(Israel Bernbaum)
Der Inhalt:
„...da erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: <
Israel Bernbaum ist Maler und stellt hier diejenigen seiner Werke vor, in denen er sich mit dem Thema Holocaust befasst hat. Er beschreibt seine Intentionen und Gedanken und die verwendeten Symbole. Zugleich schildert er den Alltag, sowohl den jüdischen als auch den nicht-jüdischen in der damaligen Zeit und gibt Hintergrundinformationen. Die in seinem Buch vorgestellten Bilder sind im einzelnen: „Gedenke“, „Straßen des Warschauer Ghettos 1943“, „Beiderseits der
Warschauer Ghettomauer“, „ Die jüdische Mutter im Ghetto“, „Jüdische Kinder in Ghettos und Vernichtungslagern“, „Der Aufstand im Warschauer Ghetto - Heroismus und Widerstand“ und „Ich bin meines Bruders Hüter“. Wie sich bereits an den Titeln der Bilder ablesen lässt, bezieht er sich in seinen Werken zumeist auf das Leben und Leiden und das Unrecht im und um das Warschauer Ghetto.
Er beschreibt mit seinen Bildern, als auch mit seinen Erklärungen eindringlich die Ungerechtigkeit der damaligen Welt. Er schildert das Leiden der jüdischen Bevölkerung im Ghetto, die Willkür und Rücksichtslosigkeit der Soldaten und veranschaulicht zugleich, wie normal und ungehemmt der Alltag für die nicht- jüdische Bevölkerung weiterging.
Überspitzt stellt er auf einem seiner Bilder („Beiderseits der Warschauer Ghettomauer“) dar, wie diesseits der Ghettomauer Häuser brennen, Menschen in den Tod springen und Soldaten mit ihren Waffen auf Juden zielen, während jenseits der Mauer sich heiter ein Karussell dreht, ein Clown spöttisch mit dem Finger auf das Geschehen zeigt und viele Menschen, gleich ob Pfarrer oder Kind dem Leiden teils erheitert, teils neugierig beiwohnen.
Zum Teil hat er die dargestellten Situationen nach Fotografien gemalt, welche deutsche Soldaten damals anfertigten. Er tat dies, um, wie er immer wieder schreibt, seine Gemälde der „historischen Wahrheit entsprechen“ zu lassen, um klar zu machen, dass die Motive in seinen Bildern nicht nur „Phantasieprodukte eines Malers sind“. Zum Teil ist das Gezeigte aber auch symbolischer Natur. Es soll „allgemein geschildert (werden), wie es gewesen ist“, das Leid und Grauen nur angerissen werden.
Die Fotos, welche er als Vorlage für seine Bilder verwendet hat, werden zum Teil ebenfalls in seinem Buch gezeigt und untermauern somit eindrücklich die Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit seiner Bilder. Der Widerspruch, die Gegenüberstellung von Leiden, Qual und Unmenschlichkeit auf der einen und Alltag, Wegsehen und bewusstem Hinsehen auf der anderen Seite zieht sich wie ein Roter Faden durch all seine Werke.
Immer w ieder beruft sich Israel Bernbaum auch darauf in seinen beschreibenden Texten. Er kann bis heute nicht fassen, wie grausam die Welt damals gewesen ist. Er schreibt: „Deutsche Soldaten schießen erbarmungslos. Ich habe die deutschen Soldaten gesichtslos gemalt. Natürlich hatten auch die deutschen Soldaten Menschengesichter, aber beim Malen sah ich sie nur ohne menschliche Züge“.
Und gleichzeitig bleibt nicht unerwähnt, dass nicht nur Deutsche große Anhänger der Rassentheorie Hitlers waren und den Juden jede Hilfe und menschliche Solidarität verweigerten, sondern zum Beispiel auch viele Polen sich damals mitschuldig machten, da sie lieber schwiegen oder zusahen,
denn sich laut gegen das Gebaren der deutschen Invasoren ihren jüdischen Mitbürgern gegenüber zur Wehr zu setzen.
Dies wird in Israel Bernbaums Bild „Beiderseits der Warschauer Ghettomauer“ unter anderem mittels des lächelnden Geistlichen symbolisiert. In seinen Erklärungen schreibt er dazu: „Er versinnbildlicht die Gleichgültigkeit der polnischen Kirche gegenüber der Tragödie (...).Sie (die katholische Kirche) hielt den Polen nicht vor, wie entsetzlich es sei, den Deutschen bei der Vernichtung der Juden zu helfen oder von jüdischem Leid zu profitieren. (...) Und dieses Schweigen bestärkte die Deutschen in ihrem Vorhaben, die Juden hinzumorden.“
Bernbaum erwähnt, das allgemein der Widerstand gegen die Nazis und die Solidarität mit den Juden in ganz Europa eher gering war, das viele, „auch viele Nichtdeutsche (...) gegen Hitlers Rasentheorie nichts einzuwenden (hatten), sofern sie sich gegen die Juden richtete“. Er erläutert auch, dass das Verhalten der nichtjüdischen Bevölkerung dem der Polen überall dort glich, wo die Deutschen ein Ghetto errichtet hatten. Überall wurde weggesehen oder bewusst hingesehen, aber nichts getan. Zum Teil aus Angst vor den Deutschen, zum Teil aus Gleichgültigkeit, zum Teil aber auch, weil man selbst persönlich Vorteile aus dieser Situation gewinnen konnte.
Genau aus diesem Verhalten, dem Wegsehen und Schweigen der Bevölkerung ergibt sich auch der Titel des Buches und der Bezug zum eingangs erwähnten Zitat aus der Genesis.
Diejenigen, welche zusahen oder wegsahen, ohne etwas zu tun, taten damit sehr wohl etwas und waren somit nicht ihres Bruders Hüter, obgleich sie jahrelang Seite an Seite friedlich miteinander gelebt hatten. Auch sie hatten Mitschuld.
Arbeit zitieren:
Nils Vervoort, 2002, Meines Bruders Hüter – Der Holocaust mit den Augen eines Malers gesehen, München, GRIN Verlag GmbH
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