Inhalt
Vorwort 2
Einleitung
Comics - Geschichte, Definition und Bedeutung 4
Bibel im Comic - Geschichte und Sinn 8
Die vier Evangelien - Eine Zusammenfassung 9
„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie
Vierzig Tage in der Wüste 11
Verurteilung und Kreuzigung 15
Auferstehung 24
Fazit 31
Darstellung in anderen Werken
„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht
Verurteilung und Kreuzigung 32
Auferstehung ? 35
Fazit 36
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt von Jesus von Nazareth’
Vierzig Tage in der Wüste 37
Verurteilung und Kreuzigung 39
Auferstehung 47
Fazit 50
Schlusswort 52
Anmerkungen 54
Literaturverzeichnis 58
Abbildungsverzeichnis 59
Eigenst ändigkeitserklärung 61
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Vo or rw wo or rt t V
„Unzählige Bücher gibt es schon über Jesus.“ 1 So beginnt Peter Antes sein Werk über den Mann, der, als Jesus von Nazareth geboren, als Messias gepriesen und als Jesus Christus, König der Juden, getötet, in die Geschichte einging und weiterhin durch sein Handeln und seine Botschaft die weltweit am meisten verbreitete Glaubensrichtung, das Christentum, einläutete.
Peter Antes hat zweifelsohne insofern Recht, als man diese Beiträge vor allem in theologischer und historischer Fachliteratur suchen muss.
Selten zeigt sich ein fachübergreifendes Werk, abgesehen von religiösen Gemälden, religiösen
Sowohl die positiven als auch die negativen Eigenschaften eines jeden Comics werden im jeweiligen Fazit genauer behandelt.
Zur ungewöhnlichen Länge der Arbeit ist zu sagen, dass diese vor allem durch die Charakteristik jeden Comics zu begründen ist.
So muss, um die Frage nach der Darstellung Jesu Christi im jeweiligen Comic zu beantworten, auch der Comic an sich bewertet werden, was bei besonders niedriger bzw. besonders hoher Qualität zu einer längeren Analyse führen kann und in diesem Fall auch muss.
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Einleitung Comics - Definition, Geschichte und Bedeutung
Co om mi ic cs s - - D De ef fi in ni it ti io on n, , G Ge es sc ch hi ic ch ht te e u un nd d B Be ed de eu ut tu un ng g C
De ef fi in ni it ti io on n D
Trotz dem ihm unterstellten Infantilismus und angeblicher Simplizität zeichnet sich das Medium Comic vor allem durch einige Charakteristiken aus, die der Leser unweigerlich mit dieser sog. „Neunten Kunst“ 4 in Verbindung bringt.
Eine der drei bekanntesten Dispositionen des Comics ist zweifelsohne die des Panels (engl. Tafel), das den Comic-Strip in verschiedene Parts einer Sequenz unterteilt. Alleine durch seine Form ist das Panel in der Lage die Erzählung einer Geschichte in sich zu beeinflussen. So kann ein ungewöhnlich geformtes Panel durch extreme Höhe oder Breite einen Panelinhalt fokussieren oder die Periode des Geschehens verlängern. 5 Genauso ist das Panel fähig, Stimmungen oder Atmosphäre einer Szene zu vermitteln. 6 Mithilfe dieser sich dem Leser einprägenden Auffälligkeiten im Panel, versucht der Zeichner, den Inhalt des Panels dem Leser auch während der nachfolgenden im Hinterkopf zu festigen. 7 Viel bedeutender hingegen ist der Raum zwischen zwei Panels, der sog. „Rinnstein“, der, gemeinsam mit den durch ihn verbundenen Panels, von der menschlichen Phantasie zu einem Gedanken zusammengefasst wird. 8 Dieser Vorgang wird als Induktion bezeichnet. Scott McCloud schreibt dazu:
„Comic-Panels zerlegen Zeit und Raum zu einem abgehackten, stakkatohaften Rhythmus getrennter Augenblicke. Aber die Induktion ermöglicht es uns, diese Augenblicke zu verbinden und gedanklich eine in sich zusammenhängende, geschlossene Wirklichkeit zu konstruieren.“ 9
Die Fähigkeit, einzelne Elemente zu einem Gedanken zusammenzufassen, bringt McCloud dazu, die Induktion als Grammatik der jungen Sprache Comic zu definieren. 10
Allerdings ist die Induktion auf Grund ihrer Techniken teilweise recht anspruchsvoll gestaltet, so dass sowohl erhebliche Raum- als auch Zeitsprünge die Konstruktion des Gedankens verkomplizieren. 11
Da keine Sprache ohne Vokabular auskommt, wird dieses durch Symbole definiert, was bedeutet, dass dem Comic jede Kunstform, vom Naturalismus bis hin zur Abstraktion, offen steht. Es ist dies sowohl eine Herausforderung an den Leser zu arbeiten, als auch die Einladung zur Identifikation mit dem Comic. Dabei gilt allerdings, dass die Identifikation, also die Anteilnahme an der Erzählung, mit jedem Schritt von der naturalistischen zur abstrakten Form wahrscheinlicher wird, was sowohl für die verwendete Sprache als auch für verwendete Bilder gilt. Allerdings ist der Schluss falsch, von der Simplizität des Stils auf die Qualität der Story zu schließen 12 , wie „Maus“ von Art Spiegelman beweist, in dem jüdische Mäuse ihre Verfolgung zur Zeit des Dritten Reiches zu verarbeiten versuchen.
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Einleitung Comics - Definition, Geschichte und Bedeutung
Ein weiteres Attribut des Comics ist die Sprechblase. So ist sie sogar primäres Attribut, was sich vor allem an der umgangssprachlichen Bezeichnung „Sprechblasenliteratur“ 13 , als Synonym für den Comic, erkennen lässt.
Doch ist die Sprechblase viel mehr als eine grobe Umrandung für die verbalen Äußerungen einer Comic-Figur: Sie ist vielmehr ein weiteres Symbol, um Emotionen, zeitlichen Verlauf und sogar Lautstärke
zu symbolisieren. So wird „frostige“ Sprache durch Eiszapfen, Geschrei durch eine dicke Umrisslinie und Denken durch eine Wolke anstelle einer Blase verdeutlicht. 14
Zeitlicher Verlauf zeigt sich in eingerückten Sprechblasen, die in die Sprechblase des Vorredners eingerückt, und erwirkt somit den Eindruck einer zeitlichen Dialogabfolge. Trotz all dieser Wesensmerkmale behält die Sprechblase ihre ursprünglichen Charakteristiken bei, wozu auch der Zapfen gehört, der nicht nur einen, sondern, durch mehrere Zapfen auch mehrere Sprecher einer Sprechblase zuweisen kann. 15
Doch auch der Realität ferne Stilmittel des Comics sind in der Lage das eigentliche Standbild im Panel zu „beleben“:
Onomatopöien, sog. „Soundwords“ oder abfällig „Peng-Sprache“ 16 , versuchen, „das -Geräusch im lautmalenden Wort wie in seiner grafischen Darbietung (besonders farbliche Kennzeichnung, Größe, Buchstabenform etc.) zu visualisieren“ 17 , was auch wieder Zeit-und Lautstärkenwahrnehmung beeinflussen kann.
- Ebensowahrnehmungsverändernd wirken sog. Speed Lines oder Action Lines, zunächst „der verzweifelte Versuch, die Bahnen sich bewegender Objekte im Raum darzustellen.“ 18 Im Laufe der Zeit wurden sie allerdings immer ausgefeilter, bis sie schließlich „fast ein Eigenleben und eine körperliche Präsenz bekamen.“ 19
Betrachtet man alle Kriterien, so wird man feststellen, dass Comics weder Malerei noch Literatur sind, sondern vielmehr eine ganz eigene Sprache 20 , eine Sprache, die das definiert, was Comics eigentlich sind: „Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen.“ 21
Ge es sc ch hi ic ch ht te e G
Ebenso vielfältig wie die Charakteristik des Comics ist die Antwort auf die Frage seines Ursprungs. Zwar wird als offizieller Geburtstag des Comics der 16. Februar 1896 genannt, als die Bilderserie „Yellow Kid“ des amerikanischen Zeichners R.F. Outcault erstmals erschien. 22 Allerdings wurde der erste Comic-Strip bereits am 6. Juli 1890, zunächst bestehend aus zwei Panels, veröffentlicht, bis schließlich am 28. Januar 1894 sogar ein Comic-Strip mit 12 Panels auf einer ganzen Zeitungsseite zu lesen war. 23
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Einleitung Comics - Definition, Geschichte und Bedeutung
Doch trotz aller Genauigkeit in der Erfassung der Erscheinungsdaten beschreibt dies lediglich die „Durchsetzung bei einem Massenpublikum, [als dass der] Beginn der Comic-Form als Erzählkunst“ 24 dargelegt wird.
Daher mag der von Knigge angesprochene „Beginn der Comic-Form als Erzählkunst“, auf Grund der scheinbaren Jugend des Comics einfach zu ermitteln erscheinen. Trotzdem ist dies so gut wie unmöglich.
Einzelne Charakteristiken 25 des Comics wurden bereits vor Jahrhunderten, gar Jahrtausenden verwandt:
Schon in der Antike wurden „Redezuweisungen im Bild […] auf griechischen Tonvasen“ 26 , sequentielle Bildfolge bei ägyptischen Gemälden 27 und die erzählende Symbolik im Faltbuch über den Herrscher „Jaguarkralle“ aus dem Jahre 1049 28 etc. benutzt.
Eine der berühmtesten Bildergeschichten, der „Teppich von Bayeux“, zeigt auf einer Fläche von 70 Metern Länge und 50cm Höhe den
chronologischen Verlauf der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 und kann somit fast als Produkt des Comics als Erzählform gesehen werden. 29 Im Laufe der Jahrhunderte näherte sich die Abstraktion der Sprache immer mehr einem fast umgangssprachlichen Stil an, während die Bilddarstellung immer mehr in Richtung Abstraktion rückte und sich diese Kunstformen somit immer mehr annäherten. 30
Karikaturen aus der Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelten sich indes immer mehr zu dem, was wir heute als Comic-Strip bezeichnen, da sie von der Abstraktion und Symbolisierung von Charakterzügen durch äußere Merkmale getragen werden, so dass die Entwicklung von eben diesen, über den oben genannten „Yellow Kid“ bis hin zum heutigen, vielschichtigen und modernen Comic nicht mehr weit war.
Be ed de eu ut tu un ng g B
Die Bedeutung des Comics als ernstzunehmendes Mediums sollte eigentlich außer Frage stehen, allerdings drängen einige Faktoren das Medium immer öfter in eine Ecke, deren negative Eigenschaften von infantil bis pervers reichen.
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Einleitung Comics - Definition, Geschichte und Bedeutung
Eine Rolle spielt dabei zweifelsohne das „Lesealter als Formfaktor“ 31 . So wird sowohl das Leseverhalten als auch der Anspruch der Konsumenten generalisiert, was bedeutet, dass dem 18jährigen Leser unterstellt wird, genau so zu denken wie ein Sechsjähriger 32 - selbstverständlich nur im Bereich Comics.
Allerdings lässt sich dieser Vorwurf ebenso wenig auf Comics wie auf „normale“ Literatur anwenden, da eine Homogenisierung nicht nur unpassend, sondern teilweise auch gefährlich ist. Der Vorwurf der Perversion, der gerade gegen sog. Underground-Comics gehegt wird, sollte als ebenso sinnlos abgeschafft werden, da diese, entgegen der sich kommerzialisierenden „Comic- Allgemeinheit“, demsog. Mainstream, streben und ihre qualitativ hochwertigen Produkte mit moralischen und sozial- bzw. politkritischen Inhalten spicken. 33 So auch Matt Groening, der Erfinder der Serie „Die Simpsons“, dessen sozialkritische
den „normalen“, als auch den Weg der sog. Bizarre Comics 35 , so wie es bei Steve Ditko, dem ehemaligen Zeichners der Erfolgsreihe Spiderman, der Fall war. 36
Somit wäre klar, dass die Bedeutung des Comics vor allem darin liegt, dass er, insofern er als eigenständiges Medium anerkannt und von seiner Vielschichtigkeit getragen wird, sowohl unterhalten und aufklären, als auch erschüttern, provozieren und zum Nachdenken anregen kann.
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Einleitung Bibel im Comic - Geschichte und Sinn
Bi ib be el l i im m C Co om mi ic c - - G Ge es sc ch hi ic ch ht te e u un nd d S Si in nn n B
Ge es sc ch hi ic ch ht te e G
In der langjährigen Comictradition der USA fand auch die Religion ihren Platz, so dass bereits in den Anfängen der vierziger Jahre eine Reihe veröffentlicht wurde, die unter dem Namen „Picture Stories from the Bible“ eine Auflage von 5 Millionen erreichen konnte 37 ; „herausgegeben von […] M.C. Gaines [,][…] dessen Sohn William schließlich die E.C. Comics mit Gruselstories füllte […].“ 38 Im gleichen Jahr erschien eine Kurzreihe in drei Bänden mit dem Titel „Life of Christ Visualized“. 39 Auch die Fünfziger blieben von kurzen, nicht weitergeführten Bibelexperimenten nicht verschont: So erschienen die „Illustrierten Klassiker“ im Jahre 1955 erstmals auch in Deutschland, während die USA, in Form des wohl bekanntesten Comic-Verlages, Marvel Comics, in den siebziger Jahren mit einer einzigen Ausgabe einer DIN A3 Reihe glänzten. 40
Die wohl erfolgreichste Bibel-Comic-Reihe ist die „Bibel im Bild“, die auch Thema dieser Arbeit ist: Die in den frühen Sechzigern erschienene Reihe, die nun auch Teile des neuen Testaments beinhaltete, wurde sogar durch Zitate des Titularerzbischofes von Newport, F.J. Sheen, beworben. 41
Die 1976 erschienene deutsche Fassung wurde zunächst nur auf das alte Testament beschränkt, da Jesus und seine Jünger zu kitschig dargestellt seien 42 ; was aber mittlerweile aufgehoben wurde, so dass das neue Testament für Deutschland freigegeben wurde.
Si in nn n S
Der Titularerzbischof von Newport warb mit den Worten:
„Die Bilderbibel für alle Altersstufen ist eine hervorragende Einführung für jene, die die Bibel nicht kennen, und eine hervorragende Zusammenfassung für jene, die sie kennen.“ 43 Das Hauptaugenmerk ist hierbei auf den Mittelteil zu legen: ‚für jene, die die Bibel nicht kennen’. Hiermit wird das gesagt, was womöglich auch Intention der Auftraggeber war: Die Verbreitung des Bibelinhalts auf einfachem, aber attraktivem Wege, mit dem Ziel, vor allem Jugendliche und Kinder für die Geschichten der Bibel zu begeistern, um somit eine neue Generation für das Christentum zu gewinnen.
Auf die Lektüre der „Original-Bibel“ konnte das Christentum nicht hoffen, da „[…] die Bibel als meistverkauftes Buch nicht auch das meistgelesene ist […].“ 44
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Einleitung Die vier Evangelien - Eine Zusammenfassung
Di ie e v vi ie er r E Ev va an ng ge el li ie en n - - E Ei in ne e Z Zu us sa am mm me en nf fa as ss su un ng g D
„Wichtigste Quelle, um etwas über Jesu Leben und Lehre zu erfahren, ist das Neue Testament.“ 45 Genau aus diesem Grunde beginnt das Neue Testament mit den vier Evangelien, da diese kanonischen, d.h. zur Bibel gehörige, Quellen „eine Art Biographie Jesu“ 46 darstellen. Allerdings wäre es falsch, diese Quellen als Vorlage eines einheitlichen Jesus-Bildes zu betrachten, da innerhalb des Neuen Testaments große Unterschiede zwischen den Quellen bestehen. 47 Ein weiteres Problem bei der Betrachtung der Evangelien stellt sich dadurch, dass sie kaum relevant für den historischen Jesus von Nazareth sind 48 , da sie von Beginn an „in der Absicht verfaßt wurden, Jesus als den Gekreuzigten und von Gott von den Toten erweckten darzustellen.“ 49 Peter Antes schreibt hierzu:
„So gesehen, sind die kanonischen Evangelien keine Verlaufsprotokolle bezüglich der historischen Ereignisse im Leben Jesu, sondern beschreiben sein Leben von dessen Beginn bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung von den Toten im Sinne eines Deutungsversuches des Geschehenen im Lichte des Osterglaubens.“ 50 Trotz allem sind die Evangelien als kanonische Quellen insofern von Bedeutung, als sie, insbesondere im Vergleich untereinander, Aufschluss über den chronologischen Verlauf der Ereignisse und ihre Einbettung in die Thematik liefern. 51 Die vier Evangelien lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
- DieEvangelisten Markus, Matthäus und Lukas werden als Synoptiker bezeichnet, da sie „ein einheitliches Grundschema als Gliederungsprinzip verwenden“ 52 , was sie somit vergleichbar macht. 53
- DerEvangelist Johannes schließt sein Evangelium aus den synoptischen Evangelien dadurch aus, dass er sich auf andere Quellen als die Synoptiker zu berufen scheint. Gerade dies wird dadurch interessant, dass sich das Johannesevangelium, als jüngstes Evangelium, auf die Synoptiker hätte berufen können, dies aber nicht tat, sondern vielmehr Ereignisse veränderte, verschwieg oder ihren chronologischen Verlauf abänderte. 54 Johannes Bezug auf die Synoptiker hätte insofern Berechtigung gehabt, als diese auch untereinander aufeinander Bezug nahmen: So dient das Evangelium nach Markus als Quelle für Lukas und Matthäus, die sich zusätzlich noch auf eine unbekannte Quelle Q bezogen haben müssen, deren Verwendung im Johannesevangelium ebenfalls noch nicht geklärt ist. 55
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Einleitung Die vier Evangelien - Eine Zusammenfassung
Alles in allem ist zu sagen, dass sich die Verkündigungen im Neuen Testament auf einige Hauptaugenmerke konzentrieren. Peter Antes dazu:
„Die Evangelien verkündigen Jesus als den Gekreuzigten und Auferstandenen, als Erfüllung der jüdischen Erwartungen […], als Mann, der Macht hat, Wunder zu bewirken, und als Messias leiden mußte […], als barmherzigen Retter […], Messias […] und Herr […], als Fleisch gewordenen […] ‚lógos’, der Kunde bringt vom Vater im Himmel […].“ 56
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Vierzig Tage in der Wüste
„B Bi ib be el l i im m B Bi il ld d“ “ - - E Ei in n g ge es sc ch he ei it te er rt te er r V Ve er rs su uc ch h d de er r E Ev va an ng ge el li ie en nh ha ar rm mo on ni ie e „
Vo or rb be em me er rk ku un ng g V
Bei der Reihe „Bibel im Bild“ handelt es sich um eine zunächst in den USA erschienene Reihe, die auf Grund ihrer kitschigen Darstellungen der Jünger und Jesu in Deutschland zunächst nur als Altes Testament auf dem Markt erschienen ist. 57
Die Reihe stellt verschiedene ausgewählte Perikopen, d.h. Abschnitte der Bibel, vor, deren Ursprung, d.h. deren Evangelienbezug, zu Beginn angegeben wird, wobei sich die in dieser Arbeit verwendeten Perikopen den Bänden zwölf und dreizehn entnehmen lassen.
Vi ie er rz zi ig g T Ta ag ge e i in n d de er r W Wü üs st te e V
Die „Bibel im Bild“ beschränkt sich in der Darstellung dieser Perikope auf vier Panels, die jeweils durch kleinere Textbeiträge ergänzt werden. Angegeben ist der Bezug auf Lukas 3,1-4,4 58 Nach der vorangegangenen Taufe Jesu durch Johannes den Täufer wird die Handlung im ersten Panel durch folgende Sätze eingeleitet:
„Jesus geht allein in die Wüste. Nach vierzig Tagen hat er Hunger. Auf einmal hört er die Stimme des Teufels, der ihn verleiten will, seine Macht für sich zu gebrauchen.“ 59
Passend dazu ist ein Mann zu sehen, der auf orangebraunem Fels schreitet, den lilafarbenen Himmel im Hintergrund (Abbildung 6). Noch divergieren Panel und Text nicht, was sich allerdings durch die Darstellung Jesu in der
Totalen
60
erklären lässt, da hier weder Gesichtszüge noch andere charakteristische Merkmale Jesu deutlich werden.
Allerdings lassen sich bereits jetzt Mängel in der schriftlichen Übernahme der Bibelstellen erkennen:
Wie bereits oben angegeben, wird das Erscheinen des Teufels auf einen Zeitpunkt „[…]nach vierzig Tagen[…]“ angegeben, obwohl nach Lukas die Erprobung durch den Teufel die gesamten vierzig Tage andauerte (Lk 4,2), somit das Erscheinen des Teufels nach vierzig Tagen verfälscht wird. Der Verfasser scheint sich hier doch auf das Evangelium nach Markus zu beziehen, in dem es heißt:
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Vierzig Tage in der Wüste
„[…] und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan […]“ 61 Schließlich erweitert der Autor die provokante Aufforderung des Teufels, Jesus solle die Steine der Wüste in Brot verwandeln, durch den Satz: „Gott kann doch nicht wollen, daß sein lieber Sohn Hunger hat.“ 62 Da sich in den Evangelien für diese Aussage kein Beleg finden lässt, muss davon ausgegangen werden, dass sich hier der Versuch zeigt, den Teufel durch eine gewisse Form des Sarkasmus grausamer darzustellen.
Auf diese Provokation hin zitiert Jesus aus 5. Mose 8,3:
„[…]daß der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“
Während er dies sagt, steht Jesus in einer schlecht kolorierten Wüstenlandschaft und weiß seinen Worten durch einen erhobenen Zeigefinger Nachdruck zu verleihen. Leider macht ihn diese Geste eher zu einer Werbefigur, die statt des Verses auch Werbung für Cornflakes hätte zitieren können. Untermalt wird die Lächerlichkeit dieser Szene noch durch den völlig erfrischten Gesichtsausdruck
Um das Streitgespräch zwischen Jesus und dem Teufel nun in die nächste Runde zu geleiten, verwendet der Autor eine spannungsgeladene Überleitung, in der er das beharrliche Auftreten des Teufels untermalt. 63
Die versprochene Spannung wird allerdings alles andere als erfüllt, da die Fortsetzung der Perikope, die unsinnigerweise unter einem neuen Abschnitt fortgeführt wird, zumindest grafisch unterschlagen wird:
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Vierzig Tage in der Wüste
So wird das Angebot des Teufels, Jesus die Macht über alle Reiche in aller Zeit zu geben, sobald sich dieser unterwerfe (Lk 4,5-8), durch ein kurzes Textfeld erwähnt, in der die Antwort Jesu durch die Dezimierung auf ein schlichtes Nein und den Verzicht auf das Zitat nach 5. Mose 6,13 nahezu blasphemisch wirkt, da der Verzicht zwar auf Interesselosigkeit, doch nicht auf ein christliches Motiv schließen lässt.
Die erste Illustration des Panels zeigt Jesus auf einem Tempel in Jerusalem, wobei dem Leser offen gelassen, ja sogar verschwiegen wird,
wie er dort hingekommen ist. Es scheint, als wäre die Zeichnung nicht für dieses Panel gefertigt worden, da Jesus mit gespreizten Armen nach unten blickt und somit zu den umherstehenden Menschen zu sprechen, ja zu predigen scheint, und somit kein direkter Bezug zum Inhalt deutlich wird. Die Äußerung des Teufels wird erneut durch eine zapfenlose, quadratische Sprechblase getragen, deren Inhalt sich wiederum durch fehlerhafte Zitate auszeichnet. Die Aufforderung, Jesus solle vom Tempel springen, da die Engel ihn auffingen (Lk 4,9ff), erweitert der Autor um die Formulierung „Laß die Menschen deine göttliche Macht sehen“ 64 , die erneut keinen Ursprung in den Evangelien hat.
Dieser Aufforderung entgegnet Jesus im zweiten Teil des Panels fast exakt Lukas entsprechend, wobei die Erweiterung „deinem Herrn“ (Lk 4,12) zu Gott allerdings verschwiegen wird. Die Darstellungen in diesem Panel lassen insofern zu wünschen übrig, als sie durch eine billige Kolorierung und eine dadurch resultierende verwischte Umgebung getragen werden, deren Verwendung schon nicht mehr als Stilmittel durchgehen kann.
Doch der Gipfel des Dilettantismus findet sich in der Illustration Jesu im zweiten Teil des Panels, in der uns ein apathisch dreinblickender Jesus mit erhobenem Zeigefinger, erneut einer Werbefigur ähnelnd, entgegentritt. Das Phlegma dieser Zeichnung zeigt sich unter anderem in der schlechten Kolorierung, die die Gesichtsfarbe bis in die Augen laufen lässt.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Vierzig Tage in der Wüste
Die Darstellung der vierzig Tage in der Wüste endet mit dem vierten Panel, in dem Jesus friedlich durch die Wüste schreitet, so dass dem Leser die schriftliche Erklärung, der Teufel habe nach den widerstandenen Versuchungen von Jesus abgelassen und dieser daraufhin die Wüste verlassen 65 , genügen und dieser die Entwicklung der Geschichte erfinden muss, getragen von der Leichtigkeit, die Jesus mit einem Lächeln ausdrückt, das sagen will „Die wecken den Tiger in Dir!“
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Ve er ru ur rt te ei il lu un ng g u un nd d K Kr re eu uz zi ig gu un ng g V
Die Perikope über die Verurteilung
Jesu durch die Hohenpriester, die als auf Matthäus, Lukas und Johannes bezogen, gekennzeichnet werden, beginnen im rosafarbenen Palast des Obersten Priesters. In einem Textfeld wird von falschen Zeugen berichtet, deren Aussagen Jesus als schuldig hätten erweisen sollen. Doch werden Aussagen eben derer nicht genannt, wie es in Mt 26,61f geschehen solle. Auf diese Zeugenaussagen hin stellt ihm der oberste Priester die Frage, ob Jesus der Sohn Gottes sei.
Als Antwort legt Bibel im Bild Jesus ein einfaches „Ja“ in den Mund, was als inkorrekt verurteilt werden muss, da sich diese Antwort in keinem der synoptischen Evangelien finden lässt. So antwortet Jesus dort stattdessen mit einem provokanten „Ihr sagt es“ (vgl. Lk 22,70; Mt 26,64; Mk 14,62).
Während dieser Verhandlung im ersten Panel steht Jesus recht frei und locker im Kreise der Hohepriester und wird von blaubärtigen Priestern in farbenfrohen Gewändern beäugt, während ockergelbe Soldaten die Situation bewachen.
In einem ähnlich farbigen Gewand ist der Priester gekleidet, der im nächsten Panel in die Hände zu klatschen scheint, nachdem der Oberste Priester den Urteilsvorschlag nennt: Tod wegen Gotteslästerung (vgl. Abbildung 10).
Ob die Darstellung der hohepriesterlichen Gesichter hypnotische, entsetzte oder freudige Gesinnung ausdrücken soll, ist nicht deutlich erkennbar. Doch strahlen die wirren Gesichter, insbesondere die wiederum schlecht kolorierten Augen, eine gewisse Form der Erregung aus. Doch ganz entgegen dem als Quelle angegebenem Evangelium nach Matthäus fällt in diesem Panel niemand in das endgültige Stadium der Erregung: So wird die in Mt 26,65 angesprochene Zerreißung des hohepriesterlichen Gewandes durch den Priester selber verschwiegen, wodurch sich der Leser mit einer Texterklärung zufrieden geben muss, in der der Verfasser vom Bespucken Jesu durch die Hohepriester berichtet.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Warum erneut ein Teil, die physische Schmerzzufügung durch die Hohepriester (vgl. Mt 26,67), verschwiegen wird, ist ebenso fraglich wie die Erwähnung der vorherigen, dazugehörigen Szene als Textfeld.
Als einzige Erklärungsmöglichkeit bleibt die Vermutung eines ethischen Verantwortungsbewusstseins, das die Darstellung von Gewalt in diesem Kontext als anstößig ansieht, wobei das Gegenargument, nämlich die noch brutalere Form der Todesstrafe, eben die der
Kreuzigung, womöglich überwiegen würde. Nach einer kurzen Erzählung über die Verleugnung Jesu durch Petrus beginnt die Illustration der Verhandlung vor Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter in Jerusalem, der im Comic als
Gouverneur
bezeichnet wird, was zwar richtig ist, aber auf eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen schließen lässt. Die hierfür verwendeten Panels sind hauptsächlich von Textfeldern gezeichnet, so dass in den aufkommenden drei Sprechblasen nur vier Sätze vorkommen.
Der Inhalt der Befragung Jesu durch Pilatus (Joh 18,28 - 38), der als einziger zum Tode zu verurteilen berechtigt ist, wird komplett unterschlagen, lediglich erwähnt, dass eine solche stattgefunden hat.
somit außerhalb seiner Quellenangaben zitiert.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Auf die Erwähnung der Stadt Galiläa hin schickt Pilatus Jesus zu Herodes, der für diesen Fall verantwortlich war. Ein kurzes Resümee über die Begegnung Jesu mit Herodes, der ihn nach verweigerten Wundern zurück zu Pilatus schicken lässt, muss dem Leser genügen.
Auch hier wird der Bezug auf Lukas 23,6-12 deutlich, wobei der Verfasser das von Lukas verwandte Wort
Zeichen
scheinbar automatisch in
Wunder
umwandelt, was nach der Definition zwar richtig ist, aber die Person Jesus auf den Wunderheiler Jesus zu beschränken scheint. Nach der Rückkehr Jesu nach Jerusalem macht Pilatus sich Sorgen über die Folgen einer Dispensation Jesu:
So fürchtet Pilatus um seine Stellung als Statthalter Jerusalems, wie die Textfelder des letzten Panels dieses Kapitels zeigen. Allerdings ist diese Besorgnis allenfalls durch Joh 19,12 belegbar: „[…] Die Juden aber schrien: Läßt du diesen frei, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser.“ 66
Sollten sich die Textfelder wirklich auf diesen Vers beziehen, so erweist sich eine neue Quelle, ja sogar ein neues Evangelium, als nicht als Quelle angegeben.
Abschließend ebnet eine Abbildung des denkenden Pilatus, der sich entschlossen hat das Volk entscheiden zu lassen, den Weg zum nächsten Panel, in dem die eigentliche Verurteilung Jesu stattfindet. 67
Diese Verurteilung findet, unter der Berufung auf die Verse nach Johannes 18,39 bis 19,16 und Matthäus 27,3-10, vor dem Tempel des Pilatus statt, vor dem erneut die Bürger Jerusalems und die Hohepriester warten und toben.
Eben diese Priester haben, so behaupten die Textfelder zu Beginn des Panels, das Volk fanatisiert, so dass eine Verurteilung Jesu bevor steht.
Der Text jedoch behauptet, Pilatus wäre sich der Fanatisierung durch die Hohepriester bewusst, was weder in den angegebenen Evangelien (Mt 27,20) noch in den übrigen Evangelien, die die Fanatisierung thematisieren (Mk 15,11), auffindbar ist. 68
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Ungeachtet der aufgebrachten Menge bietet Pilatus dem Volk, angesichts der Tradition, einen zum Tode Verurteilten zum Passah-Fest freizulassen, Jesus zu entlassen, alternativ den Mörder Barabbas.
Die Bezichtigung des Mordes ist insofern unbegründet, als sich diese Titulatur in den angegebenen Evangelien nicht, wohl aber bei Lukas (23,19) und Markus (15,6) finden lässt, somit erneut eine nicht angegebene Quelle verwendet wurde. So auch die Titulatur
Messias,
die sich außerhalb der Quellenangabe befindet (vgl. Mt 27,17).
Bewacht wird die Szenerie von zwei römischen Soldaten, deren goldgelbe
Rüstung von einer Art pinkfarbenem Umhang bedeckt wird, deren Farben sich auch im Helm der Soldaten wieder finden lassen und somit erneut einen Beleg für die äußerst inkonsequente und billige Kolorierung bieten (vgl. Abbildung 13).
Eben diese schlecht kolorierten Soldaten sind es, die Jesus, auf den Befehl Pilatus hin 69 , geißeln und ihm die Dornenkrone aufsetzen, um über ihn als sog. König zu spotten.
Erneut wird diese Geißelung nur innerhalb einer Textfelder angegeben und nicht visualisiert, so dass sich wieder der Versuch zeigt, die Gewaltdarstellungen auf das Notwendigste zu reduzieren. Während die Darstellung der Geißelung entfällt, wird die darauf folgende Verspottung durch die Verbeugung unter höhnischem Grinsen ungewöhnlich gut dargestellt (vgl. Abbildung 14).
Doch getragen von der gewohnten Fehlerhaftigkeit der Darstellungen innerhalb eines Panels, lässt sich auch hier ein nicht mit der Quelle übereinstimmendes Zitat finden:
„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Dadurch zeigt sich hier der Versuch des Verfassers, durch eine unterwürfige Begrüßung seitens der Soldaten das Maß des Spotts zu erhöhen.
Pilatus führt den immer noch emotionslosen Jesus vor die Menge, die ohne Boden zu stehen scheint, befiehlt ihnen, Jesus zu betrachten, in der Hoffnung, die Meinung des Volkes zu ändern, wie uns ein Textfeld im Panel verrät. Doch statt des Ausrufes nach Joh 19,5 „Seht welch ein Mensch“, der die Bedeutung Jesu herauszustellen versucht, verwendet der Verfasser die Form „Seht diesen Menschen“, die vermutlich gleiches bedeuten soll, dies aber nicht zu vermitteln vermag.
Um Jesus doch die letzte Ehre zu erweisen, verfasst Pilatus eine Inschrift, die an das Kreuz des zum Tode verurteilten Jesus befestigt werden soll.
Wie uns ein Textfeld verrät, hat Pilatus keine andere Möglichkeit, als Jesus zum Tode zu verurteilen, um „[…] seine Stellung nicht in Gefahr zu bringen“ 70 ; er möchte aber das Volk Jerusalems durch die Inschrift an das erinnern, als was er selber den Mann verstanden und akzeptiert hat, der nun gekreuzigt werden soll.
Doch lässt sich nirgendwo die Begründung der Angst vor Arbeitslosigkeit finden, der Pilatus dazu bewegt haben soll, das Urteil so zu fällen, wie er es letztendlich auch gefällt hat. Umgeben wird Pilatus während dieser Handlung von zwei Soldaten in violetten Umhängen, die in einen blauvioletten Hintergrund starren, Pilatus den Rücken zukehrend, der auf einem grünlich glänzenden Tisch das oben genannte Schriftstück verfasst. Erschrocken erscheinen im nächsten Panel die von misslungenen Tuscheführungen und psychedelischer Kleidung gekennzeichneten Hohepriester, die, diesmal vor gelbem Hintergrundobwohl es sich um den gleichen Raum zu handeln scheint - Pilatus zu überzeugen versuchen, die Inschrift umzuformulieren, um Jesus erneut als Fabulanten darzustellen. Pilatus beendet die Diskussion mit der Begründung des von ihm Verfassten als endgültig. 71 Ungewöhnlicherweise sind diese beiden Panels getragen von korrekten Bibelzitaten, was allerdings, auf Grund der Unveränderbarkeit der Verse, notwenig erscheint.
Beginnend mit einem neuen Kapitel schreitet Jesus durch Jerusalem, das Kreuz auf dem Rücken. Das erste Panel dieses Kapitels, das sich auf Lk 23,26-46 und Joh 19,25-27 beziehen soll, wird, wie so oft, durch ein Textfeld eingeleitet, nach dem Jesus, auf seinem Weg zum Galgenberg, der im übrigen mit Schädelstätte (aramäisch: Golgotha, bei Luther Golgatha) übersetzt werden muss, von Männern und Frauen umgeben ist, die um ihn, auf Grund seiner Taten und Wunder, weinen.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Allerdings lassen sich hier zwei Probleme erkennen:
- DieAusführungen innerhalb der Textfelder lassen sich weder innerhalb der angegebenen Quellen, noch in den beiden anderen Evangelien wiederfinden.
- DieDarstellung fällt insofern wieder recht beschränkt aus, als sich in den Gesichtern der Umstehenden nichts anderes als Desinteresse finden lässt.
Ebenso bemerkenswert ist die teilnahmslose und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit Jesu, angesichts des Gewichtes eines ungefähr fünf Meter hohen und zwei Meter breiten Holzkreuzes. Das Gewicht des Kreuzes ist insofern von Bedeutung, als es als Begründung benutzt wird, dass Jesus zusammenbricht und somit Simon von Kyrene gezwungen wird, das Kreuz nach Golgatha zu tragen.
Obwohl der Zusammenbruch Jesu keinen Ursprung in einem der Evangelien findet, steht er innerhalb der Illustration zusätzlich in Differenz zur Darstellung im vorangegangenen Panel, was eine Divergenz der Zeichnung vom Text aufzeigt.
Ebenso wie die Aufforderung des Soldaten, der im Übrigen noch greller in schlechter Kombination koloriert ist, Simon von Kyrene solle das Kreuz tragen:
Der Soldat äußert diesen Befehl, obwohl dieser das Kreuz bereits trägt. Zwar ließe sich dies als Verwendung des Stilmittels Schall, d.h. der Induktion innerhalb eines Panels zur Visualisierung von Zeit 72 , ansehen, doch ist zu bezweifeln, dass sich der Comic ausgerechnet dieses Stilmittels bedient, obwohl andere Charakteristiken eben dessen konsequent ausgelassen werden. Wie bereits angesprochen erweist sich die Kolorierung der umherstehenden Personen als besonders
billig, wie unter anderem an den drei Personen der linken Bildhälfte, den beiden Soldaten und der Person, die vermutlich eine betende Frau darstellen soll (vgl. Abbildung15), erkennbar ist. Das nächste Panel zeigt Jesus bereits am Kreuz, unterschlägt somit wiederum die Darstellung von Gewalt, also dem Akt der Kreuzigung selbst. Am Kreuz hängt ein erneut emotionsloser Jesus der, während die beiden Mitangeklagten ihn betrachten, in den Himmel blickt und ruft:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Dieser Vers des Lukasevangeliums wird wortwörtlich übernommen, was angesichts der Popularität dieses Ausspruchs, vor allem durch den ähnlich klingenden Filmtitel „Denn sie wissen nicht was sie tun“, nichts Besonders ist.
Die Soldaten, für die Jesus nichts anderes als ein Verbrecher ist, so behaupten die Textfelder zu Beginn des nächsten Panels vollkommen ohne Ursprung, losen um das schöne Gewand Jesu, das, gemäß der Tradition der Kreuzigung, zunächst geteilt und anschließend verteilt wird, da sie es nicht zerreißen wollen. Es ist allerdings bemerkenswert, dass aus dem lukanischen Werfen des Loses ein Würfelspiel wird, auf Grund dessen einer der Soldaten sogar einen Würfelbecher in der Hand hält (vgl. Abbildung 16).
Zu Beginn des nachfolgenden Panels zitiert ein ungläubiger Mitverurteilter aus Lk 23,39 und befiehlt Jesus spöttisch, sich und ihn zu retten, sofern er wirklich der Christus sei. Die Antwort darauf erfolgt im nächsten Panel, vom zweiten Mitverurteilten Jesu: „Wie kannst du so reden, wo du kurz vor dem Tod stehst? Wir beide werden für unsere Verbrechen bestraft. Aber dieser Mann hat nichts Böses getan.“ 73 Dieses Zitat aus Lk 23,40 ist insofern unzutreffend, als hier der Bezug zur Macht Gottes unterschlagen wird und so der juristische vor dem christlichen Aspekt zu stehen scheint, ganz im Gegensatz zum Original des oben genannten Verses:
„Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleich Verdammnis bist.“ 74
Weiterhin bittet der Mitangeklagte um die Hilfe Jesu, so dass dieser an ihn denke, wenn Jesus in sein Reich kommen werde. Jesus verspricht dies.
Während dieses Dialoges, der bereits im vorherigen Panel begonnen hat, ändert sich die Farbe des Himmels von hellgelb zu einem leichten blauviolett.
Gerade hier zeigt sich ein weiterer Beleg für fehlende Genauigkeit in der Kolorierung: Die Umrisse der geplanten Sprechblasenform lassen sich im Panel des Dialoges über das Reich Jesu deutlich erkennen, da hier sowohl die ursprüngliche Sprechblasenform hellblau dargestellt ist, als auch die restliche Kolorierung des Himmels in die Sprechblase hineinragt.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Jesus bittet daraufhin Johannes für seine Mutter zu sorgen, da sie, wie das Textfeld behauptet, von den Menschen als Mutter eines Verbrechers angesehen sei. Dies ist zwar anzunehmen, doch findet sich innerhalb der Evangelien kein Beleg für diese Vermutung. Ein weiteres Textfeld bestätigt schließlich die Erfüllung des Wunsches Jesu. Als es Mittag wird verdunkelt sich das Land, was ebenso mangelhaft dargestellt wird wie Golgatha selbst, das von grüner, blauer und roter Farbe geprägt ist.
Die Erwähnung der Tageszeit lässt insofern auf Recherche von Seiten der Zeichner schließen, als sich in den Evangelien lediglich die Formulierung der „sechsten Stunde“ 75 finden lässt und somit auf die heutige Tageszeitrechnung geschlossen werden musste. 76
Jesus stirbt schließlich nach dreistündiger Finsternis mit dem Ausruf: „Vater, ich gebe meinen Geist in deine Hände!“ 77 Hier zitiert der Zeichner zwar richtig, doch wird diese Korrektheit erneut durch ein Zitat einer nicht angegebene Quelle ausgeglichen, das der Zeichner im abschließenden Textfeld aus Mt 27,52 verwendet. Als Jesus stirbt, zerreißt der Vorhang des Tempels (vgl. Abbildung 17) und ein Vorsteher beschreibt die Szene unsinnigerweise, da der Vorgang sichtbar ist. Allerdings ist, wie schon sooft, die Art der Kolorierung zu kritisieren, die die Institution des Tempels mehr als unpassend darstellt, da hier wohl kaum blaue Wände, gelbgrüne Böden und violette Vorhänge existiert haben werden.
Der Zeichner schließt die Tempelszene mit einem Textfeld, in dem vom Sinn des Todes Jesu die Rede ist, wofür sich allerdings keine Quelle finden lässt.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Verurteilung und Kreuzigung
Doch viel fälschlicher ist der zweite Teil des Textfeldes, in dem der Zeichner behauptet, die Menschen seien durch den Riss des Vorhangs nicht länger von Gott getrennt. 78 Vielmehr ist der Tempel nun „[..]nicht mehr der Ort […], an dem Gott seinem Volk nahe ist […]“ 79 . Wenn der Tempel vor Jesu Tod diese Position eingenommen hat, kann er nicht gleichzeitig eine Trennung zwischen den beiden Parteien vorgenommen haben, auch wenn Jesus durch seinen Tod einen höheren Stellenwert als die Institution Tempel erreicht hat.
Die revidierte Stellung Jesu wird im nächsten Panel deutlich, in dem ein römischer Offizier zugibt, Jesus mittlerweile als Gottes Sohn erkannt zu haben, wodurch Mk 15,39, also erneut keine der angegebenen Quellen, zitiert wird.
Die Absurdität des Kapitels erreicht mit dem letzten, die Kreuzigung betreffenden Panel, in dem die Zuschauer der Kreuzigung Golgatha verlassen und über ihre Hoffnung, Jesu würde sie von den Römern befreien, diskutieren.
Der Zeichner ersetzt hier die Gewissensbisse des Volkes, am Tode Jesu maßgeblich beteiligt zu sein, durch die nun gescheiterte Hoffnung auf eine Befreiung. Diese Dreistigkeit wird durch die Infantilität des Textfeldes noch übertroffen, da das „Schlagen an die Brust - gemeint ist das ‚Herz’ als Sitz böser Gedanken und Quelle verwerflichen Tuns - […] Ausdruck von Schuldbewußtsein und Reue“ 80 ist, hier durch ein simples „Viele von den Zuschauern sind traurig.“ 81 ersetzt wird.
Abschließend ist zu sagen, dass die Darstellung der Verurteilung und Kreuzigung Jesu, getragen von fehlerhaften Details, Koloriten und Sprüngen in der Verwendung verschiedener Evangelien, als Quellen angegeben oder nicht, alles andere als gelungen ist und somit keineswegs in der Lage, das so wichtige Ereignis Kreuzigung, das immerhin als eines der wichtigsten in der Geschichte des Christentums gesehen werden muss, darzustellen.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
Au uf fe er rs st te eh hu un ng g A
Die Auferstehung Jesu beginnt mit der Bitte Josef von Arimathäas, einem Mitglied des Rates und heimlichem Jünger Jesu, den eben Gekreuzigten begraben zu dürfen. Die Frage wird Pilatus in dessen mittlerweile violettfarbenen Raum gestellt. An dieser Szenerie ist bis auf die Formulierung vom „toten Jesus“ nichts als verwerflich zu betrachten.
Das nächste Kapitel des 13. Bandes beginnt mit der Grablegung Jesu durch Josef von Arimathäa und dessen Freund - vermutlich Nikodemus - in Josefs Garten.
Erstaunlicherweise gibt der Zeichner an, sich in diesem Kapitel auf alle vier Evangelien des Neuen Testaments zu beziehen, nämlich auf Mk 16,1-7; Joh 20,2-18; Mt 28,11-15 und Lk 24,13-32. Die Darstellung des Grabes, das von einem großen runden Stein verdeckt wird, ist insofern
Allerdings plädiere ich an dieser Stelle, vor allem auf Grund der Erfahrungen durch die Lektüre dieser Reihe und insbesondere der Kapitel, die hier thematisiert wurden, für eine nicht durchdachte, fehlerhafte Illustration, derer sich jeder Zeichner hätte bewusst werden müssen. Die Behandlung der Entdeckung des Grabes Jesu als leer erweist sich insofern als schwierig, als hier nicht nur abwechselnde Bezüge auf verschiedene Evangelien, sondern sogar deren Überschneidungen aufzufinden sind.
So bezieht sich der Zeichner im dritten Panel des Kapitels „Der Herr ist auferstanden“ zunächst auf Johannes (20,2) und legt somit fest, dass die Entdeckung des leeren Grabes nur durch Maria von Magdala stattfand, die, als sie das leere Grab bemerkt, nach Jerusalem zurückkehrt um es den Jüngern zu berichten.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
Allerdings steht dies im Widerspruch zum vorhergegangenen Panel, da hier von mehreren Frauen die Rede ist, somit ein Bezug zu den synoptischen Evangelien hergestellt wird; im Gegensatz zum Johannesevangelium, da hier von einer Frau, Maria von Magdala, die Rede ist (Joh 20,1). Somit ist die Darstellung des dritten Panels, in Kooperation mit dem dazugehörigen zweiten Teil des Textfeldes, als ziemlich erdacht anzusehen, da die Situation der Flucht Marias und dem Betreten des Grabes durch die anderen Frauen einem Querschnitt der Evangelien zu Grunde liegt. Um die Impertinenz der Darstellung noch auf die Spitze zu treiben, zitiert der sich im Grab befindende Engel einen Vers nach Matthäus (28,5) und weist die drei Frauen , deren alleinige Anwesenheit in der Grabhöhle gänzlich unbegründet ist, an, den Jüngern von Jesu Auferstehung zu berichten.
Diese Szene ist insofern unlogisch, als sich im nächsten Panel Petrus und Johannes vor dem Grab befinden, auf Grund der Nachricht durch Maria von Magdala.
Somit ist die Anwesenheit der übrigen Frauen und die durch sie erfolgte Benachrichtigung vollkommen gegenstandslos.
Die Darstellung Petrus und Johannes, beide in eine Art Bademantel gekleidet, erinnert ein wenig an Fernsehkommissare der siebziger und achtziger Jahre. Begründen lässt sich dies durch den Dialog, den die beiden Jünger Jesu am Tatort, dem Grab, führen. Durch die Frage „Was
hältst du davon?“
82
und der
entgegneten Antwort entsteht schnell der Eindruck eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens (vgl. Abbildung 20).
Der Zeichner bezieht sich mit diesem Panel wieder auf Johannes, wie auch teilweise im nächsten. So kehrt Maria in den Garten zurück, in dem das Grab Jesu liegt. Dort angekommen trifft sie einen Mann, der nach Johannes ein Engel ist (Joh 20,12), dem sie den Rücken zukehrt.
Bereits hier wird die fehlerhafte Wiedergabe der Evangelien insofern deutlich, als einer der im Johannesevangelium angesprochenen Engel, unterschlagen wird und wir somit die dritte Fehlerkategorie in der Darstellung des Osterereignisses erleben (s. Fazit).
„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
Auf die Frage Jesu, was Maria suche, antwortet sie mit der Gegenfrage, ob er den toten Jesus weggenommen habe (Joh 20,15).
Anhand der Darstellung im nächsten Panel wird der Versuch deutlich, den optischen Unterschied zwischen Jesus von Nazareth und dem auferstandenen Jesus Christus herzustellen. So sehen wir einen ganz in weiß gehüllten Jesus, der ohne seine für diesen Comic übliche Schärpe einem Engel gleicht, da die Kleidung eines Engels während des gesamten Comics als einzige monochrom dargestellt wird, während die Gewänder der übrigen Auftretenden von gewagten bis psychedelischen Farbkombinationen gezeichnet sind (vgl. Abbildung 21-24).
Allerdings bleibt auch dieses Panel nicht von Kontroversen um die richtige Übernahme der biblischen Vorlage verschont.
Das einleitende Textfeld des Panels berichtet davon, dass Jesus leise zu Maria spreche. Zum einen findet sich dieses Adverb nicht in einem der biblischen Quelltexte, sprich Evangelien, zum anderen erhält die Geschichte durch dieses Adverb einen leicht seifenopernhaften Charakter, da diese Szenerie an ein Zusammentreffen zweier lang Verschollener erinnert, deren Rückkehr nicht erwartet wurde. Zwar trifft diese unerwartete Rückkehr auf Jesus zu, doch bleibt der Vergleich von „Jesus sagt nur leise: ‚Maria!’“ 83 zu Howard Carpendales
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
„Ich sag’ einfach ‚Hello again!’“ nicht ganz unbegründet.
Eine weitere Fehlerhaftigkeit ist die Tatsache, dass Maria auf Jesu Begrüßung hin vor diesem auf die Knie fällt und ihn mit „Herr“ anspricht.
Nach dem Johannesevangelium nennt Maria Jesus „Rabbuni“, was soviel heißt wie Meister bzw. Lehrer (Joh 20,16).
Die nächste Auffälligkeit des Comics zeigt sich im übernächsten Panel, in dem Jesus sich zwei Jüngern, die nicht zu den Aposteln gehören, anschließt (Lk 24,13ff): So erwähnt ein Textfeld das Anschließen Jesu an die Gruppe, doch wird der Akt selber nicht beschrieben, obwohl dies angesichts der Existenz Jesu als der Christus eine erneute Möglichkeit wäre, ihn als eben diesen zu kennzeichnen.
Stattdessen wird eine Gruppe, bestehend aus zwei Männern, mexikanischen Gesetzlosen ähnelnd, durch eine entsprechende Umgebung wandernd, und dem oben beschriebenen Jesus Christus dargestellt, deren Zusammentreffen ungeklärt ist.
So wird auch die Thematik ihrer Unterhaltung während des Marsches (Lk 24,19-27) nicht erläutert, so dass das nächste Panel das Abendmahl zeigt, bei dem Jesus sich durch das Brechen des Brotes zu erkennen gibt.
Auch hier werden einige Probleme bei der Veranschaulichung deutlich: So nennt das Textfeld des auf Lukas basierenden Panels die Segnung des Brotes durch Jesus als Ursache für die Erkenntnis der Jünger, dieser Mann sei Jesus, der Christus. Allerdings kann beim Vollzug des Abendmahls keinesfalls von Segnung die Rede sein, lediglich vom Danken, Brechen und Verteilen des Brotes.
Ein weiteres Problem ist die Darstellung des plötzlichen Verschwindens Jesu nach dem Abendmahl: Lediglich ein Textfeld erwähnt dies, was auf eine erneute Unfähigkeit der Zeichner schließen lässt, abnorme Prozesse zu visualisieren.
Nach der Begegnung mit Christus kehren die Jünger, die im zweiten Panel des Kapitels „Hinter verschlossenen Türen“ als Freunde bezeichnet werden, zurück zu ihren Gleichgesinnten, die auf Grund ihrer Kleidung eher als „Bademantelbeduinen“ bezeichnet werden müssen, und berichten von ihrem Erlebnis.
Obwohl den Jüngern die Begegnung zwischen Maria von Magdala und Jesus Christus bekannt ist, berichtet einer der Jünger, wahrscheinlich Johannes, obwohl nur von hinten zu sehen, von eben diesem Ereignis.
Im Hintergrund dieses Panels steht der von Schuldgefühlen geplagte Petrus und spricht über die Verleugnung. Jedoch sind die vermutlich existierenden Schuldgefühle Petrus in keinem der verwendeten Evangelien, hier als Lk 24,33-43 und Joh 20,19 - 21,6 angegeben, erwähnt.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
Auf die Berichterstattung des Johannes hin erscheint Jesus, wiederum ohne Visualisierung, sondern ausschließlich über ein Textfeld.
Durch die Auslassung der Begrüßung „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,21) wird deutlich, dass sich dieses Panel auf das Evangelium nach Lukas zu beziehen scheint.
Die im Textfeld angesprochene Angst der Jünger, Jesus sei ein Geist, widerlegt Jesus mit einem Verweis auf die Wundmale an seinen Händen und Füßen, die im Panel durch kleine hautfarbene Ovale gekennzeichnet sind.
Die Frage, ob Jesus wirklich er selber sei, die sich nur auf Lk 24,41 beziehen lässt, beantwortet Jesus mit der Bitte nach Brot, um durch Essen eben dieses zu beweisen, dass er kein Geist ist. Die Bitte nach Fleisch ist insofern falsch, als Jesus im Evangelium nach Lukas nach Fisch statt Brot fragt.
Das Essen auslassend, berichtet das nächste Panel vom Jünger Thomas, der von den anderen Jüngern aufgesucht wird, da diese ihn überzeugen wollen, Jesus wirklich gesehen zu haben (Joh 20,24f).
Thomas erwidert, erst zu glauben, wenn er selber den Finger in die Wunden Jesu gelegt habe. Allerdings leidet die Auslegung des Panels daran, von Jesus anstatt des Namenzusatzes „Herr“ (Joh 20,25) zu berichten.
Die „Bibel im Bild“ berichtet anschließend vom erneuten Erscheinen Jesu nach einer Woche, obwohl der Zeitraum nach Johannes acht Tage beträgt.
Die Unterschiede des Zeitraums sind sowohl auf die durchgängige Ungenauigkeit der Zeichner, als auf deren fehlendes Rechenvermögen zurückzuführen.
Jesus, dessen Pupillen mittlerweile die komplette Augenhöhle einnehmen, befiehlt Jesus Thomas, seine Wunden zu berühren. So auch die Wundmale in dessen Seite (vgl. Joh 19,34), die innerhalb des Comics allerdings keine Erwähnung gefunden haben.
Als Thomas Jesu Wunsch erfüllt, erkennt er ihn und weist Jesus als seinen Herrn und Gott aus (Joh 20,28). Jesus erwidert, dass sein Glaube auf die Berührung und nicht auf ihm selbst basiere (vgl. Joh 20,29).
Jesu allwissende Aussage wird im entsprechenden Comic dadurch verdeutlicht, dass er mehr als zwei Köpfe größer als der aufblickende Thomas erscheint.
Ein Textfeld, in dem erneut vom plötzlichen Verschwinden Jesu die Rede ist, beendet diese Begegnung.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
Wie bereits in der Darstellung des Osterereignisses zeigen sich in der nun folgenden Behandlung des letzten Auftretens Jesu einige Mängel, die sowohl den Bezug zu den Vorlagen als auch die Illustrationen selber betreffen.
So beginnt das erste Panel dieser Erzählung mit einem Textfeld, das den Befehl Jesu, nach Galiläa zu gehen, thematisiert.
Im dazugehörigen Panel lassen sich Personen in einem Boot, die Jünger, und eine Person am Ufer, Jesus, erkennen.
Bereits hier lässt sich ein großer Fehler in der Behandlung der Quellen erkennen: So stammt der Befehl Jesu, die Jünger sollten nach Galiläa gehen, aus dem Evangelium nach Matthäus (vgl. 28,16), doch sollen sie dort einen Berg aufsuchen.
Wie im Panel deutlich zu erkennen, handelt es sich um ebenes Land, das an einen Fluss grenzt, somit einen Bezug auf das Evangelium nach Johannes darstellt (vgl. Joh 21,1). Allerdings findet sich bei Johannes kein Befehl Jesu, der die Jünger zu dieser Reise bewegt. Somit stellt sich hier der Versuch dar, nicht kombinierbare Evangelien zu vereinigen, obwohl sie sich gegenseitig ausschließen (Berg <-> See; Befehl <-> Freier Wille).
Immerhin fällt das Zitat des Befehls Jesu, die Jünger sollten ihr Netz rechts auswerfen, um Fische zu fangen, richtig aus.
Auf Grund der enormen Menge Fisch neigt sich das Boot im nächsten Panel auf die rechte Seite. Die Jünger, von denen einige Piraten gleichen, seien nicht in der Lage das Netz hinaufzuziehen, verrät das dem Panel zugehörige Textfeld.
Das Geschehen ragt in das nächste Kapitel rein, das sich, laut Angabe, auf Joh 21,7-18 und Mt 28,16-20 bezieht.
Johannes erkennt Jesus, berichtet dies Petrus, der daraufhin, nicht nackt (vgl. Joh 21,7), das Netz, dessen Gewicht die Jünger am Transport in das Boot gehindert hat, alleine ans Ufer zieht. In diesem Panel unterschlägt der Comic sogar christliche Brauchtümer, da aus der Anweisung Jesu, das Mahl, also das Abendmahl, solle gehalten werden (vgl. Joh 21,12) ein schlichtes „Kommt essen!“ 84 wird.
Nach dem Mahl, das im Textfeld des nächsten Panels erneut als Essen bezeichnet wird, fragt Jesus Petrus dreimal, ob dieser ihn liebe. Dieser bestätigt dies schlicht und erhält von Jesus den Auftrag, alle zu leiten, die diesem nachfolgen wollen.
Erneut wird hier der eigentliche Sinn des Evangeliums verfälscht, da Jesus Petrus dort bittet, ihm zu folgen (vgl. Joh 21,19ff).
Schließlich erreicht die Vermischung der Evangelien ihren Höhepunkt:
Im letzten Panel der Reihe „Bibel im Bild“ befindet sich Jesus mit seinen Jüngern auf dem Berg, auf den er sie ursprünglich befohlen hatte. Somit bezieht sich der Zeichner wieder auf das Evangelium
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung
nach Matthäus, in dem ebenfalls geschrieben steht, dass die elf Jünger, die auf Grund dieses Treffens zu Aposteln werden, dort eintreffen (Mt 28,16).
Dies steht im Gegensatz zu dem entsprechenden Panel, in dem eine Gruppe von insgesamt vierundzwanzig Personen zu erkennen ist, zu denen auch Frauen gehören. Jesus gibt den Anwesenden den Auftrag, in seinem Namen das zu verbreiten, was er sie gelehrt habe (Mt 28,19). Dies ist auffälligerweise innerhalb des Panels fast wortwörtlich übernommen.
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„Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie Auferstehung Fa az zi it t F
Nach Betrachtung der Ergebnisse dieses Kapitels bietet sich dem Leser keine andere Möglichkeit, als die Reihe „Bibel im Bild“ als einen gescheiterten Versuch der Evangelienharmonie zu bezeichnen, wie bereits in der Überschrift angekündigt.
Unter dem Begriff der Evangelienharmonie versteht man „[…] eine Neigung, die charakteristischen Züge der einzelnen Evangelien miteinander zu verbinden.“ 85
Der „umfassende Versuch, planmäßig den Inhalt aller vier Evangelien in eine einzige fortlaufende Erzählung zu verwandeln, […]“ 86 ist insofern nicht Erfolg versprechend, als dies nicht ohne eine Verzerrung der eigentlichen Werke geschehen kann.
Die Fehler der dadurch resultierenden Karikatur der Evangelien zeigt sich in folgenden Aspekten: So ist die Reihe „Bibel im Bild“ gezeichnet von
- abwechselnderBerufung auf unterschiedliche Evangelien
- Überschneidungenbei der Berufung auf unterschiedliche Evangelien
- Auslassungeninnerhalb der Berufungen.
Es ist dies Hauptgrund für die Probleme, die bei der Lektüre dieser Reihe im Weg stehen und die deren Qualität um ein Vielfaches sinken lassen.
Auch den Aspekt des grafischen Anspruchs deckt „Bibel im Bild“ in keiner Weise, da weder eine vernünftige Kolorierung überzeugt, noch direkte Charakteristiken des Comics verwandt werden. Sogar die schriftlichen Inhalte der Sprechblasen sind maschinell hergestellt, was erneut auf ein Geld sparendes Motiv schließen lässt.
Somit ist die „Bibel im Bild“ nicht als ernstzunehmende Verarbeitung ihrer ursprünglichen Vorlage anzusehen.
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„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht Verurteilung und Kreuzigung
„D Di ie e M Me en ns sc ch hr re ec ch ht te e“ “ - - J Je es su us s v vo on n N Na az za ar re et th h a au us s h hu um ma an ni is st ti is sc ch he er r S Si ic ch ht t „
Vo or rb be em me er rk ku un ng g V
Der Comic „Der Prozess“ von A.H. Palacios erschien 1991 in einer Comic-Sammlung mit dem Titel „Die Menschenrechte - Gegen Folter, Krieg und Unterdrückung“.
Es ist dies eine Sammlung verschiedener Comics, die sich mit ihrem Inhalt auf jeweils einen Artikel der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen vom 10.12.1948 beziehen. So bezieht sich „Der Prozess“ auf Artikel 10, der die Gleichheit vor Gericht und die Unparteilichkeit der Richtenden zusichert. Ve er ru ur rt te ei il lu un ng g u un nd d K Kr re eu uz zi ig gu un ng g V
Der Comic beginnt mit der Darstellung eines Mannes, der, mit
wirrem Blick den Betrachter anstarrend, vom bevorstehenden Jüngsten Gericht berichtet.
Die gezackte Form der Sprechblase deutet auf die emotionale Aufgebrachtheit des Mannes hin. 87 Allerdings nimmt die Darstellung des Mannes, der im Übrigen durch seine Kleidung, die nur aus einem Stück Fell, das mit einer Kordel zusammengehalten wird, besteht und einen noch planloseren Charakter offenbart, nur die Hälfte des Panels ein. Die andere Hälfte besteht aus der genauen Formulierung des zehnten Artikels der Menschenrechte, die somit einen festen Bestandteil des Comics einnehmen. Im darauf folgenden Panel ist eine große Menschenmenge zu sehen, die mit Palmzweigen wedeln, um ihre ebenfalls dargestellte Freude zu verdeutlichen. Diese Freude scheint sich auf das Johannesevangelium zu beziehen, da der Einmarsch Jesu in Jerusalem ebenso charakterisiert wird (vgl. Joh 12,13).
Ähnliches wird im nächsten Panel visualisiert.
Die Erkenntnis eines Soldaten, der in voller Rüstung am Rande zuschaut, Jesu sehe wie ein braver Mann aus, scheint sich ebenfalls auf den Einmarsch Jesu in Jerusalem in der Darstellung nach Johannes zu beziehen.
Allerdings ist dies vorerst der letzte Hinweis auf mögliche Bezüge zu einem der Evangelien.
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„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht Verurteilung und Kreuzigung
Auch die Darstellung der teilweisen Unerwünschtheit Jesu im Volke wird insofern gut dargestellt, als in einem der Panels ein Vermummter durch die dunklen Gassen Jerusalems geführt wird 88 , ebenso wie der Wunsch nach Unterstützung beim Kampf gegen die Römer im darauf folgenden Panel.
Allerdings wird die eigentliche Verurteilung Jesu etwas chaotisch dargestellt, so dass es einer genauen Analyse eben dessen bedarf:
So wird Jesus nach seiner Gefangennahme entkleidet und ausgepeitscht. Diese Auspeitschung lässt einen Bezug zu der von Pilatus in Auftrag gegebenen Geißelung zu.
Allerdings scheint sich die gleichzeitig stattfindende Befragung Jesu auf jene durch den Hohen Rat zu beziehen:
Auf die Frage, wessen Jesu angeklagt werde, antwortet Jesus: „Sie wissen es und eines Tages wisst ihr es auch.“ 89
Einerseits ähnelt die Aussage ‚Sie wissen es’ dem Ausspruch „Ihr sagt es“ (vgl. Lk 22,70; Mt 26,64; Mk 14,62), was auf die Befragung durch den Hohen Rat schließen lässt, andererseits lässt der Satz ‚und eines Tages wisst ihr es auch’ auf die Zukunft des Christentums schließen, da sich Jesus, indem er den Leser direkt ansieht einen Bezug zum in der Zukunft lebenden Betrachter herstellt. Die wirkliche Beratung durch die Hohepriester erfolgt auf der nächsten Seite, allerdings gleichzeitig mit der Befragung durch Pontius Pilatus.
Die Darstellung der Befragung ist insofern als gelungen zu bezeichnen, als eine große Illustration Jesu Rücken von fünf kleineren Panels umgeben ist, die Hohepriester und auch Pilatus somit von allen Seiten auf Jesus einreden.
So wird der Vorwurf des revolutionären Gedankenguts Jesu genauso erwähnt wie der Zweifel Pilatus an Jesu Schuld.
Auf der nächsten Seite, in der die gleiche Aufteilung der Panels um Jesu Körper, diesmal dessen Vorderseite, verwandt wird, wird allerdings, durch das Schweigen Jesu, auf die Befragung durch Herodes angespielt.
Auf Jesu Schweigen hin befiehlt der Hohe Rat Jesu Kreuzigung, was ebenfalls falsch ist, da diese Forderung vom Volke Jerusalems ausging und der Hohe Rat lediglich die Todesstrafe forderte. Schließlich wäscht Pilatus seine Hände in Wasser, wobei er seine Unschuld an diesem Urteil beteuert und somit auf Mt 27,24 anspielt.
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„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht Verurteilung und Kreuzigung
Der Comic schließt, den eigentlichen Akt der Kreuzigung Jesu auslassend, mit einer Darstellung eines weißen Hügels, vermutlich Golgatha, auf dem drei weiße Kreuze mitsamt ihrer Gekreuzigten stehen, wozu vermutlich auch Jesus gehört.
Im Hintergrund lässt sich ein sog. „Atompilz“ erkennen, der sich durch seine gelbliche Tönung vom verdunkelten Himmel abhebt.
Vor dem Atompilz heben sich sechs Flugzeuge ab, die auf Grund ihrer auffälligen weißen Farbe und dem dadurch resultierende Bezug sowohl auf den Hügel und die Kreuze als symbolisierte Engel gesehen werden könnten.
Unterhalb dieser Darstellung findet sich der Ausspruch „Es ist vollbracht“ (Joh 19,3), sowohl in lateinischer als auch in deutscher Ausführung.
Es ist dies ein möglicher Bezug auf die Kreuzigung Jesu, auf Grund seiner Eigenschaft des Ausspruchs als Bibelzitat.
Fraglich bleibt allerdings die Bedeutung der sechs Flugzeuge, durch die eine Übertragung in das Zeitalter der Atomtechnologie vorgenommen wird.
Eine mögliche Betrachtungsweise ist die Langzeitwirkung Jesu Wirkens, die sogar bis ins heutige Atomzeitalter hineinragt.
Somit wäre auch die Bedeutung des Ausspruchs ‚Es ist vollbracht’ erklärt, da das Ziel, die Botschaft Gottes zu verbreiten, hiermit erreicht wäre.
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„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht Auferstehung?
Au uf fe er rs st te eh hu un ng g? ? A
Das Phänomen des Osterereignisses, also der Auferstehung Jesu, findet in diesem Comic keine Beachtung.
Vermutlich liegt dies an der Unbedeutsamkeit dieses Ereignisses für den Comic, da er sich ausschließlich mit der ungerechten Verurteilung Jesu auseinanderzusetzen scheint, wie dies bereits durch den Titel „Der Prozess“ angedeutet wird.
Auch das letzte Panel, also die Darstellung Golgathas, bezeichnet das Ende des Comics, wodurch eine Behandlung des Themas Ostereignis unnötig wäre.
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„Der Prozess“ - Jesus von Nazareth aus humanistischer Sicht Fazit
Fa az zi it t F
Die Darstellungen des Comics „Der Prozess“ sind nicht einfach zu bewerten. So ist beispielsweise die Befragung Jesu ebenfalls Produkt einer abgeschwächten Evangelienharmonie 90 .
So werden hier die Befragungen durch Herodes, Pilatus und die Hohepriester zusammengefasst, was aber lediglich als Stilmittel gesehen werden muss, um den Druck innerhalb dieser Befragung darzustellen.
Somit verfälscht diese Form der Evangelienharmonie nicht das ursprünglich Gemeinte. Weiterhin ist der Comic nicht direkt als Illustration der Verurteilung und Kreuzigung Jesu zu verstehen, da er unter einem bestimmten Aspekt, nämlich dem der Behandlung des zehnten Artikels der Menschrechtsdeklaration der Vereinten Nationen, gezeichnet wurde. Unter diesem Aspekt ist „Der Prozess“ insofern gelungen, als er das Chaos dieser Verhandlung und dem auch aus der Kreuzigung resultierenden Christentum darstellt.
Auch grafisch ist der Comic recht ansprechend, da er sowohl Charakteristiken des Comics aufweist, als auch das sog. Handlettering, d.h. die handschriftliche Verarbeitung des Sprechblaseninhaltes verwandt wurde.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Vierzig Tage in der Wüste
„J Je es su us s d de er r G Ga al li il lä äe er r“ “ - - D De er r E Ev va an ng ge el li is st t L Lu uk ka as s e er rz zä äh hl lt t J Je es su us s v vo on n N Na az za ar re et th h „
Vo or rb be em me er rk ku un ng g V
Bei „Jesus der Galiläer“ von Rüdiger Pfeffer handelt es sich um einen zweibändigen Comic, der allein auf dem Evangelium nach Lukas basiert.
Wie die Überschrift bereits erwähnt, tritt hier der Evangelist Lukas selber, in der Figur eines alten Mannes, auf, der die Geschichte des Jesus von Nazareth erzählt, getreu dem Vorwort aus Lk 1,1. Denn auch dort tritt der Evangelist Lukas selbst in Erscheinung, als sein Evangelium in Form einer Art Brief verfasst wurde. Vi ie er rz zi ig g T Ta ag ge e i in n d de er r W Wü üs st te e V
Die vierzig Tage in der
Wüste beginnen mit zwölf Panels, die, ganz ohne Worte, Jesu Aufenthalt beschreiben. So werden die äußeren Bedingungen genauso gut dargestellt wie der Faktor Zeit, der durch den Untergang und Aufgang der
Sonne dargestellt wird (vgl. Abbildung 26).
Während Jesus durch die Wüste schreitet, geplagt von Hunger und Durst (vgl. Abbildung 27), tritt plötzlich der mysteriöse Teufel auf, der als Mann im Trenchcoat und ohne Gesicht dargestellt wird (vgl. Abbildung 27).
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Vierzig Tage in der Wüste
Die plötzlich rotfarbene Umgebung symbolisiert die Schwere der teuflischen Aufgabe. So schlägt der Teufel erneut die Umwandlung des Steins in Brot vor, worauf Jesus mit einem Bibelzitat kontert.
Als dies geschieht, ändert die Umgebung ihre Färbung in ihre Ursprüngliche. Die Reaktion des Teufels wird durch eine sog. Gedankenblase verdeutlicht, in der einige todbringende Symbole gezeigt werden. Neben üblichen Symbolen wie Blitzen, Käfern und einem Totenkopf ist auch die alternative Gestalt des Teufels, die Schlange zu erkennen. Die nächste Aufgabe des Teufels erweist sich als überaus gelungen: So bietet der Teufel Jesus die Macht
über alle Reiche zu allen Zeiten an, sobald dieser sich ihm unterwerfe. Rüdiger Pfeffer löst das Problem der Darstellung dieses Angebots, indem bei einem Rundflug des Teufels und Jesu verschiedene Bauwerke aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen sichtbar sind: So bieten sich dem Betrachter die Freiheitsstatue in New York,
eine Kirche, eine Moschee, Stonehenge, eine Baukran, ein Funkturm, der Eifelturm in Paris, ein Dampfschiff sowie ein Atomkraftwerk.
Als Jesus dieses Angebot ausschlägt, ändert sich die Färbung der Umgebung erneut in ein neutrales Taghell.
Die dritte Aufgabe eröffnet der Teufel, indem er mit den Fingern schnippt, so dass er und Jesus sich schließlich auf einem Tempel in Jerusalem befinden, dessen Höhe durch eine Darstellung aus der Vogelperspektive verdeutlicht wird.
Als auch diese Aufgabe mit Bravour gemeistert wird, ändert sich die Umgebung ein letztes Mal, der Teufel verschwindet, nachdem er seine Rückkehr angekündigt hat: „ Wir sehen uns wieder!!“ 91
Die Erleichterung Jesu macht Pfeffer insofern deutlich, als er Jesus sich mit einem Taschentuch durch das Gesicht fahren lässt.
Alles in allem zeichnen sich die Darstellungen zu den vierzig Tagen in der Wüste insofern als gelungen aus, als sie durch Dramatik, Detaildarstellungen und ein gewisses Maß an Ironie gespickt sind.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
Ve er ru ur rt te ei il lu un ng g
u
un nd d
K V
Die Verurteilung Jesu beginnt, wie auch die anderen zuvor, im Palast der Hohepriester, wo erneut die Befragung durch dieselben thematisiert wird.
Die unterschiedliche Darstellungsweise der Hohepriester verdeutlicht die Anwesenheit von Sadduzäern und Pharisäern. Die Ankündigung Jesu, er werde an der rechten Seite des allmächtigen Gottes sitzen (Lk 22,69), wird durch einen entschlossenen Gesichtsausdruck verdeutlicht (vgl. Abbildung 29).
Ebenso gut dargestellt ist der Zorn des Obersten Priesters, dessen Sprechblase zackig und deren Inhalt fett illustriert wird.
Die Antwort Jesu auf dessen Frage, ob er der Sohn Gottes sei, und die darauf folgende Reaktion wird außerhalb des Palastes dargestellt, womit die Wut, die schon eine zackige Sprechblase visualisiert, untermalt wird, was bedeutet, dass der Schrei, den die Reaktion mit sich bringt, so laut ist, dass er über die Mauern des Palastes hinausgeht (vgl. Abbildung 30).
Der Inhalt der Sprechblase findet innerhalb der Evangelien zwar keinen Ursprung, doch dient er zur Überleitung, um die nächsten Szenen einzuleiten.
Bei Pilatus, der von einem Balkon auf Jesus und das Volk herabblickt, rufen Einzelne aus der Menge Pilatus ihre Vorwürfe zu. Allerdings zitiert Pfeffer hier falsch, da einer der Bürger behauptet, Jesus hätte sich als den von Gott versprochenen König ausgegeben 92 . Im Evangelium nach Lukas klingt der Vorwurf des Volkes aber so:
„Wir haben gefunden, daß dieser unser Volk aufhetzt und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.“ 93
Die Begriffe ‚der König, den Gott uns versprochen hat’ und ‚ein König’ stellen einen großen Unterschied dar.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
Pilatus befragt Jesus daraufhin, ob dieser der König der Juden sei.
Als Jesus dies bejaht, spricht Pilatus seine Zweifel an Jesu Schuld aus. Das Volk berichtet daraufhin über Jesu Reden an das galiläische Volk, wodurch Pilatus beschließt, den Fall an Herodes zu übergeben.
Herodes, dessen Feindschaft zu Pilatus (vgl. Lk 23,12) durch eine Dartscheibe an einer Büste des Pilatus verdeutlicht wird, schickt Jesus nach einer kurzen Bitte einige Wunder zu vollführen, zurück zu Pilatus.
Dieser bietet dem Volk an, Jesus freizulassen, angesichts des bevorstehenden Passahfestes. Doch die Menschenmasse, die durch die Darstellung in der Mehrzahl und ihre Meinung dadurch mehr Wert erscheint, verlangt Barabbas (vgl. Abbildung 32). Doch Pilatus lässt sich nicht
abbringen, versucht weiter zu überzeugen, wird aber vom Volk überboten, was die Größe der zackigen Sprechblasen und deren Inhalt verdeutlicht (vgl. Abbildung 31). Pilatus resigniert und gestattet die Kreuzigung Jesu.
Der Weg nach Golgatha wird nicht thematisiert, lediglich die letzten beiden Panels der Seite 37 deuten Jesus an, der sein Kreuz auf dem Rücken zu tragen scheint:
- aufden Gesichtern der Umstehenden zeichnet sich ein kreuzförmiger Schatten ab
- aufdem Gesicht Jesu sind Schweißperlen zu erkennen.
Die Darstellung der Kreuzigung selbst ist an Genialität nicht mehr zu überbieten, da hier durch gedrehte und verschobene Panels verdeutlicht wird, dass durch diesen Akt die Welt aus den Fugen zu geraten scheint. Dies lässt sich nachvollziehen, wenn die einzelnen Panels als Kacheln und die Rinnsteine zwischen den Panels als Fugen betrachtet werden (vgl. Abbildung 33). Ebenfalls bemerkenswert ist die geringe Anzahl von Sprechblasen, die dem Leser verdeutlicht, dass es nur weniger Worte bedarf um das Leid Jesu und dessen Bedeutung zu verdeutlichen.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
Es ist dies der Beweis für die Qualität eines Zeichners, eine gewalttätige Handlung bedeutsam und ohne unnötige Gewalt zu visualisieren.
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
Auffällig hierbei ist auch die Darstellung des Lukas, dessen Umgebung die gleichen klimatischen Verhältnisse aufweist, wie sie auf Golgatha vorherrschen werden, sobald Jesu Kreuz aufgestellt wird.
Auch der Spott der Umherstehenden wird getroffen, insbesondere der eines Soldaten, der, aus der Vogelperspektive gezeichnet, zu Jesus hinaufblickt und Jesus anweist, sich selbst zu helfen. Ebenso werden der Spott des einen und die Zurechtweisung durch den anderen Mitverurteilten treffend visualisiert, insbesondere durch deren einerseits boshafte, andererseits liebevolle Gesichtsausdrücke.
Interessant an den drei Panels, die die Diskussion der drei Gekreuzigten thematisieren, ist die allmähliche Verdunklung des Himmels, die den Tod Jesu einläutet.
Die Darstellung des Todes Jesu ist wohl der interessanteste Punkt innerhalb des Comics, da er mehrere Interpretationsmöglichkeiten bietet (vgl. Abbildung 34). So ist sie in drei schmale Panels aufgeteilt, in der folgendes sichtbar wird.
- DerHügel Golgatha am unteren Ende des ersten Panels, auf dem die drei Kreuze stehen, über denen ein großer Blitz die verdunkelte Umgebung erhellt (1. Panel)
- JesuKopf am unteren Ende des Panels, der, so zitiert der Comic, seinen Geist in die Hände des Vater lege (vgl. Lk 23,46)
- EinPanel, das in ein tiefes Schwarz getaucht ist.
Wie bereits erwähnt, bietet der Comics hier verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. 1.) Faktoren Zeit und Raum:
2.) Symbolisierung der Mordwerkzeuge:
3.) Zeichnung zur Visualisierung von Text:
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
4.) Illustration der Trinität:
Sollte sich der Leser mit keiner dieser
Interpretationsmöglichkeiten einverstanden erklären, so muss er sich zumindest eingestehen, dass sowohl der Blitz als auch der Regen als Symbol Gottes gesehen werden muss. Genauso dient die Anordnung Jesu Kopfes an das untere Ende des zweiten Panels zur Vermittlung der Kommunikation mit Gott, der, wie bereits oben beschrieben, in den wirklichen „Himmel“ versetzt ist. Eine weitere Folge des Todes Jesu, der Tempelvorhang, scheint auf der nächsten Seite illustriert zu werden (vgl. Abbildung 35):
Es ist unklar, ob sich auf dieser Seite ein, zwei oder drei Panels befinden, da es hier erneut mehrere Interpretationsmöglichkeiten gibt:
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Verurteilung und Kreuzigung
1.) Der Riss des Tempelvorhangs:
2.) Separation der Meinungen zu Jesus:
Schließlich verlassen die Zeugen der Kreuzigung Jesu Golgatha, wobei halb soviele Frauen wie Männer dargestellt werden. Pfeffer zeigt damit, dass sowohl Frauen bei der Kreuzigung Jesu anwesend, aber eher in der Minderheit waren (vgl. Lk 23,49).
Die Darstellung der Kreuzigung schließt mit einem Blick auf die Kreuzstümpfe. Dies symbolisiert zweifellos Jesu Abstieg „in das Reich des Todes“ 94 .
Ingesamt ist die Verarbeitung der Verurteilung und Kreuzigung als mehr als gelungen zu bezeichnen, da hier erneut auf Symbolik und Details geachtet wurde, die die Bedeutung dieses Aktes hervorragend herausstellen.
Auf die genaue Beurteilung eben dieser Darstellung wird im Fazit genauer eingegangen.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Auferstehung
Au uf fe er rs st te eh hu un ng g A
Die Auferstehung beginnt, ähnlich wie bei „Bibel im Bild“, mit der Bitte Josef von Arimathäas, Jesus zu Grabe tragen zu dürfen.
Nachdem Pilatus dies erlaubt hat, legt Josef von Arimathäa, diesmal mit Hilfe von Maria von Magdala, Jesus in ein Grab.
Als die Frauen am nächsten Tag zu dessen Grab gehen, finden sie es leer vor. Die Überraschung über diesen Zustand wird durch ein großes Panel verdeutlicht, in dem die Frauen mit offenen Mündern in die Richtung des Betrachters starren, wodurch nebenbei auch noch ein Spannung aufbauender Effekt entsteht (vgl.
Abbildung 36). Ehe sie etwas sagen können, hören sie eine Stimme über ihnen, die sie begrüßt. Anschließend symbolisiert ein grellgelbes Panel die Ankunft eines Engels. Dieser erzählt ihnen, ebenso grellgelb schimmernd, von Jesu Auferstehung, wodurch die göttliche Funktion dadurch symbolisiert wird, dass sich das Gesicht des Engels über das ganze Panel erstreckt (vgl. Abbildung 37). Daraufhin laufen die Frauen zu den Jüngern, die im Comic liebevoll als „Jungs“ bezeichnet werden. Die Darstellung der Jungs erfolgt insofern als hervorragend, als sich die Jünger als eine Art Bande erweisen, die ohne Orientierung auf ein Paar Stufen sitzt, was die Problematik des Todes Jesu für erweist, da ihnen sozusagen der Anführer genommen wurde.
Die Jünger, bis auf Petrus, bezweifeln die Auferstehung Jesu und stellen somit Maria von Magdala und ihre Gefährtinnen als „Träumer“ dar, wie auch in einer Sprechblase erwähnt wird 95 . In den nachfolgenden Panels ist die Verwirrung Petrus dargestellt, der nachdenklich durch eine Stadt geht, wobei die in grau gefärbte Umgebung seine momentane Stimmung widerspiegelt (vgl. Lk 24,12).
Im nächsten Panel sind Kleopas und sein Freund dargestellt, die, wie uns ein Textfeld verrät, auf dem Weg nach Emmaus sind. Das Textfeld erwähnt die Entfernung von zehn Kilometern, was einerseits erneut die Detailliebe des Zeichners, andererseits den Drang nach Modernisierung zeigt, da in Lk 24,13 lediglich von „zwei Wegstunden“ die Rede ist.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Auferstehung
Kleopas und sein Freund, die im Übrigen nicht als Mitglieder der elf Jünger bezeichnet werden, was erneut auf die explizite Recherche des Zeichners schließen lässt, diskutierten über die Geschehnisse der letzten Zeit, als Jesus aus dem Nichts aufzutauchen scheint, was sowohl durch die Linien um Jesu Kopf, als auch durch die Speedlines, die die plötzliche Bewegung Kleopas und seines Freundes verdeutlichen, symbolisiert wird (vgl. Abbildung 38). Auch die Begrüßung „Schalom!“ ist interessant, da sie zwar keinen Ursprung in den Evangelien findet, aber trotzdem, auf Grund ihres hebräischen Ursprungs, Sinn macht.
Jesus befragt die beiden nach dem Thema ihrer Diskussion, worauf sie ihm, etwas entrüstet, die Geschichte von Jesu Auferstehung erzählen, worauf dieser sie mit Zitaten des Alten Testaments zurecht weist.
Die Diskussion scheint lange zu dauern, da es bereits dunkel wird, als sie Emmaus erreichen.
Auf Grund der bevorstehenden Nacht bitten die beiden Jesus mit ihnen zu essen.
Beim Essen bricht Jesus das Brot, nachdem er Gott dafür gedankt hat, wodurch er sich den beiden zu erkennen gibt.
Schließlich verschwindet Jesus, was erneut durch Striche um eine helle Stelle, an der Jesus zuvor saß, symbolisiert wird (vgl. Abbildung 39).
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Auferstehung
Dieser abrupte Schluss, der die Erscheinung vor den Jüngern und den Auftrag Jesu verschweigt, wirft eine zentrale Frage auf, die im Fazit noch näher in Augenschein genommen wird.
„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Fazit
Fa az zi it t F
Den Comic „Jesus der Galiläer“ als gelungen zu bezeichnen, ist fast noch untertrieben, da er, auf Grund detaillierter Darstellung, die auf explizite Recherche basiert, und kindlicher, aber keineswegs simpler Zeichnungen, eine Darstellung Jesu erwirkt, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene interessant und aufschlussreich ist.
Insbesondere die Funktion des Lukas innerhalb seines Evangeliums wird durch einige Effekte kenntlich gemacht:
So ist Lukas, der die Geschichte Jesu, aus eigenem Interesse geleitet, verfasst um somit dessen Lehren zu verbreiten, als Missionar des Christentums zu verstehen. Gerade diese Stellung als Missionar wird im Comic dadurch verdeutlicht, dass er einer Frau in einem Bus die Geschichte Jesu erzählt.
Weiterhin wird die Leidenschaft Lukas, die ihn beim Niederschreiben seines Evangeliums geleitet haben wird, durch einige Kleinigkeiten symbolisiert:
So entspricht sowohl das Klima seiner Umgebung, die Umgebung selbst, als auch die Tageszeit exakt der, in der sich die Erzählungen abspielen:
- AlsKleopas und sein Freund gemeinsam mit Jesus Emmaus erreichen dämmert es bereits. Ebenso wie im vorherigen Panel, in dem Lukas in einem Straßencafé sitzt, das sich ebenfalls in einer Stadt befindet (vgl. Abbildung 41 und 42).
- DerRegen, der während Jesu Kreuzigung vorherrscht, ist im dies einleitenden Panel ebenso zu erkennen (vgl. die ersten beiden Panels in Abbildung 33)
Ebenso schön dargestellt ist die Bedeutung Jesu für das ärmere und niedere Volk (vgl. Abbildung 41).
Es ist dies ebenfalls Beweis für die Detailliebe Pfeffers.
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„Jesus der Galiläer“ - Der Evangelist Lukas erzählt Jesus von Nazareth Fazit
Allerdings bleibt offen, weshalb der Comic mit der Erscheinung Jesu in Emmaus schließt und somit dessen Himmelfahrt unterschlägt.
Möglich ist, dass Pfeffer sich mit seinen Zeichnungen auf die Darstellung Jesu von Nazareth beschränken wollte, was auch den Titel „Jesus der Galiläer“ erklären würde. Trotz dieser Einschränkung, erweist sich „Jesus der Galiläer“ als ein Werk, das durchaus in der Lage ist, Jesus als eine durchaus medienfähige Figur darzustellen, die auch ohne die übliche Darstellungsweise mit langen Haaren und ernstem Gesicht auskommt.
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Sc ch hl lu us ss sw wo or rt t S
Nach der Betrachtung der drei Comics ergibt sich vor allem, dass die Qualität äquivalent zur Quellennähe zu steigen scheint.
So verliert die Darstellung in „Bibel im Bild“ vor allem wegen der Verwendung einer auf die Evangelienharmonie basierenden Quelle an Qualität.
Auch die grafische Qualität leidet unter dem Versuch der Evangelienharmonie, da durch eben diese die Visualisierung hinter dem Text verschwindet, da der Zeichner davon ausgegangen sein wird, dass durch diesen bereits das zu Vermittelnde vermittelt wurde, was vor allem an der häufigen Verwendung von Textfeldern zu erkennen ist.
Die Mittelmäßigkeit des Comics lässt sich vor allem an emotionslosen Menschen, billigen Kolorierungen und sich vom Text unterscheidenden Illustrationen belegen. Somit ist verständlich, dass der Comic, wie bereits in „Bibel im Comic - Geschichte und Sinn“ erwähnt, auf Grund seiner minderen Qualität zunächst nicht in Deutschland erschienen ist. Der Comic „Der Prozess“ ist insofern schwer in den Kreis der Bibelcomics aufzunehmen, als er unter dem Aspekt der Menschenrechtsdeklarationen von 1948 gezeichnet wurde. Allerdings finden sich auch hier Punkte, die sich der Kritik nicht entziehen können. So ist es das Ergebnis einer abgeschwächten Evangelienharmonie, was sich insofern zeigt, als sich keine direkte Quelle für die Darstellungen erkennen lässt.
Als qualitativ bester Comic erweist sich „Jesus der Galiläer“, der, wie bereits erwähnt, von Detailliebe und Genauigkeit lebt.
Ein möglicher Grund für die unterschiedliche Darstellung findet sich in der unterschiedlichen Herkunft der Comics. So stammt „Bibel im Bild“ aus den USA, „Der Prozess“ aus Italien und „Jesus der Galiläer“ aus Deutschland.
Alle diese Länder bringen einen unterschiedlichen Grad der Gläubigkeit mit sich, so dass es logisch erscheint, dass ein ziemlich gläubiges Italien für eine recht abstrakte Variante des Bibel-Comics verantwortlich ist.
Auch ein recht liberaler Sinn für Religion macht es dem Deutschen Rüdiger Pfeffer möglich, ein karikierendes Bild Jesu zu erstellen. Alles in allem ergibt sich vor allem eins:
Die Darstellung der Wandlung von Jesus von Nazareth zu Jesus Christus wird in keinem der verwendeten Comics deutlich zur Schau gestellt.
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Zwar ist anzumerken, dass es für einen Zeichner schwer sein mag, eine Person in zwei verschiedenen Varianten zu zeichnen, ohne auf maßgebliche Charakteristiken der Person zu verzichten.
Allerdings bietet gerade die Verwendung von Klischees, wie beispielsweise das des Heiligenscheins, Möglichkeiten, dieses Problem zu umgehen.
Trotz dieses Problems wird deutlich, dass sich Bibel und Comic keineswegs ausschließen und somit hoffentlich bald Beachtung in wissenschaftlicher Literatur finden werden.
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1 P. Antes, Jesus zur Einführung, Hamburg 1998 1 , S. 7
2 Zu meinem Bedauern muss ich anmerken, dass mir nicht aufgeführte Sekundärliteratur leider
nicht zugänglich war, da sie erst in Literaturangaben mir sehr spät zugänglicher Werke erwähnt
wurde und ich somit, eben auch auf Grund der geringen Zeit, keine Möglichkeit sah mich dieser
Werke zu bemächtigen. Ich danke für Ihr Verständnis.
3 F.T. Brinkmann, Comics und Religion, Köln 1999 1 , S. 9
4 Ebd.
5 S. McCloud, Comics richtig lesen, Hamburg 1994 1 , S. 109
6 Ebd., S. 111
7 Ebd., S. 110
8 Ebd., S. 74
9 Ebd., S. 75
10 Ebd.
11 Ebd., S. 78ff.
12 Ebd., S. 53
13 F.T. Brinkmann, a.a.O., S. 14
14 D. Grünewald, Comics - Kitsch oder Kunst?, Basel 1982 1 , S. 284
15 Ebd.
16 Ebd., S. 282
17 Ebd.
18 S. McCloud, a.a.O., S. 119
19 Ebd.
20 Ebd., S. 25
21 Ebd., S. 17
22 A.C. Knigge in: Ebd., S. 4
23 W.J. Fuchs und R. Reitberger, Comics-Handbuch, Hamburg 1978, S. 18
24 A.C. Knigge in: S. McCloud, a.a.O., S. 4
25 siehe Kapitel „Definition“
26 D. Grünewald, a.a.O., S. 284
27 S. McCloud, a.a.O., S. 21f.
28 Ebd., S. 18f.
29 Ebd. S. 20f.
- 54 -
30 Ebd. S. 154f.
31 W.J. Fuchs und R. Reitberger, a.a.O., S. 57
32 Ebd., S. 57ff.
33 Ebd., S. 38f.
34 Die Simpsons: Die komplette Season One - Collectors Edition, Film, USA 2001
35 W.J. Fuchs und R. Reitberger, a.a.O., S. 89
36 Ebd.
37 Ebd., S. 93
38 Ebd.
39 Ebd.
40 Ebd.
41 Ebd., S. 91
42 Ebd.
43 Ebd.
44 Ebd., S. 93
45 P. Antes, a.a.O., S. 13
46 Ebd., S. 16
47 Ebd.
48 Ebd., S. 54
49 Ebd., S. 55
50 Ebd., S. 42
51 Ebd., S. 41f.
52 Ebd., S. 41
53 Ebd.
54 Microsoft Encarta 1999, Suchbegriff: „Evangelium“
55 Ebd.
56 P. Antes, a.a.O., S. 42
57 W.J. Fuchs und R. Reitberger, a.a.O., S. 91ff
58 Die Zitierweise erfolgt bei Bibelstellen, indem zunächst das Evangelium, meist angegeben durch
sein Kürzel, d.h. Mt für Matthäus, Mk für Markus, Lk für Lukas und Joh für Johannes, genannt wird.
Anschließend werden das Kapitel und der Vers genannt, die voneinander durch ein Komma
- 55 -
getrennt sind. Die Angabe des Kapitels und des Verses erfolgt nach der in der Bibel angegebenen
Zählweise.
59 Bibel im Bild - Band 12: Der König kommt, S. 24
60 Darstellung, bei der der Betrachter sich räumlich orientiert und der Zusammenhang der
Handlung für ihn sichtbar wird
61 vgl. Mk 1, 13
62 Bibel im Bild - Band 12: Der König kommt, S. 24
63 vgl. Ebd.
64 Ebd., S. 25
65 Bibel im Bild - Band 12: Der König kommt, S. 25
66 Dieser Ausruf bezieht sich zweifelsohne auf Pilatus, da er auf diesen Satz hin, Jesus als König
vorstellt, um sich somit dem Vorwurf des Strebens nach einer Königsstellung zu entziehen.
67 Bibel im Bild - Band 13: Schuldlos verurteilt, S. 46
68 Zwar ist dies anzunehmen, doch wäre Pilatus, auch im Bewusstsein dessen, nicht in der Lage
gewesen die Massen umzustimmen.
69 Bibel im Bild - Band 13: Schuldlos verurteilt, S. 48
70 Ebd., S. 49
71 Ebd.
72 S. McCloud, a.a.O., S. 102ff
73 Bibel im Bild - Band 13: Schuldlos verurteilt, S. 54
74 Lk 23,44
76 vgl. Stuttgarter Erklärungsbibel, Sacherklärungen, Stuttgart 1992, S. 69
77 Bibel im Bild - Band 13: Schuldlos verurteilt, S. 54
78 vgl. Ebd., S. 55
79 vgl. Stuttgarter Erklärungsbibel, a.a.O., S. 70
80 vgl. Erklärung zu Lk 23,48 in: Stuttgarter Erklärungsbibel, Stuttgart 1992, S. 1319
81 Bibel im Bild - Band 13: Schuldlos verurteilt, S. 56
82 Ebd., S. 58
83 Ebd., S. 59
84 Ebd., S. 63
85 B. Metzger in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart - Band II D-G, Tübingen 1958, S. 770
86 Ebd.
- 56 -
87 Vgl. Definition des Comics
88 vgl. A.H. Palacios, Der Prozess in: Die Menschenrechte - Gegen Folter, Krieg und Unterdrückung,
Hamburg 1991 1 , S. 9
89 Ebd., S. 11
90 vgl. „Bibel im Bild“ - Ein gescheiterter Versuch der Evangelienharmonie - Fazit
91 R. Pfeffer, Jesus der Galiläer/1, Stuttgart 1992, S. 24
92 R. Pfeffer, Jesus der Galiläer/1, Stuttgart 1992, S. 33
93 Lk 23,1
94 vgl. Glaubensbekenntnis
95 vgl. R. Pfeffer, Jesus der Galiläer/2, Stuttgart 1992, S. 45
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Christian Holmok, 2002, Die Darstellung Jesu Christi im Neuzeitmedium Comic anhand der Reihe "Bibel im Bild" und anderen ausgesuchten Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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