Inhaltsverzeichnis 10
1. Einleitung - Definition „Mittelalter“ 1
2. Die historischen Verhältnisse zur Zeit des Mittelalters 1
2.1 Frühes Mittelalter - 750 bis 1170 1
2.2 Hohes Mittelalter - 1170 bis 1270 3
2.3 Spätes Mittelalter - 1270 bis 1470 4
3. Verbindungen zwischen der Suche nach dem heiligen Gral und den
Mythen des Mittelalters 5
3.1 Der frühchristliche Ursprung der Gralsmythologie 5
3.2 Die Vermischung christlicher Inhalte mit keltischen Sagen 5
3.3 Der heilige Gral in der Artussage 6
3.4 Parzival 6
3.4.1 Hintergründe 6
3.4.2 Inhalt 7
4. Die Artussage und das Nibelungenlied: ein Vergleich 7
4.1 Zeitliche Einordnung und Typ des mittelalterlichen Epos 7
4.2 Unterschiedliche Ehrauffassungen - Hagen von Tronje und Lancelot 8
5. Anhang 11
5.1 Literaturverzeichnis 11
5.1.1. Literatur/Bücher/Nachschlagewerke 11
5.1.2. Internetquellen 11
5.2 Abkürzungsverzeichnis 12
9
1. Einleitung - Definition „Mittelalter“
Der Begriff Mittelalter stammt aus dem Lateinischen (medium aevum) und bezeichnet in Mitteleuropa den Zeitraum zwischen Antike und Neuzeit. Eine genaue Abgrenzung dieses Zeitraumes ist jedoch auf Grund der national unterschiedlichen historischen Entwicklungen kaum möglich. Die möglichen zeitlichen Ansätze für den Beginn des Mittelalters reichen von der Krise des röm. Reiches im 3. Jh. n. Chr. über die Zeit der Völkerwanderung (4. - 6. Jh. n. Chr.), die jeweils große gesellschaftliche Änderungen mit sich brachten, bis hin zur Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800. Ebenso schwer lassen sich genaue Angaben über das Ende des Mittelalters machen. Nach herkömmlicher Auffassung setzt man das Ende des Mittelalters mit dem Beginn der Barockzeit gleich und stützt sich dabei auf unterschiedliche geschichtliche Ereignisse zu Beginn des 16. Jh. wie die Entdeckung Amerikas (1492) oder den Beginn der Reformation (1517) u. a., die ebenfalls gesellschaftliche Umbrüche bewirkten. Natürlich lässt sich der Übergang eines Zeitalters in das Nächste nicht punktuell festlegen, vielmehr muss jeweils eine längere Übergangszeit vorausgesetzt werden. 1 In dieser Arbeit beziehe ich mich auf die allgemein übliche Begrenzung des Mittelalters auf die Zeit zwischen 750 und 1470 n. Chr.
Im Rahmen der Facharbeit gilt es, einen historischen Überblick über diesen Zeitraum zu erarbeiten sowie Besonderheiten der Literatur dieser Zeit durch den Bezug zu Mythen und Sagen und einen Literaturvergleich darzustellen.
2. Die historischen Verhältnisse zur Zeit des Mittelalters
2.1 Frühes Mittelalter - 750 bis 1170
Die Gründung des Frankenreiches schuf als bedeutendste germanische Staatsgründung die Voraussetzungen für die Kultur und Gesellschaftsordnung des Mittelalters.
Die Christianisierung der Franken begann um etwa 500 n. Chr. 2 Dieser Umbruch zwischen dem „alten Weg“, der polytheistischen keltischen Religion und dem „neuen Weg“, dem christlichen Glauben war Ursache verschiedenster Konflikte, die ihre Bearbeitung in zeitgenössischer Literatur bzw. mündlich überlieferten Sagen und und Erzählungen (wie z. B. den Einzelsagen des in späterer Zeit niedergeschriebenen Nibelungenliedes) fanden.
Im 9. Jh. enstanden durch mehrer Erbteilungen das West- und das Ostfränkische Reich (ab etwa 920 regnum teutonicum, Kaiserreich von 962 bis 1806). 3
Von Beginn an ist die mittelalterliche Kultur christlich geprägt. Karl d. Gr. versuchte, die antike Kultur mit ihrem System der sieben freien Künste (Wissenschaften) wiederzubeleben. In dieser Zeit wurde auch mit der Aufarbeitung und Niederschrift der bis dahin nur mündlich
1 vgl. BROCKHAUS Bd. 14, S. 668 ff.
2 vgl. C. WETZEL „Literaturbetrieb Kurzgefasst“, S. 4, Klett
3 vgl. ebd.
1
überlieferten Heldensagen wie z. B. dem Hildebrandslied begonnen. In das Feudalssystem des frühen Mittelalters war die Kirche aufgrund gegenseitiger Schutz- und Treueverpflichtungen stark eingebunden. Der kirchliche Einfluss wurde durch den Auftrag Karls d. Gr., den Bildungsstand durch das Einrichten von Schulen in jeder Bischofskirche und in jedem Kloster zu verbessern, noch vergrößert. 4
Als Amts-, Gelehrten- und Kirchensprache diente im frühen Mittelalter das Mittellatein, neben dem als Volkssprache die sog. „theodisca lingua“ besteht. Daraus entwickelte sich über die althochdeutsche (um 750) ab etwa 1050 die mittelhochdeutsche Stufe der dt. Sprache. Die bisher als Schriftzeichen dienenden Runen werden vom lateinischen Alphabet abgelöst, wobei Karl d. Gr. eine Vereinfachung schafft, indem er die Kleinbuschstaben einführt. Als Schreibutensilien dienten damals Gänsekiel und Pergament, welches in Mitteleuropa erst gegen 1400 vom Papier abgelöst wurde. 5
Aufgrund der Abgrenzung zwischen handwerklichen Künsten und freien Künsten (zu denen nur die Wissenschaften gezählt wurden) zählte die Schreibkunst zu den handwerklichen Künsten. Der Schreiber, der im Kloster Werke handschriftliche vervielfältigte, genoss einen ähnlichen Status wie der tatsächliche Urheber (lat. Auktor).
Die Bibelabschriften (komplett oder teilweise) besaßen den höchsten Rang unter den Werken jener Zeit, waren aber, auf Grund der lateinischen Sprache und dem Bildungsstand des größten Teiles der Bevölkerung, nur dem Klerus zugänglich. Dem leseunkundigen Volk wurden biblische Inhalte durch Wandmalereien in der Kirche vermittelt, denn selbst die Predigten waren im für die breite Masse unverständlichen Latein gehalten. Ein Werk des frühen Mittelalters, welches zeigen sollte, dass die deutsche Volkssprache ebenfalls geeignet ist, die damals so hoch geschätzte Antike Dichtkunst nachzuempfinden war die „Evangelienharmonie“ (um 865) des Mönchs Otfried aus dem elsässischen Kloster Weißenburg. Ebenfalls von Geistlichen verfasst wurden in dieser Zeit Chroniken, zeitgeschichtliche Darstellungen und romanhafte Lehrwerke.
Die fahrenden Unterhaltungskünstler verfassten ihre sog. „Spielmannsepen“ meist in der dt. Volkssprache bzw. deren Dialekten.
Das Theaterspiel war im frühen Mittelalter im wesentlichen auf den geistlichen Bereich beschränkt. Die inszenierten Bibeltexte wurden zu besonderen Anlässen in Gottesdiensten oder öffentlich aufgeführt. 6
4 vgl. C. WETZEL „Literaturbetrieb Kurzgefasst“, S. 4, Klett
5 vgl. ebd.
6 vgl. ebd, S. 4. u. 5
2
2.2 Hohes Mittelalter - 1170 bis 1270
Aus politischer Sicht deckte sich diese Epoche im Großen und Ganzen mit der Stauferherrschaft (1138
- 1254). Sie war gekennzeichnet durch die zunehmende Selbstständigkeit der weltlichen wie geistlichen Landesherren und die Entwicklung eines höfisch-kulturellen Lebens an den Residenzen der Fürsten einerseits sowie den Grundlagen der bürgerlichen Kultur in den Städten andererseits. 7
In dieser Zeit entwicheln sich durch Enstehung einer neuen Gesellschaftsschicht, des Rittertums, die Ideale des Ritters: Maß, Beständigkeit, Treue und Selbstzucht. Das Rittertum ermöglichte ursprünglich unfreien Ministerialien den Aufstieg in den niederen Adel. Die ritterlichen Ideale finden im Minnesang wie in epischen Werken dieser Zeit (z. B. Eschenbachs „Parzival“) Ausdruck, ebenso der Niedergang des Rittertums gegen Ende der Epoche (z. B. in Wernher der Gartenaeres „Meier Helmbrecht“).
Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Sprache und Schrift sind u. a. die wachsende Akzep-tanz der dt. Volkssprache als gleichberechtigte Literatursprache neben dem Mittellatein, v. a. im süddeutschen Raum die Bemühungen zur Schaffung einer gemeindeutschen Hochsprache und im
12. Jh. die Entwicklung der gotischen Kleinbuchstaben aus den Karolingischen. 8 Bedeutende Autoren des hohen Mittelalters sind Konrad von Würzburg, Hartmann von Aue, Neidhart von Reuental, Reinmar der Alte, Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach; meist waren sie Abkömmlinge eines Ministerialiengeschlechts oder bürgerlicher Herkunft. I. d. R. zogen sie von Hof zu Hof, um ihre Werke vorzutragen. Die Minnesänger waren dabei zugleich Dichter und Musiker, da sie ihre Werke singend zur Begleitung von Harfe oder Fidel vortrugen. Ebenso die sog. Vaganten, fahrende Geistliche oder Akademiker. Die Werke jener Zeit waren meist Auftragsdichtungen, die Autoren von ihren Mäzenen (Gönnern) abhängig. Als Auftragswerke entstanden im hohen Mittelalter u. a. das Rolandslied und das Nibelungenlied.
Der Fähigkeit des Lesens waren damals wohl neben den Geislichen ein großer Teil der adligen Frauen mächtig, die diese Kunst von den Hofgeistlichen erlernten. Dagegen waren die Autoren warscheinlich nicht in der Lage, ihre Werke selbst niederzuschreiben; man nimmt an, dass sie Schreiber beschäftigten.
Das Theaterspiel bleibt im hohen Mittelalter weitgehend an die klerikale Umgebung gebunden, wenngleich es auch Einflüsse der höfischen Epik zeigt (wie beispielsweise das um 1250 entstandene „Osterspiel von Muri“). 9
7 vgl. C. WETZEL „Literaturbetrieb Kurzgefasst“, Klett S. 6
8 vgl. ebd.
9 vgl. ebd., S. 7
3
2.3 Spätes Mittelalter - 1270 bis 1470
Im Spätmittelalter, einer Zeit der politischen, sozialen und kulturellen Umgestaltung, zeichnete sich bereits deutlich der Beginn der Neuzeit ab. Die bisherigen Amtsgewalten waren im Niedergang begriffen, das Papsttum befand sich durch das „Exil in Avignon“ im Machtbereich der französischen Krone und das Rittertum verlor durch den Einsatz von Feuerwaffen mehr und mehr an Bedeutung. Dazu kamen eine Agrarkrise durch die Pest von 1350, starke Erhöhung der bäuerlichen Lasten und somit verstärkte Landflucht. Die Städte gewannen an Bedeutung als wirtschaftliche, kulturelle und soziale Zentren; Lesen, Schreiben und Rechnen wurden zur Grundlage der Handwerksausübung; es wurden städtische Schreibschulen errichtet und so das Bildungsmonopol der Kirche gebrochen. Um 1350 entsteht aus der mittelhochdeutschen die frühneuhochdeutsche Sprache als Amtssprache in den Kanzleien, seit dem 15. Jh. entwickelte sich durch die Techniken des Holzschnittes und des Kupferstiches die gedruckte Schrift.
Der traditionelle Minnesang wurde oft parodiert (z. B. in Hermann von Sachsenheims „Die Mörin“ von 1453), durch sog. Ritterspiegel, Handbücher über ritterliche Verhaltensweise wurde die Erinnerung an die bereits vergangene Ritterzeit v. a. von bürgerlichen Autoren gepflegt. Sehr populär waren auch Sagen- und Fabelsammlungen. Der gesellschaftliche Wandel wurde durch die Um-wandlung vom Minnesang zum Meistersang charakterisiert, welcher von dichtenden Handwerkern zunftmäßig bertrieben wurde. Die Meistersinger trugen ihre Werke i. d. R. ohne Instrumentalbegleitung zum Hauptsingen in der Kirche oder zum Zechsingen im Wirtshaus vor. 10 Kennzeichnend für das späte Mittelalter war die beginnende Entwicklung des Buchmarktes. Durch die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern durch Gutenberg um 1450 bestand die Möglichkeit, Bücher schneller und in größeren Mengen zu vervielfältigen. Zudem begann man, die Bücher in verlagsartigen Vertriebssystemen zu vertreiben. Zu den ersten nach Gutenbergs Verfahren gedruckten Büchern gehörten die Bibelübersetzung Martin Luthers, der „Türkenalender“ und ein päpstlicher Aufruf zum Kreuzzug gegen die Türken.
Das Theaterspiel verließ in dieser Zeit den kirchlichen Raum. Schauplatz wurde der Kirchenvorplatz und später der Marktplatz, gespielt wurde auf meist mehreren, teilweise beweg-lichen Bühnen. Schauspieler waren örtliche Geistliche oder als Berufsschauspieler herumziehende clerici vagantes. Gegenstand der Stücke waren Weihnachts-, Oster-, und Passionsthemen. Zudem traten im Spätmittelalter erstmals weltliche Stücke in Form des Fastnachtsspiels auf, die von Hand-werkern oder Patriziern in Wohn- oder Gasstuben aufgeführt wurden, wo sie auch mit derb-witzigen oder ernsten Spielen auftraten. Formal handelte es sich um Reihen- oder Handlungsspiele. 11
10 vgl. C. WETZEL „Literaturbetrieb Kurzgefasst“, S. 8, Klett
11 vgl. ebd., S. 9
4
3. Verbindungen zwischen der Suche nach dem heiligen Gral und den Mythen des Mittelalters
3.1 Der frühchristliche Ursprung der Gralsmythologie
Ursprünglich handelt es sich beim heiligen Gral um den Kelch, den Jesus von Nazareth zum letzten Passahmahl vor seiner Kreuzigung benutzte. Josef von Arimathäa, ein Onkel Jesu, der selbst Jünger war und später sein eigenes Grab für Jesus zur Verfügung stellte, soll den Kelch an sich genommen und bei der Kreuzigung das Blut Jesu darin aufgefangen haben. 12 Diese Erzählung, die so nicht Teil der biblischen Passionsgeschichte ist (im Luthertext wird nur von der Grablegung Jesu durch Josef von Arimathäa berichtet, nicht davon, dass er bei der Kreuzigung anwesend war) ist als die Grundlage der Gralsmythologie zu betrachten.
3.2 Die Vermischung christlicher Inhalte mit keltischen Sagen
Bereits die in den keltischen Sagen gab es magische Gefäße, die ewiges Leben bringen oder ihrem Besitzer die Macht über Leben und Tod verleihen sollten. In ihren Ritualen benutzten die Kelten Kultgefäße, die solche magischen Kelche und Kessel symbolisierten. 13
Der Legende nach soll Josef von Arimathäa nach 40 jähriger Gefangenschaft über alte Handelswege nach Großbritannien gelangt sein und in Südengland, genauer: bei der heutigen Stadt Glastonbury, die erste Kirche in Europa gegründet haben. Hier hat er, wenn man dieser Legende glauben will, auch den heiligen Gral versteckt. Andere Erzählungen berichten, er hätte ihn auf seinem Weg nach England in Italien zurückgelassen. 14
Ob nun durch Josef von Arimathäa selbst oder andere Handelsreisende, jedenfalls auf diesem Weg kam die christliche Überlieferung vom heiligen Gral nach Europa, in das Gebiet, in dem die Kelten lebten. Die Erzählung vom heiligen Gral vermischten sich hier mit der Zeit mit den alten keltischen Sagen und es entstand ein neuer Mythos: der des heiligen Grals als Abendmahlskelch Jesu, der, wie in den keltischen Sagen, seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück verleihen sollte. 15
12 vgl. http://www.zdf.de/wissen/zdfexpedition/41801/index.html
13 vgl. R. WILLIS „Mythen der Welt“ S. 176 f.
14 vgl. http://www.zdf.de/wissen/zdfexpedition/41801/index.html
15 vgl. ebd.
5
3.3 Der heilige Gral in der Artussage
In den Artuserzählungen hat der heilige Gral eine besondere Bedeutung. In einer Version von Chrétien de Troyes (um 1190) ist der Gral ein Gefäß zur Aufbewahrung von Hostien, bei Robert de Boron wie in der früchristlichen Legende das Abendmahlsgefäß, mit dem Josef von Arimathäa Christi Blut auffing und in Wolfram von Eschenbachs Parzival schließlich ein Stein mit geheimnis-vollen Kräften. In jedem Fall soll der heilige Gral ein magisches, heilbringendes Artefakt sein. 16 Die eigentliche Bestimmung der Ritter der Tafelrunde war die Ausführung der Kreuzzüge. Doch die Zeit der Kreuzzüge ging zu ende, und auch in anderen militärischen Bereichen wurden die Ritter als berittene Kämpfer nicht mehr gebraucht, da mit der Erfindung der Feuerwaffen effektivere Methoden der Kriegsführung zur Verfügung standen. Viele ehemals ehrbare Ritter verfielen dem Raubrittertum, wie z. B. Artus` Neffe Mordred. 17 Artus jedoch wollte die Ritterideale Maß, Beständigkeit, Treue, Selbstzucht, Frömmigkeit und Bescheidenheit erhalten. So setzte er sich und seinen Rittern ein neues Ziel: den heiligen Gral zu suchen und zu finden. 18 Auf diese Weise sollte den Rittern der Tafelrunde eine neue, edle, einem Ritter würdige Aufgabe zukommen, der sie ihr Leben und ihre Ritterehre widmen sollten, um nicht vom Raubrittertum leben und ihre Ritterehre aufgeben zu müssen.
3.4 Parzival
3.4.1 Hintergründe
Der höf. Roman „Parzival“ wurde zwischen 1200 und 1210 von Wolfram von Eschenbach in 24810 Reimpaarversen verfasst. Erhalten sind über 80 Hanschriften, davon 16 vollständig, und ein Druck von 1477. Eschenbachs Hauptquelle war der unvollendete Versroman „Perceval“ (um 1180) von Chrétien de Troyes, dem gegenüber von Eschenbachs Roman sehr frei gestaltet ist. Besonders hervorzuheben ist bei von Eschenbachs Fassung der große Detailreichtum und der bis dahin unerreichte Gehalt an naturkundlich-medizinischem und astronomischem Wissen. Diese Tatsache und die hochkomplexe („dunkle“) Erzähltechnik von Eschenbachs führten in der Literaturforschung zu Diskussionen über Bildung und Publikum des Autors. In das Werk flossen u. a. die Bearbeitung der Artus- und Gralsdichtung ein. 19 So greift der Roman die Gralsmythologie und andere Sagen des keltischen Kulturraumes auf und stellt so eine Verbindung zur keltischen Sagenwelt her.
16 vgl. Brockhaus Bd. 9, S. 46
17 vgl. www.artus.de
18 vgl. „Der erste Ritter“, Spielfilm, bzw. www.artus.de
19 vgl. Brockhaus, Bd. 16, S. 573
6
3.4.2 Inhalt
Parzival wächst nach dem frühen Tod seines Vaters Gahmuret, des Königs von Anschouwe, unter der Leitung seiner Mutter Herzeloyde in einsamer Wildnis auf. Als unerfahrener Jüngling zieht er aus, um den Hof des berühmten Königs Artus zu finden. Auf der Burg Gurnemanz erhält Parzival seine Ausbildung in Form ritterlich-höfischer und kirchlicher Unterweisung. Er befreit die Burg der Condwiramur von Belagerern und vermählt sich mit der Burgherrin. Schließlich zieht weiter, um die Gralsburg zu finden. Bald kommt er dort an, muss sie aber wieder verlassen, da er es versäumt, nach dem leidenden Gralskönig Amfortas zu fragen. Nach mancherlei Abenteuern wird Parzival in den Kreis der Ritter der Tafelrunde aufgenommen. Aufgrund seines Versagens auf der Gralsburg wird er allerdings von der Gralsbotin Kundrie aus der Tafelrunde ausgeschlossen und verflucht. Jahrelang irrt er nun, von Trotz gegen Gott erfüllt, durch die Lande. Bei dem frommen Klausner Trevrizent vollzieht sich schlussendlich seine Versöhnung mit Gott, und er erfährt das Geheimnis des heiligen Grals. Parzival kehrt zur Gralsburg zurück. Hier angekommen stell er dem alten Grals-könig Amfortas die erlösende Frage und dieser wird geheilt. Schließlich wird Parzival neuer Gralskönig. 20
4. Die Artussage und das Nibelungenlied: ein Vergleich 4.1 Zeitliche Einordnung und Typ des mitteralterlichen Epos
Die Einzelsagen des in Versform verfassten Nibelungenliedes, wie u. a. das Hildebrandtslied, haben ihren Ursprung in der Zeit der germanischen Völkerwanderungen. In seiner heutigen Form wurde es erstmals um 1200 von einem unbekannten Spielmann niedergeschrieben, aus dem 13. Jh. existieren über 10 verschiedene Handschriften, die auf diesen Urtext zurückweisen. Die Ursprünge der Artus - Mythologie finden sich im walisischen Gedicht „Y Gododin“, das um 600 entstand. Die wichtigste Stufen ihrer Entwicklung sind „Historia Regum Britanniae“ (um 1139, Geoffrey von Monmouth), „Brut“ (1155, Wace), sowie die Werke von Chrétien de Troyes und Wolfram von Eschenbachs „Parzival“, in denen jeweils neue Personen und Sachverhalte hinzugedichtet wurden. 21
Die Hauptinhalte des Nibelungenliedes sind die ständigen Kämpfe zwischen den Charakteren, die auf (in diesem Werk) unlösbaren (religiösen wie sozialen) Konflikten basieren, während in der Artussage die christlichen Ritterideale, das Leben bei Hofe und das der Ritter eine große Rolle spielen. Die haupsächlichen Antriebskräfte der Charaktere sind ebenso gegensätzlich wie die Inhalte der Werke. Während es im Nibelungenlied Rache, Hass und erbitterter Kampf um Ehre, bei dem Versöhnung unmöglich ist sind, werden die Charaktere in der Artussage in ihrem Streben haupsächlich durch die christlichen Ritterideale und eine starke Friedensliebe angetrieben. Demzufolge handelt es sich beim Nibelungenlied ganz klar um ein Heldenepos, während die Artussage ein Paradebeispiel für das höfische Epos darstellt. 22
20 vgl. Brockhaus Bd. 16, S. 573 und www.gutenberg.aol.de
21 vgl. home.t-online.de/home/mkmd.feldmann/HTML_Ma/artussage.htm
22 vgl. home.t-online.de/home/mkmd.feldmann/HTML_Ma/artussage.htm und www.hausarbeiten.de
7
4.2 Unterschiedliche Ehrauffassungen - Hagen von Tronje und Lancelot
Im Folgenden geht es darum, die erarbeiteten Eigenschaften der beiden Werke durch einen Vergleich der Personen Hagen von Tronje aus dem Nibelungenlied und Lancelot aus der Artussage zu belegen. Bei Angaben zu Hagens Person beziehe ich mich auf ein Referat von Stefanie Junkers 23 , bei der Charakterisierung Lancelots auf den Spielfilm „Der Erste Ritter“.
Hagen von Tronje ist, zusammen mit seinem Bruder Dankwart, ursprünglich ein treuer Gefolgs-mann des Burgunderkönigs Gunther und dessen Brüdern Gernot und Giselher. Als Brunhild, die Königin von Island, erfährt, dass Siegfried von Xanten König Gunther geholfen hat, sie zu be-siegen, wird sie wütend auf Siegfried. Sie will sich an ihm rächen. Der einzige Weg, zu Genugttung zu kommen ist für sie Siegfrieds Tod. Sie beauftragt Hagen von Tronje, ihn zu töten. Dieser willigt auf Grund seiner gemeinsamen (nordischen) Abstammung mit Brunhild ein und lockt Siegfried auf der Jagd in einen Hinterhalt. Hagen ist ein treuer Gefolgsmann seines Königs, doch ist ihm seine Abstammung wichtiger. Er ist absolut treu und ohne weiteres bereit, für seine Ehre zu töten. Diese Hochschätzung der Ehre gegenüber allem anderen ist ein besonderes Kennzeichen des Heldenepos. Lancelot war, bevor er nach Kamelot kam, ein fahrender Kämpfer ohne festen Wohnsitz. Nachdem er sein Können in Gegenwart von König Artus unter Beweis gestellt hat, wird er zum Ritter geschlagen und in die Tafelrunde aufgenommen. Er schwört absolute Treue - nicht nur dem König sondern jedem der Gralsritter, denn der Leitsatz der Ritter der Tafelrunde lautet „Indem wir einander dienen werden wir frei.“ 24 und die Tafel, auf der dieser Leitsatz steht ist rund, sie hat weder Kopfnoch Fußende. Diese beiden Merkmale sollen die Gleichheit der Ritter untereinander, inklusive des Königs, symbolisieren.
Doch Lancelot verliebt sich in Guinnevere, König Artus´ Frau und bricht damit seinen Schwur, weist aber auch alle Schuld von Guinnevere und nimmt die volle Verantwortung auf sich. Zuerst folgt Artus dem Gebot der Ehre und veranlasst eine öffentliche Verhandlung gegen Lancelot und Guinnevere, die jedoch von einem Überfall Malagants unterbrochen wird. Im Kampf wird Artus schwer verletzt. Auf dem Totenbett vergibt er Lancelot und vertraut ihm senen Frau an.
Hier wird der Stellenwert der christlichen Ritterideale deutlich. Jeder der Ritter ist, dem christlichen Gebot der Nächstenliebe folgend, gleich. Keiner steht über dem Anderen, auch nicht der König. Obwohl Lancelot nach damaliger Ansicht Hochverrat begeht kann Artus ihm letztendlich vergeben. Diese Auffassung von Ehre steht im völligen Gegensatz zu der im Nibelungenlied vermittelten. Hier ist Vergebung möglich und die Hierarchie der Ritter ist weniger streng. Die Wiederherstellung der Ehre ist nicht nur durch den Tod möglich, sondern vielmehr durch das Einhalten der Ideale Maß, Beständigkeit, Treue, Selbstzucht, Frömmigkeit und Bescheidenheit. Dies sind die Kennzeichen eines höfischen Epos.
Folglich muss es sich beim Nibelungenlied tatsächlich um ein Heldenepos, bei der Artussage um ein höf. Epos handeln.
23 nachzulesen unter www.hausarbeiten.de
24 Zitat aus „Der Erste Ritter“, Spielfilm
8
5. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.1.1 Literatur/Bücher/Nachschlagewerke
BROCKHAUS (1991 F. A. Brockhaus GmbH, Mannheim), 19. Auflage in 30 Bänden,
DER ERSTE RITTER, Spielfilm
DIE BIBEL altes und neues Testament, Luthertext, 1957-1984 revidierte Fassung (1985 Deutsche
UNTERRICHTSNOTIZEN (Nibelungenlied)
VALENTIN, VEIT „Die Geschichte der Deutschen“ (1993 Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh), Seiten 24 bis 174
WETZEL, CHRISTOPH „Literaturbetrieb Kurzgefasst“ (1988 Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart), Seiten 4 bis 9
WILLIS, ROY „Mythen der Welt“ (1998 Orbis Verlag, München), Seiten 176 f. und 198
5.1.2 Internetquellen
home.t-online.de/home/mkmd.feldmann/HTML_Ma/artussage.htm
www.artus.de/sage.asp
www.beepworld.de/members6/mystica/heiliger-gral.htm www.gutenberg.aol.de www.hausarbeiten.de www.intermundus.de/seiten/ritter.htm www.mythen-und-legenden.com/mythologie/keltische.html www.zdf.de/wissen/zdfexpedition/41801/index.html
10
5.2 Abkürzungsverzeichnis
Bd. Band d. Gr. der Große dt. deutsch ebd. ebenda f. folgende ff. fortfolgende geb. geboren hlg. heilig höf. höfisch i. d. R. in der Regel Jh. Jahrhundert lat. lateinisch n. Chr. nach Christus röm. römisch S. Seite sog. so genannt Tel. Telefon u. a. und andere; unter anderem v. a. vor allem vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
11
Arbeit zitieren:
Frank Sandig, 2001, Die Literatur des Mittelalters, München, GRIN Verlag GmbH
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