2. Methodik
2.1 Lernvoraussetzungen
Das Barrenturnen ist gekennzeichnet durch Fertigkeiten aus ,,Schwung, Flug und Statik". Gemäß Wertungsbestimmungen im internationalen Wettkampfturnen „sollen die Schwungteile vorherrschen".
Seitdem der früher obligate Kraft- oder Halteteil nicht mehr als Bestandteil einer vollwertigen Barrenübung gefordert wird, hat sich eine weitere Verlagerung des Barrenturnens zum Schwunggerät ergeben.
Die meisten Fertigkeiten sind daher Schwungteile, die entweder mit einem Schwingen im Langhang, im Kipphang, im Oberarmhang oder im Stütz verbunden sind. Alle Arten des Schwingens - besonders aber das Schwingen im Stütz und im Oberarmhang - setzen voraus, dass der Turner über eine ausreichende Stützkraft verfügt.
2.1.1.konditionelle und koordinative Vorraussetzungen
Die Stützfähigkeit ist abhängig von der Armmuskulatur und der Beschaffenheit bzw. Ausbildung des Schultergürtels. Übungen zur Verbesserung oder Überprüfung der Stützfähigkeit stehen deshalb am Anfang des Barrenturnens. Der technisch richtig ausgeführte Schwung ist Voraussetzung für das Erlernen der nachfolgenden Grundfertigkeiten und der Schwierigkeitsteile im Hochleistungs-Turnen. Besonders das Schwingen im Stütz sollte deshalb mit der seiner Bedeutung zukommenden Intensität geübt werden.
Vorübungen:
- Aus dem Außenseitstand: Springen in den Stütz vorlings auf einem Holm.
- Springen in den Querstütz in der Holmengasse.
- Stützeln durch die Holmengasse. (Barren: brusthoch)
- Stützhüpfen durch die Holmengasse.
- Stützein durch die schräggestellte Holmengasse. (Hohes Ende des Barrens soll nicht höher als brusthoch sein.)
- Stützhüpfen durch die schräggestellte Holmengasse.
- Barren (brusthoch) mit vorgestelltem Reutherbrett oder Kastenoberteil:
Aus dem Anlauf, einbeiniger Absprung vom Brett oder Kasten, Vorschwingen der Beine zum Sitz auf einem Holm, Niedersprung.
- Wie zuvor: Aus einbeinigem Absprung mit Schwungbeineinsatz, Überschwingen eines Holmen, zunächst mit gebeugten, später mit gestreckten Beinen in die Schrittstellung. (Laufkehre)
2.1.2.technische Lernvoraussetzungen
Schwingen im Oberarmhang:
Das Schwingen zum Stemmaufschwung soll weniger durch Krafteinsatz als durch die eigene Körperschwere bestimmt werden. Der Abschwung wird allmählich durch starkes Ziehen aufwärts in den Stütz und darüber hinaus in den Handstand übertragen. Bei der Vollendung des Aufschwunges muß beachtet werden, dass zuerst das Gesäß möglichst hoch gebracht wird, damit durch das spätere Nachschwingen der Beine der Körper mit einer energievollen Streckung in den Stütz oder Handstand gelangen kann. Die Bewegung darf nicht nach hinten, sondern muss nach oben führen. Um die Beugung und Streckung in den Hüften besonders zu schulen, sind folgende Vorübungen zu empfehlen (hier am Beispiel des Rückschwingens): Beim Rückschwingen werden die Beine so zur Grätsche genommen, das man auf den Holmen sitzt, und zwar mit den Oberschenkeln dicht an den Händen. Die Übung steigern wir, indem diesmal die Füße auf den Holmen nahe bei den Händen aufgesetzt werden. man merkt, dass diese Übungen mir gelingen, wenn man das Gesäß beim Stemmschwung besonders hoch nimmt.
2.2. Lernschritte / Methodische Reihe
Stemmaufschwung vorwärts
1. Schwingen im Oberarmhang, Stemmaufschwung vorwärts mit Partnerhilfe in den Grätschsitz
2. Stemmaufschwung in der Barrenmitte mit schräggestellten Holmen (abwärts). Nach mehrmaligem Schwingen im Oberarmhang Aufstemmen beim Vorschwung in den Stütz.
3. Stemmaufschwung vorwärts am Barrenende mit Bewegungsunterstützung.
4. Stirnhoher Barren mit vorgestelltem Reutherbrett: Anlauf und Absprung vom Reutherbrett zum Oberarmhang in der Barrenmitte. Die Beine werden im Vorschwung auf die Holme aufgegrätscht zum Liegehang rücklings
5. Wie oben, jedoch mit Nachdrücken der Arme zum Grätschsitz vor den Händen
6. Zielübung in der Barrenmitte.
Stemmaufschwung rückwärts
1. Oberarmhangschwingen in der Barrenmitte. Im Rückschwung durch Druck mit den Armen die Schultern kurz anheben und zum Vorschwung wieder auf die Oberarme ablegen. Oberarmschwingen am Barrenanfang mit Blick in die Holmengasse. Stemmaufschwung rückwärts mit Bewegungsunterstützung.
Hinweis zur Hilfestellung: 2 Helfer stehen seitlich hinter dem Übenden auf Kästen und führen ihn durch Heben der Beine in den Stütz.
2. Stemmaufschwung in der Barrenmitte mit schräggestellten Holmen (abwärts). Nach mehrmaligem Schwingen im Oberarmhang Aufstemmen beim Rückschwung in den Stütz.
3. Kopfhoher Barren mit vorgestelltem Reutherbrett: Aus kurzem Anlauf beidbeiniger Absprung zum Oberarmhang in der Barrenmitte, Vorschwung und hoher Rückschwung mit Schnepperschlag zum Niedersprung in der Holmengasse.
4. Wie zuvor, jedoch im Rückschwung die Arme zur völligen Streckung bringen und dann Niederspringen in die Holmengasse.
5. Zielübung in der Barrenmitte.
3. Hilfestellung der Zielübung
Zwei Helfer stehen seitlich auf kleinen Kästen (je nach Höhe der Holme) am Ende des Barrens und schieben den Übenden an Gesäß und Oberschenkel (Vorschwung) oder Becken und Oberschenkel (Rückschwung) in den Stütz. Wird die Übung in der Barrenmitte ausgeführt erfolgt die Hilfeleistung durch eine kurze Schubhilfe unter dem Holm hindurch am Oberschenkel.
4. Beispiele für Bewegungsverbindungen
• Stemmaufschwung vorwärts, Rücksenken auf die Oberarme, Stemmaufschwung rückwärts, Aufschwingen in den Oberarmstand
• Innenquerstand mit Ellgriff, Felgüberschlag in den Oberarmhang, Schwungstemme vorwärts, Rückschwung in den Handstand, Senken zur Stützkehre vorwärts in den Stütz, Unterschwung, Schwungstemme rückwärts, Übergrätschen durch den Beugestütz, Rückschwung zum Handstand, Oberdrehen in den Seithandstand, Ab- grätschen über beide Arme.
6.Literaturangaben
Gerhard Nolte: Gerätturnen - Handbuch der Grundfertigkeiten, Limpert Verlag, 1980, S.176ff.
Autorenkollektiv unter Leitung von Prof. Dr. G. Borrmann: Gerätturnen, Sportverlag Berlin, 1972, S.40ff.
Autorenkollektiv der Sektion Sportwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle: Gerätübungen, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1979, S.189ff.
Arbeit zitieren:
Michael Westerberg, 2001, Stemm-Aufschwung - "Barren", München, GRIN Verlag GmbH
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