Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung S 1
1.1 Vorwort S 1
1.2 Der Regisseur Souleymane Cissé S 1
1.3 Der Film Finyé S 3
2 Hauptteil S 4
2.1 Vergleich zwischen der neuen Militärmacht
und der alten traditionellen Macht S 4
2.1.1 Ihre Repräsentanten S 4
2.1.2 Ihre Toleranz gegenüber
den Anderen S 5
2.1.3 Das Verhältnis zur eigenen Familie S 6
2.1.4 Umgang der Machthaber mit ihrer
jeweiligen Macht S 7
2.2 Das Zusammentreffen der beiden
Machthaber S 8
2.2.1 inhaltlich S 8
2.2.2 unter filmischen Gesichtspunkten S 11
2.3 Das Ende der Macht S 11
3 Schluss S 14
4 Sequenzprotokoll S 16
5 Literaturliste S 20
6 Filmographie S 21
1 Einleitung
1.1 Vorwort
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem Thema « Machtverhältnisse im Mali der 80er Jahre anhand des Films „Finyé“ von Souleymane Cissé“ beschäftigen. Zunächst werde ich den Regisseur vorstellen, danach näher auf die Umstände der Entstehung des Films eingehen und schließlich eine Betrachtung sowohl der alten traditionellen als auch der neuen militärischen Macht wie sie im Film dargestellt werden, vornehmen, wobei ich diese Analyse mit einer detaillierten Untersuchung der für mich wichtigsten Filmsequenz beenden werde.
1.2 Der Regisseur Souleymane Cissé
Souleymane Cissé wurde am 21.4.1940 in Bamako, der heutigen Hauptstadt Malis als Sohn einer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Moslemfamilie geboren. Er lebte mit seinen Eltern, die der Kaste der Sarakholé angehörten zunächst in Dakar, wo er auch sein Studium absolvierte.
1906, kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit Malis vom Senegal, kehrte er wieder nach Bamako zurück, wo er damit begann, Filmvorführungen für Jugendliche zu organisieren. Da er sich schon sehr früh für die Kunst des Filmemachens interessierte, dies jedoch in Mali noch sehr schwierig war, bewarb er sich für ein Auslandsstipendium, das er 1961 auch erhielt, und das es ihm ermöglichte, 7 Jahre in Moskau zu lernen – zunächst an der Foto- und Filmhochschule, danach an der VGIK 1 , ebenfalls in Moskau. Bereits während dieser Zeit drehte er dort mit anderen Afrikanischen Filmstudenten drei Kurzfilme.
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Staatliche Moskauer Filmschule
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Als er 1968 wieder nach Mali zurückkehrte, trat er sogleich der 2 Jahre zuvor gegründeten SCINFOMA 2 bei und wurde kurze Zeit später deren Filmdirektor. In dieser Funktion drehte er zunächst über 30 Kurz- und Dokumentarfilme auf französisch, bevor er 1972 „cinq jours d`une vie“ (35mm, n. et bl., 40 min) realisierte, der erste Film, der komplett auf Bambara, seiner Muttersprache, gedreht wurde. Sein erster längerer Spielfilm „den muso“ (16mm, coul., 90 min, 1975), ebenfalls in Bambara wurde zunächst aufgrund von copyright Problemen verboten, erhielt aber nach seiner Freigabe 1979 einen Preis auf dem Filmfestival in Cannes. 1976/77 ließ sich Cissé von seiner Tätigkeit als Filmdirektor beurlauben, um den Film „Baara“ (16 et 35 mm, coul. , 90 min, 1978), zu deutsch „Arbeit“ zu drehen, der 1978 unter anderem den ersten Preis beim FESPACO erhielt. Dies sollte der erste afrikanische Film werden, der im französischen Fernsehen zur Hauptsendezeit gezeigt wurde, und auch einen beachtlichen Zuschaueranteil von 1,6 Millionen erreichen konnte. 1982 folgte dann sein Werk „Finyé“, der Wind, auf das ich in der vorliegenden Arbeit noch näher eingehen werde. „Finyé“ bildet zusammen mit „Yeelen“(das Licht, 1987) und „Waati“ ( das Wasser, 1995) eine Trilogie, die teilweise mit den gleichen Schauspielern realisiert worden ist. Eine Besonderheit Cissés ist es auch, dass er vorwiegend mit Laienschauspielern arbeitet, die in ihrem wahren Leben genau das sind, was sie später im Film darstellen sollen. Er ergreift diese Maßnahme einerseits aus Gründen der Authentizität, zum anderen aber auch, weil er immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Heute ist Cissé Vorsitzender der „union des créateurs et entrepreneurs du cinéma et de l`audiovisuel de l´afrique de l´ouest“.
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Service cinématographique du Ministère de l`information du Mali
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1.3 Der Film „ Finyé“
„Finyé“, zu deutsch „der Wind“, der erste Teil der Trilogie „Finyé, Yeelen, Waati“ wurde 1982 von Cissé realisiert. Er setzt sich in diesem Film mit dem Machtmissbrauch der Regierung in Mali während der 80er Jahre auseinander. 1968 übernimmt Moussa Traoré, ein junger in Frankreich ausgebildeter Offizier die Macht in Mali, und gründet die UDPM
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, um die politische Stabilität zu sichern und die Wirtschaft zu stärken. Am 19. Juni 1979 wird er durch Plebiszit zum ersten Präsidenten der zweiten malischen Republik gewählt, muss seine Macht jedoch gegen die Bedrohung eines Staatsstreiches und gegen die Studentenrevolten vom März 1980 verteidigen. Basierend auf diesen geschichtlichen Tatsachen erzählt der Regisseur in seinem Film die Geschichte von Bâ und Batrou, zwei aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten stammenden Jugendlichen. Bâ ist der Enkel Kansayés, einem Vertreter der traditionellen Stammhalter und Machthaber Malis, Batrou die Tochter des Militärgouverneurs. Nachdem die beiden Jugendlichen erkannt haben, dass ihre Abiturergebnisse von der Regierung anscheinend gefälscht worden sind, beteiligen sie sich zusammen an den Studentenprotesten und stellen sich damit gemeinsam gegen die Regierung.
Obwohl Cissé somit ein sehr aktuelles und heikles Thema anschnitt, das auf den ersten Blick nicht unbedingt ein positives Bild der malischen Regierung vermittelte, bekam er von eben jener Regierung, neben der für den Film nötigen militärischen Ausrüstung, auch die Genehmigung, auf ihrem Gelände drehen zu dürfen.
Cissé erhielt für diesen Film 1983 in Carthago den „tanit d`Or“, ebenfalls 1983 beim Fepaco den „Grand Prix“ und im selben Jahr auch noch in Cannes „un certain regard“.
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union démocratique du peuple malerien
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2 Hauptteil
2.1 Vergleich zwischen der neuen Militärmacht und der
alten traditionellen Macht
2.1.1 Ihre Repräsentanten
Die militärische Macht wird in dem vorliegenden Film von Sangaré verkörpert. Er wird von seinen Untergeben meist mit „Colonel“ oder „Gouverneur“ angeredet und man sieht ihn meist auch mit seiner Uniform bekleidet. Sangaré ist der Anführer der Armee vor Ort und dazu berechtigt, Entscheidungen zu fällen, ohne zunächst einen Übergeordneten um Rat zu fragen. Gleich zu Beginn des Films meint Batrou, seine Tochter, ihm gegenüber, dass die Leute sagen würden, Frankreich sei seine zweite Heimat (0:07:53), eine Aussage, aus der man schließen kann, dass er entweder mit den ehemaligen Kolonialherren zusammenarbeitet, oder zumindest ihre Regierungspolitik weiterverfolgt. Auf alle Fälle steht er aber symbolisch für die aus dem Kolonialismus entstandene neue Macht. Er lebt zusammen mit seinen drei Frauen und deren Kindern in einem weitläufigen und luxuriösen Haus mit großem Garten.
Die traditionelle Macht tritt in Gestalt Kansayés, dem Großvater Bâs auf. Er ist ein älterer, unscheinbarer Mann, der ohne sichtbares Zurschaustellen seiner Position zusammen mit seiner Frau und Bâ in einer ärmlichen Hütte haust. Zu Beginn des Films gibt es keine äußeren Anzeichen, die darauf hinweisen, dass Kansayé etwas besonderes sein könnte. Er trägt die gleiche Kleidung wie die anderen Dorfbewohner und wird auch nie dabei gezeigt, wie er mit den alten Mächten in Verbindung tritt, bzw. wie er sie benützt.
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2.1.2 Ihre Toleranz gegenüber den Anderen
Beide Machthaber sind zunächst feindselig gegenüber allem, was nicht ihrer eigenen Welt entspricht. Batrous Vater verbietet seiner Tochter zum Beispiel jeglichen Umgang mit Bâ, der seiner Meinung nach ein Taugenichts ist, und auch dessen Freunde erkennen: „le père de Batrou ne veut pas de nous“(0:15:20). Batrou vermutet, dass die Ursache dieses Hasses in der Tatsache begründet liegt, dass Bâs Vater ein großer Vertreter der alten Naturmächte war, dessen letzter Nachkomme nun eben Bâ ist. Vielleicht empfindet Sangaré ein Unwohlsein gegenüber dieser nicht fassbaren Macht, und versucht sie, mit rationalen, das heißt militärischen, Mitteln in ihrer Macht zu beschränken und sie eventuell sogar zu vernichten.
Als Bâ eines Tages unter Drogeneinfluss mit seiner Großmutter in einen heftigen Streit gerät, und auch handgreiflich wird, versuchen Kansayé und die soeben dazugekommene Batrou die beiden voneinander zu trennen. Als Kansayé sich der Anwesenheit Batrous bewusst wird und erfährt, dass sie „la fille du chef“ (0:34:22) ist, jagt auch er sie mit den Worten „pas d`enfant de chef chez moi“ (0:34:30) fort. Er betrachtet Batrou als eine „von den anderen“, von denjenigen, die mit den korrupten Politikern bzw. militärischen Machthabern zusammenarbeiten und auf deren Seite stehen. Man sieht also, beide, sowohl Kansayé als auch Sangaré, sind nicht nur nicht bereit, miteinander zu verkehren, sie verbieten auch ihren Kindern den Umgang miteinander, wollen jeglichen Kontakt mit der anderen Schicht verhindern. Sangaré behält diese Einstellung bei, Kansayé ist jedoch bereit, sich zu ändern. Als Batrou nach der Verhaftung Bâs erneut zu ihm kommt, sich zu dem Vorgefallenen schuldig bekennt, und ihn um Verzeihung bittet, ist er bereit, sie ihr zu gewähren.
Hier erkennt man, dass Kansayé, obwohl sein Sohn in Gefahr ist, die Größe besitzt, seinen Zorn und seine Wut zu zügeln, und Batrou, die an dem Vorgefallenen zwar beteiligt und vielleicht sogar die letztendliche Ursache für Bâs Verhaftung war, nicht aber schuldig ist, zu vergeben. Das heißt, er hat erkannt, dass seine bisherige Ablehnung falsch war, dass
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Batrou nicht wie ihr Vater ist, sondern auf der Seite der Gerechtigkeit steht, und notfalls auch bereit ist, sich gegen ihren eigenen Vater zu stellen.
2.1.3 Das Verhältnis zur eigenen Familie
Der Militärgouverneur hat mehrere Frauen, die er bewacht, deren Leben er kontrolliert und die er je nach Laune auch schlägt oder sogar mit dem Gewehr bedroht. Die Tatsache, dass er auch in seinem Haus meist nur in Uniform zu sehen ist, spricht dafür, dass er ist nicht in der Lage ist, zwischen seinem Amt beim Militär und seinem Familienleben zu unterscheiden. Auch hier will er seinen Willen und seine Entscheidungen notfalls mit Waffengewalt durchsetzen. Als er erfährt, dass seine Tochter ebenfalls an den Studentenprotesten beteiligt ist, gibt er den Auftrag, auch sie zu töten.( 1:09:06). Seiner Meinung nach hat sie nur das bekommen, was sie verdient hat. Für ihn spielt es keine Rolle, dass es sich hierbei nicht um eine beliebige Studentin, sondern um seine eigene Tochter handelt. Selbst als seine dritte Frau ihm rät, Batrou freizulassen, da er sonst ins Gerede der Leute kommen könnte, meint er nur: „ Was die Leute sagen ist mir egal“ (1:11:04).
Für ihn steht die (selbstbestimmte) Gerechtigkeit an oberster Stelle – das heißt nicht, dass er gerecht ist, sondern dass ein einmal gefasster Beschluss für alle gilt, ohne Rücksicht auf die eigene Familie. Als Batrou nach den Verhaftungen die den Studentenprotesten gefolgt sind, nicht bereit ist, wie von ihm gefordert, ein Schriftstück zu unterzeichnen , gibt er deutlich zu verstehen, dass er dieses Mädchen nicht mehr sehen will: „fille du diable, je ne veux plus la voir“ (1:15:51).
Kansayé hingegen hat eine Frau, die er wahrscheinlich liebt, zumindest aber respektiert. Nach dem sein Enkel Bâ unter Drogeneinfluss seine Großmutter angegriffen hat, meint er zwar, dass er ihn jetzt bestrafen müsse, da er eine Schande für die Familie sei (0:45:45), und erhebt auch die Peitsche gegen Bâ, bringt es jedoch letztendlich nicht übers Herz, ihn wirklich damit zu schlagen. Im Gegensatz zu Sangaré hätte er in dieser Situation wirklich Grund zu Handeln gehabt, doch selbst dann sind die
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Familienbande stärker als seine Wut. Als Kansayé von seiner Frau erfährt, dass Bâ im Gefängnis ist, überlegt er zwar, welches Vergehen Bâ dorthin gebracht haben könnte, doch auch ohne die Antwort zu kennen, ohne zu wissen, ob sein Enkel schuldig oder unschuldig im Gefängnis sitzt, ist er sofort bereit, alles ihm Mögliche zu dessen Befreiung zu unternehmen. Die Liebe bzw. Sorge um seinen Enkel ist so groß, dass er seine Stammestracht anlegt, um zur Rettung seines Enkels Kontakt mit den alten Mächten aufzunehmen. Etwas, das er, wie aus der Begrüßung der alten Mächte hervorgeht, anscheinend schon seit sehr langer Zeit nicht mehr getan hat.
2.1.4 Umgang der Machthaber mit ihrer jeweiligen
Macht
Sangaré ist von seiner Macht geradezu besessen und auch nicht bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen. Er ist überzeugt, von seiner Stärke und Allmacht, und sieht sein Lebensziel darin, Macht über andere auszuüben. Als die Schüler demonstrieren und ihrem Unwillen mit dem Satz : “on ne veut plus le proviseur“ klaren Ausdruck geben, lässt er die Demonstration von seinen Soldaten zerschlagen, und einzelne Verhaftungen vornehmen. Nachdem er sich einmal in den Kopf gesetzt hat, nicht mit den Studenten verhandeln zu wollen, sondern sie mit Gewalt zum aufgeben zu zwingen, verfolgt er diesen Weg mit allen Mitteln. Seine Frau stellt ganz zu recht fest: “le pouvoir t`aveugle“(1:11:29), und selbst als ihm die Nachricht überbracht wird, dass einer der Studenten im Gefangenenlager verstorben ist, scheint ihn dies nicht weiter zu berühren. Er meint zu den Studenten :“Nur durch Waffengewalt sind wir an die Macht gekommen“ (1:13:27). Eine Aussage, die quasi impliziert, dass seiner Meinung nach Reden und Verhandeln nicht viel hilft, sondern dass die Sprache der Waffen die einzige ist, mit der man etwas erreichen kann. Die Tatsache , dass er bereit gewesen wäre alle Jugendlichen (inklusive
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seiner Tochter) erschießen zu lassen, zeigt, wie hartherzig und stur er diesen Plan verfolgt.
Die Macht Kansayés spielt zunächst eine sehr geringe Rolle. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er eine besondere Position einnimmt. Zwar fällt einmal die Aussage:“ tu es fils de chef toi même“ (0:34:30), doch Kansayé tut dies sogleich als Nebensächlichkeit ab, und meint, dass seine Zeit längst vorbei sei. Erst als er seinen Enkel und einzigen Nachkommen Bâ in Gefahr sieht, ruft er die alten Mächte um Hilfe an. Er tut dies jedoch nicht, um Macht über andere zu gewinnen oder seine Position in der Gesellschaft zu stärken, sondern sucht einzig Rat und Hilfe für eine persönliche Problemsituation. Er geht dazu in seiner Stammeskleidung in den Wald und hält eine Art Zwiesprache mit dem Göttlichen, das durch eine körperlose Stimme zu ihm spricht. Die angerufene Macht scheint allerdings zu erkennen, dass ihre Zeit langsam abgelaufen ist, sie teilt ihm mit, dass sie zwei hell leuchtende Sterne sieht, die im Untergang begriffen sind, dass das Göttliche langsam schwindet und er deshalb mit seiner eigenen Kraft und mit seinem eigenen Wissen handeln soll. Wenn man davon ausgeht, dass die angerufene Macht etwas Allwissendes ist, könnte man diese Aussage so deuten, dass die zwei Sterne für die beiden Vertreter der Mächte, bzw. für die Machtinstitution selbst stehen, und dass Kansayé hiermit mitgeteilt wird, dass sowohl seine, als auch die Macht des Militärs langsam zu Ende gehen.
2.2 Das Zusammentreffen der beiden Machthaber
2.2.1 inhaltlich
Bei dem Zusammentreffen der beiden Vertreter der Mächte wird deutlich, dass sie bisher gar nicht in einem direkten Machtkampf miteinender standen. Sangaré erkennt Kansayé zunächst gar nicht, sondern muss sich erst erkundigen: vieux, qui es-tu?“ (1:30:10) um zu merken, mit wem er es hier zu tun hat. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob Sangaré ziemlich im Nachteil wäre. Er liegt nur mit einer Hose bekleidet, sozusagen
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schutzlos, in seiner Hängematte, und wird von Kansayé, der in seiner Stammestracht ziemlich imposant erscheint, überrascht. Auch der Ort des Zusammentreffens trägt eher dazu bei, Kansayé einen Vorteil zu verschaffen. Die Natur entspricht seiner gewohnten Umgebung, wohingegen der Colonel ohne seine „offizielle“ Umgebung ziemlich hilflos und vor allem nicht sehr einschüchternd wirkt. Kansayé ist nicht gekommen, um dieses Treffen zu einem Machtkampf ausarten zu lassen. Das heißt, er stellt Sangarés weltliche Macht nicht in Frage, will auch nicht über ihn triumphieren oder ihn besiegen, sondern kommt in einer rein privaten Angelegenheit. Er trägt zwar seine Stammeskleidung, sein eigentliches Begehren ist es aber, in seiner Funktion als Großvater die Freilassung seines Enkels Bâ zu fordern. Er bedroht den Colonnel nicht wirklich, sondern verlangt nur sehr ruhig und nachdrücklich, dass das Militär, in diesem Fall sein Vertreter Sangaré, dafür sorgen sollen, dass Bâ wieder nach Hause zurückkehren kann. In seinem Gesichtsausdruck kann man eine Art stille Entschlossenheit erkennen, was deutlich macht, dass er zwar in friedlicher Absicht gekommen ist, sich aber nicht zufrieden geben wird, bevor er sein Ziel erreicht hat. Sangaré wiederum ist nicht bereit, sich auf eine Diskussion einzulassen. Obwohl Kansayé zu Recht beteuert, dass er nie jemanden etwas zuleide getan hat, kontert sein Gegenüber mit Beleidigungen bzw. Drohungen. Sein aufbrausendes Temperament ist so stark, dass er nicht in der Lage ist, über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken. Als Kansayé sich nach einer abschließenden Aufforderung seinen Enkel freizulassen, zum gehen anschickt, nimmt Sangaré sein Gewehr und schießt Kansayé in den Rücken. Dieser dreht sich daraufhin, offenbar unverletzt, erneut in Sangarés Richtung. Das leichte Lächeln das er dabei auf den Lippen trägt scheint darauf hinzuweisen, dass er von seiner Unverletzlichkeit weiß, oder zumindest darauf vertraut, dass seine Götter ihn auf irgendeine Weise beschützen würden. Auch wenn die Stimme im Wald ihm prophezeit hatte, dass es mit dem Göttlichen zu Ende geht, war seine Macht noch stark genug, um Kansayé vor der Gewalt der tödlichen Kugel zu beschützen. Vielleicht hilft ihm auch die ebenfalls prophezeite Verkündigung, dass es mit der militärischen Macht bald zu Ende gehen
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wird, diese Situation relativ ruhig und gelassen durchzustehen. Als er sich endgültig entfernt dreht er sich noch ein letztes Mal in Richtung des Gouverneurs um, wobei er wie wissend, fast schon zufrieden, vor sich hinnickt. Sangaré, der sich vielleicht erst jetzt darüber im klaren geworden ist, was er eigentlich getan hat, lässt zwar fassungslos das Gewehr sinken, scheint auch, wie man seinem Gesichtsausdruck entnehmen kann, etwas verwirt zu sein, lässt sich aber nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Durch den Vorfall scheinen seine Wut und sein Hass nur noch stärker zu werden. Er droht Kansayé, der schon fast aus seinem Blickfeld verschwunden ist, mit heftigen Gesten, dass er nun zwar ihm, Sangaré nicht unterlegen sei, dass er aber bald an der Macht, der sich keiner widersetzen könne, zugrunde gehen werde.
Dies Szene ist die einzige Stelle im Film, in der es zu einem direkten Zusammentreffen der beiden Vertreter der jeweiligen Mächte kommt. Der sonstige Kontakt kommt nur über ihre Nachkommen zustande, die sich jedoch nicht mit den Rollen ihrer (Groß-) Väter identifizieren, sondern wie die anderen Jugendlichen miteinander umgehen, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft. Es geht hier nicht darum, zu entscheiden, wer von beiden mächtiger ist, oder wer in welcher Domäne das Recht zu bestimmen hat, es handelt sich nur darum, Bâ, der mit der Militärregierung in Konflikt gekommen ist, aus dem Gefängnis zu befreien. Das Problem, wer in Mali die Regierungs- bzw. Bestimmungsgewalt hat, wird hiervon gar nicht betroffen, und auch die Frage, inwieweit die Studentenproteste legal oder gerechtfertigt sind spielt keine Rolle. Obwohl Sangaré in einer für ihn nicht sehr schmeichelhaften Situation angetroffen wird, und Kansayé in seiner Bekleidung und mit der Waffe durchaus nicht ungefährlich wirkt, scheint der Gouverneur so sehr von seiner Position überzeugt zu sein, dass es ihm vollkommen fern liegt, Angst zu empfinden. Selbst nachdem sein Schuss fehlgeschlagen ist, wird einzig seine Wut stärker, und er hat keine Bedenken, sich mit dieser ihm unbekannten Macht anzulegen. Kansayé erlebt diese Begegnung viel rationaler. Er hat seinen Glauben, und das Wissen, dass es etwas gibt, auf das er vertrauen kann. Er ist sich sicher , dass alles, was immer auch geschehen mag, von den Mächten so vorgesehen und vorherbestimmt ist. Am Ende der Begegnung ist noch
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nicht klar, wer in dieser Beziehung die stärkere Position einnimmt, wer sich am Ende durchsetzen wird.
2.2.2 unter filmstilistischen Gesichtspunkten
Cissé arbeitet in dieser Filmsequenz, wie übrigens auch während des gesamten Films, nicht mit spektakulären filmischen Stilmitteln, sondern es gelingt ihm mit relativ einfachen Mitteln, den jeweils gewünschten Eindruck an die Zuschauer weiterzugeben. Er verwendet hauptsächlich relativ lange Einstellungen mit ruhiger Kameraführung, was dem Film insgesamt eine sehr ästhetische Note verleiht. In der vorliegenden Szene jedoch wird der Eindruck einer statischen Kamera vermittelt, die - auch wenn das Bild manchmal ein bisschen variiert bzw. wackelt – in raschem Wechsel jeweils mit einem glatten Schnitt zwischen nur zwei Einstellungen hin und her zu schalten scheint:
Einerseits Kansayé, dessen prächtig geschmückter Kopf zu sehen ist, und andererseits Sangaré der von der nackten Brust an aufwärts gezeigt wird. Durch diesen raschen Wechsel zwischen den zwei immer gleichen Bildern wird die Konfrontation der beiden noch stärker zum Ausdruck gebracht. Obwohl die Bilder selbst fast ohne Bewegung sind, gewinnt der Film an Tempo und eine gewisse Spannung wird aufgebaut. Als Kansayé zu Ende der Szene den Schauplatz verlässt, wird er ebenfalls wieder von einer quasi statischen Kameraposition aus gefilmt, von der er sich langsam immer weiter entfernt.
2.3 Das Ende der Macht
Als Kansayé von dieser Unterredung nach Hause zurückkehrt und von seiner Frau erfährt, dass Bâ anscheinend umgebracht wurde, ist dies für
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ihn ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Tage seiner Macht vorbei sind. Er hat es bereits im Wald mitgeteilt bekommen, als die Stimmen ihm sagten, er solle auf seine eigene Kraft und Stärke bauen, um seinem Enkel zu helfen. Die Tatsache, dass er daraufhin seine Gewänder den Flammen übergibt, zeigt, wie ernst und endgültig es ihm mit dem Abschied ist. Er ist der Meinung, das Göttliche habe zugelassen, dass der letzte Vertreter seiner Sippe umgekommen ist, und somit gibt es für ihn auch keinen Grund mehr, noch länger an dieser Religion festzuhalten. Er erkennt, dass er sich von seinen alten Traditionen lösen muss, um Platz für eine neue Kraft zu schaffen, eine Kraft, die in der Lage ist, mit den neuen Problemen des modernen Malis zurecht zu kommen. Dessen ungeachtet, oder vielleicht auch, um sich an der Militärregierung zu rächen, die er für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht, zeigt er Stärke und verspricht den Jugendlichen, sie bei ihrem Kampf gegen das Regime zu unterstützen. In ihnen und ihrem Handeln sieht er ein Machtpotential, das stark genug sein könnte, diese Aufgabe zu erfüllen. Er hat sich freiwillig von seiner Macht, die immerhin noch nicht ganz verschwunden war, verabschiedet, und sieht ein neues Ziel darin, sich zusammen mit den Jugendlichen, denen seiner Meinung nach die Zukunft gehört, gegen die Militärregierung einzusetzen.
Sangaré erfährt eine Machtbeschränkung von einer ganz anderen Seite. Die Landesregierung in Person des Innen- und Verteidigungsministers, sowie des Präsidenten hat sich bereits längere Zeit Gedanken über die allgemeinen Studentenunruhen im Lande gemacht, und ist zu der Entscheidung gelangt, dass man das gesamte militärische Personal durch Zivilpersonen ersetzen müsse, da nur so der Frieden im Land gesichert werden könne. Eine Entscheidung, die ziemlich unerwartet kommt, da auch der Präsident der Militärregierung angehört, die Macht Sangarés somit aus seinen eigenen Reihen eingegrenzt wird. Gerade als er den willkürlichen Befehl dazu gegeben hat, Kansayé und alles was mit dessen Familie zu tun hat, zu vernichten, erhält er einen Anruf des Ministers, der ihn nicht nur zum Rapport bestellt, sondern auch von ihm verlangt, sämtliche Gefangenen freizulassen, und jegliches eigenmächtiges Handeln zu unterlassen.
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An dieser Stelle also kommt eine dritte Macht ins Spiel, die der obersten Regierung, die letztendlich auch dazu beiträgt, die Machtfrage zwischen Kansayé und Sangaré zu klären. Sangaré, der seine Position nie freiwillig aufgegeben, oder zugegeben hätte, dass er sich bei einer Entscheidung geirrt haben könnte, wird auf diese Weise gezwungen, von seinem Weg des Tötens und Verurteilens abzukommen.
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3 Schluss
Der Machtkonflikt zwischen Kansayé und Sangaré ist eher ein verdeckter, der sich nicht im täglichen Leben, bzw. in der Regierungsweise in Mali widerspiegelt. Es besteht zwar eine Feindschaft zwischen den beiden Männern, die ihren Kindern den Umgang miteinander verbieten – eine Feindschaft, die allerdings eher von Sangaré ausgeht – doch haben sie bisher nebeneinander gelebt, ohne sich je persönlich zu begegnen. Die Macht Kansayés, eine spirituelle Kraft, wurde nie dazu verwendet, um andere einzuschränken oder um auf andere Druck auszuüben, sie war unterschwellig zwar vorhanden, fand jedoch nie wirklich Anwendung. Erst als Kansayé seinen Enkel in Gefahr sieht, besinnt er sich auf seine Wurzeln, und beschließt, nach langer Zeit wieder Kontakt zu „dem Göttlichen“ aufzunehmen. Die Kraft selbst erkennt jedoch, dass ihre Zeit langsam abgelaufen ist, und auch Kansayé kommt zu dem gleichen Entschluss, so dass er sich dafür entscheidet, sich freiwillig von den alten Mächten zu lösen, um Platz für Neues zu schaffen. Da er der letzte seines Geschlechts ist, wird mit ihm auch das Wissen um die Kraft dieser Macht zu ende gehen.
Sangaré, der Vertreter der Militärregierung, nimmt seine Machtposition zu ernst und zu wichtig, so dass er beginnt, willkürliche, von persönlichen Motiven geleitete Entscheidungen zu treffen, die dazu führen, dass ihm die Situation langsam entgleitet, und er nicht mehr in der Lage ist, für Ruhe in seinem Bezirk zu sorgen. Aus diesem Grund sieht sich der Präsident, der ja auch Teil der Militärregierung ist, gezwungen, ein Machtwort in den eigenen Reihen zu sprechen, und zu veranlassen, dass die Entscheidungen des Gouverneurs rückgängig gemacht werden. Durch dieses Eingreifen wird letztendlich auch der Konflikt zwischen Kansayé und Sangaré zu Gunsten von Bâs Großvater entschieden, da der Gouverneur nun gezwungen ist, Bâ freizulassen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der eigentliche Gewinner dieses Machtvergleichs Kansayé ist. Obwohl er sich von seiner Religion und seiner Macht losgesagt hat, hat er die Zeichen der Zeit erkannt, und ist bereit, sich auf neues, hoffnungversprechenderes einzulassen. Auch ohne den Präsidenten, von dessen Eingreifen er noch gar nichts wusste,
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hat er sich für dieses neue Leben entschieden. Sangaré hingegen hätte sicherlich wie bisher weitergearbeitet, die Bevölkerung immer mehr verärgert, und somit eine Situation geschaffen, die früher oder später hätte eskalieren müssen.
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5 Literaturliste
Bachy, Victor; Le cinéma au Mali, Collection Cinémedia, Editions Ocic/ L`harmattan, Bruxelles, 1983 Diawara, Manthia; African cinema – politics and culture, Indiana University Press, Bloomington, 1992 Pfaff, Francoise; twenty five Black African filmmakers, Greenwood Press, Westport, 1988 L`association des Trois Mondes ; Dictionnaire du cinéma africain (tome 1) , Editions Karthala, Paris, 1991 http://www.occ.edu/cagatucci/classes/hum/211/afrifilmcontexts.htm (am 19.12.2000) http://www.liberation.com/cinema/cine25/cisse.html (am 21.1.2001) http://www.primature.sn/lesoleil/cinema.htm (am 10.12.2000)
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6 Filmographie
Bearbeiteter Film:
„Finye“ (der Wind) ; 35mm, couleur, 1982
Weiter erwähnte Filme:
Cinq jours d`une vie ; 35mm, noir et blanc, 50 min, 1973 Den muso ; 16mm couleur, 90 min, 1975 Baara ; 16 et 35mm, couleur, 90 min, 1977 Yeelen ; 35mm, couleur, 1987 Waati ; couleur, 1995
Sämtliche Filme realisiert von Souleymane Cissé
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Arbeit zitieren:
Ines Harsch, 2001, Finyé von Cissé, München, GRIN Verlag GmbH
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