Georg Büchners politische Literatur:
- Das erste Werk Büchners (Der Hessische Landbote) ist ein rein politisch Motiviertes
- Das blutige Ende der Bauernaufstände in Hessen (1930) und Abscheu gegen die
Fürsten in Kleinstaaten-Deutschland sind die Motive für die Veröffentlichung
- Obwohl Büchner Atheist war, ist zu vermuten, dass die zahlreichen Bibelanklänge
nicht allein aus der Feder von Friedrich Ludwig Weidig zu stammen, sie scheinen
Strategie zu sein
- Es werden weitgehend leicht zu verstehende Bilder verwendet - ebenfalls teil der
Strategie
- In Dantons Tod greift Büchner zahlreiche Motive des Landboten wieder auf:
Lasterhaftigkeit contra Tugendhaftigkeit, Gewalt gegen politische Gegner, Ideale
„Freiheit und Gleichheit“
- Ein bedeutender Unterschied in der Grundhaltung ist, dass Büchner auch Unmäßigkeit
der Revolutionäre (sowohl Dantons Lasterhaftigkeit als auch Robespierres
Gewaltbereitschaft) missbilligt.
- Büchner kritisiert die Haltung der Revolutionäre gegenüber dem Begriff der
Revolution, die diese als etwas verstehen, dass wie ein Gegenstand behandelt werden
kann (Gutzkow: „Beamten eines Begriffs“) und nicht als etwas „Innerliches“
- Die Bildsprache wird subtiler (Beispiele: Eröffnungsszene und Guillotinen-Szene)
- Woyzeck thematisiert die Ausweglosigkeit der Armen im totalitären Regime
- Wie im Landboten verwendet Büchner sarkastische Wendungen, die in Woyzeck aber
noch bitterer Wirken (wie der Vorwurf der fehlenden Moral durch den Hauptmann)
- Wieder verwendet Büchner Bibelanklänge. Wie im Danton (Beispiel: Marions
Monolog, 1. Akt, Szene 5) wird aber Kritik deutlich: „Leiden sei mein Gottesdienst“
- Waren die Bibelstellen im Landboten noch teil der Agitations-Strategie, erscheinen sie
in Büchners Dramen als Vorwurf gegen die Kirche, die das Volk mit ihrer Lehre
gefügig macht und so den Herrschenden in die Hände spielt
- Die Oberschicht wird geradezu lächerlich dargestellt, bestes Beispiel ist das
hanebüchene Experiment, dass an Woyzeck durchgeführt wird
- Anhand des Experiments wird die Tragik deutlich: Woyzeck stirbt daran (die
Wahnvorstellungen treiben ihn zur Gewalt), weder der Arzt noch sonst jemand hat
einen Nutzen davon, sein Tod wirkt dadurch nicht nur sinnlos sondern auch lächerlich
Der Übergang vom fahrenden zum stehenden Theater in Deutschland
- Johan Christian Gottsched strengt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine
Veränderung der deutschen Theaterkultur an
- Anstelle der Wandertruppen-Kultur, die zur reinen Belustigung (von Volk und
Aristokratie) Stücke vortrugen, sollte die französische Theaterkultur kopiert werden.
- Zunächst noch geringe Anstrengungen, mehr feste Theater zu errichten, stattdessen
sollten die Wandertruppen ernsthafter spielen (Literarisches Theater)
- Gottsched wandelt die „Deutschübende poetische Gesellschaft“ in die "Deutsche
Gesellschaft in Leipzig", die sein Instrument zur Verbreitung seiner Theorien wurde
- Ziele: Abkehr von der Barocken Tradition, weg vom Stegreifspiel und der Burleske,
Verbannung des Hans Wurst von der Bühne, weg von „Wunderbarem“ hin zur
Naturdarstellung
- Gottsched sprach sich für die Ständeklausel aus: Tragödien sollten zur
Fürstenerziehung, Komödien zur Volkserziehung dienen
- Friederike Caroline Neuber trat zunächst an Gottscheds Seite und spielte mit ihrem
Ensemble Stücke nach der Gottschedschen Lehre, später kam es zum Bruch, weil ihr
die Regeln Gottscheds zu pedantisch und praxisfern schienen. Die „Neuberin“ war
Vorbild für Madame de Retti in Wilhelm Meisters theatralische Sendung
- Gotthold Ephraim Lessing stellte sich mit seiner Hamburgischen Dramaturgie gegen
Gottsched
- Ziele: Weg von den Franzosen, hin zu Shakespeare, weg vom strikten
Alexandrinervers, weg mit der Ständeklausel, Neuverständnis der Lehren des
Aristoteles: keine standardisierten Gesten, sondern echte Gefühle, Mitleid als zentraler
Anreiz der Stücke: „Die Fähigkeit der Tragödie ist diese: sie soll unsere Fähigkeit,
Mitleid zu fühlen, erweitern.“
- Aber: Auch Gottsched betonte die Bedeutsamkeit, dass sein Cato „Mitleiden seiner
Zuschauer erwecket“.
- Im Zuge der Nationaltheaterbewegung, die eng mit Gottscheds und Lessings Lehren
verknüpft war, entstehen die ersten stehenden Theater mit festen Ensembles
- Erstes Nationaltheater in Hamburg unter Lessings Führung. Weimar, Mannheim,
Berlin folgen
- Im Zuge dieser Entwicklung wandelte sich der Ruf der Schauspieler, die zuvor mit
Tagelöhnern und Gauklern auf einer Stufe standen, hin zu angesehenen Bürgern
Arbeit zitieren:
Guido Scholl, 2005, Eich, Büchner und die stehenden Theater, München, GRIN Verlag GmbH
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