Um über den Zusammenhang zwischen Sprache bzw. Sprachspiel und Lebensform zu schreiben, muss man erst einmal genau erläutern, was Ludwig Wittgenstein als ein Sprachspiel bzw. eine zwischenmenschliche Interaktion als solche definiert bzw. ansieht. Auch eine Lebensform, wird im allgemeinen Sinne, meist als eine Form von Kultur bzw. zwischenmenschliche Interaktion verstanden. Dies führt jedoch am Anfang meines Essays zu keinem logischen Kontext mit den zu analysierenden Paragraphen in den Philosophischen Untersuchungen Ludwig Wittgensteins. Ich werde bei meiner Analyse auf der Grundlage des §2 des Werkes Philosophische Untersuchungen aus ders. Werkausgabe in 8 Bänden, Band 1: Tractatus logicophilosophicus, Tagebücher 1914-1916, Philosophische Untersuchungen (StW501), Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1984, Seite238., argumentieren und werde auch weitere Zitate aus dem selbigen Buch verwenden. In diesem §2 PU beschreibt Ludwig Wittgenstein d en Dialog zwischen zwei Bauarbeitern, wobei der Bauarbeiter A dem Gehilfen B ein einzelnes Wort zuruft, zum Beispiel „Säule“, „Platte“ oder „Balken“ und „...B bringt den Stein, den er gelernt hat, auf diesen Ruf zu bringen...“ (PU §2, Seite 238). Er verlangt vom Leser, dass wir dies als vollständige primitive Sprache auffassen sollen. Natürlich kann man jetzt scharf protestieren, dass eine Sprache, welche nur aus einem so b egrenzten Vokabular, wie es die Bauenden in dem Beispiel aus PU §2 verwenden, nicht als eine vollständige Sprache existieren kann. Der erste Grund der gegen diese Annahme geäußert werden kann ist doch wohl, die Tatsache dass ihren Äußerungen jeglicher syntaktische Struktur fehlt sowie sie keine Konversation betreiben, wie wir es im engeren Sinne meinen. Außerdem fehlt jeglicher Raum für eine Unterscheidung zwischen sinnvollen und sinnlosen Anwendungen des jeweiligen Vokabulars, bzw. die freie Interpretation des Gehilfen B was der Bauarbeiter A nun eigentlich von ihm will . Ist jedoch die Tatsache, dass eine Sprache zum Zweck einer Kommunikation im engeren Sinne genutzt werden muss überhaupt Bedingung für die Existenz einer Sprache? Und bildet nicht ein einzelnes ausgesprochene Wort, welches eine Aussage macht, nicht auch einen Satz? Denn wenn eine Äußerung, sei es auch nur ein einzelnes Wort, einen bestimmten A nlass und eine bestimmte Konsequenz hat, so ist es eine Sprache bzw. kann als eine solche angesehen
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werden. N atürlich nur unter der Bedingung, dass Sprecher und Hörer sich beider Phänomene bewusst sind. Daraus resultiert, dass Anlass und Konsequenz notwendig sind um einer Äußerung Bedeutung zu verleihen. In Ludwig Wittgensteins Sprachspiel mit den Bauarbeitern aus §2 spielt jedoch der Anlass keine Rolle, denn er schreibt dem Wort „Platte“ eine g ewisse Bedeutung zu, nicht aufgrund des Anlasses, sondern aufgrund der Konsequenz, also in diesem Fall die Reaktion des Bauarbeiters B auf Zuruf dem Arbeiter A eine Platte zu bringen. Es handelt sich hierbei um eine Aufforderung mit einer bestimmten Konsequenz. Ludwig Wittgenstein sieht also dieses Sprachspiel aus einer ganz pragmatischen Sichtweise, sich an Handlungen der Menschen mit anknüpft. Das heißt doch dann zwangsläufig, „...dass das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit...“ (PU §23, Seite250) ist. Das bedeutet, dass der Gehilfe B genau weiß, was der A meint, weil das Sprachspiel des Befehlens eine nichtsprachlichen Aktivität als Folge beziehungsweise als Resultat haben soll und daher nur in diesem Kontext verstanden werden muss. Das b edeutet doch, das solche Sprachspiele o.ä. nur angemessen eingeschätzt werden können, wenn man eine Geschichte darüber erzählt, wie sie in die Tätigkeit, welche die beiden Bauarbeiter zum Beispiel ausüben, hineinpassen. Das bedeutet, dass der Gehilfe aufgrund der Logik seiner Arbeit, also in diesem falle, dem Hinreichen der Bauelemente, die Aufforderungen des Arbeiters A versteht. Daraus resultiert, dass wenn Ludwig Wittgenstein sagt „Und eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen“ (PU §19, Seite 246). Damit meint er, dass die Sprache als ein Instrument oder verbale Aktivität verstanden werden muss, welche mit der kulturellen, intellektuellen bzw. einfach einmal dem alltäglichen Lebensablauf sowie Lebensart in einen Zusammenhang gebracht wird, d.h. Lebensform als Basis der Sprache.„Richtig und falsch ist, was Menschen sagen: und in der Sprache stimmen die Menschen überein. Dies ist keine Übereinstimmung der Meinungen, sondern der Lebensform.“ (PU §24, Seite 251) Was ist also nun e ine solche „Lebensform“? Ludwig Wittgensteins Ausdruck „Lebensform“ b etont die Verflechtung von Kultur, Weltsicht und Sprache. Also im Beispiel aus §2 eine Gemeinschaft von zwei Personen, welche zusammen Bausteine
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logistisch transportieren und sich darauf verständigt wissen, also aus der Logik dieser Tätigkeit heraus, dass bei Zuruf der benannte Baustein zu bringen sei. Man kann dies auch als eine Art von Kultur sehen. Entsprechend ist also eine Lebensform eine Form der Kultur oder eine soziale Gruppierung, die als G esamtheit gemeinsamer Tätigkeiten, in die Sprachspiele eingebettet existiert. So „...dass das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform“(PU §23, Seite 250). Das heißt, dass Ludwig Wittgenstein von Lebensformen spricht die so und so handeln, weil es sich um Tatsachen ihres Lebens handelt - also ihre Lebensform darstellen. Man kann also sagen, dass die beiden Bauarbeiter eine für sich definierte Lebensform gebildet haben aufgrund ihres gemeinsamen Aufgabenbereiches, sowie vielleicht einiger externer Einflüsse wie Bildung o.ä. Zur Kommunikation untereinander benutzen sie nur einzelne Wörter, wie „Platte“ etc., da diese für sie eine vollkommen gewöhnliche und ausreichende Umgangssprache darstellt in Verbindung mit allen Tätigkeiten und Verrichtungen welchen sie nachzugehen pflegen. Daraus resultiert dann, dass aufgrund dieser pragmatischen Annahme, dass es aufgrund unzählig vieler unterschiedlicher kultureller Gegebenheiten bzw. spezifischer Verhaltensmuster, z.B. Bauarbeiter mit der Aufgabe des Hinreichens von Platten wie im Beispiel oder aber Lehrer, Intellektuelle etc., es auch genauso viele Sprachspiele geben muss. Jedoch können dann die benutzten Wörter mehrere Bedeutungen haben, nicht aber mehrere Bedeutungen in ein und demselben Sprachspiel. Als Beispiel möchte ich anführen, dass zum Beispiel in dem Sprachspiel zwischen den beiden Bauarbeitern aus §2 PU der Ausruf „Platte“ vom Gehilfen B nur dadurch als Befehl aufgenommen wird, weil er sich seiner Rolle als Gehilfe, welcher Platten bringen soll, bewusst ist. Daher reagiert er mit der entsprechend richtigen Reaktion darauf, indem er die Platte bringt. Stellen wir uns den gleichen Ausruf in einem anderen Sprachspiel, also Situation vor, zum Beispiel dass der Bauarbeiter einem vorbeilaufendem Passanten „Platte“ zuruft. Dieser wird nicht wissen, was damit gemeint ist, da es sich hier um eine vollkommen anderes Sprachspiel handelt, wobei der Passant den Zusammenhang nicht versteht und damit nicht „rechnet“ dass er aufgefordert ist ihm eine Platte zu bringen. Daraus resultiert also, dass Sprachbezüge erst dann Sinn und Bedeutung erhalten wenn sie in richtiger Umgebung, also einem logischen Raum, dargestellt werden.
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Arbeit zitieren:
Roman Grzyb, 2002, Ludwig Wittgenstein - §§ 18-21 (auch 206, 241f.) der Philosophischen Untersuchungen (PU), München, GRIN Verlag GmbH
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