TU Dresden
Fakultät für Erziehungswissenschaften
Wintersemester 2000/01
Seminar: Gestalten von Unterricht
Körpersprache im Unterricht
-In Hinsicht auf Mißverständnisse-
Andreas Taut
6. Semester
Inhalt
1. Einleitung 4
2. Die Allpräsenz der Körpersprache 5
3. Komplexität der Körpersprache 6
3.1. Die Vielzahl der Kanäle körpersprachlichen Ausdrucksverhaltens 6
3.2. Unbewußtes Wahrnehmen und Senden von Körpersprache 8
4. Individualität der Körpersprache 9
4.1. Kulturell bedingte Unterschiede 10
4.2. Sozial bedingte Unterschiede 11
4.3. Unterschiede bedingt durch Charakter 11
5. Schlußbetrachtung 12
Literaturverzeichnis 14
3
1. Einleitung
In Voraussicht auf die Ausübung des Lehrerberufes versucht man sich als Lehramtsstudent oft vorzustellen, wie es sein wird vor einer Klasse zu stehen. Manchmal hat man geradezu panische Angst davor, ein andermal sieht man sich als heldenhafter Meister vor seinen Schülern. Um diese Vorstellungen von seiner baldigen Zukunft objektiver zu gestalten, hört man sich um; bei Kommilitonen, welche schon ihre Praktika absolviert haben, oder bei Verwandten oder Bekannten, die den Lehrerberuf ausüben. Oft erfährt man vom ”unwilligen” Schüler, welcher dem Lehrer den Beruf zur Qual werden läßt. Damit verbunden werden meist die alten Zeiten gelobt, in welchen die Schüler diszipliniert und auf ”Einsen” erpicht waren. Die heutigen Kinder seien frech, vorlaut und respektierten die Autorität des Lehrers nicht. Ob dem wirklich so ist, soll auf den folgenden Seiten nicht hinterfragt werden. Thema dieser Ausführungen sind Mißverständnisse, welche aus der Körpersprache von Schüler und Lehrer resultieren können.
Nun stellt sich folgerichtig die Frage, inwieweit sich die eben genannte Problematik dem Thema dieser Arbeit zuordnen läßt. Was beide gemeinsam haben ist die Kommunikation. Die Körpersprache ist ein Bestandteil der Kommunikation, und nur durch die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer ist der Lehrer in der Lage, sich ein Urteil über den Schüler zu bilden. Gesetzt den Fall, daß diese Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer auf Mißverständnissen beruht, würde sie ein falsches Bild vom Schüler vermitteln. Diese Logik veranschaulicht die Wichtigkeit des Wissens um Mißverständnisse innerhalb der Kommunikation. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, daß Mißverständnisse nicht selten sind. Es wäre unsinnig zu versuchen, einen Katalog von körpersprachlichen Mißverständnissen und deren Aufklärungen aufzustellen. Summiert man die im Gespräch selbst erlebten Mißverständnisse und multipliziert diese mit den Bedingungen unter denen sie noch auftreten hätten können, so stellt man schnell fest, daß deren Anzahl unerschöpflich ist. Versucht man aber, sich die Gründe für Mißverständnisse vor Augen zu führen, so wird man feststellen, daß diese sich einander oft ähneln und somit deren Zahl geringer sein kann. Dies impliziert zwar, daß es auch hierbei kaum möglich sein wird alle zu nennen, der Versuch aber, die wichtigsten darzustellen, eher von Erfolg gekrönt sein wird.
4
Wird sich nun der Lehrer bzw. Lehramtsstudent, dank dieser Seiten, mit den Gründen für Mißverständnisse innerhalb der Körpersprache auseinandergesetzt haben, so hat er vielleicht mehr Einsicht in das Verhalten seiner Schüler bzw. ihm ist ein wenig die Angst vor der Schule genommen.
2. Die „Allpräsenz“ der Körpersprache
Gegenüber der verbalen Sprache, dem Wort, kann sich die nonverbale Sprache ihrem Empfänger nicht verschließen. 1 Ist man gewillt, dem Gegenüber verbale Informationen zu enthalten, so schweigt man. Will man jedoch in der nonverbalen Sprache keine Informationen mitteilen , so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu verstecken. Denn selbst wenn man sich vollkommen ruhig verhält, teilt man dem Gegenüber, durch Schweigen und Körperhaltung, Empfindungen mit. Man kann versuchen, ihn zu ignorieren, indem man sein körpersprachliches Ausdrucksvermögen nicht auf ihn lenkt, dennoch vermittelt man ihm unweigerlich die Information: „Ich will nicht mit dir zu tun haben.“. Auch wenn man versucht sich mit der jeweiligen Person nicht in einem Raum aufzuhalten, so kann diese immer noch jenes Verhalten wahrnehmen und als feindlich interpretieren.
Der Kommunikationstheoretiker Watzlawick faßt diese Eigenart der Kommunikation, insbesondere der Körpersprache, in einem Satz zusammen: ”Man kann nicht nicht kommunizieren” 2 . Dabei geht er davon aus , daß es für einen Menschen unmöglich ist, sich nicht zu verhalten. Weiterhin setzt er voraus, daß jedes Verhalten einen Informationsgehalt besitzt, wenn sich dieser auch nur auf das Verhalten selbst bezieht. Um dem Verhalten den Charakter einer Kommunikation zu geben, benötigt man nur noch einen Empfänger, welcher den Sender wahrnimmt. Ob der Sender gewillt ist, dem Empfänger Informationen zu senden, ist demnach irrelevant. 3 Leicht nachzuvollziehen ist damit auch die Wahrscheinlichkeit von falschen Suggestionen seitens des Empfängers. Denn wie soll der Empfänger nun unterscheiden, ob die vom Sender empfangene Verhaltensweise mit Informationen besehen war, oder ob sie einer körperlichen Notwendigkeit folgte (z.B.: Kratzen aufgrund von Juckreiz vs. aufgrund von Verlegenheit,
1 Vgl. Kaiser. 1998. S35f.
2 Watzlawick, Beavin, Jackson. 1990. S. 56. Zitiert aus: Kaiser. 1998. S. 33.
5
Arbeit zitieren:
Andreas Taut, 2001, Körpersprache im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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