Substanzmissbrauch
von Nils Vervoort
Inhalt:
1. Fallbeispiel
2. Einleitung
3. DSM-IV-Kriterien für Substanzmissbrauch
und Substanzabhängigkeit
4. Dämpfende Substanzen
4.1. Alkohol
4.1.1. Die Funktionsweise von Alkohol
4.1.2. Körperliche Veränderungen durch den Alkohol
4.1.3. Alkoholspiegel und Promille
4.1.4. Alkoholabbau
4.1.5. Missbrauch und Abhängigkeit
4.1.6. Persönliche und soziale Folgen
4.1.7. Gesundheitliche Folgen
4.2. Beruhigungsmittel
4.2.1. Hypnotika
4.2.2. Barbiturate
4.2.3. Benzodiazepine
4.3. Opiate
4.3.1. Opium
4.3.2. Morphium
4.3.3. Heroin
4.3.4. Narkotika
4.4. Heroinmissbrauch und Heroinabhängigkeit
4.5. Gefahren von Heroin
5. Stimulanzien
5.1. Kokain
5.1.1. Die Funktionsweise von Kokain
5.1.2. Kokainmissbrauch und Abhängigkeit
5.1.3. Die Gefahren des Kokains
5.2. Amphetamine
5.3. Koffein
6. Halluzinogene
6.1. LSD (Lysergsäurediethylamid)
6.1.1. Die Funktionsweise von LSD
6.1.2. Die Gefahren von LDS
7. Cannabis
7.1. Die Funktionsweise von Cannabis
7.2. Cannabismissbrauch und Abhängigkeit
7.3. Die Gefahren von Cannabis
8. Substanzenkombination
8.1. Kreuztoleranz
8.2. Synergistischer Effekt
9. Erklärungen für Störungen
durch Substanzkonsum
9.1. Die soziokulturelle Ansicht
9.2. Die psychoanalytische Ansicht
9.3. Die verhaltenstherapeutische Ansicht
10. Die biologische Ansicht
10.1. Die genetische Prädisposition
10.2. Biochemische Faktoren
11. Behandlung der Störungen durch Substanzkonsum
11.1. Soziokulturell orientierte Therapieprogramme
11.1.1. Gemeindeprogramme und Prävention
11.1.2. Selbsthilfeprogramme
und therapeutische Gemeinschaften
12. Psychoanalyse
13. Verhaltens- und kognitive Verhaltenstherapien
13.1. Aversionstherapie
13.2. Alternativen
13.3. Kontingenztraining
13.4. Verhaltenstherapeutisches Selbstkontrolltraining
13.5. Rückfallpräventionstraining
14. Biologische Therapien
14.1. Entgiftung
14.2. Drogenantagonisten
14.3. Drogensubstitution
15.Literatur/Quellen
1. Fallbeispiel
( Die Geschichte eines Anonymen Alkoholikers)
"Ich bin Duncan und ich bin Alkoholiker.
… Ich hatte wahrscheinlich gerade meinen 15. Geburtstag, als ich das erste Mal Alkohol trank. Und wie jeder sagte … es war wie ein Wunder. Mit ein bisschen Bier in mir war die Welt wie verändert. Ich war kein Schwächling mehr, ich konnte gegen alle im Wohnblock aufkommen. Und Mädchen? Sie können sich vorstellen, dass ich mit zwei Bier in mir das Gefühl hatte, jedes Mädchen bekommen zu können, das ich wollte …
Obwohl mir jetzt klar ist, dass mein damaliges Trinken in der Schule und im College problematisch war, habe ich es zu dem Zeitpunkt nicht so gesehen. Immerhin hat jeder getrunken, sich betrunken und sich närrisch verhalten, und ich dachte nicht, dass das bei mir anders sei … Ich nehme an die Tatsache, dass ich keine Black - outs hatte und über Tage nichts trinken konnte, beruhigte mich - das Trinken war nicht außer Kontrolle. Dann aber trank ich mehr und öfter, und im dritten Jahr im College machte es mir sehr zu schaffen.
… Mein Zimmergenosse, ein Freund aus der Schule, fing an, mir wegen des Trinkens Vorwürfe zu machen. Es war nicht so, dass ich am Tag danach schlafen musste und den Unterricht versäumte, aber er hatte gehört, dass andere Freunde über mich Bemerkungen fallen ließen, was für einen Narren ich bei Partys abgab. Er sah, wie zittrig ich am nächsten Tag war und wie ich mich veränderte, wenn ich viel trank - ich war verrückt, wie er sagte. Auch konnte er die Flaschen zählen, die ich im Zimmer zurückließ, und er wusste, wie das Trinken meine Leistung beeinträchtigte … Teilweise weil ich meinen Zimmergenossen gern mochte und ihn nicht als Freund verlieren wollte, habe ich nur noch halb so viel oder weniger getrunken. Ich trank nur noch am Wochenende und dann nur am Abend … und so habe ich es durch den Rest des College und das Jurastudium geschafft…
Bald nach Beendigung des Jurastudiums heiratete ich meine erste Frau und … zum ersten Mal, seit ich mit dem Trinken angefangen habe, hatte ich kein Problem mehr damit. Ich trank wochenlang keinen Tropfen Alkohol …
Meine Ehe verschlechterte sich, nachdem unser zweiter Sohn, unser drittes Kind, geboren wurde. Ich war sehr karriere- und erfolgsorientiert und verbrachte wenig Zeit zu Hause mit meiner Familie.
… Meine Reisen nahmen stark zu und da gab es anregende Leute auf diesen Reisen und, um ehrlich zu sein, standen auch ziemlich aufregende Frauen zur Verfügung. Das zu Hause beschränkte sich auf eine nörgelnde, langweilige Ehefrau und Kinder, an denen ich kein Interesse hatte. Meine Trinkerei hatte sich auch wieder verschlimmert, weil ich ständig unterwegs war und, wenn ich nicht weg war, zu Mittag einladen musste beziehungsweise mich bei den Streitereien zu Hause betäuben wollte. Ich nehme an, ich trank bis zu drei ein halb Liter guten Scotch in der Woche, wenn es sich so ergab.
Und als das so weiterging, fing die Trinkerei an, meine Ehe und meine Karriere zu beeinträchtigen. Mit genügend Alkohol in mir und unter dem Druck der Schuldgefühle darüber, dass ich meine Verpflichtungen gegenüber meiner Frau und meinen Kindern vernachlässigte, wurde ich auch manchmal gewalttätig. Es kam vor, dass ich Gegenstände zerbrach, sie umherwarf, dann weglief und mit dem Auto losfuhr. Ich hatte ein paar Unfälle und verlor meinen Führerschein für zwei Jahre. Am schlimmsten war es, wenn ich versuchte aufzuhören. Zu dem Zeitpunkt war ich schon abhängig, sodass ich beim Aufhören den ganzen Horror des Entzugs erlebte … mit dem Erbrechen und dem Zittern und der Ruhelosigkeit. Und das ging tagelang so dahin …
Dann, etwa vor vier Jahren, als mein Leben zerstört war - meine Frau und meine Kinder hatten mich aufgegeben, ich hatte meine Arbeit verloren und war chancenlos -, fanden die Anonymen Alkoholiker und ich zueinander. Ich bin nun schon seit über zwei Jahren "trocken", und mit ein bisschen Glück und Unterstützung bleibe ich nüchtern …"
2. Einleitung
Eine Substanz ist im Grunde "etwas, das man einnehmen kann", also jegliche Art von Speisen und Getränken, aber auch Medikamente, Alkohol, Nikotin und dergleichen.
Als Droge bezeichnet man theoretisch jede Substanz, die kein Grundnahrungsmittel ist und unsere körperliche und psychischen Funktionen verändert.
Im Folgenden werden die beiden Begriffe allerdings austauschbar verwendet.
In letzter Zeit verwendet man wohl immer häufiger den Begriff Substanz, weil viele Menschen, wenn man von Drogen spricht an illegale Substanzen, wie Heroin oder Kokain denken und nicht an Drogen, wie Alkohol, Tabak und Koffein.
Der Missbrauch von Drogen kann zu verschiedenen Formen gestörten Erlebens und Verhaltens führen.
Zum einen können vorübergehende Veränderungen des Verhaltens, Empfindens oder Denkens auftreten. Ein Beispiel dafür ist die so genannte Intoxikation ("Vergiftung"), die bei Alkoholmissbrauch auftreten kann und ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen, Reizbarkeit, Koordinationsstörungen u. ä. hervorruft. Oder aber auch die Halluzinose, die man bei Drogen, wie LSD beobachten kann und die Wahrnehmungsverzerrungen und Halluzinationen mit sich bringt.
Außerdem können durch die regelmäßige Einnahme bestimmter Substanzen auch längerfristige fehlangepasste Verhaltensmuster und Veränderungen der körperlichen Reaktionen auftreten. Durch diesen regelmäßigen Gebrauch kann entweder ein Substanzmissbrauch entstehen, d. h. die Einnahme der Droge ist übermäßig und chronisch und nimmt einen zentralen Platz im Leben der Betroffenen ein. Zudem haben solche Menschen die Kontrolle über den Drogenkonsum verloren und gefährden häufig sowohl ihre familiären und sozialen Beziehungen, als auch ihren Arbeitsplatz, bringen möglicherweise sogar sich und andere in körperliche Gefahr.
Mit einer weiter fortgeschrittenen Störung durch Substanzkonsum hat man es bei der Substanzabhängigkeit zu tun, die man im Allgemeinen auch einfach als Sucht bezeichnet. Hierbei kommt dann auch noch die körperliche Abhängigkeit von der Droge hinzu.
Die Betroffenen entwickeln entweder eine so genannte Toleranz oder eben Entzugssymptome, wenn die Einnahme plötzlich unterbrochen oder die Dosis verringert wird. Es kann möglicherweise auch beides auftreten. Toleranz bedeutet, dass immer höhere Dosen der Droge benötigt werden, um die ursprüngliche Wirkung zu erzielen. Entzugssymptome sind u. a. Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe, Angstattacken, Schwitzen oder Übelkeit.
Um noch mal auf Duncan zurück zu kommen:
Er war Alkohol abhängig. Der Alkohol beeinträchtigte sein Familienleben, sein soziales Leben, sein Studium und später seinen Job. Er entwickelte zunächst eine Toleranz und erlebte dann, beim Versuch mit dem Trinken aufzuhören, Entzugssymptome, wie Erbrechen und Zittern.
Jetzt noch ein paar Zahlen:
[...]
Arbeit zitieren:
Nils Vervoort, 2003, Substanzmissbrauch, München, GRIN Verlag GmbH
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