Beruf und den Führungskräften gegenüber. Die heutige Führungskompetenz kann
inhaltlich durch vier Schwerpunkte erläutert werden. Fachkompetenz mein
fachliche Fähigkeiten wie beispielsweise manuelle Geschicklichkeit, aber auch
solides Ingenieurwissen. Methodische Kompetenz beinhaltet Problemlösungs
fähigkeiten und Arbeitstechniken. Methodenkompetenz heißt auch Lernen zu
lernen Die soziale Kompetenz ist geprägt durch das kooperative Verhalten der
Mitarbeiter und der Führungskräfte zueinander. Ethische Kompetenz berücksichtigt
ökonomische, soziale und ökologische Bedürfnisse der Menschen. Die
Wirtschaftswissenschaften waren in den letzten Jahrzehnten vor allem durch
mathematische Verfahren und Methoden geprägt. Diese Situation hat sich geändert
Zunehmende Bedeutung kommt heute der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern
und unserer Umwelt zu. Die Ethik hat in der neuen Ausrichtung der
Prozeßorientierung wirtschaftlicher Abläufe als Teil einer Prozeßkette größere
Chancen zur Wirksamkeit
Hartmut Kreikebaum - Professor für Industriebetriebslehre an der Uni
Frankfurt und Auf-sichtsratmitglied der Adam Opel AG - untersucht, welchen
Beitrag eine Umweltethik liefern kann. Um das Spannungsverhältnis zwischen
Ökologie und Ökonomie zu versöhnen. Den Ausgangs-punkt bilden einige offenen
Probleme im Bereich des Umweltschutzes, sowohl in den Industrie- als auch in den
Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Umweltethik soll dabei die
Wechselwirkung zwischen Unternehmen, Politik, Gesellschaft und Natur unter dem
Gesichtspunkt der ökologischen Bedingungen des Wirtschaftens analysieren und
gleichzeitig normative Wertvorstellungen zum sinnvollen Einsatz der natürlichen
Ressourcen und zur Vermeidung bzw. Verminderung von Umweltbelastungen
entwickeln. Kreikebaum plädiert für einen pragmatischen Ansatz, der die
gleichberechtigte Verfolgung ökonomischer und ethischer Ziele beinhaltet und auf
dem Prinzip der Verantwortlichkeit für die Umwelt beruht. Darauf aufbauend
werden von ihm praktische Bedingungen für die Umsetzung einer Umweltethik im
Unternehmen aufgezeigt. Beispielhaft können die Implementierung umweltethischer
Leitlinien in Ethikkodizes und die Motivation der Mitarbeiter zu einem
umweltethischen Arbeitsverhalten genannt werden
Michael Wörz - Selbstständiger Unternehmensberater und Referent für
Technik und Wirt-schaftsethik an der Fachhochschule des Landes Baden Württemberg
stellt Wirtschaftsethik als Beratung vor Dieses zur Zeit viel diskutierte
Beschäftigungs- und Berufsfeld für Philosophen - man denke etwa an den
Frankfurter Jesuitenpater Rupert Ley oder den Essener Philosophieprofessor
Vittorio Hösle - erfreut sich auch in Wirtschaftsunternehmen zunehmender
Beliebtheit. Wirtschaftsethik als ethische Unternehmensberatung zielt auf die
Verringerung der Handlungsunsicherheit der Wirtschaftsakteure. Das Problem der
Unsicherheit der Entscheidung des Unternehmers kann nicht alleine durch die
Experten verschiedener Fachabteilungen reduziert werden, da diese Vorschläge
oftmals miteinander nicht vergleichbar sind, sondern bedarf der Klärung sowohl
der Handlungs- als auch der Orientierungsalternativen. Zunächst muß die Lösung
der Orientierungsalternativen, die als Lösung des Problems zweiter Ordnung
angesehen wird, von einem geschulten Philosophen strukturiert und begleitet
werden, bevor die Lösung erster Ordnung, nämlich die tatsächlichen
Handlungsalternativen angegangen werden kann. Diese philosophische Beratung
arbeitet nach einem Drei-Stufen Modell. Auf der ersten Stufe sollen die
verdeckten Orientierungen entschlüsselt werden, um dem Unternehmer die Bewertung
der verschiedenen Fachberaterperspektiven in bezug auf seine eigene
Lebensvorstellung zu ermöglichen. Bei der zweiten Stufe geht es um die
Vermittlung von verschiedenen Lebensinteressen einerseits mit den
Funktionserfordernissen des Unternehmers andererseits. Als dritte Stufe folgt
die dialogische Ethik , die nicht auf den Abbau von Spannungen zielt, wie etwa
die diskursive Ethik nach Jürgen Habermas, sondern aus den Differenzen der
Meinungen und Vorschläge eventuell neue und geeignete Optionen herausfiltert
Diese philosophische Beratung wird von Wörz am Beispiel der Planung eines
Großprojektes, der Baumaßnahme eines Staudamms verdeutlicht
Entgegen diesem postmodernen Trend, hin zu zielgruppenspezifischer
ethischer Vielfalt, bestehen die Karlsruher Philosophen Hans Lenk und Matthias
Maring altmodisch-aufklärerisch auf einer einzigen Ethik, die für die
gesamte Gesellschaft zu gelten habe. Angesichts der offensichtlich vorhandenen
ethischen Defizite unseres derzeitigen Wirtschaftens ist für beide die ethische Reflexion über aktuelle technische und sozioökonomische Entwicklungen dringend geboten. Eine Ethik, die die dies leisten will, darf jedoch, ihrer Auffassung nach, nicht moralisieren, sondern muß praxisorientiert, dialogisch und kooperativ sein. Sowohl für die Ethik als auch für die Ökonomie ist für sie eine integrierte Betrachtungsweise notwendig. So hat sich eine Wirtschaftsethik den Fragen: "Was sollen wir tun?" und "Was dürfen wir tun?" zu stellen, und zwar ganz konkret und auf bestimmte ökonomische Probleme und Entscheidungen bezogen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß es eine Sondermoral für die Ökonomie und die in diesem Bereich Tätigen gibt. Prüffeld für ethische Überlegungen und
Überzeugungen muß immer das spezifische Handeln der Wirtschaftsakteure sein. Davon strikt zu trennen ist eine Wirtschafts- und Unternehmensethik, die lediglich der Verfolgung partikulärer Interessen - wie etwa der Imagepflegedient.
Wie unzeitgemäße Fremdkörper wirken dagegen die aus der christlichen Sozialethik schöpfenden Beiträge. Friedhelm Hengsbach, der Leiter des
renomierten Oswald von Nell-Breuning Instituts für Wirtschafts-und
Gesellschaftsethik, spricht weder von Umweltethik im Unternehmen, noch von Identitätsfindung für Manager, sondern davon, wie sehr Gerechtigkeit in der Marktwirtschaft ein dynamischer Prozeß ist, ein "konflikthaftes Spiel", das an wechselnden Orten unter wechselnden Machtverhältnissen stattfindet. Noch konkreter wird diese Skepsis gegenüber der Wirtschaftsethik, wenn
sich der Jesuitenpater Johannes Müller und der evangelische Pfarrer Torsten Meireis mit der globalen Schuldenkrise bzw. der Möglichkeit sinnerfüllter menschlicher Arbeit auseinandersetzen. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in unserem Land hat zu einem tiefen Riß in der Gesellschaft geführt, durch den immer mehr Menschen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand ausgeschlossen werden und dadurch unter Armut zu leiden haben. Eine Lösung für diese in den allermeisten Industriegesellschaften schwerwiegendste
wirtschaftliche und soziale Misere sehen viele Fachleute in der Einforderung eines Rechts auf Erwerbsarbeit.
Torsten Mareis - tätig in der Industrie- und Sozialarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau - verweist in seinem Beitrag auf die Probleme dieses Vorschlages und legt dar, daß dieser Ansatz angesichts der gegenwärtigen Situation nicht mehr ausreicht, solange in einem "klassischen Verständnis" vom "Recht auf Arbeit" die Möglichkeit der Existenzsicherung allein an die Erwerbsarbeit gebunden ist. Als möglicher Schlüssel zur Lösung wird eine Ausweitung des Arbeitsbegriffes vorgeschlagen. Arbeit wird nicht mehr nur auf Erwerbsarbeit beschränkt, sondern schließt alle Tätigkeiten mit ein, die für die Existenz der Gesellschaft und ihrer Mitglieder von Nutzen sind. Diese auf die jüdisch-christliche Tradition zurückgehende Arbeitsverständnis drückt aus, daß Arbeit nicht vorrangig Mühsal oder notwendiges Übel sein soll, sondern vor allem zu einem erfüllten Leben beitragen kann. Als materielle Grundlage für eine solche Neuorientierung des Arbeitsbegriffes und deren Umsetzung werden verschiedene Formen einer bedarfsorientierten Grundsicherung erörtert, die eine menschenwürdige gesellschaftliche Teilhabe auch durch andere Tätigkeiten als bezahlbare Arbeit erlaubt.
Johannes Müller - von 1968-1981 in der praktischen Entwicklungsarbeit in Indonesien und seit 1984 Professor für Sozialwissenschaften und
Entwicklungspolitik in München - gibt einen umfassenden Überblick über Ursachen und Folgen der Verschuldung. Neben finanztechnischen Aspekten, die dazu geführt haben, daß seit 1984 von den meisten Entwicklungsländern de facto ein Nettokapitaltransfer in die Industrieländer stattfand, spielen vor allem politische Gründe eine Rolle. Zu unterscheiden sind dabei "interne" Ursachen in den Entwicklungsländern selbst, wie eine verfehlte Wirtschafts-und
Finanzpolitik, unrentable Prestigeobjekte und Korruption der Staatseliten, sowie globale "externe" Ursachen, die auf das von den Industrieländern dominierte Weltwirtschafts- und Weltfinanzsystem zurückzuführen sind. Das seit 1982 existierende internationale Krisenmanagement unter Federführung des IWF zur
Lösung des Schuldenproblems hat zwar die reale Gefahr eines Zusammenbruchs des internationalen Finanzsystems abwenden können, die damit verbundenen Maßnahmen haben jedoch weitreichende soziale und ökologische Auswirkungen und verhindern
eine nachhaltige Eigenentwicklung der betroffenen Länder. Daran wird deutlich, wie sehr die internationale Schuldenkrise nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem auch ein ethisches Problem darstellt. Geprägt durch ihre seelsorgerische Tätigkeit in der Dritten Welt bzw. der evangelischen Industrie- und Sozialarbeit wissen Müller und Mareis offenbar zur Genüge, wieviel von der angepriesenen Wirtschaftsethik übrigbleibt, wenn asymmetrische Machtkonstellationen herrschen, die Ökonomie sich nicht mehr zu legitimieren braucht und die be- und getroffenen Menschen ihr Selbstbewußtsein verloren haben.
- - - - - - - - - -Lenk, Hans u.a. (1996): Ethik in der Wirtschaft. Chancen verantwortlichen Handelns. Stuttgart,
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Walter Grode, 1997, Ethik in der Wirtschaft , München, GRIN Verlag GmbH
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