digkeit einer starken Auswahl der beschriebenen Ereignisse und auch der ihnen zuzuordnenden Denkmäler einher. In dieser Verknappung auf das, nach Interpretation Schlies, Wesentliche, den Mut zur Auswahl und klaren Urteilen, liegt die Stärke des Buches. Schlie erzählt in lesbarer Sprache eine deutsche Nationalgeschichte und führt als Zeugen seiner Interpretation verschiedenste Denkmäler an: Von der Walhalla als Ausdruck der Sehnsucht nach dem Nationalstaat und als Symbol für den Rückbezug der Zeitgenossen auf germanische, aber auch antike griechische Ursprünge der deutschen Kultur vor 1871 zu den den Nationalstaat feiernden Denkmälern Wilhelms I. und die weit verbreiteten Bismarck-Türme des Kaiserreichs, spannt Schlie den Bogen der angeführten Denkmäler und ihrer Aussagen. Er zeigt die Bedeutung der in Form und Aussage ambivalenten und widersprüchlichen Denkmäler der Weimarer Republik, die in erster Linie dem Gedenken an die Gefallenen des ersten Weltkriegs gewidmet waren und bezieht auch die Staatsbauten Hitlers, die der Nachwelt den Größenwahn des NS-Regimes deutlich vor Augen führen, als Zeugen und Ausdruck der politischen Geschichte ein. Der sehr unterschiedliche Umgang der beiden deutschen Staaten nach 1945 mit der NS-Geschichte wird anhand der Parallelen und Differenzen vor allem in den entstandenen Gedenkstätten auf den Geländen der ehemaligen Konzentrationslager Dachau und Buchenwald gut nachvollziehbar.
In dieser Stärke liegt aber auch ein wesentlicher Nachteil der Darstellung Schlies: Die Gründe für die Auswahl der Denkmäler werden an keiner Stelle dargelegt. Auch eine Definition, was ein Nationaldenkmal eigentlich ist, geht über „Nationaldenkmal ist, was zu einem Nationaldenkmal gemacht worden ist“ (S. 14) bedauerlicherweise nicht hinaus. So verwundert es dann doch, dass neben Wartburg, Kyffhäuser und Neuer Wache zum einen Hitlers Pläne für die Welthauptstadt Germania, zum anderen aber auch ein der Öffentlichkeit nur begrenzt zugängliches Denkmal wie die Bronzebüste Ulrich von Hassells im neuen Auswärtigen Amt zu Nationaldenkmälern erklärt werden.
Schwerwiegender ist jedoch eine weitere definitorische Schwäche der Untersuchung: Schlie schreibt eine Nationalgeschichte, deren Berechti-
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gung er in der Einleitung ausführlich darlegt und begründet, ohne seine Begriffe von „Nation“ und „nationaler Identität“ zu erläutern. Damit bleiben die Nation und auch der aus ihr entstehende Nationalstaat unscharfe Gebilde, die in Schlies sprachlicher Darstellung deutlich personifiziert werden. Da zeichnet sich das Kaiserreich durch die „Züge des Parvenu“ aus: „Unsicherheit, Mangel an Stil, Prestigedenken, auch Auftrumpfen am falschen Ort“. Diese Eigenschaften begründet Schlie mit den „Belastungen, die mit seiner mühsamen Geburt verbunden waren“ und „es auf seinem Weg durch die Geschichte“ begleiteten (S. 39).
Befremdlich wirken die Urteile Schlies über einzelne Personen: seine Begeisterung für das „Genie Bismarck“ ist ebenso fragwürdig wie seine Platituden zu Hitler, dessen Beispiel „lehrt, dass der Mensch, der sich zum Gott erhebt, als Teufel enden wird“ (S. 126). Immerhin musste Hitler dafür eine „Höllenfahrt“ antreten.
Grundsätzlich lässt sich fragen, warum sich eine an den Denkmälern der Deutschen abgearbeitete politische Geschichte der Deutschen Nation eigentlich an der überkommenen Periodisierung durch Systemwechsel orientieren muss. Schlie zeigt in seiner Darstellung deutliche Kontinuitäten und Brüche in der Darstellung der Geschichte durch die Denkmäler auf, die die politischen Entwicklungen durchbrechen. So sind viele der für das Kaiserreich vorgestellten Denkmäler Projekte, die schon im Vormärz ihren Ausgang nahmen. Noch deutlicher wird dies in den Denkmälern der Weimarer Republik. Zum Teil versuchen diese, an vor-republikanische Traditionen anzuknüpfen, auf der anderen Seite verweisen einige von ihnen schon sehr klar auf die Formen und Inhalte der NS-Denkmäler. Ähnliches gilt für das Gedenken an die Kriegsgefallenen nach 1945, das in der Form der „Totenburg“ aus der NS-Zeit mit Anfängen schon in der Weimarer Republik (Tannenberg) bis in die 1950er Jahre fortbesteht. Hier wäre es interessant gewesen, nach Brüchen und Linien zu suchen, die sich aus den Denkmälern selbst ergeben, und sich so aus dem Korsett der politischen Geschichte zu befreien.
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Helene Heise, 2004, Rezension zu Ulrich Schlie: Die Nation erinnert sich - Die Denkmäler der Deutschen - München 2002, Munich, GRIN Publishing GmbH
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