Geschichte des Kinos in Vorarlberg Peter Krimmer
INHALTSVERZEICHNIS
1. VORWORT. 3
2. DIE GESCHICHTE DES KINOS ALLGEMEIN. 5
2.1. DIE ERSTEN SCHRITTE 5
2.2. DIE AUSBREITUNG DES KINOS 7
2.3. DIE BESUCHERENTWICKLUNG 11
2.4. AUSBLICK 13
3. DIE GESCHICHTE DES KINOS IN VORARLBERG. 16
3.1. DIE ENTWICKLUNG IN VORARLBERG 16
3.2. DIE WIRTSCHAFTLICHE SITUATION 19
3.3. TRENDS 22
4. DIE SAALBAU-LICHTSPIELE. 25
4.1. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG 25
4.2. WIRTSCHAFTLICHE DATEN DES SAALBAU-KINOS 37
4.3. BAUPLAN DES SAALBAU AUS DEM JAHRE 1900 38
5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK. 40
GLOSSAR. 43
INDEX. 47
ABBILDUNGS - UND TABELLENVERZEICHNIS. 49
LITERATURVERZEICHNIS. 50
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1. Vorwort
In der Nacht auf den 5.August 1991 brannten die Saalbau-Lichtspiele in Feldkirch ab. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir erstmals klar, was dieses Kino für mich bedeutete. Es war ein Teil meiner Familiengeschichte. Zweimal war ich nur im Saalbau. Da ich beim Besuch der Disney-Filme „Aristocats“ und „Das Dschungelbuch“ erst zwei Jahre alt war, kann ich mich an den Bau kaum noch erinnern. Mir bleiben die alten Bild-, Zeitungs- und Filmberichte, die mich mit Stolz erfüllen. Ich nahm mir vor, irgendwann einmal darüber zu schreiben. Ende des Schuljahres 1997/98 suchte ich nach einem Thema für eine Fachbereichsarbeit. Zuerst wollte ich eine Arbeit in Biologie über Naslinge 1 schreiben. Jedoch gibt es zu diesem Thema nur ein Buch, das als Quellenangabe gerechtfertigt wäre. Dadurch stand dieses Thema nicht mehr zur Verfügung und nach einer Diskussion innerhalb meiner Familie begeisterte ich mich für eine Arbeit über die Geschichte des Saalbau in Feldkirch. Die Veränderungen in der Kinolandschaft, bedingt durch die Multiplex-Kinos, gaben den Anstoß, die gesamte Situation des Kinos mit einzubeziehen.
1 Naslinge sind Säugetiere, die im Südpazifik ihre Heimat hatten, und 1950 ausgestorben sind (Vgl. Stümpke, Professor Dr. Harald: Bau und Leben der Rhinogradentia. Stuttgart 1993).
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Schließlich möchte ich mich noch bei allen bedanken, die mir bei dieser Arbeit geholfen haben. Besonders:
• Prof. Mag. Stephan Hofer, der mir ermöglichte, einen
Teil meiner Familiengeschichte aufzuarbeiten und in diesem Rahmen vorzustellen.
• Peter Pienz, dem Vorsitzender der Fachvertretung
Lichtspieltheater in der Wirtschaftskammer
Vorarlberg und Inhaber der Kinothek Lustenau, für seine Unterstützung bei den doch sehr umfangreichen Recherchen.
• Harald
Furtner, dem Geschäftsführer der
Fachvertretung der Lichtspieltheater Vorarlberg, für sein Gespräch. Leider war das Zahlenmaterial der Wirtschaftskammer nicht sehr umfangreich.
• Meinen Eltern für ihre Unterstützung, vor allem
meinem Vater für seine Hilfe.
Peter Krimmer, am 20. Februar 1999
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2. Geschichte des Kinos allgemein
2.1. Die ersten Schritte 2
Zu Beginn des Kinos stand eine Wette. Im Jahre 1872 wollte der kalifornische Gouverneur Leland Stanford wissen, ob ein Pferd beim Traben zur gleichen Zeit alle vier Beine von der Erde abhebt. Er bot demjenigen 25.000 $, der beweisen konnte, daß sich alle vier Beine des Gauls gleichzeitig in der Luft befinden. Fünf Jahre dauerte es, bis Eadweard Muybridge mit zwölf Fotokameras, die in kurzen Zeitabschnitten nacheinander belichtet wurden, das beweisen konnte.
es Menschen, die an Muybridge’s Fotos zweifelten. Mit Hilfe eines Zoopraxiskop, das ist eine Maschine, die auf eine Wand projiziert, um aus einer Serie von einzelnen Bilder eine beinahe fließende Sequenz
darzustellen, konnte er diese noch Zweifelnden davon überzeugen, daß der Gaul kurze Zeit „flog“. Zusammen mit Etienne Jules Marey 3 gilt Muybridge als Urvater des Prinzips Film. Jedoch fehlte den beiden die
2 Vgl. IV. Im Zeichen der Zeit. Die Presse. Feuilleton. 9.2.1991.
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Vision, wie sehr die Menschen nach laufenden Bildern verrückt sein werden.
Jedoch Thomas Alva Edison war von dieser Vision erfüllt. Er erfand den Kinetoskop und den Kinetograph. Mit dieser Kamera konnte man eine Abfolge von Bildern, auf einem mehrere Meter langen Material, ablichten.
Keller dieses Cafés. Der nächste Schritt war, daß die Filmvorführungen nicht mehr im Varieté stattfanden, die Filme wurden in einem eigenen Vorführsaal gezeigt. Das Kino entwickelte sich von einer Jahrmarktsattraktion zu einer selbständigen Wirtschaftsbranche.
3 Etienne Jules Marey: französischer Wissenschafter, der sich zeitgleich mit Muybridge mit Fragen der Bewegung und ihrem fotographischen Abbild beschäftigte.
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Innerhalb kürzester Zeit entbrannte ein unerbittlicher Kampf um Markt und Zuschauer aus. Immer neuere Patente zur Filmprojektion wurden angemeldet, jedoch wurden die Patente von den Konkurrenten nicht zur Kenntnis genommen. In den ersten Jahren des Entstehens der Filmindustrie wurden mehr als 500 Prozesse angestrengt. Monopole und Trusts 4 entstanden, aber auch massive Firmenübernahmen und Firmenzusammenbrüche wurden bereits verzeichnet.
2.2. Die Ausbreitung des Kinos 5
Von Anfang an waren massive wirtschaftliche und auch politische Interessen an den Film gekoppelt. Sobald klar wurde, daß mit dieser neuen Erfindung viel Geld zu machen war, kamen die großen Investoren und die Zeit der kleinen Produzenten war vorbei. Die Franzosen stiegen als erste in das Filmgeschäft ein. Zwischen 1903 und 1909 sicherte sich Charles Pathé mit seiner Firma die Vorherrschaft nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa. Auch in den Vereinigten Staaten eroberte er einen großen
Marktanteil. 1910 kam mit Gaumont, ebenfalls aus Frankreich, ein Konkurrent, der die Firma Pathé schließlich überflügelte. Zu Beginn waren die Filmvorführungen eine
Jahrmarktssensation: das sogenannte „Jahrmarktskino“, das Filme als billiges Volksvergnügen für die Massen auf Rummelplätzen und in Zelten vorführte. Diese Art von Kinovorstellungen hatte sich aber bald überholt. In
4 Trust: Zusammenschluß mehrerer branchengleicher Unternehmen zu einem Unternehmen mit Marktbeherrschung.
5 Vgl. Engelmeier, Peter und Regine: Das Buch vom Film. 1. Aufl. Augsburg 1996.
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Amerika wurde das Kino vorerst in kleinen Ladenlokalen, „Penny-Arkaden“ genannt, seßhaft. Ab 1905 gab es Kinovorstellungen in den legendären „Nickelodeons“, welche feste Kinosäle im Theaterstil waren. Der Eintritt kostete einen Nickel (5 Cents), daher auch der Name. Nickel für den Eintrittspreis und „Odeon“ bedeutet Theater auf Griechisch. 10.000 Kinos wurden bereits nach fünf Jahren in den Vereinigten Staaten gezählt. Weltweit gab es damals etwa 60.000
Filmtheater, wobei um 1910 auch schon die ersten Kinopaläste entstanden sind, diese wurden jedoch hauptsächlich in Europa erbaut. Auf Dauer ließ sich das immer zahlreicher werdende Publikum natürlich nicht mehr mit simplen Einaktern abspeisen, und so wurden die ersten sogenannten „Langfilme“ produziert. Ausgerechnet im fernen
Filmland Australien wurde, bereits 1906, „The Story of the Kelly Gang“ als erster Langfilm produziert, dieser dauerte etwa eine Stunde.
Der Aufschwung des Kinogewerbes in den USA führte zu einem knallharten Konkurrenzkampf. Um sich behaupten zu können, schlossen sich die führenden Produzenten, Importeure und Verleiher Ende 1908 zum ersten Filmtrust der Welt, der Motion Pictures Patent Company (MPPC), zusammen. Dieser Trust versuchte, den gesamten
amerikanischen Markt zu kontrollieren, wobei sich die unabhängigen Produzenten weigerten und in den Westen nach Kalifornien zogen. Diese Filmschaffenden wollten sich dem Einfluß der MPPC entziehen, und gründeten 1911 in einem Vorort von Los Angeles die ersten Filmstudios. Es entstand Hollywood. In Deutschland wurde kurze Zeit später in Neubabelsberg bei Berlin das erste deutsche Filmstudio eröffnet. Um die Produktion, die Vermarktung
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und die Finanzierung dieser unabhängigen Filme sicherzustellen, arbeiteten Charlie Chaplin, Mary Pickford und andere Filmkünstler zusammen, und
Adolph Zukor 8 , wurde Hollywood zur Weltmetropole des Films.
Einen gewaltigen Einschnitt für die Filmindustrie in der Herstellung und der Vermarktung der Filme gab es durch den Ersten Weltkrieg. Vor allem die europäischen Staaten waren davon betroffen. Zum Beispiel importierte oder exportierte Frankreich natürlich keine Filme von oder nach Deutschland. Es kam zu erheblichen Produktionsausfällen und zu großen Vermarktungsproblemen. So verlor Europa durch diesen Weltkrieg die
Vormachtstellung im Filmgeschäft und Amerika wurde zur führenden Filmnation.
6 William Fox: Er durchbrach mit seinem Prozeß die Vorherrschaft der MPPC.
7 Carl Laemmle: Filmproduzent, Gründer der Independent Motion Picture (IMP), Leiter der Universal Manufacturing Corporation.
8 Adolph Zukor: Boß der Paramount Productions, der den Begriff „Berühmte Darsteller in berühmten Filmen“ prägte.
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1922 drehten Hans Vogt, Jo Benedict Engl und Joseph Massolle den ersten Film mit einer Lichttonspur („Der Brandstifter“). Trotzdem gab es bis Ende der 20er Jahre auf dem Markt fast nur Stummfilme. Als erster Tonfilm, der den Durchbruch schaffte, gilt der 1927 gedrehte Film „The Jazz Singer“, jedoch wurde auch dieser Film nur zum Teil mit Ton produziert. 1928 entstand der erste vollständige Tonfilm, „Lights of New York“. Ab etwa der Mitte der Dreißiger Jahre löste der vertonte den stummen Film vollständig ab. Charlie Chaplin drehte 1936 mit „Moderne Zeiten“ den letzten Film der Stummfilmära, der Erfolg hatte. Die Sprache, aber auch die Musik, wurden im Fimgeschäft immer wichtiger.
Die nächste grundlegende Neuerung für das Kino kam mit dem Farbfilm. Schon zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde mit Farbe experimentiert. Der Film wurde zuerst mit Handcolorierung 9 angefertigt, dann folgte 1916 mit dem Film „The Gulf Between“ der im Technicolor-Zweistreifenverfahren gedrehte Farbfilm. Walt Disney war es, der 1932 mit „Flowers and Trees“ den ersten Dreifarbenfilm produzierte. 1952 entwickelte Eastman Kodakchrom 10 -Verfahren das zum Negativ-Positiv-Verfahren 11 weiter, im selbenJahr wurde auch das Cinemascope-Verfahren patentiert. Heutiger Standard beim Farbfilm ist der sogenannte Eastman-Color-Film. Spätere Verbesserungen gab es vor allem in der Tontechnik.
9 Handcolorierung: Bei diesem Verfahren wurde die Farbe nach-träglich mit feinen Pinseln auf jedes einzelne Phasenbild des fertigen Filmstreifens aufgetragen.
10 Der Kodakchrom ist ein mehrschichtiger Film von Eastman, bei dem drei für die Grundfarben empfindliche Farbschichten direkt auf einen einzigen Filmstreifen aufgetragen werden, die das Material selbst nun farbempfindlich macht.
11 Vgl. Gronemeyer, Andrea: Film Schnellkurs. Köln 1998, S.111
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In den Jahren 1932 bis 1946 feierte Hollywood seine „goldene Ära“. In dieser Zeit verzeichnete das Kino in den Vereinigten Staaten seine größten wirtschaftlichen Erfolge. 1946 brach jedoch die Filmkrise in Amerika, bedingt durch die Verbreitung des Fernsehens, aus und nahm 1949 bedrohliche Ausmaße an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg strebten die europäischen Staaten nach einem Neuanfang in der Filmbranche. Dabei zeichneten sich besonders die Franzosen aus, sie setzten auf den experimentierfreudigen und künstlerisch ambitionierten Nachwuchs, während sich das
Filmwirtschaft in Deutschland sich auf den leichten Unterhaltungsfilm konzentrierte. Der Aufschwung in Frankreich wurde „Nouvelle Vague“ genannt, die sich rasch über Italien, Osteuropa, Lateinamerika, Afrika, Asien bis in die Vereinigten Staaten ausbreitete. Aber auch diese Erneuerung durch den künstlerisch
ambitionierten Films änderte insgesamt nur wenig an
dem immer dramatischer werdenden Besucherrückgang. Das Kinosterben hatte eingesetzt.
2.3 Die Besucherentwicklung 12
Seit 1895, der eigentlichen Geburtsstunde des Films, stieg die Zahl der Besucher in Europa stetig bis 1955 an. Gegen Ende der Fünfziger Jahre begann der Rückgang und diese Entwicklung geht parallel mit der Ausbreitung des Fernsehens. Allein in Österreich sanken die Besucherzahlen von 1958 bis 1976 um etwa 105 Millionen Besucher!
12 Vgl. Bergmeister, Jörg: Die Lichtspieltheater in Vorarlberg. Diplomarbeit. Innsbruck 1971, S.32 ff.
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1949 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 1997
Ein weiterer Grund für den Besucherrückgang war vor allem der fehlende Komfort in den Kinos. In Vorarlberg muß die mangelnde Investitionsbereitschaft der Kinobesitzer auch im Zusammenhang mit den weit
überhöhten Sondersteuern gesehen werden. So betrug die Kriegsopferabgabe (KOA) seit 1947 15 Prozent, während in den anderen Bundesländern der Prozentsatz
wesentlich geringer war. Erst 1975 wurde die KOA auf 10% gesenkt. In Tirol und Vorarlberg kam noch die Vergnügungssteuer (VST) dazu. Die Höchstgrenze dieser Sondersteuer verringerte sich in Vorarlberg von
beachtlichen 25 auf 10 Prozent. Heutzutage gibt es nur noch ein Kino, das VST zahlen muß, und das ist das Metrokino in Bregenz. In anderen Gemeinden wurde dieses Problem schon vor etlichen Jahren erkannt und diese
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Gemeinden haben diese Sondersteuer für ihre Kinos schon längst gestrichen. Ein anderes großes Problem ist die Verleihgebühr (Filmmiete), mit bis zu 50 Prozent des Eintrittspreises!
Mit zunehmendem Wohlstand vervielfältigten sich die Unterhaltungsmöglichkeiten. Das Kino ist nur noch ein Teil dieser Unterhaltungsindustrie, denn durch den Rundfunk, das Kabel- und Satellitenfernsehen sowie durch den Videoboom bekam das Kino eine übermächtige Konkurrenz.
Das Kino bietet jedoch immer noch den Vorteil, daß es ein Gemeinschaftserlebnis ist und damit ist auch der kulturelle Status wesentlich höher.
2.4. Ausblick
Seit den Achtziger Jahren gibt es in den Vereinigten Staaten wieder einen leichten Aufschwung in der Filmindustrie, der aber erst gegen Ende dieses Jahrzehnts in Österreich zu spüren war. Die Zahl der Kinobesucher nahm zu, zwar langsam, aber doch kontinuierlich. Auch der Umsatz der Lichtspieltheater ist seither ein wenig angestiegen. In Vorarlberg verbesserte sich durch die Streichung der Kriegsopferabgabe und durch den Wegfall der Vergnügungssteuer in fast allen Gemeinden die wirtschaftliche Situation für die Kinobesitzer wieder ein wenig.
Jedoch ist in den nächsten Jahren wieder mit einem Rückgang der Besucherzahlen zu rechnen, zumindest für das althergebrachte Kino. Einer der Gründe dafür soll das HDTV-Fernsehen 13 sein.
13 HDTV-Fernsehen: gestochen scharfe und großflächige Bilder in Kinoqualität (Breitbildformat)
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Mit dem Bau von sogenannten Multiplex-Kinos erwartet sich die Filmindustrie mehr Attraktivät und mehr Besucher. Modernste Ausstattung und neueste Technik in diesen Kinos soll HDTV-Fernsehen übertrumpfen und die Leute verstärkt ins Kino locken. Die tradionellen Kinos geraten in einen ruinösen Wettbewerb mit den Megakino-Centers, für viele der kleinen und traditionsreichen Betriebe bedeutet das das wirtschaftliche Aus. Nur ganz wenige, auf Nischen spezialisierte, Betriebe werden diesen Konkurrenzkampf überleben. Dies sieht man sehr gut am Beispiel der Stadt Salzburg: Ende 1996 wurde ein Cineplexx etwas außerhalb der Stadt eröffnet. Monatlich strömten 80.000 Besucher in dieses Cineplexx-Kino. Ein Erfolg für dieses Kino, jedoch die
Innenstadt-Kinos verzeichneten Ende des Jahres 1997 einen katastrophalen Besucherrückgang von etwa 50 Prozent! Die Existenz dieser Kinos ist stark gefährdet.
In der Freizeitgesellschaft wächst der Bedarf an neuen Unterhaltungsproduktionen ständig. Die Vervielfachung der Fernsehsender, die Verwertung der Videorechte über Kaufkassetten und Videotheken bedeutet einen immer größer werdenden Markt für die Unterhaltungsindustrie inklusive der Filmindustrie. Die Form des Angebotes an den Konsumenten verändert sich genauso wie dessen Lebensgewohnheiten. Das Fernsehen erreicht seine
höchsten Einschaltquoten mit Sport- und Informationssendungen, mit Spiel- und Talkshows, und auch mit den vielgeschmähten Daily-Soaps (den aus dem US-Fernsehen übernommenen und nachgeahmten TV-Serien). Filme für den Kinomarkt werden immer aufwendiger produziert und weltweit vermarktet. Produktionskosten von 2,5 Milliarden Schilling für einen Film sind keine
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Seltenheit. Zum Vergleich beträgt der Gesamtumsatz aller Kinos in Österreich etwa 1,5 Milliarden und in Deutschland etwa 15 Milliarden Schilling. An diesem Zahlenvergleich sehen wir, daß es in Deutschland oder in Österreich kaum möglich ist, die Produktionskosten wieder einzuspielen, auch wenn deutschsprachige Filme um ein Zehntel der amerikanischen Produktionskosten hergestellt werden können.
Die Kinos müssen den Filmbesuch mit technischer Perfektion, mit einer Erlebnisgastronomie und mit einer Einkaufsmöglichkeit zu einem Erlebnis innerhalb der Unterhaltungsindustrie machen. Die tradionellen Kinos können nur überleben, wenn sie eine Nische besetzen können.
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3. Geschichte des Kinos in Vorarlberg
3.1. Die Entwicklung in Vorarlberg
Die ersten Kinovorstellungen in Vorarlberg fanden im Jahre 1907 statt. Diese wurden großteils im Saalbau in Feldkirch und in Bregenz gezeigt. 1910 wurde
schließlich das erste ständige Kino eingerichtet: die Saalbau-Lichtspiele. 14
In mehreren Gemeinden des Landes entstanden kurze Zeit nach der Gründung des ersten Kinos in Feldkirch relativ rasch neue Lichtspieltheater 15 . Bis zu Beginn des ersten Weltkrieges gab es schon 5 Betriebe, 1938 bereits 13 und der Höchststand wurde 1962 mit 19 Kinos erreicht.
Stärker als die Anzahl der Betriebe wuchs jedoch das Sitzplatzangebot 16 . Die Kinos wurden immer größer geplant. Dies brachte natürlich neue Probleme für die Kinobesitzer. Immer öfter mußten sie sich die Frage stellen: Wie bekomme ich nur mein Kino voll?
Tabelle 1 - Sitzplatzangebot in den Vorarlberger Kinos
14 Burmeister, Karl Heinz: Die Anfänge des Kinos in Feldkirch in den Jahren 1907-1910. Vorarlberger Oberland. Dezember 1984. Heft 4, S.71-75
15 s. Tabelle 2
16 s. Tabelle 1
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Tabelle 2 - Die Vorarlberger Kinos
17 LS = Lichtspiele
18 n.b. nicht bekannt
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Einen ambitionierten und auch erfolgreichen Weg
versucht die Kinothek in Lustenau zu gehen, die als Raucherkino mit Bewirtung konzipiert ist. Man könnte meinen, daß der Kinosaal voller Rauch ist. Durch eine entsprechend dimensionierte Lüftungsanlage gibt es jedoch keinerlei Belästigung für den Besucher. Der Saal ist recht großzügig, und die gute Atmosphäre in diesem Betrieb wird durch die große Zahl von Stammgästen bestätigt.
Aber trotz dieser Exklusivität hatte auch dieser Betrieb einen Umsatzrückgang von etwa 35 Prozent in den ersten Wochen nach der Eröffnung des Cineplexx in Hohenems zu verzeichnen.
Man sieht an der Zu- und Abnahme der Kinobetriebe in Vorarlberg in den verschiedenen Zeiträumen sehr gut, wie bewegt die Geschichte der Vorarlberger Kinos war. Die Schließung von Kinos hatten vor allem zwei Gründe: die allgemeine Wirtschaftskrise der Dreißiger Jahre und die Krise der Filmwirtschaft, die seit 1957 auch Vorarlberg erfaßte. Die Gründungsmotive waren dagegen um einiges
vielfältiger. Jedoch kann man diese in 4 verschiedene Motivgruppen einteilen: 19
• Erwerbszwecke von Privaten: diese Gruppe fällt vor
allem in die Gründungszeit 1910/11 und in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg
• Erwerbszwecke
für soziale Gruppen: diese
Organisationen hatten ihre Gründungsdaten zwischen 1911 und 1933
• Kulturelle,
kirchliche, politische Motive: die
meisten Kinos dieser Gruppe wurden zwischen 1925 und
19 Bergmeister (wie Anm.14), S.20-23
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1929 gegründet, wobei ihr Ziel vor allem ein gelenktes Filmprogramm, aber auch politische Aspekte waren.
• Sonstige Organisationen
An der Tabelle 2 erkennt man sehr gut, daß die Vorarlberger Kinos sehr groß waren und sich anstrengen mussten, um eine vernünftige Auslastung zu erzielen. Das Sitzplatzangebot der österreichischen Lichtspieltheater lag 1963 um einiges unter dem Durchschnitt der Vorarlberger Betriebe: 334 Plätzen pro Kino gegenüber 493 in Vorarlberg. Die Betriebe in den anderen Teilen Österreichs hatten es daher ein wenig leichter als die in Vorarlberg.
3.2. Die wirtschaftliche Situation
In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts war die wirtschaftliche Situation der Vorarlberger Kinos
relativ gut. Das erkennt man an einem raschen Zuwachs von Kinobetrieben, bereits 1914 zählte man in
Vorarlberg 5 Spielstätten. Manche hatten nach einigen Jahren genügend Geld verdient, um das anfangs
gepachtete Kino zu erwerben. Beispiele dafür sind der Forstersaal in Bregenz, das bereits 1936, also 6 Jahre nach seiner Gründung, vom damaligen Geschäftsführer dem Verband der Witwen und Waisen abgekauft wurde und die Saalbau-Lichtspiele, wo es allerdings 45 Jahre dauerte, bis der Pächter das Kino kaufen konnte. Weder Weltwirtschaftskrise noch die beiden Weltkriege konnten die Existenz der Vorarlberger Kinos gefährden.
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Erst mit der Verbreitung des Fernsehens begann das große Kinosterben. Fast jedes Kino machte erhebliche Verluste und etliche mussten sogar zusperren. Die Saalbau-Lichtspiele in Feldkirch konnten als einziger Betrieb in Vorarlberg Umsatzzuwächse erzielen. Mit Preiserhöhungen wurden die fehlenden Besucher und die Erhöhung der Strom-, Wasser-, Personalkosten
wettgemacht. Doch auch den größeren Betrieben, so dem Forstersaal-Kino und den Metro-Lichtspielen, beide in Bregenz, machte dieser Besucherrückgang anfangs nicht allzuviel aus. Fast jeder dritte Kinobesucher in Vorarlberg ging in eines dieser beiden Kinos. Zu Beginn der Siebziger Jahre setzte aber auch in den Bregenzer Kinos der Besucherrückgang ein. Jedoch nicht nur das Fernsehen war schuld an dieser Verschärfung der Kinokrise, sondern auch die zusätzliche Abgaben- und Steuerbelastung der Kinos. Vor allem die
Kriegsopferabgabe (KOA) und die Vergnügungssteuer (VST) wurden als Sündenbock für die schlechte wirtschaftliche Situation der Vorarlberger Lichtspieltheater genannt. 20 KOA, VST, AKM 21 , eine Jugendzensur mit restriktiven Einstufungen, eine exzessiv gehandhabte Filmverbotspraxis und steigende Filmmieten für die wenigen attraktiven Filme verschlechterten das Einkommen der Vorarlberger Kinobesitzer. Eine nennenswerte Kapitalbildung war für die Kino-Unternehmen der damaligen Zeit nicht möglich. Jahrzehntelang sind die Kinos an den Rand der Existenzfähigkeit gedrängt worden.
Logischerweise war es für die Kinounternehmer auch nicht möglich, in den Komfort ihrer Filmtheater zu investieren.
20 s. Kapitel 3.3. Trends
21 AKM staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger reg.Gen.m.b.H.
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Seit den Achtziger Jahren gibt es jedoch wieder einen kleinen Aufschwung in der Filmindustrie, der
schließlich 1989 auch Vorarlberg erreichte. Seither steigen die Besucherzahlen wieder ein wenig, natürlich bei weitem nicht so, wie sie seit den Sechziger Jahren gesunken sind.
In Vorarlberg wird durch die Eröffnung des Cineplexx in Hohenems ein Besucherrückgang bis zu 70% bei den anderen Kinos erwartet. Drei Wochen nach der Eröffnung gibt es folgendes Zwischenergebnis: die Metro-Lichtspiele verzeichnet einen Besucherrückgang von etwa 30%, das Cinema 2000 in Dornbirn muß sogar einen Rückgang von 90% registrieren. Das Ausbleiben von Kinobesuchern war besonders bei den Nachtvorstellungen zu spüren. Die Weltlichtspiele in Dornbirn melden trotz hoher Verlustvoraussagen einen recht geringen
Besucherrückgang, während die Kinothek in Lustenau einen Rückgang von etwa 35% erlebt. Nur die Kinos in Bludenz und in Lech bleiben bis jetzt von einem Besucherrückgang verschont, sie liegen vermutlich
außerhalb des Einzugsgebietes des Cineplexx Hohenems. Durch diesen Kinopalast droht etlichen Vorarlberger Kinos das wirtschaftliche Ende, wie, laut eigenen Aussagen, dem Cinema 2000 in Dornbirn und dem Oskarkino in Feldkirch. Das Dornbirner Kino muß, wenn es seine Kosten nicht mehr decken kann, zusperren. Der Pächter des Oskarkino in Feldkirch will über seine Situation nichts sagen, denn er befürchtet, daß jeder Kommentar nur Werbung für den Kinokomplex sei. 22 Nach neuesten Informationen ist ein Weiterbestand des Oskar-Kinos in Feldkirch über den Marz 1999 hinaus eher unwahr-
22 Pienz,Peter: „Dann muß ich mein Kino zusperren“. Vorarlberger Nachrichten. 11.1.1999, Lokal /A7.
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scheinlich. 23 Ob es denkbar ist, daß ein Kulturstadt wie Feldkirch ohne Kino ist, müssen die Stadt-Verant-wortlichen beantworten. Vielleicht besteht die Chance in Feldkirch, beim Theater am Saumarkt, ein Programmkino zu errichten und zu unterstützen, wobei die kolportierten Investitionskosten überzogen erscheinen.
Erst langsam wird im Land Vorarlberg und in den Gemeinden erkannt, welchen Stellenwert die Kinos für die Gemeinde- und Unterhaltungsstruktur einnehmen, und planen Maßnahmen zu einer Förderung einzelner Kinos.
Ich persönlich denke, daß sich nach dem anfänglichen Besucherzustrom zum Cineplexx die Situation wieder normalisieren wird und ein Teil der Traditionskinos die Besucherzahlen halten wird, wenn diese einen engen Kontakt zu ihren Stammkunden aufbauen können und auch notwendige Investitionen in Komfort und in den
Erlebnisfaktor Film riskieren. Alle Kinos, auch die übermächtig erscheinenden Multiplex-Kinos spielen nur denselben Film zur selben Zeit, auch wenn diese Mega-Kinos die Ware Film wesentlich besser vermarkten.
3.3. Trends
In den letzten Monaten beschäftigte die Vorarlberger Kinobesitzer die Frage: „Wie können wir trotz Cineplexx überleben?“ Es wird nicht leicht werden, da ein Besucherrückgang von etwa 70% wegen dem am 11.12.1998 eröffneten Cineplexx in Hohenems in den restlichen Vorarlberger Kinos erwartet wird.
23 Theater am Saumarkt, Feldkirch. Programmfalter für das Nachtkino im Oskar-Kino. Februar 1999.
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„Entgegen aller Befürchtungen hatten wir keinen
Umsatzrückgang. Ich will dennoch nicht zu euphorisch in die Zukunft blicken, denn die wahre Konkurrenzierung durch das
Cineplexx wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.“ 24
Trotz diesen widersprüchlichen Aussagen wird sich in etwa einem Jahr zeigen, welche Betriebe überleben werden.
Am wenigsten Existenzprobleme gibt es meiner Meinung nach für die Kinothek in Lustenau. Dieses Kino hat sich seine Nische geschaffen. Der Kinobetreiber hat mit aktivem Kundenmarketing und durch das gemütliche Ambiente in seinem Kino einen sehr hohen Anteil von Stammgästen. Selbst ein „Filmpalast“ wie das Cineplexx kann diesem Betrieb das Stammpublikum nicht abjagen. Wo kann man ansonsten im Kino rauchen und wird mit Speisen und Getränken bedient?
Doch nicht nur das neue Kino in Hohenems wird in Zukunft die Vorarlberger Kinounternehmer zum Schwitzen bringen, sondern auch das neue HDTV-Fernsehen 25 , durch das man dann das eigene Wohnzimmer schließlich mit einem kleinen Kinosaal vergleichen kann. In Kürze werden sich die Riesen-Kinopaläste wie eben das Cineplexx oder Hollywood Megaplex gegenseitig Konkurrenz machen. In Rheineck ist ein Multiplex-Kino geplant, in St. Gallen sollen zwei errichtet werden, und auch in Balzers schwärmen die Gemeindepolitiker bereits von einem neuen Super-Kino. In Innsbruck beklagt sich der Betreiber des Cineplexx-Kinos, Christian Langhammer, der auch das Cineplexx in Hohenems betreibt, den zu erwartenden ruinösen
24 Pienz, Peter: „Euphorie unter Besitzern von Kleinkinos“. Vorarlberger Nachrichten, 14.12.1998, Lokal /A6
25 s. Fußnote 13
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Konkurrenzkampf in der Innsbrucker Umgebung und ruft bereits nach Regulierung durch den Gesetzgeber. Für das Cineplexx in Hohenems mußten knapp 200 Millionen Schilling investiert werden, das entspricht dem vierfachen Jahresumsatz aller Vorarlberger Kinos. Um kostendeckend zu arbeiten, benötigt der Hohenemser Filmpalast etwa 800.000 Besucher jährlich, das
bedeutet, daß jeder Vorarlberger (vom Säugling bis zum Greis) statistisch statt wie bisher etwas über einmal, ab sofort mehr als dreimal ins Kino gehen müßte. Hoffen wir, daß die Verantwortlichen der Vorarlberger Kulturpolitik noch rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennen und notwendige Maßnahmen ergreifen, damit die kleinen Kinos überleben können und die Kinokultur erhalten bleibt. Sonst folgt nach dem Greißlersterben auch das endgültige Aus für die kleinen Kinobetriebe in unserem Land.
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4. Die Saalbau-Lichtspiele
4.1 Geschichtliche Entwicklung
Am 7. Juli 1901 wurde der von der Sparkasse der Stadt Feldkirch erbaute Saalbau eröffnet und löste damit ein jahrelanges Saalproblem, da es keinen geeigneten Veranstaltungsort für Theateraufführungen gab. Aber auch im Saalbau mußte sich die Gemeindevertretung im Jahre 1904 nach mehreren verlustreichen Jahren zu einer
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Subventionierung defizitärer Theater-Gastspiele entschließen. 26
Nach vorliegenden Aufzeichnungen wurde am 1.Juni 1907 die erste öffentliche Filmvorführung Vorarlbergs im Saalbau gezeigt. 27 Der Bericht im Feldkircher Anzeiger: „Der Andrang war so groß, daß viele Leute keinen Platz fanden“. Kurze Zeit später fanden auch andere
Vorführungen, wie die des Zirkuskinematographen auf dem Leonhardsplatz (heute zwischen dem Montforthaus und dem Illpark-Einkaufszentrum) statt. Weitere Aufführungen im Saalbau sind für den Jänner 1908 bezeugt. Selbstverständlich waren dies Stummfilme, jedoch untermalte das Streichorchester Altenstadt die
Filmvorführungen. Im März und April des Jahres 1908 wurden im Saalbau, aber auch bereits in Bregenz, vom Kinematographenunternehmen Fried Kurzfilme, aber auch bereits amerikanische Wildwestfilme wie „Buffalo Bill“ gezeigt. Das Bregenzer Tagblatt schrieb dazu: „Die Aufnahmen sind klar und deutlich. Das bei den Kinematographen häufig bemerkbare Flimmern ist fast ganz vermieden und auch die Beleuchtung funktioniert gut. Die Bilder sind klar und scharf. Das Programm ist ein sehr abwechslungsreiches.“ 28 Auch die Vorarlberger Landeszeitung urteilte ähnlich: „...der Besuch war so gut, daß die Vorführungen sogar verlängert werden mußten. Das Unternehmen verdient aber auch guten Besuch, denn das Gebotene ist bester Art, vollständig neu, und was besonders hervorzuheben ist, das Flimmern, das sonst so unangenehm auf die Augen wirkt, ist bei vermieden.“ 29 den meisten Bildern völlig Diesen
26 Wanner, Dr. Gerhard: Bürgerliche Kultur Feldkirchs im 19. Jhdt. Feldkircher Anzeiger. 5.2.1981
27 Feldkircher Anzeiger. 2.6.1907
28 Bregenzer Tagblatt. 17.3.1908
29 Vorarlberger Landeszeitung. 16.3.1908
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Vorführungen war ein riesengroßer Publikumserfolg beschieden.
Jedoch waren die vielen französischen und amerikanischen Kurzfilme nicht nach Jedermann’s Geschmack. Zum Teil gab es pauschale Ablehnung, was jedoch das Vorarlberger Volksblatt nicht hinderte, dafür Inserate entgegenzunehmen. 30 Einige Tage später konnte der interessierte Leser in diesem Blatt zu seinem Erstaunen lesen:
„Wir verwahren uns entschieden gegen die Einfuhr
französischer Sittenlosigkeit!“ 31
Vielleicht damals bereits ein Vorgeschmack auf die in späteren Jahrzehnten stattfindende, heißdiskutierte Filmzensur mit den überall belächelten Filmverboten. Eine ständige Einrichtung wurde das Kino in Feldkirch mit der Konzessionserteilung an den Saalbauwirt Johann Krimmer am 29. Dezember 1910. Diese Konzession berechtigte „zur Veranstaltung kinematographischer
Vorstellungen gegen zahlbaren Eintritt“, befristet auf ein Jahr. Natürlich mußte die Bezirkshauptmannschaft noch zusätzlich jede Vorstellung einzeln genehmigen. Viele Vorschriften wie die Versicherungspflicht für das Personal und strenge feuerpolizeiliche Auflagen, für die Belüftung und die vollständige Abtrennung des Vorführapparates mußten eingehalten werden. Die Bedienung mußte durch einen geprüften Operateur erfolgen.
Das damals zuständige k.k. Statthalterei - Präsidium für Tirol und Vorarlberg - untersagte in der Konzession selbstverständlich die „Veranstaltung von sogenannten
30 Vorarlberger Volksblatt. 14.3.1908
31 Vorarlberger Volksblatt. 18.3.1908
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Herren- und Pariserabenden, die Vorführung weiblicher Aktstudien und sonstiger pikanter Bilder, von Schauderszenen sowie die Verwendung von Schauderreklamebildern. Auch sind alle mündlichen
Erklärungen oder Vorträge, soweit sie über Titel und Untertitel hinausgehen, unzulässig.“ 32
Johann Krimmer, geboren 1882 in Rohrmoos in Bayern, war Pächter des Gasthauses Einfirst in Hohenems, bevor er 1908 den Saalbau vom Eigentümer, der Sparkasse
Feldkirch, pachtete. Bereits im selben Jahr errichtete der Selfmademan eine Sodawasser- und Limonadenfabrik, die in späteren Jahren in das, rechts neben der
jetzigen Einfahrt in den Ardetzenbergtunnel liegende, Gebäude (heute Fahrschule Wetzel) übersiedelte. Und ab November 1910 veranstaltete Johann Krimmer regelmäßige Filmvorführungen, ebenfalls für Aufsehen sorgte er, als er im Jahre 1910 im Saalbau einen Geldspielautomaten aufstellte. Die Errichtung des ersten ständigen Kinos in
Vorarlberg, im Saalbau in Feldkirch, zeugte von einer bemerkenswerten Leistung dieses Unternehmers. Seine Initiative schuf über viele Jahrzehnte hinweg einen wesentlichen Faktor im Kulturleben der Stadt Feldkirch und Umgebung.
32 Vgl. Burmeister, Dr. Karl Heinz: Kulturinformationen von der Rheticus-Gesellschaft. Vorarlberger Oberland. Dezember 1994. Heft 4
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Die Kinovorführungen erfolgten mit dem Kinematographen Nr. 636 der Firma Bauer aus Stuttgart:
danken darüber machte, wie er das Kinogeschäft auch weiterhin absichern könnte. Trotz galoppierender Inflation wurden im Laufe der nächsten Jahre
erhebliche Investitionen in den Gastbetrieb, später in eine Gartenhalle durchgeführt. Eine, in einem zusätzlichen Anbau untergebrachte, Kegelbahn wurde errichtet und auch in den weiteren technischen Ausbau wurde investiert. Der älteste Sohn Johann Krimmer‘s, der 1909 geborene Hans Krimmer, wurde
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Krimmer auseinander. 1927 war die Uraufführung des ersten Tonfilms „The Jazz Singer“, 1928 erschien als erster vollständiger Tonfilm „Lights of New York“. Bereits im September 1930 führte Krimmer Filme mit Plattenton vor und installierte nach kurzer Zeit eine, qualitativ noch wesentlich bessere, Lichttonanlage.
Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 und zu Beginn der Dreißiger Jahre ging jedoch auch an der Filmwirtschaft nicht spurlos vorüber.
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Das Publikum nahm zwar den Tonfilm begeistert auf, Künstler, vor allem Musiker, die nun arbeitslos wurden, warnten jedoch eindringlich vor den Gefahren des Tonfilms. Schlagzeilen wie „Gegen den Tonfilm! Für lebende Künstler“ erschienen auf Plakatwänden. 33 Nach einigen wirtschaftlich schwierigen Jahren,
übernahm Hans Krimmer, aus Berlin zurückgekehrt, die Leitung des Saalbau und brachte mit seinen Ideen neuen Schwung in den Kinobetrieb. Im Saalbau wurde Mitte der Dreißiger Jahre um- und ausgebaut, zusätzliche Räume für Veranstaltungen und für den erweiterten Gastbetrieb errichtet. 1933 wurde mit dem Tonhallenkino ein zweites
Filmtheater eröffnet, und bis zur Schließung im Jahre 1968 besaß Feldkirch damit 2 Kinos. 1932 gründete Hans Krimmer in Vaduz in der Turnhalle das „Tonkino Vaduz“, für das er in den 40er Jahren ein eigenes Gebäude erbaute und am 4. Mai 1944 eröffnete. Das Tonkino Vaduz steht auch heute noch am selben Standort, es wurde von Hans Krimmer jedoch 1949 verkauft.
Bereits 1933 entdeckte der Propagandaminister Joseph Goebbels den Film als das entscheidende Medium zur Massenpropaganda. Die Reichsfilmkammer wurde gegründet und sowohl national wie auch regional wurde das gesamte Filmschaffen, sowohl im Deutschen Reich wie auch in den besetzten Gebieten, kontrolliert. Filme wie „Jud Süß“, die Dokumentationen von Leni Riefenstahl über die Olympiade 1936 in Berlin, aber auch die Wochenschau mit ihrer zensurierten Kriegsberichterstattung, die in
33 Vgl. Gronemeyer, Andrea (wie Anm.12) S.75
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1944 starb der Gründer des Saalbau-Kinos, Johann Krimmer im Alter von 62 Jahren. Seine Witwe Maria und sein Sohn Hans führten den Kinobetrieb weiter. Nach dem Kriegsende wurden im Saalbau neben dem üblichen
daß der Ball in den Fünfziger Jahren gleich zweimal durchgeführt werden mußte. Während der Ballsaison wurden für jede Ballveranstaltung die Kinositze abmontiert, Tische und Stühle aufgestellt, um
anschließend wieder in einen Kinosaal umgewandelt zu werden. Der Kinobetrieb lief an den anderen Tagen
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normal weiter, nur die Dekoration blieb den ganzen Fasching über hängen. 35 Nach knapp 50 Jahren als Pächter gelang es Hans Krimmer, nach langwierigen Verhandlungen, den Saalbau vom Eigentümer, der Sparkasse der Stadt Feldkirch, zu erwerben. Einer der wesentlichsten Gründe, warum der Sparkassenrat dem Verkauf zustimmte, waren die in nächster Zeit erforderlichen Investitionen, da das Gebäude den modernen Anforderungen als Kinobetrieb nicht mehr genügte. Selbstverständlich honorierte die Sparkasse mit dem Verkauf aber auch die
jahrzehntelangen Bemühungen der Pächterfamilie Krimmer. Hans Krimmer begann mit umfangreichen Planungen für einen Neubau des Kinos. Bereits in den frühen 50er Jahren interessierte er sich aber auch für die Kinosituation im Lande. 1947 bewarb sich Hans Krimmer um den Bau eines Kinos in Bregenz-Vorkloster, ebenfalls wollte er die Weltlichtspiele in Dornbirn kaufen, aber auch für die Belange seiner Kollegen engagierte er sich. Hans Krimmer half bei der Realisierung des Kinoneubaus in Hohenems tatkräftig mit, er übernahm die Interessenvertretung der Vorarlberger Kinobesitzer als Kammerrat in der Handelskammer Vorarlberg. Die Besucherzahlen der Kinos in Vorarlberg strebten Ende der Fünfziger Jahre ihrem Höhepunkt entgegen. Trotzdem zeichneten sich am Horizont bereits dunkle Wolken ab. Das Fernsehen trat auch in Europa seinen Siegeszug an, und Hans Krimmer reduzierte seine kostspieligen Neubaupläne für den Saalbau auf eine immer noch umfangreiche, aber wirtschaftlich doch zu verantwortende, Renovierung. Hans Krimmer überlebte die
35 Vgl. Es war auch unser Saalbau... Feldkircher Pfadi-Kontakt Sept./Okt. 1991 Nr.7/8, S.6
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Fertigstellung seiner Investitionen in seinem Saalbau nur um zwei Jahre und starb im Jahre 1964. Sein Sohn Otto Krimmer versuchte in die Fußstapfen seines Großvaters und in die seines Vaters zu treten und übernahm, in dritter Generation, den Kinobetrieb im Alter von 19 Jahren. Die Zeiten wurden schwieriger, der Konkurrenzkampf um die weniger werdenden Filme immer härter. Die Bevölkerung gab sich mit den seichten Produkten der deutschen Unterhaltungsindustrie nicht mehr zufrieden. Die x-te Fortsetzung der Karl-May-Serie oder die neueste, blutrünstigste Verfilmung eines Edgar-Wallace-Romans interessierte immer weniger Menschen und der dramatische Abstieg der Kino-Besucherzahlen begann.
Das Fernsehen wurde aktueller und ab 1968 auch immer bunter. Sportübertragungen, Fußballweltmeisterschaften, Skirennen, aber auch Straßenfeger wie z.B. „Das Halstuch“ oder andere Durbridge-Krimis leerten die Straßen der Städte, aber auch die Säle der Filmtheater. Auch wenn die angebotene Qualität den seichten
Produkten der Kinoindustrie gleichwertig war, konnten die Betriebe auf Dauer dieser Konkurrenz nicht
standhalten. Trotz 70-mm Kinotechnik, trotz Cinemascope und Verbesserung der Komforts, die Besucherzahlen sanken in einem besorgniserregenden Ausmaß. Das Kino verlor den gesellschaftlichen Status im kulturellen Mittelpunkt einer Gemeinde.
Trotzdem engagierte sich Otto Krimmer, ebenso wie sein Vater, als Interessenvertreter der Vorarlberger Kinobesitzer im Rahmen der Handelskammer Vorarlberg
und im Fachverbandsausschuß der Bundeswirtschaftskammer, aber auch innerhalb der Sektionsleitung Fremdenverkehr als Kammerrat.
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Das Programm der Saalbau-Lichtspiele aktivierte er in Zusammenarbeit mit der „Aktion der gute Film“. Für die Studenten im „Studierstädtle“ Feldkirch stellte er im Rahmen des „Living Cinema“ sein Kino für engagierte Jugendliche zur Selbstprogrammierung zur Verfügung. Diese und andere seiner Aktionen, wie sein „Sommer-Film-Festival“ waren österreichweit ein Vorbild
innerhalb der Kinobranche. Trotzdem halfen auch diese Aktivitäten letztendlich nicht, um im Saalbau eine vernünftige Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Vor allem in Vorarlberg wurden den ansässigen
Lichtspieltheater nicht nur durch die weltweite Krise der Filmwirtschaft Schwierigkeiten bereitet, sondern auch die Rahmenbedingungen waren durch Gesetzgebung im Land, aber auch bereits auf Gemeindeebene, alles andere als vorteilhaft. 1982 zog er mit der Verpachtung des Saalbaus die Konsequenz aus den immer schlechter werdenden Bedingungen seines Umfelds. Den Aktivitäten des Pächters, dieser versuchte durch einen weiteren Umbau, die Attraktivität des Saalbau zu steigern, waren auch nur kurzfristige Teilerfolge beschieden. In der Nacht auf den 5. August 1991 wurde durch den Saalbau-Brand nach nahezu 84 Jahren dieses Kapitel der Filmgeschichte in Feldkirch beendet.
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4.2 Wirtschaftliche Daten des Saalbau-Kinos
140 120 100 80 60 40 20 0
Tabelle 3 - Besucherzahlen, Umsatz und Sondersteuern des Saalbau-Kinos .
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Die Grafik zeigt den Besucherrückgang im Saalbaukino zwischen 1960 und 1982 von 147 Tausend Besuchern im Jahr 1960 auf 64 Tausend in 1981 um etwas über die Hälfte. Die Besucherzahl konnte in den Folgejahren etwa gehalten werden, sank aber gegen Ende der 80er Jahre nochmals auf die Hälfte.
4.3 Bauplan des Saalbau aus dem Jahre 1900
Der Bauplan im Maßstab 1:100 vom 8. November 1899, mit der Baugnehmigung vom 20. März 1900 als Faksimilie auf Seite 39.
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5. Zusammenfassung und Ausblick 36
Die Besucherzahl in Österreichs Kinos erreichte nach einigen Jahren der Stagnation im Vorjahr etwa 15,5 Millionen, der Gesamtumsatz der Kinobranche betrug bei einem Durchschnittspreis von 100 Schilling damit 1,55 Milliarden Schilling. Jeder 4. Kinosaal in Österreich befindet sich bereits in einem Mega-Kinocenter. Neben den bereits zwölf existierenden Multiplex-Kinos sind weitere zwölf bis fünfzehn Kinopaläste in den nächsten drei Jahren geplant, davon allein im Ballungsraum Wien neun zusätzliche Multiplexe mit über 20.000 neuen Sitzplätzen. 1998 Jahr lag der Besucheranteil der Traditionskinos noch bei 60 Prozent von den 15,5 Millionen Besuchern, heuer wird sich dieser Anteil nach Schätzung von Branchenkennern auf 50 Prozent
reduzieren. Der Marktanteil der Großkinos steigt in den kommenden drei Jahren noch dramatisch weiter bis auf etwa drei Viertel von den dann zu erwartenden Besuchern von 20 Millionen an. Damit ist ein neuerliches Kinosterben in einem
besorgniserregendem Ausmaße zu erwarten. Obwohl in vielen Kinos in den letzten Jahren durch erhebliche Investitionen die Technik auf den neuesten Stand gebracht wurde, schaut die Zukunft alles andere als rosig aus. Auch die Existenz solcher Kinos wie dem Gartenbau, Metro, Flotten, Tuchlauben oder Kolosseum in Wien ist in Frage gestellt. Wenn schon solche Traditionskinos in der Großstadt stark gefährdet sind, ist wohl kaum zu erwarten, daß Landkinos eine Überlebenschance haben werden.
36 Vgl. Gansrigler, Franz und Martin Rümmele: Showdown für Kleinkinos. Wirtschaftsblatt. 3.2.1999, S.A6
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Wenn man den derzeitigen Boom bei den Multiplex-Kinos kritisch betrachtet, so muß man sich sehr schnell die Frage stellen, ob der Gesetzgeber mit der Freigabe der Bedarfsprüfung nicht den falschen Weg gegangen ist. Allein in Vorarlberg hat der Betreiber des Cineplexx in Hohenems bei einer Investitionssumme von knapp 200 Millionen Schilling den fünffachen Jahresumsatz der bestehenden Vorarlberger Kinos riskiert. Die Besuchererwartung in Hohenems von etwa 800.00
Kinobesuchern im Jahr bedeutet, daß jeder Vorarlberger Kinobesucher nicht nur einmal, sondern dreimal so häufig pro Jahr ins Kino gehen müßte. Die Traditionskinos müssen jetzt einmal mit der Ausbreitung der Multiplex-Kinos leben und versuchen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln, um überleben zu können. Diese Kinos müssen ihr Erlebnisangebot überdenken, sie müssen ihr Gastronomieangebot weiterentwickeln. Nur Popcorn zu verkaufen, ist meiner Meinung nach zu wenig. Die Kinos müssen einen Kinobesuch zu einem Erlebnis, zu einem Ereignis gestalten. Sie können dabei nicht direkt mit den Multiplex-Kinos konkurrieren. Jeder
Kinobetreiber sollte versuchen, sich auf Spezialprogramme zu konzentrieren. Zwischen den Megakinos kommt es bereits in manchen Regionen zu einem verheerenden Konkurrenzkampf, und diese Chance sollten die bestehenden Kinos nützen. Zweifellos bedeutet dies aber auch einen neuen Investitionsbedarf.
Die Europäische Union versucht mit Förderungsmitteln, innerhalb der Filmindustrie Vertriebs-und
Kooperationsstrukturen aufzubauen. Dazu gehört auch ein Netz von Kinos. Diese Aktion läuft unter dem Titel „The Network: European Cinemas“.
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In zahlreichen österreichischen Gemeinden sind bereits Maßnahmen zur kompletten Streichung der Sondersteuern getroffen worden. Da das nicht ausreicht, werden die Kinos in einzelnen Städten bereits direkt subventioniert.
Immer mehr Kinos gehen auch dazu über, Filme in Originalfassung anzubieten. Daß dies nicht nur in Großstädten möglich ist, zeigt am besten die Kinothek in Lustenau, die ihren Kinobesuchern die Möglichkeit bietet, mit Kopfhörer den Film in Originalsprache zu erleben.
Auch mit Filmserien und Retrospektiven ist es möglich, sich als Kino für den Kulturinteressierten zu profilieren. Es bieten sich da vor allem
Zusammenstellungen über einzelne Themen, Regisseure oder Schauspieler an. So zeigt zum Beispiel das Alte Kino in Rankweil im Februar 1999 eine Stan Laurel & Oliver Hardy Retrospektive. Aber auch mit der Einbindung von Gastronomie wird versucht, aus dem Kinobesuch ein Erlebnis zu gestalten. So bietet bereits seit einigen Jahren die Kinothek in Lustenau Getränke und Speisen während der
Kinovorstellung an und hat damit nicht nur Erfolg, sondern zeigt auch durch die große Zahl von Stammkunden mit regelmäßigen Programminformationen, wie der
Konkurrenzierung durch die übermächtig erscheinenden Multiplex-Kinos erfolgreich Paroli geboten werden kann.
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GLOSSAR
70 mm - Kinotechnik
diese in den Sechziger Jahren entwickelte Technik bedeutete eine Filmbreite von 70mm statt 35mm und damit eine wesentliche Verbesserung der Wiedergabetechnik, auf Grund der hohen Investitionskosten setzte sich diese Technik jedoch nicht durch
Aktion der gute Film
In Österreich als Verein auf Länderbasis gegründet, um den „Guten Film“ zu fördern
Cinemascope
Veränderung des Höhen zu Seiten Verhältnisses mit dem Effekt, die Filmwiedergabe plastischer darzustellen
Cineplexx
siehe Multiplex
Filmmiete
der Anteil an den Kinoumsätzen für den Vertrieb und den Hersteller, auch Leihmiete oder Leihgebühr genannt
Filmverbot
vor allem in den Sechziger und Siebziger Jahren in Vorarlberg sehr rigoros gehandhabt, zum Teil mit Schlagworten wie „Saubere Leinwand“ und „Wir machen uns mit diesen Verboten in ganz Europa lächerlich“. Bei dem Film „Das Schweigen“ von Ingmar Bergman führte das Filmverbot zu einem regelrechten Filmtourismus nach Lindau
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Handcolorierung
bei diesem Verfahren wird die Farbe nachträglich mit feinen Pinseln auf jedes einzelne Phasenbild des fertigen Filmstreifen aufgetragen
HDTV-Fernsehen
gestochen scharfe und großflächige Bilder in
Kinoqualität (Breitbildformat)
Jugendzensur
ähnlich wie bei den Filmverboten wurde auch die Jugendzulassung in Vorarlberg im Vergleich zu den anderen österreichischen Bundesländern sehr restriktiv gehandhabt
Kinematograph
Erfindung der Brüder Lumière; jedes Bild steht bei der Aufnahme für die Belichtung und bei der Wiedergabe für die Projektion kurzzeitig still und wird während der Transportphase verdunkelt
Kinetograph, Kinetoskop
Erfindung von Thomas Alva Edison mit dem man eine Abfolge von Bildern auf mehreren Meter Filmmaterial ablichten konnte
Kriegsopferabgabe
Sondersteuer zur Unterstützung der Kriegsopfer
Lichtton
seit den Dreißiger Jahren die maßgebende Tonwiedergabe
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Living Cinema
Ende der Sechziger Jahren von Wolfgang Angerer, Obmann der Aktion „Der gute Film“, und Otto Krimmer gegründet, um den Studenten in Feldkirch eine Plattform zur Programmierung von Filmen zu ermöglichen
Motion Pictures Patent Company
die führenden Produzenten, Importeure und Verleiher schlossen sich Ende 1908 zum ersten Filmtrust der Welt zusammen
Multiplex-Kino
Großkinozentren, mit bis zu 20 Kinosälen und bis zu 4.000 Sitzplätzen, die versuchen, die Ware Film in einer neuen Unterhaltungswelt zu präsentieren; allein in Österreich sind in den nächsten drei Jahren bis zu zwanzig neue Mega-Kinocentren geplant
Negativ-Positiv-Verfahren
Film, bei dem die Helligkeits- und Farbwerte mit denen der abgebildeten Realität übereinstimmen. Sie wird durch die Kopierung von einem Negativ oder als Umkehr-Positiv gewonnen
Nickelodeon
in den USA zu Beginn unseres Jahrhunderts der Name für Kinos. Der Eintritt kostete einen Nickel (5 Cents) und „Odeon“ bedeutet Theater auf Griechisch
Nouvelle Vague
eine von Frankreich ausgehende, filmkünstlerische
Protestbewegung der Avantgarde, die mit Filmschaffenden wie Francois Truffaut, Claude Chabrol, Alain Resnais oder Jean-Paul Belmondo identifiziert wird
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Penny-Arkaden
zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlicher Name für die in Amerika in kleinen Ladenlokalen untergebrachten Kinos
Traditionskino
in den letzten Jahren gebräuchlich gewordene
Bezeichnung für die Kinos, die, im Gegensatz zu den Multiplex-Kinos, im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Städte und Gemeinden eine gewisse Art von Nahversorgung darstellten
Trust
Zusammenschluß mehrerer branchengleicher Unternehmen zu einem Unternehmen mit Marktbeherrschung
United Artists
die erste unabhängige, von Filmschaffenden selbst gegründete, Produktions- und Verleihgesellschaft
Vergnügungssteuer
Gemeinde-Sondersteuer für Kultur- und Sportveranstaltungen
Zoopraxisskop
von Eadweard Muybridge, eine Maschine, die die Bilder auf eine Wand projiziert, und aus einer Serie von einzelnen Bilder beinahe eine Sequenz von Einzelbildern wiedergibt
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Geschichte des Kinos in Vorarlberg Peter Krimmer
Index
Hardy , Oliver 42
7
HDTV -Fernsehen 13, 23
70-mm Kinotechnik 35 Hitler, Adolf 32
Hollywood 10
A
J
AKM 20
Aktion der gute Film 36 Jahrmarktkino 6, 7
Altes Kino Rankweil 17, 42
K
B
Kinematograph 26, 29
Bregenzer Tagblatt 26 Kinetograph, Kinetoskop 6
Kino Lech 17, 21
C
Kino Vaduz 31
Kinosterben 20, 40
Chaplin , Charlie 9, 30
Kinothek Lustenau. 4, 17,
Cinema 2000 Dornbirn 17, 21
21, 23, 42
Cinema S Bludenz 17, 21
Kodakchrom 10
Cinemascope 35
Kolosseumkino Wien 40
Cineplexx. 14, 17, 18, 21,
Kriegsopferabgabe 12, 13, 20
22, 23, 41
Krimmer , Hans. 29, 31, 33,
D
34, 35
Krimmer , Johann. 27, 28, 29,
Dietrich , Marlene 30
30, 33
Disney , Walt 30
Krimmer , Maria 33
E
Krimmer , Otto 35
Eastman Color 10
L
Edison , Thomas Alva 6
Laemmle , Carl 9
Eisenstein 30
Lang , Fritz 30
Engl , Jo Benedict 10
Langhammer , Christian 23
Erster Weltkrieg 9, 16
Laurel , Stan 42
Europ äische Union 41
Lichttonspur 10
F
Living Cinema 36
Lumi ére, Brüder 6
Fachverbandsausschu ß 36
Fachvertretung der Lichtspiel-
M
theater Vorarlberg 4
Marey , Etienne Jules 5
Feldkircher Anzeiger 26
Massolle , Joseph 10
Filmmiete 13, 20
Metrokino Bregenz. 12, 17,
Filmstudio 8
20, 21
Filmverbot 20
Metrokino Wien 40
Filmwirtschaftskrise 36
Motion Pictures Patent
Flottenkino Wien 40
Company 8
Forstersaal Bregenz. 17,
Multiplex. 3, 14, 23, 40,
19, 20
41, 42
Fox , William 9
Murnau 30
Fried , Kinematographen-
Muybridge , Eadweard. 5
unternehmen 26
N
G
Negativ -Positiv-Verfahren. 10
Gartenbaukino Wien 40
Nouvelle Vague 11
Gaumont 7
Goebbels , Joseph 31
O
Grand Cafè Paris 6
Oskarkino Feldkirch 17, 21
H
P
Handcolorierung 10
Path é, Charles 7
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U Penny-Arkaden ............... 8 Pickford, Mary .............. 9
United Artists .............. 9
Pienz, Peter................22 V
R
Vergnügungssteuer...12, 13, 20
Riefenstahl, Leni .......... 31
Vogt, Hans ................. 10 S Vorarlberger Landeszeitung ................... 26
Saalbau-Lichtspiele......3, 8,
Vorarlberger Volksblatt .... 27
16, 17, 19, 20, 25, 26, W 27, 28, 31, 33, 34, 35, 36, 38
Weltfilmkrise .............. 11
Sparkasse Feldkirch ........ 34
Weltlichtspiele Dornbirn...17,
Stanford, Leland ............ 5
21, 34
Streichorchester
Weltwirtschaftskrise....19, 30
Altenstadt ................ 26
Wirtschaftskammer T Vorarlberg..........4, 34, 35
Z The Network European Cinemas ......... 41
Zensur ................. 20, 27
Theater am Saumarkt.........22
Zoopraxiskop ................ 5
Tonhalle Feldkirch ......... 31
Zukor, Adolph ............... 9
Traditionskino ......... 40, 41
Zweiter Weltkrieg .......... 11
Trust ................ 7, 8, 45 Tuchlaubenkino Wien ........ 40
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ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1 - BILDERFOLGE VON EADWEARD MUYBRIDGE..............5
ABBILDUNG 2 - WIDMUNG VON THOMAS ALVA EDISON AN MEINEN URGROßVATER M.R.DROTT...........................................6
ABBILDUNG 3 - CHARLIE CHAPLIN BEI DER UNTERZEICHNUNG DES GRÜN- DUNGSVERTRAGESDER UNITED ARTISTS........................9
ABBILDUNG 4 - KINOBESUCHERZAHLEN IN MILLIONEN IN ÖSTER-
REICH..............................................12
ABBILDUNG 5 - SAALBAU-ERÖFFNUNG VOM 7.JULI 1901............25
ABBILDUNG 6 - DER ERSTE VORFÜHRAPPARAT IM SAALBAU FELDKIRCH - IM NOVEMBER 1910......................................29
ABBILDUNG 7 - SAALBAU-PACHTZINS IM JAHR 1924...............30
ABBILDUNG 8 - PROGRAMMANKÜNDIGUNG MIT TONFILMEN VOM 18. FEBRUAR 1931..............................................30
ABBILDUNG 9 - SCHREIBEN DER RECHSFILMKAMMER VOM 11. OKTOBER 1939 AN DAS SAALBAU-KINO..................................32
ABBILDUNG 10 - SCHREIBEN DES LANDRAT VOM 6. APRIL 1945 AN DAS SAALBAU-KINO........................................32
ABBILDUNG 11 - SCHREIBEN DES FRANZÖSISCHEN GARNISONSKOMMANDANTEN VOM 13. NOVEMBER 1953 AN DAS SAALBAU-KINO...............33
TABELLE 1 - DAS SITZPLATZANGEBOT IN DEN VORARLBERGER KINOS....16
TABELLE 2 - DIE VORARLBERGER KINOS .......................17
TABELLE 3 - BESUCHERZAHLEN, UMSATZ UND SONDERSTEUERN DER SAALBAU-LICHTSPIELE.........................................37
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LITERATURVERZEICHNIS
IV. Im Zeichen der Zeit. Die Presse. Feuilleton. 9./10.2.1991 Bergmeister, Jörg: Die Lichtspieltheater in Vorarlberg. Diplomarbeit. Innsbruck 1971 Bregenzer Tagblatt vom 17. März 1908
Burmeister, Karl Heinz: Die Anfänge des Kinos in Feldkirch in den Jahren 1907-1910. Vorarlberger Oberland. Dezember 1984. Heft 4 Burmeister, Dr. Karl Heinz: Kulturinformationen von der Rheticus-Gesellschaft. Vorarlberger Oberland. (Dezember 1994) Heft 4 Chronik des Films, Chronik-Verlag, Gütersloh, und Harenberg-Verlag, Dortmund, 1994
Engelmeier, Peter und Regine: Das Buch vom Film. 1. Auflage. Augsburg 1996 Feldkircher Anzeiger vom 2. Juni 1907 Feldkircher Anzeiger vom 5. Februar 1981 „Bürgerliche Kultur Feldkirchs im 19.Jhdt.“ von Dr.Gerhard Wanner Feldkircher Pfadi-Kontakt Sept./Okt. 1991 Nr.7/8 Gansrigler, Franz und Martin Rümmele: Showdown für Kleinkinos. Wirtschaftsblatt. 3.2.1999 Gronemeyer, Andrea: Film Schnellkurs. Köln 1998 Hermann, Otto: Schwarz-Weiß-Buch der österreichischen Lichtspieltheater. Wien 1963
Johann, Ernst: Kleine Geschichte des Films. Vom Kaleidoskop zur Breitwand. West-Berlin 1959
Monaco, James: Film Verstehen. 2. Auflage. Reinbeck bei Hamburg 1980
Vorarlberger Landeszeitung vom 16. März 1908 Vorarlberger Nachrichten, vom 14.12.1998 und 11.1.1999 Vorarlberger Volksblatt vom 14. und 18.3.1908
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Mag. Peter Krimmer, 1999, Geschichte des Kinos in Vorarlberg, München, GRIN Verlag GmbH
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