Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die abhängigen Variablen
2.1 Die abhängigen Variable: Normative Vorstellung und Arbeitsteilung 2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit-Hausarbeit-Kindererziehung
3. Die unabhänige Variable 3.1. Die unabhänige Variable: Erwerbsstatus 3.2. Die unabhänige Variable: Einkommen 3.3. Die Dritt-Variablen-Kontrolle
4. Hypothesen
5. Methoden
6. Grundgesamtheit und Strichprobe
7. Validitätsmaßnahmen
8. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Das starke Bewußtsein der Tradition ist ein modernes Phänomen, das ein Bedürfnis nach Sitten und Gebräuchen in einer durch ständige Veränderungen und Innovationen gekennzeichneten Welt reflektiert. Die Hochachtung vor der Vergangenheit ist so groß geworden, das Traditionen, falls sie noch nicht existieren, einfach erfunden werden. „
Witold Rybczynski
In Zeiten von Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen und Globalisierung brechen die gesellschaftlichen Veränderungen auch die Geschlechterrollen und das Geschlechterverständnis auf. In der bisherigen Forschung wurden in diesem Zusammenhang vorwiegend Veränderungen für Frauen beachtet, obwohl solche tiefgreifenden Umbrüche auch Auswirkungen auf Männer haben und deren Rolle und -verständnis neu interpretiert und reflektiert werden muss. Helen Franks schrieb noch 1985 in ihrem Werk ,,Goodbye Tarzan. Der endgültige Abschied vom Macho-Mann“ ,,Es ist eine Ironie, aber vielleicht keine Überraschung, daß ich bei den Nachforschungen zu diesem Buch gezwungen war, unter dem Stichwort ,Frauenforschung` nachzuschlagen, um etwas über die heutigen Männer zu erfahren." 1 Das Thema Männlichkeiten und Mannsein war in den 70ern ein noch so gut wie unbekanntes Thema. Jedoch änderte sich dieses in den letzten 20 Jahren, denn seit Anfang der 90er boomt die Männerbewegung, die akademische Forschung sowie die Zahl der Veröffentlichungen. 2 Der feministische bzw. akademische Blick allgemein wurde seitdem auf die Männer ausgeweitet, auf deren Rolle innerhalb des Prozesses der Gleichberechtigung, auf die Konzeption eines neuen Geschlechterverhältnisses sowie auf ihre spezifischen Lebenszusammenhänge und -umstände.
Denn heute scheint nicht länger eindeutig zu sein, was ein ,,richtiger" Mann ist oder zu sein hat, oder was Männer überhaupt auszeichnet. Was sich in den letzten Jahren entwickelte, war ein kritischer Blick auf den Mann. Gerade die Emanzipation und ihre
1 Franks, H. 1985, S. 13
2 Möller, K. 1997, S. 23
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Konsequenzen betreffen unmittelbar die Männer. Das Verständnis der Geschlechts-und Elternrollen heute ist ein anderes als noch vor 20 Jahren. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Frauen heute über eine bessere Bildung verfügen und ihren Beruf genauso so gerne ausüben wie ihre männlichen Kollegen. Der Anteil erwerbstätiger Frauen ist im Steigen begriffen. Selbst wenn sie eine Familie gründen, steigen sie nicht mehr automatisch aus dem Erwerbsleben aus. Manche von ihnen wollen mit der Arbeitswelt in Verbindung bleiben und arbeiten (zumindest auf Teilzeitbasis) in ihrem Beruf weiter. Im Zuge dieser Entwicklung wird auch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern neu definiert. Die in vielen Familien traditionell vorherrschende Rollenteilung - der Mann als Ernährer, die Frau als Hausfrau und Mutter - wird von jungen Frauen in Frage gestellt. Sie verlangen eine gerechtere Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit und einen stärkeren Einbezug der Männer in die Familienarbeit.
Männer müssen sich von der Vorstellung verabschieden, sicher eine Frau zu finden, die das traditionelle Rollenverständnis teilt. Dies hat empfindliche Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, in denen Männer und Frauen interagieren und darüber hinaus auch auf das Selbstverständnis und die Identität der Männer, da ihnen mit dem klassischen Rollenverständnis auch die Identifikation ausschließlich über die Ernährerrolle und die damit verbundene starke Position innerhalb der Familie abhanden kommt.
Ausgehend von diesen Überlegungen wechseln wir in unserem Forschungsprojekt, Bild des Mannes in der Gesellschaft, die Perspektive und beleuchten das „Mannsein“ näher. Um dieses weite Feld greifbar zu machen, wurden einzelne Aspekte in verschiedenen Gruppen bearbeitet. Im Rahmen dieser Arbeit beziehe ich mich daher schwerpunktmäßig auf die normativen Vorstellungen in Bezug auf die Arbeitsteilung mit den Dimensionen Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung. Beginnen möchte ich mit der Definition der abhänigen Varbiablen gefolgt von den unabhänigen Variablen. Ich habe mich für diese Reihenfolge entschieden, da meines Erachtens die normativen Vorstellungen zu den einzelnen Lebensbereichen zu einer verdeutlichung des Themas unabdingbar sind.
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Den Abschluss meines Forschungspraktikumsberichts bildet der Methodenteil, beginnend mit den Hypothesen, gefolgt von der Methodenentscheidung - und Begründung. Die Grundgesamtheit und Stichprobe stellt einen weiteren Schwerpunkt in meiner Ausarbeitung da. Den Abschluss soll dann die Validität und die Verbesserung deren sein.
2. Die abhänigen Variablen
2.1 Die abhängigen Variablen: Normative Vorstellungen und Arbeitsteilung
Soziale Normen definieren mögliche Verhaltensweisen in einer sozialen Situation und geben Verhaltensregelmäßigkeiten an. Sie sind gesellschaftlich und kulturell bedingt und daher in den Kulturen verschieden und auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung wandelbar. Normen beeinflussen die Vorstellungen dessen, was „männlich“ ist bzw. wie der ideale Mann beschaffen sein sollte. Man sollte allerdings zwischen Einstellungungen und manifesten, normativen Vorstellungen auf der anderen Seite unterscheiden. Meist schlagen sich jedoch die persönlichen Einstelllungen in den normativen Vorstellungen wieder. Diese Vorstellungen fließen dann in die gewünschte, weil normativ richtige, Arbeitsteilung ein. Somit sind die Einstellungen der wohl zuverlässigste Indikator für die normativen Vorstellungen.
Auf Grund der (zumindest früheren) höheren Position des Mannes 3 (Simmel, 1985, S. 200ff) hatte er die Möglichkeit, Normen zu prägen und diese über Generationen hinweg aufrecht zu erhalten. Durch die normativen Vorstellungen, die die gesellschaftliche Bewertung eines Handelns beeinflussen, werden die Normen tradiert. Sie lassen sich durch die persönliche Einstellung und die Einstellung des Umfelds messen.
Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist ein implizites oder ausgehandeltes Reglement, das die Zuständigkeiten der Personen für bestimmte Aufgaben in einer Beziehung bzw. einer Familie festsetzt. Die reale Arbeitsteilung kann sich davon unterscheiden, wenn sie von äußeren Umständen überlagert werden, also wenn der
3 Simmel, 1985, S 200ff
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Mann der Partnerin zuliebe oder durch ökonomische Zwänge in seinem Handeln von seinen normativen Vorstellungen abrückt.
Die Arbeitsteilung ist in drei Unterdimensionen gegliedert, und zwar die Erwerbsarbeit, der Hausarbeit und der Kindererziehung. Wie der einzelne Mann anhand seiner normativen Vorstellungen die Arbeitsteilung bewertet, hängt von der individuellen Gewichtung der jeweiligen Unterdimensionen ab. Den Zusammenhang der Dimensionen zeigt die Abbildung 1.
Aus den Normen leiten sich die normativen Vorstellungen über die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau ab, die vorwiegend patriachaler Natur sind. Die Arbeitsteilung teilt sich zwischen Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Hausarbeit auf. Wobei die Kindererziehung sowohl die Erwerbsarbeit als auch die Hausarbeit beeinflusst, und somit als nicht vollkommen unabhängig zu sehen ist.
Abb. 1: Zusammenhang der abhängigen Variablen
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2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit - Hausarbeit - Kindererziehung
Durch den Wandel der Arbeitswelt und die Pluralisierung der Lebensformen verliert die traditionelle geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Erwerbsbereich ebenso an Selbstverständlichkeit wie das Normalarbeitsverhältnis. So werden die als atypisch bezeichneten Erwerbsbiographien von Frauen zu mehr oder weniger typischen Arbeitsverhältnissen für Männer, und immer mehr Frauen ziehen eine berufliche Karriere einer rein familienzentrierten Lebensweise vor. Beide Geschlechter identifizieren sich somit verstärkt über Erwerbstätigkeit und berufliches Engagement.
Dadurch bekommt auch die bislang klare Trennung von Familie und Arbeitswelt, sowie die damit verbundenen stereotypen Aufgabenzuschreibungen und Verhaltensweisen, neue Konturen. Fragen, wie nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die bisher vor allem Frauen betroffen haben, geraten in die gesamtgesellschaftliche Diskussion, da zunehmend auch Männer die Wechselwirkung dieser Bereiche unmittelbar erfahren.
Die Erwerbsarbeit ist die entlohnte, meist vertraglich geregelte Arbeit. Zu den Erwerbstätigen zählen demnach alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder selbstständig ein Gewerbe einen freien Beruf oder eine Landwirtschaft betreiben. Als Indikatoren wären zu nennen: die Regelmäßigkeit der Arbeit, also der Erwerbsstatus, die Berufsbezeichnung, der Arbeitsumfang (Vollzeit/ Teilzeit/ geringfügig beschäftigt, etc.) und die Externalität der Arbeitsstelle. Die Externalität der Arbeitsstelle erscheint uns wichtig, da jemand, der zu Hause arbeitet, die Hausarbeit besser in die Erwerbsarbeit integrieren kann und somit andere Formen der Arbeitsteilung zu erwarten sind.
Indikatoren: die Art der partnerschaftlichen Aufteilung von Textilpflege, Kochen,
Putzen, Reparieren, Haushaltsorganisation und Autopflege. Aus Zeitgründen
beschränken wir uns auf die Kernbereiche Wäsche Waschen, Staubsaugen und
Aufräumen. Auch die Gründe für die individuelle Arbeitsteilung (z.B. auf Grund einer
Krankheit) können wir nicht messen.
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Ellen Ziegler, 2006, 'Normative Vorstellungen' zur Arbeitsteilung in der Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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