Hohe und Niedere Minne im Vergleich
Inhaltsverzeichnis:
Gedicht aus der hohen Minne (A):
„Ich wirbe umb allez daz ein man“ 3
Gedicht aus der Niederen Minne (B):
„Unter den linden“ 4
1. Einleitung 5
2. Minnedichtung im Allgemeinen 5
3. Hohe Minne 5
3.1 Die Idealisierung der Frau 6
3.2 Die Begriffe „triuwe“ und „staete“ 7
3.3 Minne als Selbstzweck 7
4. Niedere Minne 8
4.1 Die Gleichberechtigung von Mann und Frau 9
4.2 Parodisierung des triuwe-Begriffs? 10
5. Fiktionalität
5.1 Das lyrische Ich 10
5.2 Die Gefühle 11
6. Ablehnung der Hohen Minne 12
6.1 Paradoxie 12
6.2 Künstlichkeit 12
7. Unvereinbarkeit von Hoher und Niederer Minne 13
Literaturverzeichnis S. 14
2
Hohe und Niedere Minne im Vergleich
Gedicht (A):
Ich wirbe umb allez daz ein man (von Reinmar von Hagenau) Ich wirbe umb allez daz ein man ze weretlîchen fröiden iemer haben sol. daz ist ein wîp der ich enkan nâch ir vil grôzen werdekeit gesprechen wol. lob ich si sô man ander frowen tuot, dazn nimet eht si von mir niht für guot. doch swer ich des, sist an der stat dâs ûz wîplîchen tugenden nie fuoz getrat. daz ist in mat.
Si ist mir liep, und dunket mich Daz ich ir volleclîche gar unmaere sî. Nu waz dar umbe? Daz lîd ich, und bin ir doch mit triuwen staeteclîchen bî. Waz obe ein wunder lîhte an mir geschiht, daz si mich eteswenne gerne siht? Sâ denne lâze ich âne haz, swer giht daz ime an fröiden sî gelungen baz: der habe im daz.
Und ist daz mirs mîn saelde gan Deich abe ir redendem munde ein küssen mac versteln, gît got deichz mit mir bringe dan, sô will ichz tougenlîche tragen und iemer heln. Und ist daz siz für grôze swaere hât Und vêhet mich dur mîne misstât, waz tuon ich danne, unsaelic man? Dâ heb i´z ûf und legez hin wider dâ ichz dâ nân, als ich wol kann.
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Hohe und Niedere Minne im Vergleich
Gedicht (B):
Unter den Linden (von Walther von der Vogelweide) Unter der Linden an der Heide da unser zweier Bette was möget ihr finden schöne beide gebrochen Blumen und das Gras. Vor dem Wald mit süßem Schall -tandaradeisang im Tal die Nachtigall.
Ich kam gegangen zu der Aue, da war mein Friedel kommen eh. Da ward ich empfangen, hehre Fraue! daß ich bin selig je und je. Küßt´ er mich? Wohl tausendstund -tandaradei-: seht, wie rot mir ist mein Mund.
Da hätt er gemachet unter Scherzen ein Bett von Blumen mannigfalt. Dessen wohl lachet noch von Herzen, wer jenes Pfads vorüberwallt. Bei den Rosen er wohl mag -tandaradeimerken, wo das Haupt mir lag.
Wie wir da lagen, wüßt´ es einer (behüte Gott!), so schämt´ ich mich. Weß wir da pflagen, keiner, keiner erfahre das als er und ich, und ein kleines Vögelein -tandaradeidas mag wohl verschwiegen sein.
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Hohe und Niedere Minne im Vergleich
1. Einleitung
Einen großen Raum in der mittelalterlichen Literatur nimmt die Minnelyrik ein. Die Minne wurde dabei zur Bezeichnung für das Liebesverhältnis zwischen Ritter und Dame. Natürlich konnten hierbei die Stände der Protagonisten sowie auch die Frage, ob es sich um eine erwiderte oder einseitige Liebe handelte, variieren, doch „[z]weifellos gehörte die
leidenschaftliche Liebe zu den dominanten Themen der mittelalterlichen Dichter“ 1 . Die Minne konnte beispielsweise dem Handeln eines Ritters einen Sinn geben, wenn er Waffentaten vollbrachte, um seiner Auserwählten seine Treue zu beweisen.
2. Minnedichtung im Allgemeinen
Der Minnesang spielte von der zweiten Hälfte des 12. Jh. bis ins späte Mittelalter eine Rolle; es handelte sich dabei in der Regel um höfische Dichtung oder sogenannte „Gesellschaftsdichtung“, die zu offiziellen Anlässen an den Fürstenhöfen von den
Minnesängern selbst vorgetragen wurde. 2
Die Minnelieder waren meist schon für bestimmte Anlässe konzipiert und deshalb wohl auch nicht für den mehrmaligen Vortrag vorgesehen. Man sollte sie als einen für die Vorstellung entworfenen Vortrag betrachten, der für die Werbung um eine bestimmte Dame gedacht war. Passten der Werbende und die Dame von der sozialen Stellung her zusammen, konnte die Minne auch zur Ehe führen, was aber nicht der Regel entsprach. Beim Minnesang stehen sich die Hohe und die Niedere Minne gegenüber, wobei der wichtigste Unterschied in der sozialen Stellung und dem Verhalten der Frau liegt, was jedoch im Folgenden noch näher erläutert werden soll.
3. Hohe Minne
Der „eigentliche“ Minnesang ist zeitlich etwa in den Jahren 1170 - 1190/1200 einzuordnen, wird im Allgemeinen als die zweite Phase in der Geschichte der Minne bezeichnet und folgt
1 Karnein, Alfred. S. 14, Z. 1,2
2 vgl. Schnaus, Peter. Linke Spalte 5
Arbeit zitieren:
Tatjana Titze, 2005, Hohe und Niedere Minne im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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