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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Inhalt und Elemente des Films 3
3. Moral und Ethik als journalistische Verantwortung 4
4. Objektivität, Kritische Instanz und Öffentliche Meinung 6
5. Nachrichtenselektion 10
6. Berichterstattung als inszenierte Wirklichkeit 11
7. Folgerung und Reflexion der Untersuchung 13
8. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Der Charakter des Journalismus ist eine vielschichtige Problematik die
sowohl von Berufspraktikern als auch von
Kommunikationswissenschaftlern häufig d iskutiert wird. Diskussionspunkte
sind hierbei unter anderen Objektivität und Verantwortung in der
journalistischen Praxis.
In meiner Arbeit werde ich die Darstellung von Berichterstattung in
„Die Fälschung“ (1981) von Volker Schlöndorff analysieren, um Z wiespälte
im Arbeitsfeld des Journalismus aufzuzeigen. Anhand von
Sequenzbeispielen werde ich verschiedene Faktoren untersuchen, die zu
Problemen bei der journalistischen Arbeit führen und deshalb folgende
Frage aufwerfen: können Medien Realität widerspiegeln, oder stellen sie
lediglich eine inszenierte Wirklichkeit dar?
Zur Klärung dieser Fragestellung erläutere ich zuerst den Inhalt und
die wichtigen Elemente des Films, um dann die Rolle von Moral und
Verantwortung im Journalismus zu besprechen. Des weiteren werde ich der
Frage nach Objektivität, journalistischer Kompetenz und der Funktion von
Berichterstattung für die Öffentlichkeit nachgehen. Anschließend erkläre ich
einige Auswahlkriterien die bei der Nachrichtenselektion durch Journalisten
und Redakteure ausschlaggebend sind. Als abschließenden Punkt werde ich
mit Hilfe der Theorie des Konstruktivismus untersuchen, ob es sich bei der
Medienberichterstattung um eine Inszenierung der Realität handelt.
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2. Inhalt und Elemente des Films
„Die Fälschung“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nicolas Born. „Stern“- Reporter Kai Hermann gab das Vorbild für den Kriegsberichterstatter Georg Laschen ab, der während des Libanonkrieges in Beirut recherchiert. Die tägliche Konfrontation mit den Kriegswirren und die damit zusammenhängenden Probleme bei der Berichterstattung wirken sich auf Laschens persönliches Leben aus und lassen ihn in eine Identitätskrise verfallen.
Er steht im ständigen Konflikt mit seinen journalistischen Verpflichtungen, und auch die Beziehung zu seiner Frau Greta leidet unter seinen Problemen. In Beirut hat Laschen eine Geliebte, er beschließt sogar bei ihr zu bleiben, doch er wird von ihr enttäuscht und kehrt als psychisches Wrack nach Deutschland zurück.
Durch verschiedene Stilmittel werden Laschens Emotionen und Gedanken ausgedrückt. Eine der wichtigsten Besonderheiten des Films ist die Erzählstimme aus dem Off. In langen Monologen diskutiert Laschen die Probleme seiner Arbeit und versucht seine Erlebnisse zu verarbeiten. Man findet vermehrt konkrete Stellungnahmen sowohl zu journalistischer Arbeit als auch über Laschens persönliche Ansichten von Moral und Ethik im Zusammenhang mit Kriegberichterstattung. Aus diesem Grund sind die Monologe vor allem wichtig für die Untersuchung der Darstellung von Journalismus in „Die Fälschung“.
Rückblenden, beziehungsweise zeitgleiche Einblendungen, in denen Greta gezeigt wird, sind eine weitere stilistische Besonderheit. Außerdem formuliert Laschen mehrere Briefe an seine Frau, um sich über seine Gefühle zu ihr klar zu werden. Mittels der Rückblenden und Briefe wird dem Zuschauer nicht nur das Verhältnis zwischen Laschen und seiner Frau suggeriert, sondern auch seine sich vertiefende Krise. Da die Rückblenden oder Einblendungen an Stellen der Handlung eingesetzt werden wo Laschen sich meist mitten in den Kriegswirren befindet, oder ihm gerade die Erlebnisse in Beirut durch den Kopf gehen, wird deutlich daß seine Identitätskrise nicht alleine durch journalistische Konflikte hervorgerufen wird. Seine Beziehungsunfähigkeit und seine Krise liefern sozusagen die
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Rahmenstory für den Film, während das Hauptaugenmerk auf die Problematik der Berichterstattung gerichtet ist. In Beirut ist Laschens Umfeld durch Kriegsberichterstatter und den Krieg selber geprägt. Im Hotel wohnen keine ausländischen Zivilisten, sondern nur Journalisten und ihre Mitarbeiter. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Zeitungsreporter, doch auch ein Fernsehteam gehört zu den Bewohnern des Hotels. Von den Zeitungsleuten wird das Team nur spöttisch die „Videofreaks“ genannt. Generell ist zu sagen daß allen Medien eine natürliche Daseinsberechtigung gegeben wird, und die Kriegsparteien sich deren Anwesenheit zu Nutzen machen wollen, um ihren Kampf und vor allem die Gründe und Motivationen an die breite Öffentlichkeit bringen zu können. Die Journalisten stehen vor dem Problem, daß sie sich bei ihrer Berichterstattung an objektive Fakten halten sollen und ihre persönlichen Eindrücke und Emotionen weitestgehend außen vor lassen müssen. An Laschens Beispiel wird gezeigt daß dies meist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist.
3. Moral und Ethik als journalistische Verantwortung
Dadurch daß Laschen den verschiedensten Einflüssen von außen ausgesetzt ist, wie zum Beispiel den Straßenkämpfen und den Kriegsparteien, ist von ihm ein hohes Maß an Moral und Ethik gefordert. Sein moralisches Handeln wird im Film zum Beispiel der Arbeit seines Fotografen Hoffmann gegenübergestellt, der sich mit seiner Suche nach „guten“ Fotos am Rande des Sensationsjournalismus bewegt. Ein Diskussionsthema zwischen Laschen und Hoffmann ist, daß Laschen dem Fotografen vorwirft, er sei nur am Geldverdienen interessiert. Dies wird beispielsweise deutlich, als die beiden von Milizen aufgegriffen werden und in einen Scharfschützenstützpunkt gebracht werden (Sequenz 3) 1 . Als sie sich als westdeutsche Journalisten ausweisen, werden sie herzlich willkommen geheißen, und ihnen wird gesagt daß die Kämpfer nichts zu verbergen hätten- im Gegenteil, sie seien froh daß jemand über ihre
1 für alle Sequenzen und Filmzitate siehe Sequenzprotokoll, Anhang, S. 15
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Bemühungen berichtet, um der westlichen Welt klar zu machen wofür sie kämpfen. Wie auch alle anderen Kriegsparteien wollen die Kämpfer die Präsenz der Medien nutzen. Laschen ist ihnen gegenüber freundlich und läßt sich bereitwillig herumführen und die Lage vor Ort erklären. Schließlich will Hoffmann ein Bild von einem Heckenschützen machen; dieser jedoch will, daß sich der Fotograf einen Passanten aussucht, auf den der Schütze als nächstes schießen soll, damit ein gutes Foto für die Journalisten herausspringt. Hoffmann zögert, doch Laschen ist derjenige der letztendlich eingreift und sagt daß sie daran nicht interessiert seien. Auch im weiteren Verlauf des Film gibt es Sequenzen in denen Laschen derjenige ist, der die Grenze zwischen moralischen und unmoralischen Handeln zieht. Beispielsweise sind Hoffmann und Laschen anwesend, als während eines PLO-Rückschlages ein Mann und sein Sohn erschossen werden sollen. Laschen versucht noch, den Anführer von der Erschießung abzuhalten, doch er ist zu spät. Hoffmann kommt lediglich atemlos und stolz zu ihm gelaufen und sagt er habe „alles drauf“- die Menschenleben interessieren ihn nicht (Sequenz 8). In ABC des Journalismus 2 , einem Standardwerk zur
publizistischen Arbeit, wird Journalisten eine sogenannte „Individualethik“ zugesprochen. Diese weist die Verantwortung journalistischen Handelns dem einzelnen Journalisten zu und verlangt von ihm ein hohes Maß an Moral und Ethik.
Für moralische Entscheidungen gibt es keine „realen“ Grundlagen, sondern
nur subjektabhängige Kriterien und die Bedeutung, welche sie in sozialen
Kontexten haben. [...]Aufgabe einer Ethik [...] im Journalismus ist [...] die
ständige Reflexion über die Unterscheidungen, die dem individuellen
Handeln zugrundeliegen.“ (Weischenberg in WM,S.452)
Moralisches Handeln, auch oder gerade bei der Nachrichtenbeschaffung, ist eine wichtige journalistische Verpflichtung. Wenn bei der
Nachrichtenbeschaffung über Leichen gegangen wird, um möglichst viel Geld mit schockierenden Bildern zu machen, kann nur noch von Sensationsjournalismus die Rede sein, und dieser ist vor allem bei Kriegsberichterstattung fehl am Platze. Hierzu sei anzumerken daß viele journalistische Grundsätze lediglich Ideologie sind, dennoch ist es wünschenswert, daß sie in der Praxis angewandt werden- ob dies tatsächlich
2 Claudia Mast, ABC des Journalismus.Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. 7., völlig
neue Auflage, Ölschlägern. Konstanz: 1994, S.90
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Arbeit zitieren:
Nadine Klemens, 2001, Untersuchung journalistischer Zwiespälte in Schlöndorffs "Die Fälschung", München, GRIN Verlag GmbH
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