Institut für Politikwissenschaft 1. Einleitung
„Der Schlüssel zum Erfolg s ind nicht Informationen. Das sind Menschen“ 1 merkte ein ehemaliger Chrysler-Manager an. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog äußerte in diesem Kontext: „Die Schule der Zukunft muß die Qualität des Lernens in den Mittelpunkt stellen, und nicht die Quantität des Wissens.“ 2
Hier werden verschiedene Ansätze zum Umgang mit Informationen in unserer heutigen Zeit verdeutlicht. Einerseits wird die Information als eine Kategorie der Machtausübung angesehen, andererseits hingegen dient es nur als Mittel zum Zweck. Die Information, verarbeitet zum Wissen, wird als ein Medium zur Entfaltung der Schöpferkraft und Kreativität des Einzelnen sowie der Menschen interpretiert. Das Wissen, das irgendwo auf dieser Welt augenblicklich entsteht und sich ständig erweitert, kann jederzeit auch von fast jedem Ort abgerufen werden.
Diese Informationsfülle erfordert einen erhöhten Orientierungsbedarf für jeden Menschen. In der Literatur wird dieser Anspruch als Medienkompetenz 3 bezeichnet. Dieser Terminus umfasst dabei nicht nur die Technik im Umgang mit den Medien, sondern auch die kritische Betrachtung bzw. Auseinandersetzung bis hin zur aktiven Gestaltung. Die letzten beiden Aspekte dürfen keineswegs vernachlässigt werden, denn neben dem Informationsgehalt besitzen die Medien auch einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert im Prozess der Sozialisation. Die Medien können also auch eigenständig Impulse für Handlungen von Menschen initiieren.
Welche Bedeutung hat dies nun für die Betrachtung eines Themenfeldes im sozialkundlichen Unterricht? Wird hier stärker die Wissenskomponente oder das erzieherische Moment als Ansatzpunkt für die Gestaltung von Unterrichtssequenzen gewählt und betont?
1 Iacocca, Lee: Zitiert nach: Dokumentation Politisches Lernen mit PC und PZ. Workshop für Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen politischen Bildungsarbeit. Akademie für Politische Bildung Tutzing in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung Bonn 30. Juni bis 2. Juli 1998, Bonn 1998 S. 25
2 ebenda S. 3
3 Vgl.: Hüther, Jürgen / Schorb, Bernd / Brehm-Klotz, Christiane (Hrsg.): Grundbegriffe der Medienpädagogik. München 1997 S. 234 f.
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Das Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt setzt mit dem Paragraphen 1 „Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule“ hier bereits deutliche Rahmenbedingungen. 4
Davon abhängig sind natürlich auch die Entscheidungen über zu vermittelnde Inhalte, eingesetzte Methoden, mögliche Medien und die verfolgten Intentionen. Die vielfältigen Wechselbeziehungen, aber auch unterschiedlichen Akzentuierungen zwischen Inhalt und Methoden, setzen auch Vorüberlegungen zur Medienauswahl voraus. Sie bilden gemeinsam eine vorgedachte Unterrichtskonzeption, die sich sehr von anderen Vorüberlegungen unterscheiden kann. Die Möglichkeiten der Medien an sich werden dabei innerhalb des Unterrichtsprozesses häufig von inhaltlichen Aspekten überlagert. Mit dieser Arbeit sollen Ansätze der Unterrichtsplanung aus der medialen Sichtweise heraus am Beispiel der Kommunalwahlen vorgestellt werden.
Im derzeitigen Rahmenplan des Faches Sozialkunde an Gymnasien in Sachsen-Anhalt ist das Themenfeld Kommune der Klassenstufe 9 zugeordnet und enthält keinen adäquaten Verweis auf den Bereich Wahlen. Dieser ist als Themenbereich erst in der Klassenstufe 10 zu finden. 5 Welche Wahl inhaltlich in den Mittelpunkt gerückt wird, ist dabei jedoch freigestellt. Beide Themenfelder besitzen hinsichtlich ihrer Lernziele einen verbindlichen Charakter. Andererseits ist aber über den ebenfalls enthaltenen pädagogischen Freiraum durchaus auch die Möglichkeit der Erweiterung des Themenfeldes in der Klassenstufe 9 möglich.
In der Praxis dürfte dies angesichts einer Wochenstunde und den einzuplanenden Ausfällen durch Schulfahrten, Projekttage, Feiertage, Betriebspraktika, Exkursionen usw. kaum realisierbar sein. Der Orientierungsrahmen allein empfiehlt bereits 26 Stunden für vier Themenfelder aufzuwenden. 6 Um sich hier den pädagogischen Freiraum zu verschaffen, ist einmal eine Schwerpunktsetzung auch innerhalb der verbindlichen Lernziele unvermeidlich und andererseits eine radikale inhaltliche Entschlackung und die Hinwendung zum Exemplarischen vonnöten.
4 Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in der Fassung vom 27. August 1996. S. 9 f.
5 derselbe: Rahmenrichtlinien Gymnasium/Fachgymnasium Sozialkunde Magdeburg 1994 S. 18 sowie S. 21 f. Nachfolgend wird die Abkürzung RRL verwendet. Für das kommende Schuljahr 1999/2000 wird ab 01.08.1999 ein neuer Rahmenplan in Kraft gesetzt, dessen Inhalte für diese Arbeit noch nicht berücksichtigt wurden.
6 Ebenda S. 10
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Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sollten und müssten hier zwangsläufig diese Vorgehensweise legitimieren. In Sachsen-Anhalt wurde in der zurückliegenden Wahlperiode das Wahlalter für die Teilnahme an Kommunalwahlen auf 16 Jahre abgeändert. Dies bedeutet, dass bereits viele Schüler in der Klassenstufe 10 an die Wahlurne treten dürfen.
Für eine weitgefasste Analyse der Unterrichtsbedingungen hingegen bleibt dabei oft wenig Zeit. Der Fachlehrerwechsel, der 45 Minuten-Takt, eine Wochenstunde meist im Randbereich des Unterrichtstages angesiedelt, ein häufig fehlender Fachraum, Schulbücher, die nur im Klassensatz vorhanden sind, werden wie die Betrachtung der Lernsituation in der Klasse nur skizzenhaft, wenn überhaupt, vorgenommen. Ein Muster für die Vielfalt der Vorüberlegungen einer didaktischen Analyse befindet sich u.a. im Buch von Peter Köck. 7
Unter diesen Bedingungen wird innerhalb der Ziel - Inhalt - Methoden - Medienrelation der Betrachtungsansatz von den Medien ausgehend gewählt. Dies bedeutet von Beginn an auch die Begrenzung anderer Ziele und die Ausgrenzung anderer Inhalte. Die Umsetzung einer solchen Zielstellung erfordert in der Praxis auch mehrere Unterrichtsstunden. Hier wird dabei nur auf den Einstieg orientiert und es werden Möglichkeiten für die weitere Gestaltung aufgezeigt. Einige Varianten sind dabei bereits schon in der Praxis zur Anwendung gekommen.
Am Beispiel der Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt werden dabei verschiedene Zugänge zu einem ausgewählten Lernziel „Die Schülerinnen und Schüler können [...] Wahlen als eine wichtige Komponente der Teilnahme des Bürgers am gesellschaftlichen Leben aufzeigen.“ 8 aus der Sicht verschiedener Medien und Methoden vorgestellt, verglichen und zur Diskussion gestellt. Medien sind nicht nur ein zweckgebundenes Mittel zur Veranschaulichung und Umsetzung inhaltlicher Wissenszielsetzungen. Medien erfordern im Vorfeld des Unterrichtes Planungsentscheidungen des Lehrers, aber auch Überlegungen zur Entwicklung von Medienkompetenz, d.h. die Berücksichtigung erzieherischer Aspekte.
7 Köck, Peter: Praxis der Unterrichtsgestaltung und des Schullebens. Donauwörth 1995 2 S. 134 vergleichbar wäre aber auch das Schema auf der S. 112 zur Mikroplanung des Unterrichtes unter Beachtung der Planungsschritte auf der S. 170 zum handlungsorientierten Unterricht.
8 RRL a.a.O.: S. 21
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Unter dem Begriff Medien wird hierbei die Vielfalt der Kommunikationsmittel verstanden, dessen Bandbreite von gedruckten, geschriebenen bis hin zu audiovisuellen, elektronischen Medien reicht. Auf eine weitere Differenzierung wird dabei verzichtet.
2. Ein Exkurs zu Unterrichtsmethoden und der Auswahl von Medien
2.1. Unterrichtsmethoden im Überblick
Im Bereich der Methoden geht es nicht mehr darum, was aus welchen Gründen heraus ausgewählt wurde, sondern wie diese Inhalte aufbereitet und erarbeitet werden sollen. Einige Autoren ordnen methodische Entscheidungen dem didaktischen Bereich zu, andere hingegen sehen dies nicht so. Über die Spannbreite der Methoden an sich bestehen deshalb auch unterschiedliche Ansichten, 9 deshalb können an dieser Stelle auch nur skizzenhafte Einblicke in die Methoden gewährt werden.
Aus meiner Sicht heraus sind hier in Anlehnung an Meyer zwei wesentliche Komponenten zu beachten. Einerseits dürfte dem Methodenkreuz (Zeitachse und Handlungsschritte) eine besondere Bedeutung zugeordnet werden. Andererseits sind die dort aufgeführten fünf Dimensionen für alle Planungen eine bindende Überlegung wert. 10
Die Vielfalt der Methoden erstreckt sich dabei von Unterrichtskonzepten, Sozial- und Aktionsformen bis hin zu kleinschrittigen Überlegungen des Unterrichtsgespräches. Darauf wird aber an dieser Stelle nicht weiter eingegangen.
Für die Umsetzung dieses Lernzieles eignen sich vor allem handlungsorientierte Methoden der Unterrichtsgestaltung. Die nächsten Entscheidungen, die sich daraus ableiten lassen, sind schülerbezogene Sozial- und Aktionsformen in denen der Lehrer bewusst in den Hintergrund tritt. Der Frontalunterricht oder der Lehrervortrag sollten möglichst vermieden werden. Dabei kann das entdeckende Lernen durchaus eine geeignete Basis bieten. Die komplexe Vielfalt der Entwicklungs-möglichkeiten, die Projekte oder offener Unterricht anbieten, sind ebenfalls in die methodischen Überlegungen einzubringen.
9 Köck, Peter: a.a.O. S. 172 ff.
10 Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden II: Praxisband. Frankfurt/Main 1993 5 S. 97 f.
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2.2. Der Zusammenhang von Medien und Methoden bei der Unterrichtsplanung
Eine gleichrangige Bedeutung kommt in der Unterrichtsgestaltung der A uswahl der einzusetzenden Medien zu, die ebenfalls bereits im Vorfeld zu beachten und zu planen sind. Medien können dabei völlig unterschiedlich klassifiziert werden, worauf aber in dieser Arbeit verzichtet wird. Allgemein stellen Medien einmal ein Mittel auf dem Weg zur Umsetzung der gewählten Zielstellung dar.
„Dabei greifen unsere Überlegungen zu kurz, wenn wir sie lediglich in ihrer Dienstfunktion als Träger und Vermittler von Informationen sehen. Information ohne Medien - und deren informationsbeeinflussende Wirkung - ist nicht möglich. [...] Ein noch so perfekt geplanter Unterricht verfehlt letztendlich seinen Bildungszweck, wenn nicht der Schüler über die Medien verfügt, sondern die Medien über den Schüler verfügen.“ 11
Andererseits bedeutet dies, dass die Medien bereits die Wirklichkeit interpretieren und die Medien auch interpretiert werden. Die Medien sind nicht die reale Lebenswelt, sondern oft nur ein kleiner Ausschnitt. Die Deutung dieser Angebote ist einmal vom Kenntnisstand der Nutzer selbst abhängig, andererseits aber bereits im Vorfeld durch die Produzenten vorab getroffen worden. Bei der Auswahl von Medien sind deshalb auch die Vielfalt und die Offenheit der Interpretationen bei Schülern und Lehrern gleichermaßen, wie die Botschaften der Medien selbst zu berücksichtigen. In diesem Sinne können Medien einerseits eine motivierende, aber auch eine hemmende Wirkung beim Rezipienten auslösen. Die Kenntnis dieser Sachverhalte ermöglicht erst den kritischen Umgang mit Medien unterschiedlichster Art.
Neben dem Hauptziel zum Themenfeld Kommunalwahl ergeben sich fast folgerichtig weitere Feinziele, wie Methodenkompetenz, medienkritische Sichtweisen, Sozialkompetenz usw., die zwar nicht primär verfolgt, doch keineswegs außer Acht gelassen werden können. Darin eingebunden sind die Überlegungen zur Auswahl und zum Einsatz von Medien.
Einmal wirken Medien in mehrfacher Hinsicht auf den Lernprozess ein. Eine Kurzformel besagt dabei, je mehr Sinne angesprochen werden, desto intensiver können die Medien auch
11 Köck, Peter: a.a.O. S. 247
Arbeit zitieren:
Kurt Fuchs, 1999, Mediale Unterrichtsansätze zum Themenfeld Kommunalwahlen, München, GRIN Verlag GmbH
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