Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Begriffseinordnung und Definitionen. 1
2.1 Verhalten und Zeichen. 2
2.1.1 Verbales Verhalten. 2
2.1.2 Nonverbales Verhalten. 2
2.1.2.1 Funktionen Nonverbalen Verhaltens. 3
2.1.2.2 Formen Nonverbalen Verhaltens. 3
2.2 Nonverbale Kommunikation. 4
2.3 Interaktion. 6
3 Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft. 6
3.1 Welche möglichen nonverbalen Signalsysteme gibt es? 6
3.1.1 Gesichtsausdruck. 7
3.1.2 Blick, Blickrichtung und Blickkontakt. 8
3.1.3 Körperbewegungen und Gesten. 10
3.1.4 Räumliches Verhalten und Körperkontakt. 14
3.2 Zusammenhang zwischen den Signalsystemen. 14
3.3 Die Bedeutung der Körperhaltung für Spitzenpolitiker und Manager. 15
3.3.1 Was versteht man allgemein unter Körperhaltung? 15
3.3.2 Verschiedene Formen von Körperhaltungen. 15
3.3.2.1 Stehen. 17
3.3.2.2 Sitzen. 20
4 Zusammenfassung und Fazit. 22
5 Literaturverzeichnis. 24
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1. Einleitung
Wohl die meisten Menschen sind der Ansicht, dass sie mit ihren Mitmenschen hauptsächlich durch Sprache kommunizieren. Doch so unglaublich dies auf den ersten Blick klingen mag: der Großteil menschlicher Kommunikation läuft nicht über den verbalen Kanal. Die nonverbale Kommunikation, oft schlicht als Körpersprache bezeichnet, besitzt tatsächlich einen weitaus größeren Anteil an der zwischenmenschlichen Kommunikation als die verbale. Wissenschaftler sprechen für die verbalen Verhaltensweisen nur von einem Anteil im unteren einstelligen Prozentbereich!
Nonverbale Signale sind oft unbewusster Natur und werden von uns nur unbewusst ausgesandt und wahrgenommen. Doch auch wenn uns dies nicht bewusst ist, spielt die nonverbale Kommunikation dennoch im Alltag eine bedeutende Rolle. Die Wissenschaft erkannte die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation schon Ende der 1950er Jahre, als die Sozialpsychologie verstärkt anfing sich dieses Themas anzunehmen. Seitdem wurden auf diesem Gebiet zahlreiche neue und bedeutende Einsichten gewonnen. Umso verwunderlicher scheint der noch immer weit verbreitete Analphabetismus in Bezug auf Körpersprache. Doch auch verschiedene Bereiche aus der Praxis haben die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation schon seit Jahren erkannt. Besonders die Entwicklung der Wirtschaft und die Herausbildung einer Leistungsgesellschaft scheinen hierbei eine Rolle gespielt zu haben. Mehr und mehr wurde die nonverbale Kommunikation als Mittel zum Erfolg angesehen. Auch vom ehemaligen US-Präsident Ronald Reagan ist bekannt, dass er eine ganze Reihe verschiedener Berater beschäftigte, die ihn auch in Hinblick auf seine Körpersprache berieten. Seine Pressekonferenzen und Auftritte waren minuziös geplant. Die amerikanische Politik hat in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle. Auch in der deutschen Politik werden PR-Berater, Kommunikations-Coaches und Stilberater immer verbreiteter. Doch auch Spitzenmanager erachten nonverbale Kommunikationsfähigkeiten für ihren persönlichen Erfolg zunehmend als wichtig. Der gezielte Einsatz nonverbaler Kommunikation wird in diesen Bereichen immer mehr als Erfolgsfaktor angesehen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im zweiten Kapitel damit wie wichtige Begriffe aus dem Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation eingeordnet werden können. Die Notwendigkeit dies zu tun wird schnell klar, wenn man z.B. daran denkt auf welch selbstverständliche Art und Weise der Terminus Kommunikation von Menschen in unterschiedlicher Bedeutung gebraucht wird. Kapitel drei geht anschließend auf die verschiedenen nonverbalen Signalsysteme ein und stellt jeweils einen Bezug zu Politik und Wirtschaft her. Sind Personen, die um die Wirkung von nonverbaler Kommunikation wissen erfolgreicher in dem was sie tun? Können sie ein besseres Image von sich erzeugen? Es wird anschließend gefragt welche Bedeutung die Körperhaltung als nonverbale Verhaltensweise speziell für Spitzenpolitiker und Topmanager besitzt. Anhand verschiedener Beispiele wird dieser Frage nachgegangen. Worin sollte die Bedeutung der Körperhaltung liegen? Welche Funktionen kann sie erfüllen und wie ist die Wirkungsweise? Im vierten Kapitel werden dann die wichtigsten Aussagen der Arbeit nochmals zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
2. Begriffseinordnung und Definitionen
Bevor die Körperhaltung als zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit in den Mittelpunkt rücken kann, wird in diesem Kapitel zunächst eine Einordnung der zahlreichen Fachbegriffe aus dem Problemfeld der Kommunikation erfolgen. Danach wird gezeigt, wo die Körperhaltung innerhalb dieser Terminologie bzw. Systematisierung angesiedelt ist. Dies soll dazu dienen,
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Missverständnisse in dieser Arbeit durch das Verwenden einer einheitlichen Terminologie zu vermeiden.
Die Kommunikation ist Untersuchungs- und Forschungsgegenstand vieler wissenschaftlicher Disziplinen wie z.B. Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Linguistik, Sprachphilosophie, Medienforschung oder Sozialpsychologie. In theoretischen wie empirischen Beiträgen dieser unterschiedlichen Disziplinen werden daher zentrale Begriffe von Autor zu Autor unterschiedlich verwendet. Einen Konsens über die Definition des Begriffs der Kommunikation gibt es nicht. Nach Scherer und Wallbott (1979) ist eine solche Definition gerade für die Unterscheidung zwischen Kommunikation und Interaktion notwendig.
2.1 Verhalten und Zeichen
Um zu einer Definition von Interaktion und Kommunikation zu gelangen, wird zunächst die elementare Ebene der Zeichen oder Signale betrachtet. Argyle (1989, S.14) gibt dazu folgende Definition: Mit Zeichen oder Signal meinen wir ein Element des Verhaltens [....] , das von den Sinnesorganen eines zweiten Organismus wahrgenommen wird und dessen Verhalten beinflusst . Prinzipiell kann also jedes Verhalten oder bloßes Tun als Zeichen oder Signal dienen. Betrachtet man eine Situation mit zwei Personen, bei der eine Person husten muss, weil es sie im Hals kratzt, so liegt damit noch kein Zeichen vor. Wird jedoch dieses Husten von der anderen Person wahrgenommen und der Schluss daraus gezogen, dass es die erste Person wohl im Hals kratzen muss oder sie eventuell erkältet ist, dann liegt ein Zeichen oder Signal vor. Entscheidend ist demnach, dass die zweite Person das Husten wahrnimmt und dies interpretiert und nicht etwa, ob das Husten der ersten Person mit oder ohne Absicht geschah.
Zeichen können viele mögliche Erscheinungsformen annehmen. Dies lässt sich leicht am Beispiel eines Gesprächs zwischen mehreren Personen klarmachen. Das Gespräch besteht sowohl aus verbalen Zeichen (Wörter, Sätze), als auch aus nonverbalen Zeichen. Man kann somit verbale Sprache und nonverbale Sprache unterscheiden.
2.1.1 Verbales Verhalten
Die verbale Sprache umfasst das Sprechen an sich, Geschriebenes und Gesten, welche für Wörter oder Buchstaben stehen (vgl. Argyle 1989, S.17). Verbale Sprache als System der zwischenmenschlichen Kommunikation ist Gegenstand der Linguistik. Auf verbale Verhaltensweisen soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie stehen nicht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Aufgrund des komplementären Verhältnisses von verbalen und nonverbalen Verhaltensweisen wird jedoch im Laufe dieser Arbeit auf die Verbindung dieser beiden Arten menschlichen Verhaltens eingegangen.
2.1.2 Nonverbales Verhalten
Nonverbale Sprache oder nonverbales Verhalten ist dadurch charakterisiert, dass es zusätzlich zum verbalen Verhalten auftreten kann. Für das Beispiel des Gesprächs zwischen zwei Personen bedeutet dies, dass das Sprechen immer von nonverbalen Zeichen begleitet wird, welche unterschiedliche Zwecke erfüllen. In bestimmten Fällen kann nonverbales Verhalten jedoch auch für sich allein stehen.
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2.1.2.1 Funktionen Nonverbalen Verhaltens
In Anlehnung an die Zeichentheorie (Semiotik) von Morris 1 , der Syntaktik, Semantik und Pragmatik unterschied, können auch nonverbale Verhaltensweisen und ihre Funktionen nach diesem Schema eingeteilt werden. Während die Syntaktik die Beziehung der Zeichen untereinander sowie die Übermittlung von Information bezeichnet, steht bei der Semantik die Bedeutung der Zeichen im Mittelpunkt und die Pragmatik regelt die Beziehung der Zeichen zum Sender 2 . Eine nonverbale Verhaltensweise hat eine semantische Funktion, wenn sie in Beziehung steht zur Bedeutung des verbalen Verhaltens, welches sie begleitet. Tritt ein nonverbales Zeichen komplett an die Stelle eines Wortes oder einer Einstellung, so spricht man von Substitution. Ein Beispiel hierfür wäre Schulterzucken auf eine Frage hin, wenn die entsprechende Person damit ausdrücken will, dass sie die Antwort auf die Frage nicht kennt. Amplifikation, als die Betonung, Verstärkung oder Verdeutlichung des Verbalen durch nonverbales Verhalten, findet man oft bei Vorträgen, Reden oder auch in alltäglichen Gesprächssituationen wieder. Hier wird oft versucht das Gesprochene durch Hand- oder Armbewegungen zu verdeutlichen und zu unterstützen. Bei der Modifikation wird dagegen versucht, die Bedeutung der mit dem Verbalen vermittelten Inhalte leicht zu modifizieren. Eine weitere Funktion nonverbalen Verhaltens kann die Kontradiktion sein, bei der ein Widerspruch zwischen der Bedeutung des verbalen und nonverbalen Verhaltens erzeugt wird. Diese Funktion wird z.B. gebraucht, wenn eine Person zynisch oder ironisch sein will. Die Synchronisationsfunktion dient dazu, die verschiedenen Elemente der Kommunikation zu vereinbaren und in Einklang zu bringen. So können bestimmte nonverbale Zeichen ankündigen, dass ganz bestimmte verbale Zeichen folgen werden.
Nonverbales Verhalten kann also dazu dienen, das Gesprochene zu veranschaulichen und zu verdeutlichen, das Gespräch als Prozess zu synchronisieren oder etwa dem Gesprächspartner Feedback zu geben. Zusammen mit der Illustrierung kann mit der Strukturierungsfunktion nichtverbaler Verhaltensweisen eine bessere Informationsverarbeitung gewährleistet werden. Auch lassen sich Gefühle und Emotionen unter Umständen leichter ausdrücken als mit Worten. Zudem kann durch nonverbales Verhalten Information über die Persönlichkeit (im Sinne andauernder persönlicher Eigenschaften) und den Zustand einer Person vermittelt werden. Diese sogenannte Expressionsfunktion nonverbalen Verhaltens wird später im Rahmen der genaueren Betrachtung der Körperhaltung noch thematisiert werden.
2.1.2.2 Formen Nonverbalen Verhaltens
Es stellt sich nun die Frage in welcher Form diese nonverbalen Zeichen konkret auftreten. Zum einen können diese Zeichen von der Sprache selbst abhängig sein, wie etwa die Intonation, die Stimmhöhe und die Betonung. Diese Signale werden als prosodisch bezeichnet. Weitere nonverbale Zeichen sind die personenspezifische Stimmqualität oder die Schriftgestalt. Diese vom sprachlichen Inhalt unabhängigen nonverbalen Zeichen bezeichnet man als paralinguistisch. Posner (1986) 3 weist darauf hin, dass für das Verstehen nonverbaler Zeichen auch außersprachliche Umstände von Bedeutung sind. Bei der Produktion von nonverbalen Zeichen
1 Morris, Charles W. (1938): Foundation of the Theory of Signs. In: Otto Neurath, Rudolf Carnap und Charles W. Morris (Hrsg.), International Encycopedia of Unified Science, Band 1, Nr. 2, University of Chicago Press, Chicago, S. 77-137.
2 vgl. dazu: Scherer, Klaus R., Wallbott, Harald G. (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, 1979, S. 25f.
3 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ; de Gruyter, 1986, S.272f.
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könnte man sich etwa fragen unter welchen Umständen oder an welchem Ort diese erfolgt ist (Fand das Gespräch in vertrauter Umgebung statt?). Aber auch die Empfängerseite kann auf analoge Weise betrachtet werden. Folgende Darstellung in Anlehnung an Posner (1986) soll die angesprochene Klassifikation nochmals verdeutlichen.
Die Körperhaltung als spezieller Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit wird wie die Körperbewegungen den außersprachlichen Umständen zugerechnet, welche wiederum Teil des Nonverbalen sind. In der Abbildung lässt sich erkennen, dass nonverbal und nichtsprachlich keineswegs synonym zu verwenden sind, da nonverbales Verhalten auch prosodisches Verhalten miteinschließt.
2.2 Nonverbale Kommunikation
Nonverbales Verhalten umfasst solche Verhaltensweisen, die im Kontext von Verbalisierungen auftreten ( vgl. Wiener et alii, 1972). Die Frage ist dann, welche zusätzliche Bedingung erfüllt sein muss, damit nonverbale Kommunikation vorliegt. Tritt zum nonverbalen Verhalten dessen Wahrnehmung durch eine andere Person hinzu und zieht diese Schlüsse aus dem Verhalten, so spricht man von einem nonverbalen Zeichen 4 . Damit aber Kommunikation vorliegt, muss dieses Zeichen mit der Absicht produziert worden sein, einer anderen Person eine Botschaft zu vermitteln. Wenn (nonverbale) Zeichen, als Träger von Bedeutungen, dazu dienen etwas mitzuteilen, liegt (nonverbale) Kommunikation vor.
In unserem Beispiel des Gesprächs zwischen zwei Personen kann ein Gesprächspartner dem anderen beispielsweise durch eine abschätzige Handbewegung signalisieren, dass er die von ihm vorgebrachten Argumente für unbedeutend oder falsch hält. Nonverbales Verhalten durch das Abwinken liegt vor, da es zusätzlich zum Gespräch der beiden Personen auftritt. Zum nonverbalen Zeichen wird es dadurch, daß die eine Person abwinkt, die andere Person dies wahrnimmt und ihre Schlüsse daraus zieht. Zur nonverbalen Kommunikation wird es dadurch, daß diejenige Person, die abwinkt, die Absicht verfolgt, der anderen Person mitzuteilen was sie von deren Argumenten hält und diese Absicht von ihr auch erkannt wird.
4 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ;de Gruyter, 1986, S.278f.
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Körperhaltung oder Körperbewegungen, die nicht im Rahmen verbalen Verhaltens auftreten, können demnach nach dieser Auffassung nicht als nonverbal bezeichnet werden 5 . Folgende Grafik fasst vereinfacht diese Überlegungen noch einmal zusammen:
Der Mitbegründer der Schule von Palo Alto, Paul Watzlawick, vertritt dagegen die Auffassung, dass es dem Menschen nicht möglich sei sich nicht zu verhalten, da Verhalten kein Gegenteil besitze. Für ihn besitzt jedes Verhalten den Mitteilungsaspekt und stellt somit Kommunikation dar. Als Konsequenz daraus stellt er die Formel auf: Man kann nicht nicht kommunizieren. (Watzlawick 1996, S. 53). Auch Schweigen und Nichthandeln ist für Watzlawick Kommunikation. Als Beispiel führt er einen in einem Wartesaal sitzenden Mann an, der schweigend auf den Boden starrt. Damit kommuniziere er schweigend, daß er von anderen Personen nicht angesprochen werden möchte.
Unabhängig von der Frage, wie Kommunikation definiert wird, erfüllt sie bestimmte Funktionen für die Menschen, die sich ihrer bedienen. Kommunikation dient allgemein der Übermittlung von Informationen und ist in der Lage, dadurch die in einer Situation vorhandene Ungewissheit zu reduzieren. Das in einer Situation vorhandene Wissen nimmt zu. So ist der Empfänger des Zeichens Abwinken nun im Bilde darüber was sein Gesprächspartner von bestimmten
Argumenten hält. Kommunikation vermittelt Informationen über die Identität, den Zustand und die Beziehungen des Senders einer Botschaft zu dessen Umwelt
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. Birdwhistell (1963) weist darauf hin, dass Kommunikation, sei sie verbal oder nonverbal, die Funktion haben kann, soziale Ordnung herzustellen, diese zu regeln und zu erhalten. Gespräche zwischen Menschen dienen nicht nur der reinen Vermittlung von Informationen, sondern auch der Pflege sozialer Beziehungen und der Erhöhung menschlicher Bindungen. Oftmals werden in Gesprächen für alle Parteien schon bekannte Informationen noch einmal übermittelt, so dass hier der Informationsaspekt in den Hintergrund rückt. Man kann hier z.B. an die Frage Wie geht es Dir? denken. Hier ist die Antwort dem Fragenden oft schon bekannt (bei engeren Beziehungen)
oder sie findet im Rahmen eines Smalltalks statt, so dass die Antwort unter Umständen gar nicht im Mittelpunkt des Interesses steht. Die Frage kann hier zur Einleitung eines Gesprächs dienen 7 . Auch durch nonverbale Kommunikation muss nicht immer zusätzliche Information vermittelt werden. Berührungen im Rahmen von Gesprächen können den Zusammenhalt und Vertrautheit fördern und Körperbewegungen bzw. die Körperausrichtung können den Raum für die Kommunikation von Personen gegen Eindringlinge abschirmen.
5 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ;de Gruyter, 1986, S.275.
6 vgl. dazu: Scherer, Klaus R., Wallbott, Harald G. (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, 1979, S. 17
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vgl. Scheflen, A. (1976): Körpersprache und soziale Ordnung, Stuttgart, Klett, S. 21ff.
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2.3 Interaktion
Im Gegensatz zur Kommunikation ist die Interaktion gekennzeichnet durch folgenden Ablauf: Es erfolgt ein Verhalten einer oder mehrerer Personen, welches das Verhalten anderer Personen beeinflusst. Wird durch dieses Verhalten wiederum ein bestimmtes Verhalten der Ersteren hervorgerufen, liegt interaktives Verhalten vor. Es erfolgt also nicht nur eine Reaktion auf ein Verhalten, sondern die Reaktion muss eine weitere Reaktion in Form von Verhalten hervorbringen. Interaktion bezeichnet demnach einen zeitlich unmittelbar ablaufenden Prozess von aufeinander bezogenem Verhalten, der mindestens drei Zeitpunkte umfasst 8 . Hat die Person bemerkt, dass ihr Gesprächspartner ihre Argumente missbilligt und ändert daraufhin ihre Argumentation, hat ein Verhalten und eine Reaktion darauf stattgefunden. Wird durch die Änderung der Argumentation die andere Person dazu bewegt nicht mehr Abzuwinken oder gar zuzustimmen, hat Interaktion stattgefunden. In diesem Fall traten Kommunikation und Interaktion gemeinsam auf. Dies muss aber keineswegs immer der Fall sein. So kann es durchaus kommunikatives Verhalten geben ohne ein Stattfinden von Interaktion. Genauso kann umgekehrt auch interaktives Verhalten ohne Kommunikation stattfinden. Auf diese Fälle soll an dieser Stelle aus Platzgründen jedoch nicht genauer eingegangen werden.
3 Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft
Nach der Erklärung wichtiger Begriffe, soll nun in diesem Kapitel konkret darauf eingegangen werden, welche Rolle nonverbale Kommunikation 9 in Politik und Wirtschaft spielt. Dazu wird zuerst das prinzipiell verfügbare Instrumentarium erläutert, welches unbewusst von den Akteuren gebraucht wird, aber auch dasjenige, das zielgerichtet eingesetzt werden kann. Im Falle des zielgerichteten Einsetzens der Körpersprache kann diese als Kommunikationsinstrument verstanden werden. Die Möglichkeiten und Grenzen der Fähigkeit seinen Körper zielgerichtet als Kommunikationsinstrument einzusetzen werden an dieser Stelle erörtert. Danach wird der Fokus speziell auf die Körperhaltung, deren Bedeutung, Funktionen und Einsatzmöglichkeiten gelegt. Im Anschluss wird dies anhand mehrerer Beispiele aus der Wirtschaft und der politischen Praxis verdeutlicht und analysiert.
3.1 Welche möglichen nonverbalen Signalsysteme gibt es?
Nonverbale Kommunikation ist zentral für das menschliche Sozialverhalten, denn sie kann Funktionen erfüllen, die die Sprache für sich allein genommen nicht leisten kann 10 . Scherer und Wallbott (1979, S. 13) bezeichnen sie als Ansammlung von Verhaltensweisen, die unter Umständen kommunikative Funktionen übernehmen können. Unter diesen Verhaltensweisen findet man solche, die nur indirekt kommunikativ wirken 11 . Man kann dabei an Größe und Körperbau eines Menschen denken, an Kleidung und die äußere Erscheinung oder aber die Lichtsituation und den Raum, innerhalb dessen Kommunikation stattfindet. Zu den direkt kommunikativen nonverbalen Verhaltensweisen gehören Gesichtausdruck (Mimik), Blick, Blickrichtung, Blickkontakt, Körperbewegungen und Gestik, Körperhaltung, sowie räumliche Orientierung und Körperkontakt 12 . Im Folgenden werden diese nonverbalen Verhaltensweisen
8 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ;de Gruyter, 1986, S.278.
9 Der Begriff Körpersprache wird im Folgenden synonym zu nonverbaler Kommunikation gebraucht.
10 Vgl. dazu Kapitel 2.1.2.1
11 Klinzing, Gerhard (1993): Nichtverbale Kommunikation und Ausdrucksmanagement, GDI-Impuls, Heft 2/93 (1993), S. 46ff.
12 Es ließen sich hier noch mehr Verhaltensweisen anführen.
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und deren Funktionen näher betrachtet. Politiker und Manager 13 machen sich diese Funktionen gezielt zu eigen und setzen sie in der öffentlichen Kommunikation zu ihren Zwecken ein. Gleichzeitig läuft auch bei ihnen der Großteil nonverbaler Kommunikation unbewusst ab, was wiederum dessen Analyse ermöglicht. Für diese Personen ist charakteristisch, dass sie ein hohes Maß an Macht und Verantwortung besitzen. Darüber hinaus müssen sie mit einer Vielzahl von Leuten wiederholt kommunizieren. Sie stehen daher sehr oft im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung und Berichterstattung. Diese Berichterstattung durch Fernsehen und Printmedien wird zunehmend bildlich-plakativer 14 und erhöht so die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation in der Erreichung ihrer Ziele.
3.1.1 Gesichtsausdruck
Wir sprechen mit unseren Stimmorganen, aber wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper (Klinzing 1993, S.46). Wenn ein Mensch uns anlächelt, uns grimmig anschaut oder verträumt aussieht, so teilt uns dies in Sekundenbruchteilen eine Fülle von Informationen mit. Es wäre mit Worten nur mit einem sehr viel größeren Aufwand möglich auszudrücken, was Menschen über ihr mimisches Verhalten mitteilen. Lächeln kann darauf hinweisen, dass eine Person Freude oder Glück empfindet. Auch Sympathie und Zuneigung sowie ein simples positives Feedback können so übermittelt werden. Gleichzeitig kann ein Lächeln aber auch bewusst dazu eingesetzt werden die wahre, möglicherweise missmutige, innere Einstellung zu überspielen und zu maskieren. Es wird dadurch ein allgemeines Problem nonverbaler Verhaltensweisen offensichtlich: es handelt sich bei diesen nicht um ein explizites Regelsystem. Nonverbale Kommunikation ist subtiler als die verbale und bedarf der subjektiven Interpretation. Es kann sowohl bei der Kodierung wie auch der Entkodierung solcher Mitteilungen zu Problemen und Missverständnissen kommen. Schon kleine Änderungen bei nonverbalem Verhalten können dazu führen, dass der Empfänger damit eine völlig andere Bedeutung verbindet. Oftmals ist auch nicht klar, ob eine solche Mitteilung wissentlich oder unbewusst erfolgt ist.
Obwohl das Gesicht besonders dafür geeignet ist Informationen über Emotionen (Freude, Angst, Wut, Überraschung etc.) , Intentionen und interpersonale Einstellungen von Menschen zu geben und sie daran abzulesen, ist dieses Kommunikationssystem keineswegs immer eindeutig. Für die Mimik können Augen, Nase, Mund und Stirn sowie das Zusammenspiel einer Vielzahl von Muskelgruppen des Gesichts benutzt werden. Dadurch können sehr viele Gesichtsausdrücke erzeugt werden, die von Interaktionspartnern richtig interpretiert werden müssen. Es ist dabei nicht immer der Fall, dass die Mimik das eben Gesagte ergänzt und zusätzliche Informationen dazu liefert, denn der Gesichtsausdruck versetzt uns auch in die Lage Aussagen über das Alter einer Person, ihr Geschlecht und ihre Persönlichkeit zu treffen. Diesen Aussagen ist gemein, dass sie unabhängig von verbalen Inhalten getroffen werden können. Während Alter und Geschlecht relativ zuverlässig abgelesen werden können, bestehen bei Rückschlüssen auf die Persönlichkeit eher Schwierigkeiten.
Die geschilderten Funktionen der Mimik gelten uneingeschränkt für das Alltagsleben aller Menschen. Besonders Spitzenpolitiker und Manager wissen mimisches Verhalten gezielt einzusetzen. Die Mimik dient dann als Kommunikationsinstrument. Gleichzeitig gibt es auch Situationen, in denen es nicht möglich ist die Mimik kontrolliert einzusetzen und so unbewusst Informationen übermittelt werden. Die ist speziell dann der Fall, wenn sich Politiker und Manager
13 Spitzenpolitiker und Manager werden in dieser Arbeit als Repräsentanten für die Bereiche Politik und Wirtschaft im Mittelpunkt der Analysen stehen.
14 Dieball, Werner (2002): Die Körpersprache- ein Weg zum Charisma? Gerhard Schröder und Edmund Stoiber in den TV-Duellen der Bundestagswahlkampfs 2002
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spontanen Situationen gegenübersehen oder sich nicht im Zentrum der Wahrnehmung wähnen. Lächelt uns eine solche öffentliche Person zu Beginn oder zu Ende eines Fernsehinterviews zu, so will sie einen positiven Eindruck beim Zuseher hinterlassen. Dieses Lächeln kann von einem verlegenen kurzen Lächeln wie es etwa von Angela Merkel bekannt ist bis hin zu einem breiten und strahlendem Lächeln gehen wie man es von Tony Blair kennt. In einem solchen Fall kann das Lächeln zum Zwecke des Interviews regelrecht angeknipst werden. Diese Eigenschaft wurde
Gerhard Schröder oft attestiert. Im Gegensatz zu einem solchen recht kurzen Lächeln zur Begrüßung oder zum Ende einer Fernsehübertragung kann auch ein subtileres, dauerhafteres Lächeln eingesetzt werden, um Überlegenheit zu demonstrieren. Ist das Lächeln etwas ausgeprägter (bis hin zum Zeigen der Zähne), so kann dies Zuversicht und Wärme vermitteln. Ein der Situation unangemessenes Lächeln kann die Zuseher jedoch schnell irritieren. Ein Politiker wird es vermeiden bei kritischen Themen süffisant zu lächeln. Dies könnte sonst vom Publikum so interpretiert werden, dass der Politiker diese Themen nicht ernst nimmt oder dazu führen, dass es dieses Verhalten für aufgesetzt hält. Mimik kann jedoch auch überspielenden Charakter haben, wenn ein für eine Person negatives Thema zur Sprache kommt und versucht wird dies mit einem Lächeln zu kaschieren. Bei Komplimenten oder Hinweisen auf erbrachte Leistungen kann versucht werden, bewusst eine ernste Mine aufrecht zu erhalten, um weiterhin professionell, ernsthaft und abgeklärt zu wirken, obwohl es die betreffende Person freut auf diese Dinge angesprochen zu werden und sich geschmeichelt fühlt. Ein situationsgerecht eingesetztes Minenspiel kann dazu führen, eine Person kraftvoll, dynamisch und professionell wirken zu lassen und hilft dabei die eigenen Argumente überzeugungskräftiger zu machen. Auch positive Attribute wie Selbstbewusstsein, Vertrauenswürdigkeit und Tatkraft können mithilfe der Mimik vermittelt werden.
3.1.2 Blick, Blickrichtung und Blickkontakt
Beim Auge fallen Wahrnehmungs- und Ausdrucksfunktion zusammen 15 . Wir können mit ihm Dinge wahrnehmen und gleichzeitig anderen Personen Informationen übermitteln, die diese wiederum wahrnehmen. Argyle (1989, S. 217) weist jedoch darauf hin, dass die Funktion des Sammelns von Informationen diejenige des Sendens von Informationen bei weitem überwiegt. Blicke können sich bezüglich verschiedener Merkmale unterscheiden, welche im Zusammenspiel ein sogenanntes Blickmuster bilden. Ein Element dieses Musters ist die Blickdauer. Diese kann als Zeichen der Zuneigung, Wertschätzung oder als Hinweis auf den sozialen Status interpretiert werden. Allgemein lässt sich feststellen, dass Personen, die beliebter oder wichtiger sind als andere, länger und häufiger angesehen werden. Dies konnte im Rahmen zahlreicher Experimente nachgewiesen werden 16 . Den Personen, die auf diese Weise angesehen werden, kann durchaus bewusst sein, dass dies ein Zeichen von Sympathie und Wertschätzung ist, was dazu führt, dass diese belohnende Signale an deren Betrachter aussenden.
Ein weiteres Merkmal ist die Pupillengröße bzw. erweiterung als Indikator für die Attraktivität von Personen oder Gegenständen. Da deren Bedeutung für die nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft eher gering einzuschätzen ist, wird an dieser Stelle nicht näher auf diese eingegangen.
Sehr häufiges Blinzeln einer Person kann beim Interaktionspartner den Eindruck erzeugen, die Person sei nervös, verlegen oder schüchtern. Eher seltenes Blinzeln wird als Signal von Ruhe,
15 Klinzing, Gerhard (1993): Nichtverbale Kommunikation und Ausdrucksmanagement, GDI-Impuls, Heft 2/93 (1993), S. 49.
16 Exkline und Winters (1966), Rubin (1970), Mehrabian (1972)
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Gelassenheit und Entspanntheit interpretiert. Eine Person, die betont langsam die Augen auf und zu schlägt kann damit signalisieren ich habe die Situation im Griff , ich bin gelassen . Der Grad der Öffnung der Augen kann Aufmerksamkeit aber auch Drohung signalisieren. Nicht zuletzt kann in Zusammenspiel mit der restlichen Mimik, speziell der Augenbrauen, eine Reihe weiterer wichtiger Informationen an die Interaktionspartner übermittelt werden. Der Blick hat also nicht nur eine informative, sondern auch eine soziale, zwischenmenschliche Funktion. Dies gilt besonders für den Blickkontakt. Dieser entsteht, wenn zwei Personen ihre Blickrichtungen so aufeinander ausrichten, dass diese deckungsgleich sind und sich die Personen somit direkt wechselseitig in die Augen schauen. Davon zu unterscheiden ist das bloße Anblicken, bei der nur eine Person der anderen in die Augen schaut, diese den Blick aber nicht erwidert 17 . Während Interesse und Sympathie zu häufigerer Aufnahme von Blickkontakt führen und dessen Dauer erhöhen, so führen negative Emotionen (Angst, Unsicherheit, Verlegenheit etc.) eher zu einer Blickvermeidung 18 . Beim Blickverhalten zeigt sich wieder das schon angesprochene komplementäre Verhältnis von verbalen und nonverbalen Verhaltensweisen. Im Rahmen einer Rede kann der Vortragende besonders wichtige Punkte durch kurzes Aufblicken hervorheben. Der Blickkontakt hat zusätzlich die Funktion der Strukturierung von Interaktion. Bei einem Gespräch kann der Blickkontakt Zuhören und Aufmerksamkeit signalisieren. Da sich dies bewusst und relativ einfach steuern lässt, nutzen auch politische und wirtschaftliche Leistungsträger dieses Instrument. Bei TV-Interviews mit Interviewer lässt sich der Blickkontakt geschickt einsetzen. Politiker können durch den direkten Blick in die Kamera bei wichtigen Themen den Zusehern zeigen, dass sie diese damit nicht allein lassen, diese entschlossen angehen wollen und ihnen nicht ausweichen. Dieses Verhalten zeigt besondere Wirkung vor allem in Diskussionsrunden, bei denen ein Blickkontakt mit den Zuschauern eher selten vorkommt. Bei Aussagen, die der Wahrheit nicht oder nicht voll entsprechen, könnte versucht werden Blickkontakt aufzunehmen oder aufrechtzuerhalten, um so den Anschein zu erwecken, daß die Aussage der Wahrheit voll entspricht. Dieses bewusste Verhalten gelingt auch Medienprofis nur selten und auch nur dann, wenn die Initiative von ihnen selbst ausgeht und die Möglichkeit besteht dieses Verhalten zu planen. Oft gelingt dies aber nicht, vor allem in sehr spontanen Situationen wie etwa unerwarteten Fragen in Interviews. In einem solchen Fall wird der Blick oft kurz gesenkt, der Blickkontakt zum Interviewer oder zum Publikum abgebrochen oder der Blick läuft ins Leere. Gleichzeitig wird unter anderem durch die Aufnahme von Blickkontakt und dessen Beendigung bei Gesprächen und Diskussionen die durchaus komplizierte Frage gelöst wer wann das Wort ergreifen will oder darf und demonstrativ gezeigt wem man zuhört und wessen Argumente nicht interessieren. Ein längeres Abwenden des Blickes und Vermeiden von Blickkontakt kann bei einer sachlichen Diskussion von den direkten Interaktionspartnern wie auch vom Publikum schnell als ein nicht zuhören wollen , als arrogant oder selbstgefällig
Für den Erfolg bewussten oder unbewussten visuellen Verhaltens ist das Zusammenspiel mit anderen nonverbalen Verhaltensweisen sowie verbalem Verhalten entscheidend. Auch zeigt sich die hohe Kontext- und Situationsgezogenheit, welche allen nonverbalen Verhaltensweisen gemein ist. Dies kann so weit gehen, dass nonverbale Verhaltensweisen überhaupt keine allgemeine Bedeutung besitzen, sondern diese erst im situativen und kulturellen Kontext erhalten.
17 Scherer, Klaus R. u. Wallbott, Harald G. (Hrsg.) (1979): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, S 59ff.
18 Klinzing, Gerhard (1993): Nichtverbale Kommunikation und Ausdrucksmanagement, GDI-Impuls, Heft 2/93 (1993), S. 49.
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3.1.3 Körperbewegungen und Gesten
Gesten werden von Menschen hauptsächlich mit den Armen, den Händen, Kopf, Beinen und Füßen ausgeführt 19 . Da diese Körperteile, besonders die Hände, sehr kontrolliert gesteuert werden können, ergeben sich differenzierte Möglichkeiten der Übermittlung von Informationen. Man kann Gesten zum einen danach unterscheiden, ob sie auf den eigenen Körper oder von diesem weggerichtet sind 20 . Auf den eigenen Körper gerichtete Gesten dienen dazu, die eigene Erregung oder Anspannung abzuleiten oder zu steigern. Zu diesen gehören Schutz- und Abwehrgesten oder etwa Manipulationen am eigenen Körper. Diese Art von Gesten erfolgt eher unbewusst und lässt Schlüsse auf den Zustand und die Persönlichkeit von Personen zu. Nervöses Zupfen an der eigenen Kleidung zum Stressabbau signalisiert den Interaktionspartnern die Anspannungssituation, in der sich eine Person befindet. Auch ob eine Person innerlich hin- und hergerissen ist und Konflikte mit sich selbst ausmacht, kann durch solche Gesten erkannt werden. Auf den eigenen Körper gerichtete Gesten können Befindlichkeiten und Gefühle ausdrücken. Allerdings sind sie dafür weit weniger geeignet wie der Gesichtsausdruck des Menschen. Mit ihm können Emotionen nicht nur einfacher kommuniziert, sondern auch einfacher interpretiert werden. Zum anderen gibt es vom Körper weggerichtete Gesten, welche der Kommunikation mit anderen dienen. Ihr Einsatz erfolgt oft zielgerichtet und bewusst. Die Bedeutung dieser Art von Gesten liegt in ihrer Funktion des Unterstützens verbaler Inhalte und der Mitteilung interpersoneller Einstellungen wie z.B. Sympathie oder Antipathie. Bei Gesprächen, Reden, Vorträgen oder Diskussionen können Gesten das Gesagte veranschaulichen und bildhaft unterstützen. Ein markanter Handkantenschlag kann sehr eindringlich mitteilen, dass die Person einen Schlussstrich unter etwas ziehen will. Diese bildhafte (analoge) Darstellung kann von den Rezipienten einfacher wahrgenommen, verarbeitet und erinnert werden als rein verbale (digitale) Signale. Solche Gesten können strukturierend wirken, Inhalte illustrieren, verstärken oder abschwächen oder auch Gedankenverläufe nachzeichnen. Speziell räumliche Bewegungen oder Gegenstände können abgebildet werden, aber auch komplette Worte, Sätze und Einstellungen durch Gesten ersetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist das Hin- und Herwiegen des Kopfes, um auszudrücken ich bin mir nicht sicher . Durch die visuellen Signale der Gesten können
Erwartungen wechselseitig besser eingeschätzt werden. Sie ermöglichen es, die Reaktion des Interaktionspartners besser einzuschätzen.
Gesten können aber auch danach unterschieden werden, ob sie eine direkte verbale Übersetzung haben 21 . Ein Beispiel für eine solche Geste ist das Kopfnicken für ja oder das Zeigen mit dem Finger auf sich selbst für ich . Viele Gesten werden zwar (innerhalb einer Kultur) verstanden, besitzen aber keine direkte Übersetzung oder haben mehrfache Bedeutung. Man kann dabei an bestimmte Gesten des Fluchens oder Tanzes denken.
Da Gestik im Allgemeinen sehr gut kontrollierbar und bewusst einsetzbar ist, werden diese in Politik und Wirtschaft besonders häufig und professionell gebraucht, nicht zuletzt deshalb, weil die Wirkung solcher Gesten diejenige verbaler Äußerungen um ein vielfaches übersteigen kann. Um dies zu verdeutlichen werden im Folgenden einige Beispiele aus diesen Bereichen dargelegt. Ein einfaches Schlagen mit der flachen Hand auf den Tisch hat für sich allein genommen schon eine frappierende Wirkung auf alle Teilnehmer eines Gespräches. Nikita Chruschtschow,
19 Argyle, Michael (1989): Körpersprache und Kommunikation.5. Auflage, (Hrsg.) Hilarion Petzold, Paderborn ,Junfermann-Verlag, S. 237.
20 Klinzing, Gerhard (1993): Nichtverbale Kommunikation und Ausdrucksmanagement, GDI-Impuls, Heft 2/93 (1993), S. 53.
21 Argyle, Michael (1989): Körpersprache und Kommunikation.5. Auflage, (Hrsg.) Hilarion Petzold, Paderborn ,Junfermann-Verlag, S244.
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sowjetischer Regierungschef in den 1960er Jahren, hielt auf der 15. Uno-Vollversammlung 1960 eine legendäre Rede. Im Rahmen dieser Rede hämmerte er mit seinem Schuh auf den Tisch. Dieses Verhalten war sicherlich nicht spontaner Natur, sondern geplant und kalkuliert. Wissend um die Wirkung auf die anwesenden Uno-Vertreter, versuchte Chruschtschow so seinen Worten und Argumenten Nachdruck zu verleihen und die sowjetische Verhandlungsposition in den Auseinandersetzungen vor der UNO zu stärken. Sicher erzielte diese Geste ihre große Wirkung auch dadurch, dass ein solches Verhalten bislang einmalig war. Diese Eigenschaft der Einmaligkeit bestimmter Gesten findet sich vor allem in der Politik wieder, da Politiker um deren außerordentliche Signalkraft wissen. Dies zeigt sich auch an einem aktuellen Beispiel. Bei ihrem Antrittsbesuch in Frankreich empfing der französische Staatspräsident Chirac die deutsche Kanzlerin in Paris. Dies war sicherlich an sich schon ein Medienereignis. Doch speziell die Begrüßung der Kanzlerin durch Jacques Chirac fand weltweit Beachtung. Bei der Begrüßung von Angela Merkel gab der französische Präsident ihr einen Handkuss. Dieses Verhalten war mit Sicherheit geplant und weniger als Signal der Aufwartung für Angela Merkel gedacht als vielmehr als medienwirksame, kalkulierte Geste. Chirac wird sich davon mediale Beachtung und Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit versprochen haben. In der Tat wurde diese Geste von den Medien stark beachtet. Trotzdem scheint es, als wäre diese Geste nicht korrekt geplant oder ausgeführt worden. Chirac beging dabei nämlich gleich zwei Fehler. Der erste Fehler liegt darin, dass ein solcher Handkuss nur angedeutet werden sollte und die Lippen die Hand nicht berühren sollten. Weiterhin sollte Blickkontakt gehalten werden. Beides war beim Handkuss Chiracs nicht gegeben. Der zweite Fauxpas des Präsidenten lag darin, dass er den Handkuss nicht Angela Merkel, sondern sich selbst gab! Er führte den Handkuss aus, nachdem er die Hand Merkels genommen hatte und seine eigene darüber gelegt hatte 22 (vgl. Abb. 3, links).
Es lässt sich allgemein feststellen, dass vor allem in Wirtschaft und Politik die Gesten bei Begrüßung und Verabschiedung besonders ausgeprägt sind. Während bei Politikern diese Situationen von hoher Medienpräsenz geprägt sind (Staatsempfänge, Versammlungen, Konferenzen) und vor allem dazu dienen ein bestimmtes persönliches Verhältnis der Politiker zu vermitteln oder dadurch die politische Brisanz aus einem bilateralen Verhältnis zu nehmen, sind bei Managern die Medien seltener vertreten. Politiker und ihre Berater achten bei Wahlkämpfen und TV-Duellen selbst darauf wer sich bei einer Begrüßung als erster grüßt oder wer sich tiefer vorbeugt. Ebenfalls ist zu beobachten, dass darauf geachtet wird, die Hand bei einer Begrüßung möglichst auf der Seite zu haben, die in Richtung der Kameras zeigt und wenn möglich die eigene Hand beim Händedruck oberhalb der des politischen Gegners zu haben. Der Grund hierfür liegt
22 Vgl. dazu: Der Handkuss des Präsidenten- oder wie sich Chaques Chirac gleich zweimal daneben benahm , Internetangebot des Verlags für die Deutsche Wirtschaft (www. vnr.de).
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darin, dass damit Dominanz verbunden wird und vermittelt werden soll, dass der Politiker die Situation unter Kontrolle hat. Dieses Verhalten ist speziell in Wahlkampfzeiten zu beobachten. Die Frage danach, wer als erster grüßt ist die Frage nach dem Status einer Person. Bei Managern laufen die Begrüßungen und Verabschiedungen in einem etwas privateren Rahmen ab und die dabei gemachten Gesten sind weniger symbolisch überformt. Nichtsdestotrotz kommt ihnen bei der unternehmensinternen und externen Kommunikation (Öffentlichkeitsarbeit) eine
Die Bedeutung einzelner Gesten kann selbst ganze Branchen schädigen. Dies zeigte sich erst kürzlich an der Siegerpose von Deutsche Bank Chef Josef Ackermann (siehe Abb. 3, rechts). Im Gerichtssaal zeigte er als Mitangeklagter im sog. Mannesmann- Prozess das Victoryzeichen. Sein Lächeln in Verbindung mit diesem Zeichen wurde von Medien wie von der breiten Öffentlichkeit als arrogant und überheblich empfunden. Der Imageschaden aus dieser Geste könnte denjenigen durch den Prozess an sich bei weitem übersteigen. Diese Beispiele sind außergewöhnlich und spektakulär. Viele Gesten werden aber in weniger spektakulären Situationen von politischen und wirtschaftlichen Leistungsträgern durchgeführt. Da diese Personen besonders viel und häufig kommunizieren müssen, werden Gesten und Körperbewegungen besonders häufig durchgeführt und wahrgenommen. Diese kommen besonders oft unterstützend bei Reden, Vorträgen und Interviews zum Einsatz. Sie verdeutlichen die Redestruktur, betonen bestimmte Aspekte, rahmen ein, veranschaulichen und dienen der Synchronisierung 23 . Diesen Situationen ist gemein, dass in ihnen nicht nur die Interaktionspartner vor Ort oder im Studio berücksichtigt werden müssen (face-to-face Kommunikation), sondern auch die Zuschauer und das Publikum. Gesten können dabei eine entscheidende Rolle spielen. Sie bestimmen den Erfolg einer Argumentation mit. Eine geschickt eingesetzte Gestik hinterlässt bei allen Rezipienten ihre Wirkung. Manager und
Dieball (2002) untersuchte die Auswirkung der Körpersprache von Edmund Stoiber und Gerhard Schröder speziell in den TV-Duellen im Bundestagswahlkampf 2002. Er stellt fest, dass die sonst für Edmund Stoiber charakteristische fahrige und hektische Gestik in den TV-Duellen besser
23 Argyle, Michael (1989): Körpersprache und Kommunikation.5. Auflage, (Hrsg.) Hilarion Petzold, Paderborn ,Junfermann-Verlag, S240.
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kontrolliert wurde. Sie wurde sparsamer und mediengerechter eingesetzt. Als Bespiel dafür führt Dieball (2002) die ansonsten so lebhafte Fingersprache Edmund Stoibers mit dem Abspreizen
der Finger an, die in den Duellen nur noch selten durchschimmerte. Auch der Einsatz des erhobenen Zeigefingers als Zeichen für Dominanz wird im TV-Duell von ihm unterlassen. In dieser Situation des direkten Gegenüberstellens mit seinem härtesten politischen Konkurrenten Schröder sahen es Stoiber und seine Berater als vorteilhaft an, die sonst so lebhafte Gestik stark einzubremsen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass eine zu heftige und hektische Gestik von den Rezipienten auf die Persönlichkeit Stoibers übertragen werden könnte. Hält sich ein Redner bei einem Vortrag mit beiden Armen am Rednerpult fest, so kann dies seine Anspannung zeigen. Durch das Zupacken am Pult wird versucht die innere Erregung und Nervosität auf dieses abzuleiten. Wird gleichzeitig der Oberkörper und der Kopf ebenfalls nicht bewegt, werden die gesprochenen Worte nicht bildlich untermalt und verfehlen eventuell ihre Wirkung beim Publikum 24 . Dieball (2002) weist darauf hin, dass dies den Akteur tatenlos und kraftlos erscheinen lässt. Auch Edmund Stoiber zeigte dieses Verhalten im ersten TV-Duell des Bundestagswahlkampfes 2002. Er umkrallte sein Rednerpult regelrecht. Doch auch Gerhard Schröder zeigte dieses Verhalten, legte es aber nach einiger Zeit im Verlaufe des Duells ab. Für Gesten sind die Hände besonders geeignet, weil sie sehr differenziert steuerbar sind, eine große Anzahl verschiedener Stellungen einnehmen und vielerlei Bewegungen ausführen können. Während Edmund Stoibers Gesten sehr stark auf dem Einsatz der Hände basieren und eher eckig und abgehackt wirken, sind Gerhard Schröders Gesten generell eher fließender und runder. Dieball (2002) vertritt die These, dass genau diese Gesten ihn beim Publikum sympathisch machen, da sie natürlich und nicht gespielt wirken. Er stellt fest, dass bei Schröder die rechte Hand die sogenannte Ratio-Hand oder Aktionshand ist. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn Fakten und nüchterne Informationen vermittelt werden oder Tatkraft vermittelt werden soll. Um Entschlossenheit und Tatkraft zu zeigen wird oftmals die rechte Faust eingesetzt. Die linke Hand sei dagegen die Gefühlshand, die dazu benutzt wird, Bilder und Emotionen zu verarbeiten. Nach Dieball (2002) benutzt Schröder diese Hand seltener. Als im TV-Duell die Frage nach der Rolle seiner Frau aufkommt, setzt er bei seinen Handbewegungen diese linke Gefühlshand ein. Zu den unbewussten Gesten zählt besonders das Kratzen oder Reiben 25 . Diese Verhaltensweisen werden oft nicht der Gestik im engeren Sinne zugerechnet. Auch Edmund Stoiber führt diese Bewegungen oft aus, so dass manche fast schon als typisch für ihn gelten können. Die erste charakteristische Bewegung für Stoiber ist der Griff an die Brille, die zweite das Streichen über die Haare mit der Hand (vgl. Abb.4 rechts). Scherer und Wallbott (1979) führen an, dass solche Bewegungen eher Rückschlüsse auf Persönlichkeit und Emotionen zulassen als solche, die das Verbale begleiten und illustrieren sollen.
Aufgrund der Vielfalt und der Bedeutung der Körperbewegungen und Gesten war auch in dieser Arbeit eine genauere Analyse dieser Verhaltensweisen notwendig. Die Liste von Beispielen aus Politik und Wirtschaft ließe sich noch beliebig fortsetzen. Da der Fokus dieser Arbeit jedoch nicht auf der Gestik liegt, wird an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen.
3.1.4 räumliches Verhalten und Körperkontakt
Argyle (1989, S. 281) unterscheidet beim räumlichen Verhalten Nähe, Orientierung, Territorialverhalten und Bewegungen innerhalb einer räumlichen Anordnung.
24 Dieball, Werner (2002): Die Körpersprache- ein Weg zum Charisma? Gerhard Schröder und Edmund Stoiber in den TV-Duellen der Bundestagswahlkampfs 2002, S 47.
25 Scherer, Klaus R. u. Wallbott, Harald G. (Hrsg.) (1979): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, S105.
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Nähe bezeichnet den Abstand zwischen Menschen. In Situationen wie z.B. einem Wartezimmer kann dieses Verhalten sehr gut beobachtet werden. Oftmals wird ein bestimmter Abstand zum Sitznachbarn eingehalten. Der Abstand, der für bestimmte Personen als angenehm oder angemessen empfunden wird, kann von Person zu Person, von Kultur zu Kultur und von Situation zu Situation verschieden sein. Auch die Intensität der Beziehung zu anderen Personen spielt hierbei eine Rolle. Je intensiver eine Beziehung ist, desto geringer sind im Allgemeinen auch die eingehaltenen Abstände.
Mit der Orientierung von Personen zueinander ist die Abweichung der Ausrichtung des Oberkörpers (Schultern) von der direkten Verbindungslinie zweier Personen gemeint. Die Abweichung ist Null, wenn zwei Personen perfekt aufeinander ausgerichtet sind. Im Gespräch können die Personen sich entweder frontal aufeinander ausrichten oder leicht verdreht. In einer Sitzrunde kann der Stuhl für die Ausrichtung benutzt werden.
Die räumliche Einrichtung hat bedeutende Auswirkungen auf die Art und Weise mit der man sich in einem Raum bewegt oder sich hinstellt bzw. hinsetzt. Theken, Pulte oder Absperrungen können das Territorium von Personen oder Gruppen darstellen. Bei Diskussionsrunden oder Reden wird den Personen auf der Bühne oder am Redepult ein höherer Status zugesprochen. An solche Personen werden auch bestimmte Rollenerwartungen gestellt. So kann man von einem Manager auf einer Aktionärsversammlung erwarten, dass er die Unternehmenssituation und die weitere Geschäftsentwicklung anspricht, dass er seine Rede vorbereitet hat, die Fakten kennt und diese den Anwesenden verständlich und ehrlich vermittelt. Bestimmte Sitzplätze sind ebenfalls mit besonderem Status und Rollenerwartungen verbunden. In Meetings sitzt meist derjenige Mitarbeiter am Kopfende eines Tisches, der in der Hierarchie am höchsten angesiedelt ist oder die Leitung der Sitzung übernimmt. In Talkshows sitzen meist solche Personen näher am Zentrum oder dem Moderator, die entweder generell als wichtiger gelten oder als Experten für ein bestimmtes Thema angesehen werden. Die Anordnung der Sitzplätze kann einen signifikanten Einfluss auf den Ablauf und die Intensität der Interaktion haben. Sollen alle Anwesenden miteinander kommunizieren, wird eher eine U-Form oder ein Kreis gewählt und weniger eine Anordnung, bei der alle Sitzplätze auf einen anderen ausgerichtet sind.
3.2 Zusammenhang zwischen den Signalsystemen
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass in den vorangegangen Abschnitten das Signalsystem der Körperhaltung nicht besprochen wurde. Dieses wird im folgenden Kapitel allgemein erklärt und anhand von Beispielen aus Politik und Wirtschaft detailliert besprochen werden.
Zuvor soll an dieser Stelle nochmals darauf verwiesen werden, dass eine isolierte Betrachtung der nonverbalen Verhaltensweisen des Menschen zwar notwendig ist, um bestimmte Erkenntnisse über das nonverbale Verhalten zu gewinnen. Gleichzeitig sind damit aber auch Probleme verbunden. Betrachtet man jeweils nur ein Signalsystem isoliert, so betrachtet man nur einen Kommunikationskanal. In der alltäglichen Kommunikation laufen aber eine Vielzahl von Kommunikationskanälen gleichzeitig oder nacheinander ab 26 .Es bestehen vielfältige Beziehungen und wechselseitige Einflüsse zwischen den einzelnen Kanälen. Die verschiedenen nonverbalen Verhaltensweisen wirken auf komplexe Weise zusammen. Der Einsatz eines Kommunikationskanals kann eventuell Hinweise auf dessen Bedeutung oder die mit ihm verbundene Intention liefern. Gleichzeitig kann das Hinzutreten eines weiteren Kanals dessen Bedeutung modifizieren oder sogar ins Gegenteil verkehren. Diese Problematik sollte man im
26 Argyle, Michael (1989): Körpersprache und Kommunikation.5. Auflage, (Hrsg.) Hilarion Petzold, Paderborn ,Junfermann-Verlag, S. 187.
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Themenfeld nonverbaler Kommunikation immer im Hinterkopf behalten. Die Wissenschaft versucht sich dieser Problematik durch die sog. integrativen Ansätze anzunehmen. Allerdings ist eine integrative Sichtweise und die Frage nach der Koordination und Organisation der verschiedenen Kanäle auch sehr komplex 27 .
3.3 Die Bedeutung der Körperhaltung für Spitzenpolitiker und Manager
Betrachtet man ein Foto einer Person, ist es für den Menschen sehr leicht Arme, Beine und Kopf auszumachen sowie deren absolute und relative Stellung zueinander. Mit diesen Informationen ist der Mensch in der Lage sich ein Bild über die Körperhaltung einer Person zu machen. Dies klingt zunächst trivial, jedoch sind selbst modernste Computersysteme zur Bestimmung der Position einzelner Körperteile oder gar der Körperhaltung eines Menschen nur sehr beschränkt in der Lage. Doch Menschen können die Körperhaltung anderer Personen nicht nur identifizieren, sondern auch Schlüsse daraus ziehen, d.h. sie interpretieren. In Abschnitt 3.3.1 dieses Kapitels soll zunächst erklärt werden was unter dem Begriff Körperhaltung verstanden wird. Abschnitt 3.3.2 wird verschiedene Körperhaltungen, ihre Bedeutungen und Funktionen erläutern und anhand von Beispielen aus Politik und Wirtschaft versuchen Belege dafür zu finden.
3.3.1 Was versteht man allgemein unter Körperhaltung?
Nach Scherer und Wallbott (1979, S. 146) wird die Anordnung der einzelnen Körperteile einer Person als Körperhaltung bezeichnet. Der Begriff Körperhaltung bezieht sich im Gegensatz zur Körperorientierung nur auf eine einzige Person. Die Anwesenheit einer zweiten Person ist nicht erforderlich, da eine Körperhaltung zwangsläufig immer eingenommen werden muss. Dies impliziert auch, dass Körperhaltung keine verbalen Verhaltensweisen voraussetzt, diese aber begleiten kann.
Bei der Körperhaltung des Menschen geht es also um die Frage der räumlichen Anordnung seines Körpers und seiner Extremitäten. Man kann danach fragen, ob eine Person ihre Arme verschränkt hat, die Beine übereinander legt oder ihr Körper nach vorn gebeugt ist usw.
3.3.2 Verschiedene Formen von Körperhaltungen
Argyle (1989, S. 255) unterscheidet drei Haupthaltungen beim Menschen: (i) das Stehen, (ii) das Sitzen, Hocken und Knien sowie (iii) das Liegen. Er weist darauf hin, dass ausgehend von diesen vielerlei Variationen möglich sind. Man kann aufrecht oder nach vorn gebeugt sitzen, man kann mit gesenktem Kopf stehen oder mit erhobenem und beim Liegen kann man sich auf einen Arm stützen und auf der Seite liegen.
Neben diesen Haupthaltungen gibt es weitere Körperhaltungen, denen Argyle diese Eigenschaft nicht zuspricht. Doch selbst wenn man sich auf diese Einteilung der drei Haupthaltungen beschränkt, gibt es durch die bereits angesprochenen Variationsmöglichkeiten immer noch eine unendliche Vielfalt möglicher Körperhaltungen. Eine Einschränkung wird dadurch erreicht, dass man sich bei der Betrachtung auf solche Körperhaltungen beschränkt die im Alltag der Menschen auftreten. Dabei fällt auf, dass sich manche Körperhaltungen stark wiederholen und manche nur sehr selten auftreten. Es ist zwar theoretisch möglich auf einem Bein zu stehen, jedoch wird man dies im Alltag nur sehr selten und dann aufgrund physischer Grenzen auch nur kurz beobachten
27 Kendon, Adam (1979): Die Rolle sichtbaren Verhaltens in der Organisation sozialer Interaktion, in: Scherer/ Wallbott (Hrsg.), 1979, S. 203- 235.
Stanley E. Jones u. Curtis D. LeBaron (2002): Research on the Relationship between Verbal and Nonverbal Communication, Journal of Communication, Vol. 52. (2002), S. 499- 521.
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können. Es scheint demnach Körperhaltungen zu geben, die aus körperlichen Gründen ausscheiden, weil sie schlichtweg unangenehm sind. Eine weitere Einschränkung kann man dadurch erreichen, dass man sich nur auf solche Körperhaltungen konzentriert, die im Rahmen von Interaktionen auftreten. Eine liegende Person auf einem Bett, die sich ausruht oder schläft, mag zwar damit im Watzlawick´schen Sinne kommunizieren , da sie anderen Personen mit ihrem Verhalten mitteilt, dass sie Ruhe nötig hat und nicht gestört werden oder Gespräche führen will, aber sie interagiert nicht. Solche Haltungen, die nicht im Rahmen von Interaktionen stattfinden, werden in dieser Arbeit nicht betrachtet.
Haltungen, denen im Rahmen von Interaktion eine bestimmte Bedeutung und Funktion zukommt, treten nicht in unendlicher Vielfalt auf. Sie treten immer nur in bestimmten standardisierten Formen auf. Dies ermöglicht erst, dass sie bei der Interaktion eine Rolle spielen können. Erst durch diese Regelmäßigkeit des Auftretens können bestimmte Haltungen identifiziert, ihre Bedeutung erkannt und die Kommunikation dadurch vereinfacht werden 28 . Diese standardisierten Haltungen sind, wie andere nonverbale Verhaltensweisen auch, hochgradig kulturspezifisch. Jede Kultur hat ihr eigenes Repertoire an Haltungskonfigurationen, die für sie nach Scherer/Wallbott gemeinsame kommunikative Bedeutung besitzen. Dieses Repertoire umfasst nach Schätzungen
von Scherer und Wallbott (1979) für den amerikanischen Raum weniger als 30 Haltungen. Neben der Kulturspezifität ist allen nonverbalen Verhaltensweisen die Kontextabhängigkeit gemein. Auch bei Körperhaltungen lässt sich feststellen, dass es für bestimmte Situationen ein ganz bestimmtes Repertoire von Haltungen gibt. Personen im Alltag sehen sich vielerlei Situationen ausgesetzt, in denen sie jeweils nur eine mehr oder weniger kleine Menge der ihnen prinzipiell zur Verfügung stehenden standardisierten Haltungen einsetzen. Zwischen diesen Situationen kann es, um es mengentheoretisch auszudrücken, Schnittmengen und Teilmengen geben. Haltungen, die in einer Situation Anwendung finden, können dies auch in einer anderen tun. Andere wiederum treten in einer Situation auf, in einer anderen aber nicht. Obwohl beispielsweise ein Meeting von Managern in den seltensten Fällen direkt von Außenstehenden beobachtbar sein wird, da es in privatem und nicht in öffentlichem Rahmen abläuft, ist allgemein bekannt, dass die Teilnehmer dies im Sitzen abhalten. Bei öffentlichen Versammlungen, d.h. Gruppen von Personen, welche sich dadurch, dass sie anwesend sind an einem öffentlichen Schauplatz wechselseitig in ihrem Verhalten beinflussen 29 , ist dagegen eine Beobachtbarkeit auch für Nichtmitglieder dieser Versammlung gegeben. Diese Eigenschaft trifft häufiger für die Politik zu als für die Wirtschaft.
Relevanz für diese Arbeit haben aber insbesondere solche Situationen und die in ihnen auftretenden Körperhaltungen, die charakteristisch für Spitzenpolitiker und Manager sind. Die hier betrachteten Situationen oder, wie Kendon (1979) es ausdrückt, Versammlungen müssen also in gewissem Maße charakteristisch für solche Personen sein. So wird ein gemeinsames Meeting von Managern im Sitzen abgehalten werden und nicht etwa im Stehen oder Liegen. Weniger offensichtlich ist jedoch die Tatsache, dass selbst die Art und Weise des Sitzens Regelmäßigkeiten aufweist.
Stehen und Sitzen sind diejenigen Körperhaltungen, die für den Bereich der Politik und der Wirtschaft charakteristisch sind. Die Frage ist nun, welche Variationen dieser Haupthaltungen vorkommen, welche Bedeutung sie haben können und welche Funktionen sie erfüllen. Dazu werden nun konkrete Beispiele herangezogen. Die Beispiele selbst haben keinerlei
28 Vgl. Scherer, Klaus R. u. Wallbott, Harald G. (Hrsg.) (1979): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, S 152.
29 Kendon, Adam (1979): Die Rolle sichtbaren Verhaltens in der Organisation sozialer Interaktion, in: Scherer/ Wallbott (Hrsg.), 1979, S. 203- 235.
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wissenschaftliche Beweiskraft. Sie dienen der Veranschaulichung und sollen die in Untersuchungen gefundenen Erkenntnisse aufzeigen. Die zugrunde liegenden Untersuchungen werden jedoch an gegebener Stelle angeführt oder erläutert werden. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, man könne einfach die Haltung einer Person betrachten und unwillkürlich bestimmte Aussagen zu dieser Person treffen wie dies in zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern sehr oft getan wird. Diese Literatur vernachlässigt den Kontext des Auftretens von Körperhaltung oder ignoriert ihn gar. Dem Thema angemessen sein kann nur eine wissenschaftlich fundierte Analyse.
3.3.2.1 Stehen
Betrachten wir eine Person, die steht, so können wir auf einen Blick aus deren Körperhaltung eine Fülle von Informationen ziehen. Die Person kann breitbeinig mit verschränkten Armen stehen oder sich entspannt an etwas anlehnen. Die Frage wird nun sein, welche Informationen man aus der Körperhaltung von Politikern und Managern beim Stehen erhalten kann. Im Verlauf dieser Arbeit wurde bereits darauf hingewiesen, dass das Gesicht eine bedeutende Rolle bei der Übermittlung von Gefühlszuständen hat. Diese Funktion des Gesichts wurde wissenschaftlich bereits ausgiebig untersucht. Welche Rolle der Körperhaltung bei der Übermittlung von Emotionen zukommt ist weniger untersucht. Ein Manager, der eine Unternehmenspräsentation stehend abhält und dabei mit eingefallenen Schultern und gesenktem Kopf auftritt, teilt damit Informationen über seinen Gefühlszustand mit. Eine nicht aufrechte, eingefallene Körperhaltung wird systematisch dann angenommen, wenn Scham, Traurigkeit oder Langeweile empfunden werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wallbott (1998), die sich damit beschäftigt, ob Körperhaltungen und bewegungen zuverlässige Informationen über Gefühlszustände liefern. Wallbott (1998) findet Belege dafür, dass nach vorne gezogene Schultern bei einer Person bei Abscheu oder Angst häufiger auftreten als bei anderen Emotionen. Die Haltung des Kopfes und Kopfbewegungen spielen eine Rolle bei Aufmerksamkeit und Langeweile. Ein Drehen des Kopfes in Richtung Kamera oder zum Interaktionspartner kann als Zeichen für Aufmerksamkeit gesehen werden. Bei Langeweile wird der Kopf dagegen in den Nacken gelegt. Dieses Anheben des Kinns tritt jedoch, verglichen mit anderen Emotionen, auch häufiger auf, wenn eine Person Stolz oder Freude empfindet. Auch ausgestreckte Arme können auf Emotionen hinweisen. Wallbott (1998) kann zeigen, dass ausgestreckte Arme bei eher aktiven Emotionen wie Ärger, Wut aber auch Interesse und Freude besonders häufig auftreten. Ein seitliches Ausstrecken der Arme ist charakteristisch für Schrecken und wird bei anderen Emotionen selten verwendet. Ein Verschränken der Arme wird bei Stolz und Abscheu besonders häufig beobachtet. Geöffnete Hände werden bei Wut, Freude und Angst beobachtet. Wallbotts Studie zeigt, dass zumindest einige Körperhaltungen charakteristisch für bestimmte Emotionen sind, in dem Sinne, dass sie signifikante Ergebnisse liefern. Die gewonnenen Erkenntnisse beschränken sich allerdings nicht ausschließlich auf das Stehen, sondern können auch auf das Sitzen übertragen werden. Des weiteren wurden die Ergebnisse von Wallbott nicht speziell für Führungspersönlichkeiten erhoben, sondern für Menschen im Allgemeinen. Man kann jedoch diese Kenntnisse nutzen, um auch die Körperhaltungen von Führungspersönlichkeiten in einer Interaktion zu interpretieren. Abb. 5 zeigt auf dem linken Bild den Besuch Edmund Stoibers in einem Betrieb. Stoiber verschränkt seine Arme vor seinem Körper und nimmt eine sehr geschlossene Haltung ein. Er verkeilt sogar seine rechte Hand unter der linken Achsel. Gleichzeitig ist sein Oberkörper nicht frontal auf die Person rechts im Bild ausgerichtet, die ihm gerade etwas erläutert. Dies kann daran liegen, dass in diesem Gespräch wohl auch eine Präsentation über den Beamer (oben im Bild) stattfindet. Seinen Kopf allerdings
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dreht er in Richtung dieser Person. Sein Kopf ist seitlich nicht geneigt, jedoch leicht nach hinten mit etwas erhobenem Kinn. Er kneift dabei die Augen zusammen und zieht den linken Mundwinkel nach oben.
Stoibers Körperhaltung aber auch seine Mimik deuten darauf hin, dass er an diesem Gespräch kein besonderes Interesse hat. Er will sich auf dieses Gespräch nicht weiter einlassen, sondern lässt sich nur die Fakten vermitteln. Es scheint auch so, daß er sich in dieser Situation nicht besonders wohlfühlt, sich selbst nicht aktiv einbringen will, vielleicht sogar erwartet, dass ihm als Ministerpräsidenten hier Informationen vermittelt werden. Stoiber beugt sich nicht nach vorne und schiebt den Kopf vor. Der Kopf liegt eher im Nacken. Eine offenere Haltung würde ein größeres Interesse Stoibers und eine Position nicht nur als Zuhörer signalisieren. Stoiber deutet durch seine Körperhaltung auch seine innere Haltung zu dieser Situation an und scheint hier eher die Rolle der Person mit dem höchsten Status wahrzunehmen. Er weiß, dass er allein in dieser Situation im Mittelpunkt steht und unterstreicht dies mit seiner sehr dominanten und unnahbar wirkenden Körperhaltung.
In Abb. 5 (rechts) wird Edmund Stoiber gezeigt, wie er Journalisten ein kurzes Interview gibt. Die Hände hält er vor dem Körper. Die Hände sind ineinander verkeilt und üben Druck aufeinander aus. Dieses Verhalten zeigt die Anspannung Stoibers in dieser Situation. In den TV-Duellen von Edmund Stoiber und Gerhard Schröder zur Bundestagswahl 2002 war die Anspannung beider Kandidaten besonders hoch. Beide hielten sich stehend an ihrem Rednerpult fest. Edmund Stoiber hielt sich dabei länger und verkrampfter als Schröder an seinem Pult fest, so dass sogar die Fingerknöchel deutlich hervortraten 30 . Schröder zeigte weniger Verkrampfung und konnte sich später besser aus dieser angespannten Haltung lösen.
Körperhaltungen sind durchaus in der Lage Aufschluss über Emotionen zu geben. Diese Funktion erfüllt besonders das Gesicht von Menschen, jedoch ist dieses besonders gut kontrollierbar, so dass die Mimik nicht immer eine verlässliche Quelle für Gefühle darstellt. Scherer und Wallbott (1979) heben hervor, dass gerade in der geringen Kontrollierbarkeit der Körperhaltung die Verlässlichkeit in Bezug auf Gefühle liegen könnte.
30 Dieball, Werner (2002): Die Körpersprache- ein Weg zum Charisma? Gerhard Schröder und Edmund Stoiber in den TV-Duellen der Bundestagswahlkampfs 2002. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, H.H. 4 160 Macht und Charisma, Jg. 41 (2002), S. 44-55.
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Abb. 6 links zeigt den Vorstandsvorsitzenden von DaimlerChrysler Dr. Dieter Zetsche im Rahmen einer Präsentation auf einer Automobilmesse. Seine Haltung ist aufrecht, den Oberkörper etwas nach hinten geneigt. Der Kopf wird nach vorne in Richtung der Fachjournalisten geschoben. Die Arme sind vor dem Körper locker ineinander gelegt, die Beine etwas auseinander mit den Fußspitzen nach außen zeigend. Das Körpergewicht ruht gleichmäßig auf beiden Beinen. Dies lässt Zetsche bodenständig und standfest wirken. Zetsche scheint dieser Stresssituation gewachsen und zeigt dies mit seiner Körpersprache. Auf Abb. 6 rechts ist der ehemalige DaimlerChrysler Chef Prof. Jürgen. Schrempp bei seiner Rede auf einer Hauptversammlung des Unternehmens zu sehen. Der Kopf ist leicht geneigt und in Richtung des Publikums nach vorne geschoben. Er legt beide Hände auf das Rednerpult, den Oberkörper nach vorn geneigt. Der Körperschwerpunkt liegt vorne. Schrempp scheint sich gegen das Pult zu lehnen und mit den Händen abzustützen. Das linke Bein ist leicht angewinkelt und nach vorne etwas ausgestellt. Das rechte Bein ist durchgedrückt. Auf ihm ruht hauptsächlich das Körpergewicht. Dieses Verhalten der Verlagerung des Körpergewichts auf ein Standbein ist bei öffentlichen Versammlungen öfters zu beobachten. Kendon (1973) weist auf die Auswirkungen situativer Faktoren hin, welche die Haltung beeinflussen könnten. Er konnte bei öffentlichen Versammlungen die bereits angesprochene Gewichtsverlagerung auf ein Bein feststellen aber auch, dass Kopf und Oberkörper bei diesen häufig in verschiedene Richtungen zeigen. Kendon (1973) bemerkt auch, dass Personen, die am Rand einer solchen Versammlung lokalisiert sind, häufig die Arme in die Seite stützen. Mehrabian und Friar (1969) fanden heraus, dass die Haltung eines Interaktionsteilnehmers umso entspannter ist, je geringer sein Status ist, wobei Entspanntheit als eine asymmetrische Körperhaltung verstanden wird.
Die bis jetzt genannten Funktionen von Körperhaltung und ihrer Variationen wurden im Rahmen der näheren Betrachtung des Stehens analysiert. Diese Funktionen werden aber beispielsweise auch bei der Haltung des Sitzens erfüllt, sind also nicht charakteristisch für das Stehen. Die Funktionen, die im Rahmen des Stehens besprochen wurden, sind ausgewählt worden, da sie in diesem Rahmen besonders gut nachvollziehbar sind.
3.3.2.2 Sitzen
Für die Haupthaltung des Sitzens gibt es ebenfalls eine Vielzahl möglicher Variationen. Man kann besonders aufrecht sitzen oder fast schon liegend, man kann beim Sitzen die Beine
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anwinkeln oder seitlich fortstrecken oder sich dabei mit den Armen auf den Tisch stützen. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. All diesen Variationen des Sitzens ist gemeinsam, dass man aus ihnen verschiedene Erkenntnisse ziehen kann. Wie das Stehen mit seinen Variationen, kann auch das Sitzen und die Art und Weise wie eine Person dies tut, Hinweise auf Emotionen, die innere Haltung, Status aber auch das Alter einer Person geben. Es sollen nun weitere Funktionen der Körperhaltung anhand der Haupthaltung des Sitzens analysiert und anhand weiterer Beispiele veranschaulicht werden.
Die Körperhaltung sitzender Personen kann Aufschluss über interpersonale Einstellungen wie Sympathie oder Antipathie geben. Dieser Sachverhalt wurde von Mehrabian und Friar (1969) durch Rollenspiele untersucht. Aus den vorangegangen Abschnitten ist bereits bekannt, daß einander sympathische Menschen einen geringeren Abstand bei der Interaktion einhalten. Mehrabian (1968) fand heraus, daß eine offene Arm- und Beinhaltung einer Person eine positivere Einstellung gegenüber dem Adressaten widerspiegelt. Mehrabian und Friar (1969) fanden bei ihrer Untersuchung bei der Frage der Arm- und Beinoffenheit lediglich Hinweise auf den Status des Adressaten und das Geschlecht des Kodierers. Wenn weibliche Personen mit statushöheren Adressaten kommunizieren, sind die Arme weniger geöffnet als bei einer Kommunikation mit statusniedrigeren. Es konnte auch festgestellt werden, dass Frauen tendenziell eine geschlossenere Beinhaltung haben als Männer. Mehrabian und Friar (1969) konnten für die Frage nach Sympathie signifikante Ergebnisse für Oberkörperentspanntheit (gemessen durch Zurücklehnen) finden. Der Kodierer lehnt sich bei einem unsympathischen Interaktionspartner weiter zurück, als bei Sympathie. Frauen lehnen sich durchschnittlich weniger weit zurück als Männer, wenn sie kommunizieren. Die Ergebnisse von Mehrabian und Friar (1969) legen nahe, dass die Entspanntheit eines Kodierers, wenn er sich unsympathischen Adressaten gegenübersieht, entweder sehr gering oder sehr hoch ist. Sitzt dem Kodierer eine Person gegenüber, die er unsympathisch und einschüchternd findet 31 , so ist er sehr angespannt. Sehr entspannt dagegen ist der Kodierer, wenn der Adressat zwar unsympathisch ist, aber als harmlos eingeschätzt wird. Nach Mehrabian (1968) zeigt ein leichtes Nachvornbeugen ebenfalls eine positive Einstellung des Kommunizierenden. Die Körperhaltung einer Person kann uns demnach wertvolle Hinweise auf deren interpersonelle Einstellungen geben. Goffman (1961a) findet Anhaltpunkte dafür, dass Haltungsregeln, betreffen sie nun das Sitzen oder Stehen, für statushöhere Personen generell weniger streng sind und die Variabilität der Haltungen bei solchen Personen höher ist. In einem Meeting oder einer Besprechung werden rangniedrigere Mitarbeiter demnach ihre Haltung erstens länger beibehalten und weniger wechseln und zweitens die von ihnen in dieser Situation erwartete aufrechte Sitzhaltung, die Aufmerksamkeit signalisiert, einhalten und nicht etwa in eine lässige, asymmetrische Sitzhaltung übergehen.
Die Art und Weise der Anordnung der Arme und Beine hat nach den Ergebnissen von Machotka (1965) Auswirkungen auf den Eindruck, den die Adressaten von einer Person gewinnen. Danach führt eine Haltung, bei der die Arme in die Seite gestemmt werden bei Männern dazu, dass sie als stolze und wenig zugängliche Menschen eingeschätzt werden. Eine solche Haltung kann auf die Adressaten einschüchternd wirken.
31 Scherer, Klaus R. u. Wallbott, Harald G. (Hrsg.) (1979): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel , S. 184.
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Bisher wurden die Körperhaltung von Personen und ihre Funktionen eher statisch betrachtet. Die Körperhaltungen, die im Rahmen von Interaktion, also einem Prozess, von den beteiligten Personen eingenommen werden, sollen nun in den Mittelpunkt rücken. Es besteht einerseits ein Zusammenhang zwischen der Abfolge verschiedener Körperhaltungen einer Person, andererseits bestehen aber auch Abhängigkeiten zwischen den eingenommenen Körperhaltungen der Interaktionspartner. Beginnt man mit zweiterem, so kann man sich etwa fragen, ob in einer Diskussionsrunde von Politikern dieselbe Sitzhaltung mehrmals vorkommt. Dies ist die Frage nach der Kongruenz der Sitzhaltung. Die Kongruenz kann Hinweise geben auf den Zustand der Bezogenheit von Menschen aufeinander (Rapport). Dies gilt speziell für Situationen, bei denen sich die Personen vis-à-vis gegenübersitzen. Eine solche Situation ist in einer Diskussionsrunde gegeben. Sind die Akteure bei einem Thema gemeinsamer Auffassung oder haben sie in etwa dieselbe Einstellung dazu, dann werden oft ähnliche Haltungen eingenommen. Sehr unterschiedliche Haltungen können auf einen Dissens hinweisen.
In Abb. 7 links ist ein Foto aus der Sendung Sabine Christiansen zu sehen. Roland Koch, Ministerpräsident von Hessen (CDU) hat gerade das Wort und wendet sich mit dem was er sagt, wie auch mit seiner Haltung Sabine Christiansen zu. Links im Bild sieht man den aktuellen
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Es fällt auf, dass Christiansen und Koch bei ihrer Interaktion beide die Beine übereinander schlagen. Während Koch das rechte Bein über das linke schlägt, ist es bei Sabine Christiansen umgekehrt. Koch senkt seine rechte Schulter und neigt sich in Richtung von Christiansen während er sich mit dem rechten Ellenbogen abstützt. Sein Kopf ist etwas nach vorn geschoben. Christiansen stützt sich dagegen mit dem linken Ellenbogen ab und neigt sich nach rechts in Richtung von Koch. Beide lassen denjenigen Arm, den sie nicht zum Abstützen gebrauchen, entspannt auf dem Stuhl. Sowohl Christiansen als auch Koch sitzen aufrecht und nicht zurückgelehnt. Möglicherweise haben beide gerade keinen Kontakt zur Lehne des Stuhls. Sigmar Gabriel, der von Kochs Redebeitrag nicht direkt angesprochen zu werden scheint, unterscheidet sich in seiner Sitzhaltung deutlich von den beiden anderen Akteuren. Er lehnt sich voll in seinem Stuhl zurück. Sein Körperschwerpunkt liegt hinten. Breitbeinig, die beiden Beine in etwa gleich weit von sich gestreckt, verfolgt er die Antwort Kochs. Seinen linken Arm legt er entspannt auf die Armlehne des Stuhls, den rechten auf seinen Oberschenkel. Seine Haltung lässt darauf schließen, dass er mit dem was Koch sagt, inhaltlich nicht voll übereinstimmt aber auch, dass er gerade nicht Teil der Interaktion ist und auch nicht versucht bald etwas zu sagen. In Abb. 7 rechts sieht man eine weitere Diskussionsrunde. Sehr auffallend ist, dass ausnahmslos alle Akteure ihre Beine übereinander schlagen. Zusätzlich fällt ins Auge, dass die vier Personen links im Bild alle ihr linkes Bein über das rechte schlagen, nur die Person rechts im Bild macht es umgekehrt. Da die Haltung der Akteure ansonsten aber sehr ähnlich ist, wäre es
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sehr spekulativ daraus Schlüsse über mögliche Unterschiede bei den Auffassungen zu treffen. Das Übereinander schlagen der Beine deutet eher darauf hin einen Arbeitskonsens herstellen zu wollen. Für Personen, die eine identische Haltung einnehmen, schreiben Scherer und Wallbott (1979, S. 170), dass ihre Körperpositionen direkte Kopien voneinander sind. Für die Situation von Christiansen und Koch ist eine gewisse Spiegelbildlichkeit zu erkennen. Man spricht in diesem Zusammenhang deswegen auch oft von
mirroring.
Beide Formen der Kongruenz von Körperhaltungen sind keineswegs zufällig, sondern selbst über Wechsel der Haltung hinweg beständig, so daß bei einer Änderung einer Person die andere nachzieht. Scherer und Wallbott (1979, S. 172) weisen darauf hin, daß es möglich ist, daß Personen ihre Kongruenz in der Haltung auf ihre Körperhälften aufteilen, so daß die obere Körperhälfte Kongruenz mit der einen und die untere Körperhälfte mit der anderen Person herstellt. Weiter bemerken sie, daß die Kongruenz der Körperhaltung allgemein eine Ähnlichkeit der Standpunkte anzeige. Deutliche Unterschiede in der Sitzhaltung können jedoch nicht nur die Unterschiedlichkeit von Standpunkten reflektieren, sondern auch Status- und Rollenunterschiede. Bei einer Unternehmenspräsentation wird erwartet, daß der Vortragende steht und die Zuhörer sitzen. Steht ein Zuhörer auf, könnte dies den Vortragenden dazu veranlassen ihn in der Rolle eines Fragers zu sehen. Eine wichtige Funktion der Körperhaltung sei an dieser Stelle noch ausgeführt, bevor eine Zusammenfassung der Arbeit gegeben wird. Scheflen (1964) hebt die Bedeutung der Körperhaltung für die Strukturierung und Organisation von Kommunikation hervor. Er vertritt die Auffassung, daß Änderungen der Körperhaltung (z.B. des Kopfes) Anfangs- und Endpunkte von Einheiten eines Kommunikationssystems darstellen. Was ist damit gemeint? Scheflen zerlegt Kommunikation in Einheiten ( Argument, Position, Präsentation). Die Einheit des Argumentes kann z.B. mehrere Sätze umfassen, die ein Teilnehmer einer Diskussionsrunde vorbringt. Nach einigen Sätzen ändert der Akteur z.B. die Position seines Kopfes oder seines Oberkörpers. Für Scheflen ist dies ein Zeichen für das Ende dieser Einheit und stellt eine Nahtstelle zum Wechsel in eine andere dar. Mehrere solcher Argumente stellen eine Position dar, etwa das Nein zum Atomausstieg in einem Interview oder einer Diskussion. Die haltungsmäßige Markierung einer
solchen Position ist umfangreicher als bei einem Argument. Es wird mindestens die Hälfte des Körpers miteinbezogen. Das größte Aggregat von Kommunikationseinheiten ist für Scheflen die Präsentation, die alle Argumente und Positionen beinhaltet. Der Endpunkt einer solchen Präsentation ist sehr markant und kann beispielsweise darin bestehen, daß die Teilnehmer einer Diskussionsrunde den Raum verlassen.
4 Zusammenfassung und Fazit
Nachdem wichtige Begriffe aus dem Themenbereich der Kommunikation in Kapitel 2 geklärt wurden, wendete sich Kapitel 3 der nonverbalen Kommunikation zu. Die verschiedenen nonverbalen Kommunikationssysteme wurden erläutert und jeweils kurze Beispiele aus Wirtschaft und Politik angeführt. Es wurde gezeigt, daß sich die menschliche Kommunikation vieler Kanäle bedient und damit einer Mischung aus analoger und digitaler Verständigung. Kapitel 3.3 befasste sich mit der Körperhaltung und ihren Funktionen, welche detailliert anhand von Beispielen aus Politik und Wirtschaft veranschaulicht wurden. Die zentrale Aussage dieser Arbeit ist, daß die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im allgemeinen und der Körperhaltung im speziellen, die sich aus ihren Funktionen ergibt, in den betrachteten Bereichen der Politik und Wirtschaft zwar zunehmend erkannt wird, aber immer noch relativ wenig bewusst genutzt wird. Darin könnte der Schlüssel für eine erfolgreichere Kommunikation von Führungspersönlichkeiten liegen. In der bewussten Nutzung der
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Körpersprache liegt jedoch auch die Gefahr, daß das Verhalten dann aufgesetzt und unnatürlich wirkt, die wahren Gefühle und Einstellungen unterdrückt und überspielt werden. Diese Arbeit soll auch darauf hinweisen, daß die verschiedenen Wissenschaftszweige auf diesem Gebiet noch erheblichen Forschungsbedarf haben, um von anekdotenhaften Aussagen wegzukommen und den populärwissenschaftlichen Büchern zu diesem Thema fundiert entgegentreten zu können. Speziell die Körperhaltung in der Politik und Wirtschaft ist bislang ungenügend untersucht. Untersuchungen, die die Effekte der nonverbalen Kommunikation für den Erfolg von Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft konkret beziffern stehen noch aus. Dies ist unverständlich, da die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation der Wissenschaft lange bekannt ist und diesen Personen innerhalb von unserer Gesellschaft eine tragende Rolle zukommt.
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Simon Peglow, 2006, Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Körperhaltung - Eine Analyse mit Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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