Im Absatz selbst sag Ovid, dass es keine befest igten Kriegsburgen („fossae praecipites oppida cingebant“), keine Kriegshörner („non tuba directi, non aeris cornua flexi“) oder jegliche andere Kriegsgegenstände („non galeae, non ensis“) gibt. Er sag, dass die Menschen ohne Verwendung des Krieges („sine militis usu“) eine sanfte Friedenszeit („mollia otia“) durchlebten. Dieser Abschnitt wird also geprägt von der Unnütze des Krieges im „Goldenen Zeitalter“ und bekräftigt noch mal den ersten Teil des Gedichtes, denn es sind keine Richter nötig, wenn alle fr iedlich leben.
Damit Ovid seine Behauptung aus dem zweiten Teil noch mal verbal unterstreichen kann, schildert er nun von 101 bis 106 die Situation, wie die Menschen hier überleben. Denn ohne Handel und ohne dass man die Erde verletzen oder bearbeiten muss gab sie von sich aus alles zum überleben nötige (vgl. 102f.). Die Menschen sind glücklich („contenti“) mit den Speisen, die niemand erzwang („nullo cogente“) und sammeln ihre Nahrung („arbuteos fetus“, „montana fraga“, „corna“, „mora“, „glades“). Zu dieser paradiesischen Zeit muss nämlich nichts erarbeitet oder angebaut werden, denn die Welt in der sie leben sorgt von sich aus wie eine Mutter für ihre Kinder.
Die Schilderung all dieser Zustände rundet Ovid in seinem letzten Teil des Gedichts (108 - 112) durch eine allgemeine Landschaftsbeschreibung bzw. Zusammenfassung durch die Extreme. Zuerst beschreibt er die Umgebung und das Klima. Es herrscht ein ewiger Frühling („ver aeternum“) und sanfte Winde wehen umher (vgl. 108f.). Ovid beschreibt des Weiteren, dass die Erde von selbst Getreide vorzeigen kann („fruges tellus inatara ferebat“) und dass sie das Land ist, wo Milch und Honig fließt (vgl. 111f.). Durch diesen Abschnitt will Ovid vermutlich die paradiesischen Zustände im „Goldenen Zeitalter“ noch mal bekräftigen, indem er die äußerste Übertreibung, das sog. Schlaraffenland beschreibt.
Diese Ordnung in Weltalter gibt es in vielen Kulturen. Auch in der Bibel gibt es eine vergleichbare Geschichte über das Paradies, welches unser christlicher Gott selbst erschaffen hat. Doch im Prinzip ist sie immer gleich und beschreibt das perfekte Land, der eine im Hexameter, der andere im biblischen Schreibstil. Und so ist das „Goldene Zeitalter“ nur eine andere Fassung unserer Bibelgeschichte!
André Roßbach, 10C
Arbeit zitieren:
André Roßbach, 2005, Gedichtinterpretation zu Ovids "Das Goldene Zeitalter", München, GRIN Verlag GmbH
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