Bewegungsmangel, sowie orthopädische Schäden durch verkrampftes Sitzen, kann der Computer auch große Risiken für die psychische Entwicklung von Kindern haben. Rechner in allen Schulen, sogar Vorschulen und Kindergärten sind mittlerweile nichts Ungewöhnliches. In Beschreibungen von Software stehen Altersangaben „ab 2 Jahren“ 11 Nach dem Persönlichkeitsmodell von Freud 12 befinden sich Kinder in diesem Alter in den wichtigsten Entwicklungsphasen des Lebens (anale und phallische, teilweise noch orale Phase), in denen das Erkunden und Entdecken des eigenen Körpers und der Umgebung viel wichtiger ist als irgendein Computerprogramm. Sicherlich müssen Kinder gerade in diesem Alter viel lernen, aber was, für die frühe Entwicklung eines Kindes so Entscheidendes, kann ein Computer einem Kind beibringen, was es nicht selbst entdecken kann?
„So bieten die Computerprogramme viel Vorbereitung für die Welt der Boolschen
Algebra - und eine völlig unzureichende Einführung in das Zusammenleben mit anderen
Menschen“ 13
Die sozialen Risiken des Computers sind nicht zu verkennen. So fördert der Computer bei Kindern und Heranwachsenden nicht die Kommunikation, sondern zerstört sie regelrecht. Müssen Kinder denn über Chat miteinander kommunizieren, wenn sie viel besser miteinander sprechen und sich dabei anschauen oder einen Brief mit selbstgemalten Bildern schreiben könnten ? Genauso wenig fördert der Computer die Kreativität. Die motorische Entwicklung eines Kindes wird durch das Malen viel mehr gefördert als durch das bloße Klicken auf ein paar Symbole, die dann automatisch eine professionelle Präsentation auf den Bildschirm projizieren. Es gehört zur gesunden Entwicklung eines Kindes unbedingt dazu, dass es im Dreck spielt und die Natur kennenlernt, und nicht vor einer leblosen Maschine zu sitzt, die ihnen eine Scheinwelt präsentiert, die es noch gar nicht von der Realität zu unterscheiden vermag. Ein Kind ist ersteinmal nicht in der Lage zu differenzieren, was virtuell und was real möglich ist. Kinder müssen die Wirklichkeit erfahren und kennenlernen, bevor man sie mit den abstrakten, virtuellen Welten vertraut macht.
11 Punkt Logibyte Marketing Service GmbH, ”Allgemeines” auf
http://www.lernsoftware.com/lscgi/db.exe?kategorie=6010, 05.03.2002, 18:15 12 Nowak u.a.: Pädagogik I Grundwissen, Hueber Verlag, München 1976
13 Stoll, Clifford: Logout - Warum Computer nichts in Klassenzimmern zu suchen haben und andere High- Tech Ketzereien, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001 1
11
6.2 Kosten und Effizienz
Laut Statistik² sind die bundesdeutschen Schulen mit knapp einer halben Millionen Rechnern ausgestattet. Bei einem durchschnittlichen Preis von etwa 750€ pro Computer kommt man allein auf einen Anschaffungspreis von 375 Millionen Euro, wobei Netzwerkperipherie und ähnliche Zubehörteile sogar noch außer Acht gelassen sind. Hinzu kommen viele Millionen Euro an laufenden Kosten, Internetgebühren, Instandhaltung etc. Da stellt sich die Frage, welchen Nutzen die Computer in den Schulen haben. Statistisch gesehen wird der Computer lediglich in dem Fach Informatik regelmäßig eingesetzt. In allen anderen Fächern wurde durchschnittlich nur „durch wenige Kolleginnen/Kollegen benutzt“ angegeben. Auch wenn der Computer eine gute Ergänzung zum Unterricht darstellen kann, scheint der Computer seine hohen Kosten nicht wert zu sein. Die laufenden Kosten zur Instandhaltung von Büchern sind weitaus geringer als die von Computern und Netzwerken, und wenn man der Statistik Glauben schenken darf, werden diese weitaus regelmäßiger im Unterricht eingesetzt als Rechner.
6.3 Die Sinnfrage
Warum werden Computer in Schulen eingesetzt, wenn ihr Einsatz allem Anschein nach so wenig effizient ist? In einigen Medienpädagogischen Konzepten (siehe Seite 5 ff.) ist der Grund zur mediennahen Erziehung bereits erwähnt worden. Medien spielen in der heutigen Gesellschaft eine große Rolle und bergen ein großes Gefahrenpotential, mit dem Kinder und Jugendliche lernen müssen umzugehen. Dazu gehört auch die gängigsten Medien, wie Computer, Fernsehen, etc. kennenzulernen. Die Konzepte beinhalten aber keinerlei Hinweis auf das Lernen mit dem Computer. Was ist also der Sinn der Anschaffung von vielen tausend Computern in Deutschlands Schulen? Es ist wohl kaum möglich, diese Frage umfassend in einer Facharbeit zu beantworten, ist diese Antwort doch auch von großer politischer Bedeutung. In wie weit müssen deutsche Ausgebildete im Bereich der Informations-Technologie konkurrenzfähig sein? Der deutsche Arbeitsmarkt braucht Informatiker. Wie weit darf man gehen, um die Schüler auf internationales Leistungsniveau zu „trimmen“? Wie wichtig sind staatliche Hightech-Investitionen für die deutsche Wirtschaft? Diese Fragen können nicht eindeutig beantwortet werden, aber aus pädagogischer Sicht scheint der Computer für Schulen absolut ungeeignet zu sein. Natürlich ist ein gewisser Nutzen für den schulischen Einsatz nicht von der Hand zu weisen, aber betrachtet man die hohen Kosten, die Effizienz und die negativen Auswirkungen, die die Arbeit mit dem Computer gerade für kleine Kinder haben kann, so ist es wirklich fragwürdig, warum der Computer in diesem Maße in Schulen und sogar schon in Kindergärten zum Einsatz kommt.
² a.a.O Seite 4
12
7. Versuch eines Fazits
Der Computer vermag einige Dinge, die mit dem Lernen verbunden sind, durchaus zu vereinfachen. Recherchen im Internet gehören mittlerweile zu jedem Referat, ebenso wie der Besuch einer Bibliothek und kann darüber hinaus sogar um einiges effizienter sein. Auch das Aufreihen von Übungsaufgaben, mit denen gelernte Dinge wiederholt und ins Langzeitgedächtnis übertragen werden, ist für einen Computer die ideale Aufgabe. Aber die nötige Flexibilität, um Lernstoff sinnvoll zu vermitteln, fehlt jeder Maschine. Diese Erkenntnis wurde schon beim Unterrichtsprinzip des programmierten Lernens von Burrhus F. Skinner in den 50er Jahren gemacht. 13 Für erfolgreichen Unterricht benötigt man einen Menschen, der auf die Bedürfnisse, Ideen und Probleme der Lernenden eingehen kann und keine Maschine, die in Form von kleinen Filmen, bunten Spielen und lustiger Musik einfach nur Tatsachen in den Raum stellt. Es ist kein Platz für Fragen oder genauere Untersuchungen, denn der Lernstoff ist fest vorgegeben, und ein Programm ist nicht in der Lage, sich über die festgelegten Grenzen hinaus zu bewegen. Elektronische Medien nehmen in der heutigen Gesellschaft eine immer größere Rolle ein. Natürlich müssen Jugendliche auf den Umgang mit diesen vorbereitet werden. Nur dürfen der Computer und andere Medien nicht eine zentrale Rolle in der Erziehung bekommen. Kinder müssen nicht so früh wie möglich an den Computer herangeführt werden. Kinder müssen ihre Kreativität nicht mit Tastatur und Maus ausleben. Kinder müssen die Wirklichkeit kennen lernen, nicht eine virtuelle Cyberwelt. Der Computer hat sich im Laufe dieser Untersuchung als absolut ungeeignet zum Lehren erwiesen und kann höchstens als Werkzeug zur Unterstützung des Lernens eingesetzt werden. Nur ist er auch für diese Aufgabe nicht das Wundermittel, für das er oft gehalten wird. Multimediale Anwendungen mögen einigen Lerntypen in ihrem Lernverhalten helfen können, aber die Technik ist noch lange nicht soweit, einen Lehrer zu ersetzen oder ihm in irgendeiner Art und Weise nahe zu kommen.
Das Lernen mit dem Computer kann höchstens kognitive oder intellektuelle Kompetenz fördern. Auf soziale, emotionale oder motorische Kompetenz hat der Computer sogar eher negative Auswirkungen. Das Lernen mit dem Computer kann also unter begrenzten Umständen den Lernerfolg erhöhen, aber auf die Bildung eines Menschen hat dies im Prinzip keinerlei Auswirkungen.
13 a.a.O Seite 10
13
8. Literaturverzeichnis
Bücher
6 Vester, Frederic: Denken, Lernen, Vergessen, München, 2001 28
12 Nowak u.a.: Pädagogik I Grundwissen, Hueber Verlag, München 1976
13 Stoll, Clifford: Logout - Warum Computer nichts in Klassenzimmern zu suchen haben und andere High-Tech Ketzereien, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001 1 Im Original: High-Tech Heretic. Why Computers Don’t belong in the Classroom and Other Reflections by a Computer Contrarian, Doubleday, New York 1999
Internetseiten
2 Bundesministerium f. Forschung u. Bildung „IT Ausstattung der allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen in Deutschland“, auf:
http://www.bmbf.de/pub/it-ausstattung_der_schulen.pdf , 26.02.2001, 16:14
3 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte zur Medienerziehung“ auf:
http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1.htm, 01.03.2002, 14:05
4 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte der Medienerziehung - Kritische Ansätze“, auf http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1_2.htm 01.03.2002, 15:36
5 teachSam Medienpädagogik, „Konzepte der Medienerziehung - Kompetenzorientierte Ansätze“ auf http://www.teachsam.de/medien/medienpaed/medienpaed_erz_3_1_3.htm 01.03.2002, 15:38
7 Wolfgang Pohl, “Biologische und psychologische Grundlagen des Lernens“ auf http://www.ni.schule.de/~pohl/lernen/kurs/lern-02.htm, 05.03.2002, 16:21
8 Technik und Medien GmbH, „Konzepte - Lernen - Multimedia“ auf
http://www.tm-online.de/profil/script_index.htm?konzept.htm
11 Punkt Logibyte Marketing Service GmbH, ”Allgemeines” auf
http://www.lernsoftware.com/lscgi/db.exe?kategorie=6010, 05.03.2002, 18:15
Nachschlagewerke
1 „Computer“, in: Meyers Taschen Lexikon (Weltbild Sonderausgabe), Bd.2, Augsburg 1999, S.632
Arbeit zitieren:
Adrian Schneider, 2002, Über den Zusammenhang von Bildung und Schulerfolg mit Hilfe des Computers, München, GRIN Verlag GmbH
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