Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Offener Untericht 2
2. 1. Darstellung 2
2. 2. Gründe für die Anwendung 5
3. Leistungsbewertung in der Schule 7
3. 1. Übliche Leistungsbewertung 7
3. 2. Pädagogischer Leistungsbegriff 8
4. Leistungsbewertung im Offenen Unterricht 9
4. 1. Probleme der Leistungsbewertung 9
4. 2. Möglichkeiten der Leistungsbewertung 11
5. Fazit 14
6. Literaturverzeichnis 16
1. Einführung
Es ist offensichtlich, dass „keine Beurteilungsform unabhängig von dem ihr zugrunde liegenden Unterricht verändert und gestaltet werden kann. Demnach besteht ein unabweisbarer dynamischer Wechselbezug zwischen der Unterrichtsgestaltung und den Beurteilungsmöglichkeiten.“ 1
Diese Hausarbeit entstand für das Proseminar „Das Konzept der Handlungsorientierung des Offenen Unterrichts“. Dabei wird hier der Offene Unterricht auf die beiden Hauptformen „Freiarbeit“ und „Projektunterricht“ beschränkt. Ziel der Hausarbeit soll es sein, zu diskutieren wie man bei diesen beiden Unterrichtsformen Leistungen messen kann. Dabei sollen die Fragen aufgeworfen werden, ob die alltäglichen Leistungsmessungsarten in der Schule (mündliche /epochale Note, Test, Klassenarbeit) verwendbar sind, und wenn nicht, was für Alternativen Lehrern zur Verfügung stehen und inwieweit sich diese als praktikabel erweisen.
Zuallererst werden jedoch in dieser Hausarbeit „Projektarbeit“ und „Freiarbeit“ vorgestellt und verglichen, außerdem die Argumente, die für eine Verwendung von diesen Methoden sprechen, angeführt. Danach wird der pädagogische Leistungsbegriff (in Anlehnung an Eiko Jürgens Definition) dargelegt, um dann hinüberleitend über die übliche Form der Leistungsbewertung in (deutschen) Schulen zu Problemen der Leistungsbewertung undmessung zu kommen, die sich ergeben, wenn man regelmäßig Projekt- und Freiarbeit in seinen Unterricht einbaut. Abschließend werden die Lösungsansätze für diese Probleme erörtert, wie sie von Lehrern praktiziert werden, die sich häufig reformpädagogischer Ansätze bedienen. Am Schluss findet ein Fazit statt, bei dem aus der theoretischen Perspektive des Lehramtsstudenten und den nicht allzu weit zurückliegenden Erfahrungen eines Ex-Schülers diese Ansätze bewertet und eingeordnet werden sollen.
Um die Relevanz des Themas darzulegen, ist es wichtig etwas über das zweite Schlüsselwort des Titels der zugrundeliegenden Lehrveranstaltung zu wissen: der Handlungsorientierung des Unterrichts bzw. der dabei vermittelten Handlungskompetenz. Ein Schüler besitzt Handlungskompetenz, wenn er die Fähigkeit besitzt „so tätig zu werden, daß er eine Absicht/ein Ziel/einen Zweck unter Beachtung von Handlungsprinzipien/Normen/Regeln und mit Bezug auf konkrete, die jeweilige Handlungssituation bestimmende Bedingungen zu erreichen vermag“ 2 . Dabei soll der Schüler zu Selbsttätigkeit angeleitet werden, um so später
1 Jürgens, Eiko: Leistung und Beurteilung in der Schule, St. Augustin 1998, S. 127.
2 Meyer, Meinert A.: Handlungskompetenz, in: Lenzen, Dieter (Hrsg.): Enzyklopädie Erziehungswissenschaft,
Stuttgart 1995, band nachschauen, S. seite nachschauen.
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zur Selbstständigkeit im privaten als auch beruflichen Leben fähig zu sein. Deshalb tritt neben die Wissensvermittlung in der Schule die Kompetenzvermittlung. Drei Stufen stützen diese zweite Säule argumentativ ab: Erstens bereitet handlungsorientierter Unterricht Schüler besser auf die immer komplizierter werdende Praxis des beruflichen Alltags vor als theorielastige Stunden. Zweitens (wie später ausführlicher dargelegt) lernen Schüler besser durch tatsächliches Handeln als durch reines Denken und drittens ist es allgemein akzeptiert, Pädagogik in kommunikativer Form zu betreiben, wobei dieses dann durch die Handlung umgesetzt wird.
Der Vorteil von „Handlungskompetenz“ vor Begriffen wie z.B. Schlüsselqualifikation besteht in der breiter gefassten Grundlage, die diese mit sich bringt. Dabei geht die Hinwendung zur Lebensbewältigung, Lebensweltorientierung und Persönlichkeitsentwicklung mitein. 3 Die Fragestellung ist deshalb von so besonderer Bedeutung, weil es unerlässlich ist, einem handlungsorientierten Unterricht eine neuartige, handlungsorientierte Leistungsbewertung zur Seite zu stellen. Nur so machen reformpädagogische Ansätze Sinn, weil sich schließlich auch nur so Schüler ernstgenommen fühlen und dementsprechende Leistung bringen.
2. Offener Unterricht
2. 1. Darstellung
Das erste Problem, auf das man stößt, wenn man sich mit Offenem Unterricht auseinandersetzt, ergibt sich durch die simple Tatsache, dass es keine einheitliche wissenschaftlich fundierte Definition von Offenem Unterricht gibt. 4 Die Bandbreite der Methoden, Unterrichtsmodelle, -formen und -arten die sich unter dem Begriff „Offener Unterricht“ subsumieren lassen, ist breit gefächert. Um dabei nicht vollständig den Überblick zu verlieren, wird in der Literatur vorgeschlagen, anstelle einer Definition eine Rahmenkonzeption zu nehmen, die alle möglichen Spielarten aufnimmt und so die „Gesamtchoreografie“ des Offenen Unterrichts nicht zerstückelt. 5 Innerhalb dieser Gesamtchoreografie ist der Frontalunterricht nicht ausgeschlossen, denn der Begriff „Offener Unterricht“ soll zu keinem „isolierte[n] Reformelement“ verkommen, sondern als Teil eines Unterrichts- und Schulentwicklungsprozesses angesehen werden, der sich durch sorgsam ausgewählte Methodenvielfalt auszeichnet. „Frontalunterricht ist das ‚Schwarzbrot‘ der
3 Vgl. Bohl, Thorsten: Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht, Weinheim, Basel 2004, S. 20 - 24.
4 Vgl. Jürgens, Eiko: Offener Unterricht im Spiegel empirischer Forschung, in: Pädagogische Rundschau, 51,
1997, S. 677.
5 Vgl. Bohl: 2004, S. 14 - 17 und Bohl, Thorsten: Offenen Unterricht geschlossen beurteilen?, in: Pädagogische
Rundschau, 57, 2003, S.423 - 425.
2
Schule. - Die ‚Rosinenstücke‘ sollten hinzukommen, aber sie werden den Frontalunterricht nie vollständig ersetzen.“ 6
Der Offene Unterricht muss sich dennoch vom üblichen Frontalunterricht durch bestimmte Kriterien abgrenzen. Dabei haben offene Unterrichtsformen eine neue Zielsetzung, die von einem erweiterten Leistungsverständnis ausgehen. Es steht nicht die reine Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern, in der Tradition der reformpädagogischen Erziehung, zielt der Unterricht darauf ab, den Schülern sowohl Wissen als auch sozial-emotionale Kompetenzen näher zu bringen. Dieser erweitete Lernbegriff zeichnet sich durch vier Komponenten aus: Inhaltlich-Fachliches Lernen, Methodisch-Strategisches Lernen, Sozial-Kommunikatives Lernen und Affektives Lernen. Die verschiedenen Formen des Offenen Unterrichts lassen die Schüler diese Kompetenzen unterschiedlich stark erlernen. Es würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen, würde man alle Formen des Offenen Unterrichts hier aufzählen und bewerten, weshalb ich mich hier nur auf die zwei am weitest verbreiteten beschränken möchte: Die Freiarbeit und die Projektarbeit.
- Die Freiarbeit, also freies Arbeiten, steht für Lernen, das selbst organisiert ist. Historisch lassen sich hier die „Jena-Plan“-Schulen von Peter Petersen (1881-1952), die Idee des Wochenplans von Célestin Freinet (1896-1966) und Maria Montessoris (1870-1952) Leitsatz „Hilf’ mir, es selbst zu tun.“ anführen. Dabei kann man die Freiarbeit nicht rein durch die Art der Themenbehandlung definieren, sondern bestimmt sie am besten durch Faktoren, die das „Wie“ mit „Wo“, „Was“, „Womit“ und „Wer“ ergänzen. Nach Bastian lässt sich Freiarbeit mit folgenden vier Punkten systematisieren: 7
• Freiarbeit ist ein klar definierter, abgegrenzter Raum, der Schülern Gelegenheit
• Dazu müssen den Schülern vom Lehrer vorbereitete und ausgewählte Arbeitsmittel
• Meist geht dieses Arbeiten einher mit der Verwendung eines Stunden- oder
• Der wichtigste Punkt, der die Freiarbeit vom Frontalunterricht abhebt, besteht
6 Meyer, Hilbert: Plädoyer für die Wiederbelebung des Frontalunterrichts, in: ders.: Türklinkendidaktik, Berlin
2005, S. 101.
7 Bastian, Johannes: Freie Arbeit und Projektunterricht, in: Pädagogik, 10, 1993, S. 7.
3
- Im Allgemeinen führt man den Begriff der Projektarbeit auf den US-Amerikaner John Dewey (1859-1952) zurück. Projektarbeit zeichnet sich gegenüber der Freiarbeit durch die folgenden drei Aspekte aus:
• Im Gegensatz zur Freiarbeit steht hier am Anfang eines Projekts immer ein Plan,
• Die Arbeitsmaterialien sollen sich die Schüler im Projektunterricht zum Großteil
• Das so genannte Herzstück der Projektarbeit besteht in dem Rollenwechsel, den
Diesen beiden Form gemein ist, dass der Schüler vom passiven Wissensaufnehmer zum aktiven Wissenserwerber und -vermittler wird. „Lernen vollzieht sich nicht in der Übernahme von Gedanken, sondern in der selbsttätigen Differenzierung und Diversifizierung der je schon vorhandenen Erfahrungen, Gedanken, Fertigkeiten und Strukturen.“ 8 Dabei nimmt der Lernprozess eine gleichrangige Stufe neben der Zielerreichung ein und somit erhält Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit, also Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen (EVA), Vorrang vor Anpassung im Klassenverband.
In der Praxis unterscheiden sich die beiden Formen des Offenen Unterrichts in folgenden Punkten 9 : Freiarbeit ist stärker an Fächer gebunden und somit nicht völlig der Wahlfreiheit der Schüler überlassen. Es ist das Ziel, (kurzfristige) Lern- oder Wissensdefizite zu schließen, die man sich vorher durch selbstkritische Fehleranalyse klarmachte. Dabei werden lineare Pläne entwickelt, um selbstständig dem Problem Herr zu werden. Der einzelne Schüler ist hier Ausgangspunkt: Er soll sich mit einer Frage intensiv auseinandersetzen und sich erst bei
8 Van Dick, Lutz: Freie Arbeit, Offener Unterricht, Projektunterricht, Handelnder Unterricht, Praktisches Lernen.
Versuch einer Synopse, in: Pädagogik, 6, 1991, S. 32.
9 Vgl. Riegel, Enja: Freiheit braucht Training. Eine Schule integriert Freie Arbeit und Projektunterricht, in :
Pädagogik, 10, 1993, S. 17.
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Arbeit zitieren:
Daniel Heisig, 2004, Das Problem der Leistungsbewertung im Offenen Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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