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Inhaltsverzeichnis
1. Plattling und seine umgebenden Dörfer zwischen Isar und Donau im Herzen Nie-
derbayerns S. 01
2. Die Kirchengemeinde Plattling S.01
2.1 Logistik S.01
2.2 Zusammenarbeit und Kooperation S.02
2.3 Leitbilder und Konzepte S.02
2.4 Aktivitätenbild S.03
2.5 Mitarbeit und Leitung S.03
2.6 Öffentlichkeitsarbeit S.03
3. Praxisbeispiel: Jugendgottesdienste in Plattling S.04
3.1 Begründung S.04
3.2 Ökumene? Aller Anfang ist schwer S.04
3.3 Mitarbeitergewinnung S.04
3.4 Der erste Jugendgottesdienst S.04
3.5 Mitarbeitermotivation S.05
3.6 Was sich verändert hat S.06
3.7 Zukunft der Gottesdienste in Plattling S.06
3.8 Eigene Erkenntnisse S.06
Anhang: Endnoten S 07
im Herzen Niederbayerns
Plattling ist eine Kleinstadt mit ca. 12600 Einwohnern. In früheren Jahren war Plattling als Verkehrsknotenpunkt 2 vor allem ein Zentrum von Eisenbahn und Tagungen. 3 Die Einheimischen Niederbayern stellten zumeist entweder Landwirte, Geschäftsinhaber oder das Bildungsbürgertum.
Heute ist Plattling, wie schon einmal nach dem 2. Weltkrieg, ein Zufluchtsort für Flüchtlinge. Kamen in den 40er und 50er Jahren Tausende Schlesier nach Plattling, sind es heute die Deutschen aus Osteuropa die in Plattling und Umgebung eine neue Heimat finden. Das große Industriegebiet von Plattling, das aufgrund der logistisch optimalen Lage mehr und mehr wächst, gibt nicht nur der Stadt einen gewissen Reichtum, sondern auch den Menschen hier Arbeit. Trotz allem hat Plattling eine Arbeitslosenquote von um die 7 % Leider gilt das nicht für Lehrstellen, so dass über 80 % der Hauptschüler nach ihrem Quali Plattling verlassen und ihre Ausbildung woanders machen müssen. In Sachen Kultur, Politik, Wirtschaft und Ansehen sind Plattling und Deggendorf und ihre Bewohner ständige Rivalen. 5. Die Kirchengemeinde Plattling
Die evangelischen Gemeinde Plattling ist eine Diasporagemeinde mit gut 2500 Gemeindegliedern und einem großen Sprengel. 4 Die Gemeindegliederzahl hat sich seit 1993 verdoppelt. 5
Seit 1945 sind viele Schlesier als Flüchtlinge nach Plattling und Umgebung gekommen. Sie bilden eine eingeschworene Gemeinschaft und die herkömmliche Kerngemeinde. Sie leiten und besuchen Gruppen und Kreise, sind im Kirchenvorstand und sind die „alteingesessenen“
Evangelischen. In der Gemeinde gibt es etwa 1000 Schlesier. 6
Seit 1989 ist Plattling ein großes Zuzugsgebiet für Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR. Etwa 1000 Aussiedler sind Teil der Gemeinde. Sie sind eine eigenständige Größe, haben einen eigenen Bibelkreis und ihren eigenen „Gemeindevorsteher“. Vor allem die ältere Gene-
ration der Aussiedler geht jeden Sonntag in den Gottesdienst. 7
Die mittlere Generation der Aussiedler ist meist nicht getauft oder konfirmiert. Sie sind die Kasualgemeinde von Plattling. Die Aussiedlerkinder sind meist getauft und werden auf Bestreben der Großeltern hin auch konfirmiert. Sie bilden über 80% der Gemeindeglieder zwischen 0-25. Sie gehen zum größten Teil auf die Hauptschule. Die restlichen 500 Gemeindeglieder setzen sich aus Zugezogenen sowie niederbayerisch
Konvertierten zusammen. 8 Die Gemeinde ist eine Arbeitergemeinde.
In der evangelischen Gemeinde Plattling gibt es mehrere Haupt- und Nebenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ein Pfarrer, seit 9/2001 die erste Vikarin, seit 9/2002 die erste Religionspädagogin im Vorbereitungsdienst, ein Mesner mit 8, eine Sekretärin mit 2 Wo-chenstunden und 3 nebenamtliche Organisten die Kirchen-, Jugendchor und Flötengruppe leiten. 5.1 Logistik
Seit 1931 hat die evangelische Gemeinde Plattling eine eigene Kirche, zentrumsnah, mit etwa 250 Plätzen. Seit 1961 gibt es zusätzlich ein Kirchlein im Bethausstil im Nachbarort Otzing. Beide Kirchen strahlen eine familiäre Atmosphäre aus und werden von der Gemeinde sehr geliebt.
Die Kirche in Plattling ist durch ihre Größe besonders angenehm, da sie auch bei schlechter besuchten Veranstaltungen den Eindruck macht, gefüllt zu sein.
Die Gemeinde ist in zwei Seelsorgesprengel gegliedert: die Ortschaften im Westen von Platt-
ling mit dem westlichen Ortsteilen Plattlings 9 sind der Sprengel der Vikarin, für alle anderen Orte und den größten Teil von Plattling ist der Pfarrer zuständig.
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5.2 Zusammenarbeit und Kooperation
Die Rivalität zu Deggendorf schlägt sich in der Gemeindearbeit nieder. Die Zusammenarbeit mit Deggendorf ist sehr mäßig, mit den Nachbargemeinden im Gäuboden, Osterhofen und Hengersberg, dagegen sehr intensiv: Kanzeltausch, Vertretung und gegenseitige Besuche sind hier an der Tagesordnung.
Die Ökumene funktioniert in Plattling und den Dörfern unterschiedlich gut. Die beiden katholischen Stadtpfarrer und die Pastoralreferentin arbeiten gerne mit Evangelischen zusammen. Der Kaplan, der in Plattling für die Jugendarbeit, und die Benediktiner aus dem Kloster Metten die für die westlich von Plattling gelegenen Orte zuständig sind, tun sich schwer mit Ökumene, gerade auch mit einer weiblichen Geistlichen.
So wird die Ökumene bei Einweihungen und öffentlichen Veranstaltungen wohl gelebt und erstrecht in den gemischtkonfessionellen Familien, im Gemeindealltag ist sie jedoch an vielen Stellen noch unmöglich.
Mit den städtischen Vereinen und sonstigen Einrichtungen besteht loser Kontakt und Informationsaustausch sowie gegenseitiger Besuch aber keine bewusste Zusammenarbeit. 5.3 Leitbilder und Konzepte
Die Konzepte von Gemeinde sind da sehr verschieden:
Für die Schlesier und Zugezogenen ist Kirche Volkskirche. Eine Art religiöser Verein in dem ich Freunde treffe, zum Kegeln gehen, zum Ratschen nach der Kirche noch zusammen bleibe und in Gruppen und Kreisen meine Freizeit gestalte.
In vielen Köpfen der älteren Gemeindeglieder ist das Pfarrherrliche Bild einer Kirchengemeinde präsent, das bis vor zehn Jahren vom letzten Pfarrer stark gefördert wurde, doch mehr und mehr übernimmt auch die Gemeinde Verantwortung
Für die alte Generation der Aussiedler ist Kirche vor allem der Kirchenraum. Er ist heilig und in der Kirche geschieht die Anbetung Gottes, mein Sündenbekenntnis und meine Sündenvergebung. Auf der Kanzel hat nur der Pfarrer zu stehen, Kelch und Hostie dürfen von
einfachen Gläubigen auf keinen Fall angefasst werden. 10 Kirchenkaffee oder andere Aktivitäten wurden daher bisher kaum von den Aussiedlern wahrgenommen: Kirche ist heiliger Raum, kein Freizeitpark.
Die mittlere Generation in erster Linie repräsentiert durch Aussiedlerfamilien ist eine Kausalgemeinde, die die Kirche als Dienstleisterin sieht und mit einem hohen Anspruchsdenken an die Geistlichen herantritt. Sie haben ihre Kasualien so zu gestalten, dass sie beweisen dass sie das viele Geld wert sind. Oft sind sie sogar aus der Kirche ausgetreten / nicht getauft / konfirmiert und reagieren unverständig wenn die Kasualie nicht problemlos geplant werden kann.
Der Pfarrer hat hier Integrationsarbeit zu leisten die immer wieder Frucht zeigt z.B. ist der interne Gemeindevorsteher der Aussiedler als einziger Russlanddeutscher im Kirchenvor-stand.
Der Pfarrer und die Vikarin haben dann noch ein weiteres Konzept von Kirche: Nach 1 Kor 12 sehen sie die Gemeinde als Leib mit vielen Gliedern, den Pfarrer nach Luther als Primus inter pares. Diese Rolle entspricht m.E. sehr gut der Gemeindesituation da so beide Leitbilder miteinander verbunden und die Verständigung zwischen den Gruppen durch den Pfarrer gefördert wird. An vielen Stellen kann beobachtet werden, wie fruchtbar dieser Ansatz ist. Was immer wieder verbindet ist das Evangelischsein in der Diaspora. Keine Stola, kein Fasching und viele andere kleine Dinge werden hoch gehalten um sich von der katholischen Kirche zu unterscheiden.
Die Gemeinde hat eine sehr hohe Bereitschaft zur Mitarbeit. Die Nebenamtlichen sind hochmotiviert und fragen nicht nach der Stundenzahl für die sie bezahlt werden. Auch die Randgemeinde ist am kirchlichen Leben interessiert was eine Wahlbeteiligung von 31% bei der KV-Wahl und das Kirchgeldzahlen von über 40% beweisen. Ich sehe die Aufgaben der Gemeindearbeit hier weniger im Anbieten noch weiterer Veran- staltungen als vielmehr darin, weiter einzelne Frömmigkeiten und Menschen in der Gemein-
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de zu verbinden. Dabei sollte nicht eine Gleichmacherei angestrebt, sondern ein fruchtbares Miteinander und Austausch erreicht werden.
Die Symbole Heimat, Flucht, Kirche und Evangelisch als verbindende Momente könnten hier hilfreich sein. 5.4 Aktivitätenbild
In der evangelischen Gemeinde Plattling gibt es eine Vielzahl Gruppen und Kreise die regelmäßig veranstaltet werden. Sie werden zum größten Teil von Ehrenamtlichen geleitet.
benswoche 18 , Weltgebetstag der Frauen in ökumenischer Zusammenarbeit, Berggottesdienst zu Himmelfahrt, Waldweihnacht, Kegelfreizeit, Bastelfreizeit
So kann man beobachten, dass die Gemeinde ein breit gefächertes Angebot für jung und alt ermöglicht. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Arbeit mit allen Gemeindegliedern über die Familienarbeit hinaus. Bei Ausflügen, Gottesdienstprojekten und anderen Aktivitäten werden alle Altersgruppen miteinander vernetzt und zusammen geführt. Inzwischen nehmen immer mehr Aussiedler bei den Aktivitäten für Senioren und Jung und alt teil. Der Präparanden / und Konfirmandenunterricht wird von Vikarin und Pfarrer gehalten und gestaltet. 5.5 Mitarbeit und Leitung
Der Kirchenvorstand arbeitet in Ausschüssen die auch mit Ehrenamtlichen die nicht im KV sind, besetzt sind. 19
Die Zusammenarbeit der Mitarbeiter ist kollegial und wohltuend. Oft nehmen die Hauptamtlichen die organisatorischen und begleitenden Aufgaben im Hintergrund von Veranstaltungen wahr, während Ausschüsse, KV, Gruppen und Kreise die Umsetzung übernehmen. So gibt es in der Gemeinde unter Kirchenvorstehern, Mitarbeitern und Gemeindegliedern ein hohes Identifikationspotential mit den Veranstaltungen, da die Gemeindearbeit keine Ein-Mann-Show des Pfarrers ist, sondern von allen getragen wird.
Die Kommunikation innerhalb der Gemeinde läuft in erster Linie über die Fächer, die jeder Haupt- Neben- und Ehrenamtliche im Gemeindehaus hat.
Die Ausbildung und Begleitung der Mitarbeiter übernehmen die Hauptamtlichen sowie verschiedenste externe Weiterbildungen. 5.6 Öffentlichkeitsarbeit
In den örtlichen Zeitungen erscheint jede Veranstaltung im schwarzen Brett für Veranstaltungen. Nicht regelmäßige Veranstaltungen werden außerdem mit einem kurzen Artikel an-gekündigt und hinterher kommentiert. 20 Werbung wird in den Schaukästen vor den beiden Kirchen und an den Schwarzen Brettern in Schule und Kindergarten gemacht. Die Homepage informiert über die Geschehnisse der Gemeinde. Alle 2-3 Monate gibt die Vikarin einen Rundbrief für die Jugend per Email heraus.
Bei öffentlichen Veranstaltungen ist immer mindest ein Geistlicher der Gemeinde anwesend und zeigt somit Präsenz und hält den Kontakt zu den Personen öffentlichen Lebens.
In der ev. Gemeinde Plattling gab es eine Vielzahl Jugendlicher, doch keine Jugendarbeit. 21 Mein Mentor hatte in den Jahren zuvor mehrfach versucht, eine wöchentliche Jugendgruppe für die Konfirmierten anzubieten, was aber nicht angenommen wurde. So wollte ich ausprobieren ein regelmäßiges aber nicht wöchentliches (einmal im Monat) und sehr abwechslungs-
reiches offenes Angebot für Jugendliche anzubieten. 22
Nach einiger Zeit erkannte ich, dass sich unser Angebot von dem des offenen Jugendtreffs der Stadt mit Ausnahme der fehlenden Jugenddisko kaum unterschied. Ich will den Jugendlichen ein Angebot machen, das über das hinaus geht. Ein Teil meines Anliegens in der Jugendarbeit ist es, den jungen Menschen den Weg zu Gott zu eröffnen und sie spüren zu lassen, dass christliche Gemeinde mehr sein kann als bloßes Zusammensein mit Freunden. Ihre Spiritualität entdecken und mit Gott rechnen, das soll unaufdringlicher Teil der Jugendarbeit sein. Da die Konfirmierten, aber auch die Präparanden und Konfirmanden nur selten freiwillig in die Kirche gehen, wollte ich so den jungen Menschen einen neuen Zugang zu Spiritualität mit Hilfe von aktuellen Themen, Texten und Musik, bieten. 6.2 Ökumene? Aller Anfang ist schwer
In Plattling hatte es bisher noch keine Jugendgottesdienste gegeben. So rief ich den Kaplan, der für die Jugendarbeit auf katholischer Seite zuständig ist an. Ich unterbreitete ihm den Vorschlag, gemeinsam einen ökumenischen Jugendgottesdienst in Plattling anzubieten. Die Antwort die ich erhielt war ernüchternd: Wir können so was selber, wir brauchen keine Hilfe, und mit evangelischen arbeitet er nicht zusammen, erstrecht nicht mit einer Frau. (sinngemäß). Drei Wochen nach unserem ersten Gottesdienst gab es auch in der katholischen Nachbargemeinde einen Jugendgottesdienst. 6.3 Mitarbeitergewinnung
Dazu sprach ich in erster Linie die älteren Kinder von Kirchenvorstehern, Schüler aus meiner Religionsklasse sowie Konfirmanden an. Ich schaute besonders darauf, Jugendliche zu erreichen, die nicht schon in anderen Gruppen engagiert waren. So fand sich schnell ein Team von 11 Jugendlichen zwischen 13 und 17, die sich an zwei Abenden trafen um den Gottesdienst vorzubereiten. Der Jugendchor erklärte sich bereit, den Gottesdienst musikalisch zu umrahmen. 6.4 Der erste Jugendgottesdienst
Wir begannen mit einer Vorstellungsrunde und einem Brainstorming mit dem Thema „Was für ein Thema ist dir im Moment wichtig in deinem Leben?“. Nach der Themenauswahl: ‚Wie stellst du dir Gott vor? - Gott in modernen Liedern’ erstellten wir einen Gottesdienstablauf und teilten die Mitarbeiter in Gruppen auf. Sie wurden mit dem Arbeitsauftrag nach Hause geschickt, ihren Teil bis zum nächsten Treffen in drei Wochen vorzubereiten. Sie sollten auch, falls das nötig war, weitere Helfer ansprechen. Vorher diskutierten wir noch in welche Richtung der Gottesdienst gehen soll, was die Gottesdienstbesucher mitnehmen sollten und welche Aktion geplant war.
Lange diskutierten wir, ob der Jugendgottesdienst mit oder ohne Abendmahl sein sollte. Wir einigten uns darauf, ein Abendmahl im Stil des Kirchentages auszuprobieren. Folgende Gruppen wurden gebildet: Raumgestaltung und Werbung, Gebete, Anspiel, Musik und Band, Aktion, Abendmahl.
Beim zweiten Treffen wurden die einzelnen Teile zusammen gebunden und noch ausstehende Aufgaben verteilt. Alle Mitarbeiter hatten engagiert Texte geschrieben und Stücke geprobt, Rahmen geschnitten und Liedtexte übersetzt. Die Band war schon am Proben für die Stücke und inzwischen war das Team auf 25 Mitarbeiter angewachsen. Neben dem Abendmahl bestand meine Aufgabe darin, den Ehrenamtlichen mit Rat und Tat (Literatur, Bastelhinweise etc.) zur Seite zu stehen und die Fäden bei mir zusammen laufen zu lassen.
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Eine Diskussion erfolgte um den Zeitpunkt für den Gottesdienst. Am Wochenende sollte er nicht statt finden. So einigten wir uns auf Mittwoch als Jugendgottesdiensttag. Die Uhrzeit sollte nicht zu früh sein (damit die Hausaufgaben fertig sind und auch Jugendliche in der Lehre und mit Nachmittagsunterricht kommen können) aber auch nicht zu spät (weil ja am nächsten Tag Schule war und wir hinterher noch ein bisschen gemütlich zusammen sitzen wollten). So einigten wir uns auf 19.00 mit Deadline 21 Uhr.
Eine Woche vor dem Gottesdienst erschien in der örtlichen Presse ein Bericht über das Thema und die Vorbereitungen zum ersten evangelischen Jugendgottesdienst. Er wurde so abgedruckt wie ich ihn geschrieben hatte. Im Internet wurde die Werbung schon vier Wochen vorher auf unserer Homepage veröffentlicht und in den Tagen vor dem Gottesdienst wurden in der Schule Flyer verteilt.
Zum Jugendgottesdienst erschienen die 25 Mitarbeiter, die 11 Mitarbeiter des Jugendchors
und 7 Jugendliche. 23 Von jeder Zeitung war ein Journalist da, die ausführlich über den Gottesdienst am nächsten Tag in der Zeitung berichteten.
Der Gottesdienst selber bot eine schöne Atmosphäre. Die Jugendlichen waren engagiert bei der Sache und eine Stärke der Vorbereitungsart lag darin, dass dieser Gottesdienst wirklich ‚ihr’ Gottesdienst war.
Nur die geringe Besucherzahl machte die Jugendlichen etwas traurig, hatten sie doch mit Massen gerechnet für die sie soviel arbeiteten.
Das Abendmahl stellte sich nicht nur für die katholischen Jugendlichen als problematisch heraus. Die Nichtkonfirmierten waren unsicher, ob sie das dürften: das gegenseitige Reichen von Kelch und Brot war für sie sehr ungewohnt, da die Erwachsenen im Hauptgottesdienst zumeist weder Kelch noch Hostie selber anfassen.
Hier stellte sich heraus, dass ich das Problempotential des Abendmahls im Jugendgottesdienst unterschätzt hatte da es mir selber zu selbstverständlich erschien. Die einzelnen Teile im Gottesdienst standen oft zu unverbunden nebeneinander, so dass dem Gottesdienst noch der rote Faden fehlte.
Das gemütliche Beisammensein hinterher im Gemeindesaal tröstete über die Besucherzahl hinweg, da wir insgesamt über 40 Personen waren und die Stimmung sehr gut war. 6.5 Mitarbeitermotivation
Für die Jugendgottesdienste hatte ich einen dreimonatigen Turnus angepeilt. So lud ich die Mitarbeiter zu einem Nachtreffen ein. Sehr kritisch analysierten die Jugendlichen selbst ihren Gottesdienst und waren hoch motiviert hier und da einiges anders zu machen. Die klare Struktur sowie das deutlich vereinbarte Zeitbudget (2 Treffen a 2 Stunden) für die Vorbereitung eines Gottesdienstes trugen dazu bei, dass die meisten in dem Team auch für den nächsten Gottesdienst arbeiten wollten.
Das Team hatte nun eine konstante Zusammensetzung. Es gab einen Stamm von 6 Konfir-manden / Konfirmierten und dazu 5-8 Ehrenamtliche die wechselten. Außerdem halfen noch etwa 10 zusätzlich am Tag selber mit beim Einkaufen, Kirche herrichten und Gemeindesaal dekorieren.
Der zweite Jugendgottesdienst hatte mit dem Thema ‚Christen hier und anderswo - Afrika’ auch noch mal ein kirchliches Thema, es waren aber nun schon 15 Besucher da. Dadurch dass die Paperprayer, die wir in diesem Gottesdienst gemalt haben, im nächsten Sonntagsgottesdienst versteigert wurden und das Geld einer AIDS Hilfsorganisation in Afrika gespendet wurde, erhielten die Jugendlichen sowohl Anerkennung von der Gemeinde als auch Werbung über die Schule hinaus.
Der dritte Jugendgottesdienst wurde vom Dekanatsjugendwerk zum Dekanatsjugendgottesdienst erklärt. Mit 200 Besuchern aus dem ganzen Dekanat und einer hohen Qualität des Gottesdienstes selber bekam die Jugendlichen von allen Seiten viel Lob und Anerkennung, was sie weiter motivierte.
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6.6 Was sich verändert hat
Die Mitarbeiter hatten bei den ersten Themenfindungen noch sehr „gottesdienstlich“ gedacht. Die Vorstellung, dass ein Gottesdienst ein lebensnahes Thema haben konnte, war ihnen zunächst fremd und das habe ich zu spät erkannt. In den folgenden Gottesdiensten wurden die Themen lebensnaher und mehr aus dem Erfahrungsbereich der Jugendlichen heraus
genommen. 24
Mit Musikern, Team, Helfern und Besuchern liegen wir inzwischen bei etwa 80 Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Wir stellten fest, dass die älteren Jugendlichen in der Gemeinde (20-35) auch Interesse an einem Gottesdienst in neuer Form hatten, aber aufgrund des Titels „Jugendgottesdienst“ meinten, dass sie nicht eingeladen wären. So diskutierten wir einen neuen Namen und einigten uns auf: Come in - find out: Gottesdienst für junge Menschen. Mit Band. Diesen Titel hatte unser Gottesdienst von nun an immer und wir machten durch Werbung im Zwergerltreff und Hauptgottesdienst nun auch bewusst Werbung im Kreis junger Erwachsener und junger Familien. Dieser Kreis macht inzwischen 20% unserer Gottesdienstbesucher aus.
Inzwischen bereiten wir die Gottesdienste in einer Art Workshop vor. Im Plenum wird ein Brainstorming für Themen und dann zum Thema gemacht. Dann wird der Gottesdienstablauf bestimmt und die Ideen in Gruppen umgesetzt. Danach werden im Plenum die konkreten Texte besprochen, aufeinander abgestimmt und die Überleitungen überlegt. Bei einem zweiten Treffen gibt es dann Stellproben, Anspielproben und Aufgabenverteilung wenn alle Texte getippt und etwaige zusätzliche Helfer organisiert wurden. Die Gruppen arbeiten hier sehr eigenständig so dass ich bei diesem Workshop dann durch die Gruppen gehen, hier und da lenkend helfen und die Jugendlichen bestärken kann. Auch im Gottesdienst arbeiten die Jugendlichen sehr selbständig und mir obliegt es meist Übergange zu finden Auf diese Art bekommt der Gottesdienst auch den roten Faden, der ihm am Anfang noch gefehlt hat.
Das Abendmahl haben wir schon im zweiten Jugendgottesdienst nicht mehr gefeiert. Gerade in Hinblick auf die Ökumene, die hier zart zu wachsen beginnt haben wir darauf verzichtet. Die Band hat sich ‚selbständig’ gemacht. Sie bekommen von uns Termine und Lieder so dass ich dort nicht mehr zuständig bin, sondern diese Organisation ganz in die Hände der Jugendlichen legen kann die sehr zuverlässig arbeiten. 6.7 Zukunft der Gottesdienste in Plattling
Das Team zur Vorbereitung der Jugendgottesdienste arbeitet sehr eigenständig und zielstrebig. Sie brauchen aber jemanden der das organisatorische (Terminabsprache, Koordination etc.) übernimmt. Diese Rolle wird mit meinem Weggang aus Plattling die Religionspädagogin übernehmen.
Das gesamte Team so wie die Band sind hoch motiviert, das Projekt: Come in - find out weiter zu führen. 6.8 Eigene Erkenntnisse
Ich habe gelernt, dass es darauf ankommt, den Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass sie auch in spirituellen Dingen kompetent sind damit sie zeigen können wie viel auf dieser Ebene in ihnen steckt.
Die Werbung ist nicht so sehr abhängig von der Zahl der Flyer die in der Schule verteilt werden als vom persönlichen Kontakt des Teams zur Zielgruppe und der Lebensnähe der Themen. Seit die Themen der Jugendgottesdienste wirklichkeitsnah sind, und das Team selber das Projekt als ein Projekt sieht, wird der Besuch größer.
Außerdem achte ich jetzt bei neuen Projekten stärker darauf, was in der Gemeinde üblich ist und fühle mich hinein in die Zielgruppe: Was ist für sie normal, problemlos? Was ist neu? Welche Probleme könnten sie damit haben? Welche Alternativen gibt es zu dem, was ich kenne?
1 Zum Gemeindegebiet der evangelischen Gemeinde Plattling gehören die Orte: Stephansposching, Michaelsbuch, Loh, Hettenkofen, Bergham, Wischlburg, Loh, Uttenhofen, Steinkirchen, Aholmig, Otzing, Wallerfing, Pielweichs, Loham, Tabertshausen, Oberpöring, Niederpöring, Buchhofen.
2 Hier treffen die Autobahnen A3 Nürnberg - Regensburg - Passau und die A 92 München - Deggendorf, die B8 und B20 sowie die parallel dazu laufenden Eisenbahnstrecken aufeinander.
3 So arbeiteten noch bis nach dem Krieg etwa 2000 Beschäftigte bei der Bahn, heute sind es nur noch etwa 80. 4 Nord-Süd Entfernung: 30 km, Ost-West Entfernung: 40km. Plattling liegt im Zentrum des Gemeindegebiets. 5 Das macht sich auch an den Kasualien bemerkbar: im Jahr 1993 hatte die Kirchengemeinde 14 Taufen und 15 Beerdigungen im Jahr. Im Jahr 2002 waren es bereits 36 Taufen und 25 Beerdigungen. Im Jahr 2003 hatten wir den Stand von 2002 bereits im Juni erreicht.
6 Ihre Frömmigkeit ist volkskirchlich. Die älteren gehen zumeist am Sonntag in die Kirche, ihre Kinder und Enkel sind getauft und konfirmiert.
7 In ihren Bibelkreisen herrschen persönliches Sündenbekenntnis und Herzensgebet als zentrale Stücke vor. Gott wird angesehen als der Richter und strenge Vater, Christus mit seinem Sühneopfer der einzige Weg raus aus unseren Sünden und Missetaten die wir stündlich begehen.
8 Altersstruktur der Gemeinde: 0-12 Jahre: 15 %; 13-17 Jahre 6%, 18-24 Jahre 11 %, 25-34 13%, 35-65 39%, 65-xx 16%
9 Vor zwei Jahren waren das etwa 522 Gemeindeglieder, inzwischen sind es 630.
10 Zu Beginn meines Vikariats hatte ich als Frau auf der Kanzel und in Talar die Schwierigkeit von den Russ-landdeutschen anerkannt zu werden. Inzwischen, nachdem ich auch ihre Bibelkreise schon besucht und in ihren Gottesdiensten gepredigt habe, bin ich aber akzeptiert und gerade den Frauen unter den Aussiedlern gefällt der Gedanke inzwischen gut, dass Frauen in diesem Beruf gleichberechtigt sind.
11 Unter Leitung der Religionspädagogin 12 Geleitet von einer Ehrenamtlichen und dem Pfarrer zusammen. 13 Unter Leitung des Pfarrers
14 In Verantwortung des Ausschusses Gottesdienst und Spiritualität. Z.B. Taizenacht, Feierabendmahl u.ä. 15 Unter Leitung der Vikarin
16 In Verantwortung von Vikarin und Religionspädagogin 17 Unter Leitung der Hauptamtlichen 18 In Verantwortung von Pfarrer und Vikarin.
19 Bau, Finanzen, Personal, Umwelt und Ökologie, Öffentlichkeitsarbeit, Kinder/Jugend/Junge Familien, Feste und Feiern, Gottesdienst und Spiritualität
20 Für größere Veranstaltungen berichtet auch das regionale Radio und Fernsehen.
21 Das hatte einmal den Grund, dass die Jugendlichen nach der Konfirmation meist nur noch maximal 1,5 Jahre in Plattling waren bis sie wo anders hingingen um dort eine Lehre zu beginnen. Zum anderen konnte sich der Pfarrer eine ausführliche Jugendarbeit zeitlich nicht leisten. So bekam ich die Verantwortung für die Jugendarbeit übertragen.
22 Die Veranstaltungen hatten im Großen und Ganzen viel Erfolg: Lagerfeuerabend, Videonacht, Übernachtungsaktionen, Zeltlager, Fahrten zu Veranstaltungen des Jugendwerks nach Regensburg, Bastelnachmittage und vieles mehr wurden von im Schnitt 10-20 Jugendlichen pro Veranstaltung angenommen. Dabei entwickelte sich entsprechend der Erwartungen kein eingeschworener Kreis. Die Angebote blieben immer offen für alle. Das im Detail zu analysieren würde den Rahmen der Arbeit aber sprengen.
23 darunter 3 Ministranten der katholischen Nachbargemeinde die zu Stammgästen in unserem Jugendgottesdienst wurden
24 Weitere Themen waren: Liebe, Schuldlos glücklich, Wunder gibt es immer wieder, Sommersegen, erfolglos glücklich.
Erklärung
Hiermit versichere ich, dass ich, Kim Nestler, den Gemeindebericht zur Anstellungsprüfung
2003/II ohne inhaltliche Hilfe ausgearbeitet und alle verwendete Literatur angegeben habe.
__________________________________
Plattling, 31.07.03 Vikarin Kim Nestler
Arbeit zitieren:
Kim Dämmer, 2003, Jugendgottesdienste in Plattling, München, GRIN Verlag GmbH
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